Kapitel 5:

Trauer

Carlisle´s Recherchen zu Folge, hatte ich nach den ganzen Erlebnissen, meinen Selbstschutz aufgegeben. Und wenn ich mich nicht mehr schützen wollte, so würde ich auch meine Gedanken nicht mehr schützen….und Edward konnte in mir lesen, wie in einem offenen Buch. Es war das, was ich mir so oft gewünscht hatte. Damit er mich versteht und auch meine Gefühle. Jetzt war es mir egal. Es spielte keine Rolle mehr.

Wochen waren inzwischen vergangen. Ich war schnell wieder aus dem Krankenhaus. Ich brauchte zwar noch die Krücke zum Laufen, aber ich konnte wieder nach Hause. Nun, jetzt war es ein anderes zu Hause. Ein großes leeres Haus, trostlos und einsam. Ich war alleine. Edward habe ich, seit ich wieder hier bin, nicht mehr gesehen. Er saß im Krankenhaus jeden Tag bei mir am Bett, obwohl ich ihn nicht sehen wollte. Er konnte mir bis ins Herz schauen…und mein Schmerz war auch sein Schmerz. Ich sah, wie er litt….Tag für Tag. Er konnte den Schmerz in seinen Augen nicht verbergen. Er quälte sich selbst für das Geschehene, und ich konnte das nicht ertragen. Also schickte ich ihn weg. Ich wollte, dass er mich nicht mehr besuchte. Damit wenigstens er zur Ruhe kommen würde. Ich liebte ihn, noch immer, und das würde sich auch nie ändern. Und ich ertrug es nicht, wenn mein geliebter Engel leiden musste.

Jetzt hier zu Hause holte mich alles wieder ein. Die Sehnsucht nach Charlie, nach Jacob. Sie fehlten mir so unendlich. Es schnürte mir die Kehle zu. Ich schloss meine Arme, um die Brust. Ich fühlte mich dem Zerreißen nahe…

Ich schaute in den Spiegel. Was war aus mir geworden?! Ein leerer toter Blick, bleiche Haut.

Ich konnte nicht weinen, so oft ich es auch wollte. Nie lief auch nur eine Träne….ich war einfach nur innerlich tot.

Alice kam öfters vorbei, um nach mir zu sehen. Ich war sicher, sie lieferte daheim Bericht ab, was ich tat. Aber es kümmerte mich nicht. Ich war ein Mensch, und ich durfte trauern.