Kapitel 24:
Schritt für Schritt kam sie die Treppen hinunter. Es waren vorsichtige und zaghafte Schritte. Wir hörten sie alle und dann stand unsere Bella in der Tür. Unsicher schaute sie jeden von uns einmal an. Emmet ging das ganze wohl zu lang, er sprang einfach auf und stürmte auf Bella zu „Endlich bist du wieder zu Hause. Man, hab dich vermisst, kleine Schwester!" Es war eine innige Umarmung und nun war auch die Starre der anderen gefallen. Freudig stürmten alle auf Bella zu. Die Umarmungen wollten gar nicht mehr aufhören. Und dann ging ich langsam auf Bella zu, nahm ihre Hände in meine und schaute sie lange an. Sie war wie eine weitere Tochter für mich. Ich hatte so Angst, sie zu verlieren, als Carlisle sie nach Hause brachte, dass ich es jetzt noch immer nicht so richtig glauben konnte, dass sie heil vor mir stand. Vorsichtig legte ich meine Arme um sie und drückte sie an mich. Ganz leise flüsterte ich ihr zu: „Liebste kleine Bella, wir lieben dich. Und egal, was passiert, wir werden dich immer lieben. Und zu verzeihen gibt es nichts. Wir sind, was wir sind. Gemeinsam schaffen wir alles….aber bitte verlass uns nie mehr. Wir wollen dich nicht verlieren. Ohne dich ist unsere Familie nicht vollständig."
Ich schaute Esme mit großen Augen kann. Wie konnte sie wissen, was in mir vorging. Sie hatte mir jede unausgesprochene Frage beantwortet. Es war ein so schönes Gefühl, ich wollte es solange wie möglich genießen. Doch das schwierigste Gespräch stand mir ja noch bevor. Und mein Herz wurde wieder schwer. Seine Familie hatte mich zurückgenommen, würde er es auch tun? Der Ring um mein Herz wurde immer enger. Ich brauchte Luft. Mein Weg führte mich in den Wald, zu unserer Lichtung. Hier fühlte ich mich befreit. Ich legte mich ins Gras, sah in den Sternenhimmel und wartete auf seine Rückkehr. Irgendwann überkamen mich Zweifel, ob er mich hier überhaupt finden würde. Woher sollte er wissen, wo ich denn nun war?
Es war jetzt ein Versuch, aber vielleicht würde es klappen. Ich konzentrierte mich auf Edward – alle meine Gedanken drehten sich nur um ihn. Würde er es hören, wo ich war.
Es kostete viel Kraft. Noch nie hatte ich meine Fähigkeit so bewusst und kontrolliert eingesetzt. Ich würde noch viel üben müssen.
Bereit zum Warten schloss ich meine Augen und lauschte auf die Geräusche im Wald. Sie hatten etwas beruhigendes.
Ich war auf dem Weg nach Hause. Heute war die Jagd kein Spaß, sondern eine Notwendigkeit. Ich musste und wollte schnellstmöglich wieder zurück. Vielleicht würde sie ja doch nicht auf mich warten, auch wenn sie es gesagt hatte. Eine innere Unruhe erfasste mich, und ich konnte mich nicht mehr auf die Jagd konzentrieren. Ich hatte zwei Rehe erwischt. Von daher könnte ich jetzt nach Hause. Morgen war ein weiterer Tag, da könnte ich ja nochmals jagen gehen. Aber jetzt musste ich mit Bella reden. So schnell wie ich konnte, rannte ich nach Hause. Jetzt, wo sie wieder da war, wollte ich keine Sekunde ohne sie sein. Schwungvoll öffnete ich die Haustür und merkte sofort, dass sie nicht da war. Fragend schaute ich meine Familie an. Sie ist in den Wald, mein Schatz. Es war viel für sie. Ich warf Esme eine Kusshand zu und war schon auf dem Weg in den Wald.
Und dann hörte ich ihre Gedanken. Ein Schreck durchfuhr meinen Körper. Sie war auf der Lichtung. Es war ein gutes Stück von hier zur Lichtung. Konnte sie ihre Gedanken soweit übermitteln? Ich rannte los. Die Sehnsucht trieb mich voran. Keine Minuten wollte ich länger ohne sie sein.
Ich sah sie schon von weitem im Gras liegen. Den Blick zum Himmel gerichtet und ein Lächeln auf den Lippen. Ich legte mich neben sie und tat es ihr gleich. Keiner von uns sagte ein Wort.
Wie langen wir hier lagen, konnte ich nicht sagen. In ihrer Gegenwart war Zeit für mich bedeutungslos…
Sie richtete sich auf, schaute kurz zu mir und fing dann an mit sprechen.
