Disclaimer: Die Figuren und Handlungsorte gehören alle Frau Rowling, ich verdiene kein Geld mit ihnen und leihe sie mir nur au

Gut, nach der langen Pause, kommt nun endlich das neue Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch und ihr habt noch nicht vergessen, was in dem Kapitel davor passiert ist ;D. Eine kleine Inspiration war mir diesmal: The Cranberries mit „When you're gone"

Ja, Malfoy hatte durchaus Recht, sie versank etwas in ihrem Selbstmitleid, aber wieso auch nicht? Es war Wochenende und durch ihr Verhalten schadete sie ja niemandem, höchstens Natasha, die sich pausenlos Sorgen machte und versuchte sie aufzumuntern. Lily ging nicht mehr aus dem Schlafsaal und blieb im Bett liegen. Essen wollte sie nicht, obwohl Natasha ihr nach jeder Mahlzeit etwas mitbrachte.

Am Montagmorgen stand sie auf und sagte zu Natasha: „Ich bin wieder normal. Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen, ich denke, ich bin über die Trennung hinweg. Außerdem na ja, bin ich doch recht zuversichtlich, dass ich heute alles mit links schaffe." Sie glaubte den Worten nicht mit ganzem Herzen, doch es war immerhin ein Trost, dass die anderen sie ihr abnahmen.

„Lily, dir ist bewusst, dass du Rechtshänder bist, oder?", zog Natasha sie ein wenig auf.

„Na gut, dann halt mit rechts.", meinte Lily lächelnd.

Das Frühstück ließ Lily sausen und ging gleich in den Wahrsagenunterricht. Die Gänge, die sie an Nathanael erinnerten, mied sie. Doch so ganz ließ sich ein Treffen mit jemandem, der von einer Trennung gehört hatte, nicht vermeiden. Sie wurde von Julia abgefangen, der Leiterin der jüngeren Theatergruppe. Diese Theatergruppe umschloss alle Schüler aller Häuser von der ersten bis einschließlich der fünften Klasse.

„Hallo Lily. Wie geht's dir denn?", fragte sie in einem mitleidsvollen Ton.

„Ganz gut. Außer der Tatsache, dass wir heute Montag haben, bin ich über alles hinweg."

„Also stimmt es, dass ihr euch getrennt habt? Ich dachte es mir ja gleich, als ich dich mit Malfoy knutschen sah." Lily verzog das Gesicht und Julia wurde sogleich wieder anteilnehmend. „Tut mir Leid, ich wollte keine „alten" Wunden aufreißen. Aber wir haben das Drehbuch zum neuen Stück fertig und ich denke, du wirst es gut finden. Und ich wollte mit dir besprechen, welche Rolle du bekommst." Sie zog Lily verschwörerisch in eine Ecke, von der aus man durch den angrenzenden Garten nicht gesehen werden konnte. „Also, ich denke, du passt perfekt in eine unserer Hauptrollen." Sie musterte Lily von Kopf bis Fuß und redete dann weiter: „Die Katharina ist eine tolle Rolle für dich und ich bin sicher, wir finden einen perfekten Partner."
„Julia, wenn ich dich kurz unterbrechen dürfte: Was für ein Stück spielen wir?"

„Wir spielen „Der Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare. Mit alten Kostümen und solchen Dingen. Ich bin mir, wie gesagt, sicher, dass du eine geeignete Besetzung für die widerspenstige Katharina (1) bist und dass du ihren Wandel gut darstellen kannst."

„Ähm, und wie seit ihr gerade auf mich gekommen?" Der Gedanke, dass die anderen Schüler sie für störrisch hielten, traf sie unerwartet tief, sie war immer davon ausgegangen beliebt zu sein.

„Nun, wir haben ja gesehen, wie du früher mit Malfoy umgegangen bist und nun ja, dir steht sowohl das Liebe, wie auch das Zickige. Weißt du, außerdem bist du eine gute Schauspielerin und bist beliebt, einige werden nur wegen dir hingehen."

„Ja, aber gerade die Rolle der Zicke?", fragte Lily widerwillig.

„Erstens wird sie am Schluss nett und zum zweiten ist die Katharina eine der Hauptrollen, die zum Ende hin eine richtig lange Szene hat, also werden die Leute beim Verlassen nur über dich reden. Bitte, mach es für mich. Die letzte Aufführung war nicht gerade der Renner und ich denke, wir haben diesmal eine richtig gute Chance, die große Halle zu füllen. Du weißt, dass ich Theaterregisseurin werden will und du weißt genauso gut wie ich, dass ich nur richtig gut werden kann, wenn ich gute Schauspieler habe."

„Das ist Erpressung."

„Natürlich ist es das. Aber ich will nicht, dass wir wieder so ein Desaster mit der Hauptbesetzung haben wie bei Goldmarie und Pechmarie. Goldmarie hatte sich auf dem Klo eingeschlossen und geweint vor Aufregung und Pechmarie hat lauthals Bezahlung gefordert, typisch Slytherin eben. Also hilfst du mir?"

„Ja, ich werde die Katharina spielen.", gab Lily nach.

„Oh, Dankeschön. Wir treffen uns am Freitag für das offizielle Casting, da musst du nur richtig zickig spielen und du hast die Rolle. Und, Lily: Es tut mir ehrlich Leid." Sie winkte ihr zum Abschied und zog von dannen, durch den grünen Innenhof, hinein in einen anderen Gang.

Lily machte sich ihrerseits auf den Weg zum Turm.

Dort erwartete sie in dem düsteren, stark nach Weihrauch riechenden Zimmer auch schon Professor Adivina mit freudestrahlendem Gesicht.

„Da kommt ja unsere zukünftige Wahrsagerin. Lily, du glaubst gar nicht, wie erschüttert ich war, als ich hörte, dass die Voraussage mit deinem Bruder eingetreten war. Ich hätte dich ernster nehmen sollen, aber ich tat es nicht. Nun, während der Woche, in der ich aufgrund dieses Schocks krank war, kam mir die Erkenntnis, dass ich das, was ich zu tun verpasst habe, nun nachholen werde. Ich versichere dir, dass ich dich in jeder Stunde, um einen Beitrag bitten werde."

„Wie nett.", sagte Lily überrumpelt und nur zu dem einen Gedanken fähig: ‚Das wird Albus büßen.'

Die Stunde wurde der wahre Horror und Lily hätte einiges dafür gegeben, unsichtbar zu sein. Auch das Mittagessen verlief nicht so, wie gewünscht, denn Marek kam nur kurz zu ihnen, um sie davon in Kenntnis zu setzen, dass er nun mit Gabrielle ganz offiziell zusammen war. Natasha stürzte daraufhin aus dem Schloss, hinein in den sonnigen, warmen Tag, der sie mit seinem strahlenden Wetter zu verhöhnen schien. Lily lief ihr natürlich nach. Natasha saß unter demselben Baum, unter dem sie selbst wenige Tage vorher getrauert hatte. Lily kamen die Erinnerungen wie Galle hoch, doch sie schob sie resolut beiseite. Der See glitzerte im Sonnenlicht und die Vögel zwitscherten. Natashas Stimmung schien gar nicht dazu zu passen. Nach einiger Zeit nahm Lily ihre beste Freundin in die Arme und wiegte sie vor und zurück. Nach einer Weile beruhigte sich Natasha und sagte entschlossen: „Ich muss mich von ihm lösen."

Lily antwortete nicht.

„Ich werde mir meine Freizeit verplanen und dann werde ich entweder einen neuen finden oder ich vergesse Marek. Hast du eine Idee in welche AG ich gehen könnte?"

„Du könntest in die Theatergruppe kommen. Wir suchen immer Leute."

„Na ja, ich überleg es mir." Sie gingen zurück in den Unterricht, nur leider mit reichlich Verspätung für die Professor Melodie natürlich kein Verständnis hatte. Er meinte lediglich dazu: „McCain, Potter Nachsitzen nächsten Mittwoch."

Den Tag schloss Lily mit nur einem Gedanken ab: Sie hatte Malfoy nicht gesehen. Sie wusste nicht, ob sie sich darüber freuen oder traurig sein sollte.

(1) In dem Originalstück „Der Widerspenstigen Zähmung" heißt Katharina Katherine und so kam ich etwas in die Bedrängnis, wie ich sie hier nennen sollte, da Harry Potter ja auch in Schottland spielt, ich habe mich aber trotzdem dazu entschlossen es bei Katharina zu belassen.