Anmerkung von Tasha: So, hier kommt wieder was. Nennt es ein Lückenfüllerkapitel oder schreibt einfach euren Kommentar dazu.
P.S.: Nur eine kleine Ankündigung: Meine Story ist so geplant, dass ich der Geschichte bis einschließlich Band 5 folge. Danach geht es mit meinem eigenen Schluss weiter. Wollte ich nur gesagt haben.
Das Feuerblitz-Problem
(Kapitel 69)
Dass Severus es kaum noch gewöhnt war, Post zu bekommen, merkte er, als ein paar Tage nach seinem Gespräch mit Sirius eine Eule mit der Abholbestätigung des Feuerblitzes bei ihm landete. Hastig steckte er das Schreiben ein, denn er hatte auf neugierige Fragen der Kollegen wirklich keinen Nerv.
‚Warum hab' ich mich bloß breitschlagen lassen?', fluchte er innerlich und machte sich ein paar Tage vor Weihnachten auf den Weg nach Hogsmeade.
Normalerweise war es gegen seine Natur, Dinge so weit hinauszuschieben, doch in diesem Fall hatte er sich gedacht: Umso weniger Zeit dieses Ding bei ihm liegt, umso besser.
Bevor er den Laden betrat, inspizierte Severus mit geschultem Blick sowohl die Straße als auch den Innenraum des Geschäfts. Zwar waren die fast alle Schüler schon für die Weihnachtsferien abgereist, aber trotzdem wollte er hier von keiner Seele gesehen werden.
‚Also, auf in den Kampf!'
Im Laden traf Severus zu seiner außerordentlichen Freude nur auf den Besitzer, der ihn gleich anstrahlte.
„Ah, Professor Snape! Ich habe schon auf Sie gewartet!"
„Wirklich?", fragte Severus mit ein wenig hilfloser Miene, die eigentlich sagen wollte:
‚Auch das noch!'
„Natürlich!", fuhr der Mann unbekümmert fort. „Ich dachte ja erst, die Bestellung sei ein Scherz, aber als dann das Geld hier eintraf, dachte ich, ich werd' nicht mehr."
‚Das Gefühl kenn' ich!', dachte sich Severus, versuchte aber seinen Aufenthalt hier so kurz wie möglich zu gestalten.
„Also, wären Sie dann so freundlich...?"
„Aber selbstverständlich!", unterbrach ihn der Ladenbesitzer und holte ein für Severus' Geschmack viel zu bunt verpacktes Paket hinter der Theke hervor. „Ich habe mir die Freiheit genommen, es einzupacken."
„Das sehe ich.", bemerkte Severus und versuchte, dieses lange schmale Ding möglichst unauffällig zu verstauen.
„Ich dachte, das wirkt schöner.", plauderte der Mann fröhlich weiter. „Gerade zu Weihnachten."
„Was Sie nicht sagen.", bemerkte Severus und verschwand schnellstmöglich, jedoch ohne dem „Frohe Weihnachten" des Besitzers noch entgehen zu können.
Er apparierte an einen Ort kurz vor Hogwarts und trotz dass ihn die Dementoren ohne merklichen Aufwand passieren ließen, hastete Severus in seine Wohnung, als sei der Höllenhund persönlich hinter ihn her. Erst als er dort angekommen war und den Besen verstaut hatte, atmete er tief durch.
„Oh Sirius, ich hoffe, du weißt, was du mir schuldig bist!"
Um sich nicht noch mehr Scherereien zu machen, hatte Severus für das Zustellen des Pakets schon einen Plan. Seit Harry im letzten Jahr Malfoys Hauselfen Dobby befreit hatte, waren ihm diese Wesen als Boten zu unsicher geworden, also musste er ausweichen.
‚In dem Punkt lohnt es sich bei Albus aufgewachsen zu sein.', dachte Severus.
Er versah den Feuerblitz mit einem besonderen Weihnachtszauberspruch, der den verzauberten Gegenstand genau um Punkt Mitternacht bei der vorgesehenen Person auftauchen ließ.
„So," gab Severus von sich, obwohl ihm wie immer nur seine Katze Ami zuhörte, „und jetzt will ich nichts mehr davon hören!"
So ganz war sein Gebet nicht erhört worden, wie Severus beim Weihnachtsmittagessen feststellte. Dabei störte ihn weniger die Tatsache, dass Dumbledore auf die Haustische auf Grund mangelnder Anwesenheit verzichtet hatte, sondern eher die aufdringlich gute Laune, die der Direktor zu solchen Feierlichkeiten an den Tag legen musste.
Doch dagegen war kein Kraut gewachsen und somit ergab sich Severus in sein Schicksal, was aus dem Mittagessen mit Dumbledore, McGonagall, Sprout, Flitwick, Filch, zwei nervösen Erstklässlern, einem Fünftklässler seines eigenen Hauses und seinem ‚Lieblingstrio' aus Gryffindor bestand. Dementsprechend ‚gut' gelaunt war Severus, was Dumbledore jedoch völlig zu ignorieren schien, als er sich kurz nach dem Eintreffen der Gryffindors an den Jüngeren wandte.
„Knallbonbons!", rief er vergnügt und hielt Severus die Verschnürung eines großen silbernen Bonbons hin.
‚Warum tust du mir das bloß immer wieder an?', dachte Severus, doch als sein Zögern seitens Dumbledore unbeachtet blieb, seufzte er leise und zog dann an dem Bonbon.
Mit riesigem Getöse flog es auseinander und es erschien... ein großer spitzer Hexenhut mit einem ausgestopften Geier. Severus, dem die Geschichte plus eindeutige Beschreibung des Lupin'schen Irrwichts bestens bekannt war, presste die Lippen zusammen und schob den Hut zum Direktor rüber, der ohnehin wesentlich begeisterter davon schien.
Während alle mehr oder minder schweigend aßenöffnete sich plötzlich die Tür und Prof. Trelawney betrat die Halle. Etwas verwundert musterte Severus sie. Im Gegensatz zu ihm hatte die Kollegin das beneidenswerte Vorrecht, an dieser immer wieder anstrengenden Prozedur nicht teilnehmen zu müssen.
„Sie ist in der Beziehung etwas eigen.", hatte Dumbledore immer gesagt.
‚Dass sie berufsbedingt ein paar Schrauben locker hat, weiß ich auch.', dachte sich Severus jedes Jahr. ‚Aber wenn es solche Vorzüge hat, sollte ich vielleicht auch damit anfangen.'
Umso verwunderlicher war es, dass Prof. Trelawney nun doch hier auftauchte. Anscheinend waren ihr die verwunderten Blicke auch aufgefallen, denn sie begann ihr Erscheinen zu erklären:
„Ich habe in die Kristallkugel geschaut, Direktor, und zu meiner Verwunderung sah ich, wie ich mein einsames Mahl stehen ließ und mich Ihnen anschloss. Sollte ich denn die Winke des Schicksals missachten? Auf der Stelle verließ ich meinen Turm und ich bitte Sie inständig, die Verspätung zu entschuldigen..."
„Aber gewiss, gewiss!", winkte Dumbledore freudestrahlend ab. „Lassen Sie mich einen Stuhl für Sie zeichnen!"
Noch während der Direktor einen Stuhl erscheinen ließ, der krachend zwischen den Plätzen von Severus und Prof. McGonagall landete, schüttelte Severus leicht den Kopf.
‚Man kann über Sibyll ja denken, was man will, aber gelegentlich stellen ihre Visionen eine äußerst gute Entschuldigung dar.'
Severus selbst war der Ansicht, dass seine Kollegin zu einem wesentlich geringeren Teil verrückt war, als sie sich gab. Sie dachte sich hier und da ein paar Visionen aus, kleidete das Ganze in ein bißchen Hysterie und konnte so alles tun oder sagen, da die meisten sie sowieso für nicht ganz auf der Höhe hielten.
‚Eigentlich äußerst geschickt.'
Ein kurzer Seitenblick genügte Severus, um zu wissen, dass er noch nicht allzuviel durch seinen Gedankengang verpasst hatte. Trelawney und McGonagall schienen gerade ihre Sticheleien ausgetauscht zu haben, wie das immer vor sich ging, wenn die beiden sich trafen.
„Aber wo ist denn der liebe Professor Lupin?", fragte Trelawney plötzlich.
„Ich fürchte, der arme Kerl ist schon wieder krank.", antwortete Dumbledore. „Großes Pech, dass es ausgerechnet an Weihnachten passiert."
‚Er ist nicht schon wieder, sondern immer noch krank.', korrigierte Severus gedanklich und schaltete sein Gehör wieder ab, als er bemerkte, wie neben ihm die Zankerei der Kolleginnen von Neuem anfing.
McGongall konnte Trelawney einfach nicht ignorieren und hatte immer noch nicht die Erkenntnis gewonnen, die Severus die Wahrsagerin ertragen ließ. Er selbst machte sich hingegen eher Sorgen um Remus.
Der Trank mochte für ihn eine psychische Hilfe sein, weil er wusste, dass er nun niemanden gefährden würde, aber so sehr sich Severus auch bemühte, es gelang ihm nicht, die Verwandlungsschmerzen auch nur um einen Bruchteil zu lindern. Remus sprach zwar nie darüber, aber die äußerlichen Zeichen direkt nach seiner Verwandlung sprachen für sich. Severus ärgerte sich doppelt darüber: Erstens hasste er es generell, wenn er ein Problem gerade im Bereich der Zaubertrankbrauerei nicht lösen konnte, und zweitens handelte es sich hier nicht um irgendjemanden, sondern um einen der wenigen Freunde, die Severus hatte.
„Severus, Sie haben ihm doch noch einmal diesen Trank gebraut?"
Dumbledores Frage riss Severus aus seiner Grübelei.
„Ja, Direktor.", antwortete er ganz automatisch und warf einen prüfenden Blick in die Runde, ob seine geistige Abwesenheit bemerkt worden war.
„Gut."
Dumbledore nickte zufrieden.
„Dann sollte er im Nu wieder auf den Beinen sein..."
Als sich der Direktor dann an einen Erstklässler wandte, konzentrierte sich Severus wieder aufs Essen. Augenscheinlich war niemandem aufgefallen, dass seine Anwesenheit hier hauptsächlich körperlicher Natur war, was auch in den nächsten zwei Stunden so blieb. Erst als Harry Potter und Ron Weasley aufstanden, um zu gehen, kreischte Prof. Trelawney neben ihm so laut auf, dass Severus beinahe einen Herzanfall erlitten hätte.
„Meine Lieben!", rief Trelawney hysterisch. „Wer von euch ist zuerst aufgestanden? Wer?"
„Keine Ahnung.", antworteten die Jungen etwas verlegen.
„Ich denke nicht, dass es eine Rolle spielt," fuhr Prof. McGonagall dazwischen, die den Anschein machte, als würde ihr gleich endgültig der Kragen platzen, „außer wenn ein Verrückter mit einer Axt draußen vor der Tür wartet, um den Ersten zu meucheln, der in die Eingangshalle kommt."
Selbst Severus konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. McGonagall hatte voll ins Schwarze getroffen und Trelawney sagte gar nichts mehr, während die beiden Jungen verschwanden. Auch Severus machte sich bei dieser Gelegenheit aus dem Staub, genauer gesagt lehnte er sich an einen Torpfosten der Eingangshalle, um ein bißchen frische Luft zu schnappen.
Während er dort versuchte einen klaren Kopf für seine nächsten Versuche zu bekommen, sah er, wie Prof. McGonagall und Hermine Granger die Eingangshalle verließen. Der Gesichtsausdruck McGonagalls beunruhigte ihn, sodass Severus zu der Kollegin und ihrer Schülerin aufschloss.
„Mit einem Mal so in Eile, Minerva?", fragte er in seinem typischen sarkastischen Unterton.
„In der Tat, Severus.", antwortete McGonagall und Severus hörte die Beunruhigung sofort. „Ich muss einen Feuerblitz konfiszieren."
„Einen was?", rettete Severus seinen Schock auf einen harmlosen Einwand.
„Einen Feuerblitz.", wiederholte McGonagall, während sie schnellen Schrittes den Weg zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors einschlug. „Einen neumodischen Rennbesen. Harry Potter hat ihn heute geschenkt bekommen."
„Und?", fragte Severus verständnislos bis gelangweilt.
McGonagall packte ihn am Ellenbogen und zog ihn ein Stück weiter, sodass sie sich außer Hörweite Hermine Grangers befanden.
„Und?", flüsterte McGonagall aufgebracht. „Das Ding ist sündhaft teuer und es war keine Notiz dabei, von wem der Besen kommt, keine Karte, nichts! Wir wissen doch beide, dass Sirius Black hinter ihm her ist und so ein kleiner ‚Unfall' mit einem Besen wäre doch der ideale Weg, den jungen Potter zu beseitigen."
Da sie den Gryffindor-Turm erreicht hatten, ließ die Kollegin Severus kommentarlos stehen und trat gefolgt von Hermine Granger durch das Porträtloch ein. Severus holte einmal tief Luft und verschwand dann hinunter in die Kerker.
In seiner Wohnung ließ er sich in seinen Kaminsessel fallen und verfluchte sich selbst. Natürlich war ein solch teurer Besen ohne Hinweis von wem merkwürdig, aber was hätte er denn schreiben können? Es gab keine Verwandten oder Bekannten, das war ja das Problem!
‚Der Aufstand war ja praktisch vorprogrammiert!', dachte er aufgebracht. ‚Das Lachhafte an der ganzen Sache ist ja, dass sie Recht haben und es genau deshalb keinen Grund zur Sorge gibt.'
Um sich zu beruhigen, wollte sich Severus ein Glas Wein holen, doch als er die Flasche aus dem Schrank nahm, fiel ein Schulbild von Kai herunter, das er dort versteckt hatte.
‚War ich wieder zu naiv zu glauben, dass alles schon gut gehen würde? So wie bei dir damals?'
Kopfschüttelnd legte er das Foto zurück, stellte auch die Flasche Wein wieder weg und beschloss, den Tag für heute einfach zu beenden.
