16. Potter - Zurück in Hogwarts

"Mr. Potter, Mr. Weasley, Miss Granger, darf ich fragen was Sie hier machen? In Hogwarts, auf dem Boden vor meinem Büro?", hörte Harry die feste, aber dennoch besorgt klingende Stimme ihrer früheren Hauslehrerin und jetzigen Direktorin. Rasch wendet er ihr seinen Blick zu und versucht sie freundlich anzusehen, doch alles was er zustande bringt ist ein schiefes Grinsen.

"Professor, wir müssen mit Ihnen sprechen", erklärte er dann schlicht, wobei er – ebenso wie seine Freunde – vom Boden aufstand, auf welchem sie zuvor grübelnd gesessen hatten.

"Nun, dann kommen Sie mit nach oben würde ich vorschlagen.", erwiderte die Hexe, wandte sich um und betrat erneut die Wendeltreppe zu ihrem Büro, dieses mal in die andere Richtung.

Im Büro angekommen machte sie eine einladende Geste mit ihren Armen und bedeutete den Jugendlichen so, Platz zu nehmen. "Setzen Sie sich. Ich gehe davon aus, daß es wichtig ist, da Sie drei mitten in der Nacht und noch dazu alleine hier auftauchen."

"Ja Professor, was das ´alleine´ angeht, genau darüber wollten wir mit Ihnen sprechen."

"Dann würde ich vorschlagen, daß Sie zur Sache kommen Mr. Potter, oder sollen wir die halbe Nacht hier verbringen?"

Ein wenig eingeschüchtert sah Harry zu seinen beiden Freunden, die ihn jedoch nur auffordernd ansahen. So atmete er noch einmal tief durch wandte sich dann wieder an die Direktorin, die ihn nach wie vor fragend ansah.

"Nun, es geht darum, daß wir etwas suchen müssen Professor."

"So, und was bitte möchten Sie suchen Mr. Potter?"

Harry wurde zunehmend unbehaglich zumute, gab sich dann jedoch einen Ruck. "Voldemorts Horkruxe, wir müssen die beiden verbleibenden Horkruxe suchen und vernichten."

Minerva McGonagall dachte einen Moment, der Junge vor ihr müsse übergeschnappt sein. Ungläubig sah sie in die Augen von Harry Potter, die jedoch fest und entschlossen wirkten. Seufzend schüttelte sie den Kopf.

"Das kann ich nicht zulassen Mr. Potter, das müßte Ihnen doch klar sein. Wissen eigentlich Mr. und Mrs. Weasley von Ihrem Ausflug oder wollen Sie mir erzählen, sie seien einfach – weggelaufen?"

"Sind wir ja", erklärte Harry schnell, dem dies im Moment völlig egal war. "Hier Professor, diesen Brief habe ich von meiner Tante bekommen, er ist von Professor Dumbledore. Er, er wollte, daß ich die Horkruxe suche. Vielleicht hat er ja im Schloß, hier in seinem Büro, Hinweise auf deren Aufenthaltsort hinterlassen."

Minerva nahm den Umschlag in die Hand, holte das Papier heraus und fühlte, wie ihre Hände unkontrolliert zu zittern begannen, als sie die Handschrift Albus Dumbledores erkannte. Der Inhalt des Briefes war zwar mehr als undurchsichtig, ergab mit Potters Worten aber durchaus Sinn. Müde, mit einem tiefen Seufzen, legte sie den Brief wieder beiseite und sah die drei Jugendlichen nacheinander eindringlich an.

"Wissen Sie eigentlich, was Sie da vor haben? Können Sie ich auch nur vorstellen, welchen Gefahren Sie sich aussetzen würden? Sie können nicht alleine gehen, ausgeschlossen.", entschied sie dann fest, fügte jedoch hinzu, "wir sollten das nicht heute Nacht klären. Ich werde eine Eule an Ihre", damit nickte sie Ron zu, "Eltern schicken und ihnen und den Ordensmitgliedern mitteilen, daß Sie hier in Hogwarts und in Sicherheit sind. Der Rest bleibt unter uns – vorläufig."

"Danke Professor, aber wir müssen...", begann Harry erneut, doch die Hexe schnitt ihm das Wort ab.

"Nein Mr. Potter, Sie müssen gar nichts. Die Nacht ist nicht geeignet für solche Gespräche. Sie werden mir jetzt und hier Ihr Wort geben, daß Sie auch morgen früh noch im Schlafsaal sein werden, oder ich werde Sie auf der Stelle mit einem Ganzkörperklammer-Fluch belegen, nun, was ist Ihnen lieber?"

Harry biß sich auf die Zähne und dachte für einen Moment darüber nach zu rebellieren, mußte dann jedoch einsehen, daß die Direktorin recht hatte. Erst jetzt merkte er wirklich, wie müde er war und auch seinen beiden Freunden standen die Aufregungen des Tages ins Gesicht geschrieben. So zuckte er ergeben mit den Schultern, wobei er sogar ein leichtes Lächeln zustande brachte.

"Natürlich Professor, ich gebe Ihnen mein Wort."

"Schön, ich weiß, daß man sich auf das Wort eines Gryffindors verlassen kann. Dann gehen Sie jetzt in Ihren Schlafsaal, ich werde mir ihr Anliegen noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Gute Nacht."

Die Drei Jugendlichen verabschiedeten sich ebenfalls von der Direktorin und verließen dann deren Büro, mit dem seltsamen Gefühl nicht wirklich etwas erreicht zu haben.

"Was nun Harry?"

"Was wohl Ron, wir werden ins Bett gehen und morgen werden wir weiter sehen. Wir werden nach Hinweisen suchen, in Dumbledores Büro, im Gemeinschaftsraum, in der Bibliothek, überall dort, wo wir uns häufig aufhalten. Wer weiß, vielleicht mußte Dumbledore sie gut verstecken um sicher zu gehen, daß Snape sie nicht in die Hände bekommt.", mutmaßte Harry, während sie die Treppe zum Portraitloch hinauf gingen.

Im Gemeinschaftsraum trennten sich die drei Freunde dann, Hermine machte sich auf den Weg in den Mädchenschlafsaal, während die beiden Jungen in den ihren gingen. Es war ein langer Tag für sie alle gewesen und keiner konnte wissen, was die kommenden bringen würden. So war es nicht nur richtig, sondern auch nötig neue Kräfte zu sammeln, um dem Kommenden entgegen treten zu können.