Ich weiß, es hat seeeehr lange gedauert und ich gelobe Besserung. Was mein neues Kapitel und damit den Einstieg in das vierte Buch betrifft, bin ich noch nicht zu einer eigenen Meinung gekommen. Ihr?
Ein ganz besonderes Jahr
(Kapitel 77)
Die Sommerferien waren Severus betreffend so spannend wie fast immer: Er experimentierte an neuen Tränken, vorzugsweise an dem Wolfsbanntrank, den er Remus nach wie vor auf Vorrat braute, doch in diesem Punkt kam und kam er nicht weiter. Zwar konnte man die Tatsache, dass ein Werwolf sich nach Einnahme des Trankes nicht mehr in eine unkontrollierbare Bestie verwandelte, durchaus als Erfolg sehen, doch Severus war damit nicht zufrieden.
‚Es muss doch möglich sein, die Verwandlung ganz zu verhindern.'
Das war der Gedanke, der ihm im Kopf herumspukte.
So auch an diesem Tag. Verbissen brütete Severus über Formeln, Zusammensetzungen und allgemeinen Zutaten-Reaktions-Regeln, doch die wahre Erleuchtung stellte sich nicht ein. So völlig in Gedanken versunken, zuckte er erschrocken zusammen, als etwas Schweres vor ihm auf den Schreibtisch plumpste.
„Ami!"
Mit diesem erleichterten Seufzer warf Severus den Kopf in den Nacken.
„Du darfst mich doch nicht so erschrecken!"
Völlig unbeeindruckt von seiner nicht gerade beherrschten Stimme maunzte die staubgraue Katze und lenkte seine Aufmerksamkeit somit auf den Grund, weshalb der Aufprall des wendigen Kätzchens nicht sehr elegant war: an einem kleinen Band zerrte sie eine Art Rolle hinter sich her, in der wohl Post verborgen war. Bei näherem Betrachten erkannte Severus auch die Schrift von Remus und die einen Geruchsstoff beinhaltende Tinte, die für Ami das Zeichen für „ihre" Post war.
„Danke, Ami.", murmelte Severus, nahm ihr die Rolle ab und gab ihr eines ihrer Leckerlis aus seinem Schreibtisch.
Seine kleine graue Mitbewohnerin gesellte sich zufrieden in ihr Eckchen, doch Severus beachtete sich schon nicht mehr. Er spürte Nervosität in sich aufsteigen. Remus hatte ihm, seitdem er Hogwarts verlassen hatte, nur noch einmal geschrieben und ihm dort nur versichert, dass Sirius sich an einem sicheren Ort befände. Sie waren übereingekommen, dass ein regelmäßiger Briefverkehr, besonders wenn er über Ami lief, auf die Dauer auffallen würde und sie sich deshalb nur in Notfällen kontaktieren sollten. Und in ihren Situationen waren „Notfälle" extrem schlechte Nachrichten. Deshalb verriegelte Severus noch einmal magisch seine Bürotür, bevor er mit einem sehr unguten Magengefühl die Rolle öffnete. Zunächst fiel ihm eine ein paar Tage alte Ausgabe des Tagespropheten entgegen. Irritiert zog Severus eine Augenbraue hoch. Meistens überflog er den Tagesproheten, aber da in letzter Zeit sowieso nur „Müll", wie er es persönlich zu nennen pflegte, vom Ministerium drinstand, hatte er es ganz gelassen.
‚Remus, du benutzt doch nicht bitte Ami, um mir politische Bildung zukommen zu lassen?', dachte er, bis er auf einen zusammengefalteten Zettel aufmerksam wurde.
Hallo Severus!
Lies bitte den Artikel auf der vierten Seite unten.
Harry hat Sirius einen Brief geschrieben, ich hab ihn für dich abgeschrieben:
„Lieber Sirius, danke für deinen letzten Brief, dieser Vogel war so riesig, dass er es kaum durch mein Fenster geschafft hat. Hier geht es zu wie immer. Mit Dudleys Diät läuft es nicht besonders gut. Meine Tante hat ihn gestern erwischt, wie er Doughnuts in sein Zimmer schmuggelte. Sie haben gedroht, ihm das Taschengeld zu kürzen, wenn er das noch mal macht, und daraufhin ist er furchtbar wütend geworden und hat seine PlayStation aus dem Fenster geworfen. Das ist eine Art Computer, auf dem man spielen kann. Ziemlich dumm von ihm, wenn du mich fragst, denn jetzt hat er nicht mal Giga-Gemetzel Teil III, um sich abzulenken. Mir geht's ganz gut, vor allem weil die Dursleys schreckliche Angst haben, du könntest hier auftauchen und, wenn ich dich darum bitte, sie alle in Fledermäuse verwandeln."
‚Remus, was soll der Blödsinn? Abgesehen davon, dass „bedenklich" ein sehr unpassendes Wort ist, um den Umstand, dass Sirius riesige und wahrscheinlich auch noch bunte Postvögel durch die Gegend schickt und Harry seiner Familie mit seinem psychopathischen Patenonkel droht, zu beschreiben, sind die bislang gewonnenen Erkenntnisse nicht unbedingt Dinge, die mein Leben bereichern.' Trotzdem überredete er sich selbst, den Brief zu Ende zu lesen.
Aber heute Morgen ist etwas Merkwürdiges passiert. Meine Narbe hat wieder wehgetan. Das letzte Mal hat sie geschmerzt, weil Lord Voldemort in Hogwarts war. Aber ich glaube nicht, dass er irgendwo in meiner Nähe sein kann, oder? Weißt du, ob Fluchnarben manchmal noch nach Jahren wehtun? Ich schick dir diesen Brief mit Hedwig, sobald sie zurückkommt, im Augenblick ist sie jagen. Grüß Seidenschnabel von mir.
Harry
Falls du Verbindung mit mir aufnehmen willst, ich bin für den Rest der Ferien bei meinem Freund Ron Weasley. Sein Dad hat uns Karten für die Quidditch-Weltmeisterschaft besorgt!"
Ich hab keine Ahnung, ob Sirius Harry schon geantwortet hat, aber das klingt nicht gut. Dazu den Artikel… sag mir einfach, was du davon hätlst.
Liebe Grüße,
Remus
Severus schluckte. Nein, gut klang das wirklich nicht. Die Narbe reagierte nicht einfach so… Hastig schlug Severus die Zeitung auf und suchte die Stelle, die Remus ihm angegeben hatte. Es war nur ein kleiner Artikel. Es ging um Frank Bryce, einen Muggel, der als Gärtner ein altes, verlassenes Haus gehütet hatte. Er war auf mysteriöse Weise zu Tode gekommen. Man habe ihn in eben diesem Haus gefunden. Weniger wichtig und deshalb auch so weit hinten, da man ziemliches Hintergrundwissen brauchte, um sich davon nervös machen zu lassen. Severus besaß dieses: Er wusste, dass „auf mysteriöse Weise zu Tode gekommen" hieß, dass ein verbotener Fluch, meist der Unabwendbare, benutzt wurde. Und dass es sich bei dem Haus um das Riddle-Haus handelte, konnte auch nur verstanden werden, wenn man wusste, dass Voldemorts Geburtsname Tom Riddle war.
‚Ein Mann kommt in diesem Haus ums Leben und Harrys Narbe schmerzt. Das ist mehr als nur nicht gut.'
Fast reflexartig rieb Severus über die Stelle an seinem Unterarm, an der in den schlimmsten Zeiten das dunkle Mal brannte.
„Mist!"
Wütend schlug Severus auf die Oberfläche seines Schreibtisches. Er war wieder mal in dieser vertraut-verhassten Situation, dass er einen ziemlich logischen Verdacht, aber keinerlei Beweise hatte. Gerade suchten seine Augen irgendwas, woran er ohne große Schuldgefühle seine Wut auslassen konnte, als es an der Tür klopfte.
„Moment!"
Schnell ließ er diese brisante Korrespondenz in seinem Schreibtisch verschwinden und ging dann an die Tür. Dort sah ihn eine Hauselfe mit großen Augen an.
„Ja?", fragte Severus etwas genervt.
„Professor Dumbledore schickt Nelly, Sir. Er will Sie sprechen. Sehr wichtig."
Severus nickte nur, schloss die Tür hinter sich und begab sich auf direktem Weg zum Büro des Direktors.
Dort angekommen musste er feststellen, dass er nicht zum Einzelgespräch geladen worden war. Die gesamte Kollegiumsbelegschaft war da.
‚Vollversammlung? Das bedeutet entweder Ärger oder eine seiner ganz besonderen Ideen.'
Mit einem unangenehmen Gefühl der Ungewissheit wartete er ab, was Albus ihnen zu sagen hatte.
„Da wir nun alle anwesend sind, möchte ich Ihnen den Grund dieses Treffens mitteilen.", strahlte Albus in die Runde.
Severus war etwas verwirrt. So direkt war Albus doch sonst nicht.
„Ihnen allen ist das Trimagische Turnier ein Begriff, denke ich. Es hat viele Helden und spannende Geschichten hervorgebracht. Und deshalb bin ich stolz, sagen zu können, dass in diesem Schuljahr Hogwarts dieses Turnier ausrichten wird."
„Bitte?"
Severus sah rechts neben sich, da Prof. McGonagall genau das aussprach, was er soeben gedacht hatte.
„Albus, das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Dieses Turnier ist vor längerer Zeit verboten worden. Und zwar wegen einer beunruhigend hohen Todesrate!"
Erneut konnte Severus der Gryffindor-Hauslehrerin nur zustimmen. Kein Turnier der Geschichte war bisher ohne Todesfall geblieben und deshalb hatte eine internationale Kommission beschlossen, dieses Turnier auf weiteres zu verbieten.
„Das ist mir bewusst, Minerva.", antwortete Dumbledore nickend. „Aus diesem Grunde gab es lange Zeit Diskussionen mit dem Ministerium, aber jetzt ist ein Regelwerk erstellt, das Todesfällen vorbeugt und deshalb akzeptiert wurde."
Da sich seine Kollegen noch etwas zweifelnd ansahen, beschloss Severus ins Gespräch einzusteigen.
„Was ist mit dem Champion? Ich meine mit dem Schüler, der Hogwarts vertritt? Wie wird die Wahl getroffen?"
‚Oder haben wir da schon an jemand Bestimmten gedacht?'
„Vielen Dank für die Frage, Severus, denn auch dies ist Bestandteil des neuen Regelwerks: Es wird nur volljährigen – also 17-jährigen – Schülern erlaubt, sich als Champion zu bewerben. Der Pokal ist entsprechend verhext worden. Unsere Gastschulen Beauxbaton und Durmstrang werden mit einer entsprechenden Auswahl anreisen."
‚Durmstrang? Na, wenn da nicht ein guter Bekannter auftaucht!'
Severus war etwas abwesend, da seine Gedanken in ein düsteres Kapitel seiner Vergangenheit gewandert waren, sodass er erst wieder zuhörte, als Dumbledore sie zum Stillschweigen ermahnte und dann ihn bat, noch zu bleiben, während der Rest des Kollegiums sich mit mehr oder minder begeisterten Gesichtern wieder entfernte.
„Severus, ich wäre froh, wenn du dich dann am Weihnachtsball um festliche Tränke nach den Nationen unserer Gäste kümmern könntest. Gwen sagte immer, du hättest mehr als nur Talent für solche Kreationen, auch wenn es nicht direkt Zaubertränke sind."
Etwas verwirrt sah Severus den Direktor an.
„Weihnachtsball? Was für ein Weihnachtsball?"
„Na der, den wir dieses Jahr mit unseren Gästen feiern werden. Den, von dem ich gerade erzählt habe."
Peinlich berührt wandte Severus den Blick ab, nahm aber im Augenwinkel trotzdem noch das warme Lächeln des Direktors war. Natürlich hatte der alte Zauberer gemerkt, dass Severus ihm nicht ganz zugehört hatte!
„Tut mir leid. Ich war wohl etwas in Gedanken."
„Wegen der Gastschulen?", fragte Dumbledore nach, wobei das fröhliche Funkeln in seinen Augen nicht verschwand.
Severus nickte.
„Es geht um Durmstrang. Igor Karkaroff ist doch Direktor dort, wenn ich richtig informiert bin."
Nun war es an Dumbledore zu nicken und mit einem Schlag wirkte er deutlich ernster.
„Beunruhigt er dich?"
„Nein, aber er ist, wie du weißt, ein Teil der Vergangenheit, auf die ich nicht sonderlich stolz bin."
„Ja, Severus, ich weiß."
Als Severus nun wieder direkt zu Albus sah, bemerkte er, dass der ältere Mann ihn musterte.
„Ist das alles?"
Ein gequältes Lächeln schlich sich auf Severus' Lippen. Man konnte Dumbledore einfach nichts verheimlichen.
„Nicht direkt. Es ist nur ein seltsamer Zufall."
„Zufall?", hakte Dumbledore nach.
„Nun ja, ich habe da vor einiger Zeit von einem ‚mysteriösen Todesfall' eines Muggel im Riddle-Haus im Tagespropheten gelesen. Und jetzt die ‚Rückkehr' von Karkaroff…"
Wieder rieb sich Severus über den Unterarm.
„Ist es da?", fragte der Direktor plötzlich.
Severus schüttelte den Kopf, krempelte aber als eine Art Beweis den Ärmel hoch.
„Die Stelle ist ein bisschen rot und juckt gelegentlich, aber keines der Anzeichen von früher."
Severus warf dem Direktor einen scharfen Blick zu.
„Warum fragst du?"
„Nun, die Fälle, die du beschreibst, bekommen die Krönung darin, dass seit etwa einem Monat eine Mitarbeiterin des Ministeriums spurlos verschwunden ist. Das letzte Mal wurde sie in Albanien gesehen…"
Er musste nicht weiterreden. Albanien! Nach ihren letzten Informationen sollte sich das, was Voldemort noch in der Welt der Sterblichen hinterlassen hatte, dort aufhalten.
„Könnte er das denn?", fragte Severus schließlich.
„Wohl nicht ohne Hilfe.", antwortete Dumbledore.
‚Die er seit dem letzten Jahr hat.', fügte Severus gedanklich hinzu und wünschte Peter Pettigrew wiederholt zum Teufel.
„Wie dem auch sei!", wechselte Dumbledore ganz plötzlich das Thema. „Ich denke, dass wir ein Auge auf Karkaroff werfen können, aber ich halte ihn nicht für eine Gefahr. Außerdem bin ich sehr gespannt auf den charmanten Besuch aus Beauxbaton."
Wieder trat dieses seltsame Funkeln in die Augen des Direktors.
„Wie du meinst."
Severus gab es auf, dieses Funkeln zu deuten und verabschiedete sich.
Wieder in seiner Wohnung angekommen hatte Severus die Verwirrung jedoch immer noch nicht abgeschüttelt. Eine in Albanien entführte Ministeriumsbeamtin, ein toter Muggel im Riddle-Haus, das Schmerzen von Harrys Narbe und sein eigenes, immer wieder juckendes Mal – und trotzdem war dieses diebisch-fröhliche Funkeln in Dumbledores Augen.
‚Wahrscheinlich hat er Recht! Wir können nicht mehr machen, als die Augen offen halten und immer wachsam sein.'
Trotzdem war ihm nicht wohl bei der ganzen Angelegenheit.
