=/\= Kapitel 2 =/\=
„Guten Morgen Captain, Commander."
Am nächsten Morgen hatten sich Kathryn und Chakotay in der Krankenstation eingefunden. Beide waren ein wenig müde, nachdem sie einen Großteil der Nacht mit Plänen für ihre Zukunft zugebracht hatten. Toms Flugtraining, das Gespräch mit Admiral Paris, das Leben zu dritt – es gab so viel zu besprechen.
„Wie geht es Ihnen Captain?" Der Doktor sah seine Kommandantin an, als ob er immer noch die sofortige Dekompilierung erwarten würde. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mein Versagen bedaure. Diese Nebenwirkung der Teteris-Strahlung ist meiner Aufmerksamkeit gänzlich entgangen."
„Schon gut, Doktor", winkte Kathryn ab. „Was geschehen ist, ist geschehen. Chakotay und ich freuen und über dieses Baby."
„Tatsächlich?" Das Gesicht des Doktors leuchtete auf wie eine Plasmalampe. „Dann darf ich Sie bitten, sich kurz auf Biobett I zu legen, damit wir unsere erste gründliche pränatale Untersuchung durchführen können."
Chakotay grinste, als Kathryn schicksalsergeben den Anweisungen des Arztes folgte. Dieser Aspekt der Schwangerschaft würde ihr mindestens ebenso wenig Freude bereiten wie B'Elanna. Der Doktor hingegen strahlte mit jeder Minute mehr.
„Wie ich gestern schon festgestellt habe, befindet sich Ihre Schwangerschaft in der fünften Woche Captain. Nach meinen Scans ist der Fötus hervorragend entwickelt. Das heißt, dass Sie etwa zu Sternzeit 56086.10 ein perfektes kleines Mädchen in den Armen halten werden."
Kathryn lächelte Chakotay an und drückte seine Hand.
„Natürlich werden Sie einige Verhaltensregeln beachten müssen." Kathryns Lächeln machte einem unwilligen Gesichtsausdruck Platz. „Erstens: Außenmissionen überlassen Sie ab jetzt anderen. Zweitens: Ich erwarte Sie zu regelmäßigen Untersuchungen auf der Krankenstation. Drittens: Ernährung. Sie benötigen nun besonders viele Nährstoffe und Vitamine. Ich werde eine Aufstockung der Replikatorrationen aus medizinischen Gründen für Sie anordnen – und damit das klar ist Captain: Kaffee zählt nicht als Nährstoff! Ich bin nicht so barbarisch, Ihnen den Kaffee ganz zu verbieten. Vermutlich würde die arme Kleine dann auch an ernsthaften Entzugserscheinungen leiden. Zwei Tassen am Tag dürfen Sie trinken."
Obwohl es grausam war, musste Chakotay lachen, als er Kathryns fassungsloses Gesicht sah. Zwei Tassen, das war so gut wie nichts.
„Ich habe da ein ganz hervorragendes Rezept für ktarianischen Kräutertee", erklärte der Doktor so enthusiastisch, als ob er wirklich über Geschmacksnerven verfügen würde. „Fähnrich Wildman hat darauf geschworen. Sie werden sehen, Captain, Sie werden den Kaffee gar nicht vermissen."
Der Abscheu in Kathryns Gesicht sprach Bände.
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Zwei Stunden später hatten sich Kathryn und Chakotay im astrometrischen Labor eingefunden. Kathryn hatte darauf bestanden, dass es ihre Sache war, mit Admiral Paris zu sprechen.
„Es ist meine Aufgabe als Captain mit Admiral Paris zu reden", hatte sie festgestellt. Und Chakotay verstand, dass sie vor der Sternenflotte keine Schwäche zeigen wollte. Trotzdem fühlte er sich ein wenig zurückgewiesen. Wären ihre Rollen vertauscht gewesen, hätten sie selbstverständlich zu zweit mit dem Admiral gesprochen. Aber bei aller Gleichberechtigung im 24. Jahrhundert hätte dies in ihrer Situation bedeutet, dass Kathryn sich eine Blöße geben würde. Kathryn griff seine Hände, bevor er sich in den rückwärtigen Teil des Labors zurückzog. „Ich bin froh, dass du bei mir bist. Ich will das nicht ohne dich durchstehen."
Chakotay küsste sie sanft. „Du sollst gar nichts ohne mich durchstehen müssen."
Nachdem sie sich voneinander gelöst hatten, stellte Kathryn die Verbindung endgültig her.
Das Gesicht von Admiral Owen Paris erschien auf dem Schirm. Es zeigte einen besorgten Gesichtsausdruck.
„Hallo Kathryn, wie geht es Ihnen? Sie hatten um eine Unterredung gebeten. Ist bei Ihnen alles in Ordnung?"
„Mit der Voyager ist alles in Ordnung, Owen. Ich habe Sie aus zwei Gründen kontaktiert. Zunächst möchte ich eine Meldung nach Sternenflottenprotokoll 47 Beta machen." Chakotay sah, dass Kathryn hart schluckte. Zu gerne wäre er jetzt an ihre Seite geeilt, hätte sie seines Beistandes versichert, doch jahreslanges Training hatte ihn Beherrschung gelehrt. Kathryn musste in diesem Moment Stärke beweisen, sich selbst und vor allem gegenüber dem Admiral.
„47 Beta?" Owen Paris sah für einen Moment verwirrt aus. Dann erinnerte er sich scheinbar, was dieses Protokoll besagte. „Sie wollen damit sagen, Sie sind schwanger?" Owen sah fassungslos aus. Kathryn nickte knapp.
„Ich nehme an der Vater..."
Kathryn reckte das Kinn vor: „... ist Commander Chakotay."
„Ihr erster Offizier? Kathryn, die Sternenflottenprotokolle wenden sich zwar nicht ausdrücklich gegen eine Beziehung zwischen Captain und ersten Offizier, aber gerne gesehen ist es nicht. Ihre Karriere..."
„... war schon vor sieben Jahren vorbei", sagte Kathryn trocken. „Im Delta-Quadranten gibt es nur wenige Chancen befördert zu werden. Und soll ich dir was sagen, Owen? Es ist mir egal. Ich liebe den Commander und ich freue ich mich auf dieses Kind mehr als sich sagen kann."
Chakotay verschlug es den Atem. Dies war Kathryns erste öffentliche Liebeserklärung. Ein weiterer Moment, den er nie vergessen wollte. Auch der Admiral schien beeindruckt.
„Ich freue mich für dich, Kathryn. Für euch beide – drei", verbesserte er sich. „Du hast alles Glück verdient. Aber das Sternenflottenkommando..."
„Deswegen wende ich mich als erstes an dich, Owen. Du wirst die Wogen bestimmt glätten. Außerdem, was wollen sie tun? Mich versetzen? Oder Chakotay?"
„Ich gebe zu, das könnte zu Schwierigkeiten führen", gab der Admiral zu. „Ich möchte deinen famosen ersten Offizier dennoch bei nächster Gelegenheit sprechen und ihm in Vertretung für Edward ein paar mahnende Worte zum Thema ‚Was ich mit Ihnen anstellen werde, wenn Sie es wagen, mein kleines Mädchen zu verletzen' mit auf den Weg geben."
„Das ist vollkommen unnötig", lachte Kathryn. „Erstens ist dieses Mädchen nicht mehr klein und kann auf sich selbst aufpassen, zweitens würde mich der Commander nie verletzen, unter keinen Umständen."
„Trotzdem, so eine kleine Ansprache schadet nie", knurrte der Admiral. „Aber es gab noch ein zweitens?"
„Das hängt mit den Wogen im Hauptquartier zusammen. Der Commander und ich sind zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit ist, die Vorwürfe, die gegen einen Teil meiner Crew im Raum stehen, endgültig auszuräumen. Ich möchte nicht heimkehren, damit sich ein Teil der Besatzung im Gefängnis wiederfindet."
„Du misstraust der Flotte, Kathryn?"
„Die Sternenflotte ist mein Leben, Owen, aber ich will Sicherheit – vor allem jetzt."
„Ich verstehe", nickte Admiral Owen Paris. „Tatsächlich ist diese Idee auch schon im Pathfinder-Projekt diskutiert worden. Aber dir ist klar, dass die Sache so oder so ausgehen kann?"
„Ich denke, jetzt ist der beste Zeitpunkt – nach sieben Jahren tadellosen Dienst im Delta-Quadranten hat jeder einzelne meiner Maquis das mehr als verdient – von Tom ganz zu schweigen."
Die Erwähnung seines Sohnes ließ das Gesicht des Admirals für einen Moment weich werden. „Politisch könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben", überlegte er. „Cardassia ist schwach wie nie, die Beliebtheit der Cardassianer ist auf einem Tiefpunkt angelangt, dagegen könnte man die Ferengi für die ‚Spezies der Galaxis' halten. Ich werde mich mit unseren Rechtsberaten unterhalten, wie wohl das beste Vorgehen in dieser Sache ist."
„Danke, Owen", sagte Kathryn warm.
„Nichts zu danken, Kathryn – und erinnere deinen Commander, dass ich noch ein Gespräch mit ihm zu führen habe. Paris, Ende."
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Eine Woche später hatte der Admiral sich wieder gemeldet.
„Hier lies das." Kathryn reichte Chakotay ein Pad mit den Vorschlägen des Rechtsteams der Sternenflotte. Chakotay studierte es aufmerksam, Fassungslosigkeit machte sich in ihm breit.
„Sie schlagen eine Untersuchungskommission vor, die über ‚das weitere öffentliche Interesse an einer Strafverfolgung sowie die Aufnahme der ehemaligen Maquis in den offiziellen Dienst der Sternenflotte unter Beibehaltung der durch Captain Kathryn Janeway verliehenen provisorischen Dienstgrade' entscheiden soll. Danach hatten wir gar nicht gefragt."
Kathryn schmunzelte. „Scheinbar haben wir Unterstützer in den unterschiedlichsten Positionen, Captain Picard, Admiral Nechayev, ein gewisser Mitchum Huntzberger vom Daily Orbiter um nur einige zu nennen. Owen schreibt, dass er fast überall offene Türen eingerannt hat oder ihm sogar umgekehrt von vielen Seiten Unterstützung zugesagt wurde, als die Pläne mit der Untersuchungskommission die Runde machten."
„Sie müssen ja wirklich verzweifelt auf der Suche nach guten Neuigkeiten sein." Chakotay war selbst von seinem Zynismus etwas überrascht. Noch überraschter war er, als Kathryn ihn in vollkommen un-janewayscher Manier anstrahlte.
„Es sieht so aus, als ob wir ein exzellentes Timing hätten. Scheinbar haben wir hier ein Glückskind." Zärtlich klopfte sie auf ihren Bauch.
In der Tat, dachte Chakotay, das bist du, Kleines. Und in die Vorfreude auf das Baby mischte sich ein freudiges Kribbeln bei dem Gedanken daran, wieder ganz regulär in die Sternenflotte zurückzukehren.
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Beim nächsten Briefing der Führungsoffiziere ließen sie die Bombe hochgehen.
„Commander Chakotay und ich haben uns mit Admiral Paris und seinen Beratern vom JAG-Corps der Sternenflotte besprochen bezüglich der noch anhängigen Verfahren gegen die Maquis, die Besatzungsmitglieder der Equinox und Lieutenant Paris."
Die Offiziere – von den zu erwartenden Ausnahmen abgesehen – sahen sich peinlich berührt an. Chakotay meinte ihre Gedanken lesen zu können. Warum brachte der Captain das Thema jetzt auf den Tisch? Es hatten doch mittlerweile so gut wie alle vergessen, dass es an Bord der Voyager einmal zwei Mannschaften gegeben hatte.
„Wir wissen nicht, wann wir heimkehren", erklärte Kathryn, „oder wie. Es kann noch Jahrzehnte dauern oder in einer Woche sein. Ich möchte, dass jedes Crewmitglied, wenn es nach Hause kommt eine gesicherte Zukunft hat. Sie alle haben über sieben Jahre der Sternenflotte treu gedient, das muss belohnt werden. Die Rechtsberater des Admirals sind einstimmig der Meinung, dass die aktuelle politische Lage prädestiniert für eine Niederschlagung der Fälle ist. Niemand würde sich den Schuh anziehen wollen, die Helden des Delta-Quadranten angeklagt zu haben."
„In der Tat scheint eine vorausschauende Klärung der rechtlichen Fragen ein weises Vorgehen zu sein", stimmte Tuvok zu.
„Aber was ist, wenn es nicht so ausgeht, wie Sie und die JAG-Fuzzies sich das ausmalen?", platzte B'Elanna heraus. „Was wird dann aus uns?"
„Och, dann bleiben wir einfach im Delta-Quadranten", sagte Tom fröhlich.
„Mr. Paris", wies Kathryn ihn streng zurecht um dann milder fortzufahren. „In gewisser Weise haben Sie tatsächlich Recht. Uns nicht im direkten Zugriff zu haben, wird die Entscheidung einer Untersuchungskommission garantiert beeinflussen. Trotzdem ist es natürlich ein Risiko. Früher hat man gesagt‚ auf hoher See und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand – deshalb frage ich Sie, ob Sie sich einer Untersuchungskommission der Sternenflotte stellen möchten? Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Um 1600 haben wir ein Gespräch mit der zuständigen JAG-Anwältin. Da können wir all Ihre Fragen erörtern."
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Das astrometrische Labor war brechend voll, als Seven of Nine pünktlich um 1600 die Verbindung zum Hauptquartier herstellte. Auf dem Bildschirm erschienen Admiral Paris und eine junge Frau mit unwirschem Gesichtsausdruck, die mit ihrem blonden Pferdeschwanz viel zu jung für den Rang eines Lieutenant Commander wirkte, den sie scheinbar bekleidete.
„Guten Tag", begrüßte Admiral Paris die wartende Crew. „Ich gehe davon aus, dass Ihre Offiziere Sie über unser Vorhaben informiert haben. Dies hier ist Lieutenant Commander Paris Geller vom JAG-Corps der Sternenflotte. Commander Geller hat die Möglichkeit einer Untersuchungskommission geprüft und wäre für die Umsetzung zuständig. Sie ist die Beste", sagte der Admiral stolz.
„Guten Tag", sagte Commander Geller freundlich wie ein Klingone, dem man sein Bathlet gestohlen hatte. „Auf diesem Schiff gibt es eine Reihe unterschiedlich gearteter Rechtsfragen zu klären, die in verschiedene Zuständigkeiten fallen. Deshalb werden wir uns darum bemühen, dass die Zuständigkeiten sowohl von allen betroffenen Sternenflotten- als auch von den zivilen Behörden an eine noch zu gründende Untersuchungskommission übertragen werden. Ich gehe davon aus, dass das funktioniert. Niemand macht sich gerne mit politisch-relevanten Fällen die Finger schmutzig. Zu behandeln wären die Themen:
Maquis: Hier werden wir argumentieren, dass mit dem Dominion-Krieg das Interesse der Föderation an einer weiteren Verfolgung nicht mehr gegeben ist – von daher das Verfahren einzustellen sei. Außerdem wäre der vorbildliche Dienst an Bord der Voyager im Zweifelsfall als Sühne anzurechnen. Selbstverständlich werden die Cardassianer protestieren. Das müssen sie schon um die Form zu wahren. Doch Botschafter Garak hat mir versichert, dass cadassianische Imperium habe ‚kein gesteigertes Interesse an diesem unbedeutenden Schiff und seiner elenden Crew'."
Ein empörtes Raunen ging durch das astrometrische Labor. Doch die Anwältin ließ sich davon nicht im Mindesten beeindrucken.
„Equinox: Nicht ganz so einfach. Hier haben aktive Mitglieder der Sternenflotte gegen die obersten Direktiven der Föderation verstoßen. Trotzdem werden wir auch hier versuchen, die Eröffnung eines Verfahrens gleich abweisen zu lassen. Wenn wir Glück haben, wird man sich mit Captain Janeways Disziplinarmaßnahmen begnügen.
Thomas Eugene Paris: Das ist wiederum einfach. Die Ableistung seines Dienstes auf der Voyager sollte auf die noch abzubüßende Strafzeit angerechnet werden. Diese wäre damit schon übererfüllt."
„Hört, hört", raunte B'Elanna ihrem Mann zu. „Es ist also eine Strafe bei uns zu sein."
„Die Borg: Seven of Nine und Icheb. Obwohl die Borg eigentlich unsere Feinde sind, steht Ihnen als gebürtige Annika Hansen der Status eines Bürgers der Föderation zu. Sie sollten sich allerdings überlegen, wieder den Namen Annika Hansen anzunehmen – das würde einen guten Eindruck auf die Kommission machen. Sie Mr. Icheb haben sich bei der Sternenflotten-Akademie beworben und wurden akzeptiert, damit sollte Ihr Status geklärt sein."
Commander Geller schien sehr ungehalten, dass sie vom Jubel der Voyager-Besatzung in ihrem Vortrag unterbrochen wurde. Dass Icheb zumindest formal an der Akademie aufgenommen worden war, war eine große Neuigkeit.
„Daneben haben auch Sie beide wertvolle Dienste auf diesem Schiff und damit für die Föderation geleistet. Daher werden wir argumentieren, dass Sie beide nicht mehr als Borg anzusehen sind und Ihnen der reguläre Status eines Föderationsbürgers mit allen Privilegien zustehen sollte. Auch gab es Präzedenzfälle: Captain Jean-Luc Picard bedrohte als Borg sogar die Föderation und wurde trotzdem sogar wieder als Captain der USS Enterprise eingesetzt.
Schließlich noch ihr Doktor: Auch hier haben wir einen Präzedenzfall. Lieutenant Commander Data von der USS Enterprise. Außerdem haben Sie selbst schon Ihre Autorenrechte vor Gericht erstritten, das ist ein erster Schritt zur Anerkennung als natürliche Person.
Dann sind da noch Ihre Karrieren: Kaum einer von Ihnen besitzt einen Abschluss der Sternenflotten-Akademie. Wir werden versuchen, dass all diejenigen, die eine weitere Karriere in der Sternenflotte anstreben, in den regulären Dienst der Sternenflotte übernommen werden. Dafür sollen Ihre Jahre auf der Voyager als Ausbildungszeit angerechnet werden. Haben Sie noch Fragen?"
Chakotay sah, dass seine Leute von diesem Monolog komplett erschlagen waren. Wäre er nicht durch die Memos vorbereitet gewesen, wäre es ihm nicht viel besser gegangen. Trotzdem stellte er jetzt die Frage, die sie alle interessierte.
„Das hört sich alles wunderbar an, Commander. Aber wo liegen die Risiken?"
„Unmittelbare Risiken gibt es für Sie nicht, da sie sich ja im Delta-Quadranten befinden", beschied Lieutenant Commander Geller unwirsch. „Natürlich könnte die Kommission zu dem Schluss kommen, Captain Janeway anzuweisen, Sie alle zu arretieren oder Ihnen zumindest Ihre vorläufigen Ränge aberkennen. Dies halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Hätte es dementsprechende Interessen gegeben, wäre ein entsprechender Befehl schon längst ergangen. Ansonsten ist das Schlimmste, das Ihnen passieren kann vermutlich, dass der Status quo beibehalten wird, bis Sie wieder in den Alpha-Qudaranten zurückkehren. Weitere Fragen?"
Niemand rührte sich, sie hatten erst einmal viel zu verdauen.
„Nein? Gut, Ihr Captain muss diese Untersuchungskommission offiziell beantragen. Bitte reichen Sie die entsprechenden Eingaben innerhalb der nächsten zwei Wochen ein. Captain, Commander, noch ein Wort unter acht Augen."
Nachdem die Besatzungsmitglieder das Labor verlassen hatten, sprach die Anwältin weiter.
„Der Admiral hat mich über Ihre Schwangerschaft informiert, Captain.", sagte sie rüde. Chakotay sah, wie Kathryns Gesicht hart wurde und legte ihr beruhigend die Hand auf den Rücken. „Der Admiral und ich sind zu dem Schluss gekommen, dass sich dieser Fakt zum momentanen Zeitpunkt negativ auf die Zusammensetzung und das Wohlwollen der Untersuchungskommission auswirken könnte. Später kann sie sich dann als nützlich erweisen. Die Leute lieben kitschige Geschichten. Liebe zwischen den Sternen, die Schöne und der Outlaw. Wir müssen sie nur richtig platzieren."
Kathryn rang mühsam um Beherrschung. Chakotay mochte wetten, dass sie ihre Beziehung noch nie unter diesem Gesichtspunkt gesehen hatte.
Mit der Sensibilität eines Targ fuhr Paris Geller fort: „Um diese Schwangerschaft so lange wie möglich geheim zu halten, haben wir die Führung der Sternenflotte in einem Memo der Stufe Alpha C davon in Kenntnis gesetzt."
„In einem Memo?" Chakotay verstand nicht ganz.
„Commander, niemand liest Memos", sagte die Anwältin ungeduldig. „Und wenn die Schwangerschaft offensichtlich wird, kann niemand behaupten, wir hätten das verschwiegen. Trotzdem Captain, sollten Sie so lange wie möglich für Diskretion sorgen. Vielleicht können Sie Ihren Bauch im Zweifelsfall dann hinter einem Gegenstand oder einer Konsole verstecken."
„Ich werde mein Bestes geben, Commander", sagte Kathryn schwach. Chakotay musste grinsen, selbst die toughe Captain Janeway war vor dieser Frau nicht sicher. Sie hatten gute Karten.
