Anmerkung von Tasha: So, es hat gedauert, aber ich glaube, ich habe mein „Kreativloch"einigermaßen überwunden. Hier geht's also weiter.

Ermione: Ich hoffe, unsere kleine Differenz hat sich wenigstens ein bißchen aufgeklärt.


Vertretung

(Kapitel 66)

Stimmen auf dem Gang rissen Severus aus seinen Gedanken. Ein Mithäftling wurde, so wie es sich anhörte, zeternd aus dem Zellentrakt geführt. Ihn ließ man schon seit ungewöhnlich langer Zeit in Ruhe, was jedoch auch Taktik sein konnte. Er war auf sich allein gestellt.

‚Wie schon so oft.', dachte er. ‚Wie auch damals.'

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Die Idee mit Remus' Verschwinden war schief gegangen. Zwar behandelte Dumbledore Severus wie immer, doch er wusste, dass der Direktor solch indirekte Anschuldigungen sehr ernst nahm.

‚Nichts zu machen.', dachte Severus. ‚Dann müssen wir eben einen anderen Weg finden.'

Das ganze Unternehmen erschwerte sich noch dadurch, dass sich Remus und Sirius bei ihrem Gespräch direkt nach Sirius' ‚Einbruch' wohl auch etwas heftig angegangen waren und wenn Remus das so ausdrückte, durfte das schon was heißen. Zusätzlich schwebten die Dementoren immer näher um Hogwarts herum, sodass das Verschwinden zu Sirius' Versteck immer gefährlicher wurde.

„Keine Sorge, ich komme schon klar.", hatte Sirius gesagt, doch er hatte mit einer derartigen Gleichgültigkeit gesprochen, dass Severus sich nicht länger auf ein Gespräch eingelassen hatte.

Der Stress wollte kein Ende nehmen, als kurz vor den nächsten Quidditsch-Spielen McGonagall abends beinahe ungebremst in sein Büro stürmte.

„Severus, das ist die Höhe!", tobte sie. „Das ist schon beinahe unzulässig!"

„Könnten Sie mir gnädigerweise erstmal sagen, wovon Sie sprechen?", fragte Severus und sah der aufgebrachten Kollegin beinahe schon genervt ins Gesicht.

„Wovon ich spreche?"

McGonagall schien gar keinen Grund zu sehen sich zu beruhigen.

„Ich spreche davon, dass ihr Quidditsch-Captain eine Verlegung verlangt, sodass mein Team das nächste Spiel gegen Hufflepuff führen wird! Weil angeblich ihr Sucher verletzt ist."

Den letzten Satz stieß sie verächtlich aus.

„Sie kennen die Umstände von Mr Malfoys Verletzung.", versuchte Severus das Gespräch wieder zu beruhigen. „Je nach Person kann die Ausheilung eine Weile dauern und Ersatz haben wir leider nicht. Auf der anderen Seite wäre es Ihnen doch sicher auch nicht recht mit unverdientem Vorteil zu spielen, weil der gegnerische Sucher verletzt oder ein neuer noch überhaupt nicht eingespielt ist, oder irre ich da?"

Nun sah er McGonagall herausfordernd an. Sie bebte immer noch vor Wut, schob dann ihre Brille zurecht und erwiderte:

„Wir akzeptieren, aber das wird noch Konsequenzen haben, das verspreche ich Ihnen!"

Mit diesen Worte drehte sie sich um und verschwand mit knallender Tür aus dem Büro. Severus legte stöhnend den Kopf in die Hände. Das Malfoy nicht wirklich verletzt war, wussten beinahe alle. Beweisen konnte es keiner, aber alle wussten es.

‚Und der Grund, warum sie nicht spielen wollen, wird kein anderer als das verdammte Wetter der letzten Zeit sein.'

Es goss schon seit Tagen in Ströhmen und bei diesem Wetter war Quidditsch nicht nur schwierig sondern auch gefährlich.

‚Vielleicht ist dieser Verlegungsantrag gar nicht so dumm.', dachte Severus. ‚Auf die Idee hätte Minerva eigentlich auch kommen können.'

In diesem Moment klopfte es erneut.

„Ja!"

Severus versuchte seiner Stimme den üblichen harschen Klang zu geben, doch er vermutete, dass man seine absolute Unfähigkeit noch mehr schlechte Nachrichten zu hören durchaus bemerkte.

„Guten Abend, Severus, ich bin's."

Zögernd trat Remus ein und schloss die Tür hinter sich.

„Remus, wenn es eine schlechte Nachricht ist, komm bitte morgen wieder."

„Nun, schlecht, ich weiß nicht..."

Auf Remus' Stammeln sah Severus nun auf und bemühte sich seinen Schock zu verbergen. Morgen war Vollmond und Remus sah schon heute furchtbar aus. Obwohl er den Wolfsbanntrank regelmäßig zu sich nahm, ließen sich diese Erscheinungen wie Schwäche und Erschöpfungszustände direkt vor und nach der Verwandlung nicht unterdrücken. Stumm deutete Severus auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Remus setzte sich und sah Severus noch immer etwas unsicher an.

„Also, Remus, was gibt es?"

„Es geht um meinen Unterricht.", antwortete Remus. „Ich sehe mich absolut nicht in der Lage morgen meine Stunden abzuhalten, ohne vor versammelter Klasse zusammenzubrechen. Deshalb möchte ich dich bitten, wenn das irgendwie möglich ist, das morgen zu übernehmen."

Damit reichte er Severus seinen Stundenplan. Irritiert überflog Severus den Plan. Das schien alles recht gut zu passen.

„Warum ich?", fragte er. „Weiß der Direktor davon?"

„Ich habe mit ihm gesprochen.", nickte Remus. „Zunächst war er nicht so angetan, aber ich habe ihm gesagt, dass du der einzige wärst, der sofort zur Verfügung stünde, und von dem Stoff so viel Ahnung hat, dass er den Unterricht schon fast aus dem Stehgreif abhalten könnte. Dann hat er sein Okay dazu letztendlich doch gegeben."

Anstatt einer Antwort zog Severus nun seinen Stundenplan aus dem Schreibtisch und glich die beiden Pläne genau ab. Er hätte keine Freistunden und müsste schleunigst zwischendurch von einem Raum in den anderen kommen, aber theoretisch war das zu schaffen.

„In Ordnung.", erklärte Severus. „Nur dieses Mal?"

Remus war schon an der Tür und zuckte leicht zusammen.

„Nun, ich vermute nicht, dass es mir vor und nach den anderen Verwandlungen besser gehen wird, aber wenn es dir zuviel ist, könnte man da sicher noch eine andere Regelung finden..."

„Unsinn!", fuhr Severus dazwischen. „Ich muss das nur wissen, um mich darauf einzustellen. Also immer vor und nach der Verwandlung."

„Danke, Severus.", lächelte Remus erleichtert. „Du weißt gar nicht, was du damit für mich tust."

Es kam Severus vor, als hätte Remus beim Gehen ein paar Kilo weniger auf den Schultern.

Am nächsten Tag kam also die Bewährungsprobe: Severus würde, wenn auch nur als Ausnahme, Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten.

‚Nicht so, wie ich mir das gewünscht habe,' dachte er auf dem Weg zum Unterrichtsraum, ‚aber es ist ein Anfang.'

Ungebremst, wie er das üblicherweise auch bei seinem Zaubertränkeunterricht tat, stürmte er in den Klassenraum. Gezwungenermaßen verlangsamte er seine Schritte kurz vor dem Pult dann doch. Im Gegensatz zu seinem Kerkerlabor war es hier entschieden heller und verärgert bemerkte Severus, dass ihm diese extreme Lichtzufuhr doch zu schaffen machte.

‚Wieder ein Punkt für die Vampier-Fledermaus-Theorie!', dachte er wütend und wandte seine Aufmerksamkeit nun zum ersten Mal der Klasse zu.

Innerlich verdrehte er die Augen. Es war der dritte Jahrgang Gryffindor und Hufflepuff.

‚Klasse! Ich versuche mich hier mit den Gegebenheiten zu arrangieren und darf mich gleichzeitig mit meinen drei Lieblingsgryffindors auseinandersetzen.'

Dabei fand sein Blick die Reihe, in der Hermine Granger und Ron Weasley saßen. Aber wo war Harry? Severus begnügte sich damit, dies zu ignorieren und wandte sich dem Unterricht zu.

„Meine Herrschaften, ich kann Ihnen versichern ebenso wenig begeistert darüber zu sein, sich mit Ihnen auseinandersetzen zu müssen wie Sie.", begann Severus in seinem herabwürdigenden Ton. „Doch ich fürchte, sowohl Sie als auch leider Gottes ich sind diesem Schicksal hilflos unterworfen."

Mit hämischem Grinsen unter anderem über die fassungslosen Gesichter der Schüler nahm Severus am Pult platz.

„Nun, wie ich zu meinem Missfallen feststellen musste, liegen keinerlei Unterlagen seitens Professor Lupin vor, sodass..."

In diesem Moment öffnete sich die Klassenzimmertür und ein abgehetzter Harry Potter, der ihn nicht mal ansah, keuchte:

„Entschuldigen Sie, dass ich zu spät komme, Professor Lupin, ich..."

In diesem Moment sah er auf und genüsslich stellte Severus fest, dass der Junge bei seinem Anblick erstarrte.

„Diese Unterrichtsstunde hat vor zehn Minuten begonnen, Potter,"bemerkte Severus, ohne weiter auf seine Anwesenheit einzugehen, „und ich denke, wir ziehen Gryffindor zehn Punkte ab. Setz dich."

Doch der Junge reagierte nicht.

„Wo ist Professor Lupin?", fragte er stattdessen.

„Er sagt, er fühle sich heute zu krank, um zu unterrichten.", antwortete Severus mit schiefem Lächeln, da es ja eigentlich korrekt war, was er sagte. „Hab ich nicht gesagt, du sollst dich setzen?"

„Was hat er denn?"

Erneut widersetzte sich Harry der Aufforderung.

„Nichts Lebensbedrohliches.", erklärte Severus, sah Harry dabei jedoch mit einem Blick an, der ihn an den Trank, den der Junge wohl immernoch für Gift hielt, erinnern sollte. „Noch einmal fünf Punkte Abzug für Gryffindor, und wenn ich dich noch einmal auffordern muss, dich zu setzen, werden's fünfzig."

Nach dieser Drohung setzte sich Harry endlich und Severus konnte fortfahren.

„Wie ich gerade sagte, bevor Potter uns unterbrach, hat Professor Lupin keine Notizen über Stoff hinterlassen, den Sie bisher behandelt haben..."

„Bitte, Sir, wir haben Irrwichte behandelt, Rotkappen, Kappas und Grindelohs,"fuhr ihm Hermine Granger sofort in seine Atempause, „und wir wollten gerade mit..."

„Schweigen Sie!", übertönte Severus sie kalt. „Ich habe nicht um Aufklärung gebeten. Mir ist nur Professor Lupins Misswirtschaft aufgestoßen."

„Er ist der beste Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, den wir je hatten.", kam es mutig aus der Ecke von Dean Thomas.

Severus funkelte ihn an, da ihm die Kritik dieser Aussage nicht entgangen war.

‚Auch wenn sie im Rückblick auf die Vorgänger durchaus der Wahrheit entspricht.'

„Sie sind leicht zufrieden zu stellen.", kommentierte Severus das ganze nur. „Lupin überfordert Sie ja kaum - ich selbst gehe davon aus, dass schon Erstklässler mit Rotkappen und Grindelohs fertig werden. Heute behandeln wir..."

Damit griff er nach dem Unterrichtsbuch und blätterte darin. Plötzlich fiel ihm ein Bild ins Auge, dass seinen Ursprungsplan vielleicht doch noch durchsetzen ließ.

„...Werwölfe.", vollendete Severus den Satz.

„Aber, Sir,"kam es wieder von Hermine Granger, die aus Verwarnungen offenbar nicht lernte, „wir sollten jetzt noch nicht die Werwölfe behandeln, eigentlich wollten wir mit Hinkepanks anfangen..."

„Miss Granger," erwiderte Severus und ließ die ganze Klasse spüren, dass er gereizt war, „ich war davon ausgegangen, dass ich den Unterricht halte und nicht Sie. Und nun schlagen Sie alle die Seite dreihundertundvierundneunzig auf."

Nachdem nicht sofort eine Reaktion kam, setzte Severus etwas lauter nach:

„Alle, habe ich gesagt! Und zwar sofort!"

Auf diese harsche Anordnung blätterten die Schüler dann doch in ihren Büchern, um die Seite 394 zu lesen.

„Wer von Ihnen kann mir sagen, wie man einen Werwolf von einem richtigen Wolf unterscheidet?", fragte Severus, gleich nachdem das Blättern aufgehört hatte.

Alle Hände, abgesehen von der Hermine Grangers, blieben unten, ob das Trotz oder tatsächliches Unwissen war, war in dieser Situation schwer zu beurteilen.

„Keiner?", hakte Severus nach, wobei er Hermine Granger wie des öfteren mit Nichtachtung strafte. „Wollen Sie mir sagen, dass Professor Lupin Ihnen nicht einmal den einfachen Unterschied zwischen..."

„Wir haben Ihnen doch gesagt, dass wir noch nicht bei den Werwölfen waren!", fiel ihm unerwartet Parvati Patil ins Wort. „Wir sind immer noch auf..."

„Ruhe!", fauchte Severus sie geladen an, denn wenn er etwas hasste, war es, unterbrochen zu werden.

‚Wie soll ich denn bei soviel Widerstand einen Plan in Gang bringen, der das Beste für alle ist?'

Nachdem er kurz durchgeatmet und sich wieder unter Kontrolle hatte, fuhr er in seinem üblichen, bedrohlich-ruhigem Ton fort:

„Schön, schön, schön, ich hätte nie gedacht, dass ich einmal auf eine dritte Klasse stoßen würde, die nicht einmal einen Werwolf erkennt, wenn sie einem gegenübersteht. Ich werde Professor Dumbledore ausdrücklich davon in Kenntnis setzen, wie weit Sie hinterher sind..."

„Bitte, Sir," platzte nun wieder einmal Hermine Granger hervor, „der Werwolf ist vom echten Wolf durch mehrere Merkmale zu unterscheiden. Die Schnauze des Werwolfs..."

„Das ist das zweite Mal, dass Sie einfach reinreden, Miss Granger.", schnitt Severus ihr das Wort ab, blieb jedoch völlig gelassen. „Noch einmal fünf Punkte Abzug für Gryffindor, weil Sie eine unerträgliche Alleswisserin sind."

Mit wässrigen Augen ließ sie die Hand sinken, während der Rest der Klasse Severus wütend anstarrte.

‚Was denn? Der von uns, der sie in seinem Leben noch nie so genannt hat, werfe den ersten Stein.'

Severus wollte gerade die Ausführungen über den Leistungsstand der Klasse zu Ende bringen, als Ron Weasley auffuhr.

„Sie haben uns eine Frage gestellt und sie weiß die Antwort! Warum fragen Sie eigentlich, wenn Sie es doch nicht wissen wollen?"

‚Jetzt bist du zu weit gegangen!', dachte Severus und spürte eine Wut in sich,wie eigentlich schon lange nicht mehr.

Langsam, wobei er sich immer mehr aufbaute, ging er drohend auf den Schüler zu, blieb vor der Bank stehen und sah mit einem richtenden Blick drohend auf den Schüler herab.

„Strafarbeit, Weasley, und wenn ich noch einmal höre, dass Sie meine Unterrichtsweise kritisieren, dann wird Ihnen das wirklich Leid tun."

Alle um ihn herum hatten den Atem angehalten und auch der Angesprochene senkte geschlagen den Kopf.

Während dem gesamten Rest der Stunde wagte keiner mehr etwas zu sagen, auch nicht als Severus durch die Reihen streifte und an ihren bei Remus geschriebenen Arbeiten herumkritisierte.

„Ganz schlecht erklärt... das ist nicht richtig, der Kappa kommt häufiger in der Mongolei vor... Professor Lupin hat dafür acht von zehn Punkten gegeben? Bei mir hätten Sie keine drei bekommen..."

Obwohl er wusste, dass es sich nicht unbedingt positiv auf seinen zukünftigen Vertretungsunterricht in dieser Klasse auswirken würde, musste Severus sich einfach so abreagieren, da die Schüler, wie eigentlich generell, wissen sollten, dass er sich nichts gefallen ließ. Als es schließlich zum Stundenende läutete, kam Severus wieder auf seinen ursprünglichen Plan zurück und hielt die Klasse auf.

„Sie schreiben einen Aufsatz über die Frage, wie man einen Werwolf erkennt und tötet. Ich will bis Montagmorgen zwei Rollen Pergamnet darüber sehen. Wird Zeit, dass einer die Klasse in den Griff kriegt."

Unwilliges Gemurmel kam auf, doch Severus ignorierte das und beendete seine Ansprache:

„Weasley, Sie bleiben noch, wir müssen über Ihre Strafarbeit sprechen."

Nachdem die ganze Klasse gegangen war und Ron Weasley allein im Gang zwischen den Bänken stand, kam Severus auf ihn zu.

„Mr Weasley," setzte er betont ruhig an, „Sie sind doch jetzt seit drei Jahren auf dieser Schule. Und seit drei Jahren haben Sie bei mir, regelmäßig erfolglos, Zaubertränke-Unterricht. Gerade SIE sollten wissen, dass ich mir keinerlei unbegründete und unqualifizierte Kritik, wenn man das gütigerweise noch so nennen darf, gefallen lasse. Oder etwa nicht?"

Mit verschrängten Armen stand er abwartend vor dem Jungen.

„Ja, Sir.", antwortete dieser leise.

Von seiner vorhin gezeigten Aufmüpfigkeit war nichts mehr vorhanden.

„Gut, nachdem wir das geklärt hätten, werden Sie die Bettpfannen im Krankenflügel putzen. Und zwar OHNE Zauberei. Und jetzt raus, bevor ich es mir anders überlege."

Geschockt starrte der Junge ihn an, doch dann suchte er zu seiner eigenen Sicherheit schleunigst das Weite.