Ein Spion lebt gefährlich
(Kapitel 29)
Wieder einmal saß Severus in Dumbledores Büro. Es gab Neuigkeiten den dunklen Lord betreffend, die der Direktor unbedingt erfahren musste. Severus hörte hastige Schritte auf der Treppe und ohne sich umdrehen zu müssen, wusste er, dass Dumbledore gerade den Raum betreten hatte. Todesser-Gehör. Er konnte sämtliche Geräusche sofort nach Richtung und Art des Geräusches einordnen. Der Höflichkeit halber drehte er sich dann doch zu Dumbledore um.
"Du wolltest mich sprechen, Severus?"
"In der Tat."
Severus erhob sich, kniff jedoch kurz die Augen zusammen und stützte sich wieder auf den Stuhl auf.
Bei der letzten Mission, die wie geplant von den Auroren vereitelt wurde, hatte ihn ein Fluch ins Bein getroffen. Dumbledore hatte ihm zwar vorgeschlagen, das Bein von Poppy Pomfrey behandeln zu lassen, aber Severus nahm grundsätzlich nur einen schwachen Trank gegen die Schmerzen und ließ den Fluch von allein abklingen.
"Immer noch das Bein?", fragte Dumbledore besorgt.
"Ja.", nickte Severus. "Aber es geht schon wieder. Zieht nur bei ruckartigen Bewegungen noch etwas."
Der Direktor nickte und einander gegenüber nahmen sie am Schreibtisch Platz.
"Ich glaube die Sache kommt jetzt in die heiße Phase.", begann Severus ohne Umschweife. "Die Angriffe, die wir ausführen sollen, wählt er immer willkürlicher. Es kommt auch immer häufiger vor, dass es einfache Familien trifft, die weder mit dem Ministerium noch mit dem Hass des Lords auf Muggel irgendeinen Bezug hatten. Albus, wir müssen jetzt unbedingt etwas unternehmen!"
"Ich fürchte so einfach wird das nicht möglich sein.", seufzte Dumbledore. "Ich habe den Minister gerade soweit, dass er mir im Bezug auf den dunklen Lord und dessen Pläne vertraut, aber ich denke er ist noch nicht bereit mir und meinen Informationen solch ein Gewicht zu geben."
"Wir verlieren sonst die Kontrolle.", beharrte Severus. "Albus, bislang konnten wir viele Angriffe vereiteln und viele Familien im Voraus in Sicherheit bringen, aber das konnten wir nur, weil ich die Motivationen und Ziele des Lords relativ einschätzen konnte. Jetzt werden seine Attacken willkürlich, sie folgen keinem Muster, keinem Motiv mehr. Ich fürchte, wenn wir ihn noch länger so gewähren lassen, kann ich nur noch handfeste Informationen liefern, wenn es schon fast zu spät ist! Das Risiko dürfen wir nicht eingehen. Wir gefährden damit eine ganze Gesellschaft!"
"Severus, ich weiss das.", versuchte Dumbledore den jüngeren Mann wieder zu beruhigen. "Und wenn es nur an mir liegen würde, würden wir heute nacht noch zuschlagen. Aber das liegt nun mal nicht in meiner Macht. Ich werde beim Minister tun, was ich kann, aber wenn wir die Unterstützung jetzt noch nicht kriegen, dann müssen wir eben solange sabotieren, wo wir können."
Severus stützte den Kopf auf die gefalteten Hände und der Direktor konnte ihm mit Sicherheit ansehen, wie unzufrieden er damit war.
"Ich weiss, dass dich das alles schwer belastet," erklärte Dumbledore betrübt, "und ich wünschte ich könnte dir diese Verantwortung abnehmen, aber ich muss dich fragen: Gibt es irgendwelche voraussichtlichen Angriffsziele? Irgendwer, der sich vielleicht in letzter Zeit zum Dorn in Voldemorts Auge gemacht hat?"
Severus hatte sich kurz verkrampft und schluckte. Er hatte nicht direkt Angst vor dem Namen des dunklen Lords, aber wenn Dumbledore ihn so völlig selbstverständlich aussprach, jagte ihm das schon Schauer über den Rücken. Doch er konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
"Nun ja, ich bin mir nicht sicher, ob es etwas Konkretes bedeutet, aber in letzter Zeit ist des öfteren, wenn auch nur bei Nebensächlichkeiten, der Name 'Potter' gefallen."
"Wie gefährlich schätzt du die Situation für James und Lily ein, ganz objektiv?"
"Nun, ganz objektiv würde ich sagen, es besteht noch keine konkrete Gefährdung. Aber mein Gefühl, mein Instinkt sagt mir, dass du sie privat schon einmal warnen solltest."
Severus sah dem Direktor direkt in die Augen.
"Es ist nur ein Gefühl, aber ich denke du solltest es tun."
Dumbledore nickte.
"Gut, wenn du meinst. Ich vertraue deinem Instinkt, Severus, und außerdem ist Vorsicht besser als Nachsicht."
Severus nickte. Er wollte wenigstens ein paar Personen auf dieser Welt sicher wissen.
"Ich denke, das wäre es oder gibt es noch etwas?"
Dumbledore sah Severus prüfend an. Dieser schüttelte den Kopf.
"Gut, dann werde ich unverzüglich Kontakt mit den Potters aufnehmen und du kuriere bitte dein Bein aus. Ich möchte nicht, dass dir bei einer nächsten Aktion noch schlimmeres passiert."
"Mach dir keine Sorgen, Albus," erwiderte Severus, während er schon auf dem Weg zur Tür war, "ich weiss, was ich tue."
Damit verließ er das Büro.
Wie in dieser Zeit nicht anders zu erwarten, zog auch in dieser Nacht die eiskalte Klaue des Rufes durch Severus' Arm. Sofort begab er sich in sein Quartier, zog sich seine Todesser-Kluft an und schlich sich unbemerkt vom Gelände.
Hinter dem Apparationsschutz legte er seine Hand auf das Mal und apparierte. Dies war die Methode des dunklen Lords seine Verstecke und Treffpunkte nicht preiszugeben. Selbst Severus, der mittlerweile einen hohen Rang im Kommando des Lords bekleidete, konnte die üblichen Treffpunkte nur beschreiben, aber nicht genau sagen, wo sie lagen.
Wieder einmal fand er sich in dem alten Herrenhaus wieder, zu dem Lucius ihn schon beim ersten Mal mitgenommen hatte. Zielstrebig ging er durch die Gänge zu dem Saal, in dem die Treffen stattfanden. Als einer der ersten traf er ein und grüßte den Lord, indem er vor ihm aufs Knie sank. Früher hatte der Lord dieses unterwürfige Verhalten nur von den Neuen und Jüngeren gefordert, aber in letzter Zeit verlangte er es von jedem. Der Lord ließ Severus sowie auch die Todesser, die vor und nach ihm eintrafen, auf dem Knie sitzen und holte zu einer großen Propagandarede aus.
'Dafür ist diese Kniemarotte ganz praktisch.', dachte sich Severus. 'Es ist bequemer, als die ganze Zeit zu stehen.'
Vorsichtig spähte Severus zu seinen Seiten und musterte seine Kameraden. Es war keine Komplettversammlung, nur einige bestimmte Personen waren anwesend.
'Angriffskommandos.', dachte Severus und hoffte inständig, dass er keine Fehlinformationen gegeben hatte.
Schließlich kam der dunkle Lord zum Punkt.
"Heute Nacht werden wir unsere Macht demonstrieren, meine treuen Todesser!", verkündete er.
'So?', dachte Severus sarkastisch. 'Jetzt werden wir sie beweisen? Und was haben wir vorher gemacht? Geübt?'
Doch so etwas behielt man hier für sich.
"Hier werden wir zuschlagen.", erklärte der Lord und ließ fünf Pergamentstücke erscheinen, die er den Gruppenführern zuordnete.
Eines erhielt Severus, die anderen gingen an Lucius, Avery, Lestrange und einen Todesser, der Severus schon seit seinem Auftauchen bekannt vorkam, dessen Identität er aber nicht kannte.
"Dies sind Ziele in ganz England.", führte ihr Meister weiter aus. "Das Ministerium wird nicht fähig sein uns zu stoppen, wenn alle Gruppen gleichzeitig zuschlagen. Beschließt eine Zeit und dann verschwindet!"
Damit waren die Todesser entlassen und begaben sich aus dem Saal. Das Absprechen der Zeit kam Severus sehr gelegen, so konnte er einen Blick auf die anderen Ziele erhaschen. Zufrieden konnte er feststellen, dass er Dumbledore alle Ziele im Voraus gemeldet hatte. Es konnte also eigentlich nichts schiefgehen.
Nur eines bereitete Severus jetzt noch Sorgen. Seine Gruppe bestand neben ihm noch aus fünf Leuten. Drei davon waren seines Wissens nach noch relativ Einsatz unerfahren und einer galt als besonders reiz- und unkontrollierbar. Somit gab es nur einen, den Severus wirklich einschätzen konnte. Doch jetzt gab es kein Zurück mehr und die Gruppe apparierte in die Nähe ihres Ziels.
Es war das Haus einer Familie Perry. Sie waren relativ normal angesehene Zauberer und im Prinzip konnte niemand Groll gegen sie hegen.
'Typische Zivil-Kriegsopfer.', dachte sich Severus, doch er konnte sich jetzt kein Mitleid und keine komischen Aktionen leisten.
Das Ministerium war informiert, alle Zielfamilien standen unter Beobachtung. Er musste nun als Todesser seinen Dienst tun, um keinen Verdacht zu erwecken.
"Okay.", gab er nun seiner Gruppe flüsternd Instruktionen. "Rigfield, du gehst mit den beiden," er deutete auf zwei der Neuen, "hinten rum rein und sicherst ab. Belman und du, ihr beide bleibt hier bei mir."
"Wozu absichern?", murrte Belman. "Wir gehen da rein, machen alle kalt und verschwinden wieder. Die haben gar keine Zeit zu flüchten."
"Hör zu, Belman, ich führe die Mission nicht du! Der Lord hat es mir anvertraut, weil er um deine Handlungsweise weiss. Du wirst dich an den Plan halten. Keine One-man-Veranstaltungen, keine unangekündigten Aktionen, klar?"
Belman nickte brummelnd. Severus war trotz seiner energischen Worte relativ ruhig geblieben. Er konnte sich jetzt keinen erlauben, der unvorhergesehenen Mist machte. Deshalb wollte er Belman auch in seiner Nähe behalten. Wie abgesprochen ging Rigfield mit den zwei Neuen an den Hintereingang, während sich Severus, Belman und der dritte Neue vorne an die Haustür schlichen. Das Haus war dunkel, es war mitten in der Nacht und sie konnten davon ausgehen, dass die Bewohner schliefen.
"Na, dann wollen wir mal!"
Belman machte sich bereit um die Tür einzutreten, doch Severus hielt ihn zurück.
"Spinnst du? Weißt du, was das für einen Radau macht und wie schnell dann zu viele Leute hier sind? Lass mich nur machen."
Severus entriegelte das Schloss schnell und vorsichtig traten sie ein. Mit ihren Zauberstäben als Lichtquellen sahen sie sich um und als sie niemanden entdecken konnten, machten sie endgültig Licht. Von der anderen Seite kam die andere Gruppe, die zu Severus' Erleichterung die Hintertür genauso leise geöffnet hatten.
"Und was jetzt?", fragte einer der Neulinge nervös und stieß dabei eine Vase vom Stubentisch.
"Idiot!", fluchte Severus, doch sein Fluchen ging im Scheppern der Vase unter.
Einen Augenblick später hörten sie eilige Schritte auf der Treppe. Die Todesser formierten sich zur Treppe hin, nur Severus behielt die Tür im Auge.
"Gareth Perry!", schrie Belman. "Jetzt ist es aus mit dir und deiner Sippschaft!"
Perry stand auf der Treppe, aber allein. Verwirrt sah Rigfield zu Severus. Dies sollte eine vierköpfige Familie sein, doch der Mann war allein. Er lächelte überlegen und antwortete:
"Wenn du dich da mal nicht irrst, du dreckiger Vaterlandsverräter."
Daraufhin kamen unter der Treppe, aus einem Schrank und durch die beiden Türen insgesamt 10 Auroren zum Vorschein, angeführt von Jack Crouston. Plötzlich spürte Severus Schwere. Ein Apparationsschutz! Anscheinend fuhr das Ministerium härtere Geschütze auf, denn Crouston war dafür bekannt, dass er alle Todesser eines Einsatzes nach Askaban brachte, ob lebendig, als Krüppel oder tot.
Die drei Neuen wurden panisch und sahen hilfesuchend zu Severus. Dieser versuchte die Lage einzuschätzen, denn mit Crouston wurde es auch für ihn selbst hier sehr gefährlich.
"Egal wie viele ihr seid, ihr werdet alle unserem Lord geweiht!", schrie Belman und stürzte sich auf Perry und die ihm zur Seite stehenden Auroren.
Da ihr Anführer nicht reagierte, taten auch die Neuen das einzige, was ihnen in ihrer Panik in den Sinn kam: Sie gingen zum Frontalen Angriff über.
'Oh verflucht!'
Das war der einzige Gedanke, zu dem Severus fähig war, denn Sekundenbruchteile später musste er schon dem ersten Angriff eines Auroren ausweichen. Er versuchte sich möglichst vom Geschehen frei zu bringen und da der völlig durchgedrehte Belman die Auroren ziemlich in Atem hielt, funktionierte das auch eigentlich ganz gut. Die drei Neuen waren zu keinem geordneten Gedanken fähig, zwei von ihnen wurden überwältigt, einer 'versehentlich' getötet. Rigfield wusste, dass sich jetzt jeder selbst der nächste war, stürmte zur Vordertür und rannte prompt den nachrückenden Auroren in die Arme. Er versuchte zu apparieren, denn im Gegensatz zu Severus hatte er noch nicht bemerkt, dass die Auroren einen Apparationsschutz beschworen hatten. Severus hingegen hatte zwei Auroren gelähmt und hatte sich so zur Hintertür durchgeschlagen, doch Crouston hatte ihn als Anführer identifiziert und sah ihn anscheinend als seine persönliche Trophäe.
"Lässt du deine Kameraden also einfach im Stich?", höhnte er.
"Jeder ist sich selbst der nächste.", antwortete Severus. "Das wissen Sie doch am besten."
"Kümmert euch um den Rest.", ordnete Crouston an. "Der gehört mir."
Severus hatte die eingeschränkte Aufmerksamkeit des Aurors genutzt und war durch die Hintertür verschwunden. Doch weit kam er nicht, denn durch einen Fluch schlug die Tür hinter ihm aus den Angeln. Severus wollte sich im Laufen umdrehen, doch da zog wieder dieser Schmerz durch sein Bein.
'Oh nein, nicht jetzt!'
Crouston hatte auch bemerkt, dass mit dem Todesser etwas nicht in Ordnung war. Er grinste höhnisch.
"Du wirst deiner gerechten Strafe zugeführt werden."
Mit beinahe wahnsinnigem Gesichtsausdruck trat er auf Severus zu. Der hatte Abwehrhaltung eingenommen, konzentrierte sich jedoch auf etwas anderes. Er suchte das Ende des Apparationsschutzes, er musste wissen, bis wohin er sich durchschlagen musste.
"Flamare!"
Gerade noch rechtzeitig sprang Severus weg, um nicht von Crouston angesengt zu werden. Doch sein Bein verkrampfte sich immer mehr. Jetzt hatte er das Ende des Schutzzaubers gefunden. Er würde es zu Fuß noch schaffen, aber Crouston jetzt den Rücken zuzudrehen, kam der Unterschrift seines Todesurteils gleich. Er musste irgendeine Ablenkung finden. Aber Crouston war ein Profi, der würde sich nicht so leicht irritieren lassen.
Da geriet Severus plötzlich ins Stolpern und stürzte. Crouston sah seine Chance. Er schwang schon den Zauberstab, als plötzlich etwas vom Himmel auf ihn herabstürzte. Severus' Augen, die an Dunkelheit gewöhnt waren, erkannten es sofort.
'Diana!'
Severus hatte die Falkendame vor einigen Jahren gefunden und seitdem war sie bei ihm geblieben. Diana hatte sich an Crouston festgekrallt und hackte auf sein Gesicht ein. Severus wusste, dass dies seine einzige Chance zur Flucht war. Er sprang auf, so gut es ging, und hastete in Richtung Schutzgrenze. Er hatte die Grenze gerade überschritten und mit dem Apparieren schon begonnen, als er Diana krächzen und eine Stimme schreien hörte.
"Fractum!"
Severus fand sich im Verbotenen Wald nah an der Grenze zu Hogwarts wieder. Er sank stöhnend in die Knie. Seine Schulter schmerzte höllisch und sein ganzer Arm fühlte sich taub an. Langsam erinnerte er sich. Der Spruch, Crouston musste ihn während des Apparierens noch an der Schulter erwischt haben. Der Vorteil war, dass die Schmerzen in seiner Schulter nun die in seinem Bein übertönten.
Severus biss die Zähne zusammen, brachte sich schwankend auf die Beine und wankte unsicheren Schrittes zurück Richtung Hogwarts. Er kam bis zur Treppe der Eingangshalle, dort brach er zusammen und alles wurde schwarz.
Als er wieder zu sich kam, befand er sich in seiner Wohnung in den Kellergewölben. Blinzelnd sah er sich um. Dumbledore saß an seiner Bettkante. Severus spürte einen Verband um seine Schulter, der die schmerzende Stelle wärmte. Weiterhin bemerkte er einen ungewöhnlichen Geschmack im Hals. Er identifizierte den Trank sofort: Er wirkte beruhigend und förderte die Heilung von inneren Verletzungen.
"Ein harter Kampf, nicht wahr?", fragte Dumbledore.
Severus nickte müde.
"Sind alle Familien gerettet worden?", fragte er.
"Ja, allen ist geholfen worden. 15 Todesser wurden gefangen genommen, 9 konnten entkommen, dich eingerechnet."
Severus rechnete kurz durch.
"Da fehlen sechs. Wir waren 30 Mann. Was ist mit denen, Albus?"
Die Miene des Direktors verfinsterte sich. Schließlich antwortete er leise:
"Sie wurden getötet, Severus."
Severus nickte nur, obwohl er die Trauer des Direktors nicht ganz nachvollziehen konnte. Er selbst sowie Severus wussten, dass den Todessern sowieso Askaban oder die Dementoren blühten. Dann waren viele lieber tot, Severus eingeschlossen.
"Du hast anscheinend Glück gehabt.", lenkte Dumbledore das Gespräch auf ein anderes Thema. "Nachdem ich Nachricht vom Ministerium erhalten hatte, wollte ich dir entgegen gehen. Ich fand dich bewusstlos auf den Stufen der Eingangshalle. In deinem Bein war ein Muskel gerissen und deine Schulter war gebrochen, sie braucht ein paar Tage Schonung."
Dabei sah er Severus streng an, da dieser das Wort Schonung in Bezug auf sich selbst so gut wie nie verwendete.
"Ja, ja!", brummte Severus.
Dann fiel ihm noch etwas ein.
"Was ist mit den Potters."
"Ich war bei ihnen.", antwortete Dumbledore. "Ich habe sie, ohne deinen Namen zu nennen, über den Stand der Dinge in Kenntnis gesetzt. Sie haben sich ein neues Haus gesucht und den Fidelius-Zauber angewandt."
"Geheimniswahrer?", fragte Severus.
"Meines Wissens nach Sirius Black und bevor du etwas sagst, ich halte ihn für eine gute Wahl."
Severus drehte den Kopf zur Seite.
"Gut."
Dumbledore nickte.
"Dann schlaf jetzt."
Damit verließ der Direktor Severus' Wohnung. Der Zurückgebliebene sah wieder auf, als er Tür klappen hörte.
"Er ist die beste Wahl.", flüsterte Severus.
Gerne hätte er Dumbledore das gesagt, doch die Fassade der Feindschaft musste aufrecht erhalten werden.
Severus war beruhigt. Sirius würde sich eher die Zunge abbeißen, bevor er James und Lily verriet. Die beiden und ihr Kind waren sicher und das war erst einmal das Wichtigste.
(Kapitel 29)
Wieder einmal saß Severus in Dumbledores Büro. Es gab Neuigkeiten den dunklen Lord betreffend, die der Direktor unbedingt erfahren musste. Severus hörte hastige Schritte auf der Treppe und ohne sich umdrehen zu müssen, wusste er, dass Dumbledore gerade den Raum betreten hatte. Todesser-Gehör. Er konnte sämtliche Geräusche sofort nach Richtung und Art des Geräusches einordnen. Der Höflichkeit halber drehte er sich dann doch zu Dumbledore um.
"Du wolltest mich sprechen, Severus?"
"In der Tat."
Severus erhob sich, kniff jedoch kurz die Augen zusammen und stützte sich wieder auf den Stuhl auf.
Bei der letzten Mission, die wie geplant von den Auroren vereitelt wurde, hatte ihn ein Fluch ins Bein getroffen. Dumbledore hatte ihm zwar vorgeschlagen, das Bein von Poppy Pomfrey behandeln zu lassen, aber Severus nahm grundsätzlich nur einen schwachen Trank gegen die Schmerzen und ließ den Fluch von allein abklingen.
"Immer noch das Bein?", fragte Dumbledore besorgt.
"Ja.", nickte Severus. "Aber es geht schon wieder. Zieht nur bei ruckartigen Bewegungen noch etwas."
Der Direktor nickte und einander gegenüber nahmen sie am Schreibtisch Platz.
"Ich glaube die Sache kommt jetzt in die heiße Phase.", begann Severus ohne Umschweife. "Die Angriffe, die wir ausführen sollen, wählt er immer willkürlicher. Es kommt auch immer häufiger vor, dass es einfache Familien trifft, die weder mit dem Ministerium noch mit dem Hass des Lords auf Muggel irgendeinen Bezug hatten. Albus, wir müssen jetzt unbedingt etwas unternehmen!"
"Ich fürchte so einfach wird das nicht möglich sein.", seufzte Dumbledore. "Ich habe den Minister gerade soweit, dass er mir im Bezug auf den dunklen Lord und dessen Pläne vertraut, aber ich denke er ist noch nicht bereit mir und meinen Informationen solch ein Gewicht zu geben."
"Wir verlieren sonst die Kontrolle.", beharrte Severus. "Albus, bislang konnten wir viele Angriffe vereiteln und viele Familien im Voraus in Sicherheit bringen, aber das konnten wir nur, weil ich die Motivationen und Ziele des Lords relativ einschätzen konnte. Jetzt werden seine Attacken willkürlich, sie folgen keinem Muster, keinem Motiv mehr. Ich fürchte, wenn wir ihn noch länger so gewähren lassen, kann ich nur noch handfeste Informationen liefern, wenn es schon fast zu spät ist! Das Risiko dürfen wir nicht eingehen. Wir gefährden damit eine ganze Gesellschaft!"
"Severus, ich weiss das.", versuchte Dumbledore den jüngeren Mann wieder zu beruhigen. "Und wenn es nur an mir liegen würde, würden wir heute nacht noch zuschlagen. Aber das liegt nun mal nicht in meiner Macht. Ich werde beim Minister tun, was ich kann, aber wenn wir die Unterstützung jetzt noch nicht kriegen, dann müssen wir eben solange sabotieren, wo wir können."
Severus stützte den Kopf auf die gefalteten Hände und der Direktor konnte ihm mit Sicherheit ansehen, wie unzufrieden er damit war.
"Ich weiss, dass dich das alles schwer belastet," erklärte Dumbledore betrübt, "und ich wünschte ich könnte dir diese Verantwortung abnehmen, aber ich muss dich fragen: Gibt es irgendwelche voraussichtlichen Angriffsziele? Irgendwer, der sich vielleicht in letzter Zeit zum Dorn in Voldemorts Auge gemacht hat?"
Severus hatte sich kurz verkrampft und schluckte. Er hatte nicht direkt Angst vor dem Namen des dunklen Lords, aber wenn Dumbledore ihn so völlig selbstverständlich aussprach, jagte ihm das schon Schauer über den Rücken. Doch er konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
"Nun ja, ich bin mir nicht sicher, ob es etwas Konkretes bedeutet, aber in letzter Zeit ist des öfteren, wenn auch nur bei Nebensächlichkeiten, der Name 'Potter' gefallen."
"Wie gefährlich schätzt du die Situation für James und Lily ein, ganz objektiv?"
"Nun, ganz objektiv würde ich sagen, es besteht noch keine konkrete Gefährdung. Aber mein Gefühl, mein Instinkt sagt mir, dass du sie privat schon einmal warnen solltest."
Severus sah dem Direktor direkt in die Augen.
"Es ist nur ein Gefühl, aber ich denke du solltest es tun."
Dumbledore nickte.
"Gut, wenn du meinst. Ich vertraue deinem Instinkt, Severus, und außerdem ist Vorsicht besser als Nachsicht."
Severus nickte. Er wollte wenigstens ein paar Personen auf dieser Welt sicher wissen.
"Ich denke, das wäre es oder gibt es noch etwas?"
Dumbledore sah Severus prüfend an. Dieser schüttelte den Kopf.
"Gut, dann werde ich unverzüglich Kontakt mit den Potters aufnehmen und du kuriere bitte dein Bein aus. Ich möchte nicht, dass dir bei einer nächsten Aktion noch schlimmeres passiert."
"Mach dir keine Sorgen, Albus," erwiderte Severus, während er schon auf dem Weg zur Tür war, "ich weiss, was ich tue."
Damit verließ er das Büro.
Wie in dieser Zeit nicht anders zu erwarten, zog auch in dieser Nacht die eiskalte Klaue des Rufes durch Severus' Arm. Sofort begab er sich in sein Quartier, zog sich seine Todesser-Kluft an und schlich sich unbemerkt vom Gelände.
Hinter dem Apparationsschutz legte er seine Hand auf das Mal und apparierte. Dies war die Methode des dunklen Lords seine Verstecke und Treffpunkte nicht preiszugeben. Selbst Severus, der mittlerweile einen hohen Rang im Kommando des Lords bekleidete, konnte die üblichen Treffpunkte nur beschreiben, aber nicht genau sagen, wo sie lagen.
Wieder einmal fand er sich in dem alten Herrenhaus wieder, zu dem Lucius ihn schon beim ersten Mal mitgenommen hatte. Zielstrebig ging er durch die Gänge zu dem Saal, in dem die Treffen stattfanden. Als einer der ersten traf er ein und grüßte den Lord, indem er vor ihm aufs Knie sank. Früher hatte der Lord dieses unterwürfige Verhalten nur von den Neuen und Jüngeren gefordert, aber in letzter Zeit verlangte er es von jedem. Der Lord ließ Severus sowie auch die Todesser, die vor und nach ihm eintrafen, auf dem Knie sitzen und holte zu einer großen Propagandarede aus.
'Dafür ist diese Kniemarotte ganz praktisch.', dachte sich Severus. 'Es ist bequemer, als die ganze Zeit zu stehen.'
Vorsichtig spähte Severus zu seinen Seiten und musterte seine Kameraden. Es war keine Komplettversammlung, nur einige bestimmte Personen waren anwesend.
'Angriffskommandos.', dachte Severus und hoffte inständig, dass er keine Fehlinformationen gegeben hatte.
Schließlich kam der dunkle Lord zum Punkt.
"Heute Nacht werden wir unsere Macht demonstrieren, meine treuen Todesser!", verkündete er.
'So?', dachte Severus sarkastisch. 'Jetzt werden wir sie beweisen? Und was haben wir vorher gemacht? Geübt?'
Doch so etwas behielt man hier für sich.
"Hier werden wir zuschlagen.", erklärte der Lord und ließ fünf Pergamentstücke erscheinen, die er den Gruppenführern zuordnete.
Eines erhielt Severus, die anderen gingen an Lucius, Avery, Lestrange und einen Todesser, der Severus schon seit seinem Auftauchen bekannt vorkam, dessen Identität er aber nicht kannte.
"Dies sind Ziele in ganz England.", führte ihr Meister weiter aus. "Das Ministerium wird nicht fähig sein uns zu stoppen, wenn alle Gruppen gleichzeitig zuschlagen. Beschließt eine Zeit und dann verschwindet!"
Damit waren die Todesser entlassen und begaben sich aus dem Saal. Das Absprechen der Zeit kam Severus sehr gelegen, so konnte er einen Blick auf die anderen Ziele erhaschen. Zufrieden konnte er feststellen, dass er Dumbledore alle Ziele im Voraus gemeldet hatte. Es konnte also eigentlich nichts schiefgehen.
Nur eines bereitete Severus jetzt noch Sorgen. Seine Gruppe bestand neben ihm noch aus fünf Leuten. Drei davon waren seines Wissens nach noch relativ Einsatz unerfahren und einer galt als besonders reiz- und unkontrollierbar. Somit gab es nur einen, den Severus wirklich einschätzen konnte. Doch jetzt gab es kein Zurück mehr und die Gruppe apparierte in die Nähe ihres Ziels.
Es war das Haus einer Familie Perry. Sie waren relativ normal angesehene Zauberer und im Prinzip konnte niemand Groll gegen sie hegen.
'Typische Zivil-Kriegsopfer.', dachte sich Severus, doch er konnte sich jetzt kein Mitleid und keine komischen Aktionen leisten.
Das Ministerium war informiert, alle Zielfamilien standen unter Beobachtung. Er musste nun als Todesser seinen Dienst tun, um keinen Verdacht zu erwecken.
"Okay.", gab er nun seiner Gruppe flüsternd Instruktionen. "Rigfield, du gehst mit den beiden," er deutete auf zwei der Neuen, "hinten rum rein und sicherst ab. Belman und du, ihr beide bleibt hier bei mir."
"Wozu absichern?", murrte Belman. "Wir gehen da rein, machen alle kalt und verschwinden wieder. Die haben gar keine Zeit zu flüchten."
"Hör zu, Belman, ich führe die Mission nicht du! Der Lord hat es mir anvertraut, weil er um deine Handlungsweise weiss. Du wirst dich an den Plan halten. Keine One-man-Veranstaltungen, keine unangekündigten Aktionen, klar?"
Belman nickte brummelnd. Severus war trotz seiner energischen Worte relativ ruhig geblieben. Er konnte sich jetzt keinen erlauben, der unvorhergesehenen Mist machte. Deshalb wollte er Belman auch in seiner Nähe behalten. Wie abgesprochen ging Rigfield mit den zwei Neuen an den Hintereingang, während sich Severus, Belman und der dritte Neue vorne an die Haustür schlichen. Das Haus war dunkel, es war mitten in der Nacht und sie konnten davon ausgehen, dass die Bewohner schliefen.
"Na, dann wollen wir mal!"
Belman machte sich bereit um die Tür einzutreten, doch Severus hielt ihn zurück.
"Spinnst du? Weißt du, was das für einen Radau macht und wie schnell dann zu viele Leute hier sind? Lass mich nur machen."
Severus entriegelte das Schloss schnell und vorsichtig traten sie ein. Mit ihren Zauberstäben als Lichtquellen sahen sie sich um und als sie niemanden entdecken konnten, machten sie endgültig Licht. Von der anderen Seite kam die andere Gruppe, die zu Severus' Erleichterung die Hintertür genauso leise geöffnet hatten.
"Und was jetzt?", fragte einer der Neulinge nervös und stieß dabei eine Vase vom Stubentisch.
"Idiot!", fluchte Severus, doch sein Fluchen ging im Scheppern der Vase unter.
Einen Augenblick später hörten sie eilige Schritte auf der Treppe. Die Todesser formierten sich zur Treppe hin, nur Severus behielt die Tür im Auge.
"Gareth Perry!", schrie Belman. "Jetzt ist es aus mit dir und deiner Sippschaft!"
Perry stand auf der Treppe, aber allein. Verwirrt sah Rigfield zu Severus. Dies sollte eine vierköpfige Familie sein, doch der Mann war allein. Er lächelte überlegen und antwortete:
"Wenn du dich da mal nicht irrst, du dreckiger Vaterlandsverräter."
Daraufhin kamen unter der Treppe, aus einem Schrank und durch die beiden Türen insgesamt 10 Auroren zum Vorschein, angeführt von Jack Crouston. Plötzlich spürte Severus Schwere. Ein Apparationsschutz! Anscheinend fuhr das Ministerium härtere Geschütze auf, denn Crouston war dafür bekannt, dass er alle Todesser eines Einsatzes nach Askaban brachte, ob lebendig, als Krüppel oder tot.
Die drei Neuen wurden panisch und sahen hilfesuchend zu Severus. Dieser versuchte die Lage einzuschätzen, denn mit Crouston wurde es auch für ihn selbst hier sehr gefährlich.
"Egal wie viele ihr seid, ihr werdet alle unserem Lord geweiht!", schrie Belman und stürzte sich auf Perry und die ihm zur Seite stehenden Auroren.
Da ihr Anführer nicht reagierte, taten auch die Neuen das einzige, was ihnen in ihrer Panik in den Sinn kam: Sie gingen zum Frontalen Angriff über.
'Oh verflucht!'
Das war der einzige Gedanke, zu dem Severus fähig war, denn Sekundenbruchteile später musste er schon dem ersten Angriff eines Auroren ausweichen. Er versuchte sich möglichst vom Geschehen frei zu bringen und da der völlig durchgedrehte Belman die Auroren ziemlich in Atem hielt, funktionierte das auch eigentlich ganz gut. Die drei Neuen waren zu keinem geordneten Gedanken fähig, zwei von ihnen wurden überwältigt, einer 'versehentlich' getötet. Rigfield wusste, dass sich jetzt jeder selbst der nächste war, stürmte zur Vordertür und rannte prompt den nachrückenden Auroren in die Arme. Er versuchte zu apparieren, denn im Gegensatz zu Severus hatte er noch nicht bemerkt, dass die Auroren einen Apparationsschutz beschworen hatten. Severus hingegen hatte zwei Auroren gelähmt und hatte sich so zur Hintertür durchgeschlagen, doch Crouston hatte ihn als Anführer identifiziert und sah ihn anscheinend als seine persönliche Trophäe.
"Lässt du deine Kameraden also einfach im Stich?", höhnte er.
"Jeder ist sich selbst der nächste.", antwortete Severus. "Das wissen Sie doch am besten."
"Kümmert euch um den Rest.", ordnete Crouston an. "Der gehört mir."
Severus hatte die eingeschränkte Aufmerksamkeit des Aurors genutzt und war durch die Hintertür verschwunden. Doch weit kam er nicht, denn durch einen Fluch schlug die Tür hinter ihm aus den Angeln. Severus wollte sich im Laufen umdrehen, doch da zog wieder dieser Schmerz durch sein Bein.
'Oh nein, nicht jetzt!'
Crouston hatte auch bemerkt, dass mit dem Todesser etwas nicht in Ordnung war. Er grinste höhnisch.
"Du wirst deiner gerechten Strafe zugeführt werden."
Mit beinahe wahnsinnigem Gesichtsausdruck trat er auf Severus zu. Der hatte Abwehrhaltung eingenommen, konzentrierte sich jedoch auf etwas anderes. Er suchte das Ende des Apparationsschutzes, er musste wissen, bis wohin er sich durchschlagen musste.
"Flamare!"
Gerade noch rechtzeitig sprang Severus weg, um nicht von Crouston angesengt zu werden. Doch sein Bein verkrampfte sich immer mehr. Jetzt hatte er das Ende des Schutzzaubers gefunden. Er würde es zu Fuß noch schaffen, aber Crouston jetzt den Rücken zuzudrehen, kam der Unterschrift seines Todesurteils gleich. Er musste irgendeine Ablenkung finden. Aber Crouston war ein Profi, der würde sich nicht so leicht irritieren lassen.
Da geriet Severus plötzlich ins Stolpern und stürzte. Crouston sah seine Chance. Er schwang schon den Zauberstab, als plötzlich etwas vom Himmel auf ihn herabstürzte. Severus' Augen, die an Dunkelheit gewöhnt waren, erkannten es sofort.
'Diana!'
Severus hatte die Falkendame vor einigen Jahren gefunden und seitdem war sie bei ihm geblieben. Diana hatte sich an Crouston festgekrallt und hackte auf sein Gesicht ein. Severus wusste, dass dies seine einzige Chance zur Flucht war. Er sprang auf, so gut es ging, und hastete in Richtung Schutzgrenze. Er hatte die Grenze gerade überschritten und mit dem Apparieren schon begonnen, als er Diana krächzen und eine Stimme schreien hörte.
"Fractum!"
Severus fand sich im Verbotenen Wald nah an der Grenze zu Hogwarts wieder. Er sank stöhnend in die Knie. Seine Schulter schmerzte höllisch und sein ganzer Arm fühlte sich taub an. Langsam erinnerte er sich. Der Spruch, Crouston musste ihn während des Apparierens noch an der Schulter erwischt haben. Der Vorteil war, dass die Schmerzen in seiner Schulter nun die in seinem Bein übertönten.
Severus biss die Zähne zusammen, brachte sich schwankend auf die Beine und wankte unsicheren Schrittes zurück Richtung Hogwarts. Er kam bis zur Treppe der Eingangshalle, dort brach er zusammen und alles wurde schwarz.
Als er wieder zu sich kam, befand er sich in seiner Wohnung in den Kellergewölben. Blinzelnd sah er sich um. Dumbledore saß an seiner Bettkante. Severus spürte einen Verband um seine Schulter, der die schmerzende Stelle wärmte. Weiterhin bemerkte er einen ungewöhnlichen Geschmack im Hals. Er identifizierte den Trank sofort: Er wirkte beruhigend und förderte die Heilung von inneren Verletzungen.
"Ein harter Kampf, nicht wahr?", fragte Dumbledore.
Severus nickte müde.
"Sind alle Familien gerettet worden?", fragte er.
"Ja, allen ist geholfen worden. 15 Todesser wurden gefangen genommen, 9 konnten entkommen, dich eingerechnet."
Severus rechnete kurz durch.
"Da fehlen sechs. Wir waren 30 Mann. Was ist mit denen, Albus?"
Die Miene des Direktors verfinsterte sich. Schließlich antwortete er leise:
"Sie wurden getötet, Severus."
Severus nickte nur, obwohl er die Trauer des Direktors nicht ganz nachvollziehen konnte. Er selbst sowie Severus wussten, dass den Todessern sowieso Askaban oder die Dementoren blühten. Dann waren viele lieber tot, Severus eingeschlossen.
"Du hast anscheinend Glück gehabt.", lenkte Dumbledore das Gespräch auf ein anderes Thema. "Nachdem ich Nachricht vom Ministerium erhalten hatte, wollte ich dir entgegen gehen. Ich fand dich bewusstlos auf den Stufen der Eingangshalle. In deinem Bein war ein Muskel gerissen und deine Schulter war gebrochen, sie braucht ein paar Tage Schonung."
Dabei sah er Severus streng an, da dieser das Wort Schonung in Bezug auf sich selbst so gut wie nie verwendete.
"Ja, ja!", brummte Severus.
Dann fiel ihm noch etwas ein.
"Was ist mit den Potters."
"Ich war bei ihnen.", antwortete Dumbledore. "Ich habe sie, ohne deinen Namen zu nennen, über den Stand der Dinge in Kenntnis gesetzt. Sie haben sich ein neues Haus gesucht und den Fidelius-Zauber angewandt."
"Geheimniswahrer?", fragte Severus.
"Meines Wissens nach Sirius Black und bevor du etwas sagst, ich halte ihn für eine gute Wahl."
Severus drehte den Kopf zur Seite.
"Gut."
Dumbledore nickte.
"Dann schlaf jetzt."
Damit verließ der Direktor Severus' Wohnung. Der Zurückgebliebene sah wieder auf, als er Tür klappen hörte.
"Er ist die beste Wahl.", flüsterte Severus.
Gerne hätte er Dumbledore das gesagt, doch die Fassade der Feindschaft musste aufrecht erhalten werden.
Severus war beruhigt. Sirius würde sich eher die Zunge abbeißen, bevor er James und Lily verriet. Die beiden und ihr Kind waren sicher und das war erst einmal das Wichtigste.
