Blut und Krach am ersten Tag
(Kapitel 63)
Der erste Tag schien eigentlich in Ordnung zu sein und selbst die Anwesenheit der Dementoren machte sich im Schulklima nur verschwindend gering bemerkbar.
Severus hatte gerade den zweiten Jahrgang entlassen und bereitete den Unterricht für die später folgenden Fünftklässler vor, als Ginny Weasley zurück in den Raum gestürmt kam.
„Miss Weasley!"
Severus fuhr drohend herum.
„Abgesehen davon, dass nach dem Unterricht alle Schüler ihre Klassenräume der nächsten Stunde aufsuchen sollen, lassen Sie sich eines klar gesagt sein: Niemand, ich wiederhole, niemand stürmt ohne ausdrückliche Aufforderung in diesen Raum. Das gibt 5 Punkte Abzug für Gryffindor und wenn Sie nicht eine hochgradig plausible Entschuldigung haben, sollten Sie über die Zahl, die ich Ihnen dann abziehe, gar nicht nachdenken."
Nun fixierte er das von seinem Ausbruch völlig eingeschüchterte Mädchen. Severus vertrat die Ansicht, dass kein Unterricht ohne Respekt möglich war, und dies war nunmal seine Art sich welchen zu verschaffen.
„Professor Snape,"setzte Ginny Weasley dann nach einer Zeit doch leise an, „Madam Pomfrey schickt mich. Draco Malfoy ist verletzt worden. Er blutet und Madam Pomfrey sagte, Sie sollten sich das ansehen."
‚Malfoy?', schoss es Severus mit einer Spur Entsetzen durch den Kopf. ‚Ach du meine Güte, wenn da was Ernsthaftes passiert ist, dann kann ich schon anfangen die Minuten zu zählen bis Lucius hier ist.'
Ohne sie noch eines strengen Blickes zu würdigen, ließ Severus Ginny Weasley stehen und machte sich schnellstmöglich auf den Weg in den Krankenflügel.
Schon sein erster Schritt, den er in den Raum setzte, war von Malfoys theatralischem Stöhnen begleitet. Doch bevor Severus sich darum kümmerte, hielt er zunächst Madam Pomfrey auf, die in diesem Moment an ihm vorbeieilte.
„Nun, Poppy,"fragte er in gedämpfter Tonlage, „wie sieht es aus?"
„Es ist kaum der Rede wert.", antwortete sie, mit einem etwas genervten Seitenblick auf entsprechenden Schüler. „Ich habe schon wesentlich Schlimmeres gesehen und auch einwandfrei wieder in Ordnung gebracht."
Severus nickte. Er hatte sich etwas derartiges schon bei seinem Eintreten gedacht.
‚Wenn er den lebensgefährlich Verletzten so übertrieben spielen kann, kann es nicht so tragisch sein.', dachte er sich, während er an das Bett von Draco Malfoy herantrat.
„Professor Snape!", stöhnte Malfoy, als er seinen Hauslehrer bemerkte. „Wie gut, dass Sie hier sind! Sehen Sie sich das an!"
Damit hielt er ihm, anscheinend unter unerträglichen Schmerzen, den verbundenen Arm hin.
„Das sieht aber unschön aus.", bemerkte Severus, obwohl er genau wie Madam Pomfrey der Ansicht war, dass diese einfache Fleischwunde im Nu und ohne Schwierigkeiten heilen würde. „Recht schmerzhaft, vermute ich."
„Schon, aber ich will kein Mitleid.", antwortete Malfoy theatralisch und drehte den Kopf zur Seite. „Auch wenn die Schmerzen übermenschlich sind."
Innerlich verdrehte Severus die Augen.
‚Kein Mitleid, aber die Schmerzen sind übermenschlich. Eine typische Malfoy-Aussage!'
Doch er verzichtete auf einen Kommentar und widmete sich einem anderen Punkt dieses Ereignisses.
„Wie ist es eigentlich zu Ihrer Verletzung gekommen, Mister Malfoy?"
„Das ist alles die Schuld von diesem unfähigen Trottel von Wildhüter!", antwortete Draco Malfoy lauthals und schien in diesem Moment seine ‚übermenschlichen Schmerzen' vergessen zu haben.
„Sie meinen Hagrid, nehme ich an.", versuchte Severus ein gewisses Niveau zu wahren.
„Natürlich!", fuhr Malfoy hysterisch weiter auf. „Er hat Hippogreife auf uns losgelassen! Ich kann ja fast froh sein, dass es nur meinen Arm erwischt hat! Wir hätten alle tot sein können! So jemanden kann man doch nicht unterrichten lassen!"
Nachdem er nun seine vermutlich völlig überzogene Version der Geschichte vorgebracht hatte, ließ sich der Junge wieder in die Kissen zurücksinken.
„Gott sei Dank wissen die Schulräte schon über diese Zustände bescheid."
‚Vermutlich weil Daddy es ihnen nachdrücklich gesteckt hat.', fügte Severus gedanklich an.
„Da ich nun informiert bin, Mister Malfoy,"erklärte Severus, „werde ich Ihre Sicht der Dinge auf der vermutlich bald einberufenen Konferenz wohl angemessen vertreten können."
„Vielen Dank, Professor Snape.", erwiderte Malfoy in schleimigem Tonfall. „Wenigstens auf Sie ist hier Verlass."
Severus nickte mit gequältem Lächeln und verließ den Krankenflügel.
Es hatte nicht sehr lange gedauert, bis die von Severus' erwartete Nachricht über eine Lehrerkonferenz eingetroffen war. Dumbledore hatte sie alle für kurz vor dem Abendessen zu sich bestellt.
Severus, der aus Pünktlichkeitsgründen grundsätzlich der erste war, nahm einen Platz an der Wand ein und wartete dort, bis auch alle übrigen Kollegen eingetroffen waren. Obwohl genügend Sitzmöglichkeiten vorhanden waren, blieb Severus stehen, was Dumbledore schon gewöhnt war und deshalb ohne Hinweis darauf die Konferenz eröffnete.
„Ich denke, es hat sich zu jedem hier Anwesenden herumgesprochen, warum wir hier sind."
Allgemeines Nicken und bedauernde Blicke auf Hagrid waren die Reaktion. Bei allen Lehrern und auch, von den Slytherins abgesehen, bei allen Schülern waren Hagrid sehr beliebt, was die Stimmung nach einem solchen Vorfall gerade an seinem ersten Tag als Lehrer natürlich drückte.
„Glauben Sie mir, Herr Direktor,"beteuerte Hagrid verzweifelt, „ich konnte nichts dafür! Wirklich nicht! Ich will doch keine Schüler verletzen, bitte glauben Sie mir!"
„Das denkt auch keiner, Hagrid.", versicherte Dumbledore. „Nur sind die Schulräte schon ohne mein Wissen informiert worden und haben sich zu dem Vorfall geäußert."
„In welcher Weise?", fragte McGonagall.
„Sie sind der Meinung,"antwortete Dumbledore, „Hagrid sei zu groß eingestiegen. Er hätte lieber mit ungefährlicheren Geschöpfen anfangen sollen, wie etwa Flubberwürmern."
„Ist doch Unfug!", äußerte sich Prof. Sprout. „Laut Poppy sind die Verletzungen von Mister Malfoy doch kaum der Rede wert."
„Das mag sein.", schaltete sich Severus nun ein und trat einen Schritt von der Wand weg. „Aber wir sollten die Situation trotz allem nicht verkennen."
Auf Hagrids entgeisterten Blick führte Severus seine Meinung aus.
„Ich mache Ihnen nicht den Vorwurf der Absicht, Hagrid. Das wäre grotesk. Trotzdem teile ich die Auffassung der Schulräte. Wir alle und besonders Sie, Hagrid, sollten wissen, dass Hippogreife einfach keine Schmusetiere sind. Sie sind sehr stolz und dementsprechend auch sehr leicht zu fatalen Reaktionen zu reizen. Sie können damit vielleicht umgehen, aber Sie sollten nicht vergessen, dass diese Schüler nicht einmal annähernd die Präsenz, die Kraft und die Erfahrung haben, diese Wesen einzuschätzen oder auf sie zu reagieren."
„Das hab' ich ihnen aber alles gesagt.", erklärte Hagrid. „Wahrscheinlich hat sich Malfoy nicht daran gehalten."
„Selbst wenn MISTER Malfoy Ihre Anordnungen missachtet haben sollte, ist das noch keine Entschuldigung."
„Nun machen Sie mal einen Punkt, Severus!", empörte sich McGonagall und sprang von ihrem Sessel auf. „Fehler machen wir alle. Als ob in Ihrem Unterricht noch nie etwas schief gegangen und explodiert wäre."
Mit eiskaltem Blick drehte Severus sich zu ihr um.
„Sicher ist es das.", antwortete er. „Aber ich kläre meine Schüler im Detail über alle Risiken auf, bevor ich sie an etwas vergleichbar Gefährliches heranlasse, und bin desweiteren immer auf Zwischenfälle in Form von Gegentränken oder –zaubern vorbereitet. In diesem Fall wurden die Schüler allesamt ins kalte Wasser gestoßen."
„Aber die Verletzung ist doch kaum der Rede wert.", wiederholte sich Prof. Sprout.
„Mag sein.", gestand Severus. „Doch ist das Hagrid oder dem Zufall zu verdanken? Hat Hagrid den Hippogreif weggerissen und dieser deshalb nur den Arm erwischt oder hatte Mister Malfoy schlicht und ergreifend Glück? Hätte das entsprechende Wesen nicht auch ausschlagen und jemanden am Kopf treffen können? Was wäre denn dann?"
„Naja, bei 'nem richtigen Treffer wär' der Kopf wahrscheinlich kaputt.", gab Hagrid zu. „Und Sie haben ja Recht, Professor Snape, ich war auf der andern Seite und deshalb war's vermutlich Glück, aber ich schwör' Ihnen allen, das kommt nie wieder vor!"
„Das glauben wir, Hagrid.", nickte Dumbledore. „Ich werde mit den Schulräten reden und ihnen Ihre Sicht der Dinge schildern. Eine Ermahnung werde ich wohl aussprechen müssen, aber mit dem Versprechen, dass jetzt bis auf weiteres harmlose Wesen durchgenommen werden, können wohl alle leben."
„Das geb' ich Ihnen.", versprach Hagrid. „Das schwör' ich."
„Gut."
Dumbledore nickte und entließ die Lehrer zum Essen.
Nach außen hin kühl und abgeklärt wie immer merkte Severus natürlich schon, dass die Kollegen ihn mit verständnislosen und z.T. wütenden Blicken bedachten. Schweigend brachten sie das Abendessen hinter sich, bei welchem Hagrid nicht anwesend war.
Danach verschwand Severus schnellstmöglich in seine Wohnung. Natürlich konnte er ihre Wut verstehen, ihm selbst hatte es auch keinen Spaß gemacht Hagrid derart auf seine Fehler zu stoßen, aber mit der Situation war nunmal nicht zu spaßen. Die Aktion hätte wirklich schlimmer ausgehen können und als Hauslehrer sah Severus es als seine Pflicht an bei derartigen Sachen eindeutig Stellung zu nehmen.
‚Ich habe ja nun nicht verlangt ihn zu feuern.', dachte sich Severus. ‚Malfoys Arm ist bald wieder in Ordnung und dann ist die Sache auch abgeschlossen.'
Das hoffte er zumindest.
(Kapitel 63)
Der erste Tag schien eigentlich in Ordnung zu sein und selbst die Anwesenheit der Dementoren machte sich im Schulklima nur verschwindend gering bemerkbar.
Severus hatte gerade den zweiten Jahrgang entlassen und bereitete den Unterricht für die später folgenden Fünftklässler vor, als Ginny Weasley zurück in den Raum gestürmt kam.
„Miss Weasley!"
Severus fuhr drohend herum.
„Abgesehen davon, dass nach dem Unterricht alle Schüler ihre Klassenräume der nächsten Stunde aufsuchen sollen, lassen Sie sich eines klar gesagt sein: Niemand, ich wiederhole, niemand stürmt ohne ausdrückliche Aufforderung in diesen Raum. Das gibt 5 Punkte Abzug für Gryffindor und wenn Sie nicht eine hochgradig plausible Entschuldigung haben, sollten Sie über die Zahl, die ich Ihnen dann abziehe, gar nicht nachdenken."
Nun fixierte er das von seinem Ausbruch völlig eingeschüchterte Mädchen. Severus vertrat die Ansicht, dass kein Unterricht ohne Respekt möglich war, und dies war nunmal seine Art sich welchen zu verschaffen.
„Professor Snape,"setzte Ginny Weasley dann nach einer Zeit doch leise an, „Madam Pomfrey schickt mich. Draco Malfoy ist verletzt worden. Er blutet und Madam Pomfrey sagte, Sie sollten sich das ansehen."
‚Malfoy?', schoss es Severus mit einer Spur Entsetzen durch den Kopf. ‚Ach du meine Güte, wenn da was Ernsthaftes passiert ist, dann kann ich schon anfangen die Minuten zu zählen bis Lucius hier ist.'
Ohne sie noch eines strengen Blickes zu würdigen, ließ Severus Ginny Weasley stehen und machte sich schnellstmöglich auf den Weg in den Krankenflügel.
Schon sein erster Schritt, den er in den Raum setzte, war von Malfoys theatralischem Stöhnen begleitet. Doch bevor Severus sich darum kümmerte, hielt er zunächst Madam Pomfrey auf, die in diesem Moment an ihm vorbeieilte.
„Nun, Poppy,"fragte er in gedämpfter Tonlage, „wie sieht es aus?"
„Es ist kaum der Rede wert.", antwortete sie, mit einem etwas genervten Seitenblick auf entsprechenden Schüler. „Ich habe schon wesentlich Schlimmeres gesehen und auch einwandfrei wieder in Ordnung gebracht."
Severus nickte. Er hatte sich etwas derartiges schon bei seinem Eintreten gedacht.
‚Wenn er den lebensgefährlich Verletzten so übertrieben spielen kann, kann es nicht so tragisch sein.', dachte er sich, während er an das Bett von Draco Malfoy herantrat.
„Professor Snape!", stöhnte Malfoy, als er seinen Hauslehrer bemerkte. „Wie gut, dass Sie hier sind! Sehen Sie sich das an!"
Damit hielt er ihm, anscheinend unter unerträglichen Schmerzen, den verbundenen Arm hin.
„Das sieht aber unschön aus.", bemerkte Severus, obwohl er genau wie Madam Pomfrey der Ansicht war, dass diese einfache Fleischwunde im Nu und ohne Schwierigkeiten heilen würde. „Recht schmerzhaft, vermute ich."
„Schon, aber ich will kein Mitleid.", antwortete Malfoy theatralisch und drehte den Kopf zur Seite. „Auch wenn die Schmerzen übermenschlich sind."
Innerlich verdrehte Severus die Augen.
‚Kein Mitleid, aber die Schmerzen sind übermenschlich. Eine typische Malfoy-Aussage!'
Doch er verzichtete auf einen Kommentar und widmete sich einem anderen Punkt dieses Ereignisses.
„Wie ist es eigentlich zu Ihrer Verletzung gekommen, Mister Malfoy?"
„Das ist alles die Schuld von diesem unfähigen Trottel von Wildhüter!", antwortete Draco Malfoy lauthals und schien in diesem Moment seine ‚übermenschlichen Schmerzen' vergessen zu haben.
„Sie meinen Hagrid, nehme ich an.", versuchte Severus ein gewisses Niveau zu wahren.
„Natürlich!", fuhr Malfoy hysterisch weiter auf. „Er hat Hippogreife auf uns losgelassen! Ich kann ja fast froh sein, dass es nur meinen Arm erwischt hat! Wir hätten alle tot sein können! So jemanden kann man doch nicht unterrichten lassen!"
Nachdem er nun seine vermutlich völlig überzogene Version der Geschichte vorgebracht hatte, ließ sich der Junge wieder in die Kissen zurücksinken.
„Gott sei Dank wissen die Schulräte schon über diese Zustände bescheid."
‚Vermutlich weil Daddy es ihnen nachdrücklich gesteckt hat.', fügte Severus gedanklich an.
„Da ich nun informiert bin, Mister Malfoy,"erklärte Severus, „werde ich Ihre Sicht der Dinge auf der vermutlich bald einberufenen Konferenz wohl angemessen vertreten können."
„Vielen Dank, Professor Snape.", erwiderte Malfoy in schleimigem Tonfall. „Wenigstens auf Sie ist hier Verlass."
Severus nickte mit gequältem Lächeln und verließ den Krankenflügel.
Es hatte nicht sehr lange gedauert, bis die von Severus' erwartete Nachricht über eine Lehrerkonferenz eingetroffen war. Dumbledore hatte sie alle für kurz vor dem Abendessen zu sich bestellt.
Severus, der aus Pünktlichkeitsgründen grundsätzlich der erste war, nahm einen Platz an der Wand ein und wartete dort, bis auch alle übrigen Kollegen eingetroffen waren. Obwohl genügend Sitzmöglichkeiten vorhanden waren, blieb Severus stehen, was Dumbledore schon gewöhnt war und deshalb ohne Hinweis darauf die Konferenz eröffnete.
„Ich denke, es hat sich zu jedem hier Anwesenden herumgesprochen, warum wir hier sind."
Allgemeines Nicken und bedauernde Blicke auf Hagrid waren die Reaktion. Bei allen Lehrern und auch, von den Slytherins abgesehen, bei allen Schülern waren Hagrid sehr beliebt, was die Stimmung nach einem solchen Vorfall gerade an seinem ersten Tag als Lehrer natürlich drückte.
„Glauben Sie mir, Herr Direktor,"beteuerte Hagrid verzweifelt, „ich konnte nichts dafür! Wirklich nicht! Ich will doch keine Schüler verletzen, bitte glauben Sie mir!"
„Das denkt auch keiner, Hagrid.", versicherte Dumbledore. „Nur sind die Schulräte schon ohne mein Wissen informiert worden und haben sich zu dem Vorfall geäußert."
„In welcher Weise?", fragte McGonagall.
„Sie sind der Meinung,"antwortete Dumbledore, „Hagrid sei zu groß eingestiegen. Er hätte lieber mit ungefährlicheren Geschöpfen anfangen sollen, wie etwa Flubberwürmern."
„Ist doch Unfug!", äußerte sich Prof. Sprout. „Laut Poppy sind die Verletzungen von Mister Malfoy doch kaum der Rede wert."
„Das mag sein.", schaltete sich Severus nun ein und trat einen Schritt von der Wand weg. „Aber wir sollten die Situation trotz allem nicht verkennen."
Auf Hagrids entgeisterten Blick führte Severus seine Meinung aus.
„Ich mache Ihnen nicht den Vorwurf der Absicht, Hagrid. Das wäre grotesk. Trotzdem teile ich die Auffassung der Schulräte. Wir alle und besonders Sie, Hagrid, sollten wissen, dass Hippogreife einfach keine Schmusetiere sind. Sie sind sehr stolz und dementsprechend auch sehr leicht zu fatalen Reaktionen zu reizen. Sie können damit vielleicht umgehen, aber Sie sollten nicht vergessen, dass diese Schüler nicht einmal annähernd die Präsenz, die Kraft und die Erfahrung haben, diese Wesen einzuschätzen oder auf sie zu reagieren."
„Das hab' ich ihnen aber alles gesagt.", erklärte Hagrid. „Wahrscheinlich hat sich Malfoy nicht daran gehalten."
„Selbst wenn MISTER Malfoy Ihre Anordnungen missachtet haben sollte, ist das noch keine Entschuldigung."
„Nun machen Sie mal einen Punkt, Severus!", empörte sich McGonagall und sprang von ihrem Sessel auf. „Fehler machen wir alle. Als ob in Ihrem Unterricht noch nie etwas schief gegangen und explodiert wäre."
Mit eiskaltem Blick drehte Severus sich zu ihr um.
„Sicher ist es das.", antwortete er. „Aber ich kläre meine Schüler im Detail über alle Risiken auf, bevor ich sie an etwas vergleichbar Gefährliches heranlasse, und bin desweiteren immer auf Zwischenfälle in Form von Gegentränken oder –zaubern vorbereitet. In diesem Fall wurden die Schüler allesamt ins kalte Wasser gestoßen."
„Aber die Verletzung ist doch kaum der Rede wert.", wiederholte sich Prof. Sprout.
„Mag sein.", gestand Severus. „Doch ist das Hagrid oder dem Zufall zu verdanken? Hat Hagrid den Hippogreif weggerissen und dieser deshalb nur den Arm erwischt oder hatte Mister Malfoy schlicht und ergreifend Glück? Hätte das entsprechende Wesen nicht auch ausschlagen und jemanden am Kopf treffen können? Was wäre denn dann?"
„Naja, bei 'nem richtigen Treffer wär' der Kopf wahrscheinlich kaputt.", gab Hagrid zu. „Und Sie haben ja Recht, Professor Snape, ich war auf der andern Seite und deshalb war's vermutlich Glück, aber ich schwör' Ihnen allen, das kommt nie wieder vor!"
„Das glauben wir, Hagrid.", nickte Dumbledore. „Ich werde mit den Schulräten reden und ihnen Ihre Sicht der Dinge schildern. Eine Ermahnung werde ich wohl aussprechen müssen, aber mit dem Versprechen, dass jetzt bis auf weiteres harmlose Wesen durchgenommen werden, können wohl alle leben."
„Das geb' ich Ihnen.", versprach Hagrid. „Das schwör' ich."
„Gut."
Dumbledore nickte und entließ die Lehrer zum Essen.
Nach außen hin kühl und abgeklärt wie immer merkte Severus natürlich schon, dass die Kollegen ihn mit verständnislosen und z.T. wütenden Blicken bedachten. Schweigend brachten sie das Abendessen hinter sich, bei welchem Hagrid nicht anwesend war.
Danach verschwand Severus schnellstmöglich in seine Wohnung. Natürlich konnte er ihre Wut verstehen, ihm selbst hatte es auch keinen Spaß gemacht Hagrid derart auf seine Fehler zu stoßen, aber mit der Situation war nunmal nicht zu spaßen. Die Aktion hätte wirklich schlimmer ausgehen können und als Hauslehrer sah Severus es als seine Pflicht an bei derartigen Sachen eindeutig Stellung zu nehmen.
‚Ich habe ja nun nicht verlangt ihn zu feuern.', dachte sich Severus. ‚Malfoys Arm ist bald wieder in Ordnung und dann ist die Sache auch abgeschlossen.'
Das hoffte er zumindest.
