In der nächsten Woche herrschte zwischen Peter und Remus Eiseskälte. Sirius und James verstanden nicht, weshalb sich ihre beiden Freunde so merkwürdig verhielten, wollten aber auch nicht mehr darüber wissen, als sie ihnen immer auswichen. Immerhin hatten sie besseres zu tun. So verbrachte James die folgenden Tage öfters mit Lily, auch wenn sich beide noch nicht sicher waren, was jetzt denn genau zwischen ihnen lief oder eben nicht lief. Sirius hingegen war oft bei Amina anzutreffen. Er musste sich eingestehen, dass er sie langsam richtig gerne mochte, wenn er mal von ihrem zeitweise wirklich riesigen Plappermaul absah.
Bis auf einpaar wenige für
einige eher komische für andere eher nervige Zwischenfälle,
die auf James und Sirius Kappe zurückzuführen waren, war
diese Woche nicht wirklich viel los in Hogwarts. Der alltägliche
Schulstress und die Hausaufgaben hatte sie wiedergefunden und so
blieb sogar ihnen als Sechstklässler gerade nicht all zu viel
Zeit für Freizeit.
Gerade war das Mittagessen vorbei und der
doch sehr triste und graue Sonntag lockte kaum jemanden nach
draussen. Nur Hagrid sah man über die Ländereien streifen,
ein dicken, sich windenden Beutel geschultert.
„Und er hat
das Quidditchtraining wirklich nicht abgesagt?", fragte Sirius
James und rollte etwas mit den Augen.
„Nein... Das ist ihm
eigentlich egal, ob es nun Katzen hageln würde, wir würden
trotzdem trainieren. Aber ich hoffe mal, dass er es irgendwann
abbricht, man sieht ja sowieso kaum etwas im Moment, so grau wie es
draussen ist. Und du? Heute wieder bei Amina?", grinste
James.
„Also am Nachmittag nicht, da muss ich noch mal in die
Bibliothek und etwas nachschlagen, aber am Abend bestimmt",
antwortete Sirius und stieg dann als erster durchs Portraitloch,
hinein in den Gryffindorgemeinschaftsraum.
Remus schrieb
gerade mit Lily an einem Aufsatz für Verwandlung, als seine
beiden Freunde herein kamen. Sie hatten ihn quasi als „Besonderes
Wochenendgeschenk" von Professor McGonagall aufgedrückt
bekommen und wie sich herausstellte, war es eine mühsamere
Arbeit als sie anfänglich gedacht hatten.
„Na ihr
beiden?", sagte James und setzte sich auf einen freien Stuhl neben
Lily. Diese errötete leicht, wie immer, wenn James von nun an
auch nur einen Schritt in ihre Nähe machte.
„Frag bloß
nicht", stöhnte Remus und zauberte gerade den letzten Absatz
des Aufsatzes wieder ins Nirgendwo, da er hinten und vorne nicht
stimmte.
„Ihr habt euch aber auch gerade das blödeste Thema
abgegriffen... Ich bin froh hatte ich eins, dass sich ruckzuck hatte
schreiben lassen und Alicia als Partner", grinste James und zog das
Pergament von Lily etwas zu sich hin, um zu lesen, was sie bis jetzt
schon zu Stande gebracht hatten.
„Ich bin dann mal in der
Bibliothek, ich muss für unseren Aufsatz auch noch was nach
schauen", versicherte Sirius und zog, nachdem er sich oben kurz
seine Tasche mit den Büchern geholt hatte, wieder Richtung
Bibliothek ab.
„Mit wem hats ihn denn getroffen beim Aufsatz
schreiben?", fragte Lily, während James noch immer ihren
Aufsatz durchsah.
„Ihn hats mit Peter zusammen getroffen",
sagte Remus, während er den Absatz nun neu zu schreiben begann,
„Was also heisst, dass die Arbeit an ihm kleben bleibt, wenn er
eine einigermassen anständige Note dafür haben will."
„Ach
so...", Lily hatte vermutet, dass Sirius' Bibliothek-Ausrede nur
wieder ein weiterer Vorwand war, um sich mit Alicia zu treffen, aber
nun wo sie wusste, dass er seinen Aufsatz mit Peter zusammen
schreiben musste, konnte sie verstehen, dass er lieber alleine und
selber die wichtigsten Dinge recherchiert.
„Ja, ich wette,
Peter sitzt schon seit 3 Stunden in der Bibliothek und ist noch
keinen Schritt weiter", grinste James.
„Ja, da wette ich sogar
mit", lachte Remus und lehnte sich kurz in seinem Stuhl zurück,
seine Hand brauchte dringend eine kleine Schreibpause.
„Hey,
habt ihr nicht Lust, nachher zu meinem Quidditchtraining zu kommen?",
fragte James.
„Bei dem Wetter?", Lily legte ihre Stirn etwas
in Falten und schaute aus dem Fenster.
„Klar, wieso nicht? Ihr
seid ja auf der Tribüne, da werdet ihr nicht nass, wenn es
anfangen sollte zu regnen", sagte James hoffnungsvoll.
„Wieso
eigentlich nicht?", warf Remus dann ein, „wir könnten eine
Pause mal ganz gut gebrauchen, oder?"
„Na schön, aber
nur, wenn wir jetzt noch diesen Teil fertig kriegen. Ich hab keine
Lust heute bis in die Nacht an diesem Aufsatz zu sitzen", lenkte
Lily ein.
Sirius war gerade dabei, um die letzte Ecke
zu biegen, die zur Bibliothek führte, als er mit einem Mädchen
zusammen stiess.
„Hey", strahlte sie ihn an.
„Oh Hallo",
grinste er zurück und küsste sie dann kurz, „auch noch am
Aufsatz schreiben?"
„Ja, aber wir sind jetzt fertig geworden",
strahlte Amina zu ihm hoch.
„Ich muss noch ein paar Dinge
nachschlagen. Wir sind leider noch gar nicht wirklich weit. Was
heisst wir? Ich...", seufzte Sirius.
„Ohje, ja dein Partner
ist nicht wirklich gerade der... Fleißigste..."
„Ach,
was soll's", sagte er und küsste sie dann noch einmal,
diesmal länger. Amina stieg natürlich sofort darauf ein,
machte es ihr ja nichts aus, mit Sirius in aller Öffentlichkeit
herumzuknutschen.
„Hast du nicht Lust, mir Gesellschaft zu
leisten?", fragte Sirius nach einer Weile.
„Klar, wieso
nicht?"
Nachdem Amina und Sirius die meiste Zeit in der
hintersten Ecke der Bibliothek geknutscht hatten, zogen sie es vor,
sich ein etwas ruhigeres Plätzchen zu suchen. Doch da standen
sie wieder vor dem altbekannten Problem. Sirius' Schlafsaal war mit
Garantie besetzt und bei Amina kam er nicht rein.
„Und du weißt
wirklich nicht, wo wir noch hin könnten?", flüsterte
Amina Sirius leise ins Ohr und begann darauf zärtlich, seinen
Hals zu küssen.
„Hmm", seufzte Sirius und langsam begann
er sein Hirn auszuschalten und mit ganz anderen Körperstellen zu
denken.
„Hmm?", hauchte sie und küsste ihn weiter
verführerisch.
„Vielleicht... wüsste ich da eine...",
sagte er leise und nahm ihre Hand, „aber, du darfst keinem
erzählen, dass du mit mir da warst ok?"
„Ok", kicherte
Amina leise und folge ihm hinunter in die Eingangs Halle und von
dort, weiter hinab, in die Keller von Hogwarts.
Unten
angekommen, gingen sie zweimal links um die Ecke und bogen so in
einen langen, schmalen Gang ein, welchem sie folgten, bis sie zu
einer Tür kamen.
Sirius stiess die Tür auf und vor
Aminas Augen erstreckte sich ein kleiner, aber sehr gemütlich
zurecht gemachter Raum. Viele Kissen und Decken lagen auf dem Boden,
Kerzen standen daneben und einige Flaschen mit Getränken, voll
oder schon ausgetrunken, standen daneben auf dem Boden.
„Wo sind
wir?", fragte Amina leise und schaute sich um.
„Das ist
egal...", antwortete Sirius leise, stiess mit dem linken Fuss die
Türe zu und packte Amina um die Hüften, senkte seinen Kopf
und begann sie innig zu küssen.
Nach einer Weile, dirigierte
er sie langsam zu den Kissen, und schob ihr ihre Jacke von den
Schultern, während sie anfing, seine Krawatte zu lösen und
die ersten Knöpfe seines Hemdes zu öffnen.
Remus
und Lily warteten am Rand des Quidditchfeldes gerade auf James, der
noch kurz in der Umkleidekabine war. Es war schon langsam etwas
dunkel, als James endlich, frisch geduscht, zu ihnen kam.
„Und
hab ich gut gespielt?", grinste James selbstsicher, schulterte
seinen Besen und machte sich mit den beiden auf Richtung
Schloss.
„Wenn ich jetzt nein sage, dann würdest du sowieso
so lange behaupten, dass du toll gewesen wärst, bis ich ja
sage", lachte Lily und fand insgeheim natürlich schon, dass
James wirklich gut gespielt hatte, das konnte sie nicht leugnen. Es
gefiel ihr immer besser, ihm dabei zuzusehen, wie er diese vielen
Schnörkel und Bögen flog, da hoch oben in der Luft. Auch
wenn ihr oftmals der Atem stockte, wenn er zu einem seiner
halsbrecherischen Manöver ansetzte.
„Schon gut Evans...",
James schüttelte belustigt den Kopf.
„Nenn mich nicht immer
Evans, Potter", mahnte Lily ihn.
„Ach gewöhn dich dran,
er nennt alle beim Nachnamen oder du kriegst einen tollen Spitznamen,
wie Moony oder Tatze", mischte sich nun Remus in das Gespräch
ein.
„Oh, dann bleibe ich wohl doch besser bei Evans", sagte
Lily vergnügt, „obwohl es mich doch interessieren würde,
was für einen Namen ich bei euch hätte!"
„Das kann
ich so gar nicht sagen, das hängt von ... von vielen Kriterien
ab, weißt du", zwinkerte James.
„So und was für
Kriterien muss ich erfüllen um an einen solch exklusiven Namen
zu kommen?" feixte Lily.
„Wenn ich dir das verraten würde,
wäre es ja nicht mehr exklusiv, oder Moony?"
„Ja, da muss
ich Krone zustimmen", grinste Remus und stand nun mit den beiden
schon beinahe vor der grossen Eingangstüre zum Schloss.
Links
neben dem Eingang, stand eine Gruppe Slytherins. Aus ihrem Jahrgang,
tuschelnd und lachend. Immer wieder nickte einer mit dem Kopf rüber
zu Lily und dabei fielen ihm sein strähniges Jahr ins
Gesicht.
„Oh nein nicht die schon wieder", seufzte Lily leise
und auch wenn sie es sich mittlerweile gewohnt war, als Schlammblut
oder als sonstiges in die Richtung beschimpft zu werden, ging sie
ihnen doch lieber aus dem Weg.
„Die sollen nur ein dummes Wort
zu dir sagen...", sagte James bissig und hatte die Hand schon um
seinen Zauberstab gelegt.
„James... lass uns einfach reingehen
ok?", sagte Remus nun und stand schon in der Mitte der Treppe und
winkte die beiden zu sich hoch.
„Ja komm", sagte Lily und
nahm seine Hand, automatisch, und ging hinauf zu Remus.
„Na
schau einer an, der grosse James Potter und das Schlammblut",
lachte Snape und rollte mit den Augen zu seinen
Freunden.
„Eifersüchtig?", knurrte James und blieb
augenblicklich stehen, „und nenn sie nicht noch einmal Schlammblut,
oder willst du wieder in der Luftbaumeln, Schniefelus?"
„James...",
seufzte Lily und wollte das er mit kam, sie hatte keine Lust, wieder
einmal einer Auseinandersetzung der beiden beizuwohnen.
„Uuuhuuu
beschützt das kleine Schlammblut, den kleinen James? Hmm? Sie
sieht wohl deiner Mami ähnlich..."
Das war dann genug für
James' Nerven. Er konnte es nicht ertragen, dass Snape seine Lily
immer weiter beleidigte und dass er ihn beleidigte war dann einfach
nur noch das Tüpfelchen auf dem I.
James erhob seinen
Zauberstab und schossen 2 Lila Flammen an Snapes Kopf vorbei,
haarscharf hatten sie ihn verfehlt.
„Das wirst du mir büßen
Potter", keifte Severus zurück und hatte in windeseile seinen
Zauberstab gegen seinen Kontrahenten gerichtet.
„Ex...",
brachte James nur noch über seine Lippen, da hatte ihn schon ein
Fluch von Snape erfasst und unsanft von den Beinen gerissen. Sein
Rücken schmerzte und er tastete nach seinem
Zauberstab.
"Vielleicht, sollten wir das Spielchen etwas...
sagen wir... interessanter gestalten?", grinste Snape in die
Richtung der Slytherins hinter sich und wendete seinen Zauberstab von
James ab und Lily zu.
„Wag es ja nicht", schrie James und
hatte nun seinen Zauberstab wieder in der Hand und ihn auf Snape
gerichtet.
„Dir liegt also soviel an diesem Schlammblut,
Potter?", und kaum hatte er die Worte gesprochen riss ihn ein Fluch
unsanft von den Füssen und er merkte, wie Blut aus einer Nase
tropfte.
„James!", fauchte Lily, „jetzt hör endlich
auf verdammt noch mal!" Sie packte ihn am Arm und zog ihn zu sich
und Remus, der seinen Zauberstab jedoch auch schon griffbereit in der
Tasche umklammerte.
„Hast du sie noch alle? Willst du wegen
Snape von der Schule fliegen oder was?", herrschte sie ihn weiter
an, während sie durch die grosse Halle gingen. Hinter sich
hörten sie nur noch den tobenden Snape der gemeinsam mit seiner
Bande Rache gegen das Schlammblut und den arroganten Potter
schworen.
„Ich habe mich nur für dich eingesetzt, was bitte
war daran jetzt schon wieder nicht richtig!", knurrte James und
konnte nicht verstehen, was sie an einem Verhalten denn nun schon
wieder auszusetzen hatte.
„Was nicht richtig war! WAS nicht
RICHTIG war!", kreischte sie beinahe und lief rot an, „Du weißt
genau, wie blöd ich es finde, wenn du andere verfluchst! Dann
bekommst du nur ärger! Wehr dich doch einmal mit deiner
Intelligenz!"
„Aber er hat dich BELEIDIGT. Er hat dich
Schlammblut genannt. Ist dir das etwa so egal?"
"Nein, das
ist mir sicher nicht egal, wenn er mich so nennt, aber es ist
trotzdem noch lange kein Grund wieder ins Mittelalter
zurückzuverfallen und meine Ehre mit einem idiotischen Fluch
retten zu wollen!", entgegnete ihm Lily.
„Aha... so ist das
also... Wenn ich dir helfe findest du das idiotisch! Gut zu wissen...
Das nächste mal lasse ich es einfach zu, dass sie dich weiter
beleidigen... prima... Schön dass ich jetzt weiss was du von mir
hälst!"
Remus war nun dezent schon einige Stufen vor ihnen
und wollte bei dieser Streiterei nun wirklich nicht mehr weiter dabei
sein. Fand er das Verhalten beider gerade einfach nur peinlich.
„Ich
habe gesagt, dein FLUCH war idiotisch... nicht dass du ein Idiot
bist... Aber so wie du dich gerade aufführst, könnte man
wirklich meinen, dass du einer bist! Und ich dachte du hättest
deine Kindskopfphase so langsam hinter dir!", machte Lily
weiter.
„Meine Was! Du solltest mich langsam wirklich etwas
besser kennen... Aber gut, wenn du mir wenigstens sagst, dass du mich
für einen Idioten hälst, bevor ich noch einmal mit dir
Knutsche."
„Ich bereue es jetzt schon, dass ich es getan
habe!" , sagte Lily aber bereute eher gerade die Worte die ihr
unüberlegt über die Lippen geschossen waren.
„Du tust
was?", sagte James erst leise wurde dann aber schlagartig wieder
lauter, als er sich etwas gefasst hatte, „Gut, jetzt weiss ich es
wenigstens... Und muss dir nicht mehr nachrennen wie ein Gestörter!
Hättest es mir wenigstens früher sagen können, anstatt
solche Spielchen zu spielen! Ist doch echt zum Kotzen...", er
drehte sich um und ging die Treppe hinauf.
„James, warte!",
sagte Lily und es tat ihr leid, sie hätte sich gerne
entschuldigt.
„Vergiss es Evans... Lass dich lieber noch
einwenig beschimpfen, aber der Idiot geht jetzt!", er beschleunigte
seinen Schritt und eilte hinauf in den Gryffindorturm, direkt in
seinen Schlafsaal.
Lily stand immer noch auf der Treppe und
schaute ihm nach. Sie wusste nicht, ob sie hoch gehen und noch mal
versuchen sollte, mit ihm zu reden. Sie schlüpfte durchs
Portraitloch und ging dann aber hinauf in ihren Schlafsaal, in der
Hoffnung, Alicia da zu finden, welche den Nachmittag mit ihrem
Aufsatzpartner, ein anderer Gryffindor Junge aus ihrem Jahrgang, in
einem leeren Klassenzimmer verbracht hatte, um ihren Aufsatz fertig
zu stellen.
Lily musste jedoch feststellen, dass Alicia weder in
ihrem Zimmer war, noch in einem der näheren
Klassenzimmer.
Alicia war gerade fertig geworden mit
ihrem Aufsatz, hatte die Bücher zurück in ihre Tasche
gesteckt und war auf dem Weg zu ihrer Verabredung mit Sirius. Wie so
oft in der vergangenen Zeit hatten sich die beiden wieder in ihrem
kleinen Zimmerchen unten im Keller verabredet um einfach ein paar
Stunden zusammen zu sein. Irgendwie war es für Alicia
mittlerweile wie zum „Highlight" der Woche geworden, wenn sie
sich sahen und ungezwungen über alles mögliche redeten und
dabei assen, tranken und Musik hörten.
Sie musste auch
zugeben, dass in letzter Zeit die Gedanken an Sirius immer häufiger
wurden und sie sich oft dabei ertappte, wie sie in Tagträumen,
während besonders langweiligen Unterrichtsstunden, davon
träumte, in Sirius Armen zu liegen...
Sie bog um die
letzte Ecke im Keller und stand dann, binnen kurzer Zeit vor der
Türe. Sie drückte die Klinke und liess die Türe
aufschwingen, als sie etwas sah, dass ihr beinahe das Herz in Stücke
reissen wollte.
Sirius und Amina lagen nackt in mitten der vielen
Kissen. Sirius war über Amina gebeugt und küsste gerade
sanft ihren Hals.
„Das war ... Wahnsinn", flüsterte Amina
leise in Sirius Ohr.
„Mhm", erwiderte er und sah sehr
befriedigt aus.
„Ich... ich liebe dich", hauchte Amina leise
und sah Sirius erwartungsvoll an.
„Ich dich auch", kam es nach
einigem zögern über seine Lippen. Auch wenn er es nicht so
meinte, so erschien es ihm in diesem Moment richtig, das gesagt zu
haben. Immerhin hatte er bekommen, was er wollte, also wollte er ihr
auch geben, was sie wollte.
Alicia stand ungläubig in der Tür
und musste sich zwingen wieder zu gehen. Sie war gerade wie
angewurzelt. Ihr Magen war zentnerschwer geworden und ihre Eingeweide
verkrampften sich. Sie drehte sich um, knallte die Tür zu und
verschwand.
Sirius schreckte hoch, als die Tür mit einem
gewaltigen Knall in die Angel flog und er wusste genau, wer das
gewesen sein musste, denn ausser ihm und jetzt Amina, kannte nur noch
eine Person den Weg zu diesem Zimmer (Ausser es wäre ein Lehrer
oder Filch gewesen, aber dann hätte es ein Donnerwetter gehagelt
und kein Türknallen).
„Scheisse", murmelte er leise und
ging von Amina hinunter, kramte nach seinen Shorts und seiner
Hose.
Amina, welche vom Türknallen ebenfalls zusammengezuckt
war, schaut ihn fragend an: „War das einer deiner Freunde?"
„Mhm",
murmelte er und dachte sich, dass das Wort Freunde wohl jetzt nicht
mehr wirklich aktuell sein durfte.
„Was ist denn los? Wieso
gehst du jetzt?", fragte sie enttäuscht, „ist doch egal,
dann haben sie uns halt gesehen... sie werden es überleben
oder?"
„Du weißt gar nicht, worum es geht, Amina",
sagte er beinahe kühl und so gerne er Amina auch mochte und so
schön es die letzte Stunde mit ihr auch gewesen war, in seinen
Gedanken kreiste gerade nur noch jemand und das war Alicia.
Alicia
war den Gang hinunter gestürmt und vor lauter Aufregung, war sie
rechts abgebogen und nichts links, so dass sie sich jetzt in einer
kleinen Kammer wiederfand, die mit alten Büchern vollgestellt
war.
„Scheisse", murmelte sie leise vor sich hin und kramte
nach ihrem Zauberstab und etwas genauer sehen zu können, wo sie
sich gerade befand.
Als sie ihren Zauberstab endlich gefunden
hatte, schaute sie sich um, sie war irgendwo, wo sie garantiert noch
nie gewesen war.
„Ok... wo bin ich jetzt grad herkommen?",
sagte sie leise zu sich selber und ging den Gang langsam wieder
zurück, zu der Stelle, wo sie falsch abgebogen war.
Amina
war mittlerweile aufgestanden und hatte eine Decke um ihren Körper
gewickelt: „Verdammt noch mal Sirius, du kannst mich hier doch
jetzt nicht einfach sitzen lassen!"
„Amina... ich...",
seufzte er leise und wusste nicht, wie er es ihr hätte erklären
können, ohne etwas falsches zu sagen, „also gut... zieh dich
an, dann bringe ich dich hoch ok?"
„Ok...", grummelte sie
und zog sich wieder an, „und dann? War das irgend so eine Wette,
wie schnell du mich flachlegen kannst oder was?"
„Nein, das
war es ganz sicher nicht ok? Irgendwann kann ich es dir erklären,
aber jetzt geht's einfach nicht... glaub mir einfach...", er
seufzte leise und küsste sie dann kurz,
„Also komm", er
ging hinauf mit ihr, und brachte sie wieder in die grosse Halle,
„ich... wir.. sehen uns morgen ok?"
„Ok...", seufzte sie
leise und es war, als wäre der schöne Traum, Sirius'
Freundin zu sein, mit einem Male zerplatzt.
„Hey... ich
verspreche dir, wir sehen uns morgen. Ehrlich. Ich erklär dir
das alles mal bei Gelegenheit. Das hat nichts mit dir zu tun, ganz
ehrlich", sagte er noch einmal und küsste sie so innig, dass
sie nicht mehr klar denken konnte.
„Also gut"
„Nicht
böse?", er schaute sie mit seinen treuherzigen Augen an, die
er schon sooft dazu missbraucht hatte, Frauen um seinen Finger zu
wickeln.
„Nein, ich bin nicht böse", sie musste beinahe
etwas lächeln. Immer wenn er sie so ansah, schmolz sie beinahe
wie Butter in seinen Händen.
„Dann bin ich froh", er
küsste sie noch einmal kurz „Ich bin dann noch mal unten, ich
muss schauen wer das war. Bis morgen"
„Bis Morgen!"
Sirius
stieg die Treppe wieder hinab und knallt mit Alicia zusammen, welche
gerade eilig in den selben Gang einbog, aus welchem er gerade, nicht
weniger eilig, kam.
„Hey", sagte er und packte sie am Arm,
„jetzt bleib doch stehen!"
„Lass mich los..."
„Es tut
mir leid, dass ich unsere Verabredung vergessen habe, Alicia"
„Meine
Güte... wenn das nur das einzige wäre... WENN DAS NUR DAS
EINZIGE WÄRE!", schrie sie ihn an und wusste selber nicht,
wieso sie gerade so sauer auf ihn war. Aber sie fühlte sich
betrogen, hintergangen und sie hasste es, dass er mit einer anderen
Frau geschlafen hatte. Sie wollte die Frau sein...Sie hasste Amina,
dass sie heute Nachmittag in Sirius Armen gelegen hatte.
„Ja
ok... Ich hätte Amina nicht mit runternehmen sollen... Ich
weiss.. aber... wir wussten nicht wo wir sonst hätten hingehen
sollen", sagte er leise.
„Ja klar... Dann gehst du mit ihr
dahin! DAHIN! Und... und.. mir erzählst du etwas von wegen...
ach Alicia... das habe ich hier nur für uns so gemacht... Ich
will gar nicht wissen wie viele Frauen du auf diesen Kissen
schon...",sie brach den Satz ab und schüttelte ihren Kopf,
„und jetzt lass mich verdammt noch mal los, ok?"
„Was hast
du eigentlich für ein Problem?", fragte er nun.
„Was
ich... WAS ICH für ein Problem habe!"
Sirius stöhne
innerlich. Am liebsten hätte er ihr jetzt gesagt, sie solle sich
nicht wie eine Zicke aufführen, aber er wusste, dass dies die
Situation ganz sicher nicht verbessert hätte.
„Ich sage
ja... Es tut mir leid, Alicia", seufzte Sirius und fuhr sich in die
Haare, er wusste wirklich nicht, dass er sie damit, mit einer anderen
geschlafen zu haben, so verletzt hatte. Immerhin, wollte SIE nur
immer „Freunde" mit ihm sein und nicht er mit ihr.
„Liebst
du sie wirklich?", fragte sie leise und schaut ihn mit glasigen
Augen an.
„Nein...", antwortete Sirius und schaut sie an,
„aber.. ich mag sie... also ich hab sie schon... gern... wenn.. du
das so nennen willst."
„Aber du hast ihr gesagt, dass du sie
liebst, vorhin... nachdem... nachdem ihr... du weißt schon",
Alicias Stimme war nur noch ein Flüstern, es fiel ihr schwer mit
ihm darüber zu reden, dass er eine andere wohl mehr mochte als
sie.
„Ich weiss... Aber... das war.. nur so dahin gesagt"
„Das
glaub ich dir nicht... Man sagt zu niemanden einfach so ich liebe
dich..."
„Oh glaub mir... man kann das sehr wohl einfach so zu
jemandem sagen!"
„Trotzdem", sagte sie leise, „du... du
bist in sie verliebt oder?"
„Ich denke ich bin dabei mich in
sie zu verlieben, aber... so schnell geht das bei mir nicht", es
war das erste Mal, dass er ein so offenes Gespräch über
seine Gefühle führte und es viel ihm nicht einfach.
„Ok",
kam es von ihr nur.
„Alles wieder ok?", fragte er unsicher und
hatte das Gefühl, dass grad mehr kaputt war, als dass es jemals
zwischen ihnen war.
„Alles ok"
„Wollen wir... noch also
unsere Verabredung nachholen?", er lächelte sie an und nickte
in die Richtung wo das kleine Zimmer lag.
„Nein... Ich... möchte
jetzt lieber einfach hoch... Tut mir leid...", sie entwand ihren
Arm seinem Griff und ging die Stufen hinauf und ohne auch nur einmal
nach Links oder Rechts zu sehen, hinauf in ihren Schlafsaal.
Sirius hatte ihr noch eine Weile nachgeschaut, in der Hoffnung, dass sie vielleicht noch einmal umkehren würde. Aber irgendwann hatte er es aufgegeben und war zurück in den kleinen Raum gegangen und hatte alles einwenig aufgeräumt. Danach ging er ebenfalls hoch in seinen Schlafsaal, wo ihm James erst mal seine Pleite mit Lily lang und breit erklärte. Remus hatte das Vergnügen mit einer schmollenden Lily zusammen noch den Aufsatz fertig zu stellen.
Alicia war froh, dass Lily nicht im Schlafsaal war. Sie hatte
sie kurz getroffen, als sie hochkam, da musste diese jedoch schon zu
Remus, da sie mit ihrer Hausaufgabe noch nicht ganz fertig waren.
Sie dachte über einiges nach. Über Sirius und weshalb
es ihr gerade so weh getan hatte, das alles zu sehen und zu hören.
Im Grunde, das wusste sie selber, hätte es ihr egal sein sollen,
mit wem Sirius irgendwas am laufen hat. Immerhin, war er nicht ihr
Freund und sie sowieso nur gute Freunde.
Aber sie wusste selber,
dass es nicht mehr so war. Sie wusste, dass sie Sirius mehr liebte
als Remus und sie wusste, dass sie es Remus sagen sollte, dass es
vorbei war.
