Kapitel 22:
Seit zwei Tagen lag Bella schon hier in meinem Bett. Sie rührte sich nicht und ihre Augen waren immer noch geschlossen. Hin und wieder kam ein leises schmerzerfülltes Stöhnen aus ihrer Brust, was sich wie ein Messer in mein Herz bohrte. Ich hielt ihre Hand und strich ihr immer wieder über die Wange. Ich liebte sie und sie so zu sehen, brachte mich beinahe um den Verstand.
Als Alice mir sagte, dass Carlisle Bella mit nach Hause bringen würde, war ich so glücklich. Mein Engel würde wieder hier sein. Ich wollte mir ihr reden und ihr erklären, dass wir gemeinsam alles schaffen würden. Aber als ich dann sah, in welchem Zustand er sie nach Haus brachte, gefror mir das Blut in den Adern. Ich wollte es nicht wahrhaben. Ihr Anblick war die schlimmste Folter, die ich mir vorstellen konnte. Das war nicht mehr meine kleine wunderschöne Bella. Grauenvoll drängte sich mir die Vorstellung auf, wie sie zu all diesen Wunden gekommen war. Welche Schmerzen hatte sie ertragen müssen? Die Verzweiflung drohte mich aufzufressen.
Carlisle hatte uns alle vorgewarnt, dass der Körper meines Engels nicht so reagierte, wie er sollte. Dass das Speichelgift des Wolfes sie in die Knie bezwang und vielleicht auch tötete. Tag und Nacht saß ich bei ihr am Bett. Ich konnte nicht mehr von ihrer Seite weichen. Sie war wieder hier, und ich wollte, dass sie lebte – dass sie mit mir lebte. Sie war mein Leben, und ohne sie gäbe es keinen Sinn mehr für meine Existenz. Nie wieder würde ich sie weglaufen lassen, selbst wenn es den Kampf mit ihr bedeuten würde. Unsere Liebe musste einfach stärker sein, als dieser verfluchte Durst…
Auch am dritten Tag war ihr Zustand noch immer unverändert. Die Fleischwunden am Körper waren zwischenzeitlich alle verheilt. Der Arm schien auch langsam wieder anzuwachsen. Carlisle deutete das als Zeichen, dass Bella den Kampf gegen das Gift gewonnen hätte….jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann sie aus ihrer Bewusstlosigkeit aufwachen würde.
Ich hatte Durst, das konnte ich jetzt nicht länger verleugnen. Meine Augen waren schwarz wie die Nacht. So sehr es mir auch widerstrebte, sie zu verlassen, ich musste jagen gehen… Solange sie nicht wach war, konnte sie mir auch nicht davon laufen, wenn ich nicht da war. Es war der einzige Gedanke, der mich dazu hätte bewegen können, Bella für wenige Stunden allein zu lassen, wenn sie nicht genau jetzt die Augen aufgeschlagen hätte…
