Disclaimer: Die Figuren und Handlungsorte gehören alle Frau Rowling, ich verdiene kein Geld mit ihnen und leihe sie mir nur aus.
Viel Spaß bei diesem Kapitel!
Der nächste Morgen kam und mit ihm auch die gefürchtete Prüfung in Verwandlung. Alle Schüler der dritten Jahrgangsstufe hatten einen Horror davor, den Prof. Versatile, ihnen trotz seiner zahllosen Ermutigungen auch nicht nehmen konnte. Auf den Gängen traf man die Drittklässler leise vor sich hinmurmelnd an. Sie sprachen den notwendigen Zauberspruch „Proteus" immer wieder, in der Hoffnung, dass wenn sie ihn könnten, schon alles glatt gehen würde. Dass dies nicht unbedingt der Schlüssel zum Erfolg war, sahen die aufgeregten Schüler bereits bei dem ersten Versuch von Baldur Freztke, der mit so zitternder Hand den Zauberstab hielt, dass die Gegenstände noch nicht einmal einen Ruck aufeinander zugingen.
Lily war als 6. dran. Sie beobachtete die Schüler vor ihr ganz genau. Sie alle traten mehr oder weniger ruhig auf den Holztisch zu, auf dem die Kette und der Trinkpokal etwa 30 Zentimeter auseinander standen. Der Trick schien zu sein, einen Befehlston anzuschlagen, auch wenn das bis auf einen vor Lily noch keiner geschafft hatte. Und dieser war ausgerechnet ein Slytherin.
Als Lily vortrat flüsterte sie in sich hinein: „Für die Ehre Gryffindors." Der Schlüssel schlug kalt gegen ihre Brust, doch sie hatte sich vorgenommen, ihm zu vertrauen. Sie stellte sich vor den Tisch und erhielt von Professor Versatile, die Anweisung, die beiden Gegenstände nach dem Verbinden, in Bälle zu verwandeln. In ganz normale natürlich, keine die fähig wären, Quidditch zu spielen. Falls sie es nicht schaffen sollte, den Trinkpokal und die Kette zu verwandeln, bekäme sie immerhin noch Punkte darauf, wenn sie beides einzeln in Bälle transformieren könnte.
Sie stellte sich vor die beiden Gegenstände und stellte sie sich verbunden vor. Sie schwang den Zauberstab durch die Luft und sagte laut und deutlich: „Proteus!" Die Gegenstände zuckten kurz und verbündeten sich dann. Lily selbst war so erschrocken, dass es gleich beim ersten Mal geklappt hatte, dass sie einen Schritt zurücktrat. Alle hinter ihr klatschten in die Hände. Erneut trat sie vor und mit einem kleinen Wink des Zauberstabes und einem weiteren Zauberspruch hatte sie zwei rote Quaffel vor sich liegen. Professor Versatile war vollauf begeistert. Lily selbst konnte es kaum fassen und die Worte des Professors drangen nur verschwommen an ihr Ohr: „Ein Naturtalent! Einfach großartig."
Sie setzte sich zu den Anderen, die es schon hinter sich hatten und dachte wieder an die Rosen, die mittlerweile anfingen, zu welken. Hatte sie es nur dem Schlüssel zu verdanken, dass sie so gut gewesen war?
„Das war echt genial, Lily.", schwärmte Natasha. „Du hast so ausgesehen, als wärest du kein Stück aufgeregt."
„Nun ja, irgendwie habe ich nichts mehr um mich herum wahrgenommen.", sagte Lily wahrheitsgetreu.
„Egal. Es war einfach nur supercool.", beteiligte sich nun auch Marek an dem Gespräch. „Du warst mit Abstand die Beste."
„Das schon, aber…"
„Na siehst du, dann kann das mit dem Quidditchspiel am Freitag ja nur schief gehen. Und am Samstag kommt dein Bruder auch wieder aus dem Krankenflügel heraus und ist genauso wie vorher."
„Danke, dass du mich an ihn erinnerst, Tasha. Ich muss heute noch zu ihm und mich erkundigen, ob er aufgewacht ist. Und dann leiste ich ihm noch etwas Gesellschaft." Damit machte sie sich auf den Weg zum Krankenzimmer.
Als sie wieder hinausging, hüpfte sie beschwingt die Treppen hinauf zum Gryffindorturm. Ihr Bruder war aufgewacht und hatte sich ungefähr tausend Mal bei ihr entschuldigt, dass er so leichtsinnig gewesen war und ihr damit so viele Sorgen bereitet hatte. Als er allerdings erfahren hatte, wer sein Ersatz beim Spiel war, hatte er unwillig den Mund verzogen und sich darüber beklagt. Doch diese Tatsache ignorierte Lily einfach. Es war ja schließlich seine eigene Schuld.
Gut gelaunt lief sie auf das Spielfeld, wo die Quidditchmannschaft heute Nachmittag trainieren sollte. Emilian hatte eine Schar von Mädchen mitgebracht. Lily störte es nicht, solange sie auf ihren Plätzen blieben und keinen Laut von sich gaben. Es war einer der wenigen Apriltage, an denen die Sonne schien. Sie schien mit einer Intensität, dass Lily ihre Jacke auszog und dann mit ihrer Mannschaft besprach, was und wie sie heute trainieren wollten. Es war eines der einfachsten Trainings, die die Quidditchgeschichte je erlebt hatte und das schlechteste dazu. So sehr Emilian auch am Sonntag geglänzt hatte, schien er es irgendwie verlernt zu haben, also hieß die neue Strategie: Lily sollte den Schnatz so schnell wie möglich fangen, damit die Hufflepuffs nicht einmal in die Nähe von 15 Toren kämen.
Am Abend kam Lily total erschöpft und auch noch zu spät zum Treffen mit Nathanael. Sie gab nur knappe Antworten und jeder hätte mitbekommen, dass Nathanael immer unzufriedener wurde, doch Lily war schon so erschöpft, dass sie gar nichts mehr mitbekam.
„Und wie war das Training?", fragte er, während einem Kuss.
„Schrecklich. Hoffentlich ist Emilian am Freitag besser."
„Ja." Das war so ziemlich die einzige Unterhaltung, obwohl sie sich eine Woche lang nicht gesehen hatten.
Als Lily zum Abendessen kam, war Nathanael nicht anwesend. Er saß in seinem Schlafsaal und überlegte, was er falsch machte. Er spürte, dass in ihr eine Veränderung vorging, doch er konnte beim besten Willen nicht sagen, wie diese aussah. Sie lächelte ihn nicht mehr so an wie früher, ganz zu schweigen mit der Art wie sie ihn ansah. Früher war in ihren Augen immer ein Glitzern oder ein keckes Funkeln gewesen, doch mittlerweile waren sie erloschen und Lily sah ihn immer so an, als ob er ihr egal wäre. War er das vielleicht sogar?
Hätte Lily seine Gedanken in diesem Moment gehört, wäre sie zutiefst traurig gewesen, dass sie einem Menschen so wehtat. Und weh tat sie ihm durch ihr Verhalten, auch wenn es unabsichtlich geschah.
Doch Lily bekam von Nathanaels Gefühlen nichts mit, da sie in der Großen Halle vor dem Gryffindortisch saß, der sich unter all dem Essen so durchbog, das Muggel wohl Angst gehabt hätten, er würde gleich brechen, und ließ sich zwei Bratwürste schmecken.
„Glaubst du die Prüfungen werden schwerer sein, als der Test heute?", fragte Natasha kauend.
„Gibt es zu dem heute überhaupt noch eine Steigerung?", warf Megan ein.
„Ich denke nicht, dass sie noch eine Schwierigkeitsstufe draufsetzen, außer vielleicht für Lily."
„Oh, sehr liebenswürdig Marek.", bedankte sich Lily ironisch.
„Immer, wieder gerne, meine Liebe."
In diesem Augenblick trat Professor McGonnagal an das Rednerpult und alles wurde still.
„Liebe Schülerinnen und Schüler. Aufgrund der Tatsache, dass in 3 Wochen ihre Prüfungen für dieses Jahr beginnen, hat sich das Kollegium dazu entschlossen, davor einen Maiball zu geben. Dieser wird die Prüfungszeit einläuten und 2 Tage danach werden die ersten von ihnen beginnen zu schreiben. Dieser Ball ist eine Gelegenheit Spaß zu haben, nachdem sie danach wochenlang nur noch lernen müssen. Obwohl sie damit eigentlich schon angefangen haben sollten.
Ich hoffe ihnen allen ist bewusst, dass das Wort „Ball" für schöne Abendkleidung und Standarttanz steht. Wer sich für den Tanzkurs anmelden will, sollte dies so schnell wie möglich tun. Morgen geht es bereits los. Damit wünsche ich ihnen noch gutes Speisen."
Natasha und Lily sahen sich an und stürmten dann sofort los, um sich einzuschreiben. Dass Lily eigentlich Quidditchtraining hatte, war ihr egal, es würde sich schon jemand finden, der sie vertrat.
Am Abend schrieb Lily ihrer Mutter einen Brief:
Liebe Mama, lieber Papa,
sicher wisst ihr schon, dass Albus wieder aufgewacht ist, aber ich wollte es euch noch einmal persönlich schreiben. Es tut ihm furchtbar Leid, was er getan hat und er hofft, dass ihr nicht allzu böse seid und ihn besuchen kommt. Ansonsten gibt es nicht viel Neues, außer dass ich heute eine 1 in Verwandlung bekommen habe.
Ich hoffe es geht euch gut.
Eure Lily
Danach löschte sie das Licht und schlief ein.
Beim nächsten Kapitel wird es wieder mehr wörtliche Rede geben…
