Kapitel 18:

Meine Kehle brannte nicht mehr. Es war ein himmlisches Gefühl, einmal schmerzfrei zu sein. Mein Durst war gestillt. Ich stand auf und blickte auf dieses kleine Wesen nieder. Aus den Augenwinkeln sah ich Alice und Jasper, wie sie sich mir langsam von hinten näherten. Edward kam ebenfalls auf mich zu. So langsam lichtete sich der Nebel in meinem Kopf, was die Erinnerung an die letzten paar Minuten anging. Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Ein Schmerz durchfuhr meinen Körper. ICH hatte diesen kleinen Menschen, der noch sein ganzes Leben vor sich gehabt hätte, getötet. Niemals hatte ich Menschenblut trinken wollen. Sie hatten versprochen, auf mich aufzupassen, und es niemals zuzulassen. Wie konnten sie das zulassen? Der Hass in mir wuchs. Er hatte sein Versprechen gebrochen. Sie alle hatten es gebrochen. Die Wut lähmte mich.

Ich schaute ihn an, als er nach meinen Händen griff. Dieser Blick schnitt mir ins Herz. Es war Verzweiflung, Schmerz und Trauer? Und dann erst erinnerte ich mich an das, was geschah, bevor ich dieses kleine Wesen getötet hatte. Die letzten Minuten spielten sich in meinem Kopf im Zeitraffer wieder…

Ich hatte sie angegriffen, alle drei. Sie hatten keine Chance gegen mich, ich war eine Neugeborene. Ich hatte mir das genommen, was ich wollte, und hatte meine Familie dabei verletzt. Sie wollten ihre Versprechen halten, aber ich hatte es nicht zugelassen.

Mein Wut war so schnell verflogen, wie sie gekommen war…übrig blieb nur noch die Trauer und der Schmerz…und die Angst. Ich hätte sie töten können. Es war dieses Monster in mir, vor dem mich Edward immer gewarnt hatte. Konnte er mich jetzt noch lieben? Ich war eine Killermaschine. Ich hatte ihn angegriffen, ich hatte ein Kind getötet. Ich hasste mich selbst dafür. Der Ekel vor mir selber wuchs. Würde meine Familie mir verzeihen? All die Gefühle, die jetzt auf mich einbrachen, betäubten mich. Selbst, wenn ich mich hätte bewegen wollen, es wäre nicht gegangen. Ich spürte, wie er mich auf die Arme nahm. Er trug mich zum Auto. Verzweifelt lehnte ich mich an seine Brust. Ich ließ es zu, dass er mich umarmte. Vielleicht war es die letzte Umarmung. Vielleicht wollten mich die Cullens jetzt nicht mehr. Ich hatte die Regeln gebrochen und einen Menschen getötet. Allein bei dem Gedanken geriet ich wieder in Panik. Ich war gefährlich…ein gefährliches unkontrolliertes Monster. So jemanden konnte man nicht lieben…

Ich schloss die Augen und ergab mich meinem Schmerz.