.:. Kapitel 11 .:.

Frei wie ein Vogel stand sie auf dem hohen Wall der Burg. Neben ihr flackerte ein helles Feuer, der schwache Wind ließ ihre langen Haare tanzen.

Weit übers Land konnte sie sehen, über die sanften Hügel und unendlichen Ebenen bis hin zu den fernen Bergen am Horizont.

Und sie sah.

Und was sie sah, das wollte ihr das Herz in Stücke reißen.

Ein kalter Windstoß peitschte ihr die Haare ins Gesucht. Sie sah die neun Gestalten, wie sie durch die dunklen Höhlen irrten, wie sie flohen vor etwas, dessen Schatten sie selbst am eigenen Leib fühlen konnte; uralt, mächtig und nachtschwarz vor Boshaftigkeit.

Ein Zittern durchlief ihren Körper.

Sie sah die schmale Brücke über dem Abgrund, sah die Flucht der Gestalten über den Steg. Laut gellten die Schreie der vielen Orks in ihren Ohren. Einer der Neun blieb mitten auf der Brücke stehen.

Die plötzliche Kälte der Nacht schien ihr bedrohlich. Zitternd zog sie den schwarzen Umhang fester um ihren Körper und trat nah an das Feuer. Furcht griff nach ihr, eisiger als der Nachtwind.

Der Boden in den dunklen Höhlen erzitterte. Aus den Tiefen der Welt näherte sich ein Wesen, dessen bloßer Name blanken Schrecken einflößt. Doch jener auf der Brücke rührte sich nicht. Das Wesen stand vor ihm.

Mit unbarmherziger Wildheit zerrte der scharfe Wind an ihrem Umhang. Kälte umhüllte sie, hielt sie gefangen und nahm ihr jede Hoffnung. "Du kannst nicht vorbei", murmelte sie.

In den Minen von Moria, in alter Zeit von den Zwergen voller Stolz Khazad-dûm genannt, stürzte Gandalf der Graue, treuer Freund und Führer der Gemeinschaft des Ringes, im Kampf mit dem Balrog von Morgoth in die Schatten.

Weit entfernt, im dunklen Lande Mordor, erwachte Moriel die Spionin aus einem schweren Traum.