Kapitel 1
21 Jahre später.
Elin saß auf ihrem Bett und schaute sich missmutig im Zimmer um. Helle, hölzerne Wände, zum Teil mit Bildern verziert. Wenn sie genau geradeaus blickte, sah sie die Flagge des Hauses Éorl, ein weißes Pferd auf grünem Grund. Es war ein schönes Zimmer, hell und freundlich. Und trotzdem war sie schlecht gelaunt. Denn irgend etwas stimmte nicht, sie konnte es spüren. Die Ernte war schlecht ausgefallen in diesem Jahr, auch die weiten Wiesen von Rohan waren längst nicht so grün wie sie es stets gewesen waren. Auch an den Pferden, die den Menschen von Rohan so viel bedeuteten, war es zu bemerken. Eine seltsame Krankheit hatte einige das Leben gekostet, und es waren nicht so viele Fohlen geboren worden wie in den Jahren zuvor.
"Ein schlechtes Jahr", sagten die Leute. Doch Elin glaubte nicht daran. Nur ein schlechtes Jahr? Irgend etwas hatte sich verändert, es war, als hätte sich das Gewicht der Welt ein wenig verschoben. "Seltsam, doch kein Grund zur Sorge", sagten die Leute und bedauerten ihren jungen König Théoden, dass ihm schon im dritten Jahr nach seiner Thronbesteigung etwas derartiges passieren musste.
Als Halbelbin verfügte Elin über wesentlich bessere Sinne, doch was da kam, konnte man weder sehen, hören noch riechen. Aber wem hätte sie das mitteilen können? Nia, ihre beste Freundin, glaubte Elin, wenn sie davon sprach, doch sie konnte es nicht nachvollziehen. Wäre sie auf die Straße gegangen und hätte den Leuten erzählt, dass sich da etwas bedeutendes verändert habe, würde sie höchstens ein Kopfschütteln und ein müdes Lächeln ernten. Hinter vorgehaltener Hand würde man über ihre seltsamen Ansichten tuscheln, und früher oder später würde jemand sagen: "Na ja, man merkt einfach, dass sie nicht eine von uns ist."
Ein Klopfen an ihrer Tür riss sie aus ihren trüben Gedanken. "Ja?", fragte sie, noch immer abwesend. Naldo, der alte Diener, öffnete die Tür und sagte: "Liniel, es ist Besuch für dich gekommen."
Liniel - so nannte man sie hier. Es war ein einfaches Wortspiel, ein Name zusammengesetzt aus lîn, sein, und iell, Tochter, dann leicht abgeändert. Liniel war also kein richtiger Name, nur eine vage Übersetzung von "seine Tochter". Aber das war keinem je aufgefallen, und auch Elin hatte sich mit der Zeit daran gewöhnt. Immerhin trug sie diesen Namen schon seit beinahe siebzehn Jahren.
Mit vier hatte Gandalf sie hier nach Rohan gebracht, an den Hof Thengels, der mit Gandalf befreundet war. Nun war der alte König tot, und was er vielleicht geahnt hatte, wusste nun niemand mehr: dass sie wirklich Gandalfs Kind war. Denn wie auch bei ihrem Namen wussten die Rohirrim auch bei ihrer Herkunft nur einen Teil der Wahrheit. Ein Waisenkind war sie, so lautete die offizielle Version, das Kind eines Elben und einer menschlichen Frau aus Rohan, die beide bei einem Unglück ums Leben gekommen seien. Gandalf, ein guter Freund der Familie, habe das kleine Mädchen nach Rohan gebracht, damit sie in der Heimat ihrer Mutter aufwachsen könne. Mittlerweile kannten alle diese tragische Geschichte und verloren ihr Interesse für das Elbenkind am Königshof...
"Liniel? Geht es dir nicht gut?" Naldo blickte sie besorgt an. Sie war immer sein Liebling gewesen, und er hatte sie wie sein eigenes Kind behandelt, das ihm versagt geblieben war. Noch nie hatte er sie so unruhig gesehen, so aufgewühlt. Sie war immer ein fröhliches Mädchen gewesen, war wie die anderen Kinder von Rohan stets auf dem Rücken eines Pferdes Wettrennen geritten, hatte mit Holzschwertern und Schilden gekämpft und tapfer ihre Ehre verteidigt.
"Liniel?" "Was?...Ach so...wer kommt denn?" "Das musst du schon selbst nachschauen", meinte Naldo und deutete auf die Tür. Elin wollte gerade aufstehen und einen Schritt zur Tür machen, da öffnete sie sich bereits und eine nicht zu verkennende Gestalt trat ein. Der Mann trug einen grauen Mantel, sein schneeweißes Haar schimmerte hell im Sonnenlicht. Mit einem Lächeln betrachtete er die Elbin und den alten Diener.
"Gandalf!" Elin sprang auf und war mit einem Satz durch das halbe Zimmer gelaufen. Voller Freude umarmte sie den Zauberer, während Naldo mit einem wissenden Lächeln das Zimmer verließ. Elin bemerkte es noch und dachte: "Ob er wohl etwas ahnt?" Aber eigentlich war es ihr egal.
~*~* Fortsetzung folgt ~*~*
Na? Hab ich nicht wunderschöne Absätze gemacht? *g* An dieser Stelle ein kleinlautes für den riesigen Textblock im Prolog, aber ich muss mich hier erst mal zurechtfinden...im Word sieht´s nicht sc schlimm aus ;-) Und ein großes Dankeschön für´s Review, und auch noch ausgerechnet von der Person, deren Piratenstory ich nur so verschlinge ;-)
21 Jahre später.
Elin saß auf ihrem Bett und schaute sich missmutig im Zimmer um. Helle, hölzerne Wände, zum Teil mit Bildern verziert. Wenn sie genau geradeaus blickte, sah sie die Flagge des Hauses Éorl, ein weißes Pferd auf grünem Grund. Es war ein schönes Zimmer, hell und freundlich. Und trotzdem war sie schlecht gelaunt. Denn irgend etwas stimmte nicht, sie konnte es spüren. Die Ernte war schlecht ausgefallen in diesem Jahr, auch die weiten Wiesen von Rohan waren längst nicht so grün wie sie es stets gewesen waren. Auch an den Pferden, die den Menschen von Rohan so viel bedeuteten, war es zu bemerken. Eine seltsame Krankheit hatte einige das Leben gekostet, und es waren nicht so viele Fohlen geboren worden wie in den Jahren zuvor.
"Ein schlechtes Jahr", sagten die Leute. Doch Elin glaubte nicht daran. Nur ein schlechtes Jahr? Irgend etwas hatte sich verändert, es war, als hätte sich das Gewicht der Welt ein wenig verschoben. "Seltsam, doch kein Grund zur Sorge", sagten die Leute und bedauerten ihren jungen König Théoden, dass ihm schon im dritten Jahr nach seiner Thronbesteigung etwas derartiges passieren musste.
Als Halbelbin verfügte Elin über wesentlich bessere Sinne, doch was da kam, konnte man weder sehen, hören noch riechen. Aber wem hätte sie das mitteilen können? Nia, ihre beste Freundin, glaubte Elin, wenn sie davon sprach, doch sie konnte es nicht nachvollziehen. Wäre sie auf die Straße gegangen und hätte den Leuten erzählt, dass sich da etwas bedeutendes verändert habe, würde sie höchstens ein Kopfschütteln und ein müdes Lächeln ernten. Hinter vorgehaltener Hand würde man über ihre seltsamen Ansichten tuscheln, und früher oder später würde jemand sagen: "Na ja, man merkt einfach, dass sie nicht eine von uns ist."
Ein Klopfen an ihrer Tür riss sie aus ihren trüben Gedanken. "Ja?", fragte sie, noch immer abwesend. Naldo, der alte Diener, öffnete die Tür und sagte: "Liniel, es ist Besuch für dich gekommen."
Liniel - so nannte man sie hier. Es war ein einfaches Wortspiel, ein Name zusammengesetzt aus lîn, sein, und iell, Tochter, dann leicht abgeändert. Liniel war also kein richtiger Name, nur eine vage Übersetzung von "seine Tochter". Aber das war keinem je aufgefallen, und auch Elin hatte sich mit der Zeit daran gewöhnt. Immerhin trug sie diesen Namen schon seit beinahe siebzehn Jahren.
Mit vier hatte Gandalf sie hier nach Rohan gebracht, an den Hof Thengels, der mit Gandalf befreundet war. Nun war der alte König tot, und was er vielleicht geahnt hatte, wusste nun niemand mehr: dass sie wirklich Gandalfs Kind war. Denn wie auch bei ihrem Namen wussten die Rohirrim auch bei ihrer Herkunft nur einen Teil der Wahrheit. Ein Waisenkind war sie, so lautete die offizielle Version, das Kind eines Elben und einer menschlichen Frau aus Rohan, die beide bei einem Unglück ums Leben gekommen seien. Gandalf, ein guter Freund der Familie, habe das kleine Mädchen nach Rohan gebracht, damit sie in der Heimat ihrer Mutter aufwachsen könne. Mittlerweile kannten alle diese tragische Geschichte und verloren ihr Interesse für das Elbenkind am Königshof...
"Liniel? Geht es dir nicht gut?" Naldo blickte sie besorgt an. Sie war immer sein Liebling gewesen, und er hatte sie wie sein eigenes Kind behandelt, das ihm versagt geblieben war. Noch nie hatte er sie so unruhig gesehen, so aufgewühlt. Sie war immer ein fröhliches Mädchen gewesen, war wie die anderen Kinder von Rohan stets auf dem Rücken eines Pferdes Wettrennen geritten, hatte mit Holzschwertern und Schilden gekämpft und tapfer ihre Ehre verteidigt.
"Liniel?" "Was?...Ach so...wer kommt denn?" "Das musst du schon selbst nachschauen", meinte Naldo und deutete auf die Tür. Elin wollte gerade aufstehen und einen Schritt zur Tür machen, da öffnete sie sich bereits und eine nicht zu verkennende Gestalt trat ein. Der Mann trug einen grauen Mantel, sein schneeweißes Haar schimmerte hell im Sonnenlicht. Mit einem Lächeln betrachtete er die Elbin und den alten Diener.
"Gandalf!" Elin sprang auf und war mit einem Satz durch das halbe Zimmer gelaufen. Voller Freude umarmte sie den Zauberer, während Naldo mit einem wissenden Lächeln das Zimmer verließ. Elin bemerkte es noch und dachte: "Ob er wohl etwas ahnt?" Aber eigentlich war es ihr egal.
~*~* Fortsetzung folgt ~*~*
Na? Hab ich nicht wunderschöne Absätze gemacht? *g* An dieser Stelle ein kleinlautes für den riesigen Textblock im Prolog, aber ich muss mich hier erst mal zurechtfinden...im Word sieht´s nicht sc schlimm aus ;-) Und ein großes Dankeschön für´s Review, und auch noch ausgerechnet von der Person, deren Piratenstory ich nur so verschlinge ;-)
