Kapitel 5 – Und das Leben geht weiter

Ein unheimlicher Nebel bedeckte die Wiese der Weasleys, wo nur Augenblicke zuvor ein Fest des Lebens stattgefunden hatte. Die schwebenden Kerzen waren von dem kalten, feuchten Dunst ausgelöscht worden, der immer die Anwesenheit von Dementoren begleitete. Schreie und gedämpftes Stöhnen vermischte sich mit den Geräuschen schneller Zauberfunken, da die Gäste, die beschlossen hatten zu bleiben und zu kämpfen, versuchten, die nahenden Dementoren zurückzuhalten. Todesser versammelten sich am Saum des Waldes, von wo sie ein Bombardement von Flüchen versprühten und die bereits erschöpften Wachen noch mehr schwächten.

Harry war kalt und leicht schwindlig von der Intensität, mit der Erinnerungen durch seinen Geist rauschten. Seine Zählen klapperten, während er sich rasch zu den geduckten Gestalten von Fleur und Bill bewegte, Ginnys Hand fest mit seiner umklammert. Er konnte spüren, wie ihr kleiner Körper zitterte, und wusste, dass die Dementoren sie genauso stark mitnahmen wie ihn.

„Was machst du 'ierrr, 'Arry?", zischte Fleur, während sie ihren Schmetterlings- Patronus in die Richtung steuerte, in die Harry Krone gerade geschickt hatte. Ihr traumhaftes weißes Hochzeitskleid war mit Schmutz und Schlamm verschmiert und ein Ärmel sah versengt aus. „Wenn diese Todesserrr 'ereinkommen, werrrden sie 'interr dirr 'errrsein. Du solltest jetzt ge'en."

„Ich werde nicht fliehen", sagte Harry entschieden, seinen Blick auf Bill gerichtet. Der Fuchsbau war für ihn mehr ein Zuhause als jeder andere Ort, an dem er sich aufgehalten hatte, und er würde es nicht kampflos verlassen. Harry vernahm einen Ausdruck von Anerkennung und Verständnis auf Bills vernarbtem Gesicht und er war ihm unendlich dankbar dafür. Endlich behandelte ihn jemand nicht mehr wie ein Kind.

Bill nickte und Fleur hielt es scheinbar für Grund genug, ihre Forderungen einzustellen. Tante Muriels Diadem thronte noch immer auf ihrem Schopf und schimmerte, während die Lichter von verschiedenen Zaubern es erleuchteten. In Harrys Kopf erhob sich ungebeten der Gedanke, dass es Ginnys Recht war, das Diadem eines Tages zu tragen, und er würde dafür sorgen, dass sie die Gelegenheit bekam.

„Was versucht ihr zu tun?", fragte Harry.

Bill seufzte schwer und Harry war betroffen, wie erschöpft und angeschlagen der älteste der Weasley- Geschwister erschien. Die Narben, die sein Gesicht zierten, standen dunkel gegen die Blässe seines Gesichts hervor. „Die Schutzzauber um den Fuchsbau versagen. Dieses laute Klirrgeräusch und die flackernden Lichter, die alle paar Sekunden erscheinen, zeigen an, dass die Wachen jeden Moment zusammenbrechen können. Ich versuche, sie zu stärken, aber ich weiß nicht, ob es gelingen wird."

„Sie stärken? Wie?", fragte Harry.

„Ich habe das System für diese Schutzzauber eingerichtet, indem ich die Stärke von all den positiven Gefühlen, die ich für den Fuchsbau empfinde, benutzt habe", erklärte Bill. Harry konnte ihn sich leicht als Professor für Alte Runen vorstellen. „Die Zauber können gestärkt werden, wenn von Hexen oder Zauberern, die mit diesem Ort innerhalb der Umgrenzung verbunden sind, Kraft übertragen wird. Ich bin davon ausgegangen, dass immer einer von uns bei einem Anschlag hier sein würde und seine Gefühle benutzen könnte, um die Wachen zu stärken. Ich habe jedoch nicht mit der Fülle von Flüchen erwartet, die in jede Richtung abgegeben werden. Der Fuchsbau ist schon immer voll gewesen, aber noch nie so überfüllt."

„Also könnte jeder, der starke Gefühle für den Fuchsbau empfindet, es tun?", vergewisserte sich Harry mit gerunzelter Stirn.

„Jeder, der positive Gefühle dafür hat, ja. Es bedarf einer großen Kraft, Harry, weshalb ich jetzt noch nicht einmal aufrecht stehen kann", warnte Bill. „Ich glaube nicht, dass ich die Kraft habe, sie sehr viel länger zu erhalten."

Fleur legte beschützend eine Hand auf Bills Schulter.

„Was, wenn wir es zusammen versuchen?", fragte Harry und nun spürte er Ginnys Hand auf seiner eigenen Schulter.

Bill sah Harry unsicher an. Seine Augen flackerten zwischen seiner Schwester und Harry hin und her. Er kam Harry unbehaglich vor, aber er konnte jetzt nicht darauf herumreiten.

„Hör mal, ich liebe dieses Haus, als ob es mein eigenes wäre. Und du hast selbst gesagt, dass das, was du jetzt machst, nicht funktionieren wird", sagte Harry mit einem Anflug von Verärgerung.

„Ich habe nicht die Zeit, dir die ganzen Zauber und Bewegungen des Zauberstabs in ein paar Sekunden beizubringen, Harry. Aber ich denke, ich kann sie ausführen, wenn ich deine Kraft benutze und sie auf die Wachen übertrage", sagte Bill nachdenklich. „Lauf zu dem Hügel dort drüben und klettere an die Spitze. So können wir den gesamten Bereich überdecken. Auf mein Signal hin musst du all deine positiven Gefühle und alles Gute, das du für diesen Ort empfindest, hervorrufen und in deine Gedanken legen. Ich werde sie herausziehen. Stelle aber sicher, dass du Deckung hast. Es wird dich nämlich sehr erschöpfen."

„Ich will auch helfen. Ich werde mit dir gehen", sagte Ginny sofort. Ihre Augen glommen mit Entschlossenheit.

„Nein. Bleib und hilf Fleur, Bill Deckung zu geben. Er ist hier ungeschützter und wir können nicht mehr als einen Patronus verlieren, während ich dort oben bin", widersprach Harry, wohl wissend, dass ihr seine Antwort missfallen würde.

Ginny runzelte die Stirn und blickte zwischen Harry und Bill, der am Boden lag, hin und her. Schließlich schaute sie über die Wiese zu den erbärmlich wenigen Patronus, die sich abmühten, die Dementoren in Schach zu halten. Nickend straffte sie die Schultern und flüsterte: „Sei vorsichtig", bevor sie ihn küsste.

„Du auch", antwortete Harry und drückte ihre Hand.

Er duckte sich tief und eilte einigen der anderen hinterher, während er sich vorsichtig zu dem kleinen Hügel bewegte, auf den Bill gedeutet hatte. Mehrmals stolperte er, da Wellen von Erinnerungen über ihm hereinbrachen. Als er den Hügel erklommen und den richtigen Ort erreicht hatte, keuchte er vor Anstrengung.

Er konnte Bill und Ginny durch den Rauch kaum von den anderen unterscheiden, aber Merlin sei Dank für ihren roten Haarschopf, der überall hervorstach. Er konnte die Zwillinge ebenfalls ausmachen, die neben der Bannzone bei Tonks standen. Er wünschte, er könnte Remus sehen, aber diese Suche musste warten.

Als Bill rote Funken in die Luft sprühte, schloss Harry seine Augen und bündelte alle positiven Gedanken und Erinnerungen, die er für den Fuchsbau hatte. Ihm standen viele zur Auswahl und Harry begann, sich auf Empfindungen zu konzentrieren, die mit allen Menschen, die im Fuchsbau lebten, verbunden waren.

Er entsann sich der Wunder und der Ehrfurcht, die er verspürt hatte, als er mit zwölf Jahren das erste Mal den Fuchsbau betreten hatte. Er hatte so viel in diesem Sommer gelernt, nicht nur von der Zaubererwelt, sondern auch, wie es sich anfühlte, ein Teil einer Familie zu sein. Er hatte das Gefühl erlebt, irgendwohin zu gehören und nicht als eine Last betrachtet zu werden.

Er erinnerte sich an den Duft von frisch gebackenen Küchlein, geröstetem Hühnchen, Siruptörtchen, Steak, Nierenpastete und all seinen anderen Lieblingsgerichten, die Mrs. Weasley schnell herausgefunden und ihm stets in reichlichem Vorrat geliefert hatte. Er rief sich die Freude in Erinnerung, die ihn erfüllt hatte, als Mrs. Weasley zum ersten Mal seine Socken zusammen mit denen von Ron und ihren anderen Kindern gewaschen und gestopft hatte. Sie hatte sie gefaltet und zurück in seinen Koffer gesteckt. Und er hatte eine ganze Minute lang mit offenem Mund dagesessen, bis Ron ihn gefragt hatte, was los war. Tante Petunia hatte ihm stets nur Socken gegeben, in die Dudley Löcher gebohrt hatte. Mrs. Weasley hatte sie jedoch tatsächlich für ihn geflickt.

Harry nahm einen tiefen, beruhigenden Atemzug und fuhr fort, sich auf seine Erinnerungen zu konzentrieren.

Er dachte an Mr. Weasleys Schuppen, voll von mehr Steckdosen als man in einem ganzen Leben brauchen würde, und an das offenkundige Entzücken des Mannes darüber, seine Entdeckungen mitzuteilen. Er entsann sich, dass er nicht nur das erste Mal nach seiner Meinung gefragt worden war, sondern auch wirklich das Gefühl gehabt hatte, dass seine Antwort wertschätzt wurde.

Harrys Beine zitterten, als er taumelte, doch es gelang ihm, aufrecht stehen zu bleiben.

Er rief sich die Quidditch- Spiele auf der Wiese in Erinnerung, wie sie Gnome im Garten geschleudert hatten, und die Kameradschaft einer Gruppe von Rotköpfen, die ihn als einen weiteren Bruder behandelt hatten und nicht als die Missgeburt im Schrank. Er hatte gelacht, richtig gelacht und zum ersten Mal in seinem jungen Leben die Sommerzeit genossen.

Harrys Beine gaben schließlich nach und er stürzte zu Boden, heftig keuchend. Er war erschöpft und hatte Kopfschmerzen, doch er schob die positiven Gefühle in den Vordergrund und kämpfte gegen die Dementoren, die versuchten vorwärts zu dringen.

In seinem Geist stieg das Gesicht des hübschesten Mädchens auf, das er jemals gesehen hatte. Es lächelte ihn warm an, die Augen mit solcher Leidenschaft und Zärtlichkeit erfüllt, dass er in ihren Tiefen ertrinken könnte. Er erinnerte sich daran, sie vor gerade einer Stunde geküsst zu haben, und an das Gefühl, zu allem imstande zu sein, solange sie in seinen Armen blieb.

Nun benötigte Harry seine Arme, um sein Gewicht zu tragen. Dennoch drängte er die Emotionen vorwärts.

Hier war das Zuhause seines besten Freundes. Des Freundes, der die Arme weit geöffnet hatte und seine Familie mit einem einsamen Jungen geteilt hatte, der niemals einen Blick auf solch ein Leben erhascht hatte. Hier war das Zuhause des Mädchens, das er liebte. Das Mädchen, das ihn so liebte, dass es ihn gehen ließ. Das war das Zuhause der Familie, die ihm beigestanden und an ihn geglaubt hatte, als niemand anderes es getan hatte. Er würde nicht zulassen, dass ihnen dieses Zuhause genommen wurde.

Nicht, wenn er es verhindern konnte.

Eine laute Woge von gleißendem Licht erhellte die Wiese für einen kurzen Moment und Harry schloss geblendet seine Augen. Schreie der Freude erfüllten die Nacht und Harry wurde sich bewusst, dass sein Körper nicht länger eiskalt war. Er konnte keine Spur von den Dementoren entdecken.

Einen Augenblick lang blieb er keuchend auf dem Boden liegen und versuchte, Energie zu sammeln, um aufzustehen. Er konnte sehen, wie Krone Seite an Seite mit einem Jack Russell Terrier, der Ron gehörte, zu ihm zurückgaloppierte.

Ron ging es gut! Er war irgendwo in diesem Chaos. Hoffentlich bedeutete das, dass Hermine ebenfalls wohlauf war.

Harry erkannte die meisten der Gesichter, die auf der Wiese geblieben waren, und hoffte, das bedeutete, dass Mrs. Weasley geschafft es hatte, die anderen Gästen zu evakuieren. Er kämpfte gegen die Dämmerung an, die in sein Gesichtsfeld einzudringen drohte, indem er seinen Kopf schüttelte. Die Bewegung ließ die Welt um ihn herum alarmierend kippen und für einen Augenblick befürchtete er, sich erbrechen zu müssen. Es war ihm gerade gelungen, seine Übelkeit in den Griff zu bekommen, als Ginny an seiner Seite erschien.

„Harry!", rief sie. Sie fiel neben ihm auf die Knie und wiegte seinen Kopf in ihrem Schoß, während sie sanft ihre Finger durch sein Haar gleiten ließ. „Geht es dir gut? Oh du Armer. Bill hat gesagt, dass du erschöpft sein würdest. Du hast es geschafft, Harry! Du hast es tatsächlich geschafft. Du warst großartig."

Harry grinste und schmiegte sich an ihre Hand. „Es hat also funktioniert?"

„Es hat wunderbar funktioniert", antwortete Ginny. Ihre Augen strahlten vor Aufregung. „Du hast nicht nur die Schutzzauber gestärkt, sondern sie sogar noch weiter zurückgeschoben und die Dementoren ebenfalls hinaus gezwungen. Ich habe buchstäblich gesehen, wie ein Todesserkörper durch die Luft geschleudert wurde. Du warst brillant, Harry. Sogar Bill ist beeindruckt und es bedarf einer Menge, ihn zu beeindrucken. Ich wäre nicht überrascht, wenn er dir nach Hogwarts einen Job anbietet."

„Ja? Harry Potter, ein Fluchbrecher?", sagte Harry. Es gelang ihm, ein schwaches Lächeln zustande zu bringen. „Vielleicht, wenn ich es nicht zum Auror schaffe."

„Lass dich ins Haus bringen, wo du dich ausruhen kannst. Kannst du stehen?", erkundigte sich Ginny.

Harry versuchte, sich auf seine Ellenbogen zu stützen, doch sein Körper fiel wieder zu Boden. „Hier ist es gut", sagte er, während er darum kämpfte, seine Augen offen zu halten. Plötzlich schwankte die Welt um ihn herum erneut, als er in starke, muskulöse Arme gehoben wurde.

„Komm, Harry. Lass uns dich hieraus bringen", sagte Charlie Weasley. „Ginny kann sich später bei dir bedanken, indem sie dir die Seele aus dem Leib knutscht."

„Sie hat gesagt, dass ich großartig war", nuschelte Harry.

„Tja, lass es dir aber nicht zu Kopf steigen, Kumpel. Gestern hat sie noch gesagt, dass du ein hoffnungsloser Idiot bist. Sie ist schon immer temperamentvoll gewesen", erwiderte Charlie grinsend.

„Hey!", rief Ginny und schlug ihrem Bruder auf den Arm. „Ich bin auch hier, weißt du."

Auch mit geschlossenen Augen konnte Harry sagen, dass Ginny lächelte. Er war zu müde, um sich dagegen zu wehren, von Charlie zum Fuchsbau getragen zu werden. Also entspannte er seinen Körper einfach und die Dämmerung am Rand seines Gesichtsfelds umhüllte ihn vollkommen.


Das Klirren von Glas, das Summen gedämpfter Musik und entferntes Gelächter waren das erste, was Harry vernahm, als er langsam das Bewusstsein wiedererlangte. Er fühlte sich warm, geborgen und sicherer als er in einer langen Zeit gewesen war. Er war noch nicht bereit, das aufzugeben, indem er die Augen öffnete.

„Wie lang hast du noch vor, Schlaf vorzutäuschen, Harry?", fragte Ginny. Er konnte die Belustigung in ihrer Stimme spüren, während ihm der süße, blumige Duft, den er immer mit ihr verband, in die Nase stieg. „Du bist nicht verletzt. Und erschöpft zu sein ist keine Ausrede, um mir den Tanz zu verweigern, den du mir versprochen hast."

„Wir haben doch schon getanzt!", sagte Harry. Er lächelte, hielt aber die Augen geschlossen.

„Kaum! Du solltest dich besser verhalten, um mich zufrieden zu stellen", sagte sie affektiert.

„Ach wirklich?", fragte Harry, ihr Wortgeplänkel genießend.

Als Erinnerungen an die letzte Nacht auf ihn eindrangen, öffnete er die Augen weit. Er setzte sich plötzlich auf, während er sich leicht panisch im Zimmer umsah. Er fühlte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte, als er seine Umgebung erkannte. Er war zurück an dem Ort, von dem er geschworen hatte, dass er ihn nie wieder sehen wollte. Er war zurück am Grimmauldplatz... in Sirius' Haus.

Er lag auf einer Couch in einem der kleinen Wohnzimmer und sein Kopf hatte auf Ginnys Schoß geruht. Sie rieb ihm beruhigend den Rücken, seine Betroffenheit offensichtlich verstehend.

„Warum sind wir hier?", verlangte er zu wissen, während er sich bemühte, seine Umgebung nicht anzuschauen.

Ginny rückte näher heran und schlang einen Arm um seine steifen Schultern. „Wir haben viele der Flüchtlinge von der Hochzeit hierher geschickt, weißt du noch? Mum war zu verklemmt, irgendjemanden im Fuchsbau zu lassen, bis die Wachen überprüft worden sind. Also haben wir uns hier für eine Nacht einquartiert. Bill und Fleur haben sich entschieden geweigert, sich ihren besonderen Tag verderben zu lassen. Sie haben die Party gleich im Ballsaal weitergeführt. Die Band hat ihr Equipment wieder aufgestellt und spielt jetzt gerade weiter."

Harry konnte widerwilligen Respekt für Fleur in Ginnys Stimme hören.

„Bill geht es gut?", fragte er. Wenn Bill sich so schlecht fühlte wie er selbst, könnte er ganz sicher nicht tanzen. Er knackste seinen Hals von einer Seite auf die andere und versuchte zu beurteilen, ob er die Stärke hatte zu tanzen. Er fühlte sich, als könnte er eine Woche lang schlafen. Es wurmte ihn, dass Bill in einem viel besseren Zustand war.

„Oh, er sitzt im Prinzip nur in einer Ecke und guckt Fleur beim Tanzen zu. Er kann kaum die Augen offen halten und sie war nicht bereit zuzulassen, dass er seine ganze übrige Energie zum Tanzen aufbraucht. Ich bin sicher, dass sie heute Abend noch andere Pläne mit ihm hat", erwiderte Ginny und zwinkerte Harry zu.

Es bedurfte ihn einen Augenblick, um vollständig zu begreifen, was Ginny gesagt hatte. Als es endlich eingesunken war, errötete er. „Ginny!"

Ihre Worte riefen in seinem Kopf Vorstellungen darüber hervor, was Bill und Fleur treiben könnten, obwohl er wirklich nicht darüber nachdenken wollte. So wie Ginny gegen ihn gedrückt war, stiegen bei ihm Bilder von ihr empor, die keiner ihrer Brüder bei ihm haben wollen würden, und sein Körper fing an sich zu regen. Er wandt sich, als sein Kragen plötzlich unerträglich eng wurde.

„Das hat deine Aufmerksamkeit erregt", sagte Ginny feixend, als wüsste sie genau, was sie verursacht hatte.

Sie hatte Recht. Ihn hatte der Gedanke daran, zurück am Grimmauldplatz zu sein, beschäftigt, bis sie seinen Geist auf andere Dinge gelenkt hatte.

„Ron und Hermine", sagte er plötzlich und starrte alarmiert in ihre Augen. „Ich habe Rons Patronus gesehen. Daher wusste ich, dass er letztendlich aufgetaucht ist, aber – "

„Keine Sorge", beruhigte Ginny. Sie schüttelte den Kopf und legte ihre weiche Hand auf seine Lippen. „Hermine hat ein Fluch getroffen, aber sie ist schon von Mum verpflegt gewesen, als ich sie gesehen habe. Ich habe noch nicht die ganze Geschichte herausbekommen, da ich ziemlich beschäftigt mit dir war. Aber ich glaube, es hatte etwas mit einer Auseinandersetzung zwischen Ron und Viktor Krum zu tun."

Harry stöhnte und ließ seinen Kopf in die Hände sinken. Ron, was hast du getan?

„Alle drei sind hier irgendwo. Ron ist ein paar Mal hier gewesen, um nach dir zu schauen, zusammen mit Fred, George, Charlie und Mum. Alle zehn Minuten oder so streckt einer von ihnen seinen Kopf herein. Ich glaube, es ist eine Verschwörung", flüsterte Ginny dramatisch. Dünne Haarsträhnen hatten sich von dem komplizierten Zopf an ihrem Kopf gelöst und kitzelten Harrys Gesicht, als sie sich näher an ihn heranlehnte. Er sehnte sich danach, den Rest ihrer Haare zu befreien und sie herunterhängen zu lassen.

„Vertrauen sie uns nicht?", fragte er grinsend.

„Sollten sie?", erwiderte sie mit erhobener Augenbraue.

„Nun, dann sollten wir unserem bisher unverdienten Ruf gerecht werden, was meinst du?" Er rollte sich mit einer schnellen Bewegung über, so dass Ginny nun auf der Couch lag und er über ihr lehnte. Noch mehr Strähnen ihrer Haare kamen frei, als er seine Lippen auf ihre presste und sich in der Süße ihres Kusses verlor.

Nur einen gefühlten Augenblick später hörte Harry ein kurzes Räuspern vom Korridor her. Harry zog sich widerwillig zurück und fand Ron in der Tür stehen, mit finsterem Blick und geschwollener Unterlippe.

„Müsst ihr das tun?", fragte er, was durch seine fette Lippe seltsam verzerrt klang.

„Auf jeden Fall", erwiderte Harry frech und pflanzte schnell einen weiteren Kuss auf Ginnys Lippen. „Was ist denn mit dir passier?"

Harry und Ginny setzten sich auf und rückten ein wenig auseinander, während Ron sich ihnen gegenüber niederließ.

„Nun, falls du es nicht bemerkt hast, weil du die ganze Zeit mit meiner Schwester knutschst... bei unserem Haus gab es vor einer Weile einen Kampf mit Todessern, Harry", sagte Ron verärgert.

„Was du nicht sagst. Das würde dann erklären, warum ich hier flach auf meinem Rücken liege, oder nicht? Komisch, ich erinnere mich nicht daran, dich beim Kampf gesehen zu haben", sagte Harry neckend.

„Du hast es ihm erzählt." Ron funkelte Ginny an.

„Natürlich habe ich das getan", erwiderte Ginny feixend, während sie sich an Harry kuschelte. Er schlang seinen Arm um sie und ignorierte Rons wütenden Blick.

„Was ist mit Hermine passiert?", erkundigte sich Harry. Er war hin- und hergerissen dazwischen, Ginnys Streit mit Ron weiterzuverfolgen und die Details zu hören, bevor es in einen Geschwisterkrieg ausartete.

Vicky hat versucht, mich mit einem Reducto- Fluch zu treffen. Der ist aber von Mums Stall abgeprallt und hat Hermine getroffen. Mum hat sie wieder aufgepäppelt, aber sie redet nicht mehr mit mir. Als ob es meine Schuld wäre", erzählte Ron, verschränkte die Arme vor der Brust und stierte mit finsteren Blick vor sich hin.

„Warum hat er versucht, dich zu verfluchen?", fragte Harry, plötzlich wieder erschöpft.

„Vielleicht ist er provoziert worden", gab Ron mürrisch zu. „Aber das ist nicht der Punkt. Er verhext sie und sie redet nicht mehr mit mir. Wie soll ich das denn verstehen?"

Harry stöhnte. „Was hast du gemacht, Ron? Warum verhext ihr einander? Ich dachte, du hättest mir kurz davor gesagt, dass du wüsstest, dass Hermine als deine Partnerin zu der Hochzeit gegangen ist. Ich dachte, zwischen euch wäre alles in Ordnung."

„Es war in Ordnung, bis dieser Schwachkopf versucht hat, sich an mein Mädchen heranzumachen", sagte Ron wütend. Harry vermutete, dass er noch nicht einmal selbst bemerkt hatte, als was er Hermine bezeichnet hatte. „Nachdem du mit Ginny verschwunden bist, wusste ich, dass ihr beide rumknutschen würdet. Ich wollte es nicht sehen, deshalb bin ich Hermine suchen gegangen. Ich habe sie mit Vicky im Fuchsbau gefunden."

„Aber Ron, ich dachte, wir hätten darüber gesprochen. Sie ist als deine Partnerin zu der Hochzeit gegangen. Ich dachte, dir wäre es recht mit ihr und Viktor", sagte Harry müde.

„Es war mir recht, als er nur ein alter Freund auf der Tanzfläche war. Aber es war mir nicht mehr recht, sie bei einer Unterhaltung mit ihm zu finden, wenn sie das Kleid trägt und so aussieht und in meinem Haus an meinem Küchentisch sitzt. Keinem Typ wäre das recht, Harry", endete Ron mit einem Brüllen, seine Ohren so glühend wie sein Haar.

Da hatte er Recht. Harry hatte es auch nicht gefallen, Jean- Luc mit Ginny zu sehen und zwischen denen gab es keine Vergangenheit. Zum ersten Mal verstand er und fühlte mit Rons Empfindungen gegenüber Viktor mit.

„Also was ist dann passiert? Und was meinst du mit, du wusstest, wir würden rumknutschen?", fragte Harry, als ihm plötzlich bewusst wurde, was Ron gesagt hatte.

Ron verdrehte die Augen. „Ach komm schon, Harry. Du hast deine Augen die ganze Woche lang nicht von ihr halten können und Merlin weiß, dass sie dich knutschen will. Sie scheint sich nicht sehr im Zaum halten zu können."

„Hey!", schrie Ginny empört.

„Ihr wart beide nicht besonders diskret", sagte Ron, wobei er bemerkenswert wie Percy klang.

„Offensichtlich schon, wenn selbst du es bemerkt hast", erwiderte Ginny kühl und verschränkte die Arme über die Brust.

„Tja, offensichtlich hatte ich Recht, wenn das, wo ich gerade reingelaufen bin, ein Anzeichen war. Gut, dass es nicht Mum war", sagte Ron mit verengten Augen.

„Mum ist Harry im Moment so dankbar, dass wir Sex haben könnten, und sie würde es erlauben", erwiderte Ginny herablassend.

„Ginny!", keuchte Harry. Er warf Ron einen schnellen Blick zu, um seine Reaktion zu erspähen. Ron saß still da, mit dem Mund offen wie ein Fisch.

„Naja, sie ist dir wirklich dankbar. Du hast den Fuchsbau gerettet, Harry. Sie würde im Augenblick bei allem den Kopf wegdrehen. Das solltest du dir wirklich zum Vorteil machen und sie wissen lassen, dass du nicht zu uns nach Hause kommen wirst. Schaff das aus der Welt", riet Ginny nachdenklich.

Das ist keine schlechte Idee, dachte Harry, während er sich fragte, woher Ginny schon wusste, dass er nicht zurückgehen würde. Sie hatten noch nichts über die Zukunft besprochen. Er wusste nur, dass er sie in seiner haben wollte.

„Ich kann sie in meine Pläne einweihen, wenn ich mir selbst nicht sicher bin, wie sie aussehen werden. Außerdem hätte ich Bill unter allen Umständen geholfen", versicherte Harry aufrichtig.

„Was das angeht, Harry... es tut mir wirklich Leid", sagte Ron und starrte konzentriert auf den Teppich.

„Wofür?", fragte Harry.

„Dafür, dass ich nicht da war, als der Kampf angefangen hat. Ich habe dir versprochen, die ganze Zeit an deiner Seite zu sein. Aber ich habe beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten zugelassen, dass Vicky mich abgelenkt hat. Ich wusste noch nicht einmal von den Dementoren, weil ich so damit beschäftigt war, mich zu streiten. Und als Hermine dann verletzt worden ist, habe ich die Nerven verloren. Ich konnte an nichts anderes mehr denken als sie wieder in Ordnung zu kriegen. Erst als du auf diesem Hügel warst, um Bill zu helfen, habe ich meinen Arsch hochgekriegt. Ich hätte die ganze Zeit bei dir sein sollen." Rons Schultern sackten herunter.

„Das hätten wir beide tun sollen, Harry", erklang Hermines Stimme von der Tür. Sie war sehr blass. Ihre Augen glänzten voller Tränen, während sie Ron anblickte.

„Hermine!", rief Harry, erleichtert sie wohlauf zu sehen.

„Alles in Ordnung mit dir?", fragte sie. Ihre Augen wandten sich ihm zu, um ihn einer flüchtigen Inspektion zu unterziehen.

„Mir geht es gut. Du bist doch diejenige, die verletzt worden ist, wie ich gehört habe."

„Ach, es ist nichts. Ich muss es einige Tage lang ruhig angehen lassen und einen Zaubertrank wegen ein paar gebrochenen Rippen nehmen. Nicht Ernstes. Du bist völlig neben der Spur gewesen und Ginny wollte niemanden an dich heranlassen", sagte Hermine mit einem missbilligenden Schniefen.

Ginny errötete. „Er hat geschlafen."

„Es sieht so aus, als läuft es wieder prima zwischen euch beiden. Ich freue mich so für euch. Du warst wirklich ziemlich albern, Harry." Hermine lächelte sie liebevoll an.

Harry ignorierte ihre leichte Kritik. „Da wir gerade von albern sprechen...", sagte er und deutete auf sie und Ron.

Hermine hob die Nase in die Luft. „Wie üblich hat Ron überreagiert."

„Überreagiert? Als ich in die Küche gegangen bin, hatte er seine Hände an dir kleben. Was sollte ich denn da denken?", verteidigte sich Ron wütend.

„An mir kleben? Ganz sicher nicht, Ronald Weasley. Er hat mich gefragt, ob ich glücklich bin, und ich habe ihm versichert, dass ich es bin. Wir haben uns umarmt und hätten die Unterhaltung beendet, wenn du nicht ins Zimmer gestürmt wärst, als ob dir die Höllenhunde auf den Fersen wären", entgegnete Hermine bissig.

„Er hatte seine Hände... warte mal... was? Du hast ihm gesagt, dass du glücklich bist? Mit mir?", fragte Ron, plötzlich unsicher.

Hermines Blick wurde weicher. „Hast du dir wirklich Sorgen gemacht, als du gedacht hast, dass ich verletzt wäre?", wollte sie leise wissen.

Sofort wünschte Harry, er wäre woanders. Irgendwo. Ron und Hermine waren seine besten Freunde auf der Welt, aber er wollte wirklich nicht Zeuge für diese Seite ihrer Beziehung sein.

„Also, hängt Mum immer noch an Percy?", schaltete sich Ginny ein. Offensichtlich fühlte sie sich bei Ron und Hermines Unterhaltung ebenfalls nicht wohl in ihrer Haut.

„Percy? Ist Percy immer noch hier?", fragte Harry.

„Ja. Er hat noch mit Mum und Dad geredet, als der Anschlag angefangen hat, und Mum hat darauf bestanden, dass wir alle zusammenbleiben", erwiderte Ginny.

„Der Idiot war schockiert, dass die Todesser den Fuchsbau wirklich angreifen würden. Als ob er nicht glauben konnte, dass sie uns jemals Beachtung schenken würden. Ich weiß, dass Mum froh ist, ihn hier zu haben, aber ich traue ihm nicht über den Weg. Ich denke nicht, dass er hier sein sollte", sagte Ron mit düsterer Miene.

„Ich habe darüber nachgedacht, Harry", meldete sich Hermine zaghaft. „Ich meine, es gibt viele neue Leute hier, die jetzt vom Hauptquartier wissen. Hältst du es wirklich für eine so gute Idee, dieses Haus als Zufluchtsort zu benutzen?"

„Ja", antwortete Harry kurz.

„Ich meine, natürlich war es zwingend notwendig, alle in Sicherheit zu bringen, aber das Ministerium hat sichere Unterkünfte und Kontrollpunkte für solche Fälle", sagte Hermine.

„Ich glaube, dieses Haus als einen Zufluchtsort für jeden zu benutzen, der vor den Todesser oder vor dem Ministerium flieht, ist genau das, was Sirius gewollt hätte", erwiderte Harry ruhig. „Außerdem bin ich mir sicher, dass Mad Eye auf jeden einen Erinnerungszauber legt, der das Haus verlässt. Und mit dem Fidelius- Zauber kann sowieso niemand das Haus lokalisieren."

„Sie können den Ort nicht preisgeben, aber sie können enthüllen, wer hier ist und wer für die Aktion zuständig ist", beharrte Hermine.

Ron meldete sich zu Wort: „Wie kommt es, dass der Fidelius noch funktioniert, obwohl Dumbledore t..." Seine Stimme verlor sich.

„Der Fidelius wird nicht aufgehoben, wenn der Geheimniswahrer stirbt. Sonst müsste man einfach nur den Geheimniswahrer töten. Es ist vielmehr ein langsames, allmähliches Verblassen der Magie und es lässt genügend Zeit, den Zauber auf einen neuen Geheimniswahrer zu legen. Bei uns ist es Professor McGonagall, glaube ich", erklärte Hermine.

„Ja, das ist sie", bestätigte Ginny nickend. „Percy ist nicht das einzige mögliche Sicherheitsrisiko hier. Mehrere Mitglieder von Fleurs erweiterter Familie halten sich hier auf, von denen wir nichts im Geringsten wissen."

„Ich würde sagen, Jean- Lucifer ist zu dämlich, um ein Todesser zu sein. Andererseits haben sie auch Krätze angenommen, also kann man nie wissen." Ron zog eine Grimasse.

Harry hatte Jean- Lucifer in dem Chaos nach dem Anschlag vollkommen vergessen. Schnell warf er Ginny einen Blick zu, um ihre Reaktion zu erhaschen.

Sie verdrehte nur die Augen. „Du warst nicht besonders nett zu ihm", sagte sie unbestimmt ins Zimmer. Sie erschien jedoch nicht sehr betroffen darüber.

„Harry hasst ihn", erwiderte Ron, als ob das den Ausschlag gab.

„Keiner von uns kann Jean- Luc leiden", verteidigte sich Harry. „Ich glaube, Fred und George haben einen Streich auf ihn geplant. Aber ich weiß nicht, ob sie ihn tatsächlich ausgeführt haben."

„Nein, haben sie nicht", sagte Ginny, während sie einen Fussel von ihrem Rock klaubte.

„Woher weißt du das?", wollte Ron wissen.

„Weil Bill ihnen davon abgeraten hat. Jean- Luc hat Harry eifersüchtig gemacht und Bill hatte gedacht, dass das am effektivsten sein würde, um ihn von seinen Edelmut- Komplexen abzubringen. Fleur hat Jean- Luc darauf angesetzt." Ginny versuchte vergeblich, ein Grinsen zu unterdrücken.

„Also war es eine Verschwörung?", fragte Harry, verblüfft angesichts der Bemühung der Weasleys, ihn zu verkuppeln.

„So was in der Art." Ginny zuckte die Achseln. „Leg dich nicht mit uns Weasleys an."

„Was höre ich da von Weasleys, mit denen sich angelegt wird? Das darf nie und nimmer geduldet werden", sagte Fred, der soeben den Raum betrat.

Sein Umhang war zerrissen und dreckig, doch er hatte mit Hilfe seines Zauberstabs Blumen angesteckt, um die Zerstörung zu verdecken. Natürlich war dieser Versuch kläglich gescheitert und hatte nur noch zusätzlich zu dem erbärmlichen Anblick beigetragen. Doch aus irgendeinem Grund vermutete Harry, dass Fred gerade das beabsichtigt hatte.

„Es ist auf so vielen Ebenen falsch", fügte George hinzu.

„Was macht ihr denn hier? Ich dachte, ihr wärt damit beschäftigt, Fleurs Freundinnen anzugraben", fragte Ron. Er klang sowohl angewidert als auch stolz auf seine älteren Brüder.

Eine Woge der Erschöpfung flutete erneut über Harry. Er lehnte sich zurück an die Couch und schloss die Augen, während er dem Gekabbel seiner Freunde lauschte.

Fred seufzte dramatisch. „So viele Frauen..."

„... so wenig Zeit", fuhr George fort.

„Warum habt ihr beide euch eigentlich keine Partnerinnen für die Hochzeit besorgt?", fragte Ginny. „Ich bin sicher, es gibt irgendwo noch einige Hexen, die noch nicht vor euch gewarnt wurden."

„Partnerinnen?", wiederholte Fred in gespieltem Entsetzen. „Warum sollten wir Partnerinnen zu einem Ereignis mitbringen wollen, wo so viele schöne Französinnen versammelt sein würden..."

„Französische Veelas", verbesserte George.

„... die bisher noch nicht das Vergnügen hatten, uns vorgestellt zu werden. Wir waren willens, uns für ihr größeres Wohl zu opfern", sagte Fred.

„Ach du meine Güte!", seufzte Ginny, verdrehte die Augen und stieß Harry mit dem Ellenbogen in die Seite. Er war beinahe wieder eingenickt. Er riss die Augen weit auf und versuchte, die Unterhaltung mitzuverfolgen.

„Was ist eigentlich mit Angelina?", schaltete sich Hermine ein. „Ich dachte, ihr beide geht miteinander aus."

„Angelina?" Fred blinzelte sie an. „Wir sind im sechsten Schuljahr zusammen zum Weihnachtsball gegangen, aber soweit ich weiß, bedeutet das keine Bindung auf Lebenszeit. Wenn es das bedeuten würde, solltest du jetzt mit Viktor Krum auf der Couch sitzen."

Sofort verfinsterte sich Rons Gesicht und Hermines Wangen färbten sich rot.

„Oh, lasst uns das Thema wechseln", sagte Ginny mit einem müden Seufzen. „Was heckt ihr beide eigentlich aus? Ihr hattet einen ziemlich schuldbewussten Gesichtsausdruck, als ihr hier reingekommen seid."

„Wir? Schuldbewusste Gesichtsausdrücke?", fragte Fred entrüstet.

„Damit du es weißt, geliebtes Schwesterherz, wir beherrschen einwandfrei die Kunst, unsere Schuld mit dem Ausdruck purer Lässigkeit zu vertuschen", sagte George.

„Wir sahen nicht im geringsten schuldbewusst aus", versicherte Fred.

„Aha", erwiderte Ginny träge.

„Wir sind lediglich Mums Zorn aus dem Weg gegangen. Sie ist ziemlich aufgebracht im Moment, weil es scheint, dass die Nachtigallen von der Hochzeitszeremonie uns nicht nur hierher gefolgt sind, sondern auch eine Neigung zu Percys Kopf entwickelt haben", sagte George mit einem spitzbübischen Grinsen.

„Sie flattern auf eine äußerst unattraktive Weise um ihn herum", fügte Fred hinzu.

„Und ihr wisst nichts darüber?", fragte Ginny.

George kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Naja, ich vermute, es könnte etwas mit dem Vogelfutter zu tun haben, das wir auf seinen Kopf verstreut haben, als er beschäftigt war."

„Mit einem Desillusionierungszauber natürlich", sagte Fred.

Harry, Ginny und Ron kicherten, während Hermine ihre Missbilligung zum Ausdruck brachte. Harrys Augen juckten und er versuchte erfolglos, ein erneutes Gähnen zu verbergen.

„Mum ist überglücklich, dass er hier ist, aber Moody besteht darauf, dass er nicht weggehen darf ohne Erinnerungszauber. Sie sind gerade dabei es auszukämpfen. Moody verteilt Erinnerungszauber wie Honigtopf- Schokolade", sagte George.

„Na dann lasst uns gehen und unsere letzten Tänze ausführen, bevor die Party völlig vorbei ist", schlug Ginny strahlend vor.

„Ich denke nicht, dass Harry nach Tanzen zumute ist, Ginny", sagte Hermine mit einem Blick auf Harry. Er zwang sich, ein wenig gerader zu sitzen.

Ginny blickte Harry einen Moment lang an, bevor sie resolut nickte. „Ihm geht es gut. Wir brauchen eine schöne Nacht, bevor wir entscheiden, was morgen geschieht."

Harry wusste, dass sie Recht hatte. Sie hatten nicht wirklich etwas besprochen. Sie hatten seit ihrer Wiedervereinigung die meiste Zeit mit Knutschen zugebracht. Nicht dass es ihm etwas ausmachte, doch er würde einige schwerwiegende Entscheidungen am morgigen Tag zu treffen haben. Für diese Nacht wollte er die letzte Chance nutzen, unter funkelndem Licht vorzutäuschen, als erschiene die Zukunft nicht so düster.

Auf Ginny und Ron gestützt folgte er den anderen, um einen letzten Tanz zu genießen.


Am nächsten Morgen saß Harry auf Sirius' altem Platz am abgenutzten Küchentisch am Grimmauldplatz. Er schlürfte an einer dampfenden Tasse Kaffe und versuchte seinen nächsten Schritt zu bedenken, während er mit Fleurs Diadem spielte, das Harry heute Morgen auf dem Tisch gefunden hatte. Er hatte geplant, am heutigen Tag nach Godrics Hollow aufzubrechen. Doch das war, bevor Hermine sich die Verletzungen zugezogen hatte und Ron sein Zuhause verlassen musste. Nun wusste er nicht, was er tun sollte.

Und dann war da noch die Komplikation mit Ginny.

Harry war bewusst, dass sie im Verdacht hatte, dass sie aufbrechen wollten. Doch sie versuchte noch immer herauszufinden, wozu sie aufbrachen. Er wusste nun, dass er sie nicht vollkommen ausschließen konnte – er brauchte sie. Er hatte festgestellt, dass er sich jetzt, da er sich nicht mehr vor Besorgnis verzehrte, wo sie war und was sie tat, sehr viel besser konzentrieren konnte.

Dennoch, er hatte Dumbledore sein Wort gegeben, nur Ron und Hermine in die Existenz von Horkruxen einzuweihen. Er hatte noch nicht einmal Professor McGonagall davon erzählt, als sie ihn danach gefragt hatte. Er konnte dieses Versprechen nicht brechen und hoffte, dass Ginny es genauso sehen würde. Er musste sie jedoch in die Prophezeiung einweihen. Das schuldete er ihr. Aber die Horkruxe...

Harry vertraute ihr bedingungslos, doch versprochen war versprochen. Er vermutete, dass es seine eigene Art war, eine Verbindung zu Dumbledore aufrecht zu erhalten. Aber er spürte, dass er es brauchte. Er fuhr sich mit einer Hand durch das Haar und stöhnte.

„Stehen die Dinge so schlecht, Bursche?", krächzte Moodys Stimme.

Harry blickte auf und sah den grauhaarigen Ex- Auror in der Tür stehen, der ihn mit seinem gesunden Auge musterte.

„Es könnte besser sein", erwiderte Harry.

„Aye, das stimmt", sagte Moody und setzte sich zu ihm an den Tisch.

„Kann ich Sie etwas fragen?"

„Es scheint mir, als hättest du es gerade eben getan", antwortete Moody.

„Wenn ein Auror an einem Fall dran ist, kann er einen Zauber ausführen, der aufspürt, ob Dunkle Magie verübt worden ist?", fragte Harry, während er an eine kalte, feuchte Höhle in einer frostigen Frühlingsnacht zurückdachte.

„Natürlich gibt es so einen Zauber", sagte Moody kurz.

„Können Sie ihn mir zeigen?"

Moodys Glasauge verengte sich, als er ihn einer gründlichen Musterung unterzog. Für einen Moment schwieg er, bevor er seinen Zauberstab in Richtung der offenen Tür wedelte. Einen Augenblick später kam eine kleine schwarze Schatulle in die Küche geflogen. Moody öffnete ihn und zog etwas hervor, das aussah wie ein Opernglas.

„Das wird von angehenden Auroren beim Training benutzt. Es ist ein Zauberdetektor. Wenn du es trägst, kannst du Spuren von magischen Abdrücken um die Gegenstände herum sehen. Dunkle Magie zeigt sich rot", erklärte Moody und schob Harry das Brillengestell zu. „Wenn Auroren darin bewanderter sind, können manche sogar einen Enthüllungszauber benutzen. Aber man muss ein einzigartiges Level an Konzentrationsfähigkeit erreichen, um die Farben zum Vorschein bringen zu können."

„Professor Dumbledore hat es mit bloßen Händen geschafft", murmelte Harry.

„Tja, aber das war auch Dumbledore, nicht wahr?", sagte Moody schroff.

„Es kann auch ein Gefühl mit sich bringen, oder? Gerade ausreichend, um ein Schaudern hervorzurufen, vielleicht?" Harry mühte sich ab, seine Gedanken in Worte zu fassen.

Moody sah Harry scharf an. Harry hatte das vage Gefühl, dass Moody beeindruckt war. „Jeder imstande, eine magische Spur zu fühlen, muss in der Tat mächtig sein. Das wäre eine höchst nützliche Fähigkeit für jeden, der ein Auror sein will. Eine solche Begabung sollte man aber für sich behalten. Diese Art von Information muss vor falschen Händen geschützt werden."

„Allerdings", stimmte Harry zu. Hatte er etwas gespürt in jener Nacht in der Höhle, als Dumbledore nach Spuren von Voldemorts Verschleierung Ausschau gehalten hatte? Harry konnte es nicht mit Gewissheit sagen, doch zumindest hatte er einen Anhaltspunkt.

„Kann ich mir das ausleihen?", fragte er und hielt den Zauberdetektor in die Höhe.

„Ich glaube nicht, dass ich es vermissen werde", antwortete Moody achselzuckend.

Harry nickte und schob die Schatulle in seine Tasche. „Wo sind denn alle?", fragte er.

Moody goss sich gemächlich Kaffee in seine Tasse. „Gehen mir alle aus dem Weg, höchstwahrscheinlich", sagte er schließlich. „Keiner der Weasleys ist im Augenblick gut auf mich zu sprechen."

„Wegen Percy?", wollte Harry wissen. Er wusste, dass Percy es am Abend zuvor letztendlich geschafft hatte, das Hauptquartier zu verlassen. Harry war sich sicher, dass Mrs. Weasley nicht sehr glücklich über jegliche Abmachungen gewesen war, zu denen man sich geeinigt hatte.

„Ich verstehe, dass er Molly und Arthurs Junge ist, aber er ist eine Last. Es ist meine Aufgabe, mich mit Lasten zu befassen", sagte Moody brummig.

„Sie haben also einen Erinnerungszauber angewandt?", fragte Harry.

„Nein, aber ich denke immer noch, dass wir es hätten tun sollen. Molly war unerbittlich, dass ihm erlaubt werden sollte, sich mit seiner Familie auszusöhnen. Erinnerungszauber sind eine verzwickte Angelegenheit, also konnte ich es ihr nicht versprechen. Wir haben uns zum Schluss auf einen Unbrechbaren Schwur geeinigt. Arthur hat klein beigegeben, aber Molly war außer sich. Ich würde heute Morgen nicht gerne in Arthurs Haut stecken." Moody zog eine Grimasse.

Harry schnaubte bei dem Gedanken, dass der kampfverwegene Mad- Eye Moody von Molly Weasley eingeschüchtert war. Nicht dass Harry selbst es nicht war, aber dennoch...

„Sie wird wahrscheinlich tagelang nicht mit mir sprechen, bevor sie sich wieder abgeregt hat", sagte Moody. „Ich werde die Mahlzeiten vermissen. Ich haben mehrere Jahre lang nicht mehr gut gespeist."

„Ich weiß nicht. Ich glaube nicht, dass Mrs. Weasley irgendjemanden hungrig lässt, egal wie wütend sie ist", sagte Harry.

Moody gluckste. „Lass uns hoffen, dass du Recht hast. Sie hat für mich nicht so eine Schwäche wie für dich."

Harry grinste und sagte: „Ich Glückspilz."

Die Küchentür schwang auf und gab den Blick auf Ginny und Hermine frei. Beide Mädchen wirkten mürrisch und nur halbwach. Harry bereitete ihnen je eine Tasse Kaffe, die sie dankbar entgegennahmen.

„Morgen, Ladies", sagte Moody.

Beide grunzten nur zur Begrüßung.

„Warum seid ihr aufgestanden, wenn ihr immer noch so müde seid?", wollte Harry wissen.

Ginny verdrehte die Augen. „Kennst du nicht meine Mutter? Sie hat heute Morgen einen Tobsuchtsanfall und will das Haus sauber haben, bevor wir zum Fuchsbau zurückkehren."

„Sie besteht darauf, von hier wegzugehen", sagte Hermine schläfrig.

Ginny nahm Harry das Diadem aus der Hand. „Das gehört meiner Tante Muriel. Dahinter steckt eine großartige Geschichte. Es – "

„Sie will uns beschäftigen, damit wir nicht die Zeit haben, uns umzusehen." Hermine war plötzlich hellwach.

„Pardon?" Ginny runzelte die Stirn, während sie das Diadem zurück auf den Tisch legte.

„Deine Mum. Sie will nicht, dass wir uns hier zu genau umschauen", erklärte Hermine, eine Augenbraue bedeutungsvoll gehoben.

Plötzlich erinnerte sich Harry an die Unterhaltungen über einen Gast am Grimmauldplatz.

„Guten Morgen." Remus betrat die Küche, Tonks auf den Fersen. „Ihr seid alle sehr früh auf. Ich hätte gedacht, dass ihr nach dem ganzen Tanzen gestern ausschlafen würdet."

„Wer sonst hält sich hier auf?", erkundigte sich Harry scharf, seine Augen auf Remus geheftet. Remus senkte den Blick, um sich eine Tasse Kaffee einzuschenken.

„Die Weasleys und die Delacours sind hier, bis die Schutzzauber am Fuchsbau untersucht worden sind", erwiderte Remus gelassen.

„Das ist m-mein Haus", sagte Harry mit einem leichten Zittern in der Stimme, von dem er hoffte, dass ihn niemand anderes vernommen hatte. „Ich mag zugestimmt haben, dass der Orden dieses Haus benutzen darf. Aber ich will wissen, wer der mysteriöse Gast ist. Ich will wissen, warum er sich hier aufhält. Und ich will es jetzt wissen."

Remus blickte Moody an, der die Achseln zuckte. „Es ist sein Haus und er scheint mehr darüber zu wissen, was Dumbledore getrieben hat, als jeder von uns."

Remus' Schultern sackten herab. „Ich weiß", gab er zu. „Und Harry, wir müssen wissen, was du im Schilde führst, um dir zu helfen. Wir wollen dich beschützen."

„Ihr könnt es aber nicht. Niemand kann es. Ich darf euch nicht verraten, was ich mit Professor Dumbledore unternommen habe, Remus. Ich habe es ihm versprochen. Wenn er gewollt hätte, dass der Orden eingeweiht wird, hätte er es euch selbst gesagt", sagte Harry fest, obwohl er sich unwohl dabei fühlte, Remus' Bitte abzuschlagen.

Unter dem Tisch nahm Ginny seine Hand und drückte sie sanft. Er schenkte ihr ein mattes Lächeln, ihre Unterstützung schätzend.

„Natürlich", erwiderte Remus und Harry konnte seine widersprüchlichen Gefühle mit Leichtigkeit lesen. Er vertraute Dumbledore uneingeschränkt, doch er wollte ebenfalls Harry beschützen. Wann würden sie jemals verstehen, dass es nicht in ihrer Macht stand, das jetzt zu tun? Das hatte schon immer so gewesen.

„Wer ist es, den der Orden deckt?", fragte Harry erneut.

„Draco und Narzissa Malfoy", antwortete Tonks. Ihr Gesicht verzerrte sich zu einer hässlichen Grimasse. „Meine Familie."

Harrys Kieferlade klappte herunter. Er war nicht sicher, was er vermutet hatte. Doch das war auf keinen Fall, was er erwartet hatte. Draco Malfoy? Hier? Malfoy, der im vergangenen Jahr Dumbledores Tod geplant hatte? Der, der die Todesser auf das Schulgelände geführt hatte, um ein klein wenig Ruhm zu ernten? Und Narzissa! Die, die sich mit Kreacher verbündet hatte, um Sirius umzubringen? Hier? In Sirius' Haus?

„Was?!" Harry explodierte. Er schob ruckartig seinen Stuhl zurück, so dass er auf den Boden polterte. Er war in zwei Schritten bei der Tür, bereit die Stufen hinaufzusteigen und Moody mit bloßen Händen zu erwürgen.

Remus packte ihn an den Schultern und hielt ihn zurück. „Hör mir zu, Harry."

„Was in Merlins Namen macht er hier?", verlangte Ginny zu hören. Ihre Augen blitzten vor Zorn.

Hermine Gesicht war kreidebleich geworden, während sie zwischen Harry und Remus hin- und herblickte.

„Er versorgt uns mit wertvollen Informationen", erklärte Remus, während er darum kämpfte, Harry festzuhalten.

„Was auch immer er sagt, er lügt", schnauzte Harry.

„Das tut er nicht. Die Informationen sind bestätigt worden", sagte Remus. „Wir waren deswegen mehrmals imstande, einen Tod zu verhindern."

Harry hörte auf sich zu wehren und keuchte heftig. „Warum sollte Malfoy euch Informationen liefern? Es muss doch etwas für ihn herausspringen."

„Natürlich. Er hat starke Überlebensinstinkte. Voldemort hat seinen Tod gefordert, weil er gescheitert ist. Ihm zufolge, hat Snape ihm und Narzissa geholfen zu fliehen. Sie haben versucht unterzutauchen, als wir sie gefunden habe", sagte Tonks.

„Snape?", knurrte Harry und sah wieder rot. „Warum sollte er ihnen helfen?"

„Er hatte schon immer eine Schwäche für Narzissa. Voldemort hat ihren Tod ebenfalls gefordert, weil sie Snape gebeten hat, Draco zu helfen", antwortete Remus sanft.

„Er hat Dumbledore getötet und Malfoy hat ihm dabei geholfen", versetzte Harry. Er zitterte vor Wut.

„Er hat kein Land mehr gesehen, Harry", beschwichtigte Remus und seufzte. „Hör mal, ich glaube nicht, dass er uns aus irgendeinem großen Drang, seine Fehler wieder gutzumachen, hilft. Aber er will leben. Seine einzige Hoffnung besteht nun darin, dass wir gewinnen. Andererseits wird er für den Rest seines Lebens gejagt werden. Und das würde auch nicht lange anhalten. Es ist eine erzwungene Partnerschaft mit wechselseitigem Nutzen. Er will nicht sterben und er will seine Mutter beschützen."

„Sie hat mitgeholfen, Sirius umzubringen. Ich will sie nicht hier haben. Sie hat kein Recht dazu, in diesem Haus Zuflucht zu suchen", sagte Harry. In seiner Kehle bildete sich ein harter Klumpen.

Remus ließ den Kopf hängen und antwortete in einer angespannten Stimme: „Ich weiß, Harry. Glaub mir, ich weiß, wie du dich fühlst, aber wir haben keine andere Wahl. Wir haben nicht länger einen Spion unter den Todessern. Sowohl Draco als auch Narzissa waren eingebunden in einigen von Voldemorts Plänen. Sie verstehen besser als wir, wie die Köpfe der Todesser funktionieren. Wir können ihre Hilfe gebrauchen."

„Und im Gegenzug bleiben sie am Leben", sagte Harry bitter.

Remus nickte. Noch immer lag seine Hand auf Harrys Schulter. Er konnte sehen, wie Hermine ihn sorgfältig beobachtete und auf seine Reaktion wartete. Ginnys Gesichtsausdruck war grimmig. Ihr gefiel es nicht mehr als ihm, aber sie war bereit, seiner Führung zu folgen.

„Ich hasse das", flüsterte er. Er holte tief Atem.

„Ich weiß", antwortete Remus traurig.

„Dieses kleine Frettchen sollte mir lieber aus dem Weg gehen. Wenn ich ihn auch nur sehe oder ihn eine abfällige Bemerkung machen höre, jage ich ihm so schnell einen Fluch auf den Hals, dass er ihn niemals kommen sehen wird. Und ich würde jedem raten, mich diesmal nicht davon abzuhalten", sagte Harry scharf.

Er ließ seinen Blick ein letztes Mal über die blassen Gesichter der anderen schweifen, bevor er aus dem Zimmer stürmte.


Den Rest des Tages verbrachte Harry damit, über der Tatsache zu brüten, dass Malfoy hier war, in Sirius' Haus. Seine Reaktion erwies sich als harmlos im Gegensatz zu dem wütenden Aufheulen, das Ron ausstieß, als er davon erfuhr. Mrs. Weasley war in Kenntnis gesetzt worden, dass sie alle einige Tage am Grimmauldplatz verbleiben mussten, bevor jemand den Fuchsbau inspizieren konnte. Mrs. Weasley war alles andere als erfreut gewesen.

Während er in seinem Zimmer auf und ab lief, kam Harry zu dem Schluss, dass er hier raus musste. Er musste seinen Plan in Bewegung setzten und ein Gefühl sagte ihm, dass er in Godrics Hollow seinen Anfang nehmen musste. Etwas zog ihn dorthin.

Er hatte Ron und Hermine versprochen, dass sie zusammen an den Horkruxen arbeiten würden, und er musste noch immer herausfinden, wie Ginny in alles hineinpasste. Aber Godrics Hollow gehörte nur ihm. Das war seine persönliche Suche. Er war nicht sicher, warum er so unbedingt dorthin gehen musste, doch er wusste es einfach. Und er wusste, dass er es allein tun wollte.

Als in dieser Nacht alle schliefen und alles im Haus still war, packte Harry einen leichten Rucksack, in den er sorgsam die Adresse steckte, die Tante Petunia ihm gegeben hatte. Er hinterließ eine Nachricht, die besagte, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchten und er bald zurück sein würde, dass es nur etwas gab, das er zuerst hinter sich bringen musste.