Kapitel 14 – Azkaban

Der September wich dem Oktober, ohne dass Harry sich auch nur des Vorbeirasens der Zeit bewusst wurde. Er fühlte sich, als hätte er jedes Buch in der Bücherei durchblättert, und hatte noch keine Lösung zu den Horkruxen gefunden. Er hatte begonnen, Hermines Empörung nachzuvollziehen, von der Bücherei im Stich gelassen worden zu sein. Wie konnte es sein, dass dort nichts über etwas zu finden war, das offensichtlich existierte?

Er hatte seine Okklumentik- Stunden mit den Malfoys fortgesetzt, wies jedoch keinerlei Fortschritte auf. Während Harrys Kopf während der Übungen und sogar noch eine kurze Zeit danach schmerzte, hatte er keine Visionen oder Anstürme von Voldemorts Stimmungen erfahren, wie es im fünften Jahr der Fall gewesen war. Die Stunden machten ihn jedoch stets müde und ausgelaugt.

Eine düstere, angespannte Stimmung hatte sich in der letzten Woche über das Hauptquartier gelegt. Die Anzahl von Anschlägen dunkler Kreaturen auf Muggle war dramatisch gestiegen. Tatsächlich sagte Mr. Weasley, er könne sich an keine Zeit entsinnen, da mehr Vampire in England gesehen wurden. Mehrere hochgestellte Beamte des Ministeriums waren innerhalb einer kurzen Zeitspanne verschwunden und hinterließen die Zurückgebliebenen überarbeitet und verängstigt. Einige der reicheren Familien hatten sich ins Ausland abgesetzt, so weit von Britannien wie möglich.

Die Mitglieder des Ordens streuten sich aus, um ein Durcheinander nach dem nächsten zu bereinigen, so dass das Hauptquartier die meiste Zeit leer stand. Während dies Harry ungehinderte Forschungen ermöglichte, bedeutete es ebenfalls, dass keiner von ihnen die Zeit hatte, nach Crabbe und Goyles Vätern zu suchen.

Die Anschläge auf Muggle und Mugglegeborene erweckten in Hermine verständlicherweise Sorge um ihre eigene Familie. Mr. Weasley hatte versprochen, ihre Eltern unter permanenten Schutz zu stellen, aber sie machte sich trotzdem Sorgen. Sie hatte die fixe Idee, nach Albanien zurückzukehren, da sie ihrer Meinung nach dort irgendetwas übersehen hätten.

Wieder sagte Harrys Bauchgefühl ihm, dass das, wonach sie suchten, sich nicht in Albanien befand. Ginny hatte aufgeworfen, dass Voldemort vielleicht keine Zeit dort verbracht hatte. Griechenland grenzte an Albanien und vielleicht hat dies ihn zu dem Einsatz des Parthenons inspiriert. Harry gestand sich ein, dass es möglich war, trotzdem glaubte er nicht, dass die beiden Orte ihnen Antworten einbringen würden.

Natürlich wollte Hermine so leicht nicht aufgeben und lehnte ab, seiner Argumentation ohne stichhaltigere Erklärungen für seine Weigerung weiter Gehör zu schenken. Das Problem war, dass Harry keinen stichhaltigen Grund hatte. Er wusste es einfach. Ein dunkler, unterlegener Teil von ihm stellte sich die Frage, ob es etwas mit dem Seelenstück von Voldemort zu tun hatte, von dem er wusste, dass es in ihm steckte.

Er und Hermine hatten beim Frühstück darüber gestritten und nun saß Harry vor einem Feuer in der Wohnstube, ein großes Buch der Dunklen Künste im Schoß. Er sah die Worte jedoch nicht wirklich. Die Augen glasig, brütete sein Geist über der Tatsache, dass er ein Horkrux war.

Den Becher gefunden und zerstört zu haben war ein bahnbrechender Erfolg gewesen, doch es hatte ihn auch einen Schritt näher an das gebracht, wovor er sich so fürchtete. Er konnte nicht mit den anderen darüber sprechen, da es sie noch mehr zu verstören schien als ihn. Deshalb war Harry auf sich allein gestellt, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen, und dies zermürbte ihn.

So fand Ginny ihn, als sie das Zimmer betrat und sich neben ihm niederließ. Es dauerte einen Moment, bis er ihre Anwesenheit überhaupt zur Kenntnis nahm, und als er es tat, schreckte er zusammen.

„Worüber denkst du nach, dass du so die Stirn runzelst?", wollte sie wissen, während sie mit ihren Fingern über die verspannten Linien an seinem Mund strich.

„Ich habe darüber nachgedacht, was wir als nächstes tun müssen", antwortete er.

„Du machst dir Sorgen", stellte sie fest.

Harrys Mundwinkel zuckten nach oben – er konnte nie etwas vor ihr verbergen. „Ein wenig", gab er zu. „Hermine will nach Albanien zurückgehen."

Ginny nickte, ohne zu antworten. Harry hatte den Eindruck, dass sie die andere Seite bereits gehört hatte, und fragte sich, ob sie ihn aufgesucht hatte, um sich Hermines Bitten anzuschließen.

Als Ginny schwieg, stupste er sie an. „Was denkst du darüber?"

„Naja", erwiderte sie langsam. „Ich verstehe, warum Hermine es möchte. Aber ich glaube auch, dass deine Instinkte bisher immer richtig gewesen waren. Wenn du der Meinung bist, dass wir es lassen sollten, vertraue ich deinem Urteil."

Ihre Worte machten ihm nicht so viel Mut, wie sie es tun sollten. „Warum?", verlangte er. „Warum vertraust du mir? Wie kannst du so sicher sein, dass ich die richtigen Entscheidungen treffe?"

„Harry, ich denke, es ist nur menschlich, unsere Entscheidungen noch einmal zu überdenken. Wir können uns überhaupt nur sicher sein, ob wir richtig handeln, wenn wir es schon hinter uns gebracht haben. Du musst diese Entscheidungen ohne spätere Einsicht fällen und bisher hat es geklappt. Du hattest Recht über den letzten Horkrux – nicht nur, wo er ist, sondern auch wie man ihn zerstören kann. Ich weiß nicht, wie du es tust, aber du schaffst es. Ich vertraue dir, Harry."

Ginnys Blick bohrte sich in ihn und er wandte sich ab, da er sich entblößt und verwundbar vorkam. „Das solltest du nicht. Ich habe die schlechte Angewohnheit dafür zu sorgen, dass die Menschen, an denen mir etwas liegt, tot enden", brachte er mit Mühe hervor.

„Das ist Malfoy- Gerede", keifte Ginny. „Hör nicht auf sie, Harry. Sie versuchen, dich zu treffen. Mir gefällt diese Okklumentik- Idee nicht. Malfoy hasst dich wegen seiner eigenen Minderwertigkeitskomplexe. Er wird nie besser sein als du und tief in seinem Inneren weiß er es. Und das frisst ihn bei lebendigem Leibe."

Trotz seiner Melancholie konnte Harry sich ein Lächeln über ihre feurige Loyalität nicht verkneifen. „Ich liebe es, wenn du feurig bist", sagte er grinsend.

„Oh, tust du das?" Sie wackelte verführerisch mit den Schultern. „Ich kann dir zeigen, wie feurig ich sein kann."

Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn. Er ließ seine Finger durch ihr kurzes Haar gleiten, während jeder Nerv in seinem Körper in Alarmbereitschaft stand. Nach einigen Minuten angenehmen, aber harmlosen Küssens, zog Ginny sich stirnrunzelnd von ihm zurück.

„Was beschäftigt dich, Harry?", fragte sie.

Harry wandte abermals den Blick ab. Er verspürte das dringende Bedürfnis, sich ihr anzuvertrauen, befürchtete aber gleichzeitig ihre Reaktion. Bevor er länger nachdenken konnte, platzten die Worte aus seinem Mund: „Ich habe Angst, Ginny. Was ist, wenn ich diese Verbindung mit den Horkruxen spüre, weil sie auch Teil von mir sind?"

Ginny nickte ernst, als verstünde sie seine Furcht. „So ist es auch höchstwahrscheinlich. Das würde Sinn machen."

Das war ganz und gar nicht, was er hören wollte. Er wollte, dass sie es abstritt und ihm logische Gründe darlegte, warum das unmöglich war.

„Aber Ginny! Wie kannst du das sagen und mir trotzdem vertrauen? Ich habe ein Stück von Voldemort in mir", sagte er.

„Ja", stimmte Ginny zu und nickte. „Du hast ein Stück in dir, aber er ist nicht du. Du hast dich unter Kontrolle und du bist der, dem ich vertraue."

„Wie kannst du dir da so sicher sein?", flüsterte er, gegen die Hoffnung ankämpfend, die in seinem Herzen aufflackerte.

„Ist es das, was dich beschäftigt?", fragte sie und zeichnete die Umrisse seines Gesichts mit ihren Fingern nach. „Machst du dir Sorgen, dass Tom mehr Kontrolle über dich hat, als du weißt? Lass das nicht zu, Harry. Er erweckt bei dir Zweifel an dir selbst, das ist seine Art. Lass ihn nicht Erfolg haben. Du wirst ihn schlagen. Du wirst die anderen beiden Horkruxe finden und ihn dann besiegen, während du selbst ganz bleibst. Ich weiß, dass du es schaffen wirst."

„Ginny – "

„Zweifel nicht daran, Harry."

„Das muss ich aber! Hörst du dich selbst? Ginny, ich muss einen Teil von mir zerstören, um zu gewinnen", sagte Harry mit einem Gefühl der vollkommenen Hoffnungslosigkeit.

„Nein", erwiderte sie fest. „Du musst keinen Teil von dir selbst zerstören. Er ist getrennt von dir und nach all der Zeit hat er es nie geschafft, die Kontrolle über dich zu gewinnen."

Harry blickte plötzlich auf. Ihre Worte weckten eine alte Erinnerung.

„Was ist?", fragte sie verwirrt.

„Das Instrument, das ich von Professor Dumbledore erhalten habe...", antwortete Harry. Seine Gedanken rasten. „Als ich nach dem Angriff auf deinen Vater gesehen habe, wie er es überprüfte, weißt du noch, wie ich dir erzählt habe, dass der Rauch sich zu einer Schlange geformt hat? Professor Dumbledore sagte, dass etwas geteilt wird und die eine Schlange sich zu zwei zerteilt. Meinst du, ich könnte es gewesen sein, das er kontrolliert hat – um zu sehen, ob es ihm gelungen ist, die Kontrolle zu übernehmen?"

„Das ist sicherlich plausibel", sagte Ginny langsam, „aber sagtest du nicht, Dumbledore sei sich nicht sicher über die Horkruxe gewesen, bis er die Erinnerung von Professor Slughorn bekommen hat?"

„Ja... aber er hatte immer seine Geheimnisse", erwiderte Harry.

Ginny zuckte die Achseln. „Selbst wenn er es vermutet hat... diese Geschichte beweist es. Du warst die ganze Zeit am Gewinnen."

Harry blickte sie zweifelnd an.

Ginny seufzte genervt. „Harry, meinst du, du könntest an etwas glauben, das du zuvor noch nie gesehen hast?"

Nun war es an Harry, die Augen zu verdrehen. „Ginny, ich habe zehn Jahre lang als Muggle gelebt, bevor mir die Zauberei näher gebracht wurde. Seitdem muss ich einfach glauben, dass alles möglich ist, oder nicht? Aber Voldemort ist immer noch sehr viel stärker als ich."

„Aber du hast etwas ebenso Wundersames, das er nicht besitzt – deine Fähigkeit zur Liebe und die Menschen, die dich lieben", entgegnete Ginny. Sie packte sein Shirt und schüttelte ihn leicht. „Vergiss das niemals. Dumbledore glaubte an dich, ich glaube an dich. Du bist stärker als Tom es jemals sein könnte. Du hast ihn schon geschlagen, falls er die ganze Zeit in dir gesteckt hat. Es gibt keine Spur davon. Bei mir gab es sie, Harry. Ich hatte große Erinnerungslücken in dem Jahr, aber ich entsinne mich daran hinausgegangen zu sein, während ich mich fragte warum, aber ich tat es trotzdem. Das war kurz bevor die Hähne getötet wurden. Ich bin hinausgegangen und dann hört meine Erinnerung einfach auf. Du bist stärker. Du bist dir immer selbst treu gewesen und er konnte es in der Mysteriumsabteilung nicht aushalten, in dir zu sein, weil du so anders bist als er. Das Stück von ihm, das in dir steckt, hat nicht von dir Besitz ergriffen, trotz deiner harten Kindheit. Unterschätze nicht den Wert dieser Kraft."

„Ginny, du warst stark. Du warst erst elf", sagte Harry unnachgiebig.

Ginny winkte ab. „Ich sage nicht, dass ich letztendlich nicht versucht habe mich zu wehren. Aber mehr als jeder andere weiß ich, womit du konfrontiert wirst. Und ich kann aus meiner Erfahrung erkennen, wie anders unsere Situationen sind. Glaube mir, Harry."

„Das versuche ich ja", flüsterte er.

Ginny hielt ihn einen Moment lang schweigend, bevor sie sagte: „Als du mit mir Schluss machen wolltest, am Ende des Schuljahrs, sagtest du, mit mir zusammen zu sein scheint dir aus dem Leben eines anderen zu stammen."

„Das stimmt", antwortete Harry leise. Er wich ihrem Blick aus.

Ginny ergriff sein Kinn und zwang ihn, sie anzusehen. „Das war das Traurigste, das ich jemals gehört habe. Was wir hatten... was wir haben... ist wunderbar und einzigartig und es erwärmt mein Herz. Ich weiß, dass es so sein soll. Es bricht mir das Herz, dass du nicht der Meinung bist, du verdienst es. Du wirst gewinnen, Harry, und ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, dir zu zeigen, wie schön das Leben sein sollte."

Harry blickte auf. „Du liebst mich?", fragte er blinzelnd.

Ginny errötete und wandte den Blick ab. „Ich habe dich immer geliebt, Harry."

Harrys Lebensgeister erwachten plötzlich. „Wirklich? Sag es nochmal", verlangte er.

Ginny kicherte verlegen. Als er sie weiter anstarrte, merkte er, wie sie leicht zitterte, bevor sie flüsterte: „Ich liebe dich, Harry."

Er schlang die Arme um sie und vergrub sein Gesicht an ihrer Schulter. „Das fühlt sich gut an", sagte er mit gedämpfter Stimme.

„Was?", wollte sie wissen, während sie seine Umarmung erwiderte.

„Diese Worte zu hören."

Ginny schniefte an seiner Brust.

Harry holte tief Luft, sog den süßen blumigen Duft ein, der ihm stets ein Gefühl von Zuhause vermittelte. Sie hatte ihren Gryffindor- Mut bewiesen und seine Bitte befolgt. Es wäre nicht fair von ihm, ihr nicht dieselbe Versicherung zuteil werden zu lassen.

„Ich liebe dich auch", flüsterte er in ihre Schulter. Er war überrascht, wie leicht ihm die Worte entschlüpfen, sobald er sich dazu entschieden hatte.

Ginny zog sich aus der Umarmung, blinzelte und knabberte an ihrer Lippe. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, während sie über sein Gesicht wanderten, als wolle sie sichergehen, ob sie richtig gehört hatte.

„Ich liebe dich auch", wiederholte er, diesmal mit mehr Zuversicht. Es war keineswegs schwer auszusprechen.

Ein Grinsen breitete sich auf Ginnys Gesicht aus, das ihre Augen zum Strahlen brachte. Sie zog ihn eng an sich und wisperte: „Jetzt ist das Haus ziemlich leer. Selbst Mum ist mit ein paar Leuten aus dem Orden weggegangen, um sich um einen Anschlag in Cornwall zu kümmern. Ich denke, es gibt andere Dinge, die wir neben Voldemort besprechen könnten, während sie weg sind. Was meinst du?"

Harry grinste und zog sie auf seinen Schoß. In der Tat gab es sehr viel angenehmere Beschäftigungen, mit denen sie den unbeaufsichtigten Nachmittag verbringen konnten.


Einige Tage später wurde ein weiterer Versuch zur Okklumentik mit den Malfoys angesetzt. Remus war für den Orden unterwegs und konnte der Sitzung nicht beiwohnen. Alastor Moody hatte sich angeboten, seine Stelle einzunehmen. Er kam als erster und zog Harry beiseite.

„Tag, Potter. Bevor wir heute anfangen, dachte ich, sollte ich eine freundliche Warnung aussprechen", sagte Moody schroff.

„Eine Warnung?", wiederholte Harry verblüfft.

„Sei vorsichtig damit, in welche Informationen du bei diesen Sitzungen Einblicke erlaubst. Immer wachsam, Potter. Nicht nur gegenüber den Malfoys – keine vertrauenswürdige Bande, wenn du mich fragst – sondern auch bei allen Informationen, die nicht an andere Quellen durchsickern sollen", erwiderte Moody.

„Andere Quellen? Heißt das, die Malfoys reichen Informationen an den Orden weiter?", fragte Harry. Er spürte Wut in sich aufsteigen. Obwohl er es vermutet hatte, fühlte er eine Welle der Enttäuschung über sich hereinbrechen.

„Kingsley tut immer, was er für richtig hält. Er neigt dazu zu vergessen, dass er vielleicht nicht der einzige ist, der den vollen Durchblick hat – oder dass er nicht der einzige mit allen Fakten sein könnte. Narzissa wird immer tun, was ihr am besten kommt. Du tust gut daran, es niemals zu vergessen", sagte Moody. Sein magisches Auge wirbelte zur Tür.

Einen Augenblick später stolzierte Draco Malfoy den Gang herunter. Er feixte, als er sah, wie Moody und Harry seine Ankunft wachsam beobachteten.

„Gut, ihr seid beide da. Meine Mutter hat mich gebeten, euch auszurichten, dass sie der heutigen Sitzung nicht beiwohnen kann", sagte er schleppend.

„Was heißt das: Sie kann ihr nicht beiwohnen?", schnauzte Moody. „Was macht sie denn? Zusehen, wie ihr Haar wächst?"

Malfoys Wangen färbten sich leicht, doch ansonsten zeigte er keine Reaktion. „Sie sagte, sie würde es nicht zu ihrer Priorität erklären, wenn andere es einfach ohne eine zufrieden stellende Erklärung übergehen. Wenn ihr der Angelegenheit nicht den angemessenen Respekt erweist, wird sie es sicherlich nicht anders halten."

„Dummes, hochnäsiges Weib", murmelte Moody in seinen Bart.

„Lupin konnte wegen des Krieges nicht hier sein", stieß Harry hervor. „Sie weiß schon noch, dass Krieg herrscht, oder?"

„Wie könnte sie es vergessen?", fragte Malfoy und lächelte höhnisch. „Er hat uns dazu gezwungen, mit dir und deinem fröhlichen Haufen von Nichtsnutzen zusammenzustecken."

„Bleibt ihr beide hier", bellte Moody. „Ich gehe sie holen."

Er ließ die Jungen auf dem Treppenabsatz stehen und stürmte die Treppe hinaus zu dem Flügel, in dem Narzissa wohnte.

„Oh, Mutter wird sich freuen", sagte Malfoy. Seine Lippen kräuselten sich.

Trotz seiner Verärgerung spürte Harry seine Mundwinkel nach oben zucken, während er sich die Szene vorstellte. Als er und Malfoy realisierten, wie nahe dran sie waren, ein Lachen zu teilen, wischten sie sich beide rasch das Lächeln aus dem Gesicht und schoben finsteren Blickes die Hände in die Taschen.

„Also, Potter, was ist überhaupt so wichtig daran, Okklumentik zu lernen? Du bist offensichtlich nicht sehr gut darin", wollte Malfoy wissen.

Harry zuckte die Achseln und wandte den Blick ab. „Professor Dumbledore hat es für wichtig gehalten. Meinst du, Moody bringt deine Mutter dazu herunterzukommen?", fragte Harry ungeduldig. Wenn keine Aussicht auf eine Okklumentik- Stunde bestand, gab es andere Dinge, die er lieber tun würde als herumzustehen und sich mit Malfoy zu unterhalten.

„Nicht sehr wahrscheinlich. Mutter ist in einer üblen Laune", erwiderte Malfoy.

Harry verdrehte die Augen. „Worüber regt sie sich so auf?", wollte er wissen.

Malfoy schien wie vom Donner gerührt. „Aus welchem Grund könnte sie wohl aufgebracht sein? Ich weiß nicht, Potter. Vielleicht haben diese dreckigen Muggle, die du Verwandte nennst, dich dazu getrieben, eingeschlossen zu sein als annehmbar zu betrachten. Aber ich versichere dir, meine Mutter und ich tun es nicht", schnaubte er.

Harry sog scharf den Atem ein. Es war das erste Mal, dass Malfoy eine Bemerkung darüber machte, was er von den Dursleys gesehen hatte.

„Warum hassen sie dich so sehr? Ich dachte, du bist jedermanns Goldene Junge." Malfoys graue Augen blickten ihn verwundert an.

„Wir reden nicht von den Dursleys", schnauzte Harry. „Wir sprechen von den Diva- Allüren deiner Mutter."

„Meine Mutter ist monatelang von deinem geliebten Orden eingeschränkt worden, ohne den kleinsten Kontakt mit meinem Vater aufnehmen zu dürfen. Ihre Geduld ist langsam erschöpft", schoss Malfoy zurück.

„Ich frage mich, warum. Es hat bestimmt nichts damit zu tun, dass dein Vater ein Todesser ist und euch höchstwahrscheinlich an den Dunklen Lord verkaufen würde", höhnte Harry. Es erfreute ihn zu sehen, wie Malfoys Gesicht leicht erbleichte.

„Mein Vater würde meine Mutter niemals verraten", sagte Malfoy in einem tiefen, gefährlichen Tonfall.

„Ach nein? Was ist mit dir? Würde er dich Voldemort aushändigen, Malfoy? Seinen eigenen Sohn?", fragte Harry. Malfoy zuckte zusammen, eine Vielfalt von Emotionen überquerte sein Gesicht.

„Du hältst dich wohl für ganz hart, mit dem Namen um dich zu werfen, was? Er wird dich dafür bezahlen lassen, weißt du", versetzte Malfoy, nachdem er seine Haltung wiedererlangt hatte.

„Oh. Sind wir wieder da angelangt?", fragte Harry gelangweilt.

„Ja. Das sind wir. Tatsächlich sind wir nie davon abgewichen. Der Dunkle Lord wird dich töten und was bringt uns das ein? Der Orden wird ausgelöscht, sobald sie ihre einzige Hoffnung verloren haben, und meine Mutter und ich werden ihm ausgeliefert sein", spie Malfoy.

„Du weißt überhaupt nichts von dem Orden, wenn du denkst, dass sie ihn einfach walten lassen werden, wie es ihm gefällt, selbst ohne mich", erwiderte Harry leise.

„Aber es macht keinen Unterschied, oder? Du bist ihr geliebter Auserwählter, richtig? Ohne dich sind sie alle verloren... und du stellst sicher keine große Bedrohung dar", entgegnete Malfoy.

„Das wird sich zeigen", sagte Harry, bemüht, keine Gefühlsregung zum Vorschein kommen zu lassen. Obwohl er der Beurteilung des Idioten zustimmte, hatte er nicht die Absicht, es Malfoy wissen zu lassen.

„Oh bravo", sagte Malfoy Beifall klatschend.

Harry war der Stichelei Malfoys überdrüssig und es hatte auch nicht den Anschein, als hätte Moody bei Narzissa Erfolg. „Was willst du, Malfoy? Was erwartet deine Mutter von uns?", fragte er.

Malfoys Augen verengten sich, während er Harry anstarrte. „Ich will mit meinem Vater sprechen."

„Dann schreib ihm einen Brief. Ich bin sicher, du kriegst Tonks dazu, ihn für dich auszutragen", sagte Harry, achtlos mit der Hand wedelnd.

„Ich kann nichts schriftlich niederschreiben, du Idiot. Mein Vater hat mehr als wahrscheinlich den Befehl, alles weiterzureichen, das er von uns erhält. Und er kann sich einem direkten Befehl kaum widersetzen", widersprach Malfoy.

„Kann oder wird nicht?", versetzte Harry angriffslustig.

„Kann nicht", erwiderte Malfoy zwischen zusammengebissenen Zähnen. „Ich muss ihn persönlich sprechen."

Harry verdrehte die Augen. „Viel Glück."

„Er weiß nicht, dass er eine Option hat – dass meine Mutter und ich noch leben. Ich bin sicher, er denkt, du hättest uns getötet", sagte Malfoy leise.

Harry riss die Augen auf. „Wir sind nicht diejenigen, die Leute zum Spaß umbringen", brachte er ungläubig hervor.

„Oh, komm schon, Potter. Wir sind deine Feinde. Er hätte nichts Geringeres erwartet. Dumbledore wusste das. Er hat uns einen Ausweg geboten und meinen Vater in das Angebot einbezogen", erwiderte Malfoy.

Harrys Gedanken rasten. Malfoys Bitte könnte perfekt vertuschen, dass Harry es ebenfalls nach Azkaban zog. Wenn Professor Dumbledore Malfoy sein Wort gegeben hatte, würde der Orden sich verpflichtet fühlen, sich daran zu halten. Das käme Harry gerade recht, um Dungs Habseligkeiten zu überprüfen, falls er sich wegstehlen konnte.

„Wenn ich den Orden davon überzeugen kann, dich nach Azkaban gehen zu lassen, werde ich mitkommen."

„Was? Du wirst ganz sicher nicht bei einer persönlichen Unterhaltung zwischen meinem Vater und mir zuhören", entgegnete Malfoy empört.

„Dann wirst du nicht gehen", erwiderte Harry achselzuckend.

Malfoy funkelte ihn finster an. Doch nach einigem Überlegen nickte er schließlich. „Ich vermute, ich habe keine andere Wahl. Also schön, du kannst mich begleiten."

„Mensch, danke, Malfoy. Wirst du deine besten Zaubergewänder für diesen Anlass anlegen?", fragte Harry und hob eine Augenbraue.

Malfoy schoss das Blut ins Gesicht. Er drehte sich auf dem Absatz um und stürmte aus dem Zimmer. Harry grinste. Das könnte genauso verlaufen, wie er es brauchte.


Harry, Ron, Hermine und Ginny waren sorgfältig ihre Pläne durchgegangen, wie sie um einen Ausflug nach Azkaban bitten wollten. Hermine erachtete ihn als riskant für Harry und Malfoy und glaubte nicht, dass der Orden es gestatten würde. Harry war der Meinung, dass er einige Mitglieder leichter als andere überzeugen könnte. Die Schwierigkeit bestand darin, seine Auswahl einzugrenzen.

Die Gelegenheit ergab sich wie von selbst, als Tonks und Remus etwa eine Woche später in die Wohnstube stürmten, in der die Jugendlichen sich versammelt hatten.

„Wir haben es geschafft, Harry", verkündete Tonks, die Remus' Umhang umklammerte, nachdem sie in der Tür gestolpert war. Sie hatten während des Septembers kaum etwas von Tonks gesehen. Sie war entweder in Azkaban oder erholte sich von ihrem dortigen Dienst.

Remus fing sie geschickt auf und sie gingen weiter, als wäre nichts geschehen. Harry und die anderen verkniffen sich ein Grinsen.

„Was habt ihr geschafft?", wollte Ron wissen.

„Ihr habt uns gefragt, ob das Ministerium eine Möglichkeit hat, jemanden ausfindig zu machen, und uns gebeten, Octavius Crabbe und Busby Goyle zu finden. Ich bin in letzter Zeit nicht sehr oft im Ministerium gewesen, aber ich war heute Nacht dort. Und ich habe endlich einen von ihnen gefunden", erklärte Tonks, auf ihren Fußballen auf und abwippend.

„Nur einen?", fragte Hermine stirnrunzelnd. „Ich dachte, magische Spuren könnten verfolgt werden. Das Ministerium muss doch eine Möglichkeit haben, eine bestimmte Person unter Beobachtung zu halten?"

„Es ist nicht so einfach. Ich suche zwar nach bestimmten Personen. Aber jede Magie, die in der Nähe dieser Person ausgeübt wird, erscheint in seiner Akte. Wenn sie an einem Ort wie die Winkelgasse sind... naja, kann die Anzahl schwanken. Ich habe Octavius Crabbe nur so schnell finden können, weil er einen Zauber in einer Muggle- Gegend ausgeübt hat – einen Flammenzauber", erwiderte Tonks.

„Wo?", erkundigte sich Harry. Er spürte einen Adrenalinrausch. Er war zu lange eingesperrt gewesen und sehnte sich danach, etwas vollbringen zu können.

„An einem Strand in Schottland. Er ist zu dieser Jahreszeit verlassen, deshalb bin ich mir nicht sicher, was er dort treibt. Wollt ihr nachschauen?", fragte sie.

Harrys Gedanken rasten. Er war sicher, dass es sich um denselben Strand handelte, an dem er und Dumbledore den gefälschten Horkrux geborgen hatten. Oder zumindest war es über der Felsklippe, an die Tom Riddle einst zwei verängstigte Kinder gelockt hatte. Seit der Herbst eingesetzt hatte, war es merklich kälter geworden. Am Strand war es nach der Abenddämmerung sicher sehr kühl und Crabbe hatte wahrscheinlich Voldemorts Befehle vergessen, keine Magie zur eigenen Bequemlichkeit einzusetzen.

„Ja", stimmte er zu. „Lass uns nachschauen gehen, was er treibt."


Harry, Ron, Hermine und Ginny brachen mit Remus und Tonks auf, trotz des besorgten Gesichtes von Mrs. Weasley. Ginny küsste sie auf die Wange, bevor Mr. Weasley seiner Frau einen Arm um die Schultern schlang. Die beiden standen an der Tür und sahen zu, wie ihre Kinder das Haus verließen.

Die Gruppe apparierte an den Rand einer Straße, die etwas von dem felsigen Kliff entfernt lag. Eine frische Brise wehte, worauf sie ihre Jacken enger an ihre Körper pressten. Der Geruch von salziger Luft begrüßte sie, als sie sich umschauten und ihre Augen sich langsam an die Dunkelheit gewöhnten. Harry konnte das Brechen der Wellen gegen die spitzen Felsen am Fuße des Kliffs hören. Die Vertrautheit des Ortes und die quälenden Erinnerungen an die Geschehnisse seines letzten Besuchs sandten bohrenden Schmerz durch sein Herz.

Er war hier mit Professor Dumbledore in der letzten Nacht dessen Lebens gewesen. Ehrfürchtig hatte er zugesehen, wie Dumbledore den versteckten Eingang und die Magie, die ihn einhüllte, entdeckt hatte. Er hatte seinen Mentor gezwungen, Gift zu schlucken. Wegen eines Versprechens, das er hastig geleistet hatte, als es ihn verzweifelt danach verlangt hatte, in ein Abenteuer mitgenommen zu werden. Harry holte tief Luft. Diesmal würde er nicht zulassen, hinters Licht geführt zu werden.

Ginny musste seinen inneren Aufruhr gespürt haben. Denn sie ließ ihre kleine Hand in seine gleiten und drückte sie aufmunternd. Er versuchte zu lächeln, wusste jedoch, dass er kläglich versagte. Remus bedeutete ihnen, still zu sein und ihm zu folgen, während sie sich die Straße hinunter bewegten.

Es dauerte nicht lange, bis Harry Crabbe erspähte, der auf den Felsen neben einem kleinen Lagerfeuer stand – und er war nicht allein. Ein Mann stand ihm gegenüber und gestikulierte wild zum Feuer.

Harry und die anderen belegten sich mit Disillusionszaubern und schlichen sich an die beiden heran, um sie zu belauschen. Harry konnte ein Schaudern nicht unterdrücken, als er das Gefälle hinunterblickte, entlang dem er und Dumbledore Riddles Spur gefolgt waren. Es fühlte sich beinahe so an, als wäre das ein ganzes Lebensalter vergangen. Dumbledore hatte darauf vertraut, dass Harry ihn in Sicherheit bringen würde.

Ich mache mir keine Sorgen, Harry... Du bist ja bei mir.

Harry schüttelte den Kopf. Nun war nicht die richtige Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Er hatte eine Aufgabe zu erledigen.

„Hast du Informationen an mich weiterzugeben oder bist du nur hier, um dich darüber zu beschweren, dass ich entschieden habe, mich warm zu halten, Ferguson?", fragte Crabbe seinen Kollegen verärgert.

Er schien so untersetzt und massiv wie in Harrys Erinnerung, obwohl er vielleicht etwas plumper um den Bauch geworden war seit jener schicksalhaften Nacht auf dem Friedhof.

Die Todesser lassen es sich wohl gut gehen in letzter Zeit, dachte Harry bitter.

Der andere Mann, Ferguson, war dünner als Crabbe, wenn auch sehr stämmig. Er trug einen dünnen Schnauzbart, der sich an den Enden leicht kräuselte, vielleicht in der Meinung, dass es ihn aristokratisch erscheinen ließ. Harry fand, dass er aussah wie ein Zuhälter.

„Mir wurde aufgetragen dir zu sagen, dass du deine Augen nach den Parkinson- Tussis offen halten sollst. Wenn sie kommen, um dich um Hilfe zu bitten, sollst aufhalten und den Dunklen Lord auf der Stelle informieren", sagte Ferguson. Er klang, als spulte er etwas ab, das er sich eingeprägt hatte.

„Parkinson? Was hat Philip getan, dass der Dunkle Lord nach seiner Familie fahndet?", flüsterte Crabbe verblüfft.

Ferguson zuckte die Achseln und senkte die Stimme: „Philip ist tot. Seine Frau und Kinder sind genauso verschwunden wie die Malfoy- Truller und ihr Balg. Meister glaubt, dass einer von ihnen weiß, wo sich die Malfoys verstecken."

Crabbe pfiff durch die Zähne. „Mein Lord muss sehr unglücklich sein über die Serie von Verrätern in letzter Zeit. Warum glaubst du, sind es so viele? Meinst du, der Potter- Bengel– "

„Den Gedanken würde ich nicht beenden, wenn ich du wäre", riet Ferguson, während er sich nervös umschaute. „Der Dunkle Lord weiß alles und du würdest nicht wollen, dass er dich verdächtigt, die Treue seiner Anhänger in Frage zu stellen."

„Nein! Nein. Ich meine... das ist nicht, was ich meinte. Der Dunkle Lord wird seinen Anhängern Disziplin beibringen und bald werden ihn alle Meister nennen", sagte Crabbe inbrünstig.

„Ich muss gehen und die Information an Simmons weiterleiten. Halt Stellung und die Augen offen", verabschiedete sich Ferguson. Er wandte sich um und lief zurück zur Straße, ohne auf eine Antwort zu warten.

Remus bedeutete den anderen, ihm zu folgen, und führte sie in die andere Richtung. Als sie weit genug entfernt von Crabbe waren, dass er sie nicht würde hören können, hob Remus den Disillusionszauber auf.

„Parkinson? Im Sinne von Pansy Parkinson?", fragte Ginny sofort.

„Ja", bestätigte Remus nickend. „Philip Parkinson ist... war ein Todesser. Pansy und ihre ältere Schwester müssen auf der Flucht sein. Ich erinnere mich vage an die beiden Mädchen aus meiner Lehrerzeit an Hogwarts."

„Wir sollten besser zum Hauptquartier zurück und den Rest des Ordens informieren", sagte Tonks. Sie presste grimmig die Lippen zusammen.

„Ja", erwiderte Remus. „Sagt dir davon etwas, Harry? Weißt du, warum Octavius Crabbe hier aufgestellt wurde?"

Harry nickte. „Ich habe so eine Ahnung", antwortete er, während er dem Blick des älteren Mannes auswich. „Danke, dass ihr mich habt wissen lassen, dass ihr ihn gefunden habt. Aber er ist nicht der, den ich brauche. Ich muss Goyle finden. Kannst du es weiter versuchen, Tonks?", bat Harry.

Tonks nickte und warf Remus einen zögernden Blick zu. „Natürlich. Ich wünschte aber, ich wüsste den Grund."

Harry raschelte mit den Füßen. Er hasste es, sie anzulügen. „Ich glaube, er bewacht etwas, das ich finden muss."

„Das du finden musst, um Du- weißt- schon- wen zu finden?", fragte sie.

„So ähnlich." Harry nickte. „Kannst du mir helfen?"

„Natürlich. Ich werde es jedes Mal nachprüfen, wenn ich ins Ministerium gehe. Ich glaube, Mad- Eye versucht ebenfalls, ein Aufspürsystem zu entwickeln. Es hält ihn auf jeden Fall beschäftigt", sagte Tonks lächelnd. „Natürlich hat das Ministerium jahrelang versucht, Du- weißt- schon- wen ausfindig zu machen, aber es hatte noch nie Erfolg."

„Ich habe noch eine Bitte", sagte Harry.

„Und was?", erkundigte sich Remus mit verengten Augen.

„Harry – ", schaltete sich Hermine ein und er wusste, dass sie ihm davon abraten wollte.

„Malfoy will einen Ausflug nach Azkaban unternehmen, um mit seinem Vater zu sprechen", fuhr Harry schnell fort. „Das hat Dumbledore ihm in der Nacht auf dem Astronomieturm versprochen und ich werde ihn begleiten."

„Ich auch", sagte Ron.

„Und ich auch", fügten Hermine und Ginny gleichzeitig hinzu, Ron und Harry anfunkelnd.

Harry verdrehte entnervt die Augen. „Wir können nicht alle gehen."

Keiner von euch wird gehen", erhob Remus seine Stimme über die anderen. „Habt ihr alle den Verstand verloren? Ich glaube nicht, dass ihr auch nur eine Ahnung davon habt, wie Azkaban wirklich ist. Was auch immer ihr euch vorstellt, die Realität ist zehnmal schlimmer."

„Warum will Draco seinen Vater überhaupt sehen?", fragte Tonks.

„Dumbledore hat Draco versprochen, dass er Lucius beschützen würde, wenn Draco die Seiten wechselt. Er will sicherstellen, dass sein Vater weiß, dass er eine Wahl hat. Und dass es Draco und seiner Mutter gut geht. Er sagt, sein Vater habe den Befehl, alles Schriftliche an Voldemort weiterzureichen", erklärte Harry. „Ich muss einen Blick auf die Habseligkeiten von Dung werfen, die er bei sich hatte, als er verhaftet wurde. Ich habe den Verdacht, dass etwas davon mir gehört. Wenn ihr einen Besuch für mich arrangieren würdet, können wir Malfoy unter dem Tarnumhang hineinschmuggeln."

„Tarnumhänge werden gegen Dementoren nichts taugen", entgegnete Ginny mit finsterem Blick. „Es gibt noch einige von denen dort. Außerdem wirst du sowieso nicht allein gehen."

„Er kann den Umhang entfernen, sobald wir drinnen sind", sagte Harry, die zweite Hälfte ihrer Aussage ignorierend. „Da es das letzte Versprechen war, das Dumbledore gegeben hat, müssen wir es respektieren."

„Ich weiß, dass wir zugestimmt haben, dir zu helfen, Harry. Aber es gefällt mir nicht", sagte Remus. „Ich glaube nicht, dass ihr darauf vorbereitet seid, wie schlecht euch Azkaban bekommen wird. Vor allem dir."

Harry nickte. „Vielleicht kannst du mir dann damit helfen. Aber ich muss das tun, Remus. Ich würde nicht fragen, wenn es nicht wichtig wäre."

„Lass mich mit Mad- Eye sprechen", schlug Tonks vor, die Remus genau beobachtete. „Er hat einen Dreh dafür, andere dazu zu bringen, Dingen zuzustimmen, die sie sonst nie erlauben würden."

„Klingt vielversprechend", kommentierte Harry.

„Lasst uns erstmal zurückgehen", riet Remus und nickte jedem zu, als sie disapparierten.


Zwei Wochen später saß Harry auf einer Couch in Regulus Blacks ehemaligem Schlafzimmer und durchblätterte ein altes Buch über die Dunklen Künste. Hermine hatte den Raum entdeckt, als sie nach einem ruhigen Ort zum Lesen gesucht hatte, und war über das Buch gestolpert, das aus einer Wand ragte.

Überlass es einfach Hermine, ein verstecktes Buch aufzuspüren.

Das Buch beschrieb so abscheuliche Zaubersprüche und Flüche, dass Harry sich der Magen beim bloßen Lesen umdrehte. Doch verborgen in einem Text über eine ganz andere Angelegenheit fand er einen kleinen Abschnitt über Horkruxe und ihre Herstellung. Das Buch war von rumänischer Herkunft – Ginny hatte die Schrift von etwas erkannt, das Charlie ihr geschickt hatte.

Hermine war der Meinung, dass sie schnellstens nach Rumänien aufbrechen sollten, um Nachforschungen darüber anzustellen, was Voldemort dort getan haben könnte.

Harry stimmte zu, dass es eine gute Spur verhieß, um nach den verbleibenden Horkruxen zu suchen. Doch verlangte es ihn viel mehr danach, eine Übersetzung zu dem Abschnitt zu finden. Er war sich bewusst, dass er Charlie fragen könnte, wollte ihn aber, wenn möglich, nicht mit einschließen.

Er schaute ungeduldig auf die Uhr. Am nächsten Tag war Halloween, was den sechzehnten Todestag seiner Eltern bedeuten würde. Das war gleichzeitig der Tag, an dem er seinen Ausflug nach Azkaban angesetzt hatte. Es kam ihm seltsam ironisch vor.

Remus hatte Malfoy und Harry die Neuigkeiten einige Tage zuvor in einer Okklumentik- Stunde verkündet. Malfoy hatte überrascht, doch erfreut gewirkt und verlangte, die Information vor seiner Mutter geheim zu halten. Harry fragte sich, ob jemand ihm von Pansy Parkinson erzählt hatte, erwähnte es jedoch nicht dem Blondschopf gegenüber. Er hegte garantiert keine Zuneigung zu dem Slytherin- Mädchen – in seinen Augen war sie eine Tyrannin, so ziemlich wie Malfoy – aber keiner verdiente es, so gejagt zu werden.

Remus verkündete den anderen, dass Harry, Malfoy und Ron Tonks auf ihrem nächsten Trip zum Gefängnis begleiten würden. Kingsley hatte den Besuch durch Rufus Scrimgeour in die Wege geleitet. Scrimgeour hatte außerordentlich begierig die Details von Harrys Ausflug aufgenommen und Harry erwartete eine Einmischung seitens des Ministeriums, noch bevor der Tag zur Neige ging. Remus hatte gesagt, dass nur einer seiner Freunde ihn begleiten könne, und Mrs. Weasley hatte Ginny ausdrücklich verboten, nach Azkaban zu gehen. Sie hatte Ron ebenfalls aufhalten wollen, wurde jedoch sachte von Mr. Weasley auf Rons Volljährigkeit hingewiesen.

Harry hatte sich für Ron entschieden, was bedeutete, dass Hermine tagelang mit keinem von beiden ein Wort gesprochen hatte. Ron hatte leider zu Hermine gesagt, dass sie nicht albern sein solle, dass natürlich er mit Harry gehen würde. Harry konnte schwören gesehen zu haben, wie sich Eiszapfen von Hermines Blick an Rons Augenbrauen bildeten. Und Ginny war gleichermaßen gekränkt.

Neben der Tatsache, dass er Mrs. Weasley nicht noch weiter drängen wollte, als er es ohnehin schon getan hatte, wollte die maskuline Seite seines Gehirn Ginny vor Azkaban beschützen. Er erinnerte sich daran, dass sie selbst Schwierigkeiten mit Dementoren hatte, und wollte sie möglichst davor bewahren. Hermine hatte gerade eine ernste Verletzung erlitten, so dass Harry es für besser hielt, sie ebenfalls von den Dementoren fernzuhalten.

Selbstverständlich sahen die Mädchen es ganz anders, doch sein Beschluss stand fest. Ron war genauso versessen darauf, Hermine zu beschützen, wie es bei Harry mit Ginny der Fall war. Wenn es darauf ankam, glaubte er ohnehin, dass Ron besser damit umgehen konnte als Hermine. Sie neigte dazu in Panik zu geraten, wenn etwas schief lief.

Harry klappte das Buch zu und wollte gerade aufstehen, um ins Bett zu gehen, als die Tür aufschwang und Ginny hereinschlüpfte.

„Hi", sagte sie, seinem Blick ausweichend.

„Hi", antwortete Harry, während Hoffnung in sein Herz aufstieg. Sie hatte ihm in den letzten paar Tagen wenig zu sagen gehabt und er hatte nicht gerade Lust, nach Azkaban zu gehen, während sie ihm böse war.

„Tonks meinte, ihr brecht morgen früh auf", sagte Ginny.

„Ja. Wir gehen zu ihrer regulären Schicht."

Ginny holte tief Luft und warf die Arme um ihn. „Dir ist noch nicht dafür verziehen, dass du mich sitzen lässt, aber ich wollte dir Glück wünschen. Ich hoffe, du findest das, wonach du suchst. Und ich hoffe, es wird dir dort nicht allzu schlimm ergehen."

„Es wird alles gut gehen, Ginny. Ich habe mich schon fast an die Dementoren gewöhnt", erwiderte Harry, während er mit seinen Händen über ihren Rücken strich. Es fühlte sich so gut an, sie wieder in seinen Armen zu halten. Er hatte keine Ahnung, wie er etwas so sehr vermissen konnte, das er überhaupt niemals wirklich gehabt hatte.

„Lass endlich von deinem Edelmut ab, Harry. Keiner kann sich jemals an Dementoren gewöhnen. Bleib einfach mit Ron zusammen. Keine Heldentaten." Ginny hielt sein Gesicht in den Händen.

Harry verzog das Gesicht. „Mir wird nichts geschehen, Ginny. Wenn wir es finden, werde ich es zurückbringen, so dass wir herausfinden können, wie es sicher zerstört werden kann."

„Du wirst deinen Zauberstab nicht hineinnehmen dürfen. Ein Patronus ist nicht möglich", hielt Ginny entgegen, ihre Augen voller Sorge.

„Ich weiß. Aber Tonks wird ihren Zauberstab haben und wir bleiben die ganze Zeit bei ihr. Mach dir keine Sorgen, Ginny", beruhigte er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Es erwärmte ihm das Herz, Besorgnis in ihren warmen braunen Augen zu sehen – Besorgnis um ihn. Es erstaunte ihn immer noch, wie sehr sie an ihm hing. Er genoss das Gefühl, das sie ihm verlieh, und hoffte, dass er in ihr die gleichen Empfindungen erweckte.

Ginny küsste ihn auf die Lippen, was Harry alles über Dementoren und Gefängnisse vergessen ließ. Er dachte an nichts anderes als das Mädchen in seinen Armen und ihrer Haut unter seinen Händen.

Obwohl sie einander versprochen hatten, sich zu nichts hinreißen zu lassen, waren sie dennoch Teenager, anfällig für die Hormone, die mit ihrem Alter einhergingen. Ihre Hände wanderten neugierig und mehrere Male hatten sie einige Kleidungsstücke auf unerklärliche Weise verlegt. Dennoch hatten sie es, trotz dieser kleinen Ausrutscher, geschafft, sich in einem vernünftigen Anschein von Kontrolle zurückzuhalten. Harry kam jedoch der Gedanke, dass er nicht sicher war, ob das so bleiben würde, wenn sie das nächste Mal allein und fern von den Augen ihrer Familie waren.

„Viel Glück", flüsterte Ginny, als sie sich endlich voneinander trennten. Ihr Haar war zerzaust und ihr Gesicht wirkte leicht benommen.

Harry wollte einfach nur zum Küssen zurückkehren. Er nickte heftig und zog sie wieder in seine Arme. Er hatte das Gefühl, dass nicht einmal ein Dementor seine Stimmung dämpfen könnte.


Der Morgen an Halloween dämmerte stürmisch und grau. Eine Kühle war in der Luft zu spüren, die, wie Harry wusste, sich auf dem offenen Meer nur verschlimmern würde. Das war genau die Art von düsterem Tag, der für einen Ausflug nach Azkaban angemessen schien. Harry hatte sich warm angezogen, fühlte aber trotzdem eine Gänsehaut, als er das Boot bestieg, das sie nach Azkaban bringen würde.

Er, Ron und Malfoy hatten sich mit Tonks und Mad- Eye in der Eingangshalle getroffen. Harry vermutete, dass Moody sie nur begleitete, um ein Auge auf Malfoy zu halten. Er hatte immer noch den Verdacht, dass Malfoy etwas ausheckte. Aber natürlich hatte Moody bei jedem diesen Verdacht.

Sie waren ins Ministerium appariert und hatten einen Portschlüssel zu einer kleinen Insel nicht weit von Azkaban genommen, auf der das Ministerium eine Kontrollstelle führte. Keiner hatte Zutritt in oder aus dem Gefängnis, ohne die Sicherheitskontrolle der Insel zu passieren. Die Schutzzauber am Gefängnis verhinderten Apparieren und Portschlüssel, ähnlich wie in Hogwarts.

Malfoy war unter Harrys Tarnumhang verborgen, bis sie die Kontrollstelle erreicht hatten. Dort musste er seinen Zauberstab registrieren lassen und seine Absicht bekunden, seinen Vater zu besuchen. Harry behagte es überhaupt nicht, seinen Zauberstab am Kontrollpunkt lassen zu müssen. Tonks versicherte ihm, dass sein Stab sicher aufgehoben war. Es gab Vorkehrungen, so dass nur er ihn wieder an sich nehmen konnte. Außerdem war es nur Auroren gestattet, Zauberstäbe ins Gefängnis zu nehmen. Wenn er gehen wollte, würde er ihn zurücklassen müssen.

Sobald sie die Registrierung hinter sich gebracht hatten, wurden sie nach draußen zu einer kleinen Bootsrampe geführt. In heftigen Stößen blies der eisige Wind von der Nordsee her, so dass Harry seine Jacke enger um den Körper schlang. Sein Haar wurde von der Brise zerzaust, während die reine, salzige Luft in seine Lungen strömte.

Grimmig aussehende Auroren starrten sie misstrauisch an, als sie an Bord stiegen. Es gab überraschend wenige Passagiere. Harry vermutete, dass die Gefangenen in Azkaban nicht viel Besuch erhielten. Zusammen mit Tonks unternahmen fünf weitere Auroren die Überfahrt, um die abzulösen, die die Nachtschicht übernommen hatten.

Das Boot war klein und größtenteils dem Wind ausgesetzt. Steife Holzbänke waren in Reihen hinter einem Gehäuse aufgestellt, in dem der Kapitän das Boot navigierte. Harry und Ron saßen auf einer Bank, während Tonks und Mad- Eye die Bank hinter ihnen einnahmen. Tonks rückte ein Stück, um Malfoy Platz zu machen. Doch dieser setzte sich demonstrativ auf die gegenüber liegende Bank.

„Wo bringen sie die Gefangenen unter?", wollte Harry wissen. Er fragte sich, wie es sich wohl anfühlte, diese Reise in dem Wissen zu unternehmen, dass auf der anderen Seite nur Schmerz und Inhaftierung warteten. Dieser Ausflug erschien ihm bereits Unheil verkündend und er war sich sicher, dass er in wenigen Stunden zurückkehren würde.

„Die Gefangenen fahren nicht mit den Passagieren zusammen", antwortete Tonks kopfschüttelnd. „Es gibt ein schwer bewachtes Schiff, das einmal am Tag nach Azkaban fährt. Die Gefangenen werden betäubt, während sie hin- und herfahren."

„Sie werden betäubt, selbst wenn sie entlassen werden?", fragte Ron mit leicht quiekender Stimme.

Tonks lächelte grimmig. „Nichts an diesem Ort ist angenehm."

„Wie lange dauert diese Überfahrt?", erkundigte sich Malfoy. Er stand auf und starrte die grobe Bank finster an. „Diese Unterbringungen sind barbarisch."

Das Boot ruckte leicht, als es das Dock verließ, so dass Malfoy taumelte und sich das Knie an der Bank stieß. Er verzog schmerzerfüllt das Gesicht und hielt sich sein wundes Knie. Ron schnaubte laut, worauf Malfoy ihn anfunkelte, während er wieder Platz nahm.

„Was lachst du, Weasley? Nur weil eine Holzbank eine Stufe über dem ist, woran deine Familie gewöhnt ist, heißt das nicht – "

„Nicht ein Wort über meine Familie, Malfoy", drohte Ron. Er war aufgestanden und ragte nun vor dem Blonden empor. Hier musste Ron sich vorbeugen, damit sein Kopf nicht an das Dach stieß. „Es gibt niemanden in diesem Boot, den es kümmern würde, wenn du dich plötzlich überbord wieder findest. Deshalb würde ich still sein, wenn ich du wäre."

„Okay, das reicht jetzt, Bursche", sagte Malfoy glucksend und schob Ron auf seinen Sitz zurück.

Harry wandte sich ab, um zuzusehen, wie die Wellen an der Seite des Bootes brachen. Er konnte den kalten Sprühregen des Wassers spüren und zog den Kopf tiefer in die Jacke hinein, um sich warm zu halten. Die Insel, von der sie abgelegt hatten, war schnell zu einem entfernten Fleck am Horizont geworden. Nichts als kalte, graue See umgab sie, soweit das Auge reichte. Er war nicht sicher, wie weit sie gefahren waren. Doch es schien, als wären sie schon seit Stunden dem Wind ausgesetzt. Nebel war aufgekommen, so dass sich ihre Sichtweite deutlich verkürzte. Harry kniff die Augen zusammen und versuchte, in der Ferne etwas auszumachen.

Plötzlich rief der Kapitän über den Wind: „Land, ahoi!"

Harry versuchte vergeblich, ein Schaudern zu unterdrücken, als ein massives Steinkonstrukt durch den Nebel brach, als hätte sich ein Vorhang gehoben. Gezackte, mit Seetang überdeckte Felsen ragten aus dem Wasser und säumten die kleine Insel. Die scharfen, rauen Kanten reichten aus, um jegliche Boote davon abzuhalten anzulegen.

Die Mauern des Gefängnisses erhoben sich steil und bedrohlich aus der eisigen See, so dass Harry seinen Kopf in den Nacken legen musste, um die Spitze zu sehen. Er konnte die Wasserlinie erkennen, die die Strömung auf dem Gestein hinterlassen hatte.

Der Kapitän steuerte das Boot in eine kleine Einfahrt, die Harry zuerst nicht bemerkt hatte. Während er zuschaute, wie das Boot die tückische Fahrt durch die Fahrrinne hinter sich brachte, sah er, wie ihnen mehrere der gezackten Felsen aus dem Weg sprangen. Offensichtlich wurde der Fahrweg von Magie kontrolliert.

Als sie das Ende erreichten, legten sie an einen einfachen Holzsteg an. Sobald Harry aus dem Boot gestiegen war, spürte er, wie eine Kälte, die tiefer saß als vom Wetter hervorgerufene Kühle, in seine Knochen drang. Dennoch brach er in Schweiß aus und sein Kopf war plötzlich benebelt. Es gab keine Zweifel, dass Dementoren in der Nähe waren.

Als die kleine Gruppe sich der Steinmauer näherte, erschien ein Durchgang einige Meter über ihren Köpfen. Eine Metallleiter wurde herabgelassen und sie stiegen in das Gefängnis hinauf. Tonks drückte ihren Zauberstab gegen die Tür, die eine Folge von leisen Popgeräuschen ausstieß, bevor sie aufglitt.

Der Luftstoß, der vom Gefängnis kam, war noch kälter als die Seeluft, in der sie standen. Harry folgte Ron hinein, mit klopfendem Herzen und umnebeltem Kopf. Instinktiv griff er nach seinem Zauberstab, um festzustellen, dass er ihn nicht bei sich trug. Er holte mehrmals tief Luft, um seine aufsteigende Panik zu bändigen.

Das wird schwerer werden, als er gedacht hatte.

Er taumelte, als Tonks sie schnell durch den Raum scheuchte, und wäre gefallen, wenn Ron ihn nicht aufgefangen hätte.

„Alles in Ordnung, Kumpel?", flüsterte Ron, als sie den langen steinigen Korridor außerhalb des ersten Raumes betraten. Ron war sehr blass, was seine Sommersprossen dunkel hervortreten ließ.

Harry nickte. Seine Umgebung hatte aufgehört zu wanken, nachdem sie den Raum verlassen hatten, in dem der Dementoren noch immer Stellung hielt. Sein Magen rumorte und er war froh, dass er beim Frühstück nicht viel zu sich genommen hatte.

„Ach ja, Potter", sagte Malfoy gedehnt. Belustigung blitzte aus seinen stahlgrauen Augen. „Ich habe vergessen, dass du Probleme mit Dementoren hast. Sie lassen dich in Ohnmacht fallen, stimmt's?" Trotz seiner Sticheleien war Malfoy ebenfalls das Blut aus dem Gesicht gewichen.

„Verzieh dich, Malfoy", brummte Ron, während er Harry besorgt anstarrte.

Harry machte sich nicht einmal die Mühe zu antworten. Es kostete ihn all seiner Kräfte, um aufrecht stehen zu bleiben. Er hatte eine Hand gegen die kalte Steinwand gestützt, um sich zu sammeln, doch das hatte sich als schlechte Idee herausgestellt. Etwas in den Wänden war lebendig. Harry wusste nicht, wie er es sonst beschreiben sollte. Der Stein war kalt und leicht schleimig von der feuchten Kühle. Doch es ging auch ein tiefer Schmerz von ihm aus. Es war beinahe, als sauge der Stein alles Unglück und Qualen von den Menschen, die die Jahre hindurch hier gefangen gewesen waren.

Harry sah zu, wie Wasser von der Decke tropfte und in Rinnsalen den Flur entlang floss. Es wirkte, als würden die Wände weinen.

„Schaffst du es, Harry?", fragte Tonks. Sie war an seine Seite gekommen und hatte ihre Stimme gesenkt. Ihr Haar hatte ihr traditionelles Kaugummipink aufgewiesen, als sie am Morgen aufgebrochen waren. Doch seit sie das Gefängnis betreten hatten, war die leuchtende Farbe Trübheit gewichen.

„Mir geht's gut", antwortete Harry. Doch er fühlte sich alles andere als gut. „Lass uns es einfach hinter uns bringen."

„Was willst du zuerst machen?", wollte Tonks wissen. Ihre Augen zeigten Besorgnis.

Es behagte Harry nicht und er versuchte krampfhaft, es zu ignorieren. Es war schwer genug, mit den Dementoren fertig zu werden, geschweige denn sich mit dem Mitleid auseinander zu setzen.

„Lasst uns Malfoy zu seinem Vater bringen, bevor wir Dungs Sachen durchsehen", erwiderte er. Wenn das Medaillon sich in Dungs Habseligkeiten befand, wollte er es nicht in die Nähe von Lucius Malfoy bringen.

„Die Zellen mit den Gefangenen beginnen auf der dritten Etage. Dort ist Dung eingesperrt. Lucius ist in dem Hochsicherheitsflügel in der fünften Etage. Zur Treppe geht es hier lang. Ich warne euch – auf der Ebene sind Dementoren. Also seht euch vor", sagte Tonks grimmig.

Sie stiegen schweigend die Treppe hinauf. Die Anwesenheit der Dementoren griff sie alle an, nicht einmal Malfoy konnte die Energie aufbringen, unausstehlich zu sein. Als sie den fünften Stock erreicht hatten, informierte Moody Malfoy, dass er seinen Vater nicht allein sehen dürfe. Moody würde ihn begleiten.

„Auf keinen Fall, Moody", widersprach Malfoy mit zurückgekehrter Lebenskraft. „Sie werden nichts gegen meinen Vater verwenden, das er zu mir sagt."

Moody zuckte die Achseln, als würde es für ihn keinen Unterschied machen. „Dann wirst du auch nicht reingehen, Bursche. Du betrittst die Zelle nicht ohne Begleitung."

„Dann kann Tonks doch gehen", erwiderte Malfoy. Er lächelte höhnisch. „Sie gehört ja im Prinzip zur Familie. Ihr traue ich mehr als Ihnen."

„Tut mir leid, Draco", sagte Tonks. „Ich bin im Dienst. Ich muss meinen Partner ablösen gehen. Du kannst dir Moody, Ron oder Harry aussuchen, aber einer von ihnen wird dich begleiten.

Malfoys Blick verdüsterte sich. „Dann Potter", sagte er.

„Soll mir recht sein", knurrte Moody. „Potter, halt die Ohren offen, dass diese beiden nichts gegen den Orden aushecken. Lass den Tarnumhang an, damit du nicht gesehen wirst."

„Ich dachte, Tarnumhänge funktionieren nicht gegen Dementoren." Harry zog den Umhang aus der Tasche.

„Der Umhang ist nicht für die Dementoren gedacht", erwiderte Tonks. „Sie sehen nicht so wie wir. Sie werden spüren, wie zwei Menschen den Raum betreten und zwei Menschen ihn wieder verlassen. Der Umhang wird nur Lucius täuschen."

„Solange du deinen Mund hältst", sagte Moody. Sein magisches Auge starrte Draco drohend an.

„Ich will nicht, dass mein Vater von Potters Anwesenheit weiß, genauso wenig wie Potter gesehen werden will. Ich will ihn überhaupt nicht dort haben", erwiderte Malfoy und wandte Harry und Moody den Rücken zu.

„Was du willst, hat mich noch nie interessiert, Junge", erwiderte Moody grob. „Geht den Korridor hinunter. Er ist in Zelle 5 J zu eurer Linken. Ron und ich warten hier."

Ron wirkte zögerlich, sie gehen zu lassen. Tonks drückte ihren Zauberstab an die schwere Stahltür, die mit einem lauten Klingen auf glitt. Harry warf sich den Tarnumhang über den Kopf und folgte Malfoy den langen, düsteren Korridor hinunter.

Die Luft war noch schwerer, als sie es im unteren Geschoss gewesen war. Und an den Schreien in seinem Kopf wusste Harry, dass Dementoren ganz in der Nähe waren. Ihm war schlecht und er hoffte, dass er Lucius Malfoy nicht seine Anwesenheit preisgeben würde, indem er sich vor dem Mann erbrach.

Draco spähte zu den Nummern an den Zellen, während sie gingen. Harry lugte in jede Zelle und spürte eine große Welle des Mitgefühls für die Gefangenen, die in jedem kleinen Loch kauerten. Es gab kaum ausreichend Platz, um sich zu bewegen. Und die meisten der Gefangenen besaßen nicht mehr die Energie sich zu rühren, als sie vorbeiliefen.

Sirius ist zwölf Jahre lang hier eingesperrt gewesen, wahrscheinlich in diesem Stock.

Harry schüttelte den Kopf. Jetzt war nicht der rechte Augenblick, um daran zu denken. Malfoy hielt im Schritt inne und legte seine Hand auf eine Silberplatte außerhalb der Zelle. Die Platte leuchtete grün auf, ein Zeichen, dass es sicher war hineinzugehen. Es gab keine Türen oder Gitterstäbe, um die Insassen einzuschließen, sondern stattdessen einen Schutzzauber, der sicherstellte, dass sie drinnen blieben. Tonks hatte erzählt, dass der Zauber sie in die Zelle einlassen würde, doch sie würden sie nicht verlassen können, bevor sie abermals ihre Hände über die Platte hielten. Wenn Lucius einen Fluchtversuch unternahm, würden sie alle in den Zauber eingeschlossen werden.

Harry hatte nicht nachgefragt, was das bedeutete. Er glaubte nicht, dass er es wirklich wissen wollte.

Er folgte Draco in die Zelle und brauchte einen Moment, bevor er Lucius bemerkte, der auf der Kante seines Bettes saß. Er hatte offensichtlich geschlafen und blinzelte nun seinen Sohn an, als ob er die Tatsache verarbeiten müsste, dass er hier war. Lucius war dünner als Harry in Erinnerung hatte. Sein langes blondes Haar war matt und dreckverkrustet. Er hatte den hochmütigen, aristokratischen Ausdruck verloren, den er stets aufgewiesen hatte.

Harry konnte sich nicht vorstellen, jahrelang unter diesen Bedingungen zu leben. Es war ein Wunder, dass es noch jemanden in Azkaban gab, der bei klarem Verstand war.

„Vater?", brachte Malfoy vorsichtig hervor. Seine Stimme zitterte leicht, während seine Augen über die gebrochene Gestalt seines Vaters glitten.

„Draco? Was machst du hier?", fragte Lucius. Seine Stimme krächzte vom mangelnden Gebrauch. „Alle haben nach dir gesucht. Ist deine Mutter bei dir?"

„Sie ist in Sicherheit, Vater. Sie weiß nicht einmal, dass ich hier bin", erwiderte Draco und schluckte schwer. „Wie geht es dir?"

Lucius Malfoy schüttelte den Kopf, als ob er ihn klären wollte. Das hässlich höhnische Lächeln, an das sich Harry lebhaft erinnern konnte, kehrte auf sein Gesicht zurück. „Was hast du getan, Draco? Hast du einen Pakt mit den Blutsverrätern geschlossen? Wo ist dein Stolz geblieben? Ich bin enttäuscht von dir."

„Vater, hör mir zu. Ich kann dir helfen. Wenn du von hier freikommst, kannst du dich mit uns verstecken", sagte Draco in einem beinahe flehenden Tonfall, der Harry schmerzte. Er wusste aus jahrelanger Erfahrung, dass Dracos Bitten auf taube Ohren stoßen würden.

„Ein echter Malfoy würde nie auf seinem Bauch im Schleim und Abschaum der Gesellschaft kriechen", spie Lucius, nun schäumend vor Wut. „Ich dachte, das Wissen hätte ich dir anerzogen. Das ist der Einfluss deiner Mutter, nicht wahr?"

„Vater, der Dunkle Lord wird dich töten, wenn du nichts tust, um dein eigenes Überleben zu sichern", rief Draco.

„Dann werde ich mit Würde sterben, so wie du es hättest tun sollen", erwiderte Lucius.

„Vater – "

„Nein, Draco. Es ist noch nicht zu spät", sagte Lucius und rückte näher zu seinem Sohn. Seine Augen begannen wahnsinnig zu leuchten. „Geh zurück zum Dunklen Lord. Knie vor ihm nieder und flehe um Vergebung. Beweise deine Treue zu ihm, indem du die tötest, die dir Hilfe gewährt haben. Es könnte ihn überzeugen, dir Nachsicht entgegenzubringen."

Draco warf den Kopf zurück und schnaubte verächtlich. „An ihm ist nichts Nachsichtiges. Das weißt du. Er wird mich dazu bringen zu betteln und mich dann trotzdem töten."

„Dann solltest du sterben", entgegnete Lucius hart.

Draco blinzelte, sichtlich erschüttert. „Vater, ich bin dein einziger Sohn."

„Kein Sohn von mir würde den Namen Malfoy in solch einer Weise schänden", sagte Lucius. „Ich wusste nach deiner Geburt, dass du eine Schwäche für die Loyalität deiner Mutter darstellst. Sie würde alles für dich tun, um dich zu retten. Sie hat ihre eigene Zukunft weggeworfen, um deine zu beschützen. Deshalb haben wir auch nie ein weiteres Kind gezeugt. Ich wusste, dass sie schwach ist, aber du... Du, dachte ich, würdest deinen richtigen Platz kennen."

„Meinen richtigen Platz?", wiederholte Draco. „Wo? Auf Knien vor dem Halbblut? Ich dachte, du hättest gesagt, Malfoys wären besser als das."

Lucius hob die Hand und schlug Draco ins Gesicht, bevor Harry irgendetwas dagegen tun konnte. Es war schmerzhaft mit anzusehen. Und Harry wünschte, er befände sich woanders. Plötzlich fragte er sich, ob Draco sich so gefühlt hatte, als er die Szenen von Harrys Kindheit mit den Dursleys gesehen hatte.

„Das ist Potter- Gerede", blaffte Lucius. Harrys Kopf ruckte hoch bei dem Klang seines Namens.

„Ist er es, der dir Schutz bietet?", fragte Lucius ungläubig. „Hast du dich mit Potter verbündet? Oh, Draco, wie konntest du so tief sinken? Potter hat keine Chance."

„Natürlich nicht. Aber durch seinen Haufen habe ich eine bessere Chance zu überleben. Ich weiß zumindest, dass sie uns nicht töten werden", sagte Draco in einem letzten Versuch, seinen Vater umzustimmen.

„Bevor du aufstehst und Verantwortung für deine Taten übernimmst, bist du nicht mein Sohn. Denk darüber nach, was ich gesagt habe, Draco. Du musst zum Dunklen Lord zurückkehren. Du bist bei seinen Feinden und kannst ihm großartig helfen. Es könnte dir große Ehre und Respekt einbringen. Ohne das bist du ein Nichts", sagte Lucius. Seine Stimme war seidig, als er versuchte, seinen Sohn zu locken.

Draco seufzte schwer, löste sich aber von der Hand seines Vaters. „Dann haben wir einander wirklich nichts mehr zu sagen. Du warst derjenige, der mir beigebracht hat, dass ein Malfoy wegen unserer Blutslinie sehr viel wertvoller ist als jeder andere Zauberer und dass wir diese Linie erhalten müssen, koste es, was es wolle."

„Du bist ein Feigling", spie Lucius und wandte ihm den Rücken zu.

Dracos Schultern sackten herab. „Ich werde Mutter deine Grüße übermitteln", sagte er leise, legte seine Hand auf die silberne Hand und trat im nächsten Moment aus der Tür. Harry folgte ihm hastig.

Als sie den Korridor zu dem Raum entlangliefen, in dem die anderen geblieben waren, entfernte Harry den Tarnumhang. Ihm war unbehaglich zumute. Er fragte sich, was Malfoy wohl empfand. Sein eigener Vater hatte ihm gerade geraten, sich dem sicheren Tod auszuliefern. Wie konnte ein Vater seinem Sohn so etwas antun? Neu erwachter Respekt für das, was seine eigenen Eltern für ihn getan hatten, stieg in seinem Herzen auf. Es schien, dass doch nicht jedes Elternteil dazu bereit war. Harry erschütterte es zu bemerken, wie leid Draco Malfoy ihm tat.

„Es tut mir leid", bekundete Harry aufrichtig.

„Das solltest du auch", blaffte Malfoy. „Das ist einzig und allein deine Schuld."

„Meine Schuld?", fragte Harry verblüfft.

„Mein Vater würde nicht einmal hier sein, wenn du und deine verfluchten Heldentaten nicht gewesen wären", sagte Malfoy schäumend. „Der Dunkle Lord hätte ihn nie bestrafen wollen, indem er mich benutzt, und nichts davon wäre geschehen. Es ist alles deine Schuld."

Harrys Mitgefühl für Malfoys Bedrängnis verpuffte augenblicklich. „Es ist nicht meine Schuld, dass dein Vater sich dazu entschieden hat, sich eine Maske über den Kopf zu ziehen und mit einem Wahnsinnigen herumzurennen, der sich für besser hält als alle anderen. Dein Vater hat es sich selbst eingebrockt, Malfoy", schnauzte Harry.

„Es ist deine Schuld, dass du nicht getan hast, wozu du angeblich auserwählt bist, und uns aus dem ganzen Schlamassel befreit hast. Worauf wartest du überhaupt? Versuchst du, so viel Ruhm und Aufmerksamkeit wie möglich einzuheimsen, solange du es noch kannst? Hast du Angst, dass die idiotische Öffentlichkeit, die dir zu Füßen liegt, sich gegen dich wenden wird, sobald sie realisieren, was für ein Schwindler du bist?", fragte Draco. Sein Gesicht wurde allmählich rot.

„Nein, das ist eher dein Stil, Malfoy", entgegnete Harry. Tief Luft holend versuchte er, die Kontrolle wiederzuerlangen. „Hör mal, ich weiß, dass du sauer darüber bist, wie dein Vater dich behandelt hat. Ich wäre es auch – "

„Was weißt du schon?", versetzte Malfoy bitter. „Du erinnerst dich nicht einmal mehr an deinen Vater. Denkst du, wie diese elenden Muggle dich behandelt haben, gibt dir das Recht zu sagen, dass du verstehst, wie eine Familie funktioniert? Was mich angeht, hatten die Muggle die richtige Idee. Sie sind die einzigen, die dich so sehen, wie du wirklich bist."

Harry wollte gerade handgreiflich werden, als der Raum plötzlich um ihn herum verschwamm. Er hielt sich an der Wand fest, zog jedoch sofort die Hand zurück, als das kalte Gestein Schauder durch seinen Arm sandte. Die Stimme seiner Mutter schrie in seinem Kopf. Er war so von seinem Streit mit Malfoy eingenommen gewesen, dass er die Veränderung nicht bemerkt hatte. Nun war er sich des Fallens der Temperatur und der Klammheit seiner Haut bewusst.

Malfoy ignorierte ihn und fuhr mit seinem Wortschwall fort, während er vorwärts eilte. Harry schwankte auf seinen Füßen. Er schüttelte den Kopf, um ihn wieder frei zu bekommen. Doch es führte nur dazu, dass sein Sichtfeld sich trübte, so dass er auf die Knie fiel.

Plötzlich brach Malfoys Stimme durch den Nebel, der Harrys Gehirn umgab. „Was wollt ihr? Lasst uns vorbei. Wir haben die Erlaubnis, hier zu sein", jammerte er ängstlich. „Was ist mit dir, Potter? Steh auf. Es sind Dementoren hier."

Harry konnte sie nun sehen. Zwei Dementoren, die auf sie zu glitten. Einer kam von vorne, einer von hinten. Es gab keinen Fluchtweg. Sie schienen sich langsamer zu bewegen, als Harry in Erinnerung hatte. Er entsann sich, dass Tonks gesagt hatte, nur die alten Dementoren wären zurückgeblieben, was wahrscheinlich der Grund für ihre langsamere Bewegung war. Es schien für Harry keinen Unterschied zu machen. Die Wirkung war dieselbe, nur dass sie länger dauerte.

Sein letzter Gedanke, bevor die Welt um ihn herum schwarz wurde, war, dass Ginny Recht behalten hatte: Keiner konnte sich jemals an Dementoren gewöhnen.