Kapitel 14: Das erste Mal auf der Jagd…

Emmet und Jasper rannten vor. Sie sicherten das Gebiet ab. Das Risiko jetzt einem Menschen über den Weg zu laufen, war einfach zu groß. Edward folgte mir im Abstand von zwei Metern. Im Wald stand ich einfach nur da und ließ alles auf mich wirken. Ich hörte so viele Geräusche und konnte keines zuordnen. Es war faszinierend und drängte den Durst in den Hintergrund.

Edward blieb stets in meiner Nähe, und doch ließ er mich alleine meine Umwelt erkundschaften.

Da stand ich mitten auf unserer Lichtung und lauschte. Ich hörte einen Ast brechen und ruckartig schnellte mein Kopf rum. Ich hob die Nase in den Wind und dann setzte mein Verstand aus.

Sie sah wunderschön aus, wie sie da auf der Lichtung stand und einfach nur auf ihre Umgebung lauschte. Mein Herz quoll über vor Liebe. Dieses traumhafte Wesen gehörte zu mir. Gespannt wartete ich, wann sie sich an ihren Durst erinnern würde. Sie stand nur reglos da. Und dann sah ich, wie ihr Kopf herum schnellte. Sie hatte das Knacken also auch gehört. Es beeindruckte mich zu sehen, wie sie die Witterung aufnahm. Und dann war sie weg. Für einen Moment stockte ich. Als sich meine Überraschung endlich gelöst hatte, rannte ich ihr hinterher. Ich hatte Angst um sie. Sie wusste doch gar nicht, wie man ein Tier erlegen musste. Als Mensch hatte sie mich ja auf Trab gehalten, aber da war es verhältnismäßig einfach. Aber jetzt? Sie ließ mich grad stehen. Ein Lächeln umspielte meine Lippen, und ich nahm die Verfolgung auf.

Von weitem hörte ich schon Emmet´s Lachen. Er und Jasper hatten sie wohl schon gefunden. Als ich kam ließ sie den toten Puma fallen. „Sie hat die gleiche Vorliebe wie Edward. Warum einfache Hirsche, wenn es Pumas gibt. Nur, dass sie jetzt aussieht, als ob sie aus der Altkleidersammlung ihr Kleid her hat!" Emmet hielt sich den Bauch vor Lachen. Aber es sah auch wirklich zum Schmunzeln aus, wie sie erstaunt den Puma begutachtete und dann ihr Kleid. Es war zerrissen und ein paar Blutflecken waren drauf. Frustriert fragte sie mich: „Darin werde ich doch noch besser, oder?" Ich lächelte sie liebevoll an und nickte ihr zu. Sie hatte das für erste Mal sehr gut gemacht. „Sie bleibt halt doch ein Tolpatsch!" Emmet konnte sich immer noch nicht beherrschen. Sie wird gleich ausrasten. Ich konnte Jasper´s Gedanken deutlich hören und beobachtete meinen Engel. Langsam drehte sie den Blick zu Emmet und in ihren Augen sprühte der Zorn.

Wütend schaute ich Emmet an. Er machte sich über mich lustig?! Er nannte mich immer noch einen Tolpatsch. Ja, als Mensch konnte ich mich nicht gegen ihn wehren, aber jetzt würde er büßen. Ich stellte mich aufrecht hin und funkelte ihn böse an:"Wag es noch einmal, mich Tolpatsch zu nennen….!" Überrascht schaute er mir in die Augen und wich erschrocken einen Schritt zurück. Jasper war sofort an seiner Seite. Doch auch er wich erschrocken zurück, als er mir in die Augen schaute. Sah ich auf einmal so schlimm aus? Ich verstand ihre Reaktionen gar nicht. Und dann stellte sich Edward auf die andere Seite von Emmet. Überrascht hob auch er eine Augsbraue, aber er wich wenigstens nicht vor mir zurück. Unsicher stand ich da. Was hatte ich jetzt wieder falsch gemacht? Verlegen senkte ich den Blick. „Der kleine Tolpatsch ist ein Chamäleon!" und Emmet´s Lachen schoß wie ein Blitz in meinem Kopf. Es war soweit, ich merkte, wie die Wut die Überhand gewann und ich die Beherrschung verlor. Meine Muskeln spannten sich an, meine Augen wurden schmal….ich wollte ihn angreifen.

Emmet flog rückwärts gegen den Baum. Einfach so. Jasper und ich begriffen es nicht. Niemand hatte ihn angerührt. Wie konnte das passieren!? Erstaunt rappelte er sich auf. Er schaute an sich runter und kam dann wieder auf uns zu. „Was war denn das", brummelt er vor sich her. Jetzt kennen wir Bella´s Fähigkeit, oder zumindest eine davon. Jasper wollte es nicht laut sagen, aber auch mir kam jetzt die Erkenntnis, dass es gar keine andere Möglichkeit gab, als dass es Bella war. Hatte uns Alice nicht eine Überraschung angekündigt? Und dann brach ich in schallendes Gelächter aus. Hatte ich vorher noch Angst gehabt, ich müsse meinen Engel schützen, so war es jetzt an mir, mich eher vor ihr in Acht zu nehmen. Ab jetzt war sie vor Emmets Streichen sicher. Ich konnte ein glückliches Lächeln nicht verbergen.

Ich blinzelte erschrocken. Emmet hing am Baum. Ich war das sicher nicht, ich wollte ihn stoßen, aber ich hatte mich noch gar nicht bewegt. Und wieso lachte Edward jetzt? Ich verstand gar nichts. Irritiert schaute ich mich um. Ich bekam Angst. Langsam ging ich Schritt für Schritt rückwärts. Irgendwas war nicht in Ordnung. Alle drei machten einen Schritt auf mich zu. Es machte mir Angst. Instinktiv zogen sich meine Augenbrauen zusammen und alle drei flogen mehrere Meter rückwärts. „Bella, kannst du das lassen. Wir fliegen nicht so gerne…schon gar nicht, wenn die Landung so unsanft ist!" Erstaunt schaute ich sie an. Was sollte ich lassen?!

Nach etlichen Sekunden fiel der Groschen. Jetzt hatte ich es auch verstanden. Ich war das. Ich konnte sie durch die Gegend stoßen, ohne Hand anzulegen. Ich lachte. Es war ein befreiendes glückliches Lachen. Endlich war ich ebenbürdig. Edward streckte eine Hand nach mir aus. „Bella, ich tu dir nichts!" Wie auch, ich bin stärker als du ging es mir schmunzelnd durch den Kopf. Er zog seine Hand weg, als ob er sich verbrannt hätte. Da stieg mir erneut und unwiderstehlicher Geruch in die Nase…und instinktiv rannte ich los und ließ die drei stehen.