Anmerkung von Tasha: Das hier ist nur eine kleine Einleitung zum nächsten Kapitel, das sonst viiiiiiiiiiiiiiiiiiel zu lang geworden wäre.


Eine Statue und ein Wink aus der Vergangenheit

(Kapitel 71)

Was hatte es damals für eine Panik gegeben.

‚Flitwick hat damals dem Tor beigebracht, Sirius zu erkennen.', erinnerte sich Severus. ‚Als ob der so blöd gewesen wäre, ausgerechnet den Haupteingang zu benutzen. Dann noch die Rückkehr der Fetten Dame, die Strafen für Longbottom und die Sicherheitstrolle. Und im Prinzip alles völlig sinnlos.'

Doch Severus wusste, dass er nur heute so denken konnte, damals war er sich selbst nicht sicher gewesen.

‚Verrückt oder nicht verrückt? Sehnsüchtig oder gemeingefährlich? Wir hätten darüber reden müssen!'

Aber, wie Severus nur zu gut wusste, hinterher war man immer schlauer.

‚Und zusätzlich hat Harry auch noch herumgeschnüffelt.'


Die Sicherheitsvorkehrungen waren so verschärft worden, dass selbst Remus und Severus kaum einen Weg zu Sirius fanden. Bei Tag war es sowieso nicht möglich und bei Nacht wurden sie sofort verdächtigend angesehen, wenn sie grundlos angetroffen wurden. Hierbei hatte Severus es noch leichter, da seine nächtlichen Streifzüge ja allgemein bekannt waren.

Trotz all dieser angsteinflößenden Vorgänge näherte sich wieder einmal ein Hogsmeade-Wochenende und Severus hatte sich ‚zur kleinen Ablenkung' vorgenommen, zu prüfen, ob Harry, wie Remus vermutete, einen Geheimweg nach Hogsmeade nutzte. Viele blieben von den Zahlreichen, die Hogwarts hatte, nicht mehr übrig, da Filch in einem Anfall von Übervorsicht alles zugegipst hatte, was man nur irgendwie schadenfrei abdichten konnte, von dem kleinsten Mauerriss bis zum Mauseloch.

‚Man muss ja in Betracht ziehen, dass sich ein erwachsener Mann da durchquetscht.', dachte sich Severus an diesem Samstagmorgen, während er den langen Gang im dritten Stock entlangstreifte.

Die Schüler, die alle wegwollten, sofern sie durften, waren bereits losgezogen und somit war es recht still im Schloss. Umso aufmerksamer wurde Severus, als er Stimmen vernahm, die ihm äußerst bekannt waren.

„Toll, dann kannst du mir ja helfen! Das mit dem Knoblauch kapier ich überhaupt nicht – müssen die den essen oder was?"

In diesem Augenblick war Severus aus dem Schatten des Ganges ins Licht getreten und Neville Longbottom, der Harry Potter hier gerade um Hilfe angebettelt hatte, verstummte und ging hinter seinem Haus- und Klassenkameraden in Deckung.

„Und was macht ihr beide hier?", fragte Severus, da auch Harry ihn nur erschrocken anstarrte. „Ein ungewöhnlicher Treffpunkt..."

Damit ließ er seinen Blick über den Gang schweifen und stellte schließlich fest, dass sie genau neben der Statue der einäugigen Hexe standen, einem der wenigen Geheimgänge, der Filch nicht zum Opfer gefallen war. Harry schien seinem Blick gefolgt zu sein, denn als er nun antwortete, war seine Stimme mehr als nur von Unruhe getragen.

„Das – das ist nicht unser Treffpunkt! Wir haben uns – einfach zufällig getroffen."

‚Das glaube ich dir sogar.', dachte Severus. ‚Denn Longbottom, dieser kleine Tollpatsch, wäre wohl der Allerletzte, den man mitnehmen würde, wenn man durch einen Geheimgang abhaut.'

„Tatsächlich?", fragte er jedoch kalt, ohne eine Miene zu verziehen. „Du hast die Gewohnheit, an ausgefallenen Orten aufzutauchen, Potter, und das meist aus ganz bestimmten Gründen... Ich schlage vor, ihr zwei geht schleunigst zurück in euren Turm, dahin, wo ihr hingehört."

Der drohende Nachdruck, den Severus seinen letzten Worten verliehen hatte, tat seine Wirkung, denn die beiden Jungen nahmen wirklich die Beine in die Hand und sahen zu, dass sie wegkamen. Severus sah sich währenddessen die Statue an.

‚Eindeutig.', stellte er fest. ‚Der Buckel ist ein wenig verschoben, zumindest sind hier Stellen nicht ganz so vom Alter gezeichnet, wie der Rest. Hier ist vor nicht allzu langer Zeit jemand durchgegangen.'

Mit dieser Erkenntnis machte sich Severus auf den Weg zu Remus, dem momentan einzigen Menschen, mit dem er darüber relativ reden konnte.

„Severus, komm rein!", begrüßte ihn dieser in seiner gewohnt fröhlichen Art. „Magst du auch einen Tee?"

„Danke.", antwortete Severus mit einer verneinenden Handbewegung, während er die Tür hinter sich schloss.

„Danke ja oder danke nein?", fragte Remus, der beim Aufgießen nicht hingesehen hatte.

„Danke nein.", antwortete Severus erneut und wartete dann ab, bis Remus ihm seine komplette Aufmerksamkeit schenkte.

„Was führt dich diesmal zu mir?", fragte Remus. „Denn leider kommst du mich ja nie grundlos besuchen."

Ohne darauf einzugehen, antwortete Severus:

„Was mich zu dir führt, ist die Tatsache, dass du Recht hattest."

„Inwiefern?", fragte Remus, während er in seiner Teetasse rührte.

„Zumindest insoweit, als dass jemand die einäugige Hexe als Verbindung zwischen Hogwarts und Hogsmeade benutzt hat.", berichtete Severus. „Und da ich ihn vor nicht einmal 10 Minuten dort angetroffen habe, vermute ich, dass es Harry war."

„Du vermutest?", fragte Remus nun anscheinend etwas belustigt. „Wie viele Leute, glaubst du denn, kennen diesen Gang? Nicht einmal die Kollegen wissen augenscheinlich davon, sonst wäre der Gang versiegelt oder zugegipst worden."

„Ich kenne zumindest drei, die definitiv davon wissen.", antwortete Severus ernst. „Dich, mich und Sirius."

Nun sah Remus entgeistert auf.

„Du glaubst, Sirius ist durch die einäugige Hexe ins Schloss gelangt?"

„Nein."

Severus schüttelte den Kopf.

„Zwar hätte er theoretisch das Wissen dazu, aber praktisch wäre es unmöglich. Er müsste aus der von außen verrammelten Hütte raus, ins Dorf und dort in den Honigtopf einbrechen. Das wäre mit Sicherheit schon aufgefallen."

„Warum erwähnst du ihn dann?"

Remus schüttelte verwirrt den Kopf.

„Nur um selbst nochmal alle Möglichkeiten durchzugehen und auszuschließen.", erklärte Severus und bemerkte nicht ganz ohne Freude, wie Remus in diesem Moment die ‚Snape'sche Logik' verfluchte.

Danach stellte er seine Tasse ab und wandte sich wieder an Severus.

„Nur um mir das mitzuteilen, bevor du Filch anweist, das Ding zuzugipsen, bist du aber doch nicht gekommen, oder?"

„Wer sagt, dass ich Filch oder sonst irgendjemanden davon in Kenntnis setzen werde?", fragte Severus. „Ich frage mich nur, wie er den Gang gefunden hat. Außer den Rumtreibern beziehungsweise den Leuten, die die Karte gelesen haben, kennt ihn doch niemand und diese sind entweder tot oder so ziemlich außer Reichweite."

„Vielleicht auch nicht.", gab Remus zu und wirkte plötzlich etwas beschämt.

„Wie meinst du das?"

„Nun, ich habe damals, nach der Aussprache in der Bibliothek, die Karte bearbeitet und dann im Turm versteckt.", gestand Remus. „Vielleicht hat sie ja jemand gefunden und weitergegeben."

„Du hast sie einfach irgendwo deponiert?", fragte Severus entgeistert. „Du als ‚Schöpfer' solltest doch am Besten wissen, in welche Gefahr man sich mit dem Wissen dieser Karte bringen kann!"

„Ja, heute weiß ich das!", gab Remus zurück. „Aber damals war ich 17 und gerade hochgradig von der Welt enttäuscht, da ich zwei meiner wenigen einzig wahren Freunde offziell verloren hatte!"

Severus sah Remus direkt an. Zuerst hatte ihn der Ausbruch des Ex-Gryffindors etwas erschreckt, doch als er nun ihn und Lydia als zwei seiner ‚einzig wahren Freunde' bezeichnete, kam sich Severus doch etwas geehrt vor. Es war dieses Gefühl, der Welt nicht völlig egal zu sein, das er leider viel zu selten genießen konnte.

„Danke, Remus.", antwortete er darauf und wandte sich zum Gehen. „Ich werde dann unseren vermeintlichen Kartenbesitzer mal ein wenig im Auge behalten."

Daraufhin verließ Severus das Büro. Sie waren zwar kein Stück weiter gekommen, aber dennoch hatte Severus das Gefühl, dass es ihm besser ging als vorher.