25. Snape - Erklärungen

Er war wach, dennoch öffnete er nicht die Augen. Er wollte dieses Gefühl der Erleichterung noch für einen Moment in sich halten. Dieses Gefühl, das ihn durchströmt hatte, als er Albus vor sich gesehen hatte. Ihm war kalt, so unglaublich kalt, dennoch schien sein ganzer Körper innerlich zu verbrennen. Er mußte Fieber haben, das würde auch die Halluzinationen erklären. Dumbledore konnte nicht neben ihm sitzen, dessen war er sich sicher. Dennoch, da war immer noch die Hand, die die seine fest hielt. Konnte man sich eine Hand einbilden? Wohl eher nicht. Keine Halluzination ging so weit, daß man körperliche Berührungen fühlte, die nicht da waren. Oder doch?

Widerwillig mußte er sich eingestehen, daß es nur einen Weg gab, dies heraus zu finden. Er mußte die Augen öffnen, auch wenn sich alles in ihm dagegen sträubte. Vorsichtig hob er die Lider, öffnete die Augen zu kleinen Schlitzen. Die plötzliche Helle nach all der Dunkelheit schmerzen in seinen Augen, woraufhin der diese einen Moment wieder schloß und dann langsam, unendlich langsam wieder öffnete, damit sie sich dieses Mal langsam an das Licht gewöhnen konnten.

Vorsichtig drehte er seinen Kopf, wobei selbst diese kleine Bewegung ihm vorkam wie ein atemberaubender Kraftaufwand. Nicht einmal dazu war also mehr fähig. Ihm wurde schwindelig, dennoch zwang er sich, die Augen geöffnet zu halten, auf den alten Mann neben sich zu sehen, der ihn gütig, mit glitzernden, blauen Augen über seine Halbmondbrille hinweg ansah. Ein gequältes Stöhnen entwich Severus´ Kehle, woraufhin ein Zittern durch seinen Körper zuckte, das aber auch sofort wieder verschwand. ´Dir ist nur kalt, keine Fluchnachwirkungen´, stellte er beruhigt fest, während er Dumbledore weiterhin wortlos ansah.

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Dumbledore hatte bemerkt, daß Severus erwacht war, noch bevor dieser die Augen geöffnet hatte. Seine Pupillen hatten sich unter den Lidern unruhig hin und her bewegt, hin und wieder war ein leichtes Zucken durch seine Glieder geschossen. Er war nervös, selbst bei seinem fortgeschrittenen Alter von 150 Jahren war er nervös. Einen solche Situation hätte er sich niemals vorstellen können, hätte er sich niemals gewünscht. Dennoch ist sie eingetreten, es war notwendig gewesen. Jetzt hieß es mit den Konsequenzen fertig zu werden, was sicher nicht einfach werden würde.

Nun sah er in an, sah ihn einfach aus seinen schwarzen Augen an. Alles wäre ihm lieber gewesen, Vorwürfe, Anklage, aber nicht diese Trauer, die aus Severus Augen sprach. Dumbledore lächelte, doch er wußte selbst, wie gequält dieses Lächeln wirken mußte. "Severus...", begann er schließlich, selbst nicht sicher, wie er beginnen sollte.

"Du lebst"

Albus nickte. "Ja Severus, ich lebe."

"Das, das ist schön", brachte Severus flüsternd hervor. Ihm fehlte einfach die Kraft, seiner Stimme die Festigkeit zu geben, die er in diese Worte hatte hineinlegen wollen.

"Laß es mich dir erklären Junge. Du bist im Moment ohnehin zu schwach zum sprechen, also hör mir einfach zu. Du kannst mir später auch noch Vorwürfe machen, die ich zweifellos verdient habe", dann wurde Dumbledores stimme leiser, sanfter, "ich weiß, welchen Schmerz ich dir bereitet habe Severus."

Der jüngere Mann schloß die Augen, während er schwer ein- und ausatmete. Die Gefühle, die die Tatsache, daß Dumbledore lebte, in ihn ausgelöst hatten, waren dermaßen überwältigend, daß sie ihm fast die Luft zum atmen geraubt hätten. Er war nie gut darin gewesen mit seinen Gefühlen umzugehen und hier war nun alles vertreten, von Freude über Erleichterung bis hin zu tiefer Wut. Wut darüber, daß er dies alles hatte durchmachen müssen, daß er sich fast selbst zerstört hätte aus Verzweiflung darüber, was er getan hatte, nein, was er dachte getan zu haben. Doch er schwieg. Wie oft hatte Dumbledore über seine Fehler hinweg gesehen? Er hatte jetzt nicht das Recht ihm Vorwürfe zu machen. So blieb er still liegen, mit geschlossenen Augen und wartete, daß Albus zu erzählen begann, wobei er erleichtert feststellte, daß die eisige Klaue, die so lange sein Herz umschlossen gehalten hatte, verschwunden war.

"Es ist nicht einfach für mich dir das zu erklären Severus. Aber ich werde es versuchen. Mir war schon lange, lange bevor ich es dir mitteilte, klar, worin Mr. Malfoys Auftrag bestand. Durch den Unlösbaren Schur, den du Narzissa gegenüber abgelegt hast, gab es augenscheinlich nur zwei Möglichkeiten. Dein Tod oder meiner.", Albus seufzte schwer bei dem Gedanken an die endlosen Diskussionen, die er mit Severus über dieses Thema geführt hatte. Der junge Mann hatte sich schlichtweg geweigert, Albus Anweisung auszuführen. Noch gut erinnerte er sich an die Verzweiflung des Tränkemeisters, als ihm die Auswirkungen des Schwurs klar geworden waren. Er war bereit gewesen sein Leben zu geben, doch dieses Opfer hätte Albus niemals bringen können. Severus zu verlieren, nein, alles aber nicht das.

Wieder seufzte der alte Mann. Er hatte Severus den Schmerz aufgebürdet, den er nicht bereit gewesen war zu tragen. Doch dann rief er sich wieder zur Ordnung und sprach weiter:

"Erst nach unserem Gespräch ist mir etwas eingefallen.", Dumbledore kämpfte mit sich, fürchtete, nicht die richtigen Worte zu finden, "Es ist so lange her, weißt du, ich konnte mich nur noch dunkel daran erinnern. Doch zu meiner Schulzeit hat mir unser damaliger Lehrer in VgddK ein Buch gegeben. Ein sehr altes Buch, noch aus den Zeiten unserer Vorväter. Ich konnte mich nur noch dunkel an eine Stelle in dem Buch – welches leider durch einen Brand vernichtet wurde – erinnern. Aus diesem Grund habe ich dir von meiner Vermutung nichts erzählt Severus, ich wußte nicht, ob mein Plan aufgehen würde."

Severus hatte Albus aufmerksam zugehört und stöhnte nun leise, als er dem Zauberer erneut den Kopf zuwandte und die Augen öffnete. Die Trauer in Albus Augen ließ seine Wut verrauchen, sie hatten beide Opfer gebracht, nicht nur er. "Ich verstehe", flüsterte er nur, in der Hoffnung Dumbledore würde fortfahren. "Nur wie du überlebt hast, ist mir noch immer nicht klar."

Albus schmunzelte und fuhr sich durch den weißen Bart. Ihm war klar, wie grotesk seine Erklärung auf Severus – ausgerechnet auf Severus – wirken mußte, doch es gab nun einmal nur diese eine Wahrheit. "Nun Severus, in einem der Absätze, wo es um Verteidigung gegen dunkle Magie ging stand sinngemäß: auch der tödlichste Fluch verliert seine Wirkung, wenn er aus Liebe angewandt wird. Das war alles, hierauf mußte ich meine Hoffnung stützen. Sehr vage, ich weiß. Doch eine Möglichkeit."

Severus zog erstaunt eine Augenbraue nach oben. "Albus, ist dir das Sterben nicht bekommen? Der Avada Kedavra wird nicht aus ´Liebe´ angewandt sondern aus Haß, um zu töten.", bracht er dann gepreßt hervor und sah den alten Zauberer noch immer verwirrt an.

"So, ist das so, Severus. Dann haßt du mich also?"

Severus Herzschlag beschleunigte sich wieder, "Verdammt Albus, du weißt genau, daß... daß ich dich nicht hasse."

Albus Hand fand wieder ihren Weg zu Severus Arm, den er beruhigend drückte. "Bleib ruhig mein Junge, wenn es dir nicht gut geht, rufe ich Poppy und wir können später weiter sprechen."

Schwer atmend schloß der Tränkemeister erneut die Augen um seinem Herzen die Möglichkeit zu geben sich zu beruhigen, wobei er wieder tief ein und aus atmete. "Nein", flüsterte er dann, "nein, es geht mir gut. Es wird mir noch viel besser gehen, wenn du mir das endlich erklärt hast."

"Das habe ich bereits Severus. Die endgültige Erklärung mußt du in dir selbst finden. Warum hast du mich ´getötet´?"

Diese Frage hatte Severus nicht erwartete, sie verwunderte ihn, mehr jedoch die Tatsache, daß ihm keine so rechte Antwort einfiel. "Weil du es von mir verlangt hast", erklärte er schließlich, wußte jedoch, daß Dumbledore es ich nicht glaubte. Nein, es stimmte ja auch nicht. Er hätte Albus nie, niemals getötet weil dieser es von ihm verlangt hatte.

"Was hätte ich tun sollen Albus", seufzte er schließlich, "ich habe doch gesehen, wie sehr du gelitten hast. Ich habe es mir monatelang mit angesehen, seit du diesen dämlichen Ring zerstören mußtest. Im Astronomieturm, da... ich bin Tränkemeister und Todesser Albus, ich sehe wenn jemand einen Trank genommen hat, der ihn langsam umbringt.", Severus machte eine Pause um wieder ein wenig Kraft zu sammeln, "Ich hätte den Tod gern in Kauf genommen Albus, aber die Situation war leider nicht sehr glücklich dafür. Sie hätten dich umgebracht, sie hätten dich erst gefoltert und dann getötet. Das, das konnte ich nicht zulassen."

"Ich weiß Severus, ich weiß", seufzte nun Dumbledore und sah den jungen Mann weiterhin lächelnd an, "und wir beide wissen, warum du es nicht zulassen konntest. Der einzige Grund, warum ich noch am Leben bin."

Severus kämpfte einen Moment mit sich, dann sah er Dumbledore in die Augen. "Voldemort wird es wissen, er wird es zumindest ahnen."

Doch nun lachte Dumblodore, was den Tränkemeister leicht verwirrte.

"Das findest du lustig?"

"Nein, aber er ahnt es nicht Severus, nicht einmal in seinen kühnsten Träumen. Wie oft habe ich dir gesagt, daß es das Einzige ist, von dem Voldemort nichts versteht, das er nicht kennt, das er immer, immer unterschätzt hat? Voldemort versteht nichts von der Macht der Liebe Severus, deswegen wird sie ihn auch vernichten."

"Schön, aber wie konntest du alle täuschen?"

"Später Severus, später. Ich werde dir alles Weitere noch erklären. Aber wenn ich dich noch ein kleines bißchen anstrenge wird mir mein Überleben nicht viel genutzt haben, wenn Poppy wieder herein kommt."

Severus schmunzelte, mußte Albus jedoch recht geben. Er hatte genug gehört, für den Moment und er war müde, unendlich müde. Er spürte fast gar nicht mehr, wie ihm die Augen wieder zufielen, sein Geist wieder hinüber glitt in einen langen, traumlosen Schlaf.

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Ich weiß, das Update hat dieses Mal ungewöhnlich lange auf sich warten lassen, aber ich habe diese Zeit einfach gebraucht. Ich hoffe, daß es euch dafür zumindest gefällt :-)