26. Potter - In Snapes Räumen

Hermine fühlte sich zwar gar nicht wohl in ihrer Haut, während sie mit Harry und Ron in Richtung Snape Privaträume ging, doch sie hielt es für besser die beiden nicht alleine zu lassen. Eine Angewohnheit, die man nach so vielen Jahren nicht einfach ablegen kann. Dennoch überkam sie ein seltsames Gefühl, als sie nach ihren Freunden in Snapes - unverschlossenes - Büro ging, von wo aus sie durch einen kleinen Verbindungsgang in Snapes Privaträume gelangten.

Es erschien ihr einfach nicht richtig, was sie hier taten. Ganz gleich was Snape auch immer getan haben mochte, so groß seine Schuld auch war, sie hatten kaum das Recht in sein Privatleben einzudringen. Doch den beiden Jungs gegenüber erwähnte sie diese Vorbehalte natürlich nicht. Seufzend sah sie sich um und stellte erstaunt fest, daß sie sich Snapes Privatgemächer irgendwie vollkommen anders vorgestellt hatte. Der Raum in dem sie standen - das Schlafzimmer - war nicht sonderlich groß, doch auf seine eigene Weise gemütlich. An der linken Wand stand ein großes Bett mit grün-silbernen Baldachin und Bettzeug. Daneben befand sich ein Regal aus rot-braunem dunklen Holz, das mit alten Büchern bis auf den letzten Millimeter gefüllt war, was in ihr ein leichtes Gribbeln auslöste.

Rechts von der Tür befand sich ein großer, offener Kamin, vor dem zwei ebenfalls silber-grüne Sessel standen, den dunklen Holzboden zierten zwei große schwarze Teppiche mit der Slytherin-Schlange als Mittelpunkt. An der Wand hing ein großes, eindrucksvolles Schwert, das von zwei silbernen Schlangen gehalten wurde, rechts und links davon brannten immer noch zwei Fackeln. Dieser Raum war keineswegs kalt und abweisend wie sie erwartet hatte. Er sah eher gemütlich aus, wie ein Raum den man betrat um Ruhe zu finden, Kraft zu sammeln. In diesem Moment formte sich in ihr unweigerlich der Gedanke, daß der Severus Snape, der hier lebte nicht derselbe war, der sie unterrichtet hatte.

"Mine, würdest Du uns mal helfen?"

"Und bei was genau Ron? Was glaubt ihr eigentlich zu finden, ein Tagebuch in dem er alles genau festgehalten hat?" Hermine erntete für ihren Einwand allenfalls einen mürrischen Blick der beiden Jungs, wovon sie sich allerdings nicht beeindrucken ließ. Fast zärtlich strich sie über die alten Bücher und wagte gar nicht, eines davon herauszunehmen. Sie wußte, Snape hätte das ganz und gar nicht gefallen.

Was sie bislang nicht gewußt hatte war die Tatsache, daß ihr ehemaliger Professor Bücher anscheinend ebenso liebte wie sie, was angesichts dieser Sammlung außer Frage stand. Ein Mench der Bücher so dermaßen verehrte konnte in ihren Augen kaum die Verbrechen begangen haben, die ihm vorgeworfen wurden. Dieser ganze Raum zeugte von einem völlig anderen Menschen, hier war nichts von einem grausamen, skurpellosen Todesser zu finden. Hermine ging langsam das Regal entlang. Snape hatte eine imposante Ansammlung von Büchern. Unter ihnen viele – natürlich – über Zaubertränke, einige von ihnen aus gutem Grund verboten. Bücher über dunkle Künste – allesamt verboten – und, was sie erstaunte, unzählige Bücher von Goethe, Schiller, Shakespeare usw.. Diese Seite von sich hatte Snape sehr gut versteckt.

Auf der Kommode, zu welcher sie schließlich kam, stand ein Bild, das Snape inmitten seiner Slytherins zeigte. Dies war für Hermine der Fund schlecht hin. Die Slytherins lachten, keiner hatte mehr diesen grimmigen Blick, den sie den anderen Häusern gegenüber zur Schau stellten, sie wirkten alle zufrieden, glücklich und das, obwohl sie nicht einmal den Quidditch-Pokal in den Händen hielten. Hermine erinnerte sich, daß Snape einmal eine Exkursion mit seinem Haus in den verbotenen Wald gemacht hatte. Dort mußte dieses Foto entstanden sein. Selbst der Zaubertränkemeister sah nicht so grimmig aus wie sonst, fast schien ein Lächeln seine Lippen zu umspielen. Hermine seufzte. Dies alles hier zeigte ein ganz anderes Bild von Severus Snape, das so gar nicht mit dem übereinstimmte, das sie und ihre Freunde von ihm hatten. Für sie wurde die Sache dadurch nicht unbedingt leichter.

"Nichts, absolut nichts!", stellte Harry dann grimmig fest, nachdem er damit aufgehört hatte Snapes Sachen zu durchwühlen.

"Und Mine, hast Du was?"

´Oh, eine ganze Menge, aber nichts, das ihr hören wollt oder verstehen würdet´, "Nein Ron, nichts."