A/N: Soooooo, hier wie versprochen das dritte Kapitel.
Dieses Kapitel ist um einiges länger als die anderen beiden. (ja, ich komm langsam aber sicher richtig in die Story rein. :))
A/N: Vielen, vielen Dank an alle, die das hier lesen, auf Alert setzen und/oder sich die Zeit nehmen und Reviews hinterlassen. Ihr seid großartig und gebt mir die Motivation zum Weiterschreiben! :)
Ein besonderer Dank auch wie immer an mein tolles Beta-Girl JeanyAlicia, die vorgestern extra noch für mich bis 3am die ersten beiden Chaps gebetat hat! ;) Honey, ich wüsste echt nicht, was ich ohne dich machen sollte! ;) (hugs) Und ebenfalls ein großes Dankeschön an Emerald Water für die tollen Ideen! ;)
Wie immer, lege ich euch auch die englische Version ans Herz! ^^
Ganz, ganz viel hurt/sick!Dean in diesem Chapter. Lasst mich wissen, wie's euch gefällt! :)
Chapter 3
Das Wort ließ Sams Atmen stocken. Okay, das war so was von nicht gut.
„Dean, hey, hörst du mich?"
Glasige grüne Augen blickten direkt durch ihn hindurch. Verwirrt runzelte Dean die Stirn.
„Dad!" Es war kaum mehr als ein Flüstern, doch ein dringlicher, leicht panischer Ton lag in seiner Stimme.
„Dean, ich bin's – Sam." Sein Herz schlug immer schneller. Um seinen Worten noch mehr Kraft zu verleihen, drückte Sam die Schulter seines großen Bruders noch ein wenig fester.
„Dad, wir müss'n uns beeil'n. Wir müss'n Sammy finden!" Dean versuchte, sich aufzurichten, doch Sam drückte ihn ohne große Anstrengung wieder zurück. Der ältere Winchester versuchte, gegen die Hand, die ihn festhielt, anzukämpfen, jedoch ohne Erfolg.
„Hey, beruhig dich! Ich bin hier. Ich bin genau hier!" Sam hoffte irgendwie zu seinem Bruder durchzudringen.
Deans Atmung war hart und angestrengt. Schmerzlinien sichtbar auf dem blassen Gesicht.
Sams Panik stieg noch einwenig mehr. „Dean, verdammt noch mal, wach auf!", versuchte er ihn noch einmal zu wecken, dieses Mal mit mehr Erfolg.
Dean blinzelte müde und versuchte zu begreifen, wo er sich befand.
„Sammy?" Seine Augen durchsuchten das Zimmer, bis sie schließlich auf dem Gesicht seines kleinen Bruders hängen blieben. „Du 'kay?"
Sam rollte die Augen und versuchte ein Schnauben zu unterdrücken. „Mir geht's gut. Aber was ist mit dir?"
Dean schluckte schwer, seine Atmung immer noch viel zu schnell. „Nich' so gut.", gab er schließlich zu.
Sam fühlte, wie sich der Knoten in seinem Magen noch fester zusammenzog. Dean gab zu, dass es ihm nicht gut ging – okay, ab jetzt musste es also in der Hölle schneien.
Seine Hand ruhte immer noch auf Deans Schulter und er konnte die Hitze durch den verschwitzen Stoff hindurch spüren. Und trotzdem zitterte er immer noch heftig.
Sam seufzte leise und suchte im Erste-Hilfe-Kasten nach dem Thermometer. Als er sich wieder zu seinem Bruder umdrehte, sah er, wie Deans Augen wieder zufielen.
„Dean." Sam rüttelte vorsichtig an ihm und Dean öffnete langsam wieder die Augen. „Mach den Mund auf. Ich will mal Fiebermessen."
Dean blinzelte müde und für einen Moment war Sam sich sicher, dass sein Bruder protestieren würde, doch letztendlich gehorchte er nur schweigend. Das Fehlen von jeglichem Widerstand zog den Knoten in Sams Magen nur noch fester zusammen.
Sam musterte seinen Bruder, während er darauf wartete, dass das Thermometer piepste. Deans Augen waren geschlossen und Haarsträhnen klebten an seiner verschwitzten Stirn. Er sah schlechter aus als noch vor ein paar Stunden. Sie mussten endlich herausfinden, mit was sie es zu tun hatten und was das Vieh mit ihm gemacht hatte, bevor …
Das Piepsen des Thermometers riss Sam aus seinen Gedanken. Er fluchte leise, als er die kleinen Zahlen sah. 39.3°C. Scheiße, er musste das verdammte Fieber unter Kontrolle bekommen.
Sam griff nach der Packung mit Tylenol, die auf dem Nachttisch lag.
„Dean? Hey!"
Es dauerte eine Weile, doch dann konnte Sam ein leises Stöhnen hören.
„Hmmm?" Dean blinzelte langsam.
„Bleib noch ein bisschen wach, okay?" Er nahm drei Tabletten aus der Packung und griff nach dem Wasserglas, das ebenfalls auf dem Nachttisch stand. Er fühlte den Blickt seines großen Bruders auf sich ruhen.
Er war erleichtert darüber, dass Dean wieder etwas klarer zu sein schien.
Sam reichte ihm die Pillen, aber Dean sah diese nur fragend an.
„Tylenol.", erklärte Sam. „Sie sollten helfen, das Fieber zu senken."
Dean nickte leicht und schluckte die Pillen mit etwas Anstrengung.
„Sammy?" Die Stimme des älteren Winchesters klang rau und schwach.
„Hu?" Er sah fragend zu Dean, der ihn mit glasigen Augen musterte.
„Hör auf, dir Sorgen zu machen! Das wird wieder – ich werd' wieder. Brauch nur 'nen bisschen Schlaf und 'nen paar Schmerztabletten. Das is' alles."
Doch Dean wusste genauso gut wie sein kleiner Bruder, dass es nicht stimmte. Aber das war im Augenblick nebensächlich. Im Moment war es nur wichtig, den erschreckten Blick aus dem Gesicht seines kleinen Bruders zu vertreiben.
Okay, zugegeben, er fühlte sich mehr als beschissen, aber er hatte schon schlimmeres durchgestanden, oder nicht?! Trotzdem war da so ein nagendes Gefühl in seinem Hinterkopf. Irgendwas stimmte nicht.
Er konnte sehen, wie die Rädchen sich in Sams Kopf drehten.
„Sam, kein Krankenhaus, hörst du?" Er versuchte sich aufzusetzen, doch Sams Hand auf seiner Brust drückte ihn wieder zurück.
Sam öffnete den Mund um zu widersprechen, besann sich dann jedoch aber eines Besseren.
„Okay, vorerst kein Krankenhaus." Er nickte.
„Kein Krankenhaus, Sam." Die Worte klangen angestrengt und das letzte bisschen an Kraft, das Dean noch hatte, schien aufgebraucht zu sein.
Sam seufzte und fuhr sich über die Stirn, hinter der es langsam anfing zu Pochen. Warum zum Teufel musste sein Bruder manchmal so ein sturer Idiot sein?
„Okay, kein Krankenhaus." Zumindest vorerst nicht. Aber ich schwör dir, wenn's dir noch schlechter gehen sollte…, fügte Sam im Stillen hinzu. Er sah, wie Dean sich ein wenig entspannte.
Plötzlich wurde Deans Atmung noch ungleichmäßiger und er begann zu keuchen.
„Dean?" Sam interessierte es nicht, dass er im Augenblick wieder wie fünf klang – verängstigt und ohne eine Ahnung was er tun sollte.
Dean rollte sich zu einem festen Ball zusammen. Schmerzen schossen durch seinen gesamten Körper und nahem ihm fast die Luft zum Atmen.
Er konnte Sams kalte Hand auf seinem Arm spüren.
„Dean? Dean, was ist los?"
Er wollte Sam wirklich Antworten, ihm die Angst nehmen, die mehr als offensichtlich war, aber gerade in diesem Moment schien alles andere, außer nach Atem zu ringen, schier unmöglich zu sein.
Eine neue Welle von Schmerzen rauschte durch seinen Körper und er stöhnte leise.
„Dean?" Die Panik in dem Wort war nicht zu Überhören.
„Tut … weh.", brachte er schließlich keuchend hervor.
„Okay. Okay, versuch durch den Schmerz hindurch zu Atmen."
„Leichter … gesagt als … getan…", stieß Dean hervor. „Gott …"
Eine neue Welle von Schmerzen stürzte auf ihn ein und er versuchte sich noch enger zusammenzurollen.
„Verdammt, Dean, Atme langsamer, du hyperventilierst.", schnitt Sams Stimme durch den Schleier aus Schmerz und Qualen.
Dean fühlte eine Hand an seinem Rücken, die langsam rauf und runter strich.
Langsam aber sicher verschwanden die Schmerzen Stück für Stück.
„Besser?" Sam hatte seine Hand immer noch auf Deans Rücken.
Mit einem leisen Ächzen löste Dean sich ganz vorsichtig aus seiner Position und drehte sich wieder auf den Rücken.
„Das ist doch scheiße!", stöhnte er, Augen immer noch fest geschlossen.
Sam nickte zustimmend und sah seinen Bruder ernst an. Er griff nach dem mittlerweile trockenen Waschlappen, befeuchtete ihn erneut und legte ihn vorsichtig zurück auf Deans Stirn.
Die Augen des älteren Winchesters öffneten sich langsam.
„Was machst du da?", fragte er leise.
„Du kannst mir nicht erzählen, dass es sich nicht gut anfühlt.", sagte Sam, die Augen immer noch fest auf seinen Bruder gerichtet. „Außerdem sollte es gegen das Fieber helfen.", fügte er hinzu.
Der ältere Winchester knurrte etwas Unverständliches, ließ den Lappen aber da, wo er war.
„Gott, dir macht dieses ganze Krankenschwestergehabe auch noch Spaß, nicht?"
Trotz allem, musste Sam lächeln. Er wusste, dass Dean versuchte, ihn zu beruhigen. Ihm Mut zu machen. Es war etwas, was er immer tat. Egal, wie beschissen die Situation auch sein mochte, sein großer Bruder fand immer einen Weg ihn abzulenken und zu beruhigen.
„Naja, es kommt ja nun nicht alle Tage vor, dass man sich um den großen und unbesiegbaren Dean Winchester kümmern kann." Sam lachte leise und zog an den Ecken des Verbands, der über der Bisswunde war.
„Träum weiter, kleiner Bruder.", antwortete Dean ohne viel Kraft in der Stimme. Sams Lachen vertrieb ein paar seiner eigenen Sorgen. „Aber, Alter, ernsthaft, hör auf, mich zu bemuttern. Das wird schon wieder." Okay, das würde jetzt wesentlich überzeugender klingen, wenn ich mehr Kraft in der Stimme haben würde. Der Kampf, die Augen offen zu halten, wurde immer schwerer. Er wusste bereits, dass dieses Ding ihn ordentlich erwischt hatte und sie sich mit einer Lösung gegen das Gift besser beeilen sollten. Aber das Wichtigste war im Augenblick, dass Sammy okay war. Das hier war doch einfach nicht richtig. Sam sollte sich nicht um ihn kümmern müssen. Es sollte genau andersrum sein.
„Dean…", warnte Sam leise. Aber da war noch mehr in diesem einen Wort.
Dean kämpfte darum, sich trotz seiner verschwommenen Sicht auf das Gesicht seines kleinen Bruders zu konzentrieren. Sam sah besorgt aus.
„Smmy?"
„Die Wunde hat sich entzündet. Ich muss sie noch mal säubern."
Dean schloss seine Augen und nickte. Sam hörte sich gelassen an, doch er konnte die Angst unter dieser Gelassenheit hören.
Großartig. Einfach nur Großartig! Noch mehr Sachen, mit denen Sam fertig werden musste. Im Augenblick leistete er ganze Arbeit darin, seinen Bruder nicht zu beunruhigen.
Der Kontakt zwischen dem Peroxyd und seiner Wunde schien die eh schon konstanten Schmerzen noch um einiges zu intensivieren, sodass es kaum noch auszuhalten war.
„Es ist okay. Ich bin fast fertig.", wiederholte der jüngere Winchester wieder und wieder.
Zum ersten Mal seit einer langen Zeit war Dean dankbar, als Bewusstlosigkeit ihn schließlich von den Schmerzen befreite.
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Sam fühlte, wie sich sein Bruder plötzlich entspannte.
Doch diesmal war er erleichtert, dass Dean so wenigstens nichts spüren würde.
Die Wunde sah entzündet und unschön aus. Eiter sickerte aus den zwei kleinen Löchern über dem Ellenbogen. Mittlerweile hatten die Striemen fast die Hälfte des Oberarms erreicht.
Sam schluckte hart. Wie zum Teufel konnte das nur passieren? Wie zum Teufel konnte… Nein, hör auf damit und konzentrier dich, verflucht noch mal!
Er atmete tief ein und versuchte alle anderen Gedanken zu verdrängen. Seine Hände arbeiteten fast von selbst.
Nachdem er die Wunde erneut verbunden hatte, erneuerte er den fast trockenen Lappen und legte ihn zurück auf Deans Stirn.
Der ältere Winchester hatte während der ganzen Prozedur nicht einmal gezuckt, was Sam nicht unbedingt beruhigte.
Schließlich lehnte Sam sich zusammen mit einer Tasse Kaffee und seinem Laptop gegen das Kopfteil seines Bettes.
Müde rieb er sich über seine brennenden Augen. Die kleine Uhr auf dem Bildschirm zeigte 1:05am. Scheiße, das würde eine lange Nacht werden.
Betrübt atmete er aus und begann seine Recherche. Obwohl da immer noch dieses kleine aber feine Problem war, dass er nicht den Hauch einer beschissenen Ahnung hatte, wo er anfangen sollte. Himmel, er wusste nicht einmal, was sie da überhaupt jagten.
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Zwei Stunden später wusste Sam immer noch nicht mehr über das Ding, was sie jagten oder darüber, wie er seinem Bruder helfen sollte. Das, was er gefunden hatte, waren Tonnen von Informationen über Gifte und Schlangengifte. Und nichts davon klang wirklich gut.
Wenn Bobby nicht bald etwas fand, würde Sam Deans Hinter ins nächste Krankenhaus schleifen.
Sein Blickt wanderte zum anderen Bett hinüber.
Dean war nicht wieder aufgewacht, doch in den letzten dreißig Minuten war sein Schlaf immer unruhiger geworden.
Sam schloss seine müden Augen für einen kleinen Moment und presste Daumen und Zeigefinger gegen seinen Nasenrücken.
Gott, sie hatten in letzter Zeit eine Menge durchmachen müssen, doch die ganze Zeit über war Dean an seiner Seite gewesen und hatte ihm Kraft gegeben und das Gefühl, beschützt zu werden.
Jetzt war dieses Gefühl von Sicherheit in Angst umgeschlagen.
Er fuhr sich mit einer Hand durch sein zerzaustes Haar. Durch schiere Willenskraft wollte er den Laptop davon überzeugen, die verzweifelt gesuchten Antworten zu zeigen.
Das hin- und herwälzen im anderen Bett wurde lauter. Sam hörte ein leises Wimmern.
Deans Kopf drehte sich von einer Seite zur anderen. Die Augen rollten hin und her unter geschlossenen Lidern. Der Lappen, der vorher noch auf seiner Stirn gelegen hatte, war neben ihm aufs Kissen gerutscht.
„mmmmnnnein…….'s tut mir leid….. smmy……mmnnnneiin…." Die Worte waren kaum verständlich und liefen ineinander, doch trotzdem konnte Sam den flehenden Tonfall in ihnen hören.
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Kalt. Es war eisig.
Alles war mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Eiskristalle bedeckten die Fenster. Das Licht, das durch sie hineinfiel, war dämmrig und diffus.
Sein Atem formte kleine, weiße Wolken vor seinem Mund.
Okay, das war seltsam. Seit wann konnte es in einem Motelzimmer so kalt werden? Und vor allem, wie konnte es so schnell so kalt werden?
Sammy, was zum Teufel hast du mit der Heizung angestellt?
Sam…
Dean sah sich um.
Die Erkenntnis traf ihn wie ein Faustschlag – das war nicht ihr Motelzimmer. Doch trotzdem kannte er das hier in und auswendig.
Sein Herz schlug schmerzhaft in seiner Brust.
Er war zurück in dem heruntergekommenen Zimmer außerhalb von Cold Oak. Vor ihm auf dem Bett lag Sams Leiche.
Panik durchströmte ihn.
Nein! Oh Gott, nein. Das kann nicht wahr sein! Ich hab diesen verfluchten Deal gemacht – Sammy war wieder am Leben! Das darf nicht …
Dean machte einen unsicheren Schritt auf das Bett zu.
Es war seine Schuld. Das alles. Erst Dad und jetzt Sam – die wichtigsten Menschen in seinem Leben und er hatte sie im Stich gelassen.
Neinneinneinneinneinnein … Sam!
Dean rüttelte fest an seinem Bruder. Die Haut unter seinen Fingern war eiskalt.
Doch es gab keine Veränderung – Sam, sein kleiner Bruder, lag nach wie vor unbeweglich, bleich, leblos und tot da.
Ungewollte Bilder stiegen in seinem Kopf auf. Bilder von seinem kleinen Bruder, der sterbend in seinen Armen lag….
„Sam, es tut mir leid!", seine Stimme drohte zu brechen.
Plötzlich flogen die Augen des jüngeren Winchesters auf.
Leuchtend gelbe Schlangenaugen starrten Dean an. Eine dunkle Wut ging von ihnen aus.
Sam sah Dean an, sein Gesicht ein Abbild puren Hasses.
„Es kann dir nicht Leid genug tun, für die Dinge, die du mir angetan hast! Was ist nur los mit dir, hu? Wieso müssen alle in deiner Nähe leiden?"
„Sammy…" Dean stolperte ein paar Schritte zurück, geschockt, als Sam sich langsam aufsetzte.
„Du konntest mich nicht retten, und du konntest Dad nicht retten. Wir sind wegen dir gestorben!" Er stand von dem ranzigen Bett auf.
„Sammy … Ich …." Dean wusste nicht, was er sagen sollte. Er wich noch einen Schritt zurück, aber sein Bruder folgte ihm langsam.
„Sammy – was, hu? Kannst du die Wahrheit nicht verkraften? Du hast mir versprochen, dass du immer auf mich aufpassen wirst. Dass du mich immer beschützen wirst – ab guck dir an, was dabei am Ende herausgekommen ist." Seine Worte waren anklagend.
„Sam, ich hab alles vers-..."
„Lass es!", unterbrach Sam ihn kalt. „Du bist wertlos! Du kannst niemanden retten! Und Dean, sieh es ein, du bist der Grund dafür, dass deine Familie tot ist!"
"Sam, es tut mir leid. Ich…" Dean stieß leicht mit dem Rücken gegen die Wand. Eine plötzliche Welle aus Schmerzen durchfuhr seinen linken Arm.
Sein kleiner Bruder stand mit einem boshaften Grinsen auf seinen blutleeren Lippen vor ihm.
„Dafür ist es jetzt ein wenig zu spät, Dean"
Eiskalte Hände legten sich um den Hals des älteren Winchesters und drückten zu.
Dean rang nach Luft. Er versuchte sich loszureißen, doch der Griff schien aus Einsen zu sein. Er begann zu ersticken. Seine Beine gaben unter ihm nach und sein Blickfeld schrumpfte zu einem schmalen Tunnel zusammen. Trotzdem versuchte er immer noch mit ungeschickten Fingern Sams Hände von seinem Hals zu lösen.
Das Letzte, was er sah, bevor die schwarzen Punkte sein Blickfeld völlig ausfüllten, waren die gelben Schlangenaugen, die ihn wild und unbarmherzig ansahen.
„Dean! Mann, wach auf! Es ist nur ein Traum!" Sams besorgte und leicht verängstigte Stimme schnitt durch den Nebel seines Traumes.
Halt – Traum?
Dean riss die Augen auf und rang nach Atem. Er konnte immer noch die Hände an seinem Hals spüren, die ihn langsam die Luft abdrückten. Doch das Zimmer schien nicht wesentlich wärmer zu sein, als in seinem Traum. Er sollte Sam wirklich endlich sagen, dass er die verfluchte Heizung aufdrehen sollte. Sam …
„Dean, es ist okay. Es war nur ein Traum, naja, eher Albtraum, denke ich."
Deans Augen fixierten sich schließlich auf seinen kleinen Bruder, der neben ihm auf der Bettkante saß. Er sah beunruhigt aus, aber Gott sei Dank – er lebte.
Er seufzte erleichtert, aber es hielt nicht lange an. Sam sah besorgt aus, nein, viel mehr völlig erschrocken. Und er war der Grund dafür.
Bilder aus seinem Traum tauchten wieder vor seinem inneren Auge auf.
„Sam, 's tut mir Leid.", flüsterte er mit rauer Stimme.
Sam musterte ihn verwirrt. „Dir tut was Leid, Dean?" Er war sich nicht sicher, ob sein Bruder wirklich richtig bei Bewusstsein war. Deans Augen waren nur einen Spalt breit geöffnet und das bisschen Grün, das er sehen konnte, war immer noch glasig, der Blick leicht apathisch.
„Hätte dich beschütz'n müss'n. Wenn ich besser auf dich aufgepasst hätte, wäre nix hiervon passiert.", murmelte Dean abwesend.
Sam fühlte, wie sich seine Kehle zuschnürte. Er versuchte an dem plötzlichen Kloß in seinem Hals vorbeizuschlucken.
„Das ist Quatsch und das weißt du auch!", begann er ruhig. „Du kannst im Moment wegen diesem verdammten Gift nicht klar denken, das ist alles. Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest, okay?!" Er gab dem Arm seines Bruders einen kleinen, versichernden Klaps. „Verstanden?"
„'kay." Es klang nicht sehr überzeugt.
Sam seufzte leise und griff nach dem Wasserglas auf dem Nachttisch.
„Dean, du musst noch ein bisschen mehr Wasser trinken. Und dann will ich noch einmal Fiebermessen." Er schüttelte ihn leicht.
Langsam öffneten sich Deans Augen wieder und er versuchte, sich auf Sam zu konzentrieren. Ein verwirrter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht.
„Kein' Durst. Is' kalt hier drinne', nicht?"
„Nein, ist es nicht. Das liegt am Fieber. Komm schon, du musst etwas mehr trinken, oder du dehydrierst.", versuchte Sam ihn zu überzeugen. Er versuchte wirklich, geduldig zu sein, aber seine Nerven hatten ihr Limit für einen Tag beinahe erreicht. „Entweder Trinken, oder Krankenhaus.", drohte er behutsam.
Bei diesen Worten wurde Dean wieder unruhig. Er sah Sam mit großen Augen an. „Nein. Nein, kein Krankenhaus. 's zu gefährlich und ich brauch's nich'. Mir geht's gut." Es war zu gefährlich, warum begriff sein kleiner Bruder das denn nicht? Henriksen war ihnen auf den Fersen und … und seitdem Dad in einem Krankenhaus gestorben war …. Er verdrängte den Gedanken an seinen Vater sofort wieder. Er musste keine noch nicht ganz verheilten Wunden wieder aufreißen.
Er versuchte, sich aufzusetzen, um Sam zu beweisen, dass er okay war, aber die Bewegung sandte eine neue Welle weißglühender Schmerzen durch seinen linken Arm. Sterne explodierten vor seinen Augen.
„Heilige Scheiße, beruhig dich, okay?" Sam drückte Dean sanft zurück in eine liegende Position. „Ich hab's verstanden – kein Krankenhaus. Trink etwas Wasser und nimm die hier und dann kannst du weiterschlafen." Naja, vorerst zumindest, dachte er. Der Gedanke, seinen Bruder ins nächste Krankenhaus zu schleifen, war gar nicht so abwegig.
Dean nickte leicht. Wasser war definitiv die bessere Alternative, auch wenn er sich nicht sicher war, ob das Wasser in seinem rebellierenden Magen bleiben würde.
Sam half Dean in eine sitzende Position und hielt das Glas mit fest, bevor es aus dem unsicheren Griff seines Bruders rutschen konnte.
Dean schaffte ein paar kleine Schlucke, zusammen mit ein paar Tylenol und Antibiotika, bevor er zurück in die Kissen sackte.
Eine bleierne Müdigkeit legte sich über ihn. Er wollte einfach nur schlafen – wollte weg von den Schmerzen und der Kälte.
Er hatte nicht einmal bemerkt, dass seine Augen sich geschlossen hatten, bis sich etwas Schmales langsam in seinen Mund schob.
Er schreckte aus seinem Schlaf und riss den Kopf zur Seite, weg von dem Eindringling. Die plötzliche Bewegung schickte neue Schmerzen durch seinen Körper und er stöhnte leise.
„Sachte. Es ist okay. Ist bloß das Thermometer. Ich dachte, du wärst wieder eingeschlafen.", erklärte Sam mit einem leicht verlegenen Lächeln.
„Offensichtlich nicht tief genug.", grummelte Dean müde. „Komm schon, kannst du's nich' einfach lass'n? Mir geht's besser." Okay, das entsprach nicht einmal im Entferntesten der Wahrheit, aber das brauchte Sammy nicht zu wissen.
Ich frag mich wirklich, was zum Geier dieses Ding ist. Es sah aus wie eine ganz normale Frau. Aber seit wann sind Demons giftig?
„Ja, so siehst du auch aus.", schnaubte Sam. „Hey, wenn ich du wäre, würde ich nicht wollen, dass meine Gehirnzellen anfangen zu Schmoren. Also hör auf zu jammern." Er schmunzelte leicht.
„Ich jammere nich'.", murmelte Dean mit dem Thermometer im Mund. Der Drang zu schlafen war überwältigend.
„Nein, tust du nicht.", neckte Sam ihn leise. Sein Grinsen verflog, als er die kleinen Zahlen auf dem Display sah. 39.5°C. Scheiße, es stieg immer noch. Wenn er das verdammte Fieber nicht bald runter bekam, war ein Krankenhaus eine sehr sichere Möglichkeit.
Er sah auf seinen schlafenden und immer noch leicht zitternden Bruder hinab.
Was zum Teufel hat ihm das angetan?
Er erneuerte den Waschlappen ein weiteres Mal. Mit einem unterdrückten Gähnen stand er vom Bett auf und versuchte, die verspannten Muskeln zwischen seinen Schulterblättern etwas zu lockern.
Der Klang des Handys im sonst stillen Zimmer ließ ihn zusammenzucken.
Hastig griff er nach dem Telefon und verließ das Zimmer, um Dean nicht zu wecken. Er hoffte, dass Bobby etwas gefunden hatte, das ihnen helfen würde.
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Müde und völlig erschöpft ließ Sam sich an der kalten Mauer außerhalb ihres Motelzimmers hinabgleiten, bis sein Rücken an der Wand lehnte.
Der Parkplatz war still, dunkel und verlassen. Die Wolken hatten sich aufgelöst und der Himmel wurde von Sternen übersäht. Ein kalter Wind ließ ihn leicht schaudern.
Es schien, als ob diese Nacht nie enden würde.
„Hey, Bobby, hast du was gefunden?" Mit einem leisen ‚thud' lehnte Sam seinen Kopf gegen den kühlen Klinker, die Knie angezogen.
„Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich weiß, womit ihr's zu tun habt. Und, Junge, ihr macht wirklich keine halben Sachen." In der rauen Stimme des älteren Hunters lag kein Humor.
„Bitte sag mir, dass du weißt, wie wir Dean helfen können." Er klang erschöpft. Dean so verletzlich und ohne seine unerschütterlichen Verteidigungsmechanismen zu sehen, machte ihm eine Scheißangst. Aber ein kleiner Hoffnungsschimmer keimte unter dem Gefühl der Hilflosigkeit.
Das Zögern am anderen Ende der Leitung war Antwort genug und Sams Magen zog sich schmerzhaft zusammen.
„Bobby?"
„Ihr zwei habt es mit einer beschissenen Lamia zu tun."
„Einer was?"
„Lamia. Das Vieh wird zum ersten Mal in der altgriechischen Mythologie erwähnt. Demnach ist es alt. Und es hat ein paar Gemeinsamkeiten mit Wertieren.", erklärte der ältere Hunter.
„Was?" Die Panik in Sams Stimme war nicht zu überhören. „Warte – Dean, er wurde von dem Ding gebissen."
„Junge, könntest du mich, verflucht noch mal, erstmal ausreden lassen, bevor du hier Panik schiebst?", sagte Bobby scharf. „Lamia sind beinahe uralt, und bis vor ein paar Stunden war ich davon überzeugt, dass diese Viecher schon längst ausgestorben seien. Sie können sich so wie Wertiere verwandeln, aber das ist auch schon alles, was sie mit ihnen gemeinsam haben. Kein Mondzyklus und so weiter.", fuhr er fort.
Sam atmete leise aus. Vielleicht endlich mal etwas, das gut ging.
„Nach den Informationen, die ich finden konnte, ist ihre wahre Form halb Frau, halb Schlange. Aber sie kann auch genauso gut wie eine ganz normale Frau aussehen. Ist sozusagen ihre Tarnung. Normalerweise bevorzugen diese Viecher Kinder, aber ich denke, dass dieses Miststück alles nimmt, was sie zwischen die Finger kriegen kann."
Während Sam Bobby zuhörte, begann er, vor ihrem Zimmer auf und ab zu laufen. Seine Gedanken waren völlig auf die Nachforschungen konzentriert.
„Bobby, das ist ja alles schön und gut, aber komm endlich zu den interessanten Dingen – was ist mit diesem beschissenen Gift? Komm schon, sag mir bitte, dass du was darüber gefunden hast."
Der ältere Hunter konnte nur zu deutlich die Verzweiflung in den Worten hören. Er schluckte trocken. Himmel, er wünschte, er hätte ein paar gute Nachrichten…
„Entschuldige, Sam, bisher noch nichts. Es ist nicht ganz so einfach, weil's nicht wirklich viele Infos über Lamia Opfer gibt, die gebissen wurden und dann am Ende überlebt haben. Anscheinend beißen diese Viecher ihre Beute, um sie an der Flucht zu hindern. Vergleich es mit dem Jagdverhalten richtiger Schlangen." Bobby hielt für einen Augenblick inne. „Es ist nicht einfach, etwas zu finden, aber ich bleibe weiter an der Sache dran.", versicherte er. Ein kurzer Moment verging, dann fragte er: „Wie geht's ihm?"
Sam seufzte schwer. „Nicht so gut. Das Fieber steigt immer noch und er fängt an zu phantasieren." Er schnaubte frustriert. „Aber trotzdem ist er immer noch zu stur, um in ein Krankenhaus zu gehen. Bobby, ich weiß nicht was ich machen soll. Ich sag dir, wenn's ihm nicht bald besser geht, werd ich ihn zur nächstbesten Notaufnahme schleifen, die ich finden kann."
„Mach das. Ich glaube zwar nicht, dass die Ärzte viel machen können, aber trotzdem ist es eine gute Idee.", stimmte Bobby nachdenklich zu. „Mach dir keine Sorgen, wir finden schon was."
„Aber ..! Himmel, erst der Deal und jetzt … es ist einfach nur …" Ich fühl mich so verflucht hilflos und ich weiß immer noch nicht, was das Gift mit ihm machen wird, beendete er den Satz im Stillen.
„Ich weiß, Junge, ich weiß." Bobby schien Sams unausgesprochenen Gedanken verstanden zu haben. „Aber Sam, da ist noch etwas."
Sam schloss die Augen und versuchte, sich nur auf den kalten Windhauch in seinem Gesicht zu konzentrieren. Er wollte Bobbys Worte nicht hören. Nach seinem Ton zu urteilen war es nichts Gutes.
„Was denn?"
„Wenn eine Lamia erst einmal ihr Opfer gefunden hat, jagt sie es so lange, bis sie es auch schließlich erwischt. Denke, dass diese Mistkerle stur werden können, wenn's um ihr Essen geht."
Sam schluckte schwer. Soviel also zum Winchester-Luck…
„Und wie kann ich es töten?", ein tödlicher Unterton lag in den Worten des jüngeren Winchesters.
„Versuch alles, was dir einfällt.", grummelte Bobby. „Wie ich gesagt hab, es gibt nicht viele Sagen über dieses Miststück."
„Großartig. Das heißt dann also, dass diese Schlampe beinahe …" Sam brach abrupt ab, als er ein Geräusch hinter sich hörte. Als er sich umdrehte, sah er Dean im Türrahmen lehnen.
„Dean." Sam sah ihn verwundert an. Er hörte kaum Bobbys besorgte Stimme die immer noch aus dem Handy drang.
„Bobby, ich ruf dich zurück.", sagte Sam abwesend und legte auf.
Langsam ging er auf Dean zu, der sich immer noch an den Türrahmen klammerte. Es war das Einzige, was ihn momentan aufrecht hielt.
„Dean.", sagte er erneut, erhielt jedoch wieder keine Reaktion. Ein ungutes Gefühl breitete sich in seinem Magen aus.
Dean starrte mit einem abwesenden Blick hinaus in die Dunkelheit.
Sam legte eine Hand auf den Arm seines Bruders. Er spürte das leichte Zittern unter seinen Fingern. „Was machst du hier draußen?", fragte er sanft.
Dean zuckte bei dem Klang von Sams Stimme zusammen. Es schien, als ob er seinen Bruder zum ersten Mal bemerkt hatte.
„Kannst du sie nich' hör'n?", nuschelte er leise. „Sie ruft. Wieder und wieder."
Sam musterte Dean verblüfft, lauschte dann aber in die Stille der Nacht hinein. Entfernt konnte er das leichte Rauschen des Highways hören, mehr aber auch nicht.
„Ich hör nichts. Niemand ruft. Komm schon, lass uns wieder reingehen."
„Nein. Warum hörst du sie nich'? Sam, sie ruft! Sie …" Dean schaffte drei unsichere Schritte hinaus auf den Parkplatz, bevor seine Knie unter ihm nachgaben und seine Augen zurückrollten.
„Dean!", schrie Sam und stürmte auf ihn zu.
TBC…….
