Hilfe?
Als ich langsam wieder zu verstand kam, konnte ich verschiedene Stimmen diskutieren hören.
„Sie kann euch jeden Scheiß erzählen und ihr würdet es glauben?" Sagte eine ziemlich angepisste Frauenstimme.
„Ich glaub' ihr." Ich erinnerte mich an Petes Stimme.
„Das' ja schön und gut, aber wieso bringt ihr sie hierhin? Sie könnte sonst wer sein. Denkt ihr eigentlich auch mal nach?!" Die Frau wurde langsam laut.
„Nick hat sie angeschossen, wir mussten sie mitnehmen. Wir konnten sie nicht einfach da liegen lassen. Immerhin ist es unsere Schuld, dass sie verletzt ist." Entgegnete Pete. Nick heißt der Idiot also.
„Versorg' erst mal ihre Schusswunde und dann können wir weiterdiskutieren, wie wir weitermachen." Sagte Nick.
„Mann, Nick. Warum musst du auch einfach n' Mädchen im Wald anschiessen, he?" Noch ein Kerl mit einen leichten Akzent.
„Na schön. Ich werde mich um sie kümmern." Sagte eine spanisch klingende Stimme.
„Wenn sie noch nicht tot ist." Bemerkte die Frau.
„Becc, komm schon." Beruhigte eine ziemlich tiefe männliche Stimme.
Ich konnte meine Augen nicht öffnen, sie waren zu schwer. Aber als ich Schritte hörte, die direkt auf mich zukommen, geriet ich in Panik. Jemand stand direkt vor mir und fummelte gerade an meinem Gürtel herum. Ich riss die Augen auf und schlug die Hände weg. Geschockt und etwas ängstlich starrte ich in dunkelbraune Augen. Ich versuchte von dem Kerl wegzurutschen, aber ich war schon am Ende einer… Couch? Ich lag auf einer Couch. Ich sah mich um und sah 6 Gesichter, die mich überrascht anstarrten.
„Du bist wach." Sagte der Mann mit den leichten Akzent. Er sah nicht viel älter aus als Nick. Er hatte schokobraune Augen und braunes Haar, dass ihm über die Ohren fiel. Muskulös war er auch. „Du brauchst keine Angst zu haben…" Versuchte er mich zu beruhigen und versuchte meinen Namen aus meinen Mund zu locken.
„Ich hab keine Angst." Grummelte ich.
„Okay, okay." Er hob die Hände hoch. „Carlos hier, will dir nur helfen."
„Indem er mir meine Hose auszieht? Und dann?" Fragte ich leicht angepisst.
„Ich bin Arzt und will mir deine Wunde ansehen. Durch die Hose kann ich leider nicht viel sehen, also…" Sagte Carlos der immer noch vor mir stand.
Ich nickte „Ok." Sagte ich dann etwas kleinlaut. Es war mir unangenehm vor allen meine Hose runterzuziehen aber die Wunde musste behandelt werden. Sie tat scheiße weh. Ich zog meine Hose bis zu meinen Knien runter. Das muss reichen. Und setzte mich auf. Carlos zeigte zum Couchende. Also humpelte ich dort hin und setzte mich auf die Lehne. Alle Augen waren auf mich gerichtet oder eher auf meine nackten Beine und meinem Slip. Mein Kopf wurde leicht heiß aus Scham und ich zog mein lose hängendes Shirt weiter runter um meine Unterhose zu verdecken. Der Mann mit dem schoko Augen bemerkte offensichtlich meinen Scham aber starrte noch etwas weiter. Alles Perverse. Wenn sie mich schon angucken, dann auch bitte auf meine schöne Wunde, nicht auf den Rest meiner nackten Haut. Aus dem Augenwinkel konnte ich Nick starren sehen und warf ihn einen wütenden Blick zu, während Carlos die Wunde untersucht. Nach einer Zeit schaute er dann beschämt weg. Der Arzt übte etwas Druck auf mein Oberschenkel aus und ich zischte aus Schmerz.
„Tut mir Leid." Sagte er ohne jegliche Emotionen.
„Nun Leute, ich denke Carlos kommt alleine klar und braucht kein Publikum, dass ihm über die Schulter guckt. Richtig, Carlos?" Fragte der braunhaarige.
„Mhm." Brummte Carlos einfach nur als Antwort.
„Na los, Alvin, Pete, Bec, Nick?" Er neigte seinen Kopf leicht zur einer Tür und alle folgten ihn.
„Und, wie siehts aus?" Fragte ich den Arzt
„Nick hat dich gut erwischt. Aber die Kugelsplitter sind nicht ganz durchgegangen. Nicht alle jedenfalls. 2 Stecken noch in dein Bein. Ich muss sie entfernen." Suuuper, besten Dank, Nick. „Ich werde alles vorbereiten, Luke und Nick werden dich in ein Zimmer bringen, in dem wir es durchführen werden. Die Couch ist etwas unpassend dafür." Sagte er. Es scheint ihn alles gar nicht zu jucken. Er spricht es in so einen gelangweilten monotonen Ausdruck als ob es ganz normal wäre, Splitter von einer Kugel im Bein zu haben. Ich nickte nur und zog meine Hose erst mal wieder hoch. Carlos ging in denselben Raum, wie die restlichen Leute vorhin.
Ich wartete auf Luke und Nick. Dabei schaute ich mich im Raum um. Er hing voll mit Bildern von Enten, was mich leicht schmunzeln lies. Eine Tür flog auf und die zwei jungen Männer kamen heraus. Luke und Nick also. Schnell wechselte ich meinen Gesichtsausdruck wieder zurück zu gelangweilt und genervt. Die beiden kamen auf mich zu, Luke mit einem sympathischen Lächeln auf den Lippen und Nick eher zurückhaltend und unsicher.
„Carlos will die Operation oben durchführen." Sagte Luke und deutete nach oben. Ich sagte nichts. „Dann mal los." Sagte er und kam zu meiner Rechten, Nick kam links neben mir. Beide legten einen Arm um mich, damit ich nicht gleich wieder hinfalle, wenn ich aufstehe.
„Ich bin übrigens Luke und das is' Nick." Sagte Luke als wir langsam die Treppe hochgingen. Ich antwortete nichts, stöhnte nur etwas, als ich mein Bein zu doll belastete. „Willst du uns nicht auch deinen Namen verraten?" Fragte er. Ich blendete ihn komplett aus. Konnte er nicht sehen, wie unangenehm mir die Situation war? Ich hatte wirklich keine Lust mit irgendwen zu reden
. „Lass sie doch einfach." Bemerkte Nick auf halben Weg.
„Ich versuch nur ein Gespräch zu starten." Sagte er und schaute wieder auf mich. „Weißt du, Kleine. Ich bin ein Experte darin mit Mädchen zu sprechen, die nicht mit mir reden wollen." Mir wurde es langsam zu viel.
„Nenn mich nicht so." Sagte ich harsch.
„Siehste?" Er schmunzelte etwas und Nick schüttelte den Kopf.
„Nenn mich nicht Kleine." Sagte ich genervt und war erleichtert, dass wir endlich oben angekommen waren.
„Wie heißt du denn jetzt?" Drängte Luke.
Man, is' der nervig. „Maxine." Ich gab endlich nach, wer weiß, wie lange er noch durchgehalten hätte.
„Geht doch." Sagte er triumphierend „Schön dich kennen zu lernen, Maxine."
„Mhm." Sagte ich nur.
Nick lies mich los und öffnete die Tür vor uns. Luke und ich gingen in den Raum hinein, Nick folgte uns und schmiss schnell die Klamotten, die auf dem Bett lagen auf den Boden, damit ich mich hinsetzen kann.
„Du bist schwerer, als du aussiehst." Scherzte Luke, als er mich auf dem Bett absetzte. Ich warf ihn nur einen wütenden Blick zu und sah mich dann im Zimmer um.
Es war ein absolutes Chaos. „Wohnt hier ein Messi?" Fragte ich, als ich den ganzen Kram, der auf den Boden lag begutachtete.
„Nur Nick, also ja." Antwortete Luke und warf Nick einen schmunzelnden Blick zu. Er erwiderte ihn nur mit einem kalten Starren und kratzte sich dann am Nacken.
Kann Carlos jetzt mal bitte kommen. Ich wurde langsam ungeduldig. Wer weiß, wie schlimm mein Oberschenkel wirklich verletzt war und Carlos tut so als hätte er alle Zeit der Welt. Unangenehme Stille herrschte in dem Raum. Ich konnte die Blicke der Beiden auf mich spüren. Ich versuchte diese zu vermeiden und schaute auf den Boden.
Die Tür flog auf und Carlos kam hinein. In seinen Händen hatte er eine Pinzette, Desinfektionsmittel und Verbände. Er legte die Sachen auf den Nachttisch neben mir. „Wir müssen jetzt sofort anfangen, ansonsten verlierst du zu viel Blut." Sagte er kühl. So langsam bekam ich ein bisschen Angst. Ich hab Arztbesuche schon immer gehasst und jetzt ohne Betäubung eine Operation. Ganz toll, ganz toll. Warum bist du nicht einfach auf dem scheiß Baum geblieben?!
„Brauchst du Hilfe?" Fragte Luke.
„Jemand muss ihr Bein festhalten, falls sie nicht ohnmächtig wird." Nick und Luke schauten sich gegenseitig mit fragenden Blicken an, wer die Ehre haben würde, mich festzuhalten, während ich schreien und zappeln werde.
„Ich kanns' machen, ist schließlich meine Schuld, das sie hier ist." Sagte Nick dann.
„Ok, dann ruft, wenn ihr Hilfe braucht." Antwortete Luke und sah mich besorgt an, dann verließ er den Raum.
Carlos gab mir ein Zeichen, dass ich jetzt wieder meine Hose ausziehen darf. Yay.
„ Du musst dich auf den Bauch legen. Der Einschuss fand von hinten statt."
Ich tat, wie mir befohlen und legte mich auf den Bauch. Ohne meine Erlaubnis fing mein ganzer Körper an zu zittern. Reiß dich zusammen Max. Ich spürte eine kalte an der Unterseite meines Oberschenkels und zuckte.
Warum haben Ärzte immer so kalte Hände?
„Nick?" Fragte Carlos. „Achja." Er hatte schon ganz vergessen, was seine Aufgabe war.
Ich drückte mein Gesicht in ein Kissen und bereitete mich auf das Bevorstehende vor. Dann spürte ich ein weiteres Paar Hände auf meinem Bein, die es vorsichtig festhielten.
„Das wird jetzt weh tun." Sagte Carlos und steckte die Pinzette in meine Wunde. Aus Reflex fing ich an, das Bein wegzuziehen aber Nicks Hände hielten es an Ort und Stelle. Es tat so höllisch weh aber das Kissen dämpfte meine Schreie. Anscheinend hatte Carlos Schwierigkeiten die Splitter rauszubekommen, denn die Pinzette steckte immer noch tief in der Wunde. So langsam sah ich rot und wurde ohnmächtig. Schon wieder…
