Kapitel 15 – Noch ein langer Weg (Teil 1)

Eine grimmige Anspannung hatte sich auf den Grimmauldplatz gelegt, während alle auf eine Nachricht aus Azkaban warteten. Sie hatten versucht, ihren alltäglichen Tätigkeiten nachzugehen, jedoch festgestellt, dass ihre Aufmerksamkeit die ganze Zeit umherwanderte. Alle hatten schnell die Hoffnung aufgegeben, irgendetwas fertig zu bringen, und versammelten sich stattdessen in dem großen Wohnzimmer, um die Zeit gemeinsam zu verbringen.

Ginny seufzte schwer, als sie sich bemühte, still zu sitzen. Sie hatte versucht, früh aufzustehen, um Harry zu sehen, bevor er aufbrach. Doch der Alarm war nie ausgelöst worden. Sie hatte den Verdacht, dass ihre Mum etwas damit zu tun haben könnte, wollte es jetzt aber nicht zur Sprache bringen. Sie würde nur wieder aus der Haut fahren, konnte sich im Augenblick aber keinen Streit mehr leisten.

Sie und Harry hatten sich in der vorangegangenen Nacht auf einen zögerlichen Waffenstillstand geeinigt. Doch sie war immer noch verärgert über sein beständiges Verlangen, sie zu beschützen. Hatte sie sich nicht als genauso fähig erwiesen wie Ron und Hermine? Irgendwo tief in ihrem Inneren wusste sie, dass Harry nicht anders konnte. Sein Bedürfnis, sie zu schützen, war einfach ein Teil von ihm. Und sie liebte und grollte ihm gleichzeitig dafür.

Auch Hermine war wütend auf Harry und Ron, dass sie sie zurückgelassen hatten. Die vernünftige Seite von Ginnys Gehirn sah ein, dass sie nicht alle nach Azkaban gehen konnte. Doch es war empörend, dass Harry sich für Ron entschieden hatte, ohne überhaupt nachzudenken. Okay, vielleicht konnte Ron besser mit Dementoren fertig werden als sie oder Hermine, aber trotzdem... Sie schauderte, als ihr die mächtigen Erinnerungen an Tom in den Sinn kamen, die die Dementoren in ihrem zweiten Schuljahr im Zug heraufbeschworen hatten.

Nein. Es war nicht, als wollte sie den Dementoren nahe kommen, aber Harry kam auch nicht gerade gut mit ihnen zurecht und er hatte es niemals in Betracht gezogen, jemand anderen gehen zu lassen. Ginny knabberte auf ihrer Lippe herum und musste blinzeln, um Tränen aus ihren Augen herauszuhalten. Sie hatte ein furchtbares Gefühl. Irgendwie wusste sie innerlich, dass etwas nicht stimmte, und fühlte sich so hilflos, auf der Couch zu sitzen und eine Zeitschrift zu lesen. Sie musste etwas tun.

Sie ließ ihren Blick durch das Zimmer schweifen, bis er auf ihrer Familie liegen blieb, die ihr zuliebe unbekümmert zu erscheinen versuchte. Ihr Herz füllte sich voller Zuneigung zu ihnen. Unabhängig davon, wie sehr sie sie gelegentlich auf die Palme brachten, waren sie eine wundervolle, unterstützende Bande.

Ihre Mum saß in einem riesigen Sessel in der Ecke, die Augen geschwollen und gerötet, während sie wild mit ihren Stricknadeln klapperte. Auf ihrem Schoß lag die Weasley- Familienuhr, die sie auf dem Fuchsbau gerettet hatte. Alle Hände wiesen auf Tödliche Gefahr. Was sie zu geschehen erwartete, wusste keiner. Ihr Gesichtsausdruck bedeutete allen, sie nicht zu stören, und die anderen kannten sie gut genug, um diesen Wunsch zu respektieren.

Bill und Fleur teilten sich einen Sessel und gurrten ohne Unterlass, während sie gemeinsam eine Partie Schach gegen Remus spielten. Remus zog alle paar Minuten eine Taschenuhr aus seinem verblichenen Umhang, um nach der Zeit zu sehen. Jedes Mal überzog ein Schatten sein Gesicht und Ginny bemerkte, wie Bill und Fleur absichtlich Züge übersahen, die das Spiel früher hätten beenden können.

Ihr Dad und die Zwillinge hatten alle zu verschiedenen Zeiten ihre Arbeit verlassen und waren zum Hauptquartier zurückgekehrt, um mit allen anderen auf Neuigkeiten zu warten. Nun saßen sie um einen Kaffeetisch herum, während die Zwillinge ihrem Dad die Spielregeln von Muggle- Poker zu erklären versuchten. Mr. Weasley war nicht annähernd so interessiert am Kartenspiel wie an den Pokerchips und versuchte herauszufinden, ob sie in seinen Drink fliegen würden oder wie viele er auf einmal mit seinem Zauberstab aufheben konnte. Ginny konnte die Faszination ihres Vaters an Muggles einfach nicht nachvollziehen, obwohl sie wusste, dass es Harry und Hermine belustigte.

Sie und Hermine kauerten zusammen auf der Couch. Ginny hatte versucht, an der Hausaufgabe zu arbeiten, wie ihre Mutter beharrt hatte, es aber für hoffnungslos erklärt. Stattdessen durchblätterte sie ein Teenager- Magazin, während Hermine ein Verwandlungsbuch für die siebte Klasse auf dem Schoß hielt. Ginny konnte nicht begreifen, wie Hermine Verwandlung benutzen konnte, um ihre Nerven zu beruhigen, wenn sie auf Ginny die gegenteilige Wirkung ausübte.

Immer wieder stupste Ginny ihre Freundin in die Rippen und zog ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Artikel in der Zeitschrift, die das eigene Liebesleben bewerteten. Es belustigte sie, Hermines gleichermaßen roten Kopf neben ihrem eigenen zu sehen, während sie die lächerlichen Fragen durchgingen. Ginny hatte sich schon immer eine Schwester gewünscht und war der Meinung, dass Hermine als eine durchgehen konnte. Trotz der offensichtlichen Besorgnis in der Luft brachen sie und Hermine ab und zu in kreischendes Mädchengelächter aus. Beiden schoss jedes Mal das Blut ins Gesicht, wenn die Aufmerksamkeit der anderen sich auf sie richtete, doch es brach die Spannung und Ginny hieß es gut, dass Hermine zur Abwechslung lockerer wurde.

Narzissa Malfoy hatte sich den ganzen Morgen über noch nicht gezeigt und sich nicht einmal Frühstück in ihr Zimmer mitgenommen. So wie Ginny es sah, hatte niemand sie wirklich vermisst. Unwillkürlich fragte sie sich, was Narzissa davon hielt, dass ihr Sohn nach Azkaban gereist war, um ihrem Mann einen Besuch abzustatten.

Das Geräusch von dem Öffnen der Vordertür ließ alle in die Halle hinauslaufen. Wieder einmal verfluchte Ginny ihre Körpergröße, als sie darum kämpfte, um ihre sehr viel größeren Brüder herumzuspähen. Alle keuchten überrascht auf, als Professor McGonagall, Hagrid und Kingsley Shacklebolt mit drei kleineren Gestalten unter schwarzen Roben eintraten. Hermine stieß Ginny in die Rippen und nickte zu einem der Fremden. Ginny blinzelte in dem Versuch zu erkennen, was Hermine ihr zu bedeuten versuchte. Ihre Augen weiteten sich, als sie feststellte, dass die Person einen Hogwarts- Umhang mit dem Slytherin- Wappen auf der linken Seite trug.

Remus bahnte sich einen Weg durch Ginnys Brüder. „Hagrid! Kingsley! Ihr habt sie gefunden", sagte er und führte die Gäste zum Wohnzimmer, aus dem sie alle herausgeströmt waren. Remus wusste anscheinend, wer die verhüllten Fremden waren. Ginny schaute sie neugierig an. Sie war überrascht, dass ihre Mutter noch keine Anstalten gemacht hatte, sie vom Treppenabsatz zu scheuchen. Vielleicht hatte sie sich wirklich damit abgefunden.

„Ja, die Information hat sich als verlässlich erwiesen. Wir hielten es für das beste, sie hierher zu bringen, um sie alle beisammen unter Aufsicht zu haben", sagte Kingsley, seine tiefe Stimme in der Stille widerhallend.

Die Anführergestalt legte ihren Mantel ab, der eine Frau mittleren Alters freigab, deren dunkles Haar mit grauen Strähnen durchzogen war. Es hatte sich aus dem Knoten gelöst, den sie an ihrem Nacken trug, und obwohl sie schmutzig und zerzaust war, hatte sie die Ausstrahlung von jemandem, der es gewohnt war, auf sich warten zu lassen.

Die anderen beiden Gestalten zogen sich ebenfalls aus, worauf die Gesichter von zwei jugendlichen Mädchen zum Vorschein kamen, beide mit hoch erhobener Nase. Während dies an der Jüngeren unattraktiv wirkte und ihre Gesichtszüge verhärtete, verlieh es dem älteren Mädchen eine aristokratische Erscheinung. Beide waren zerrauft und sahen aus, als hätten sie tagelang keine vernünftige Mahlzeit zu sich genommen. Ginny war das jüngere Mädchen wohlbekannt und aus Hermines Gesichtsausdruck schloss sie, dass sie den Neuankömmling ebenfalls erkannt hatte.

„Was meinen Sie mit unter Aufsicht´, Mr. Shacklebolt? Ich dachte, Sie hätten uns Asyl angeboten", fragte die ältere Hexe förmlich, ihre Augenbrauen missbilligend zusammengezogen.

Kingsley verbeugte sich steif. „Selbstverständlich haben wir das getan, Mrs. Parkinson. Aber Sie müssen den Bedarf an Vorkehrungen in diesen dunklen Zeiten verstehen. Sicher würden Sie dasselbe von jedem anderen erwarten, dem wir Zuflucht hier gewähren", sagte er.

Mrs. Parkinson schürzte die Lippen, schwieg aber.

„Molly, gibt es irgendetwas, das wir ihnen zum Essen anbieten können, bevor sie sich zurückziehen? Wir werden sie vorläufig auf demselben Stock einrichten wie die Malfoys", sagte Professor McGonagall.

„Natürlich", erwiderte Ginnys Mutter, beinahe, als wäre sie glücklich, endlich etwas Produktives zu tun zu haben. „Setzt euch und macht es euch bequem. Ich werde ein Tablett herrichten und es sofort hinaufbringen."

„Granger!"

Hermine wandte schnell den Kopf, aufgeschreckt von dem Klang ihres Namens. Pansy Parkinson stand hinter ihnen und starrte sie verächtlich an.

„Was machst du denn hier?", fragte das dunkelhaarige Mädchen. „Und was zur Hölle hast du mit deinem Haar angestellt?"

„Dasselbe könnte ich dich fragen", erwiderte Hermine kühl, während sie Pansys verzottelten Schopf in Augenschein nahm.

„Oh! Das glaube ich nicht. Hat Draco sich tatsächlich mit einem Schlammblut und einem Pack Blutsverräter verbündet? Wirst du mir als nächstes sagen, dass Potter auch hier ist?", quiekte Pansy.

„Das reicht, junge Dame", schritt Mr. Weasley bestimmt ein, Wut in seinen blauen Augen. Der Zorn von Ginnys Vater – so selten gesehen – brachte den Raum zum Schweigen. Selbst die Parkinson- Frauen waren verstummt. „Dieses Haus wird jedem Zuflucht bieten, der sie erwünscht. Aber wir werden weder diese Ausdrucksweise noch den Hass dahinter dulden. Sie tun gut, sich daran zu erinnern, Miss Parkinson."

„Vergib meiner Tochter ihren Mangel an Geschmack", sagte Mrs. Parkinson, Pansy anfunkelnd. „Wir hatten in den letzten Tagen eine schwere Zeit und ich fürchte, die Anstrengung zeigt sich bei jedem von uns."

„Natürlich, Anastasia", sagte Professor McGonagall brüsk. „Wir alle fühlen mit eurem Verlust mit. Vielleicht würdest du gerne Narzissa sehen. Folg mir. Ich bringe dich zu ihrem Zimmer."

Professor McGonagall führte Mrs. Parkinson aus dem Raum, während sie den anderen strenge Blicke zuwarf, als ob sie sie warnen wollte, sich zu benehmen. Die Erwachsenen bewegten sich zu einer Seite des Zimmers und begannen eine gedämpfte Diskussion. Die jungen Leute starrten einander misstrauisch an.

Schließlich stand George vom Tisch auf und lief zu den Parkinson- Mädchen hinüber. „Iris, es ist schon lange her", sagte er ein wenig steif, das ältere Mädchen ansprechend. „Es ist schön, dich wiederzusehen."

„Ja, nicht seit du in unserem siebten Jahr aus dem Schultor geflogen bist", antwortete Iris lächelnd. Sie hatte dieselben Gesichtszüge wie ihre Schwester, doch ihr Gesicht hatte mehr die Form eines Ovals, was ihr ein sanfteres Aussehen verlieh. Als sie lächelte, musste Ginny zugeben, dass sie, anders als Pansy, wirklich hübsch war.

„Ja, ja. Genug mit den falschen Nettigkeiten. Wo ist Draco?", wollte Pansy wissen und starrte George und ihre Schwester finster an.

Ginny hatte den entfernten Eindruck, dass zwischen beiden Schwestern eine heftige Rivalität herrschte und dass Pansy jede Aufmerksamkeit übel aufnahm, die Iris zuteil wurde. Ginny versuchte, ihr Grinsen zu verbergen – dieses Wissen könnte sich als nützlich erweisen.

„Er ist mit Harry nach Azkaban gegangen", sagte sie, die Reaktion der Slytherin genau beobachtend.

„Er ist was?", schrie Pansy und wirbelte mit weit aufgerissenen Augen zu ihr herum.

„Er wollte mit seinem Vater sprechen. Wir warten darauf, dass sie zurückkommen", fügte Hermine hinzu. Ginny bemerkte interessiert eine Kühle in Hermines Stimme. Normalerweise setzte Hermine sich dafür ein, allen eine Chance zu geben, doch etwas sagte Ginny, dass die beiden einander nicht ausstehen konnten.

„Ist er verrückt?", fragte Pansy. „Weiß er nicht, dass es den Befehl gibt, seinen Körper zurück zum Dunklen Lord zu bringen? Potter will er wenigstens lebendig, aber Draco schwebt in ernster Gefahr."

„Ja, Harry hat ja so ein Glück." Ginny verdrehte die Augen.

„Immer noch hinter dem Auserwählten her, wie ich sehe. Wo ist dein Selbstrespekt geblieben?", fragte Pansy höhnisch.

„Als ob du diesen Charakterzug kennen würdest, Pansy", konterte Ginny, während sie lässig ihre Fingernägel betrachtete.

Pansy funkelte sie an. „Ich kann nicht glauben, dass du dein Haar abgeschnitten und Granger gegeben hast. Ich meine, ich verstehe, dass sie es will. Die Idioten in Hogwarts scheinen einen Fimmel um deine Haare zu haben, aber ich denke nicht, dass sie dich ohne es genauso mögen würden", versetzte Pansy mit einem triumphierenden Feixen.

„Du scheinst wirklich darauf fokussiert, wer meinem Haar Beachtung schenkt, Pansy", erwiderte Ginny belustigt. „Weißt du, es gibt Zauber, mit denen du deins rot färben kannst."

Pansy errötete. „Bild dir bloß nichts drauf ein. Ich bekomme alles mit, das in der Schule vor sich geht."

Fred und Georges Köpfe schwangen zwischen den Mädchen hin und her, als ob sie bei einem Tennisturnier zuschauten.

„Pansy, sei nett", mahnte Iris, sichtlich amüsiert. „Wir müssen schließlich hier bleiben, bis Mutter wieder zu Vernunft kommt."

„Was denkt sich Draco nur dabei?", jammerte Pansy. „Wie lange sind sie schon weg und wann werden sie wieder da sein?"

„Ich habe dir schon gesagt, dass wir alle auf ihre Rückkehr warten, Pansy. Wir machen uns auch Sorgen um Harry und Ron", sagte Hermine steif. Pansys Frage rief ihnen allen in Erinnerung, wie lange die Gruppe schon weg war, und Ginny spürte, wie die Unbehaglichkeit sich wieder ausbreitete.

„Potter kippt wahrscheinlich um, bevor sie das Gefängnis überhaupt betreten. Hat er nicht Probleme mit Dementoren?", fragte Pansy kalt.

„Jede Schwierigkeit, die sie haben, kommt wahrscheinlich eher daher, dass Malfoy in Panik gerät und sie verrät", keifte Ginny und griff nach ihrem Zauberstab.

„Wag es ja nicht, Draco die Schuld dafür zu geben. Ich bin sicher, Potter hat ihn irgendwie ausgetrickst zu gehen", entgegnete Pansy, während sie ihren eigenen Zauberstab aus der Tasche zog.

„Ja, weil er solch ein Idiot ist, dass jeder ihn austricksen kann", sagte Ginny mit blitzenden Augen.

Fred ergriff Ginny geschickt um die Hüfte und zog sie weg von dem Slytherin- Mädchen. „Bleib locker, Ginny. Gib Mum keinen Anlass, dich nach oben zu schicken", flüsterte er.

„Du musst zugeben, Pansy...", schaltete sich Iris gelangweilt ein, während sie ihre gebrochenen Nägel betrachtete. „... dass es idiotisch von Draco war, sich mit einem Haufen Gryffindors abzugeben. Jetzt stecken wir auch mit ihnen zusammen."

„Wenn ich mich recht entsinne, hat es einmal eine Zeit gegeben, da es dich nicht gestört hat, mit einem Gryffindor gesehen zu werden. Warst du nicht einer der Tussis, die Oliver in Hogwarts sabbernd hinterher gedackelt sind?", fragte Fred grinsend.

Iris' Augen blitzten trotzig auf, doch Röte schoss ihr in die Wangen. „So etwas habe ich ganz sicher niemals getan."

Pansy schnaubte und schaute ihre Schwester angewidert an. „Hast du wohl. Und wag es ja nicht, Draco als Idioten zu bezeichnen", sagte sie mit verengten Augen.

„Ich werde ihn nennen, wie ich möchte", keifte Iris. „Es ist seine Schuld, dass Daddy tot ist."

Pansy prallte zurück. Ihre Augen verdunkelten sich, bevor sie ausholte und ihrer Schwester ins Gesicht schlug.

George sprang über die Lehne der Couch, verschränkte seine Füße auf dem Kaffeetisch und beschwor eine Tüte Popcorn herauf. „Ooh, Weibercatchen", strahlte er. Fred gesellte sich sofort zu ihm und ließ eine kichernde Ginny allein stehen.

Mr. Weasley blickte zu dem Aufruhr herüber, doch als der Streit nachließ, kehrte er zu seiner Unterhaltung zurück.

Hermine trat zwischen die beiden Schwestern und hielt die Arme hoch. „Stopp. Hört mal, wir haben von eurem Vater erfahren und es tut mir leid. Das wird aber keinem von ihnen helfen. Wir machen uns alle Sorgen – "

„Oh halt die Klappe, Granger", schnauzte Pansy. „Wer hat überhaupt gesagt, dass du deine unmöglich große Nase hereinstecken sollst? Was lässt dich glauben, dass alle anderen daran interessiert sind, was du zu sagen hast? Du regst dich doch nur auf, weil du weißt, dass es höchstwahrscheinlich dieser dumme, rothaarige Handlanger von Potter ist, der es vermasselt. Tut er das nicht immer? Verzieh dich zu deinen Büchern, du unbedeutende kleine Klugscheißerin."

Hermines Augen blitzten. „Schön, Pansy. Ich lass deiner Schwester freie Hand, dich in einen Wackelpudding zu verhexen. Es ist ja nicht so, dass irgendjemand hier deine Klappe vermissen wird."

„Was lässt dich glauben, dass meine Schwester auch nur eine Chance gegen mich hat?", fragte Pansy beleidigt.

Hermine verdrehte die Augen. „Ich habe dich in einem Duell gesehen, Pansy. Jeder könnte dich in einen Wackelpudding verwandeln."

„Ach ja?" Pansy griff wieder nach ihrem Zauberstab.

Aber Hermine war schneller. Sie hatte ihren Zauberstab zwischen die Augen des anderen Mädchens gerichtet, bevor Pansy sich überhaupt rühren konnte. „Beweg deine Hand nur etwas näher an den Zauberstab, Parkinson, und ich werde dir genau zeigen, was ich von diesen Büchern gelernt habe."

Pansy erbleichte sichtlich, während die Weasleys, die den Wortwechsel gespannt verfolgt hatten, vor Entzücken aufheulten.

„Setzt dich dorthin", sagte Hermine und wies auf einen Stuhl, der etwas abseits von den anderen stand. „und halt den Mund. Sonst sehe ich mich gezwungen, ihn für dich zu schließen. Wir werden uns alle wie zivilisierte Menschen hinsetzen, während wir auf Neuigkeiten warten. Ich will kein Wort mehr aus deinem Mund hören."

„Zeig's ihr, Hermine", feuerte Fred an und verstreute Popcorn in die Luft.

Hermine richtete ihren Zauberstab auf Fred, ihre Augen glühten gefährlich. „Das gilt auch für dich. Kein Wort mehr."

Fred schluckte schwer, setzte sich aber auf gehorsam auf die Couch.

Ginny kicherte. Sie liebte es zu sehen, wie jemand die Zwillinge zur Schnecke machte. Hermine konnte geradezu Furcht erregend sein, wenn sie wütend war.