Kapitel 19:
Zuhause angekommen, hatte Bella sich soweit wieder gefasst, dass sie alleine aus dem Wagen stieg. Sie hatte noch immer kein Wort gesprochen. Ich wartete doch noch immer darauf, dass mein Engel mir den Kopf abreißen würde, oder mich zumindest mal anschreien würde, aber nichts dergleichen. Sie stand einfach nur vor unserem Haus.
„Hallo ihr drei, schön, dass ihr wieder da seid. Na Bella, du Tolpatsch, was hast du heute erlegt?" Emmet stupste sie an und sein Lachen gefror, als Bella ihn anblickte.
Alice und Jasper wichen erschrocken einen Schritt zurück. Würde jetzt der Wutausbruch kommen?
Ich konnte doch nicht die ganze Zeit schweigen. Ich sah es in Emmet´s Augen. Den Schock, als er erkannte, was ich gejagt hatte…und ich schämte mich so sehr. Ich musste hier weg. Ich wollte hier weg, ich brauchte jetzt einfach Zeit für mich. Es war mir alles zu viel…ich konnte nicht in der Nähe meiner Familie sein. Ich wollte auch nicht, dass Edward mich berührte. Ich war ein Monster. Ich könnte sie alle verletzen… Ich machte den Mund auf, aber meine Stimme gehorchte mir nicht.
Es kam kein Wutausbruch. Mein Engel stand einfach da und schaute mich an. Sie wollte etwas sagen, aber sie gab keinen Laut von sich…und dann sah ich den Wechsel der Augenfarbe. Jasper stellte sich schützend vor Alice, als auch ihm der Farbwechsel auffiel. Die Anspannung machte mich wahnsinnig. Ich hielt es nicht mehr aus. „Bella, bitte sprich mit mir!" Verzeih mir, Edward. Es tut mir so leid, was ich euch angetan habe. Bitte, lass mich gehen – ich bin eine Gefahr für euch. Ich muss mir jetzt erst über vieles klar werden!
Und dann war sie, meine geliebte Bella. Ich sah ihr nach. Sie lief davon und wollte mich nicht an ihrer Seite haben. Ich konnte sie jetzt nicht halten…sie würde es nicht zulassen. Gegen ihre Kraft war ich einfach hilflos. Ein quälender Laut schlich sich aus meiner Brust. Es fühlte sich an wie ein riesiges Loch. Es schnürte mir die Kehle zu. Sie hatte mich verlassen. Ich spürte wie mich meine Kraft verliess. „Bellaaaaaaaaaaaa" ich wollte es schreien, doch es kam nur ein Flüstern. Der Schmerz stockte meine Atmung. Ich hatte sie verloren….
Verzweifelt schaute ich meine Geschwister an. „Edward, was hat sie gesagt? Wieso lässt du sie gehen?" Alice hämmerte mit den Fäusten auf mich ein, „sag mir, was zur Hölle los ist."
Ich wiederholte genau ihre Worte.
Sie war weg und hatte einen Teil von mir mitgenommen – ob und wann sie je zurückkommen würde, wusste ich nicht. Ich kniete am Boden und vergrub den Kopf in den Händen. Sie sollten nicht sehen, dass es mich zerstören würde. Sie würden selbst genug leiden.
Mit hängenden Schultern gingen sie ins Haus, um Carlisle und Esme die traurige Nachricht zu überbringen…
