23. Snape – Dumbledore

Poppy schwankte, glaubte, ihren eigenen Augen nicht trauen zu können. Doch er stand vor ihr, so, wie er immer vor ihr gestanden hatte. Wortlos, doch mit klopfendem Herzen, mußte sie sich erst einmal auf den Stuhl zurück setzen, sonst wäre sie vielleicht wirklich noch umgekippt. "Albus", begann sie dann stockend, "aber, aber Sie waren doch, ich meine... ich war auf der Beerdigung, Sie, sie waren tot..."

Ein tiefer Seufzer rang aus Albus Kehle, ja, das würde der wohl unangenehmste Teil seines Plans werden. "Nun ja Poppy, ich war nicht wirklich tot. Sonst stünde ich nicht hier vor ihnen. Ich werde Ihnen alles erklären. Nur, ich würde wirklich gerne erst mit Severus sprechen wenn er aufwacht."

Poppy konnte nur – noch immer ungläubig – nicken. "Natürlich, natürlich. Sie leben, ja, das sehe ich. Es sei denn ich bin so daneben, daß ich das wirklich nur träume und mich gerade mit einem Geist unterhalte."

"Nein", lächelte nun Albus, "Sie träumen nicht. Severus..."

"Oh, er, er wird wieder. So wie immer halt. Oh Albus, was haben Sie nur getan? Warum hat Severus es uns nicht gesagt?"

Dumbledores Miene verdunkelte sich schlagartig, jedes Lächeln war aus seinem Gesicht verschwunden. "Weil er es nicht wußte Poppy", brachte er dann flüsternd hervor.

"Was?", ruckartig war Poppy wieder aufgesprungen, sah Albus ungläubig an. "Er wußte es nicht? Er hat wirklich geglaubt, Sie getötet zu haben? Oh Albus, was, was haben Sie dem Jungen damit angetan?"

"Ich weiß Poppy, ich weiß. Glauben Sie mir, nichts hat mir mehr Sorgen bereitet als das Bewußtsein zu wissen, was ich Severus damit angetan habe. Aber es war notwendig und er wird es verstehen."

Poppy konnte nur ungläubig den Kopf schütteln. "Entweder das Albus, oder er wird endgültig daran zerbrechen. Ich hoffe, das haben Sie bedacht."

"Ja, das habe ich Poppy. Würden Sie uns bitte alleine lassen?"

Die Medi-Hexe atmete noch einmal tief durch, nickte und verließ dann leise das Zimmer, wobei sie die Tür hinter sich schloß.

Albus setzte sich an ihrer statt auf den Stuhl neben dem Bett, nahm erneut Severus Hände in seine und sprach leise auf den Bewußtlosen ein. "Severus, hörst du mich? Ich bin hier, versteht du? Wach auf, bei Merlin, wach einfach auf..."

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Die Welt um ihn herum war dunkel. Schwarz und dunkel. Doch gleichzeitig ging von dieser Dunkelheit ein seltsamer Frieden aus, vollkommene Ruhe. Er konnte sich fallen lassen, einfach fallen lassen und wußte, ihm würde nichts geschehen. Er mußte nicht zurück in dieses Leben, das nicht als Schmerz und Trauer für ihn bereit hielt. Dennoch, er wußte er mußte zurück. Er hatte es ihm versprochen. Wieso mußte er diesen Kampf immer wieder ausfechten? Sich immer wieder entscheiden zwischen der Ruhe der Dunkelheit und dem scheinbar unerträglichen Schmerz des Lebens? Immer und immer wieder mußte er sich für den Schmerz entscheiden, sein ganzes Leben lang. Nun gut, dann kam es auf dieses eine Mal mehr oder weniger wohl auch nicht an. Irgendwann würde er wieder an diesem Punkt stehen, mußte er sich wieder entscheiden und dann, dann durfte er vielleicht endlich gehen...

So kehrte sein Geist zurück in seinen Körper, ließ sein Hirn wieder bewußtes Denken zu, fühlte er die Hand, die seine umklammert hielt. Einen Moment lauschte er, nein, da waren keine Stimmen. Keine Auroren, die sich unterhielten, keine Ärzte, nichts. Wo war er? Es war warm hier, es war warm und er kannte die Hand. Hatte er den falschen Weg genommen? War er tatsächlich gegangen? Na wenn schon. Er würde nicht erfreut sein, daß er seinen Wünschen zuwider gehandelte hatte, doch damit mußte er sich abfinden, mußten sie alle beide. Aber warum spürte er dann noch Schmerzen? Vergingen diese nicht einmal im Tod? Wie lange mußte er diese noch ertragen, bis an´s Ende des Seins womöglich? Ja, das wäre zumindest eine gerechte Strafe für all das, was er getan hatte. Er wollte die Augen nicht öffnen, doch er mußte es sehen. Er mußte sich einfach mit seinen eigenen Augen davon überzeugen, daß diese Hand keine Einbildung war, daß Albus neben ihm saß, wo auch immer sie sich befinden mochten.

Eo öffnete er die Augen, was mehr Kraftanstrengung von ihm verlangte, als er es jemals für möglich gehalten hätte und sah in die blauen, klaren Augen von Albus Dumbledore, wie er es schon so oft getan hatte. "Albus", murmelte er dabei, kaum verständlich.

"Ja Kind, ich bin hier. Siehst du, fühlst du meine Hand? Ich bin hier bei dir."

Severus schluckte, schloß die Augen wieder. Ja, er hatte ihn gesehen, er fühlte die Hand, die ihn noch immer hielt. Das war ihm für den Moment genug. So glitt sein Geist wieder hinüber in´s Dunkle, fiel er ihn einen traumlosen, doch friedlichen Schlaf.