(Nach ziemlich genau einem Jahr endlich auch hier wieder ein Update. Ich muß ehrlich zugeben, daß ich diese Story sehr aus den Augen verloren haben, auch wenn sie eigentlich schon fertig geschrieben ist und nur noch einige Feinheiten abgeändert werden müssen, weil mir der Ausdruck nicht mehr gefällt o. ä.. Es ist auch hier – vielleicht mehr als bei den anderen – einfach das Problem, daß ich ja nun weiß, daß diese FF ziemlich vom 7. Buch abweicht und ich mich eigentlich immer bemühe die Vorgaben aus den Büchern zu beherzigen. Nun ja, geht nicht mehr so richtig ohne die ganze FF umzuschreiben, aber ich hoffe, daß man mir dies nachsieht.
Ein herzliches Danke dabei an Bibi, die überhaupt nicht aufdringlich, sondern immer wieder Ansporn ist, weiter zu machen!)
Müde saßen die vier um das Lagerfeuer, unterhielten sich leise oder schwiegen einfach vor sich hin. Der Angriff der Tiere hatte ihnen doch sehr zugesetzt, mehr als Snape es erwartet hatte.
"Sie sollten etwas essen."
"Hm…" Hermine nahm ihren Rucksack, packte ein paar Sandwiches aus und reichte sie durch die Runde.
Snape stellte zufrieden fest, daß auch Malfoy das Brot ohne einen Kommentar entgegennahm, ehe er sich selbst angesprochen fühlte.
"Sir?"
Severus ließ sich nicht anmerken, daß er das Angebot der jungen Frau durchaus zu schätzen wusste und zog statt dessen nur leicht die Augenbrauen nach oben. "Danke Miss Granger, nein."
"Sie sollten aber..." Snapes Gesicht nahm einen Ausdruck an, der Hermine augenblicklich verstummen ließ. "Gut, wie Sie meinen Sir."
Mit einer einzigen, geschmeidigen Bewegung, die die Jugendlichen nicht ahnen ließ, wie schwer sie Snape fiel, mußte er sich doch selbst eingestehen, daß seine Kräfte langsam schwanden, erhob sich der Tränkemeister mit einem kurzen Blick auf seine früheren Schüler. „Sie bleiben hier", wies er sie an, ehe er sich einige Schritte von ihnen entfernte, um sich die Gegend genauer anzusehen. Sie hatten sich eine kleine Lichtung in der Nähe des Klosters als Nachtlager auserkoren, nachdem sie diesen Wald hinter sich gelassen hatten.
"Man, das war echt hammerhart, wenn Snape nicht gewesen wäre, ich glaub´ nicht, daß wir noch leben würden."
Harry sah Snape nach und biss sich auf die Lippen, um seinen Freund nicht einen Rippenstoß zu verpassen, da dieser nicht gerade in einer leisen Tonlage drauf los geplappert hatte und bedachte Ron mit einem strengen Blick. "Sollen wir ihm vielleicht auch noch dankbar sein?", zischte er ihm entgegen, nachdem Snape außer Sicht- und Hörweite war.
"Ja, das wäre vielleicht angebracht", ließ sich nun der einzige Slytherin in der Runde vernehmen, der bislang schweigend neben dem Feuer gesessen hatte, welches ein wenig Licht spendete und es somit möglich machte, die Gesichtszüge der anderen durch den warmen Schein der Flamme zu erkennen.
"Wer hat dich gefragt Malfoy?" Harrys Augen blitzten bei diesen Worten unheilvoll auf, war seine Abneigung gegen den blonden Slytherin in den letzten Tagen doch keineswegs geschrumpft, ungeachtet dessen, was sie gerade heute zusammen erlebt hatten.
Draco sah Harry verächtlich an. "Du glaubst auch, nur weil Du der große, der auserwählte Gryffindor bist, stehst Du über allen anderen, was?"
"Was hat das damit zu tun? Er hat Dumbledore umgebracht! Er ist ein verdammter Verräter, aber da bist du ja in genau der Gesellschaft, die du brauchst!"
Dracos Kiefer mahlte, er erinnerte sich nur zu gut an die Warnung Snapes, und das Versprechen, das er ihm gegeben hatte. Anderenfalls hätte er ihn gar nicht mitgenommen. So verbiß er sich das, was er Harry gerade jetzt am liebsten entgegen geschleudert hätte und beschränkte sich auf ein mühsam hervor gepreßtes: "Er ist ein Slytherin." ‚Und Slytherins tun, was getan werden muß…'
"Oh ja, das ist nur allzu deutlich geworden, nicht wahr?"
Diese Worte Harrys jedoch waren zuviel für den jungen Slytherin. Draco war mit einem Sprung auf den Füßen, Hermine und Ron sahen ihn und Harry ängstlich an, hatten sie doch jahrelange Erfahrung damit, wie Konfrontationen zwischen diesen beiden für gewöhnlich abliefen und dieses Mal war kein Lehrer zur Stelle, um sie zu treffen..
Ron und Hermine irrten. Leise, wie ein Schatten kam Snape aus der Dunkelheit getreten und stand mit einem Mal wieder neben ihnen, den Blick ebenso ernst wie warnend auf Draco gerichtet. Ein unbedachtes Wort des Jungen und… Severus dachte nicht weter darüber nach, sondern wies seinen ehemaligen Schüler mit einem knappen: "Setzen Sie sich Mr. Malfoy, sofort„, sich wieder nieder zu lassen, ehe er seinen Blick auf Harry richtet. „Vielleicht kann ich Ihnen bei Ihrem Problem helfen Mr. Potter?"
"Nein, es war nichts."
Severus atmete tief durch. Allein die Augen Potters sprachen Bände, waren eine einzige ihm stumm entgegen geschriene Anklage. Doch obwohl Severus fast froh war, dies Worte nicht hören zu müssen, die Harry sicher einiges an Mühe kosteten unausgesprochen zu bleiben, konnte er sich einen kleinen Hinweis doch nicht verkneifen: "So viel zum viel gerühmten Gryffindor-Mut. Hoffen wir, daß Sie ihn bei passender Gelegenheit wieder finden. Legen Sie sich jetzt schlafen, morgen dürfte ein langer Tag werden."
Es dauerte nicht sehr lange und Severus konnte zufrieden feststellen, daß sie schliefen, endlich war Ruhe. Prüfend ließ er seinen Blick noch einmal über die Gruppe gleiten, in der Draco fast wie ein Fremdkörper erschien, wie ein Eindringling. Snape atmete tief durch, konnte er doch nur hoffen, daß der Junge irgendwann wieder einen Platz finden würde, wo er wirklich hingehörte. Er konnte nur hoffen, daß Dracos Weg bis dahin nicht so lange und steinig werden würde, wie sein eigener gewesen ist und heute noch ist.
Doch über all das war noch immer genug Zeit nachdenken, wenn sie diese Reise überstanden hatten, die Horkruxe gefunden und zerstört hatten. Vermutlich, sagte sich Severus selbst, vermutlich hatte Albus schon einen Plan im Hinterkopf, den er noch früh genug erfahren würde. Auf Dumbledore hatte er sich immer verlassen können. Er hatte immer eine Lösung gehabt, hatte ihm immer gesagt, was er tun sollte und was nicht und er hatte immer Recht gehabt. Severus hätte nur immer auf ihn hören müssen und immerhin… immerhin hatte er es fast immer getan.
Der Tränkemeister wandte sich wieder von der kleinen Gruppe ab, erlaubte es sich nun, da die Kinder schliefen, seinen Gehrock zu öffnen und sich dessen zu endledigen, um dann tief durchatmend die Ärmel seines Hemdes ein wenig umzuschlagen und einige Schritte zu gehen, bis er an den Rand der Lichtung kam und mit vor der Brust verschränkten Armen hinab auf das Tal sah. Er wusste, daß die Ruhe, der Frieden den man bei diesem Anblick empfand, täuschte. Ganz deutlich konnte er schon hier die dunkle Magie spüren, die über dem Kloster lag, dessen Umrisse er in den Dunkelheit von weitem schemenhaft erkennen konnte. Merlin allein mochte wissen, welche Überraschungen Voldemort dort bereit hielt. Oh er wusste, daß die Wolf-Mammuts in diesem Wald sich nicht einfach dort hin verlaufen hatten, sondern eine Kostprobe Voldemorts war auf das, was sie morgen noch erwarten würde.
Severus sah es keineswegs als Unbescheidenheit, sondern als gegebene Tatsache, daß keines der Kinder noch hier angekommen wäre, wären sie alleine gewesen. Doch auch er mußte zugeben, daß er so nicht ewig weiter machen konnte. Deutlich konnte er noch die Schmerzen spüren, die in seinem Körper tobten und die Schwäche, die ihn einfach nicht mehr verlassen wollte und zu einem fast ständigen Begleiter geworden war. Doch diesen einen Weg den würde er noch schaffen, nur noch diesen einen, dann durfte er endlich schlafen… Severus erlaubte sich den Luxus seine Gedanken für einen Moment abgleiten zu lassen, so daß er nicht mitbekam, daß er nicht der einzige war, der im Moment keinen Schlaf fand.
Hermine ging es nicht anders. Für einige Minuten waren ihr die Augen ob der Erschöpfung zugefallen, doch an erholsamen Schlaf war nicht zu denken gewesen. Zu sehr hatten die Ereignisse des Tages sie aufgewühlt. Nach einigen Augenblicken, in denen sie vergeblich versucht hatte wieder in den Schlaf zu finden, richtete sie sich ein wenig auf und ließ ihren Blick an ihre Seite gleiten. Die Jungs um sie herum schliefen friedlich, ihre Gesichter wirkten dabei vollkommen entspannt und für einen kurzen Augenblick mußte Hermine feststellen, da Draco sich da in absolut gar nichts von Harry unterschied. Im Schlaf sah auch sein Gesicht völlig entspannt aus, was ihm fiel besser stand als die Überheblichkeit, die er im Wachzustand meinte ständig vor sich hertragen zu müssen. Leicht mit dem Kopf schüttelnd nahm sie aus den Augenwinkeln heraus Snape wahr, der mit dem Rücken zu ihr am Rande der Lichtung stand, und sich nun herum drehte, um wieder einige Schritte auf die Gruppe zuzugehen.
Offensichtlich war er ziemlich abwesend mit seinen Gedanken, denn er reagierte gar nicht auf sie, schien sie gar nicht wahrzunehmen, während er sich nun neben einem Baum, der gut 50m von ihnen entfernt stand nieder ließ und sich dagegen lehnte. Hermine konnte nicht mehr viel erkennen als seine bloße Gestalt, hatte die Dunkelheit ihn doch vollkommen verschlungen.
Hermine schloß wieder die Augen, unternahm einen neuerlichen Versuch einzuschlafen, den sie jedoch wieder aufgab und erneut die Augen öffnete. Dieses Mal erschrak sie beinah. Das zuvor fast niedergebrannte Feuer loderte wieder hell auf, so daß sie nun sehen konnte, daß Snapes dunkle Augen auf sie gerichtet waren. Hermines Herz begann wild zu klopfen, fühlte sie sich ob dieser Situation doch reichlich irritiert. Nicht, weil Snape sie ansah, das tat er im Unterricht oft genug, sondern weil er sie anders ansah. Das erste Mal sah er sie an, ohne dabei überheblich, verächtlich oder spöttisch auszusehen. Merlin allein wusste warum sie das tat, doch mit einem Mal stand Hermine auf und gab dem Drang nach, langsam auf Snape zuzugehen, innerlich darauf vorbereitet, daß er sie jeden Moment rüde zurechtweisen und anherrschen würde.
"Miss Granger, wollen Sie die Nacht nicht auch nutzen um zu schlafen?" Severus seufzte innerlich, als er feststellen mußte, daß er es nicht einmal fertig brachte, seiner Stimme einen schneidenden Ton zu geben. Aber er war müde. Er war so unglaublich müde, wie er es selten zuvor gewesen war und selten zuvor hatte er sich so sehr nach ein wenig Ruhe gesehnt wie in dieser Nacht, konnte sie sich jedoch gleichzeitig selten zuvor so wenig gönnen wie gerade heute.
"Ich kann nicht schlafen Sir..."
"Das festzustellen wäre ich beinah noch alleine in der Lage gewesen Miss Granger." Mit Zufriedenheit stellte Snape fest, daß ein leicht spöttischer Unterton wie beabsichtigt in seiner Stimme mitschwang. Doch dann seufzte er nur unterdrückt und schüttelte angedeutet den Kopf. Was sollte es… „Es war ein schwerer Tag. Sie sollten schlafen Miss Granger, versuchen Sie es zumindest."
Hermine sah ihren ehemaligen Lehrer verwirrt an. Er schien so ruhig, ausgeglichen, fast freundlich. Ganz anders als der immer mürrische, herrische und schlecht gelaunte Professor, den sie seit sechs Jahren kannte. Für einen Moment stellte sie sich doch tatsächlich die Frage, ob das hier wirklich Snape war, verwarf diese jedoch sofort wieder. Sie fing langsam an eben solchen Unsinn manchmal zu denken, wie Ron hier und da von sich gab. Einige Augenblicke stand sie nur stumm vor Snape, ehe ihr bewusst wurde, wie aberwitzig diese Situation war, so daß sie sich vorsichtig erkundigte: "Darf... ich mich setzen?" und dabei unwillkürlich den Oberkörper ein wenig zurück nahm, als fürchte sie, schnell die Flucht antreten zu müssen.
Severus hob den Blick, der bislang an Hermine vorbei ins Leere gegangen war und zog die Augenbrauen leicht zusammen, durchaus geneigt Miss Einstein zurück zu schicken. Dennoch nickte er ihr leicht zu. "Bitte."
Auch wenn Hermine gefragt hatte, so erstaunte es sie nun doch, daß Snape sie tatsächlich aufforderte zu bleiben. Doch nun, wo er es schon tat setzte sie sich und atmete tief durch, ehe sie mit leiser Stimme über die Lippen brachte, was ihr schon die ganze Zeit auf diesen lag: "Ich wollte mich bei Ihnen bedanken Sir, ich glaube nicht, daß einer der Jungs auf die Idee gekommen ist, das zu tun."
Severus zog leicht die Augenbrauen nach oben. "Es ist auch vollkommen unnötig dies zu tun Miss Granger. Ich habe getan, was getan werden mußte. Eine solche Vorgehensweise benötigt keinen Dank."
Eine kurze Stille trat ein, in der Hermines Gehirn beinah rotierte, um die sich darin überschlagenden Gedanken ordnen zu können. Ohne weiter auf die Frage einzugehen, ob es nun nötig war sich zu bedanken – das war es in Hermines Augen nämlich durchaus – oder nicht, richtete sie ihren Blick nun interessiert auf ihren früheren Professr. "Sir, dieser Zauber... sie, sie gebrauchen Handmagie."
Snapes Augen blitzten kurz, kluge, kleine Hermine, ihr blieb wirklich kaum etwas verborgen. "Hm, es ist hier und da recht nützlich und keineswegs ungewöhnlich. Selbst Kleinkinder gebrauchen ‚Handmagie' wenn sie unbewusst mit ihren Zauberkräften spielen. Diese Fähigkeit geht nur im Laufe der Jahre verloren, weil wir uns zu sehr auf unseren Zauberstab verlassen. Aber es kann trainiert werden." ‚Schließ die Augen Severus. Verlass dich einfach auf dich selbst. Die Magie ist in dir und nicht in deinem Zauberstab…' Ganz deutlich glaubte Severus wieder Albus' weiche Stimme zu hören, spürte fast wieder seine alte, knochrige Hand auf seinen Schultern, die damals noch so schmal waren, da Albus sie ganz und gar umfassen konnte. Aber er war auch erst dreizehn gewesen… Für einen Moment schloß er die Augen, spürte, wie die Wärme wieder in seinen Körper zurück kehrte und tiefe Ruhe ihn erfüllte, so daß er fast ein wenig ungehalten wirkte, als er die Augen wieder auf Hermine richtete, die unbeeindruckt seiner Worte weiter sprach, wie er es eben von ihr gewohnt war. Ohne Punkt und Komma…
"Und dieser Schutzzauber den Sie da auf uns gelegt haben, ich habe darüber gelesen aber..." Snape räusperte sich leicht. „In einem Buch, das in der Verbotenen Abteilung steht…"
Hermine stutzte und dachte schon über eine Erklärung nach, ehe ihr wieder einmal bewusst wurde, daß sie a) vermutlich sowieso nie nach Hogwarts zurückkehren würden und b) Snape dort kein Lehrer mehr war. Also was sollte es schon. „Ja, Sir", antwortete sie daher nur leichthin und zuckte mit der Schulter, selbst verwundert darüber, wie leicht es ihr auf einmal erschien mit Snape zu sprechen. „Aber… nun ja… ich… habe es nicht ganz verstanden Sir." Daß sie dieses Eingeständnis einmal freiwillig Snape gegenüber machen würde, noch vor einigen Tagen hätte Hermine jeden Eid abgelegt, daß dies niemals der Fall sein würde.
Snape mußte nicht lange nachdenken, ehe er kurz nickte und dann zu erklären begann:"Es ist eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Die meisten Zauberer können Schutzzauber nur über eine Person oder eine Gruppe legen. Es wäre mir nicht möglich gewesen, jeden von ihnen mit einem einzelnen Zauber zu schützen, dies erfordert eine hohes Maß an Konzentration, die ich in diesem Moment nicht hätte aufbringen können. Deswegen mußten Sie als Gruppe zusammen bleiben. Allerdings: Geben Sie sich nicht dem Irrglauben hin, daß Schutzzauber die Lösung für alle Probleme sind. Schutzwälle sind immer nur so stark wie der, der ihn zieht."
Hermine folgte Snape interessiert und vergaß ob des Wissens, welche dieser ihr mitteilte für einen Moment, wen sie da vor sich hatte. "Aber ich dachte, man könne sie irgendwie individuell abstufen..."
"Das stimmt soweit... Es kommt darauf an, wie viel Kraft der Ziehende in ihn legt, was er zu geben und zu riskieren bereit ist. Doch jeder kann nur das geben, was er hat und um den höchsten Schutz zu geben, muß man alles geben, das man hat, was folglich zum Tod führt, was meist nicht im Sinne des Erfinders liegt. Also vergessen Sie niemals, daß der Schutz nur so stark ist, wie der Magier, der ihn beschworen hat. Sie dürfen sich auch unter einem Schutzzauber nie zu sicher fühlen. Ist der gegnerische Magier mächtiger, sind Sie dennoch verwundbar. Deswegen steht das Buch in der Verbotenen Abteilung, weil dieser Zauber in der Vergangenheit Schüler dazu verleitete sich in falscher Sicherheit zu wiegen."
Ein klein wenig enttäuscht atmete Hermine tief durch. Also würde ein solcher Zauber ihnen gegen Voldemort überhaupt nicht helfen. Kein Wunder, daß sie nur durch Zufall darauf gestoßen ist und zuvor nie etwas davon gehört hatte. Obwohl… Hermines Blick wurde wieder fragend. "Hat Harrys Mutter..."
Genau in dem Moment, in dem Granger diese drei Worte aussprach, bereute es Severus, sich überhaupt auf dieses Gespräch eingelassen zu haben. Die Zähne aufeinander pressend atmete er kontrolliert tief durch, versuchte sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen, den die aufkommende Erinnerung in ihm verursachte, der ihm fast die Luft zum Atmen nach. Wieder kämpfte er den Instinkt nieder, Granger zurecht zu weisen. ‚Es ist unsere Aufgabe unser Wissen an die weiter zu geben, die nach uns kommen Severus. Was nutzt all unser Wissen, wenn wir es mit ins Grab nehmen?' Wieder war da Albus' Stimme, so klar und deutlich, daß Severus für einen Moment glaubte, auch Hermine hätte sie hören müssen. Doch deren fragend-abwartender Blick zeigte ihm, daß auch diese Stimme nur zu seinen Erinnerungen gehörte.
"Nein, das was Mrs. Potters Mutter getan hat..." Wieder schwieg Severus für einen Augenblick.‚Erst hat sie uns diesem Kind geopfert und dann auch noch sich selbst…' Diese Gedanken zur Seite drängend, die so viele Jahre in seinem Inneren verborgen waren und ausgerechnet jetzt wieder hervor kommen mussten, fuhr Severus mit fester Stimme fort: „Nun, es ist nicht halb so kompliziert. In diesem Fall wird der Zauber erst DURCH den Tod aktiv, bei einem Schutzzauber ist das ganz anders. Da ist es die Kraft die die den Schutz sprechende Person verliert der Aspekt, der zum Tod führt. Wenn man all seine Kraft auf einen anderen Menschen überträgt, womit soll man selbst weiterleben Miss Granger? Mrs. Potter hat jedoch erst durch ihren Tod ihren Sohn geschützt und diese Art der Magie, die die einfachste und höchste zugleich ist, ist ohnehin nur zwischen Mutter und Kind möglich. Es ist der stärkste Schutz, den es überhaupt geben kann."
Hermines Kopf begann leicht zu rauchen, was nicht oft vorkam. "Also verstehe ich Sie richtig, Sie hätten sterben können als Sie den Schutz über uns gelegt haben?"
Snapes Augenbrauen zuckten neuerlich nach oben, als er einen Hauch von Besorgnis aus der Stimme der jungen Frau heraushören konnte. "Rein theoretisch gesehen, ja. Allerdings hat meine Kraft noch durchaus ausgereicht um den entsprechenden Teil in diesen Schutzzauber legen zu können." "Wenn Sie aber geschwächter gewesen wären, hätten Sie es dann getan?" Hermine wußte nicht, warum sie das gesagt hatte, eigentlich hätte sie es niemals gewagt so etwas zu sagen, aber darüber hatte sie im Moment einfach nicht nachgedacht.
Snapes Augen verengten sich ein wenig. „Glauben Sie ernsthaft Miss Granger, ich hätte meinen eigenen Tod riskiert?"
Hermine sah ihren ehemaligen Lehrer an. Seine Stimme klang wieder so, wie sie sie von der Schule kannte. Spöttisch, ein wenig überheblich und doch bildete sich in ihrem Kopf eine ganz klare Antwort auf seine Frage, auch wenn es natürlich die Möglichkeit, ja sogar die Wahrscheinlichkeit gab, daß sie sich irrte. Auch wenn es vermutlich klüger gewesen wäre nichts zu sagen, brauchte sie im Aufstehen doch ein leises „Ja Sir" über die Lippen, ohne Snape dabei jedoch anzusehen.
Innerlich mußte Snape fast schmunzeln. Was hatte er nur falsch gemacht, daß Miss Granger noch den Glauben daran hatte, daß es etwas Gutes in ihm gab? „Gute Nacht Miss Granger", nickte er der jungen Frau nur zu, ohne auf ihre Worte nach außen in irgendeiner Weise zu reagieren.
Hermines Herz schlug noch immer wie verrückt. Wie um alles in der Welt kommt sie auch dazu so mit Snape zu sprechen? Hatte sie in den vergangenen Jahren denn gar nichts gelernt? Die junge Frau schluckte schwer. Nein, so einfach konnte sie es sich nun auch wieder nicht machen. Immerhin hatte Snape ihre Frage beantwortet und das sogar sehr ausführlich und hatte sie nicht mit einem „Das geht sie gar nichts an" oder „Diese Art der Magie dürfte Ihren Horizont überschreiten" abgespeist. „Gute Nacht Sir", erwiderte sie leise, ehe sie sich umwandte und langsam zurück zu den Jungs ging, die weiter friedlich schliefen und somit nichts von dem Gespräch zwischen Snape und Hermine mitbekommen hatten, welches sie doch deutlich irritiert hatte.
Severus beobachtete, wie die junge Frau zurück in ihren Schlafsack kroch und kurz danach einschlief. Er selbst stand auf und zog eine leichte, weitläufige Schutzlinie um den Schlafplatz der Gruppe. Er würde sofort aufwachen, wenn jemand oder etwas diese übertrat. Doch mit dieser Sicherheitsmaßnahme kam er zumindest zu etwas Schlaf den er, das mußte er sich eingestehen, dringend nötig hatte. Noch einmal ruhte sein Blick eine ganze Weile auf den Jugendlichen, die eine interessante und vielleicht sogar nützliche Konstellation bildeten. Hermine war das Klügste und Scharfsinnigste, das Hogwarts seit langer Zeit gesehen hatte. Harry war, das konnte selbst Severus nicht leugnen, kampferprobt. Ihm gingen nicht so schnell die Nerven durch und er wusste sich zu verteidigen. Auch wenn Snape nach wie vor die Meinung vertrat, daß sein Überleben durchaus hin und wieder auch dem puren Glück zu verdanken war. Draco war ihm absolut ergeben und würde unter bestimmten Umständen dafür sorgen, daß jeder seiner Befehle, ganz gleich welcher, auch ausgeführt wurde ohne sich lange mit falscher gryffindorischen Heldenhaftigkeit aufzuhalten und Mr. Weasley? Er war ein durchschnittlicher Zauberer, nicht so intelligent wie Miss Granger oder so talentiert wie Potter, aber ein Freund, auf den sich erstere in jeder Situation verlassen konnten und Snape wußte selbst am besten, das das manchmal die wertvollste Eigenschaft eines Menschen sein konnte. Noch wußte er nicht, wo der zweite Horkrux war und Albus hatte ihm auch gesagt, daß er das erst erfahren würde, sobald der zweite Blutzoll – auf dem Rückweg aus dem Kloster – gezahlt worden war. Voldemort hatte wirklich an alles gedacht. Zumindest an all das, an das er mit seinem Wissen denken konnte. ‚Nein, Mein Lord, wir sind noch nicht fertig mit einander. Wir werden dir wieder einmal ein Schnippchen schlagen und mit Merlins Hilfe wird unser nächstes Aufeinandertreffen das letzte Mal sein, daß wir uns gegenüberstehen...' Mit diesem befriedigenden Gedanken schlief auch Severus schließlich ein.
