Disclaimer: Die Figuren und Handlungsorte gehören alle Frau Rowling, ich verdiene kein Geld mit ihnen und leihe sie mir nur aus.
In Ordnung, meine Lieben! Es wurde mal wieder Zeit etwas zu schreiben.
Lily saß im Schneidersitz auf ihrem Bett, vor sich einige Karten. Aufzeichnungen der Umgebung von Hogwarts, sowohl von Muggeln, als auch von Zauberern. Sie wusste nicht genau, wonach sie suchte, was wohl auch der Grund dafür war, weshalb sie sich immer wieder ungeduldig die Haare aus dem Gesicht strich. Natasha war mit Emilian unterwegs und Megan, Holly und Emma waren im Gemeinschaftsraum, um an dem Gryffindorturm-Spiele-Nachmittag teilzunehmen. Also hatte Lily den Schlafsaal für sich allein. Und trotzdem kam sie nicht voran.
Malfoy hatte sie seit der Theaterprobe vor einer Woche nicht mehr gesprochen, sie wusste, dass er dicht halten würde und sie wollte nicht durch einen nutzlosen Versuch noch frustrierter werden, als sie es ohnehin schon war. Sie stand auf und tiegerte in dem Zimmer auf und ab. So schwer konnte die Lösung ja nun wirklich nicht sein. Sie las sich noch einmal das Kärtchen an dem Ölkännchen durch:
"Ich weiß, dass du auf der Suche nach mir bist. Viele sind das. Doch nur wenige finden mich. Die Antworten auf deine Fragen werden nicht von alleine kommen. Also beginne mit dem Erforschen deiner Umgebung."
"Was glaubst du, wer auch immer du bist, eigentlich, was ich hier mache?" Entnervt warf sie das Kärtchen an die Wand, von welcher es abprallte und in den schwarzen Rosen landete. Sie stürmte aus dem Schlafsaal, hindurch durch den Gemeinschaftsraum und zu dem Ausgang, von dem aus man den See am schnellsten erreichen konnte. Sie setzte sich auf die Treppenstufen und starrte in den Regen hinaus.
"Lily, geht es dir gut?" Hinter Lily erklang Mareks Stimme.
"Klar."
Marek setzte sich neben sie und musterte sie von der Seite: "Ich glaube, du vergisst, dass ich dich kenne. Damit will ich nicht sagen, dass du mir alles sagen musst, aber du solltest wissen, dass du mir alles anvertrauen kannst, was dich bedrückt. Oder hat sich seit dem Schwur an Silvester etwas geändert?" Sie hätte beinahe ja gesagt, denn seitdem war so viel passiert, dass es ihr wie eine Ewigkeit vorkam und nicht wie 5 Monate.
"Nein, natürlich nicht. Ich bin nur im Moment nicht so in der Stimmung zum Reden. Können wir nicht einfach hier sitzen und den Regen beobachten?"
"Aber klar doch." Sie lehnte sich an seine Schulter und ihr wurde auf einmal klar, dass sie Mareks Gedanken nicht hörte. Dass sie schon seit langem keine Gedanken mehr gehört hatte. Sie lächelte und genoss es, einfach nur dem Regen zu lauschen.
Sie kehrte in den Schlafsaal zurück. Er war düster, denn die Wolkendecke am Himmel hatte sich noch mehr verfinstert. Auf dem Boden fand sie nun wieder die Karte und seufzte. Sie erhob sich und betrachtete die Rosen. Mit den Fingerspitzen strich sie die seidenweichen Blätter einer Blüte nach, dann legte sie die Karte in ein Buch aus dem etwas fiel: es war die Karte, die damals bei den Rosen gewesen war. "Vertrau dem Schlüssel" stand darauf. Sie sah die beiden Kärtchen an und verglich die Schrift: es war die gleiche.
Auf einmal wurde die Tür aufgerissen und die Gedanken, die kurz davor gewesen waren, einen Durchbruch zu erzielen, lösten sich in kleine Wölkchen auf, als Lily sich erschrocken umdrehte und die Kärtchen in das Buch zurück schob.
Megan sah sie mit einem Blick an, der ihr deutlich zu verstehen gab, dass man lieber nicht fragen sollte. Lily ging aus dem Zimmer und in die Bibliothek.
Sie versuchte den Gedanken wiederzufinden, doch natürlich war das nicht so einfach. Auf dem Weg zur Bibliothek blieb sie manchmal stehen und hatte das Gefühl die Lösung gleich zu haben, doch letztendlich stellte sich nur heraus, dass sie daran dachte, was sie noch für die nächste Prüfung lernen müsste. In der Bibliothek zog sie das Buch mit den beiden Kärtchen wieder hervor. Sie kamen offensichtlich vom selben Absender auch wenn sie an unterschiedlichen Dingen befestigt gewesen waren. Doch wieso hatte der Absender sich die Mühe gemacht ihr Gegenstände zu schicken? Hätten die Briefe allein nicht gereicht? Tief in Gedanken steuerte sie in die Richtung in der Pflanzenbücher standen. Sie zog eines mit dem verheißungsvollen Titel: "Alle Pflanzen, ihre Wirkung und wo man sie findet" heraus. Während ihr Zeigefinger auf den Seiten umherwanderte, um Schwarze Rosen zu finden, fragte sie sich insgeheim, ob sie überhaupt wissen wollte, wer ihr diese Nachrichten schickte.
"Die schwarzen Rosen faszinieren die Zauberer seit jeher. Sie haben sowohl eine beruhigende als auch eine aufwühlende Wirkung, je nachdem wer sie erhält. Sie sind außerdem sehr selten und nur in der Nähe der schottischen Stadt Inverness zu finden."
Lily blätterte ungläubig auf die nächste Seite, doch dort war bereits der nächste Eintrag zu schwarzem Rucola. Wenn es die schwarzen Rosen nur in der Nähe von Inverness gab musste das doch etwas bedeuten. Aufgeregt lief sie in die Abteilung für Muggelkunde. Ein paar Schüler brüteten über aufgeschlagenen Büchern und ihren eigenen Notizen, denn morgen stand die Muggelkundeprüfung an, die für manche eine ziemliche Herausforderung darstellen würde. Für Lily war das anders: Hermine hatte ihr und ihren Geschwistern die Muggelsitten erklärt und so wusste Lily bestens über Zahnärzte und Tupperparties Bescheid. Sie suchte sich ein Buch heraus, das von einem Muggel geschrieben war und "Erdöl - das schwarze Gold" hieß. Die ausführlichen Beschreibungen über die Geschichte des Erdöls überblätterte sie einfach bis sie zum Kapitel "Öl und Technik" gelangte. Am Rand sah man ein Ölkännchen und wäre sie nicht in der Bibliothek gewesen hätte sie womöglich einen Freudentanz aufgeführt. Denn es war genau das Ölkännchen, das ihr gesendet worden war und darunter stand:
"Gerade mal seit 1975 gibt es sie, doch diese Ölkännchen sind bereits jetzt weltberühmt. Es gibt sie in vielen Farben und Formen. Viele Sammler reißen sich darum, da es sie nur in einer Stadt zu kaufen gibt, nämlich in Nigg Bay, Schottland."
Lily borgte sich schnell einen Stift und schrieb sowohl die Informationen über die schwarzen Rosen als auch die über die Ölkännchen heraus. Heute schien wohl ihr Glückstag zu sein.
Am frühen Abend, als die Theaterprobe hinter ihnen lag, schlenderten Lily und Malfoy ohne ein bestimmtes Ziel durch Hogwarts. Sie hatte ihn gebeten mit ihr zu reden. Nach einer Woche Funkstille wollte sie endlich wissen, was es mit Yvonne Zabini auf sich hatte. Den Schlüssel würde sie erst wieder zur Sprache bringen, wenn sie einen genauen Plan hatte. Einen genauen Plan wie sie die Schule schwänzen und nach demjenigen suchen konnte, der ihr die Karten geschickt hatte.
Es fiel ihr schwer das Gespräch zu beginnen, denn wie sollte man jemanden am geschicktesten fragen, ob er seine Exfreundin geschwängert hatte?
Sie setzten sich gegenüber auf einen Fenstersims. Die Beine waren angewinkelt, sodass sich ihre Fußspitzen nur leicht berührten. Sie starrte aus dem Fenster ins Dunkel und murmelte dann leise: "Erzähl mir etwas Wahres..."
"Etwas Wahres?" Seine Stimme war ebenso leise.
"Mir ist aufgefallen, dass ich dich kaum kenne." Sie wendete sich ihm zu und sah ihm in die Augen. "Zum Beispiel deine Freunde. Dein bester Freund ist doch Peter Zabini. Wie kam das?"
"Du willst etwas über Peter Zabini wissen? Was hast du gehört?" Auf einmal schien er eher abweisend zu sein.
"Ich habe nichts gehört. Tut mir Leid." Nach einer kurzen Pause konnte sie sich nicht verkneifen zu sagen: "Was hätte ich denn hören können?"
Malfoy stieß einen tiefen Seufzer aus und sah dann seinerseits aus dem Fenster. "Peter und ich sind schon seit einigen Monaten keine besten Freunde mehr. Erinnerst du dich an das Gespräch, das wir bei Madam Puddifoot´s in Hogsmeade führten? Du hattest damals Recht. Leyla betrog mich. Ich glaube ich hab es die ganze Zeit geahnt. Doch als ich sie eines Tages händchenhaltend und Kosenamen austauschend in einem Gang entdeckt habe war ich außer mir. Peter und Leyla. Mein bester Freund und meine Freundin. Ich habe dann Geschichten und Gerüchte über sie verbreitet. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das nicht sonderlich fair war, denn mit Leyla spricht niemand mehr und Peter hat nur noch seine Schwester Yvonne. Schließlich ist er ja derjenige, der allen die Freundin oder die potentiellen Freundinnen wegschnappen würde. Dass ich ihren Ruf ruiniert habe war meine Rache. Ich denke sie hätten dasselbe getan, wenn ich ihnen nicht zuvor gekommen wäre." Lily wusste nicht so recht, was sie darauf antworten sollte und schwieg lieber. "Seit dem Vorfall versucht Yvonne sich einerseits mit mir gut zu stellen und andrerseits will sie alle meine Freunde auf ihre Seite ziehen." Er zuckte die Achseln so als wolle er sich von der Erinnerung befreien und Abstand gewinnen. "So viel zu meinen Freunden." Nun kam wieder die Ironie in ihm zum Vorschein und er grinste sie an. "Willst du noch ein paar solcher netten Geschichten erfahren?"
Sie konnte nicht widerstehen und lächelte ebenfalls. "Gibt es denn noch mehr?"
Er sprang von dem Sims herunter und stellte sich vor sie: "Nein. Und wenn doch würde ich sie dir nicht erzählen, denn ich finde, dass wir unsere gemeinsame Zeit mit schöneren Beschäftigungen füllen können. Komm mit. Wir klauen uns was zum Essen und dann kann ich dir erzählen, was meine Lieblingsspeisen sind." Er zwinkerte ihr zu, hob sie vom Sims und nahm ihre Hand. Lily ließ sich mitnehmen und lächelte in sich hinein.
