Anmerkung von Tasha: So, habe mir erst mal HP3 im Kino angesehen. Naja, man kann da ja geteilter Meinung sein, aber das ist ja hier nicht das Thema. Passend zum Film geht es jetzt weiter und ich hoffe ihr reviewt mir. Ich kann eigentlich mit jeder Meinung leben.
Vereint, doch machtlos?
(Kapitel 62)
So sehnsüchtig hatte Severus noch nie auf den Beginn des Schuljahres gewartet, doch seit ihn Sirius' Verhalten nervös gemacht hatte, staute sich in ihm das Bedürfnis auf, mit jemandem darüber zu reden. Wie erwartet würde Remus mit dem Hogwarts-Express ankommen, obwohl sich Severus kein Grund dafür erschloss.
Sirius hatte er einen Vorrat an Nahrung ins Versteck geschmuggelt und ihn noch einmal schärfstens ermahnt die Hütte weder um Harry noch um Remus oder ihn zu sehen zu verlassen.
„Aber wenn nun etwas sehr wichtiges ist!", wehrte sich Sirius. „Wenn ich euch nun z.B. noch dringende Sachen über Peter sagen muss, was dann?"
Severus versuchte ruhig zu bleiben, doch bei dem Thema ‚Peter' wurde ihm doch immer etwas anders.
„Ich werde dir Ami vorbeischicken.", versuchte er den aufgebrachten Kameraden zu beschwichtigen. „Zweimal am Tag, so wie ich es einrichten kann. Wenn irgendwas WICHTIGES ist, bindest du ihr ein Stück von dem Vorhang um den Hals und dann kommen Remus oder ich so schnell wir können, okay?"
Sirius wollte erst zu einer Erwiderung ansetzen, schaute dann auf Severus' staubgraue Katze, mit der er sich inzwischen auch verstand, und nickte schließlich widerborstig.
„Gut."
Severus stand auf, um rechtzeitig zur Ankunft der Schüler und Remus' wieder im Schloss zu sein, doch an der Treppe drehte er sich noch ein letztes Mal um.
„Du hast mich hoffentlich verstanden, Sirius. Keine Alleingänge und nur Nachrichten, wenn es wichtig ist."
„Ja, verstanden, Herr Professor.", antwortete Sirius und schnitt eine Grimasse.
Severus schüttelte leicht lächelnd den Kopf und verschwand durch den Geheimgang wieder zurück nach Hogwarts.
Auf dem ganzen Weg von der Peitschenden Weide zum Schloss hatte er das Gefühl, dass etwas nicht normal war, doch er konnte es beim besten Willen nicht einordnen.
‚Wahrscheinlich leide ich schon unter Wahnvorstellungen.', dachte Severus, als er die Eingangshalle erreicht hatte. ‚Muss an den Dementoren liegen.'
Plötzlich fuhr Severus herum und ließ einen suchenden Blick über das Gelände schweifen. Jetzt wusste er, was anders war. Das bedrückende Gefühl, das herrschte, seit die Dementoren hier waren, war verschwunden und auf dem ganzen Gelände sowie an allen Ausgängen war keine einzige ‚Askaban-Wache' zu sehen.
‚Was ist denn jetzt los?', fragte sich Severus mit unruhigem Gefühl, als er auch schon Schritte hinter sich hörte.
Er drehte sich um und sah eine aufgebrachte McGonagall auf sich zusteuern.
„Das ist einfach unmöglich!", rief sie aus, als sie bei ihm ankam.
Entgegen dessen, was sie vermutlich erwartete, fragte Severus nicht wovon sie sprach, sondern setzte zur für ihn momentan interessanteren Gegenfrage an:
„Sagen Sie Minerva, habe ich irgendwas verpasst? Oder warum sind die Dementoren plötzlich weg?"
„Weg ist gut!", empörte sich McGonagall und fuchtelte mit einem Pergament herum. „Den Hogwarts-Express haben sie gefilzt!"
„Sie haben was?"
Für einen Moment entgeistert sah Severus seine Kollegin an.
„Ja, wenn ich es Ihnen doch sage!", antwortete McGonagall. „Sie haben den Zug angehalten und ind durch jedes einzelne Abteil gegangen! Angeblich weil sie Sirius Black suchen. Schwachsinn! Als ob der sich im Hogwarts- Express verstecken könnte! Können Sie sich vorstellen, was das für die Schüler für ein Schockerlebnis gewesen sein muss?"
Allerdings, das konnte Severus. Er war den Dementoren ja nur einmal in Begleitung von Dumbledore direkt begegnet, doch an diese Kälte und die Todesschreie von seinen Eltern konnte er sich genau erinnern. In der momentanen Situation hielt er sich zwar von einer direkten Konfrontation mit den Dementoren fern, doch er merkte, dass er öfter als sonst an seine Eltern, Kai und all die anderen Menschen, die er hatte sterben sehen müssen, denken musste.
„Woher wissen Sie das?", fragte er schließlich, um die eingetretene Stille zu brechen.
„Professor Lupin hat mir eine Eule direkt vom Zug aus geschickt.", antwortete McGonagall und deutete auf das Pergament. „Seinem Bericht zufolge ist zumindest ein Schüler beim Anblick eines Dementors ohnmächtig geworden. Das sich das Ministerium zu so etwas erdreistet!"
Immer noch bebend vor Wut schüttelte McGonagall den Kopf, doch weiter kam ihr Gespräch nicht, denn in diesem Moment fuhren schon die mit Thestralen bespannten Hogwarts-Kutschen vor. Die Schüler drängten eilig hinein; kein Wunder, nach einem Zusammentreffen mit Dementoren wollte jeder so schnell wie möglich ins gemütliche Hogwarts.
Severus war in eine Ecke der Halle zurückgewichen und suchte über die Schülerköpfe hinweg nach Remus. Als die Masse sich etwas lichtete, fiel sein Blick schließlich auf eine größere Gestalt in einen Geflickten Umhang gehüllt und mit einem zerbeulten Koffer in der Hand, auf dem die Aufschrift ‚R..J. Lupin' zu lesen war. Severus bahnte sich den Weg zu Remus, packte ihn am Ellenbogen und zischte:
„Komm nach dem Abendessen zu mir in den Kerker. Wir haben dringend miteinander zu reden."
Ohne eine Antwort abzuwarten, ging Severus dann an ihm vorbei in die Große Halle.
Auch als Remus wenig später die Halle betrat, evrsuchte Severus ihn zu ignorieren. Umso weniger öffentlichen Kontakt sie hatten, umso besser konnte ihre Aktion mit Sirius funktionieren. Zu seinem Glück setzte sich Remus ziemlich weit weg von ihm, sodass schon rein praktisch kein Gespräch zustande kommen konnte.
Als Severus dann, nach der Einordnung durch den sprechenden Hut, seinen Seitenblick von Remus löste, kam ihm Dumbledore ins Visier. Der Direktor lächelte zwar, doch ein so gequältes Lächeln hatte Severus bei dem gütigen, alten Zauberer noch nie gesehen. Schon erhob sich Dumbledore und setzte zu seiner Begrüßungsrede an.
„Willkommen!", rief Dumbledore in dem Versuch Freude zu verbreiten. „Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts! Ich habe euch allen einige Dinge mitzuteilen, und da etwas sehr Ernstes darunter ist, halte ich es für das Beste, wenn ich gleich damit herausrücke, denn nach unserem herrlichen Festmahl werdet ihr sicher ein wenig bedröppelt sein..."
‚Für den Fall, dass danach überhaupt noch jemand essen kann.', dachte Severus, denn man musste keine hellseherischen Kräfte haben, um zu wissen, worüber der Direktor sprechen wollte.
„Wie ihr mitbekommen habt,"fuhr Dumbledore nach einem Räuspern fort, „ist der Hogwarts-Express durchsucht worden, und ihr wisst inzwischen, dass unsere Schule gegenwärtig einige Dementoren von Askaban beherbergt, die im Auftrag des Zaubereiministeriums hier sind."
‚Einige zuviel.', dachte sich Severus, während er den Direktor musterte und durch seine lange Bekanntschaft mit diesem eindeutig erkennen konnte, dass Dumbledore die Wut darüber runterschluckte.
„Sie sind an allen Eingängen zum Gelände postiert,"erklärte Dumbledore weiter, „ und ich muss euch klar sagen, dass niemand ohne Erlaubnis die Schule verlassen darf, während sie hier sind. Dementoren dürfen nicht mit Tricks oder Verkleidungen zum Narren gehalten werden – nicht einmal mit Tarnumhängen."
‚Na, wie gut, dass hier keiner so ein Teil besitzt.', dachte Severus und folgte Dumbledores unauffälligem Blick zu Harry.
„Es liegt nicht in der Natur eines Dementors, Bitten oder Ausreden zu verstehen.", warnte Dumbledore eindringlich. „Ich mahne daher jeden einzelnen von euch: Gebt ihnen keinen Grund, euch Leid zuzufügen. Ich erwarte von unseren Vertrauensschülern und von unserem neuen Schulsprecherpaar, dass sie dafür sorgen, dass kein Schüler und keine Schülerin den Dementoren in die Quere kommt."
Das hatte gesessen. In der Halle war nicht ein einziges Geräusch zu hören, bis Dumbledore schließlich fortfuhr.
„Und nun zu etwas Angenehmerem: Ich freue mich, dieses Jahr zwei neue Lehrer in unseren Reihen begrüßen zu können."
‚Zwei?', wunderte sich Severus, doch in diesem Moment wandte sich Dumbledore auch schon Remus zu.
„Zunächst Professor Lupin, der sich freundlicherweise bereit erklärt hat, die Stelle des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu übernehmen."
Es gab nur vereinzelten Beifall, da viele vermutlich von Remus' äußerer Erscheinung irritiert waren, doch Severus nahm das gar nicht wirklich wahr. In ihm hatte sich seit Dumbledores Rede eine Mischung aus Wut und kaltem Hass aufgestaut.
Er wusste eigentlich nicht wirklich auf wen: auf die Dementoren, dafür dass sie existierten; auf das Ministerium, dass sie hergeschickt hatte; irgendwie auf Dumbledore, der sie nicht wieder hatte wegschicken können; auf Sirius, der ausgebrochen war, und schließlich auf Remus, der nun hier war und damit indirekt dafür gesorgt hatte, dass Sirius nun auch hier war.
Sein Blick hatte sich auf Remus versteift, ohne dass Severus ihn eigentlich sah, und als sich sein Blick wieder klärte, strich er gleich die letzten drei Hasspunkte wieder von seiner Liste. Dumbledore hatte mit Sicherheit alles versucht, um Dementoren in Hogwarts zu vermeiden. Sirius' Ausbruch war wohl mehr als verständlich und Remus traf ja nun wirklich keine Schuld an den Geschehnissen. Severus konzentrierte sich schnell wieder auf Dumbledore, der nun auch weitersprach.
„Zu unserer zweiten Neuernennung: Nun, es tut mir Leid, euch sagen zu müssen, dass Professor Kesselbrand, unser Lehrer für die Pflege magischer Geschöpfe, Ende letzten Jahres in den Ruhestand getreten ist, um sich noch ein wenig seiner verbliebenen Gliedmaßen erfreuen zu können."
‚Stimmt, Kesselbrand hat sich ja verabschiedet.', fiel es Severus wieder ein. ‚Ich hatte mit ihm ja kaum zu tun, außer eines seiner Viecher hat ihm wieder was getan. Aber wer würde sowas freiwillig unterrichten?'
Als hätte er die Frage laut ausgesprochen, beantwortete Dumbledore sie:
„Jedoch bin ich froh sagen zu können, dass sein Platz von keinem anderen als Rubeus Hagrid eingenommen wird, der sich bereit erklärt hat, diese Lehrtätigkeit zusätzlich zu seinen Pflichten als Wildhüter zu übernehmen."
Die meisten Schüler, besonders die Gryffindors brachen nun in tosenden Beifall aus. Hagrid war allgemein recht beliebt, auch Severus mochte den etwas rauhen aber unheimlich gutmütigen Wildhüter sehr gern und wenn jemand für die Pflege magischer Geschöpfe geeignet war, dann wohl Hagrid.
Nach dieser Ankündigung eröffnete Dumbledore das Essen und es lief ab wie immer. Severus verabschiedete sich frühstmöglich und verschwand in den Kerker.
Es dauerte knapp 10 Minuten, bis es an seiner Wohnungstür klopfte. Severus atmete ein letztes Mal durch und öffnete Remus die Tür.
„Du wolltest mich dringend sprechen, Severus?", fragte er.
„Komm rein und stell keine unnötigen Fragen!", zischte Severus, schob Remus hinein und schloss die Tür hinter ihm.
„Du hattest auch schon freundlichere Tage.", bemerkte Remus.
Severus seufzte und legte den Kopf in den Nacken.
„Tut mir Leid. Ich bin im Moment nur etwas angespannt."
„Verständlich.", nickte Remus und nahm auf dem angebotenen Sessel Platz. „Die Dementoren sind hier und wie ich im Zug gemerkt habe, machen die keine halben Sachen."
Da Severus nichts sagte, erzählte Remus weiter.
„Einer von denen wollte auf Harry losgehen. Bewusstlos hat er ihn gekriegt, aber alles weitere konnte ich Gott sei Dank verhindern. Ich habe ihm gesagt, dass keiner hier Sirius Black unter seinem Umhang versteckt und ihm befohlen zu gehen. Mit dem Patronus-Zauber habe ich ihn vertreiben müssen! Dementoren sind ganz schön hartnäckig."
„Und vielleicht kommt es hier noch schlimmer.", murmelte Severus.
„Wie meinst du das?", fragte Remus irritert.
Severus drehte sich um und sah Remus direkt an.
„Sirius ist hier."
„Was?"
Remus sah ihn entgeistert an.
„Wie meinst du das? Wo?"
„Nachdem er dich nicht finden konnte, ist er hierher zu mir gekommen.", erzählte Severus. „Ich habe ihn dann für erstmal in die Heulende Hütte gebracht. Da ist er im Moment wohl am sichersten."
„Wie ist er rausgekommen?"
„Als Hund.", antwortete Severus. „Irgendwie konnte er so die Dementoren täuschen und hat dann einfach nur noch das Weite gesucht."
„Und wie geht es ihm?", fragte Remus besorgt.
„Nun, er sieht sehr mitgenommen aus, was kein Wunder ist.", antwortete Severus. „Er scheint eigentlich in Ordnung zu sein, nur eine Sache macht mir Sorgen: Er behauptet, Peter sei am Leben und er habe ihn gesehen."
„Wie das?"
„Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob er Wahnvorstellungen hat oder ob das einfach seine Art ist damit fertig zu werden, was Peter damals getan hat. Auf jeden Fall solltest du darauf vorbereitet sein, wenn du zu ihm gehst."
„Glaubst du, er will mich sehen?", fragte Remus. „Ich hätte damals eine Aussage zu seinen Gunsten machen können, aber das ganze war so verwoben, dass ich einfach verschwunden bin."
„Das wusste ich nicht,"gab Severus zu, „aber ich hatte den Eindruck, dass er sich sehr auf dich freut. Ich bin sicher, er kann deine Situation verstehen. Auch er hat mich damals gehen lassen, was ihn schließlich nach Askaban brachte. Mir gegenüber hat er jedenfalls nie mit Wut oder Hass von dir gesprochen."
„Na, wenn du das sagst..."
Remus machte eine Pause. Augenscheinlich machte ihm das schlechte Gewissen gegenüber Sirius ziemlich zu schaffen. Doch dann wechselte er plötzlich das Thema.
„Ich wollte mich übrigens noch bei dir bedanken."
„Wofür?", fragte Severus irritiert.
„Wofür?", lachte Remus. „Na, was glaubst du denn, wer sich dem Ministerium als Test-Werwolf zur Verfügung gestellt hat?"
„Stimmt, das hätte ich wissen müssen.", antwortete Severus und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Diese Fröhlichkeit von Remus tat nach den letzten Ereignissen so gut.
„Du weißt gar nicht, was du damit für mich getan hast.", erklärte Remus. „Endlich muss ich mir nicht mehr wie eine gemeingefährliche Bestie vorkommen."
„Und ich arbeite weiter.", versprach Severus. „Irgendwann werden wir das Virus ganz besiegen. Aber bis dahin bringe ich dir deinen Trank die Tage vor Vollmond."
„In Ordnung.", nickte Remus. „Aber sag mal, kannst du was gegen den hässlichen Geschmack tun?"
„Ich fürchte nicht.", antwortete Severus. „Meinen Tests zufolge macht Zucker den Trank unwirksam."
„Schade,"seufzte Remus, „aber man muss auch Opfer bringen und das ist es wert."
„Was unternehmen wir wegen Sirius?", fragte Severus. „Ich meine wegen der seltsamen Geschichte von Peter und überhaupt der ganzen Situation."
„Ich denke, das kann ich erst sagen, wenn ich mit ihm gesprochen habe.", antwortete Remus. „Aber ich glaube nicht, dass wir drei ganz so machtlos sind, wie es im Moment aussieht."
„Dein Wort in Gottes Ohr!", seufzte Severus kopfschüttelnd.
„Wir werden sehen."
Remus wandte sich zur Tür, stockte dann aber noch einmal.
„Übrigens ist es schön dich zu sehen, Sev. Ich bin sehr froh hier in Hogwarts nicht allein zu sein."
„Ich freue mich auch, dass du da bist, aber ich hoffe, du wirst meine barsche Art, die ich normalerweise an den Tag lege, akzeptieren können. Ich habe nunmal einen schlechten Ruf zu verlieren."
Remus grinste.
„Ich werde mir Mühe geben. Gute Nacht, Severus."
„Gute Nacht."
Damit verließ Remus die Wohnung. Noch etwas länger stand Severus nur da. Mit Remus zu sprechen hatte wirklich gut getan und vielleicht konnte man wirklich noch Hoffnung für ihre verzwickte Situation haben.
‚Mal sehen, was der Morgen bringt.', dachte Severus und legte sich schließlich schlafen.
