Snape - Voldemorts Ruf 1
Er war unruhig geworden, während das Brennen auf seinem Unterarm sich ausgebreitet hatte. Unruhig waren seine Pupillen unter seinen geschlossenen Lidern hin und her geflattert, bis er die Augen schließlich mit einem leisen, schmerzhaften Stöhnen öffnete. Es war nicht das erste Mal, daß das Dunkle Mal in in dieser Art und Weise aus dem Schlaf riß. Dennoch war es immer wieder quälend. Nicht die Schmerzen, nein, der Gedanke, daß Voldemort über seinen Körper, über sein Geist herrschen konnte, selbst aus größter Distanz. Er konnte ihn rufen, wann immer es ihm beliebte. Severus würde gebrandmarkt sein, für den Rest seines Lebens. Mit einem Blick voller Abscheu auf das Zeichen seiner Verbundenheit mit Voldemort gerichtet, zog er sich hastig an und verließ sein Zimmer in Malfoy Manor.
Er apparierte auf einer dunklen Waldlichtung. Wie üblich hatte das Dunkle Mal ihn geführt wie üblich hatte er nicht die geringste Ahnung, wo er war. Alles was er wußte war, daß nur wenige Meter vor ihm ein Kreis aus schwarzen Gestalten stand, deren Gesichter hinter dunklen Masken verborgen waren. Verwirrt kniff er die Augen zusammen, daß alle schon da waren, auf ihn warteten, der Dunkle Lord bereits in ihrer Mitte stand, konnte nichts Gutes bedeuten. Doch er hatte keine Wahl, es gab kein Zurück für ihn, schon lange nicht mehr. So ging er, so energisch er konnte, auf den Kreis zu. Als er nur noch wenige Schritte von diesem entfernt war, gaben die Todesser einen Weg in die Mitte frei, wo er vor dem Dunklen Lord in die Knie ging, das Gesicht auf den Boden gerichtet.
"Snape,
mein treuer Diener in Hogwarts, mein hochgeschätzter
Giftmischer."
Severus konnte Voldemorts Gesicht nicht sehen,
doch allein die Stimme des Dunklen Lords ließ ihm eiskalt
werden. Er mußte seine ganze innere Stärke aufbringen, um
sich nicht gegen die Umklammerung der kalten Hand zu wehren, die nach
seinem Gesicht griff, es leicht anhob und ihn so zwang, in die roten,
gefährlich funkelnden Augen zu sehen. Willkürlich mußte
er dabei an Albus blauen, gütigen Augen denken, was einen
erneuten Wall aus Schmerz und Leid durch seinen Körper jagte.
Mühsam versuchte er ein Zittern zu unterdrücken, das kam
beim Dunklen Lord nicht gut an.
Doch es gelang ihm, die
jahrelang geschulte Haltung, den kalten, ausdruckslosen Blick eines
Todessers zu Tage zu bringen.
"Steh auf Snape", befahl
Voldemort mit kalter, schneidender Stimme.
Severus kam diesem
Befehl nach und sah sich im Kreis der Todesser um. Dann stockte er
einen Moment. Ein Platz war besetzt, welcher eigentlich hätte
leer sein müssen. ´Oh, er wird wütend sein, wenn er
bemerkt, daß sein Weinkeller geplündert wurde´,
überlegte er, als er Lucius Malfoy an seinem angestammten Platz
im Kreise der Diener Voldemorts entdeckte. In der Mitte, dort, wo
kurz zuvor noch Voldemort gestanden hatte, entdeckte er nun eine
weitere Person, die nur unschwer als Draco Malfoy zu erkennen war.
Ein unbehagliches Gefühl breitete sich in ihm aus. Wenn Draco Voldemort von dem Zwischenfall heute Morgen in der Bibliothek erzählt hatte, konnte das unangenehme Fragen aufwerfen und noch unangenehmere Konsequenzen für ihn haben. Doch in diesem Moment hatte er einfach nicht denken, keinen klaren Gedanken fassen können. Dracos Worte hatten seinen Verstand ausgeschaltet, alles was er in diesem Moment noch empfunden hatte war Wut, unglaubliche Wut gewesen. Hätte Draco ihm weiterhin Vorwürfe gemacht, ihn beschimpft, es hätte ihm nichts ausgemacht. Doch diese abfälligen Worte gegen Dumbledore, die hatte er einfach nicht ignorieren können.
Voldemort´s Stimme riß ihn aus seinen Gedanken
brutal zurück in die Wirklichkeit. "Snape, was ist mit
Dumbledore passiert?"
"Mein Lord, euer Auftrag wurde
ausgeführt, wie Ihr es gewünscht habt."
"So
Severus, ist das so?"
Severus spürte, wie er innerlich
begann zu zittern. Dumbledore und er hatten diese Situation
vorbereitet, immer und immer wieder. Dennoch, es gab keine
Vorbereitung gegen den Dunklen Lord, er hatte es mehr als einmal am
eigenen Leib zu spüren bekommen. Nun wurde ihm dies wieder
einmal schmerzlich bewußt. Dennoch hielt er die äußere,
die beherrschte, kalte, Fassade aufrecht.
"Ja mein Lord,
Dumbledore ist tot."
"Aber Severus, hatte ich nicht Draco
diesen Auftrag erteilt?"
Severus zuckte kaum merklich. "Mein
Lord, Draco wollte – spielen. Für meine Begriffe ließ
die Situation keinen Aufschub zu."
"So, kann es nicht
vielleicht sein, daß Draco versagt hat Severus?"
Snape sah
kurz zu Draco, nein, er mußte den Jungen schützen.
Dumbledore war gestorben auch um dessen Leben zu bewahren. So ging er
vor Voldemort wieder in die Knie, die Abscheu, den Widerwillen
unterdrückend, und sah zu Boden. "Mein Lord, verzeiht mir
meine Voreile. Aber all die Jahre, die ich unter Dumbledores Befehl
verbringen mußte, haben mich handeln lassen, als sich die
Gelegenheit bot."
"Severus, Severus, wie oft muß ich dir
noch sagen, daß du nicht zu schnell töten darfst? Du hast
es nie gelernt, nicht wahr? Niemals hast du es verstanden, daß
nicht das Töten den Spaß ausmacht, sondern die Angst, die
die Opfer im Angesicht ihres Todes empfinden."
Severus schluckte
erneut, kaum mehr fähig seine Gefühle unter Kontrolle zu
halten. Nur zu gern hätte er Voldemort seinen Haß ins
Gesicht geschrien, doch dafür würde die Zeit noch kommen,
irgendwann.
"Ja mein Lord, ich war wieder einmal
übereilig."
"Was ist mit Potter?"
Severus sah
erstaunt auf. "Mein Lord?"
"Draco berichtete mir, daß
du die Gelegenheit versäumt hast ihn mir als kleines Geschenk
mitzubringen."
"Mein Lord, es hat sich leider keine
Gelegenheit dafür geboten...", versuchte Severus zu erklären,
doch Voldemort schnitt ihm, mit gefährlich schrillem Ton das
Wort ab.
"keine Gelegenheit, ja? Er war dir ausgeliefert
Severus, auf Gedeih und Verderb!"
"ein wild gewordener
Hyppogreif hat mich angegriffen mein Lord, die Auroren waren im
Anmarsch, es wäre ein zu großes Risiko gewesen.",
brachte Severus gepreßt hervor, im Wissen, daß dieser Tag
nicht gut für ihn enden würde, wieder einmal.
Leise,
gefährlich langsam packte Voldemort seinen Todesser am Arm, zog
ihn so wieder nach oben. Severus spürte, wie seine Knie weich
wurden, sein Herz mit einem dumpfen Gefühl der Vorahnung immer
schneller zu schlagen begann. "Du hast mich enttäuscht
Severus, weißt du das?"
"Ich kann nur um Verzeihung für
mein Fehlverhalten bitten mein Lord."
"Ja, das kannst du. Doch
bin nicht ich es, dem das größte Unrecht angetan wurde",
Voldemort wandte sich um, "Draco mein Junge, komm zu uns."
Severus kniff kurz die Augen zusammen, fühlte, wie etwas
tief in seinem Inneren zerbrach, als Draco auf ihn zukam und seinen
Zauberstab hob. Er konnte nicht hören, was der Junge sagte, die
Worte wurden übertönt von Voldemorts kaltem, bis ins Mark
eindringende, Lachen. Alles was er wahrnahm, war ein grüner,
blitzschneller Strahl, der aus Dracos Zauberstab auf ihn zuschoß,
unaufhaltsam, bis er schließlich von ihm Besitz ergriff und
jede Faser seines Körpers mit Schmerzen
ausfüllte.
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Also ab diesem Kapitel ist Schluß mit lustig. Es wird noch ziemlich unangenehm für den guten Severus werden. Hat es euch bis hierhin gefallen? hüstel, bitte vergeßt die Reviews nicht, ja :-)?
