Disclaimer: Die Figuren und Handlungsorte gehören alle Frau Rowling, ich verdiene kein Geld mit ihnen und leihe sie mir nur aus.

In diesem Kapitel steuere ich schon so langsam darauf zu euch eure Fragen zu beantworten.

Als Lily aufwachte, herrschte noch vollkommene Stille im Schlafsaal. Sie tapste aus dem Bett und zog einen Vorhang vor dem Fenster zur Seite, woraufhin sie heftig blinzeln musste, da die Sonne bereits schien. Sie wendete den Kopf nach Süden, wo sie eine Wolkendecke ausfindig machte. Das würde also kein schöner Tag werden. Sie sah hinüber auf die anderen Betten. Alle schliefen, bis auf Natasha, die nicht mehr da war. Ihr Bett stand verlassen und aufgeräumt da. Lily fluchte leise, da sie das klärende Gespräch doch eigentlich so schnell wie möglich hinter sich hatte bringen wollen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass das Frühstück bereits begonnen hatte und sie machte sich schnell fertig. Das Summen in ihrem Hinterkopf war noch da, doch mittlerweile war es schon so, als würde sie sich daran gewöhnen.

Der Gemeinschaftsraum war leer, also musste sie sich alleine auf den Weg zur Großen Halle machen. Sie bog gerade um die vorletzte Ecke, als sich jemand bei ihrem Arm einharkte. Doch es war nicht wie erwartet Natasha, sondern ein ihr unbekanntes Slytherin-Mädchen.

„Guten Morgen Lily. Du kennst meinen Namen vermutlich nicht, deswegen werde ich mich dir kurz vorstellen: Ich bin Yvonne Zabini." Ihr Ton war betont freundlich und machte Lily sofort misstrauisch, was vielleicht auch daran liegen konnte, dass Yvonne sie mit in eine andere Richtung nahm.

„Weißt du ich wollte mit dir reden, denn nun ja, in letzter Zeit sieht man dich doch recht häufig mit Scorpius Malfoy, dem besten Freund meines Bruders und da mache ich mir natürlich Sorgen."

„Weil ich eine Gryffindor bin?", schloss Lily abweisend.

„Nein, nein um Himmels willen. Ich mache mir keine Sorgen um ihn, sondern um dich. Weißt du, er ist schließlich 2 Jahre älter als du. Und du hast ja sicherlich mitbekommen: seine Ex-Freundin ist schwanger. Was das bedeutet solltest du wissen." Yvonne nickte wissend.

„Nun, aber das Kind ist nicht von ihm.", hielt Lily dagegen.

„Bist du dir sicher, dass er dich nicht angelogen hat?", fragte Yvonne mit besorgtem Blick. Lily sagte nichts, denn in Wirklichkeit hatte er ihr nie etwas in der Richtung gesagt. Und erst in diesem Augenblick wurde ihr bewusst, wie wenig sie eigentlich von Malfoy wusste. Sie hatte ihm bis jetzt kaum eine persönliche Frage gestellt.

Sie lächelte Yvonne an und entschuldigte sich: „Tut mir leid, aber ich muss jetzt zum Essen. Mein Magen rumort bereits." Während der ganzen Unterhaltung hatte sie versucht, die Gedanken von Yvonne zu hören, um ihr wahres Vorhaben zu erfahren, doch wie immer wollte es nicht auf Kommando klappen.

Yvonne nickte und entließ ihren Arm. Sie blieb mit einem verschlagenen Lächeln zurück und blickte Lily hinterher. Sie freute sich maßlos darüber, dass ihr die Kleine alles so bedingungslos geglaubt hatte. Ihr Bruder kam hinter einer Säule hervor und sie lächelten sich verschwörerisch zu.

Lily stocherte lustlos in ihrem Essen herum. Ihr gegenüber beklagte sich Megan, dass ihr Ballpartner bereits nichts mehr von ihr wissen wollte. Marek hielt dagegen, mit dem Argument, dass er seine langjährige beste Freundin und noch dazu Gabrielle verloren hatte. Sie diskutierten darüber, wer von beiden eine Papierkrone für den anderen herbeizaubern müsse. Lily dagegen sehnte sich nach den guten Ratschlägen von Natasha. Sie hätte gewusst, was zu tun war. Doch auch in der Großen Halle war sie nicht gewesen, genauso wenig wie Emilian. Natürlich war das auch Marek aufgefallen, doch heute hatte er nichts dazu gesagt.

Während der Prüfungszeit hatten die Schüler keinen Unterricht, damit sie sich ausreichend vorbereiten konnten. Lily steuerte also direkt auf den Gryffindorturm zu. Sie hörte hinter sich etwas schnellere Schritte und dann wurde sie am Ellenbogen herumgerissen. Sie starrte in die blauen Augen von Malfoy.

„Hey, ignorierst du mich?", fragte er lächelnd. „Ich habe dir ständig zugewunken, aber du hast nicht reagiert."

„Tut mir Leid." Sie blickte zu Boden und wollte sich losmachen, doch er ließ es nicht zu.

„Geht es dir gut Lily?" Seine Stimme klang ehrlich besorgt.

„Ich habe etwas Stress mit Natasha und will mit ihr reden. Weißt du wo sie ist?"

„Nein, tut mir leid." Ein Donner ließ Lily zusammenzucken. Sie standen direkt neben einem Fenster.

„Gut, ich muss los." Lily drehte sich einfach um und ging. Er ließ ihren Arm widerstandslos frei. Ihr war klar, dass das alles andere als fair gewesen war, doch sie war noch zu verunsichert von Yvonnes Worten.

Im Schlafsaal fand sie Natasha vor und stürzte sich, bevor sie einen Rückzieher machen konnte, auf sie. Sie setzte sich neben Natasha aufs Bett. Sie lehnte sich gegen das Kissen, das ans Kopfende gestellt war.

„Wir müssen reden. Wenn du willst, fange ich auch an. Wir haben seit einiger Zeit kein richtiges Gespräch mehr geführt und irgendwie finde ich, dass sich zwischen uns eine Mauer aufgebaut hat." Natasha nickte leicht.

„Also: Malfoy und ich sind nur Freunde. Meine Gefühle? Nun ja… ich habe mir schon öfter mal vorgestellt, wie es wäre, wenn wir zusammen wären. Ich meine, er kann verdammt gut küssen." Sie grinste Natasha an und diese erwiderte es.

„Aber, heute hat mich so eine Slytherin angesprochen und nun ja, sie erzählte mir, dass seine Ex von ihm schwanger sei." Natasha starrte sie entsetzt an. „Und da wurde mir bewusst, dass ich nichts von ihm weiß und ihm einfach so vertraut habe, genau das was man bei einem Slytherin nicht tun sollte. Und deswegen glaube ich, dass ich es bei dem „Freunde-sein" belassen sollte."

„Hast du ihn darauf angesprochen? Vielleicht ist sie ja auch nur in ihn verknallt und versucht dich gegen ihn aufzuhetzen."

„Natasha, wenn sie ihn erobern wollte, dann hätte sie andere Mittel. Es war Yvonne Zabini. Du kennst sie bestimmt. Glatte, lange schwarze Haare, volle Lippen, stechend grüne Augen. Das Mädchen ist wunderschön. Sie kann jeden haben."

„Ah, ich glaube ich weiß, wen du meinst. Die mit dem hübschen Haarschwung, den wir früher immer nachmachen wollten?"

„Genau die." Lily sah betreten zur Seite.

„Aber Lily, ich glaube wirklich, dass du mit ihm reden solltest. Er kann dir die Antworten auf deine Fragen geben. Und du solltest ihn nicht einfach von dir stoßen, wenn du nur Gerüchte kennst."

„Na gut, ich kann ja mal versuchen mit ihm zu reden." Der Regen setzte ein und prasselte laut ans Fenster. „Und jetzt bist du dran."

Mit einem Seufzer begann Natasha: „Es ist schwer zu beschreiben, was zwischen Emilian und mir ist…nach außen hin sind wir gute Freunde. Hinter der Fassade…na ja am besten geht es wohl so zu beschreiben: Wir knutschen rum. Aber nicht mehr."

„Und was bedeutet das? Seid ihr zusammen?", harkte Lily nach.

„Nein. Sind wir nicht. Er ist kein Beziehungstyp. Im Grunde genommen führen wir eine offene Beziehung, wenn er will, kann er noch ein anderes Mädchen neben mir haben, allerdings hat er sich dagegen geweigert. Aber ich will ihn nicht anleinen, wenn mein Herz doch nicht einmal ihm gehört. Ich fände es falsch."

„Weiß er das mit Marek?"

„Ja. Er meint, dann ist es immerhin mal eine Herausforderung das Herz eines Mädchens zu erobern. Aber ich glaube nicht, dass er damit glücklich ist."

„Natasha, mir erscheint es so, als ob du ihn dir nicht richtig ansiehst. Ihr beide lauft die meiste Zeit wie Honigkuchenpferde herum. Und trotzdem hast du Schuldgefühle. Aber die brauchst du nur zu haben, wenn du ihn wegen Marek auf der Stelle verlassen würdest."

Natasha schüttelte den Kopf. „Emilian ist viel zu liebenswürdig, als dass ich ihn wegen diesem unsensiblen Typen verlassen würde." Doch so richtig konnte sie Lily damit nicht überzeugen.

„Okay, ich muss dir noch etwas zeigen." Die Stimmen in Lilys Kopf wurden lauter, als wollten sie verhindern, was sie vorhatte. Sie setzte sich Natasha gegenüber und zog die Kette mit dem Schlüssel hervor.

„Den hier habe ich bei dem Quidditchspiel gegen Slytherin gefunden. Ich weiß nicht, aber ich vermute mal, dass er mich irgendwie beeinflusst…"

„Du meinst: sie? Oder? Die Kette.", fragte Natasha verwirrt nach.

„Nein. Ich rede von dem Schlüssel, der an der Kette hängt." Natasha kam näher zu ihr heran und betrachtete die Kette von allen Seiten.

„Tut mir Leid.", sagte sie schließlich. „Ich sehe nur die Kette."

Das durfte nicht wahr sein! Das konnte nicht wahr sein!

„Bist du dir sicher?", fragte Lily entsetzt.

„Ja. Tut mir leid.", wiederholte Natasha zerknirscht.

„Okay, das ist nicht gut. Vielleicht bin ich verrückt. In Wirklichkeit gibt es vermutlich keinen Schlüssel. Aber ich habe doch in der Bibliothek davon gelesen. Wieso kannst du ihn nicht sehen?"

„Nun, vielleicht braucht man dazu spezielle Fähigkeiten, oder so etwas…" Doch bevor sie weiterreden konnte, wurde die Tür aufgerissen und Megan stürmte herein.

„Was denkt er sich eigentlich, so etwas zu mir zu sagen?!", schrie Megan aufgebracht. Lily flüsterte etwas in Natashas Ohr, ging dann aus dem Zimmer und aus dem Turm in Richtung Slytherinkeller.

„Ich dachte mir bereits, dass du mich suchen würdest.", vernahm sie eine Stimme hinter sich, gerade als sie um die letzte Ecke zum Keller gehen wollte. Zum zweiten Mal an diesem Tage zuckte Lily erschrocken zusammen.

„Woher kommt die Angewohnheit von euch Slytherins euch immer hinter Ecken zu verstecken?", fuhr sie ihn an. Er musterte sie nur verständnislos.

„Wir sollten uns einen ruhigeren Platz zum Reden suchen.", meinte er, als die Tür hinter ihnen aufging.

Er ging neben ihr, allerdings mit einem gewissen Abstand.

„Hübsche Kette."

Sie sah an sich herunter und sah den Schlüssel an ihre Brust schlagen.

„Dankeschön. Findest du wirklich?" Sie sah ihn während seiner Antwort unverwandt an.

„Ja, vor allem der Schlüssel." Sie blieb abrupt stehen.

„Du kannst ihn sehen?", fragte sie schockiert.

„Ja, natürlich." Und dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck, so als ob ihm erst jetzt klar würde, dass das, was er da eben gesagt hatte, nie seine Lippen verlassen hätte dürfen.

„Wieso?", platzte es aus Lily heraus.

Ich weiß, dass es gemein ist, an so einer Stelle Schluss zu machen, aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen.