Anmerkung von Tasha: So, nun steigen wir aber richtig ins Thema des dritten Buches ein. Vielen Dank für die lieben Reviews und ich hoffe, dass es euch weiterhin gefällt und ich weiter so von euch höre.

Alte Freunde und neue Probleme

(Kapitel 60)

Der Erfolg seines Experiments versetzte Severus für die nächste Zeit in äußerst gute Laune. Auch wenn seine Kollegen etwas verwundert schienen, vertraten sie vermutlich alle den Standpunkt, den Prof. Sprout unter der Hand äußerte:

„Ist sicher ein euphorischer Höhenflug. Ich denke, wir sollten ihn genießen, wer weiß, wie lange der anhält. Vielleicht kehrt viel bald die übliche schlechte Laune zurück."

Severus tat so, als hätte er es nicht gehört, auch wenn er einiges dazu hätte sagen können. Sicher war seine gute Laune auf den Erfolg zurückzuführen, doch er persönlich würde seinen normalen Zustand nicht als ‚schlechte Laune' beschreiben.

‚Ich bin Realist.', sagte er sich. ‚Und das Leben ist nun mal nur in den seltensten Fällen heiter. Persönliche Erfahrung.'

Trotz allem versuchte Severus seine Euphorie auf ein gesundes Maß Selbstzufriedenheit zu reduzieren, was ihm schmerzhaft gut gelang, als er eines Morgens den Tagespropheten aufschlug. Bei der Schlagzeile wäre Severus beinahe der Kaffee wieder hochgekommen und auch das riesige Bild auf der Titelseite verursachte ziemliche Magenkrämpfe.

Gefangener aus Askaban geflohen
Wie das Ministerium heute morgen mitteilte, ist der wegen Mordes und Hochverrats verurteilte Sirius Black in der vergangenen Nacht geflohen. Black wird als sehr gewaltbereit und beinahe unberechenbar eingestuft. Er wurde 1981 als Anhänger von dem-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf verhaftet und gestand den Verrat, der zu den Morden an James und Lily Potter führte. Welche Pläne Black hat, ist genauso unklar wie sein momentaner Aufenthalt im Land. Das Ministerium warnt: Black ist extrem gefährlich!

Danach ging es mit einem Bericht weiter, der Sirius und sein Leben dermaßen entstellte, dass Severus die Zeitung angeekelt weglegte.

Nur drei Personen wussten, was damals wirklich passiert war: Sirius, Remus und Severus selber. Immer wieder hatte Severus sich Vorwürfe gemacht, dass er Sirius auf dessen Wunsch zurückgelassen hatte. Ein kurzen Blick warf Severus auf das Verhaftungsdatum.

12-13 Jahre hatte Sirius in Askaban gesessen, in allen Anklagepunkten unschuldig. Warum man Sirius damals hatte verurteilen können, ob er ein falsches Geständnis abgelegt hatte, wusste Severus nicht. Er hatte damals nicht die Unmöglichkeit besessen sich im Prozess blicken zu lassen.

Am Tisch war inzwischen helle Aufregung ausgebrochen, da nun auch die anderen den Artikel gelesen hatten.

„Um Himmels Willen, auch das noch!"Madam Hooch warf den Kopf in die Hände.

Viele diskutierten hitzig, was man nun tun solle, nur McGonagall, Flitwick, Sprout und natürlich Dumbledore blieben auffallend ruhig. Severus warf einen Blick zu McGonagall. Sie presste die Lippen aufeinander und weigerte sich auf die Zeitung zu sehen.

‚Sirius war ihr Schüler gewesen.', dachte Severus. ‚Und nicht mal ihr schlechtester. Ich glaube, irgendwo weiß sie, dass er unschuldig ist. Auch wenn sie es sich in ihrem Fall einredet.'

In seinen Gedanken hatte Severus gar nicht gemerkt, dass Dumbledore aufgestanden war, bis dieser ihm die Hand auf die Schulter legte.

„Severus, würdest du mich kurz begleiten?", bat der Direktor flüsternd. „Ich muss kurz eine Sache mit dir besprechen."

Severus nickte und folgte.

Dumbledore ging mit ihm nach draußen, gemeinsam spazierten sie über die Ländreien von Hogwarts und eine gewisse Zeit sprach keiner. Severus nutzte die Stille, um seine Gedanken zu ordnen.

Sirius war also geflohen, wie er das auch immer geschafft haben mochte. Doch wo konnte er jetzt sein? Das ganze Land suchte ihn, vermutlich würden auch bald die Muggel unter einem versteckten Grund eingeschaltet werden und Sirius hatte kein zu Hause. Wo sollte er hin?

‚Seine einzigen Zufluchten bestehen aus Remus' Haus und Hogwarts.'

Als hätte Dumbledore auf ein gedachtes Stichwort gewartet, sprach er Severus nun an.

„Die Sache mit der Flucht macht dir zu schaffen, nicht wahr?", fragte er. „Ich weiß, dass es zwischen Sirius und dir sehr starke Auseinandersetzungen gab."

‚Gespielte Auseinandersetzungen.', fügte Severus gedanklich hinzu, schüttelte jedoch dann all seine Hypothesen ab und konzentrierte sich ganz auf das Gespräch mit Dumbledore.

„Ich weiß damit umzugehen, Albus. Aber du wolltest mich doch nicht nur deswegen sprechen."

„Nein, wollte ich nicht."

Inzwischen waren sie bei der Peitschenden Weide angekommen und Dumbledore blieb stehen.

„Du weißt, wozu sie da war?"

Severus nickte. Die Peitschende Weide war gepflanzt worden, um einen Gang zu verstecken, durch den Remus in jeder Vollmondnacht in eine Hütte geführt worden war, in der er seine Verwandlungen durchstehen musste.

„Hast du die Zutaten für den Banntrank eigentlich immer hier?", wechselte der Direktor anscheinend von einem Moment auf den anderen das Thema.

„Sicher.", antwortete Severus. „Dieser Trank enthält kaum exotische Zutaten. Warum fragst du?"

„Weil er zurückkehrt.", antwortete Dumbledore.

Severus schaltete sofort: Peitschende Weide, Banntrank,...

„Lupin?", fragte Severus.

Dumbledore nickte.

„Er wird Verteidigung gegen die dunklen Künste übernehmen."

Bevor Severus auch nur in irgendeiner Weise protestieren konnte, fuhr Dumbledore fort.

„Ich weiß, dass ihr beide ebenfalls nicht das beste Verhältnis hattet und ich habe den Vorfall von damals auch nicht vergessen, aber ich bitte dich, es mit Remus auf vernünftige Art zu regeln und ihm durch dein Wissen zu helfen. In Ordnung?"

„Sicher.", gab Severus gezwungen hervor. „Entschuldige mich, das muss ich verdauen."

Dumbledore ließ ihn gehen, auch wenn er wahrscheinlich einen anderen Grund vermutete.

Severus machte sich auf den Weg nach Hogsmeade. Auf diesem recht einsamen Weg konnte er diese vielen Informationen in Ruhe ordnen.

Sirius war aus Askaban geflüchtet. Seine erste Anlaufstelle, so wie Severus die Sache einschätzte, wäre Remus gewesen, doch der sollte nun nach Hogwarts kommen. Zwangsläufig würde sich Sirius also auch nach Hogwarts aufmachen. Doch wo sollte man ihn hier verstecken? Besonders weil Severus damit rechnete, dass das Ministerium eine Abordnung zum Schutz herschicken würde. Schließlich war Sirius offziell der Mörder von James und Lily Potter, warum sollte er also nicht ‚dem Willen des Lords entsprechend' nun auch Harry töten wollen?

‚Harry!', schoss es Severus durch den Kopf.

Diese Komponente hatte er total vergessen. Wer konnte schon wissen, wie weit Askaban Sirius verändert hatte und außerdem hielt Severus seinen Freund für so unvernünftig, dass er sein Patenkind aufsuchen würde. Frühestens jetzt würde Harry erfahren haben, was alle von Sirius dachten oder vielmehr, dass er existierte.

‚Ich sehe Remus und Sirius vermutlich beide auf einmal wieder, eigentlich sollte ich mich freuen.', dachte Severus deprimiert, als er Hogsmeade erreichte. ‚Doch ich fürchte, diese ganze Geschichte wird für uns drei noch sehr heikel werden.'

Es war schon lange dunkel geworden, als Severus zurückkehrte. Es waren einige Dinge zu erledigen gewesen und außerdem hatte er in diesem Moment etwas Abstand gebraucht.

Als Severus in sein Labor trat, um die gekauften Zutaten einzuordnen, überkam ihn gleich ein komisches Gefühl. Das bestätigte sich, da Ami zusammengezogen aber mit hervorgeschobenen Krallen auf dem Tisch saß. Severus ließ sich nichts anmerken, doch seine trainierten Todesser-Sinne hatten jemanden im Schatten der Tür ausgemacht. Blitzschnell fuhr Severus herum, riss die Person aus der Ecke und richtete den gezogenen Zauberstab auf sie. Die Gestalt röchelte, während sie langsam vom Boden aufstand.

„Nicht schlecht, Sev,"hustete die kratzige Stimme, „nicht schlecht."

Severus sah dem Mann in die blauen Augen und erkannte mit Schrecken seinen Kameraden Sirius.

Das Foto im Tagespropheten war ein ziemlich altes Foto gewesen. Dieser Sirius erinnerte kaum noch an den aufgekratzten Typen, den Severus gekannt hatte. Seine Haare waren lang und zerzaust, sein Gesicht eingefallen, er sah mehr tot aus als lebendig.

„Sirius?", fragte Severus und senkte mit schockiertem Kopfschütteln seinen Zauberstab.

„Ich seh' wohl ziemlich scheiße aus, hä?", fragte Sirius zurück und setzte ein Grinsen auf, das entfernt an das frühere erinnerte.

„So kann man das auch sagen.", kommentierte Severus. „Wie bist du hier reingekommen? Wenn dich jemand sieht..."

„Naja, ich kenn' ja genug Geheimgänge.", erklärte Sirius. „Und Peeves kommt nicht hier runter, das weiß ich. Nur weiter als hinter die Tür kam ich nicht, ihretwegen."

Damit deutete er auf Ami, die ihn immer noch misstrauisch beäugte.

„Trotzdem.", beharrte Severus. „Was hättest du gemacht, wenn nicht ich sondern jemand anders hier aufgetaucht wäre?"

„Mich versteckt.", erklärte Sirius ziemlich gelassen. „Darin hab' ich auf dem Weg hierher ziemlich viel Erfahrung gesammelt. Außerdem hat ja, abgesehen von dir, keiner Augen im Hinterkopf."

„Ja.", bemerkte Severus etwas widerstrebend und wechselte das Thema. „Warum bist du hier?"

„Nun, ich dachte, du freust dich, wenn ich komme.", antwortete Sirius, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. „Und ich dachte, du weißt vielleicht, wo Remus sich aufhält. Seine alte Hütte wurde streng bewacht."

„Kein Wunder.", entgegenete Severus und bot Sirius an sich zu setzen. „So blöd sind die im Ministerium auch nicht. Die haben sich sicher auch gedacht, dass du als erstes bei deinem alten Kumpel Remus Lupin aufkreuzen würdest."

„Na, wie gut, dass die nicht ahnen können, dass ich zuerst meinen ‚alten Freund' Severus Snape erschrecken gehe.", grinste Sirius.

„Irgendwie bin ich ja erleichtert, dass du hier bist.", gab Severus zu. „Und Remus kommt ja auch bald."

„Wieso das?", fragte Sirius neugierig.

„Er übernimmt das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste.", erklärte Severus. „Das wird bei uns seit zwei Jahren jedes Jahr neu besetzt, nur mich übergeht man dabei in aller Gründlichkeit."

„Aha.", gab Sirius von sich, hakte dann aber noch mal nach. „Und wieso bist du eigentlich erleichtert, dass ich hier bin?"

„Naja,"begründete Severus, „ich hatte etwas Angst, dass du entweder bei Remus geschnappt wirst oder auf die hirnrissige Idee kommst Harry aufzusuchen."

„Hab ich schon.", erklärte Sirius. „Der Junge hat sich prächtig entwickelt."

„Du hast was?"

Erschrocken sprang Severus auf.

„Bist du wahnsinnig? Er weiß von dir vermutlich nur als durchgeknallter Massenmörder!"

„Keine Sorge!", beschwichtigte Sirius. „Damit ich relativ unbemerkt durch's Land komme, war ich zum großen Teil als Tatze unterwegs."

Severus atmete durch. Zugegeben, an die Möglichkeit, dass Sirius in seiner Animagus-Form, als Hund, durch die Gegend streifen könnte, war ihm nicht gekommen.

„Nun gut."Severus nickte wieder gefasst. „Trotzdem müssen wir jetzt ein relativ sicheres Versteck für dich finden."

„Bei dir kann ich vermutlich nicht bleiben, oder?"

„Nein, unmöglich.", entgegnete Severus. „Spätestens sobald Harry hier eintrifft, wird das Ministerium Hogwarts auf den Kopf stellen, um sicherzugehen, dass du ihm nichts antust."

Bedrückt senkte Sirius den Kopf.

„Ich würde ihm nie was antun. Genau wie ich James und Lily nie etwas hätte antun können."

„Ich weiß."

Aufbauend legte Severus ihm die Hand auf die Schulter.

„Und Remus weiß das auch und wird uns sicher helfen."

Plötzlich schoss ihm eine Idee durch den Kopf.

„Remus, na klar!"

Irritiert sah Sirius ihn an.

„Die Heulende Hütte!", erklärte Severus seine plötzliche Erleuchtung. „Dumbledore hat verbreiten lassen, dass es dort spuken würde, keiner traut sich hin. Und Remus kann ja jetzt seine Verwandlungen hier im Schloss durchstehen."

„Wieso das?", fragte Sirius überrascht.

„Nun ja..."

Severus druckste ein bißchen.

„Ich habe einen Trank, den meine alte Mentorin auf der Uni entwickeln wollte, verbessert und nun hat Remus nach seiner Verwandlung noch seinen Verstand und kann sich in seiner Wolfsform zusammenrollen, bis es vorbei ist."

„Das hast du geschafft?"

Zum ersten Mal an diesem Abend sah Severus Sirius ernsthaft erfreut.

„Ja, aber es hat auch einige Jahre gedauert."

„Ich wusste ja immer, dass du ein Genie bist! Wenn jemand sowas schaffen kann, dann du."

„Darüber können wir später reden.", wechselte Severus etwas verlegen das Thema. „Jetzt müssen wir zusehen, dass wir dich in die Hütte kriegen."

„Alles klar!"

Sirius zwinkerte ihm kurz zu und verwandelte sich in einen großen schwarzen Hund, den Severus dann aus dem Schloss und unbemerkt in den Gang unter der Peitschenden Weide schleuste.

nochmalige Anmerkung von Tasha: Ich entschuldige mich in aller Form für das Wort ‚scheiße', aber ich dachte, es passt relativ gut in Sirus Askaban- Wortschatz rein. Was denkt ihr?