A/N: Hey ihr Lieben!!! *sich hinter einem Stein versteck* Bitte, bitte, nicht Schießen! Ich weiß, es hat verdammt lange gedauert, aber nun habt ihr endlich ein neues Chap (und dazu noch ein ziemlich langes). ^^
A/N: Für alle, die mich gefragt, oder sich gewundert haben – nein, die Lamia hat nichts mit mir bzw meinem Username zu tun. ^^ Ich wollte einfach mal etwas Neues ausprobieren, und das ist dann dabei herausgekommen. '^_^'
A/N: Ein ganz großes Dankeschön an alle, die das hier Lesen, zu ihren Favs zufügen und ein besonders großes Dankeschön an alle die, die sich die Zeit nehmen und ein Review hinterlassen. Ohne euch alle würde es vielleicht überhaupt keine neuen Chaps geben!
A/N: Wie immer ein besonderer Dank an mein kleines Beta-Girl und super Freundin JeanyAlicia (Ich wüsste wirklich nicht, was ich ohne dich machen sollte *hugs*), Emerald Water (Hey Sweetie, hier ist es endlich! Hoffe, dir gefällts! x) und an Elke, die all meine nervigen Fragen bezüglich medizinischer und anderer Dinge geduldig beantwortet hat! *knuddel* ^^
A/N: Ich hoffe, es gefällt euch. Ich bin ein kleinwenig unsicher mit dem Chapter, also lasst mich bitte wissen, was ihr davon haltet. ^^° Für Ideen und Anregungen bin ich immer offen! ;)
Kapitel 4
Angenehme Dunkelheit umgab ihn. Okay, vielleicht doch nicht ganz so angenehm. Es war immer noch verdammt kalt und der pochende Schmerz pulsierte immer noch durch seinen linken Arm.
Dean wunderte sich flüchtig, ob er sich jemals wieder warm und gut fühlen würde.
Er hörte das Murmeln einer sanften Stimme, konnte aber die Worte nicht verstehen. Es ähnelte mehr einem nervenden Hintergrundgeräusch und er versuchte sein Bestes um es zu ignorieren.
Ohne jede Vorwarnung verschwand die Dunkelheit in einem Meer aus Farben.
Ein fünfjähriger Sammy tauchte vor ihm auf und lächelte. Doch etwas war nicht ganz in Ordnung. Trotz des Lächelns wirkten Sammys Augen traurig, ihr Blick viel zu wissend für ein unschuldiges Kind.
Eine plötzliche Welle von Schwindel erfasste Dean und alles begann zu verschwimmen.
Als er die Augen wieder öffnete, starrte er direkt in die leuchtend gelben Augen seines Vaters.
Ein stechender Schmerz explodierte in seiner Brust. Er fühlte, wie sein Shirt feucht von seinem Blut wurde, konnte den kupfernen Geschmack auf seiner Zunge schmecken.
„Dad…" Es war mehr ein erstickter Schrei. Er hasste es, wie hilflos und verängstigt seine Stimme klang, doch in diesem Augenblick hätte er fast alles getan, um die Schmerzen zu beenden.
Plötzlich schwand die unsichtbare Kraft, die ihn an der Wand festhielt und er sackte haltlos und keuchend zu Boden.
Er hörte, wie Schritte näher kamen. Eine plötzliche Welle von Hitze umgab ihn, die das Atmen fast unmöglich machte. Die Hütte verschwand und alles um ihn herum war in dunkles Zwielicht getaucht. Das nächste, was er fühlte, waren weißglühende Schmerzen, als Ketten und Haken in sein Fleisch getrieben wurden. Sie hielten ihn aufrecht und an der Stelle. Die Schmerzen waren fast unerträglich. Er wollte schreien, aber da war nicht mehr genug Luft in seinen Lungen.
„Howdy, Dean." Yellow Eyes stand grinsend vor ihm. „Willkommen in der Hölle – im wahrsten Sinne des Wortes. Sag mir, Dean, ist das hier es wert deinen Bruder zu retten? Denn du solltest nicht vergessen, dass er immer noch den Weg geht, den ich vor so langer Zeit für ihn gewählt habe." Yellow Eyes grinste ihn voll Freude an.
„Du hättest lieber auf Daddy hören und den kleinen Sammy töten sollen, bevor er seine Bestimmung erfüllen kann."
„Nein!", schrie Dean und versuchte sich von den Fesseln zu befreien.
Nein! Nein, das ist nicht real. Ich habe immer noch Zeit, bevor mein Teil der Abmachung fällig ist!
Er konnte nicht in der Hölle sein. Und er wusste mit Sicherheit, dass sein Bruder niemals böse werden würde. Himmel, er kannte ihn, er hatte ihn praktisch großgezogen! Sam war nicht böse!
Es war ein Traum – musste einer sein! Aber warum konnte er nicht einfach aufwachen?
Damnit, wach auf – jetzt!
Er musste irgendwann eine Art Geräusch oder so gemacht haben, denn plötzlich fühlte er etwas Kühles durch den Schleier aus Schlaf, Fieber und Schmerzen. Eine kühle Hand drückte leicht seine Schulter. Die Worte beruhigten ihn, auch wenn er sie nicht verstand. Sie holten ihn aus dem Albtraum heraus und brachten ihn zurück in die betäubende Dunkelheit.
Sammy war immer noch da. Mehr Versicherung brauchte er im Augenblick nicht.
Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber diesmal war es ihre Stimme, die ihn wieder aus der Bewusstlosigkeit brachte.
Sie rief ihn. Immer und immer wieder. Ihre Stimme ein sanfter, süßer Singsang.
Er verbannte es in eine der hintersten Ecken seines Verstandes. Nie im Leben würde er so blöd sein und ihren Worten folgen.
Langsam nahm er auch noch andere Dinge wahr.
Ein feuchter Lappen lag auf seiner Stirn und sein Shirt war nass vom Schweiß und klebte unangenehm an ihm. Gott, er brauchte unglaublich dringend eine Dusche. Aber schon allein der Gedanke, mehr als nur ein paar Minuten zu stehen, verstärkte das Gefühl der Erschöpfung noch um einiges.
Was zum Geier hat dieses Miststück nur mit ihm gemacht? Und was noch viel interessanter war – wieso zum Teufel konnte er sie rufen hören?
Wenn du mich haben willst, dann versuch's doch, du Miststück!
Die Hintergrundgeräusche wurden etwas klarer und er konnte Sams leise Stimme hören.
„Ja, Bobby, das sag ich ja – sie ruft ihn. Ich denke so jagt sie ihre Beute. Aber ich muss das noch weiter recherchieren um wirklich sicher zu sein."
Eine Pause. Okay, also sprach Sam mit Bobby übers Handy.
„Nein,
er ist immer noch bewusstlos. Aber das Fieber steigt nicht
mehr."
Wieder Stille, während Sam dem älteren Hunter zuhörte.
„Was ich denke? Wir sollten dieses Miststück finden und töten und sehen, was passiert."
Dean hörte Sam im Zimmer auf und ab laufen.
„Ich weiß es ist riskant, aber … Bobby, es geht ihm schlechter und das verdammt schnell. Und ich werde nicht zulassen, dass dieses Ding ihn holen wird." Sams Stimme wurde immer lauter, die Verzweiflung mehr als deutlich in ihr.
Deans Magen verkrampfte sich schmerzhaft. Fuck, er musste etwas unternehmen. Sammy sollte nicht so klingen!
Eine erneute Pause, dann: „Ja und danke, Bobby. Ich bin froh, dass du kommst."
Dean hörte Sam schwer Seufzen, dann das Klicken der Laptoptasten.
Zum Teufel noch mal, das war doch scheiße! Er hasste es, schwach und im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu stehen. Vor allem, wenn es sein kleiner Bruder war, den er verängstigen würde und der sich Sorgen machte. Gut, okay, Aufmerksamkeit war toll, wenn sie von einem heißen Mädchen kam, aber das war leider nicht der Fall.
Komm schon, reiß dich zusammen, Winchester! So schlimm ist es nicht, und du hattest außerdem schon viel Schlimmeres!, versuchte er sich selbst zu überzeugen.
Ein heftiges Zittern lief durch seinen Körper und sandte neue stechende Schmerzen durch seinen Arm und direkt zu seinem Kopf.
Oh, bitte, kann mich jemand erschießen. Er versuchte das Stöhnen zu unterdrücken, doch das gelang ihm nur halbwegs.
Nachdem die erste Schmerzenswelle wieder zu dem dumpfen Pochen abebbte, an das er sich schon fast gewöhnt hatte, vergrub er sich tiefer unter der Decke, auch wenn diese keine wirkliche Wärme zu spenden schien.
„Dean?", Sams Stimme erklang dicht neben seinem linken Ohr.
„Hey, bist du wach?" Der Lappen verschwand und wurde durch Sams kühle Hand ersetzt.
Dean drehte seinen Kopf leicht in Sams Richtung und versuchte sich einzureden, dass er sich nicht in die Berührung lehnte.
Seine Augen zu öffnen war leichter gesagt, als getan. Seine Lider schienen Tonnen zu wiegen, aber schließlich sah er das verschwommene Gesicht seines Bruders vor sich.
„Du siehst scheiße aus, das weißt du, oder?", bemerkte Dean erschöpft und versuchte etwas zu Grinsen.
Sams Haare waren zerzaust und dunkle Ringe lagen unter seinen Augen. Sorge breitete sich in seiner Brust aus.
Sam stieß eine Mischung aus Schnauben und Lachen aus. „Ja, gleichfalls. Hast du in letzter Zeit mal in den Spiegel geguckt?"
„Ich bin immer noch der besser aussehende von uns. Und außerdem stehn' die Mädels auf dieses ganze ‚sich-um-einen-gut-aussehenden-und-verletzten-Typen-kümmern'."
Sam rollte nur mit den Augen und lachte. Aber es war ein echtes Lachen und Dean entspannte sich etwas.
„Richtig. Wenn dich das nachts besser schlafen lässt." Er nahm seine Hand von Deans Stirn.
Etwas in Dean wollte protestieren und sich noch länger in die Berührung lehnen…
Er schüttelte sich innerlich. Okay, vielleicht phantasierte er wirklich ein wenig.
_____
Sam musterte seinen Bruder besorgt. Dean sah beschissen aus. Sein Gesicht war, abgesehen von den vom Fieber geröteten Wangen und den fast lila Schatten unter den Augen, weiß wie die Laken.
Er war immer noch nicht dichter an einer Lösung dran, wie er seinem Bruder helfen sollte. Bobby hatte recht gehabt damit, dass es nicht viele Infos über Lamias gab und Sam wusste einfach nicht, was er tun sollte. Dieses Miststück zu töten war bisher seine Lieblingsoption, aber sie wussten nicht, ob das Dean in irgendeiner Weise helfen würde. Doch Sam würde sich danach zumindest um einiges besser fühlen.
„Wie lang hab ich geschlafen?" Deans schwache Stimme riss Sam aus seinen Gedanken.
„Fast zweieinhalb Stunden. Wie fühlst du dich?" Er griff nach dem Wasserglas und der Schachtel mit Tylenol und Antibiotika, die auf dem Nachttisch standen.
„Mir geht's gut." Dean versuchte seine verschwommene Sicht zu klären. Sam sah ihn nur an, bis Dean schließlich leise seufzte.
„Okay, mir ging's schon ma' besser, aber trotzdem – ich hatte schlimmeres."
Das bezweifle ich, dachte Sam, ließ es aber ungesagt.
„Bobby ist auf dem Weg hierher. Denke, wir können ein bisschen Extrahilfe gebrauchen." Der jüngere Winchester lächelte leicht.
„Ja, denke 's ist 'ne gute Idee.", murmelte Dean und blinzelte müde. Scheiße! Hatte er nicht schon genug geschlafen?
„Du musst noch ein bisschen mehr Wasser trinken und das hier nehmen." Sam half Dean in eine mehr oder weniger aufrechte Position. Der ältere Winchester lehnte sich schwer gegen das Kopfende. Immer noch liefen Schauer durch seinen Körper.
„Es is' immer noch kalt hier drinne'.", beschwerte er sich leise, nachdem er die Pillen geschluckt hatte.
„Es ist hier drinne' nicht kalt. Das kommt vom Fieber. Deine Temperatur ist hoch auf 39.7°C. Aber es scheint nicht mehr zu stiegen." Die Sorge in Sams Worten war deutlich zu hören.
„Wow, hab dir gesagt, ich bin 'nen heißer Typ.", witzelte Dean schwach.
„Dean.", sagte Sam mit einem warnenden Ton. Nicht witzig!
Dean wurde wieder ernst. „Hast du was gefunden?"
„Ja, Bobby hat in der Tat was gefunden. Wir wissen jetzt womit wir's zu tun haben. Es ist eine Lamia."
Der ältere Winchester blinzelte nur fragend.
„Altgriechisch. Diese Viecher sind alt und sollten eigentlich ausgestorben sein.", fügte Sam hinzu.
„Klasse. Ich Glückspilz.", murmelte er. Seine Augen auf Halbmast. „Und, werd ich's überleben, Doc?" Dean sah Schuldgefühle und Angst in Sams Augen aufblitzen. Shit!
„Sammy, mach dir keine Sorgen. Wir werden was finden. 'S wird wieder gut. Vielleicht verschwindet der Mist auch so wieder.", erklärte er und blinzelte langsam. Verdammt, er musste sich zusammenreißen!
„Ja, vielleicht." Sam klang nicht sehr überzeugt und er wusste, dass auch Dean seine Worte nicht glaubte. Es würde einfach zu einfach sein. Und Winchester Luck nahm niemals den einfachen Weg.
Deans Augen blieben immer länger geschlossen.
„Dean, es ist okay, schlaf weiter. Ich kümmre mich um den Rest." Sam drückte beruhigend seine Hand. Scheiß auf Chick-Flick, aber im Moment brauchte er den physischen Kontakt.
Dean blinzelte stur. „Bin nich' müde. Kann bei … der Recherche helfen.", murmelte er schläfrig.
Sam musste lächeln.
„Später. Ruh dich jetzt erstmal aus. Ich kann dich doch nicht auf die Tastatur sabbern lassen." Er drücke Deans Hand ein letztes Mal, dann erneuerte er den Waschlappen und legte ihn zurück auf seine Stirn.
Dean grummelte etwas, dass ziemliche Ähnlichkeit mit ‚Leck mich' hatte. Seine Augen fielen ein letztes Mal zu und blieben schließlich auch geschlossen.
Gerade als Sam überzeugt war, dass sein Bruder wieder eingeschlafen war, schreckte Deans Stimme ihn auf.
„S'mmy? Bitte geh' nich'.", murmelte Dean. Die Augen geschlossen und schon wieder fast verloren in von Fieber beeinflussten Träumen.
Sam schluckte schwer. Es machte ihm Angst, seinen Bruder so hilflos zu sehen. Es war einfach nicht richtig.
„Ich geh nirgendwo hin. Ich bin genau hier."
Dean atmete leise aus und vergrub sich tiefer unter die Decke.
Sam saß noch ein paar Minuten länger in dieser Position und sah seinem Bruder beim Schlafen zu. Schließlich stand er auf und ging zum Fenster rüber.
Es war fast 6am und die Dämmerung hatte eingesetzt. Der frühe Morgenhimmel war dunkel und dick verhängt mit schweren, grauen Regenwolken.
Der Regen hatte vor ungefähr einer Stunde eingesetzt.
Sam lehnte seine Stirn gegen das kühle Glas und starrte hinaus in das verregnete Zwielicht.
Shitshitshitshitshit! Er hasste dieses Gefühl der völligen Hilflosigkeit. Und das Schlimmste war seinen großen Bruder in diesem Zustand zu sehen. Dean wurde schwächer. Das Gift forderte seinen Tribut und Sam wollte nicht einmal darüber nachdenken was sonst noch alles passieren könnte. Aber Gott sei Dank war Bobby auf dem Weg. Jetzt wo sein Bruder ausgeschaltet war, war Sam wirklich dankbar über jede Hilfe, die er bekommen konnte. Es war kindisch, aber ein kleiner Teil in Sam zählte immer noch auf Dean, seinen großen Bruder, der alles wieder in Ordnung bringen würde.
Und er war sich sicher, dass wenn die Rollen vertauscht wären, Dean mit Sicherheit etwas finden würde, um ihm zu helfen. Doch jetzt war er dran sich um seinen Bruder zu kümmern.
Sam schloss für einen Moment die Augen. Selbst wenn sie herausfinden konnten, was sie gegen das Gift unternehmen sollten, war da immer noch dieser beschissene Deal. Ein Jahr. Nur ein Jahr, um herauszufinden, wie er seinen Bruder vor der wortwörtlichen Hölle retten konnte.
Okay, aufhören! Verdammt noch mal! Ein Problem zur Zeit! Also konzentrier dich!
Eine Theorie begann sich langsam in seinem Kopf aufzubauen. Er war sich ziemlich sicher, dass Dean nicht der Einzige war, der krank von dem Gift geworden war. Also was wäre, wenn auch alle anderen Opfer ähnliche Symptome gehabt haben?
Er war sich nicht sicher, inwiefern dies helfen könnte, aber es war zumindest ein Anfang.
Sam sah auf seine Uhr – 6:08am. Viel zu früh für irgendwelche Befragungen. Und außerdem würde er Dean hier nicht einfach alleine lassen.
Vielleicht noch zwei oder drei Stunden länger und Bobby würde hier sein. Dann könnten sie ihre nächsten Schritte planen.
Sam drehte sich vom Fenster weg und rieb sich über seine brennenden Augen. Scheiße, war er müde. Und Schlaf war vorerst noch nicht in Aussicht für ihn. Er musste noch mehr recherchieren. Da musste es irgendetwas über dieses verdammte Ding geben.
Bewaffnet mit einer Tasse Kaffee und seinem Laptop ließ er sich auf dem Boden neben Deans Bett nieder. Sein Rücken lehnte gegen den Nachttisch. Er brauchte die Nähe jetzt.
Dean war immer noch völlig weggetreten, doch von Zeit zu Zeit bewegte er sich unruhig im Schlaf.
Sam presste seine Handballen gegen seine Augen und wünschte sich, dass diese verfluchte Müdigkeit endlich verschwinden würde.
Mit einem Seufzer wählte er sich schließlich ins Internet und begann wieder mit seiner Research.
______
Das Geräusch von trockenem Würgen weckte ihn. Verwirrt blickte er sich um und versuchte zu verstehen, was gerade passierte.
Graues Tageslicht sickerte ins Zimmer und der Regen schlug noch immer gegen die Scheibe.
Fluchend versuchte Sam die verkrampften Muskeln in seinem Rücken und Nacken zu lockern.
Wieder hörte er den Klang von trockenem Würgen.
Der Knoten in seinem Magen zog sich noch enger zusammen, als er bemerkte, dass das Bett neben ihm leer war. Was zum…?
In Sekundenschnelle war Sam auf den Beinen. Sein Herz klopfte schmerzhaft in seiner Brust.
„Dean?" Seine Augen durchsuchten das Zimmer, bis sie schließlich auf der am Boden kauernden Gestalt auf der anderen Seite des Bettes hängen blieben.
„Dean!" Sam eilte zu seinem Bruder und hockte sich neben ihn. Dean war auf allen Vieren. Er würgte immer noch, auch wenn nichts in seinem Magen war.
„Hey, es ist okay.", beruhigte Sam ihn und strich über Deans verschwitzen Rücken.
Der ältere Winchester stöhnte jämmerlich. „Fuck, erschieß mich." Eine neue Welle von Übelkeit überkam ihn und er begann wieder zu würgen.
Sam stützte den zitternden Körper seines Bruders, sodass dieser nicht mit dem Gesicht voran auf dem Boden landen konnte. Er zuckte leicht zusammen, als er die unglaubliche Wärme spürte, die von Dean ausging.
Schließlich hörte das Würgen auf und Dean sackte gegen seinen kleinen Bruder. Der Raum drehte sich um ihn herum und sein immer noch rebellierender Magen drohte mit einer neuen Welle von Übelkeit. Er schloss die Augen und hoffte so, das Schwindelgefühl stoppen zu können.
Sams Stimme klang weit entfernt. Er fühlte einen leichten Druck an seinem Arm.
„Komm schon, Mann. Ein bisschen Hilfe wäre nicht schlecht. Denke nicht, dass der Boden so gemütlich ist."
„Passt schon.", murmelte Dean schläfrig.
„Vielleicht. Aber ich lass dich hier trotzdem nicht schlafen. Also komm. Umso schneller wir dich wieder zurück ins Bett kriegen, umso schneller kannst du auch wieder zurück ins Traumland."
Sam hievte seinen Bruder zurück auf die Füße. Wäre Sams fester Griff an ihm nicht gewesen, wäre Dean mit Sicherheit wieder auf dem Boden gelandet.
Dean grummelte leise.
„Hey, hör auf zu meckern." Sam keuchte leicht, als er Dean zum Bett zurückschleifte. „Was hast du eigentlich überhaupt auf dem Boden gemacht?", fragte er, als er die Decke über seinem Bruder ausbreitete.
Der ältere Winchester vermied es, Sam in die Augen zu gucken. „Dachte ich würd's zum Bad schaffen, bevor…", murmelte er mit leiser Stimme. Es klang verdammt doll nach Verlegenheit.
„Sag nächstes Mal einfach Bescheid. Du weißt nicht, wer hier sonst noch auf den Teppich gereiert hat.", witzelte Sam leicht. Er strich ein paar schweißnasse Haarsträhnen von Deans viel zu warmer Stirn.
Das völlige Fehlen von Deans Meckern und Nörgeln darüber, dass er ihm viel zu nahe kam, reichte, um Sam zu sagen, wie beschissen sein Bruder sich wirklich fühlen musste.
„Du hast geschlafen. Wollt' dich nich' wecken.", nuschelte Dean mit geschlossen Augen. Er war beinahe schon wieder eingeschlafen. „Dad sagte pass auf Sammy auf, und das mach' ich." Die Worte waren kaum noch zu hören, doch Sam verstand sie trotzdem.
Ein trauriges Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Da war es wieder – selbst glühend vor Fieber und am Rande des völligen Zusammenbruchs, versuchte Dean immer noch, sich um ihn zu kümmern.
Himmel, sein Bruder war immer da, die einzige Konstante in seinem Leben. Er nahm sogar einen Trip in die Hölle in Kauf, um ihn zu retten.
Nein, wird er nicht! Ich werde einen Weg für ihn aus diesem beschissenen Deal finden!
Aber das Wichtigste zuerst – diese Gottverdammte Lamia. Jetzt lag es an ihm, Deans Hintern zu retten.
Als Sam sicher war, dass Dean wieder verloren in Fieberträumen war, stand er schließlich langsam auf und schlurfte ins Bad.
Er spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht und hoffte, so endlich diese verdammte Müdigkeit vertreiben zu können.
Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er zumindest für eine Stunde geschlafen hatte.
„Scheiße, Bobby, beeil dich.", murmelte er und betrachtete sein Spiegelbild.
______
Es war fast Mittag als Bobby schließlich erschien.
Der Tag hatte sich bis jetzt nicht sonderlich gebessert. Und es regnete immer noch wie aus Eimern.
Sam war bei seiner fünften Tasse Kaffee, als der ältere Hunter klopfte.
„Scheiße, was ist das denn bitte für ein Wetter? Da würdest du ja nicht mal 'nen Hund vor die Tür schicken.", fluchte Bobby leise und stürmte in die trockene Sicherheit des Motelzimmers.
„Junge, du siehst aus, als hättest du ne Höllennacht gehabt.", bemerkte er trocken und musterte den jüngeren Winchester.
„Naja, sagen wir so, ich würde um einiges besser schlafen können, wenn wir bald etwas finden würden." Sam fuhr sich mit einer Hand durch seine wirren Haare und seufzte.
„Wie geht's ihm?" Bobby sah über Sams Schulter rüber zum Bett, das am dichtesten an der Tür stand. Seine Stimme war leise, um Dean nicht zu wecken.
„Er kommt immer mal wieder zu sich, aber meistens schläft er." Sam folgte Bobby, der neben Deans Bett zum Stehen gekommen war.
Verdammt, der Junge sah wirklich furchtbar aus. Er wusste, dass Sam nicht jemand war, der viel übertrieb, zumindest nicht, seitdem er aus seinen frühen Teenagerjahren raus war, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass das Gift so schnell arbeiten würde. Es war nicht mal einen Tag her, dass Dean gebissen worden war.
Seine Atmung war flach und etwas ungleichmäßig, was von dem Zittern herrührte, dass noch immer durch seinen Körper lief. Schmerzlinien waren immer noch sichtbar auf seinem blassen Gesicht.
Bobby legte eine raue Hand auf Deans Stirn.
„Scheiße.", zischte er leise. Das konnte nicht gut sein.
Dean bewegte sich leicht unter der Berührung.
„S'm?"
„Nicht ganz. Himmel, Junge, du kannst aber auch nichts auf die einfache Art machen, hu?" Bobby kämpfte darum. seine Stimme locker klingen zu lassen, doch er konnte den verärgerten Unterton nicht ganz unterdrücken. Er, genauso wie Sam, hatte die letzten Wochen nach einer Lösung aus dem Deal gesucht.
Er kannte Dean, kannte seine Art, alles herunterzuspielen und sich so zu benehmen, als würde ihn am Ende seines Jahres nicht das Höllenfeuer erwarten. Aber trotzdem, Deans neugefundene Rücksichtslosigkeit ärgerte ihn.
„Bobby?" Dean drehte seinen Kopf von der Hand weg und blinzelte müde. Er versuchte soviel Kraft heraufzubeschwören, sodass sie nicht sehen würden, wie beschissen er sich wirklich fühlte.
„Als Krankenschwester würdest du kläglich versagen.", bemerkte Dean erschöpft. Seine glasigen Augen durchsuchten den Raum bis sie schließlich auf Sam ruhen blieben, der sich neben ihn auf die Bettkante gesetzt hatte.
„Ich erinnere dich daran, wenn du dich das nächste Mal darüber beschwerst wie ich mich um dich kümmere." Sam grinste, konnte aber nicht ganz die Sorge in seinen Augen verbergen.
„Was auch immer.", murmelte Dean und versuchte sich aufzusetzen.
„Whoa, was machst du da?" Sam drückte Dean wieder zurück. Er versuchte die aufsteigende Sorge darüber, wie einfach dies war, zu ignorieren.
„Dir und Bobby helfen.", antwortete Dean schnaufend. „Ich hab' die Schnauze voll nur hier rum zu liegn'." Er schlug Sams Hand weg und versuchte sich wieder aufzusetzen.
Diesmal war es Bobbys Hand, die ihn zurück hielt.
„Versuch deine Augen mehr als nur halb aufzumachen und du würdest ein ganzes Ende überzeugender sein." Der ältere Hunter gab Deans Schulter einen kleinen Klaps.
„Dean, du bist krank. Entspann dich einfach, okay. Wir werden uns was einfallen lassen." Sam hoffte wirklich, dass sie bald etwas finden würden. Und das, wenn's ginge, schnell.
Doch der ältere Winchester kämpfte immer noch stur darum, seine Augen offen zu halten.
„Hört auf, so einen Aufstand zu machen. Mir geht's gut." Okay, er wusste, dass sie ihm das in der nächsten Zeit nicht abnehmen würden, aber dieses ganze Bemuttern war unglaublich nervig.
Sein Körper hatte anscheinend jedoch andere Pläne als sein sturer Verstand. Seine Augen fielen gegen seinen Willen zu. Er riss sie wieder auf, aber die Abstände zwischen dem Öffnen und Schließen wurden immer größer.
Bobby lachte leise. „Naja, du machst es uns im Augenblick auch nicht unbedingt einfach, dich nicht zu bemuttern."
Dean grummelte etwas Unverständliches, aber seine Augen blinzelten ein letztes Mal und blieben dann geschlossen.
Sam blickte zu Bobby. Sorge war deutlich auf dem Gesicht des älteren Hunter zu sehen. Schließlich erneuerte er noch den Lappen zum zigsten Mal, wie es schien, in den letzen vierundzwanzig Stunden.
_______
Sam seufzte schwer während er auf den Stuhl Bobby gegenüber sank.
Seine Hände rieben grob über seine müden Augen.
„Also, was jetzt?" Sam klang erledigt. Seine Stimme war leise um Dean nicht zu wecken.
„Er hat die Nacht soweit überstanden, das denke ich ist schon mal ein gutes Zeichen." Bobby betrachtete den jüngeren Hunter genau. Der arme Junge war nahe dran im Stehen einzuschlafen.
„Denkst du? Bobby, es wird schlimmer und wir haben immer noch keine beschissene Spur!" Seine Stimme wurde mit jedem Wort lauter.
„Würdest du bitte noch etwas lauter Brüllen, damit auch die Letzten in diesem verdammten Motel dich hören können?", giftete Bobby schroff.
Sam atmete tief durch um den Aufruhr in seinem Inneren zu beruhigen.
„Sorry.", murmelte er entschuldigend und rieb sich wieder über die Augen. Diesmal um Bobbys Blick zu entgehen.
„Ist schon okay.", sagte der ältere Hunter. Seine Züge wurden sanfter. „Wir kriegen dieses Miststück und ich schwör dir, wenn ich mit ihr fertig bin sind Lamias ausgestorben!"
„Ja.", stimmte Sam zu, doch er klang immer noch nicht wirklich überzeugt. Er schwieg für ein paar Augenblicke. Als er schließlich wieder sprach, klang er müde, aber vor allem entschlossen.
„Okay, wo also fangen wir an?"
Bobby rieb sich nachdenklich mit der Hand über die Stirn. „Wir haben immer noch Tonnen von Rechercheunterlagen, die wir durchgehen müssen. Das Letzte, was ich gelesen habe, war ein Report von 1900, der von irgendeinem Arzt geschrieben worden war. Es ging um einen Mann, der von etwas gebissen worden war. Gut, er bestand darauf, dass es eine Frau mit Schlangenzähnen gewesen sei. Hat nicht lange gedauert, bis er anfing die Frau zu hören, obwohl sie gar nicht in der Nähe war."
Sams Augen wurden größer. „Und?"
Bobby seufzte. „Nichts. Sie haben ihn in 'ne Irrenanstalt gesteckt. Irgendwie hat er's geschafft abzuhauen und ungefähr zwei Wochen später haben sie seine Leiche gefunden. Naja, oder zumindest das, was noch übrig war."
Sam sackte im Stuhl zurück. „Scheiße."
Bobby nickte zustimmend. „Das kannst du laut sagen."
„Aber da muss es doch irgendwo irgendwas geben! Ich meine, diese Viecher sind fast ausgestorben – du hast es selbst gesagt. Also muss es einen Weg geben sie zu töten. Sie müssen eine Art Schwachstelle haben."
„Normale Kugeln funktionieren nicht, aber vielleicht könnte Silber etwas Schaden anrichten. Sie sind immerhin zur Hälfte Wertier.", überlegte Bobby laut.
„Wir können es zumindest versuchen." Sam spielte abwesend mit seiner leeren Kaffeetasse. „Die andere Sache ist, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass alle Opfer krank geworden sind."
„ Wie kommst du darauf?" Bobby stand auf um ihren Kaffeevorrat neu aufzufüllen.
„Ist nur 'ne Theorie, aber ich denke das ist ihre Art zu Jagen. Die Polizeiberichte besagten, dass jedes Opfer nach der ersten Attacke entkommen konnte. Alles schien danach okay zu sein and dann – wham, waren sie tot. Irgendwas muss in der Zwischenzeit passiert sein. Ich denke das Gift sorgt dafür, dass sie schwach und willenlos werden und so ihrem Ruf folgen."
„Und damit wortwörtlich in ihren eigenen Tod laufen.", fügte Bobby hinzu.
„Ja, so ungefähr." Sam trank gierig ein paar Schlucke von dem heißen Getränk.
„Also wäre es auf jeden Fall eine gute Idee, die Familien der Opfer zu befragen.", schlug Bobby vor.
Sam nickte und durchsuchte einen Stapel von Zetteln, bis er Bobby schließlich eine Liste mit Namen reichte.
„Wir hatten kaum Zeit für Recherche, bevor das hier alles passiert ist. Vielleicht können wir ein Muster finden – wie das Gift wirkt und wie lange es dauert, bis ihr Ruf die Oberhand gewinnt." Wieder rieb Sam sich über seine brennenden Augen. Gott, war er müde!
„Okay, ich kümmre mich drum." Bobby musterte den Zettel gedankenverloren. Die Vierundsechzigtausend-Dollar-Frage war immer noch ob dieses Gift tödlich war oder nicht, und ob es irgendein Gegengift gab.
„Willst du gehen?" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
Bobby warf ihm einen komischen Blick zu. „Wer sonst? Mein zweites Ich? Einer von uns muss hier bleiben und ich nehme an, dass du derjenige sein wirst."
„Ja, okay. Ich kann noch mehr recherchieren während du unterwegs bist. Vielleicht kann ich ihr Jagdgebiet eingrenzen." Sam unterdrückte ein Gähnen.
Bobby musterte den jüngeren Winchester einen Moment und ein väterlicher Blick erschien in seinen Augen.
„Sam, du bist völlig fertig. Hast du überhaupt geschlafen letzte Nacht?"
„Ein paar Minuten hier und da.", sagte er, vermied es aber Bobby anzusehen. In Wirklichkeit war es eine ziemlich gute Frage – wann war das letzte Mal, dass er richtig geschlafen hatte? Er versuchte jede freie Minute, die nicht mit Jagen gefüllt war, zu nutzen um, eine Lösung für Dean aus dem Deal zu finden.
Bobby nickte verstehend. „Du solltest versuchen, etwas zu Schlafen. Es gibt genug Dinge für uns beide zum Nachlesen und wenn du fertig bist mit deinem Schönheitsschlaf, fahr ich los und rede mit den Familien."
„Mir geht's gut. Und wir haben keine Zeit zu verschwenden." Sam unterdrückte ein erneutes Gähnen.
Bobby hob nur eine Augenbraue. „Sicher tut es das. Und wie denkst du, willst du deinem Bruder helfen, wenn dieses Miststück dich erwischt, weil du auf der Jagd halb geschlafen hast?"
Er wusste, es war ein Schlag unter die Gürtellinie.
„Bobby, es ist okay. Und wir haben wirklich keine Zeit dafür.", versuchte Sam ihm begreiflich zu machen. Himmel, er sehnte sich nach Schlaf, aber das musste eben warten.
Bobby antwortete ihm nicht, sondern sah ihn nur mit seinem Blick an. Es war dieser Blick, der Sam wieder zum kleinen Jungen machen konnte und ihm das Gefühl gab, etwas Falsches getan zu haben.
„Bobby…"
„Versuch es nicht mal, Junge. Leg dich hin, bevor du hinfällst. Ich weck dich in 'ner Weile und dann können wir unsere nächsten Schritte planen." Seine Worte ließen keinen Platz für Widerspruch
Sam schloss für einen kurzen Moment seine Augen und stieß einen langen Seufzer aus. „Okay, gut. Aber nur für zwei Stunden, dann …"
Deans Stimme unterbrach Sam. Doch seine Worte waren weder an ihn, noch an Bobby gerichtet.
„Damnit, kannst du nich' einfach die Klappe haltn', Miststück?"
„Dean?" Sam und Bobby fuhren herum.
Deans Augen waren offen, aber ihr Blick war distanziert und unkoordiniert. Seine Augen auf etwas fixiert, das nur er sehen konnte.
Die beiden Hunter wechselten einen schnellen Blick, dann gingen sie zu Dean rüber.
„Dean?", fragte Sam erneut.
Es dauerte eine Weile, doch schließlich sah Dean ihn an.
„Hey, was ist los? Wer soll die Klappe halten, hu?" Sams Stimme war ruhig und gleichmäßig, auch wenn der Knoten in seinem Magen etwas ganz anderes sagte.
„Sammy, mach, dass sie die Klappe hält." Die Worte waren ein schwaches Nuscheln.
Sam setze sich neben seinen Bruder. „Wer, Dean?" Ein ungutes Gefühl machte sich in seinem Magen breit.
„Bitte mach, dass sie die Klappe hält." Es kam gefährlich nah an ein Flehen heran. „Sie ruft mich. Wieder un' wieder."
Sam sah zu Bobby, der seinen besorgten Blick auf Dean gerichtet hielt.
„Dean, hör nicht auf sie. Wir werden was finden. Es wird alles wieder gut." Sam presste seinen Handrücken leicht gegen Deans Stirn. Ein besorgtes Stirnrunzeln erschien auf seinem Gesicht.
„Verdammt. Ich denke dein Fieber steigt wieder."
Dean schien seinen Bruder gar nicht gehört zu haben. Sein Blick distanziert und weit weg.
„Dean." Sam schüttelte ihn leicht.
Der ältere Winchester blinzelte müde. Ein Stöhnen entrann ihm, als die Bewegung neue Schmerzen in seinem verletzen Arm erweckte.
„Hey, hörst du mich?" Sam fiel es immer schwerer seine Stimme ruhig und unter Kontrolle zu halten.
„Kann sie nich' Ausblenden. Sie 's so laut." Deans Augen fielen wieder zu, doch er riss sie wieder auf. Er griff nach Sams Handgelenk. Der Griff schwach, aber trotzdem überraschend fest.
„Geh' nich', 'kay?"
„Werd ich nicht, das weißt du. Halt durch, okay?!" Sam drückte seinen Arm versichernd.
Deans Augen blieben schließlich geschlossen und sein Griff um Sams Handgelenk herum wurde schlaff.
Sam schluckte hart an dem Kloß in seinem Hals vorbei. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter.
„Wir finden was, also keine Sorge. Schlaf etwas während ich noch mehr recherchiere."
„Bobby, wir müssen uns…"
„Junge, das war kein Vorschlag. Ich denke nicht, dass wir die Familien brauchen, um ein Muster zu bekommen, wie dieser Scheiß wirkt. Und wenn du deinen Bruder beschützen willst, solltest du zum Teufel noch mal etwas Kraft zurück bekommen. Und das beinhaltet auch Schlafen.", sagte der ältere Hunter fest. Sein Blick schweifte zurück zu Deans verletzen Arm.
Eine leichte Welle von Übelkeit überkam ihn. Die dunkelroten, fast purpurnen Striemen hatten fast seine Schulter erreicht und verschwanden unter dem Stoff des T-shirts. Neue Striemen begannen langsam hinunter zu seinem Handgelenk zu kriechen. Die Wunde nässte immer noch und ein stetig wachsender feuchter Fleck entstand auf dem Verband.
Sam rieb seinen Nasenrücken mit Daumen und Zeigefinger.
„Du bist schlimmer als Dean.", murmelte er leise, während er aufstand und zum anderen Bett ging.
„Was war das?", fragte Bobby, der ein Schmunzeln nicht ganz verbergen konnte.
„Zwei Stunden, Bobby. Und weck mich, wenn sich etwas…"
„Ja, ja, ich weiß. Jetzt Schlaf.", unterbrach Bobby ihn.
Es dauerte nicht lange, bis Erschöpfung und Schlafmangel die Oberhand gewannen und Sam einschlief.
______
Es schien, als ob er nur Minuten geschlafen hatte, als Bobby ihn schließlich wieder weckte.
Sam setzte sich langsam auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen.
„Hast du was gefunden?" Er sah zu Bobby auf, seine Sicht immer noch verschwommen vom Schlafen.
„Nicht wirklich. Ich denke im Vergleich zu anderen Giften wirkt dieses hier relativ langsam. Vielleicht können wir ein paar Kräuter, oder einen Spruch, oder irgendwie so was finden."
Nicht wirklich das, was Sam hören wollte, aber immerhin besser als gar nichts.
„Irgendeine Veränderung?" Sam sah zu Dean rüber, der tief vergraben unter der Bettdecke lag und trotzdem noch leicht zitterte.
Der ältere Hunter schüttelte nur seinen Kopf. „Fieber ist hoch auf 39.9°C. Ich denke ihr Einfluss auf ihn wird stärker. Wenn's okay ist, würd' ich jetzt gehn' und mit den Familien reden."
Sam rieb sich ein letztes Mal über die Augen, dann stand er auf und streckte sich.
„Nein, ist okay. Vielleicht…" Sam hörte abrupt auf zu Sprechen und lauschte. „Hast du das gehört?" Adrenalin begann durch seinen Körper zu rauschen.
„Was hören?", fragte Bobby, seine Sinne sofort geschärft.
Da war es wieder – ein kratzendes Geräusch draußen vor ihrer Tür.
Bobby runzelte die Stirn. Er brauchte zwei große Schritte um das Fenster zu erreichen und nach draußen auf den verlassenen Parkplatz zu spähen.
Das Licht des Nachmittags war grau und dämmrig und es regnete noch immer.
Nichts schien da draußen zu sein. Aber das musste ja nicht unbedingt was heißen.
Sam stand bereits mit der Waffe in der Hand an der Tür und wartete darauf, dass Bobby etwas sagte.
„Silberkugeln?", fragte der ältere Hunter und griff nach seiner eigenen Waffe.
Sam nickte und öffnete vorsichtig die Tür.
Sie traten hinaus auf den fast leeren Parkplatz.
Bobby ließ seinen Blick genauer über die parkenden Autos schweifen, doch nichts schien sich hier irgendwo versteckt zu haben.
Regen durchnässte den Stoff von Sams Shirt. Das Gefühl der Kälte sandte einen Schauer über seinen Rücken.
„Verflucht, wir werden noch Paranoid." Bobby suchte immer noch die Umgebung mit seinen Augen ab. Die Waffe sicher außerhalb des Sichtfelds verstaut, aber immer noch nah genug um sie leicht greifen zu können.
Sam seufzte innerlich, erleichtert, die Lamia hier draußen nicht wartend und angriffsbereit vorzufinden.
„Naja, Vorsicht ist besser als Nachsicht.", murmelte er und steckte die Waffe zurück in den Hosenbund seiner Jeans. Seine Augen wanderten immer noch über den Parkplatz.
„Richtig. Komm, lass uns wieder reingehen, bevor wir komplett durchnässt sind." Bobby drehte sich um, nur um im selben Moment abrupt inne zu halten.
„Dean?", er klang überrascht.
Sam drehte sich ebenfalls zur Tür um und sah seinen Bruder, der schwer und zitternd am Türrahmen lehnte.
Sam fühlte sich, als ob er gerade ein Déjà vu-Erlebnis hatte. Der Anblick der gleiche wie ein paar Stunden zuvor.
„Dean, was machst du hier draußen?"
„Hey, denk nich' ich lass euch drei allein auf einen Hunt gehn'." Dean sah ernst aus, aber sein Zähneklappern strafte seine Entschlossenheit Lügen.
Bobby und Sam wechselten einen kurzen Blick, bevor sie sich wieder auf Dean konzentrierten.
„Wir drei?", fragte Bobby vorsichtig.
„Dean?" Sam runzelte besorgt die Stirn.
Dean sah beide Hunter mit einem komischen Ausdruck an.
„Dad. Wo ist er eigentlich?"
Es war dann, dass Sam die glasigen, auf keinen wirklichen Punkt konzentrierten Augen und die Schweißbäche auf Deans Stirn und Schläfen sah. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte, doch Gott sei dank bewahrte Bobby ihn vor einer Antwort.
„Dein Daddy ist in die Stadt gefahren, um einige Dinge für den Hunt zu besorgen."
Dean schien die Antwort zu genügen, doch er behielt nach wie vor seine lehnende Position im Türrahmen.
„Warum gehst du nicht wieder zurück ins Bett? Du bist immer noch krank und Dad wird in der nächsten Stunde nicht zurück sein." Sam klang ruhig. Er versuchte die Angst und Panik zu ignorieren, die sich langsam in seiner Brust ausbreiteten.
„Keine Sorge, Sammy. 's gar nix weiter. Mir geht's gut." Die Worte nicht mehr als ein kraftloses Hauchen.
Es war eine Lüge, denn Sam konnte sehen, wie Dean unsicher auf seinen Füßen, wie ein Blatt im Wind hin und her schwankte.
Er fing Dean, bevor dessen Knie ganz nachgeben konnten und er eine innige Begegnung mit dem Asphalt haben konnte.
Die enorme Wärme, die von ihm ausging ließ sämtliche Alarmglocken in Sams Kopf schrillen.
„Scheiße, Bobby, hilf mir, ihn wieder rein zu bringen."
Zusammen schleiften sie den bewusstlosen Winchester zurück ins Zimmer und zum Bett, das am dichtesten an der Tür war.
Dean rührte sich dabei nicht ein einziges Mal.
„Verdammt, der Junge ist heiß." Bobby löste seine Hand von Deans Hals. Der schnelle Puls unter seinen Fingern gefiel ihm ganz und gar nicht.
Sam griff das Thermometer vom Nachttisch. Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Seine Befürchtungen wurden nur Sekunden später bestätigt, als das Piepsen ihn zusammenzucken ließ.
„Fuck, Bobby, 40.1°C ." Er wusste, dass seine Panik offensichtlich war, doch das kümmerte ihn jetzt herzlich wenig. Das hier war gefährlich hoch.
„Was jetzt? Krankenhaus?"
„Nicht, wenn wir es vermeiden können. Sie würden das Gift in seinem Körper finden und ich denke nicht, dass ihnen etwas Sinnvolles einfallen wird, außer einer Menge lästiger Fragen."
Sam gefiel es ganz und gar nicht, aber Bobby hatte recht.
„Was dann?" Sein Blick wanderte zwischen Bobby und Deans stiller und zitternder Gestalt hin und her.
„Eisbad.", sagte der ältere Hunter schließlich.
Sam zuckte bei diesem Gedanken zusammen, nickte jedoch schließlich.
Bobby verschwand im Badezimmer und Sekunden später konnte Sam das Geräusch von fließendem Wasser hören.
„Sorry.", murmelte er, während er Dean das verschwitze T-shirt auszog, was ihn nur noch in seinen Boxershorts zurück ließ.
Bobby kam ein paar Momente später aus dem Badezimmer, die Sorge war ihm immer noch deutlich im Gesicht anzusehen.
„Wanne ist fertig. Brauchst du Hilfe?"
Sam dachte einen Augenblick darüber nach, schüttelte dann aber nur den Kopf.
„Nein, ist schon okay."
„Ruf, wenn du mich brauchst."
Sam nickte, bevor er Dean in seine Arme hob.
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Deans Rücken bog sich und er zitterte heftig. Sams Griff um Deans Schultern herum wurde noch fester. Er versuchte, seinen Bruder so gut es ging ruhig zu halten.
„Dean, beruhig dich. Ich weiß, das ist scheiße, aber wir müssen dein Fieber runter kriegen.", sagte Sam sanft, auch wenn der verzweifelte Ton in seiner Stimme immer noch deutlich zu hören war.
Dean schien Sams Worte nicht einmal gehört zu haben. Immer noch versuchte er, sich einen Weg aus dem Armen seines Bruders zu kämpfen. Seine Hände kletterten über den Rand der Wanne, versuchten sich aus dieser Hölle zu befreien.
„mnnnneeeeiiin. Tut…weh. Lass m-mich g-gehn'. 's zu k-kalt." Glasige Augen schweiften durch den ganzen Raum, ohne jedoch etwas zu sehen. Sein vom Fieber vernebelter Verstand konnte nicht begreifen, was hier vor sich ging.
„Ich weiß, es tut weh, aber es wird bald vorbei sein, ich versprech's." Der Kloß in Sams Hals machte das Atmen schwierig. Kurz wunderte er sich, wo Bobby wohl hin war, doch die schwachen Bewegungen seines Bruders brachten ihn wieder zurück ins hier und jetzt.
Dean wehrte sich noch immer schwach gegen Sams festen Griff, der ihn in dem lauwarmen Wasser festhielt.
„Nein.", keuchte er. Seine Stimme nicht mehr als ein, durch das immer noch anhaltende Zittern, unsicheres Hauchen.
„T-tut weh. Sam. Sammy!" Dean schrie beinahe und begann wieder sich gegen Sams Griff zu wehren.
Er rief nach ihm – rief ihn um Hilfe. Sam schluckte schwer. Himmel, konnte diese ganze, gottverdammte Sache nicht einfach jetzt vorbei sein? Keine beschissene Lamia, kein beschissener Deal – nur Normalität. Gut, oder zumindest so normal, wie es für einen Winchester sein konnte.
„Dean, ich bin hier. Beruhig dich! Es wird alles wieder gut." Sam zwang sich, seine Stimme sanft und gleichmäßig klingen zu lassen. Er verstärkte seinen Griff noch ein kleines bisschen mehr. Haarspitzen streiften seinen Hals. Er fühlte das verräterische brennen in seinen Augen. Auf keinen Fall würde er jetzt anfangen zu weinen. Auf so gar keinen Fall!
Deans Kampf wurde schwächer.
„Sammy, b-bitte mach das 's a-aufhört.", flüsterte Dean gebrochen. Ein heftiges Zittern lief durch seinen ganzen Körper. Schließlich war jeglicher Widerstand verschwunden und er sackte zurück gegen den Wannenrand und in die Arme seines Bruders.
Sam brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass Dean wieder das Bewusstsein verloren hatte.
„Es wird alles wieder gut.", sagte er leise und schloss seine Augen für einen flüchtigen Moment. Seine Stirn war gegen Deans Hinterkopf gelehnt. Sein Herz schlug immer noch zu schnell und schmerzhaft in seiner Brust.
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Zehn qualvoll lange Minuten später hievte Sam einen immer noch bewusstlosen Dean aus der Wanne.
Seine Temperatur war zurück auf 38.9°C gesunken. Nicht wirklich das, was Sam sehen wollte, doch immerhin wesentlich besser als vorher.
Als er Dean schließlich zurück ins Bett gebracht hatte, sah er, wie Bobby sein Handy zuklappte und zu ihm herüber kam.
„Das Fieber ist etwas gesunken.", informierte Sam ihn, während er den durchweichten Verband von Deans Arm löste. Der Knoten in seinem Magen zog sich noch enger zusammen, als er die zwei hochroten und geschwollenen Bisswunden sah. Eiter sickerte immer noch aus ihnen.
Schweigend reichte Bobby ihm die Dinge, die er zum Reinigen der Wunde brauchen würde.
„Gut. Ich hab ein paar Freunde von mir angerufen – Hunter. Sie halten Augen und Ohren offen, für jegliche Informationen über diese Lamia."
„Denkst du, dass sie etwas finden werden?" Sam sah nicht von seiner Arbeit auf, doch Bobby wusste auch so, dass Verzweiflung in seinen Augen lag.
„Ich hoffe. Sam, die Befragungen …", begann er langsam.
„Ist schon okay – geh. Wir kommen hier schon klar. Und wir brauchen die Infos." Sam sah schließlich zu Bobby auf. Es war offensichtlich, dass er nicht gehen wollte. Ein schwaches Grinsen zuckte um Sams Mundwinkel.
„Okay, aber ruf mich an, sobald sich etwas ändert."
„Mach ich. Und bitte pass auf dich auf."
„Dein Bruder hatte recht, mit deinem ‚zur-Glucke-mutieren'." Bobby grinste und griff nach den Zetteln mit den Namen und den Autoschlüsseln.
„Leck mich." Sams eigenes Grinsen war angespannt.
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Eine halbe Stunde später saß Sam wieder vor seinem Laptop, völlig vertieft in seine Recherche. Seine Frustration wuchs mit jedem unnützen Link, von denen das Internet leider mehr als überfüllt war.
Er seufzte schwer und fuhr sich mit einer Hand durch sein wirres Haar.
Er fragte sich, ob Bobby wohl mehr Glück bei der Befragung der Familien der Opfer hatte.
Aus dem Augenwinkel heraus nahm er eine Bewegung wahr. Dean setzte sich langsam im Bett auf.
„Dean, hey." Sam stand von seinem Stuhl auf.
Doch Dean schien ihn völlig zu ignorieren. Langsam stand er vom Bett auf und drehte sich in Richtung Tür.
Angst breitete sich erneut in Sams Inneren aus. Oh Gott, bitte nicht noch einmal.
„Was zum Teufel – Dean!" Sam trat vor seinen Bruder. „Was tust du?"
Ganz langsam fixierten sich Deans Augen auf Sam. Der Blick in ihnen distanziert und glasig.
Der jüngere Winchester zuckte leicht zusammen, als er das Blut sah, dass langsam aus Deans Nase tropfte.
„Geh mir aus'em Weg, Sam." Die Stimme war emotionslos.
„Was- was zum Geier hast du vor?" Eine schlimme Vorahnung wuchs in Sams Magen.
„Zu ihr gehn'." Dean versuchte sich an seinem Bruder vorbeizudrücken, aber Sam hielt ihn zurück.
„Du willst was? Komm schon, Mann, das kann doch nicht dein Ernst sein. Das ist eine Falle und das weißt du."
Dean versuchte immer noch, sich einen Weg zur Tür zu erkämpfen.
„Sam, ich warne dich, lass mich gehn'!" Der warnende Ton in seiner Stimme war mehr als deutlich.
„Dean, damnit, wehr dich dagegen." Sam schüttelte seinen Bruder leicht.
Er rechnete weder mit Deans Faust, die mit seinem Gesicht kollidierte, noch mit der überraschenden Kraft die hinter dem Schlag steckte.
Sam stolperte ein paar Schritte zurück, Sterne tanzten vor seinen Augen. Er konnte Kupfer schmecken.
Okay, das war so was von nicht gut! Wie konnte Dean plötzlich so stark sein?
Bevor er sich noch von dem ersten Schlag erholen konnte, griff Dean schon wieder an.
„Ich hab dir gesagt, dass du dich da raushalten sollst. Sie ruft mich, sagt, dass ich zu ihr kommen soll."
„Dean…", stieß Sam hervor. Er blinzelte heftig um sein verschwommenes Blickfeld zu klären.
Mit einer Kraft, die Dean in diesem Augenblick nicht haben dürfte knallte er Sams Stirn gegen die Wand neben der Tür.
Sam sackte leblos in sich zusammen, Blut lief von einem Schnitt über seiner Augenbraue.
Ohne einen Blick zurück trat Dean über die bewusstlose Gestalt seines Bruders und verschwand durch die Tür hinaus in den strömenden Regen.
TBC….
