Kapitel 3:
Noch drei Tage bis zu Hochzeit.
Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten mich an der Nase. Es war Samstag. Edward und seine Familie waren schon seit gestern auf der Jagd. Vor der Hochzeit war das auch dringend nötig, um jedes Risiko auszuschließen. Ich fühlte mich einsam ohne ihn...und ohne seine Familie. Charlie, ja mein Dad half mir in dieser Zeit immer wieder. Er lenkte mich ab.
Heute war er jedoch schon früh aufgebrochen, um mit Billy am See im Reservat fischen zu gehen. Das Wetter meinte es gut mit Ihnen. Ich wusste, dass auch Jacob dort war.... Widerwillig kamen die Erinnerungen. Ich hatte ihn lange nicht gesehen. Es tat so weh, aber er wollte mich nicht sehen. Ein weiteres Mal schnitt mir der Schmerz die Luft ab.
Trostlos richtete ich mich auf.
Ich hatte den ganzen Tag Zeit...und traf einen Entschluss: Heute würde ich Jacob zwingen, mich zu sehen. Ich musste mit ihm reden – bevor ich Forks verlassen würde. Wenn Billy und Charlie da waren, konnte er mir nicht aus dem Weg gehen.
Mein Transporter knatterte vor sich her, als ich mich auf den Weg zum See machte. Ich wusste den Weg noch genau. Schmerzvoll kamen die Erinnerungen zurück. Edward, die Klippe... Ich schüttelte sie von mir ab. Ich wollte mich jetzt nicht erinnern, nicht an diesem schönen Tag.
Ein kleines Stück noch durch den Wald, und dann sah ich ihn. Diesen wunderschönen glitzernden See. Der Moment umfing mich und ich genoß es einfach nur...
„Alice, was ist los?" Edward stoppte den Lauf und fixierte Alice. Bilder brachen auf Sie ein, und dennoch konnte sie kein einzelnes erkennen, alles war verschwommen..."Bella geht zum See..." ihr Blick klärte sich, „...mehr kann ich nicht sehen...ich weiß nicht, ob das gut ist:" und stampfte wütend auf.
Unsicher schaute Edward von Alice zu Jasper. „Es ist Wolfsgebiet mein Schatz...sie trüben deinen Blick." Jasper umfing sie mit seiner beruhigenden Ausstrahlung. „Ich muss es irgendwie ändern, ich will nicht blind sein", ging ihr durch den Kopf und Edward schmunzelte. Seine Schwester konnte sich noch immer nicht damit abfinden, dass sie nichts sah, wenn Werwölfe dort waren... Jasper hob den Kopf und witterte Beute: „Laßt uns weiterjagen, umso schneller sind wir wieder zurück..."
Die Sonne tat so gut auf der Haut, die Stille um mich beruhigte mein aufgewühltes Innere. Wie würde unser Wiedersehen verlaufen? Würde er mich wegschicken? Bei dem Gedanken zog sich mein Herz zusammen. Ich wollte meinen besten Freund nicht verlieren. Ich wünschte, ich könnte hier Stunden stehen. Aber das war nicht mein Plan. Entschlossen ging ich weiter und suchte Charlie und Billy....und auch Jacob.
Ich höre Schreie und einen Wolf heulen. Mein Herz setzte aus. Ich kannte den Mann, zu dem der Schrei gehörte und auch den Wolf, dessen Heulen mir ins Herz schnitt.
Die Angst schnürte mir die Kehle zu war. Was war hinter dem Hügel los? Meine Gedanken kreisten nur noch um Charlie und Jacob….und ich rannte los.
„Stoooooooooooooop!" Alice Stimme zerriss die Luft im Wald, „ich will zurück...wir müssen zurück...Ich kann es nicht sehen, aber ich weiß es, ich fühle es. Es ist nicht richtig."
Ich musste zu Charlie, zu Jacob....Ich hörte es Krachen. Mir wurde schwarz vor Augen. Es durfte nicht sein. Abgelenkt durch die Angst, achtete ich nicht auf den Weg...Ich wollte dieses todbringende Geräusch nie wieder hören.
Als ich die Augen aufschlug, dröhnte mein Kopf. Feucht und warm lief es mir über die Stirn. Ich sah mich um. Da lag ein Ast im Weg. Ich war gefallen....Und wieder dieses Krachen...ich fing an zu zittern. Ob es Wut oder Angst war, konnte ich nicht sagen, aber es gab mir Kraft. Ich stand auf, ignorierte die Schmerzen, wischte das Blut aus dem Gesicht und folgte dem Wolfsgeheule. Als ich den Hügel erreicht hatte, sah ich das Schreckliche….
Jacob stand vor seinen Gegnern – er knurrte und fletschte die Zähne. Hinter ihm am Boden lagen Billy und Charlie. Sie rührten sich nicht....und ich sah das Blut. Ich bekam keine Luft mehr....alles drehte sich. Victoria und Laurent... Wieso hatte sie keiner bemerkt. Wo war Edward, wieso hatte es Alice nicht gesehen, wo waren die Werwölfe?
Zu gleicher Zeit griffen sie Jacob an, Laurent von links, Victoria von rechts. Er hatte keine Chance. Sie schlugen ihre Zähne in seinen Körper und rissen an ihm.
Ich schrie vor Entsetzen auf. Jacob schaute zu mir hoch und bäumte sich nochmals auf...doch er hatte verloren. Victoria hatte die Halsschlagader gefunden.
Ich konnte nicht mehr, ich bekam keine Luft mehr. Mein Dad, Billy, Jacob....das durfte nicht sein. Blind vor Wut stürzte ich den Hügel hinunter. Victoria wartete auf mich. Sie lächelte mich an, so wie sie es in meinen Träumen getan hatte. Die Zeit für ihre Rache war gekommen.
„Neiiiiiiiiiiiiiiiin!" Alice brach mit einem schmerzvollen Schrei zusammen. Jasper und Edward blieben wie erstarrt stehen.
Mit großen unendlich traurigen Augen schaute sie Edward an. Er sah es in ihren Gedanken. Der Wolf war tot, Bella, Victoria, Laurent…
Entsetzt drehte er sich weg. Die Erkenntnis, sie würden es nicht schaffen, warf ihn zu Boden. Ein Schrei entfuhr seinem Körper, der den Wald in Aufruhr versetzte. Bella würde sterben…
„Bella", sagte Victoria hass erfüllt, „schau dort am Boden. Siehst du sie? Ich wollte es hinauszögern, bis du hier bist, aber sie waren zu kämpferisch. Es ging leider viel zu schnell." Sie grinste mich an. Ihre Augen waren rot – ihr Durst gestillt – und Charlie und Billy waren tot. Mein Verstand setzte aus, mein Herz pochte vor Schmerz, ich wollte zu Charlie…zu Jacob. Ich stürzte zu ihnen. Doch sie griff mich und warf mich durch die Luft. Der Aufprall raubte mir den Atem. Für eine Sekunde hatte ich die Orientierung verloren. Als ich die Augen wieder aufschlug, stand sie über mir…Jetzt würde ich Charlie und Jacob folgen. Ich hatte keine Angst mehr. Mein letzter Gedanke war Edward, ich würde ihn immer lieben.
Sie ballte die Faust, und ich hörte, wie irgendwelche Knochen brachen, bevor der Schmerz einsetzte. Ich krampfte mich zusammen und würgte…und als ich das Blut schmeckte, wurde mir schwarz vor Augen. Ich versank in ein Loch….
„Die beiden Vampire bekämpfen sich! Sie streiten um Bella! LOS, ANGRIFF!" Sam stürmte auf Victoria und Laurent zu, dicht gefolgt von den anderen. Es war ein kurzer tödlicher Kampf, die Werwölfe haben es beendet..
„Alice, wo ist sie?" Edward knurrte seine Schwester an. Niedergeschlagen senkte sie die Augen, sie konnte wieder nichts sehen.
Die ganze Familie Cullen saß im Wohnzimmer und starrte Alice an.
„Die Wölfe sind in ihrer Nähe, das wird es sein!" Edward lief erregt auf und ab. „Ich brauche sie, sie ist der Sinn meiner Existenz. Ich kann nicht ohne sie. Sie lebt noch! Sie muss leben. Meine kleine Bella hat es immer irgendwie geschafft…" seine Stimme brach und sein totes Herz brannte. Er wollte den Vertrag ignorieren, aber er hatte die Folgen in Alice´s Visionen gesehen. Er konnte nicht ins Reservat. Es würde das Leben seiner Familie zerstören. Hilflos saß es da und hatte den Kopf in seinen Händen vergraben.
Das Schrillen von Carlisle´s Handy zerriss die Totenstille. Im Krankenhaus gab es einen Notfall, man brauchte seine Hilfe.
Nur ungern verliess er jetzt seine Familie.
Diese Ruhe, keine Schmerzen, ich war sicher tot. Mir gefiel es in diesem schwarzen Loch. Ich fühlte mich geschützt. Wenn nur nicht immer dieses nervige Piepsen wäre.
„Bella?" Carlisle traute seinen Augen nicht. Sie lag vor ihm auf dem Tisch, sie schwebte in Lebensgefahr, aber sie lebte…In endlosen Stunden richtete er die Knochenbrüche, vernähte die Wunden und holte sie immer wieder zurück ins Leben.
„Bella, du musst kämpfen. Edward braucht dich….wir brauchen dich alle." Leise hatte er diese Worte geflüstert, auch wenn er wusste, dass sie ihn nicht hören konnte. Seine Familie war auf dem Weg hierher. Alice hatte gesehen, was die letzten Stunden getan hat.
