Kapitel 25:
„Edward, lass mich jetzt einfach bitte ausreden. Unterbrich mich nicht. Es ist so schon unheimlich schwer für mich, dass ich gar nicht weiß, ob ich es überhaupt schaffe.
Die letzten Tage waren die Hölle. Ohne dich zu sein, bringt mich noch immer um den Verstand. Aber ich kann auch nicht in deiner Nähe sein. Ich bin nicht gut für dich....und auch nicht für deine Familie...."
„Bella, bitte..." Ich sah den Schmerz in seinen Augen.
„EDWARD, ich bin gefährlich...für euch alle. Ich könnte euch jederzeit töten, und ihr könntet euch nicht mal groß wehren. Was war im Wald? Erinnere dich...Ich habe euch angegriffen...ohne Rücksicht. Es war mir schlichtweg egal, was mit euch passiert...Ich habe dieses kleine Wesen getötet. Es hatte noch das ganze Leben vor sich. Wie soll ich mir das jemals verzeihen? Ihr könnt mich nicht stoppen. Weißt du, was passieren wird, wenn ich mich nicht unter Kontrolle habe? Ich bringe euch alle in Gefahr…Ich liebe Dich, ich liebe euch alle....aber..."
Ich musste tief Luft holen, wenn es auch unnötig war, aber es brachte mir einen kleinen Aufschub, bevor ich weiter reden musste.
„Niemals wollte ich jemanden töten. Das war meine größte Angst, vor meiner Verwandlung. Wir hatten lange darüber gesprochen. Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Es war mein größter Wunsch so zu sein wie du. Und ihr hattet mir versprochen, auf mich aufzupassen....und ich habe euch geglaubt. Ich wollte euch glauben. Ich weiß, dass du dir Vorwürfe machst, aber ich kann sie dir nicht machen. Denn, ihr habt versucht, euer Versprechen zu halten....ich hab es nur nicht zugelassen. Und ich werde immer wieder Menschen töten, und niemand kann mich davon abhalten. Ich habe nie um diese Fähigkeit gebeten, aber sie macht mich zu einer Killermaschine... Liebend gerne hätte ich gar keine Fähigkeit, als meilenweit den Geruch eines Menschen aufnehmen zu können…. Auch dass ich jemanden nur mit meinen Gedanken angreifen kann, ist ein Fluch. Bei einem Kampf würde mir das immer einen Vorteil verschaffen… Wer will mich denn bezwingen? Gegen „Kopf"-Fähigkeiten bin ich noch immer immun und gegen körperliche Angriffe kann ich mich wehren, ohne den Finger zu rühren. Es ist ein Freischein zum töten. Nicht mal die Volturies könnten mich aufhalten…
Du hast mir immer gesagt, du bist ein Monster. Aber auch heute kann ich dir nur sagen, dass das nicht wahr ist. Du hattest mich immer beschützt. Nie hast du versucht, mich zu töten...obwohl mein Blut die größte Qual für dich war. Nie hatte ich eine Vorstellung, was meine Nähe in dir auslösen könnte. Jetzt weiß ich, wie du gelitten hast...und ich fühle mich so schlecht bei diesen Gedanken. Ich war so egoistisch und wollte immer in deiner Nähe sein. Ich habe dich nicht gehen lassen. Meine Nähe hat dich gefoltert....und ich fand es einfach nur schön. Allein bei diesem Gedanken würde ich mich so gerne selbst verdammen. Ich habe dich schon gequält, als ich ein Mensch war… Ich werde dich immer wieder verletzen, und das ertrag ich nicht.
All das, was ich in den letzten Tagen gemacht habe, ist unverzeihlich. Ich kann mir selbst nicht mehr in die Augen schauen. Ich habe keine Kraft menschlichem Blut zu widerstehen. Ich bin einfach nicht stark. Also habe ich auch nicht das Recht, bei deiner Familie zu sein....bei dir zu sein. Ihr seid so stark und konsequent...und ich? Ich bin ein ungelenktes Monster, dass sich das nimmt, was es will....selbst, wenn es ihre Liebsten dabei verletzt."
Ich holte tief Luft...und wusste genau, jetzt würde ich ihm das Herz brechen. Meine Augen richtete ich zu Boden,... Das Loch in mir wurde immer größer, es drohte mich aufzufressen.
„Ich bin mit Absicht in das Wolfsgebiet gegangen. Ich wusste, dass, wenn ich nicht widerstehen könnte, ich das mit meiner Existenz bezahlen würde. Ich WOLLTE, dass mich der Wolf tötet."
Das Entsetzen in seinen Augen zeigte mir, dass er verstanden hatte, was ich ihm sagen wollte.
„Ich hatte mich nicht mal gewehrt, als er mir zusetzte. Und die Schmerzen, die ich fühlte, waren eine Erlösung. Aber er wollte es nicht zu Ende bringen. Ich weiß nicht, ob ich ihm dafür dankbar sein sollte. Einerseits hat er das Monster weiter leben lassen, weswegen ich ihn verfluche. Andererseits hat er mir die Möglichkeit gegeben, nochmals mit dir und deiner Familie zu reden. Ich liebe deine Familie. Sie haben mich alle mit offenen Armen empfangen vorhin. Keiner war mir böse, sie waren einfach nur glücklich, dass ich wieder da war. Aber keiner von ihnen hat darüber nachgedacht, welche Konsequenzen das hat. Und du bist mein Leben…eine Existenz ohne dich ist für mich undenkbar. Aber ein Leben mit dir ist auch nicht möglich.
In den letzten 24 Stunden ist mir einfach klar geworden, dass ich nicht weiter existieren kann....und darf. Ich bin eine Gefahr für alle, die ich liebe...und für jeden Menschen auf der Welt. Ich wollte die Ewigkeit mit dir – glücklich sein und dich nie wieder verlieren. Aber so kann ich nicht weiter machen. Es konnte ja auch niemand wissen, dass ich mit solchen Gaben bestraft werden würde....denn für mich sind sie ein Fluch. "
Mit aller Kraft schaute ich auf, in seine wundervollen Augen. Ich liebte ihn....er war wirklich mein Leben, Ihn zu verlassen, war das schwierigste, was ich mir vorgenommen hatte. Aber gerade weil ich ihn so liebte, musste ich diesen Schritt machen. Seine Seele wäre in Gefahr. Und ich hatte Verantwortung gegenüber seine Familie. Sie durften nicht durch mich in Gefahr geraten.
„Edward, ich werde dich und deine Familie verlassen...für immer! Wir werden uns niemals wieder sehen."
Er straffte seine Schultern und knurrte mich an: „Bella, ich werde dich überall suchen, und glaube mir, ich werde dich finden. Ich liebe dich, du bist mein Leben…und ich lasse es nicht zu, dass du alleine irgendwo bist….wenn doch dein Zuhause hier bei mir und den anderen ist!"
Es schnürte mir die Kehle zu. Er wollte es einfach nicht verstehen…
„Edward, ich verspreche dir, du wirst mich nicht finden. Dort wo ich hingehe, kannst du mir nicht folgen… Bitte such mich nicht."
Verständnislos schüttelte er den Kopf. Ich wollte nicht, dass er eine Ewigkeit nach mir suchen würde. Er sollte ein neues „Leben" ohne mich beginnen, wieder glücklich werden…
"Ich werde nicht aufgeben. Wie kannst du mir versprechen, dass ich die nicht finde? Und wohin kann ich dir nicht folgen. Bella, bitte, ich versteh es nicht…" Seine Stimme war nur noch ein Flüstern. Es kostete mich alle Kraft, meiner Stimme die nötige Härte zu geben, aber er musste es einsehen und verstehen:
„Man kann niemanden finden, der nicht mehr existiert!"
