Anmerkung von Tasha: So, nach einer (ziemlichen) Pause bin ich wieder da. Ich hoffe, sie hat sich für euch gelohnt und ihr schreibt mir Reviews zum neuen Kapitel. ;-)
Friedensschluss und weitere Panik
(Kapitel 65)
Ein paar Tage hatte sich Severus nicht mehr in der Hütte blicken lassen und auch Remus, so gut das in ihrer Situation möglich war, ignoriert. Auf der einen Seite wusste er zwar, dass es sie nicht weiterbringen würde zu streiten, im Gegenteil, aber andererseits sah es sein angeborener Sturkopf auch nicht ein klein beizugeben, wo er doch wusste, dass er im Großen und Ganzen Recht hatte.
Seine üble Laune ließ er in dieser Zeit genüsslich an den Schülern und besonders Neville Longbottom aus. Wie erwartet hatte sich die Aktion mit dem Irrwicht sofort zum Thema Nummer 1 verbreitet und da Severus diesen Spaß nicht teilte, zeigte er ihnen auf seine Art, was diese Art von Humor für Beteiligte bedeutete.
Seine sture Haltung ließ sich zumindest gegenüber Remus nicht ewig halten. Ein Blick auf den Kalender verriet Severus, dass in ein paar Tagen Vollmond war und Remus dem zufolge den Banntrank brauchte.
‚Vielleicht endlich eine Chance die ganze Sache zu klären.', dachte Severus, denn so würde er wenigstens nicht grundlos angekrochen kommen.
Der Nachmittag Ende Oktober, als die oberen Klassen in Hogsmeade waren, bot sich geradezu an und so machte sich Severus mit einem Becher des dickflüssigen, heißen Trankes auf den Weg zu Remus' Büro. Auf sein Klopfen ertönte gleich Remus' durchaus freundliche Stimme, die ihn hereinbat. Severus trat ein, doch mit seinem ersten Blick zersprang die Chance in Ruhe mit Remus zu reden: Harry saß ihmgegenüber und starrte Severus überrascht an.
„Ah, Severus!", löste Remus die in der Luft liegende Spannung. „Vielen Dank. Könnten Sie es hier auf den Tisch stellen?"
Severus folgte der Anweisung, jedoch nicht ohne weiter zwischen Harry und Remus hin- und herzuschauen.
„Ich hab Harry gerade meinen Grindeloh gezeigt.", beantwortete Remus die stumm gestellte Frage.
„Faszinierend.", kommentierte Severus ohne den Grindeloh überhaupt anzusehen. „Sie sollten ihn gleich trinken, Lupin."
Doch während dieses harmlos klingenden Satzes fixierte Severus den Gefährten.
‚Komm nachher bitte zu mir. Es ist wichtig.'
Severus nutzte eine erlernte Fähigkeit, die es ihm ermöglichte Leuten, die ihm nahe standen, kleine Mitteilungen zu machen.
„Ja, ja, mach ich.", antwortete Remus, sodass es für Harry so klang als würde er vom Trinken des Trankes sprechen.
„Ich habe einen ganzen Kessel voll gebraut.", erklärte Severus noch beiläufig. „Falls sie noch mehr brauchen."
„Ich werde morgen wohl noch etwas zu mir nehmen. Vielen Dank, Severus."
„Keine Ursache."
Damit verließ Severus das Büro und kehrte in sein Labor zurück.
Es dämmerte schon draußen, als es endlich an der Labortür klopfte.
„Herein.", rief Severus ohne sich umzudrehen.
Das Öffnen und Schließen der Tür sowie die Art der Schritte verriet Severus schon, dass es sich um Remus handeln musste.
„Du wolltest mich sprechen?", fragte Remus und wartete nun ab, bis Severus sich schließlich umdrehte.
„Ja.", antwortete er und erst nach einer Pause fuhr er fort. „Es geht um unseren Streit von neulich. Ich fürchte, es ist dabei ein bißchen zu heftig zugegangen."
„Mach dir keinen Kopf!", winkte Remus ab. „Es ist äußerst unglücklich verlaufen. Ich habe auch nochmal mit Sirius gesprochen und du hattest ja Recht. Er hat mein Verständnis als Zustimmung gedeutet. Außerdem schien es mir, als ob er etwas, was er dir gegenüber fallen gelassen hat, ziemlich bedauern würde."
Severus nickte stumm. Die Worte hatten ihn zwar tief verletzt, aber er kannte Sirius und dessen loses Mundwerk und sah es nicht als unverzeihlich an.
„Übrigens," fing Remus wieder an, „wollte ich mich noch für die Geschichte mit dem Irrwicht entschuldigen. Ich wollte dich nicht lächerlich machen oder deine Autorität untergraben. Ich wollte Neville Longbottom einfach nur zu etwas mehr Selbstvertrauen helfen und da habe ich nicht so weit gedacht."
„Schon gut, Remus.", gab Severus zurück. „Sowas klingt auch wieder ab."
„Sag mal," wechselte Remus spontan das Thema, während er auf die Regale mit Severus' eingemachten Kreaturen zuging, „du hattest zu meinen beruflichen Vorgängern nicht das herzlichste Verhältnis, oder?"
„Wie kommst du denn darauf?", fragte Severus irritiert.
„Naja, Harry hat da sowas angedeutet.", antwortete Remus.
„Was heißt herzliches Verhältnis.", versuchte Severus zu erklären. „Quirrell war vom dunklen Lord besessen und Lockhart war ein Aufschneider, der nicht mal das Zähmen von Wichteln zustande brachte. Das war für mich genug Grund, nicht ihr bester Freund zu werden. Warum? Was hat Harry denn so ‚angedeutet'?"
„Er sagte, du seist sehr an den dunklen Künsten interessiert."
„Ist dir das neu?", fragte Severus mit hochgezogener Augenbraue.
„Nein.", antwortete Remus unbekümmert. „Aber er sagte auch, manche glauben, du würdest alles tun, um Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu werden."
Remus grinste.
„Und das beim Anblick von mir, wie ich einfach so ein von dir gebrautes, undefinierbares Zeug trinke."
Auch auf Severus' Gesicht breitete sich ein schadenfrohes Grinsen aus.
„Vielleicht hätte ich noch bleiben sollen. Das Gesicht hätte ich zu gerne gesehen."
„Das glaube ich dir.", nickte Remus immer noch grinsend und warf dann einen Blick auf die Uhr. „Wir sollten zum Essen gehen."
„Geh nur.", bestimmte Severus. „Ich komme gleich nach."
„Gut."
Als Severus in die Halle kamen waren schon einige Schüler da und auch Remus saß an seinem Platz und sprach mit Prof. Flitwick. Severus nahm Platz und aß wie üblich still zu Abend. Sein Blick wanderte jedoch immer wieder zu Remus rüber. Der Trank schien seine Wirkung jedoch gut zu halten, da Remus trotz bevorstehendem Vollmond munter und fröhlich wirkte. Auf ein plötzliches ungutes Gefühl warf Severus einen Blick auf die Schülertische und sein Blick traf kurz Harrys, der ihn beobachtet zu haben schien.
‚Klasse!', dachte Severus sich leicht sarkastisch. ‚Jetzt stehe ich schon wegen vermutlicher Mordplanung unter Beobachtung.'
Es fiel ihm nicht schwer, sich auszumalen, was Harry nach dem heutigen Erlebnis denken musste. Viele Schüler waren bald darauf fertig und verließen die Halle, doch gerade als auch Severus gehen wollte, kam ein Viertklässler aus Gryffindor zum Lehrertisch gerannt und rief fast panisch:
„Professor Dumbledore! Percy Weasley schickt mich! Es ist was ganz schreckliches passiert! Bitte, Sie müssen schnell kommen!"
Dem Direktor und der sich natürlich gleich verantwortlich fühlenden McGonagall schlossen sich auch gleich Remus und Severus an. So schnell es ging, liefen sie hoch zum Eingang des Gryffindor-Gemeinschaftsraumes. Bei dem, was sie da sahen, musste auch Severus erstmal schlucken. Die fette Dame, die sonst aufpasste, dass kein Nicht-Gryffindor den Turm betrat, war verschwunden und die Leinwand des Gemäldes vollkommen zerschlitzt.
‚Da hat aber jemand gewütet.', dachte sich Severus und würde erst von Dumbledores Stimme wieder aus den Gedanken gerissen.
„Wir müssen sie suchen.", erklärte der Direktor. „Professor McGonagall, bitte gehen Sie sofort zu Mr Filch und sagen ihm, er soll jedes Gemälde im Schloss nach der fetten Dame absuchen."
„Da werdet ihr kein Glück haben!", tönte es fast triumphierend über ihnen.
Peeves, der Poltergeist, war über ihren Köpfen erschienen und belustigte sich augenscheinlich sehr über die Szene.
„Was meinst du damit, Peeves?", fragte Dumbledore und schlagartig legte Peeves seine Frechheit ab.
Bei zwei Personen erlaubte er sich keine Mätzchen: bei Dumbledore aus Respekt und beim Blutigen Baron aus Angst.
„Sie geniert sich, Herr Oberschulleiter.", antwortete er in schleimigem Ton. „Will nicht gesehen werden. Sieht fürchterlich aus. Hab sie durch das Landschaftsgemälde oben im vierten Stock rennen sehen, Sir, sie hat sich hinter den Bäumen versteckt. Hat etwas Schreckliches gerufen."
Da er bei seinem letzten Satz fast glücklich klang, setzte er noch heuchlerisch hinzu:
„Armes Ding."
„Hat sie gesagt, wer es war?", fragte Dumbledore leise aber sachlich.
„O ja, Herr Professor Doktor Dumbledore!", ereiferte sich Peeves und genoss die Aufmerksamkeit der Menge. „Er wurde sehr zornig, als sie ihn nicht einlassen wollte, verstehen Sie."
Genüsslich machte der Poltergeist eine Pause und sah sich selbst durch die Beine, bevor er endgültig sagte:
„Übles Temperament hat er, dieser Sirius Black."
Während die Schüler fast versteinert den Poltergeist anstarrten, wechselten Severus und Remus einen entgeisterten Blick.
‚Das kann doch nicht sein!', dachte Severus. ‚Ist Sirius tatsächlich so beschränkt, dass er hier einfach reinspaziert?'
Dumbledore schickte die Schüler sofort alle in die Große Halle zurück und wies Severus und Remus an, schon damit zu beginnen, das Schloss zu durchkämmen. Zielstrebig lenkte Severus ihren gemeinsamen Weg zum Klassenraum für Verteidigung gegen die dunklen Künste.
„Severus, was machen wir hier?", fragte Remus immer noch etwas verstört.
„Ich werde weiter nach Sirius suchen.", erklärte Severus leise, während er Remus in den Raum drängte. „Du gehst schnell durch den Gang zur Hütte, wo sich Sirius, wie ich hoffe, schon wieder befinden wird. Wenn er da ist, hoffe ich, dass du ihm ordentlich die Meinung sagst. Wenn er nicht da ist, warte dort, ich versuche ihn zu finden und irgendwie zurückzubringen."
Plötzlich knarrte ein Regal und die beiden Lehrer fuhren erschrocken zusammen.
„Ami!", stöhnte Severus, als er seine Katze auf einem der hohen Bücherregale entdeckte.
„Gut.", nickte Remus dann. „Ich nehme Ami mit und wenn Sirius da ist, schicke ich sie zu dir."
„In Ordnung.", stimmte Severus zu und verließ das Klassenzimmer, um sich auf die Suche zu machen.
In einem Gang traf er auf McGonagall, die ihm mitteilte, dass Dumbledore alle Schüler hatte in die Halle bringen lassen. Dort sollten sie diese Nacht unter Aufsicht der Vertauensschüler verbringen. Severus nahm das zur Kenntnis und trennte sich wieder von der Kollegin. Etwa 10 Minuten später konnte er sich endlich entspannen, denn Ami sprang ihm von hinten auf die Schulter, was das Zeichen dafür war, dass Sirius sich in Sicherheit befand. Er schickte Ami in seine Wohnung und tat weiterhin so, als würde er den Entflohenen suchen.
Gegen drei Uhr ging er dann zur Großen Halle, wo er wie erwartet auf Dumbledore traf, der sich gerade mit Percy Weasley unterhielt. Sein Rundgang hatte ihn dazu gebrachte eine Entscheidung zu treffen, die er Dumbledore jetzt nur möglichst geschickt klar machen musste.
„Direktor?", sprach er Dumbledore an. „Wir haben den gesamten dritten Stock durchsucht. Keine Spur von ihm. Und Filch war in den Kerkern; dort ist er auch nicht."
„Was ist mit dem Astronomieturm?", fragte Dumbledore. „Das Zimmer von Professor Trelawney? Die Eulerei?"
„Alles durchsucht..."
Severus schüttelte den Kopf.
„Na gut, Severus. Ich hatte ohnehin nicht erwartet, dass Black lange trödelt."
„Haben Sie eine Idee, wie er hereingekommen ist?", fragte Severus, nur um sich abzusichern.
„Einige, Severus,"antwortete Dumbledore, „und eine unsinniger als die andere."
Severus beschloss diese seltsame Bemerkung zu ignorieren und lenkte auf seinen eigentlichen Plan zu.
„Sie erinnern sich an das Gespräch, das wir hatten, Direktor, kurz vor – ähm – Beginn des Schuljahres?"
Severus wollte auf Remus hinaus und dass er offiziell von dessen Anwesenheit ja nicht angetan war.
„In der Tat, Severus.", gab Dumbledore zu, doch Severus hörte einen gewissen warnenden Unterton.
Trotzdem setzte er seinen Plan fort.
„Es scheint – fast unmöglich – dass Black ohne Hilfe aus dem Schloss hereingekommen ist."
‚Was ja auch definitiv der Wahrheit entspricht.'
„Ich habe damals wegen dieser Stellenbesetzung meine Vorbehalte zum Ausdruck gebracht..."
„Ich glaube nicht, dass auch nur ein Einziger hier im Schloss Black geholfen hat.", fuhr Dumbledore Severus streng über den Mund, bevor dieser noch ausreden konnte.
Dabei sah er den jüngeren Mann mit einem Blick an, den man bei Albus Dumbledore äußerst selten sah und Severus antwortete darauf nicht mehr.
„Ich muss runter zu den Dementoren.", erklärte der Direktor dann. „Ich sagte, ich würde ihnen berichten, wenn die Suche beendet ist."
„Wollten die nicht helfen, Sir?", mischte sich nun der bis dato schweigende Percy Weasley ein.
„O doch!", erwiderte Dumbledore kühl. „Aber solange ich hier Schulleiter bin, kommt kein Dementor über die Schwelle dieses Schlosses."
Dabei warf er Severus noch einen kurzen Blick zu, der eine gewisse Entschuldigung für die harschen Worte inne hatte. Severus sah dem Schulleiter noch eine Weile schweigend nach, doch dann verließ auch er die Halle und schlug den Weg zu seiner Wohnung ein. Unterwegs kochte er trotzdem noch vor Wut.
‚Vertrau mir doch einfach, Albus!', dachte er. ‚Ich weiß, was ich tue. Wenn Remus gehen muss, dann kann auch Sirius hier weg. Vielleicht hat er dann ein bißchen mehr Freiheit und die Dementoren ziehen hier ab. Es bringt uns doch allen nur Vorteile!'
In seiner Wohnung angekommen fiel sein Blick auf Ami, die auf seinem Sessel lag.
„Warum hört er nicht auf mich?", fragte Severus seine kleine Mitbewohnerin miedergeschlagen.
Ami sah ihn zwar einfach nur an, doch es schien, als wolle sie sagen:
„Was erwartest du? Was sollte er denn, ohne dein Insider-Wissen, von dieser Situation halten?"
Severus seufzte, ließ sich, nachdem Ami auf die Lehne gesprungen war, in den Sessel fallen und schüttelte ergeben den Kopf. Als ihm die staubgraue katze dann wieder auf den Schoß sprang, kraulte er sie hinterm Ohr und flüsterte:
„Du hast ja Recht, meine Kleine, du hast ja Recht."
