Kapitel 27 – Herzensangelegenheiten
Während der Winter langsam seinen eisigen Griff vom britischen Land löste, tauchten Zeichen neuen Lebens im Wald und dem Hogwarts- Grundstück auf. Kleine grüne Knospen fingen an, von den zuvor dürren Bäumen zu sprießen, und die ersten Blumen steckten ihre Köpfe aus der Erde.
Ginnys Genesung schritt voran, wenn auch langsam. Sie kämpfte noch immer um Atem, wann immer sie sich aufregte, und ihr Bein hatte sich als sturer zu heilen erwiesen als erwartet. Sie ging mit einem eindeutigen Humpeln. Madam Pomfrey hatte etwas von einem abgeklemmten Rückenmarksnerv gesagt, doch bisher hatte sie nicht die richtige Lösung gefunden.
Ginny hatte sich gut an die Unsicherheit ihres Beines angepasst – besser als jeder erwartet hätte. Aber sie litt unter ihrer gezwungenen Beschränkung im Krankenflügel. Frustriert und ungeduldig neigte sie dazu, auszurasten und alle in Reichweite mit Gegenständen zu bewerfen, wenn ihre Bitte, in den Gryffindor- Turm zurückzukehren, abgewiesen wurde.
Madam Pomfrey hatte sich geweigert, sie zu entlassen, bevor sie sicher war, dass Ginnys Atemschwierigkeiten unter Kontrolle waren. Mrs. Weasley folgte Madam Pomfreys Instruktionen, wobei sie Ginnys bereits beanspruchte Geduld noch weiter reizte. Laut Ginny war der einzige positive Aspekt bei der ganzen Angelegenheit, dass all die Stärkungstränke, die sie verschrieben bekommen hatte, den wundervollen Nebeneffekt zeigten, ihren Haarwuchs zu beschleunigen.
Ginnys feuriges Haar reichte nun bis auf ihren Rücken und sie konnte sie wieder zu ihrem vertrauten Pferdeschwanz zusammenbinden. Sobald Madam Pomfrey es festgestellt hatte, hatte sie sogar Hermine eine kleine Dosis verabreicht, um ihren Haarwuchs voranzutreiben.
Ginny hatte ihre Zeit im Krankenflügel gut ausgenutzt, um all die Schulaufgaben nachzuholen, die sie vernachlässigt hatte. Zwischen den Besuchen von ihrer Mutter, Hermine und Professor McGonagall, konnte sie in ihren Abschlussprüfungen nur gut abschneiden. Während Ginny den Schulstoff wiederholte, hatte Harry seine Zeit damit verbracht, mit den Auroren zu trainieren. Er wusste, dass die Zeit für seine letzte Begegnung mit Voldemort immer näher rückte, und er wollte sich so bereit fühlen wie er konnte, wenn der Tag kam.
Sein Magen zog sich noch immer zusammen, wann immer er daran dachte, doch er wusste, was getan werden musste. Er hatte seine Briefe an Ron, Hermine und Ginny beendet und wusste, dass sie sich um Hedwig kümmern würden, nachdem er fort war. Er versuchte, die Okklumentik- Übungen aufzunehmen, die Draco und Narzissa ihm gezeigt hatten, aber nach wie vor kam es ihm sinnlos vor. Alles, was er tun musste, war, wieder in Voldemorts Geist zu blicken – das würde reichen. Er hatte vor, zur Mysteriumsabteilung zu gehen und den Wichser wissen zu lassen, dass er dort war.
Er hatte sogar noch einmal in Erwägung gezogen, Draco um Hilfe zu bitten, aber entschieden, dass das die letzte Option war. Harry dachte, dass er lieber Voldemort gegenübertreten würde als dem Slytherin- Ekel etwas schuldig zu sein.
An dem Morgen, als Ginny endlich entlassen wurde, trafen Harry und Ron sich im Krankenflügel mit ihr.
„Aus dem Bett, du fauler Wurm. Wir sind hier, um dich abzuholen", sagte Ron grinsend, als sie hereintraten.
Ginny wandte den Kopf und streckte ihrem Bruder die Zunge heraus.
„Oh, das zeigt Reife", kommentierte Ron und ließ sich auf einen Sessel neben ihrem Bett fallen.
Harry beugte sich zu Ginny und gab ihr einen flüchtigen Kuss, bevor er den anderen Sessel einnahm. „Wie fühlt es sich an, endlich hier rauszukommen?", fragte er grinsend. Sie hatte sich tagelang bei ihm beklagt.
„Großartig", sagte sie. Sie schwang ihre Beine über die Bettkante und stand auf, voll angezogen. Harry konnte die Kette, die er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, im Sonnenlicht glitzern sehen, das vom Fenster hereinströmte. „Lasst uns schnell machen, bevor sie ihre Meinung ändert."
„Wartet. Mum wird mich verhexen, wenn ich dich hier rausbringe und sie nicht dran teilhat. Sie bringt ihre Kamera mit", sagte Ron schadenfroh.
Ginny verdrehte die Augen. „Oh, Bruder! Was hat dich denn heute so munter gemacht? Wo ist Hermine?", fragte sie.
„Weiß nicht. Sie sollte sich eigentlich mit uns im Gemeinschaftsraum treffen, aber Fleur hat uns gesagt, dass wir ohne sie vorgehen sollen", erwiderte Ron stirnrunzelnd.
„Diese beiden hecken definitiv etwas aus", sagte Harry. Er war erfreut, Ginny so gesund zu sehen. „Weißt du etwas darüber?"
Ginny zuckte die Achseln. „Woher sollte ich? Ich bin doch diejenige, die hier festgesteckt hat."
„Ja, aber du weißt immer über alles bescheid", erwiderte Harry.
„Und du tust gut daran, es nie zu vergessen", sagte Ginny und wackelte mit der Augenbraue.
Harry gluckste. Er nahm ihre Hand und schwang sie hin und her. Sein Herz fühlte sich immer leichter an, wenn er neben ihr stand. Die Krankenflügeltür öffnete sich wieder und Bill trat ein, dicht gefolgt von Fleur und einer dunkelhaarigen Hermine. Zum ersten Mal seit ihrem Unfall trug sie nicht ihre rote Perücke.
„Hermine!", rief Ron und setzte sich gerade auf. „Du hast wieder dein eigenes Haar."
„Gut beobachtet", sagte Hermine mit einem kleinen Lächeln. Ihre Wangen färbten sich rot und ihre Hand flog automatisch hoch, um an einer Locke zu zupfen.
„Es sieht 'übsch aus, nischt wahr?", fragte Fleur und strahlte, als wäre sie allein für Hermines Haarwuchs verantwortlich.
„Das tut es immer", erwiderte Ron, während er Hermine kritisch musterte. „Es ist aber anders."
Harry starrte Hermine an und realisierte, dass Ron Recht hatte. Ihr Haar kam fast bis auf ihre Schultern, doch es nicht so voll, wie Harry in Erinnerung hatte. Es war noch immer wellig, aber irgendwie geschmeidiger.
„Es ist weniger buschig geworden", erwiderte sie strahlend. „Ich habe gelesen, dass es manchmal passiert, besonders nach medizinischem Haarverlust. Chemotherapie- Patienten erleben es ständig."
„Schemo- was?", fragte Ron verblüfft. „Es ist schön, wieder deine echte Haarfarbe zu sehen. Es lässt dich mehr glänzen."
Hermine schaute zu Boden, errötend, aber ihr Lächeln wurde noch breiter.
Rons Ohren färbten sich leuchtend, als er realisierte, was er gesagt hatte.
„Sie sieht tatsächlich großartig aus", sagte Bill gelassen. „Und ich denke, wir können alle den Zwillingen dankbar sein, dass sie das nicht mitbekommen haben." Er versetzte Ron einen leichten Schubs in die Schulter, worauf sein Bruder in Hermine taumelte.
Ginny kicherte. „Du siehst wirklich super aus, Hermine, aber ich finde es schade, dass das Rot jetzt weg ist. Es war toll, eine Schwester zu haben."
„Danke, Ginny", sagte Hermine. „Die Zaubertränke haben es wirklich vorangetrieben und Fleur hat es heute Morgen für mich geschnitten."
„Sieht es nischt großartisch aus?", schwärmte Fleur, während sie an Hermines Haar herumzupfte.
Hermine zog sich los und stellte sich neben Ron. „Also, bist du bereit zur Entlassung? Madam Pomfrey ist sicher, dass du gesund bist, oder?"
„Sie ist sicher, dass ich mich nicht einen Augenblick länger hier festhalten lasse", knurrte Ginny und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe genug."
„Das ist mein Mädchen", sagte Mr. Weasley strahlend, der mit Mrs. Weasley den Krankenflügel betrat. Der Bereich um Ginnys Bett wurde dicht gedrängt. Harry machte Anstalten, zur Seite zu treten, um Ginnys Eltern durchzulassen, doch Ginny nahm seine Hand und hielt ihn bei sich. Sie drückte sie.
„Oh, Ginny", rief Mrs. Weasley, die sich mit den Ellenbogen an Ron und Hermine vorbeibahnte. „Ich hatte solche Angst, dass dieser Tag niemals kommen würde." Sie fing Ginny in eine knochenbrechende Umarmung ein und begann zu schniefen.
„Schon gut, Mum", sagte Ginny und tätschelte ihrer Mutter auf den Rücken, während sie versuchte, sich zu befreien. „Mir geht's gut und ich bin bereit, hier rauszukommen."
Mrs. Weasley zog ihre Kamera aus der Tasche. „Wir müssen ein Foto machen, um diesen Moment festzuhalten", sagte sie. „Bill und Fleur, stellt euch hinter sie. Ginny, steh nicht so krumm da. Harry, komme näher, mein Lieber. Du wirst nicht auf dem Bild sein, wenn du dort hinten stehst."
Ein blendendes Licht blitzte auf, so dass sie alle blinzeln mussten.
„Ich habe Fred und George gesagt, dass sie rechtzeitig hier sein sollen. Diese beiden können nicht einmal die einfachste Anweisung befolgen", sagte Mrs. Weasley mit finsterem Blick.
„Oh, Mum. Sei nicht böse auf Fred und George. Es ist wirklich nicht schlimm. Ich würde gern einfach gehen", sagte Ginny, zugleich hoffnungsvoll wie resigniert. Irgendwie wussten sie alle, dass Mrs. Weasley entschlossen war, eine große Sache draus zu machen, und keine Entschuldigungen würden ihre Meinung ändern.
Mr. Weasley lächelte nachsichtig. „Warum kommst du nicht mit aufs Bild, Molly? Ich mach das nächste Foto", sagte er und streckte seine Hand nach der Kamera aus.
„Fotos? Habe ich da Fotos gehört?", fragte Fred, der die Krankenflügeltür aufknallte.
„Ihr habt ohne uns mit Familienfotos angefangen?", fügte George hinzu, Entsetzen vorheuchelnd. „Ich habe schon immer gewusst, dass wir das schwarze Schaf der Familie sind, Fred."
„Schwarzes Schaf?", keuchte Fred, die Augen vor gespieltem Entrüsten weit aufgerissen. „Ich glaube nicht, dass wir überhaupt als Schafe zählen – eher als eine entfernte Ziege."
„Ich verpass euch gleich eine Ziege", sagte Mrs. Weasley streng. „Wenn ihr rechtzeitig hier gewesen wärt, wie ich euch gebeten habe, hättet ihr nicht das Foto verpasst und Ginnys besonderen Tag verdorben."
Ginny verdrehte die Augen und murmelte: „Großer Gott!"
„Jetzt sind wir hier, Mum. Wir würden nicht mal im Traum dran denken, Ginnys besonderen Tag zu verderben", sagte George. Seine Augen funkelten schelmisch, als er den Blick seiner Schwester auffing.
„Lass deine Schwester in Ruhe", wies Shannon ihn zurecht und wackelte mit dem Zeigefinger. Ihr haselnussbraunes Haar war in einen Pferdeschwanz zurückgezogen, der auf und abhüpfte. „Tut uns leid, dass wir zu spät kommen, Mrs. Weasley."
Mrs. Weasley ließ bei dem entschuldigenden Tonfall die Luft raus. „Es ist alles in Ordnung, Liebes. Ich weiß, dass es nicht deine Schuld ist", sagte sie und funkelte die Zwilling an.
„Warum stellt ihr euch nicht noch mal alle um Ginny und ich mache ein Familienfoto?", schlug Iris vor, die noch immer in der Tür stand.
Harry hatte nicht einmal bemerkt, dass sie mit Shannon und den Zwillingen gekommen war, da sie so weit hinten geblieben war. Sie schien ziemlich zögerlich und bei den Blicken auf den Weasley- Gesichtern konnte Harry es ihr nicht verübeln.
Es folgte ein kurzer Augenblick schockierter Stille, als alle Iris anstarrten, scheinbar sprachlos. Schließlich durchbrach Fred die Spannung, indem er sie am Arm nahm und in den Raum zog. „Sei nicht albern. Alle können auf das Bild. Du kannst es verzaubern, Dad, oder?"
Mr. Weasley schüttelte seine Verwirrung ab. „Äh... natürlich. In Ordnung, stellt euch alle zusammen", sagte er und positionierte die Kamera.
Auch Mrs. Weasley lächelte Iris breit an und begann wieder, Befehle zu erteilen. „George und Shannon, stellt euch an die Seite von Bill und Fleur, hinter Harry. Fred und Iris, ihr beide geht auf die andere Seite, hinter Ron und Hermine. Arthur, beeil dich mit dem Ding und setz dich mit mir vor sie alle", wies sie an und setzte sich auf den Stuhl, den Harry besetzt hatte.
„Wo ist Charlie? Wie kommt es, dass er sich da rauswinden kann?", wollte Ron brummend wissen.
„Er ist im Drachen- Lager. Er sollte morgen zurückkommen", antwortete Mrs. Weasley. „Arthur, bist du fertig?"
„Lass mich noch die Bildschärfe einstellen", sagte Mr. Weasley, während er an der Kamera herumhantierte.
„Mach einfach das Foto, Dad", rief Ron und verdrehte die Augen.
Harry begann, mit seinem Fuß auf dem Boden zu scharren.
„Da-ad. Ich will heute noch hier weg", stöhnte Ginny.
„In Ordnung, dass sollte so funktionieren", sagte Mr. Weasley. Er rannte zu Mrs. Weasley zurück und schaffte es gerade rechtzeitig, sich zu setzen, bevor die Kamera mehrmals aufblitzte.
„Na also. Das war doch nicht so schwer, oder?", fragte Mrs. Weasley lächelnd.
„Lasst uns gehen", sagte Ginny und hob ihre kleine Tasche auf.
„Ginny, kannst du den ganzen Weg gehen?", erkundigte Mrs. Weasley sich ängstlich.
„Mum, wir gehen doch nur zum Gryffindor- Turm hoch", sagte Ginny, deutlich entnervt.
Da Harry das Gefühl kannte zurückgehalten zu werden, wenn er nichts anderes wollte als aus dem Krankenflügel zu kommen, erbarmte Harry sich ihr. Er nahm ihre Tasche und schwang sie über seine Schulter. Er bot ihr seinen Arm an.
„Sollen wir?", fragte er.
Ginny strahlte und nahm seinen Arm. „Gehen wir."
An Harrys Seite und leicht humpelnd, ging sie zielstrebig zur Tür. Aus dem Augenwinkel sah Harry, wie Mrs. Weasley Ginny helfen wollte, doch Mr. Weasley hielt sie am Arm zurück und nickte in Harrys Richtung.
Mrs. Weasley zögerte kurz, bevor sie nachgab und ihnen mit Mr. Weasley folgte.
Die große Gruppe stieg zum Gryffindor- Turm hinauf, den ganzen Weg fröhlich plaudernd. Als sie das Porträtloch erreichten, war Ginny leicht außer Atem und lehnte sich definitiv schwerer gegen Harry als am Anfang.
„Es ist schön, Sie wiederzusehen, junge Dame", grüßte die Fette Dame, während sie auf sie herunterblickte.
„Es ist schön, wieder hier zu sein", sagte Ginny.
„Ungarischer Hornschwanz", murmelte Harry und duckte den Kopf, als das Porträt zur Seite schwang. Der Gemeinschaftsraum war für ein Willkomensfest zu Ginnys Ehren vorbereitet worden. Das Feuer prasselte einladend und auf mehreren Tischen waren Speisen und Getränke ausgebreitet.
Ginny konnte mit Mühe ein Grinsen unterdrücken. „Ungarischer Hornschwanz?", fragte sie mit strahlenden Augen.
„Ich habe mir nicht das Passwort ausgesucht", sagte Harry leise, während Hitze in sein Gesicht aufstieg.
„Nein, das hat er nicht, aber du hättest den Abscheu auf Malfoys Gesicht sehen sollen, jedes Mal wenn er es sagen muss", entgegnete Ron entzückt.
„Und wir haben es alle genossen, Harrys Tante mit Geschichten von seinem Ruhm zu quälen", erwiderte George und zerzauste Harry das Haar. „Mum hat sogar angeboten, sie auf das Feld zu bringen, um ihr zu zeigen, wo er diesen Drachen besiegt hat."
Harry zog mit finsterem Blick seinen Kopf frei.
„Und Dudley sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen", fuhr Fred grinsend fort. „Er ist nicht mehr annähernd so lustig, seit er sich nicht mehr so leicht über jegliches Magische in die Hosen macht."
„Ja. Unser Zeug an ihm auszutesten ist nicht mehr halb so komisch, wie es früher einmal war", stimmte George betrübt zu. „Deine Tante in Ohnmacht fallen zu lassen, macht nur für eine begrenzte Zeit Spaß."
„Oh, ich finde es immer noch toll", entgegnete Fred glücklich.
„Habt ihr Sachen an Dudley ausprobiert?", fragte Harry neugierig, enttäuscht, dass er es verpasst hatte. „Ihr stellt also noch immer Zeug her, seit wir hier sind?"
„Natürlich", sagte Fred. „Das Mailbestellgeschäft ist das einzige, das floriert, weil niemand mit einem Fünkchen Verstand sich jetzt in der Winkelgasse sehen lässt. Das hat unseren Pool von potentiellen Testsubjekten ernsthaft eingeschränkt. George und ich mussten dahin zurückkehren, die Sachen wieder an uns auszutesten."
„Oh, das ist ein Opfer", sagt Iris und verdrehte die Augen.
„Das ist es", erwiderte Fred heftig. „Du hast keine Ahnung, wie viel George und ich durchgemacht haben, während wir sie an uns ausgetestet haben."
„Ja. Einen Hut auf deinen Kopf zu setzen, um deinen Kopf verschwinden zu lassen, ist ja so gefährlich... und hysterisch komisch, dürfte ich wohl hinzufügen", erwiderte Iris in einem gelangweilten Tonfall, obwohl ihre Augen blitzten.
„Viele Leute finden, dass diese Kopflosen Hüte lustig sind. Wir haben eimerweise Galleonen davon gemacht", sagte Fred hitzig.
Harry konnte sich nicht entsinnen, Fred jemals so aufgebracht gesehen zu haben. Iris machte ihm wirklich zu schaffen. Plötzlich entdeckte Harry eine neue Anerkennung für das Slytherin- Mädchen. Er, Ron, Hermine und Ginny sahen alle dem Austausch zwischen den beiden zu, als wäre es ein Tennismatch, während George und Shannon sich in eine abgedunkelte Ecke davonstahlen.
„Tja, es haben auch viele gedacht, dass Dolores Umbridge sie aus dem Griff des Dunklen Lords führen würde", konterte Iris.
Freds Gesicht wurde rebellisch. „Die Kopflosen Hüte und alle Weasley- Produkte gehören nicht in dieselbe Kategorie wie Dolores Umbridge - möge sie im Zentaurenhimmel ruhen."
Iris schnaubte tatsächlich auf und Harry musste sich von innen auf die Wange beißen, um ein Lachen zu unterdrücken. Er wollte nicht, dass sie ihre Aufmerksamkeit auf ihn richteten.
„Da muss ich dir zustimmen - sie sind eine Stufe über Umbridge. Aber nur knapp", sagte sie schlicht.
„Was hast du gegen unsere Hüte?", fragte Fred empört.
„Oh, nichts. Ich denke schon, dass viele Menschen es lustig finden, einen Hut von selbst herumfliegen zu sehen. Ich bevorzuge subtileren Humor", antwortete Iris und fegte sich ihr dunkles Haar von der Schulter. „Wenn ihr, sagen wir... die Hüte so verzaubert hättet, dass sie das Gesicht des Trägers in eine Berühmtheit verwandeln. Das wäre lustig. Man könnte einen Freund den Hut zu einer Party tragen lassen und die anderen Gäste mit den eigenen Bekanntschaften beeindrucken. Sehen und gesehen werden, so etwas in der Art. Neid hervorrufen mit einem Rivalen oder potentiellen Geliebten, wenn man mit einem professionellen Quidditch- Star, einem Entertainer... oder sogar Harry Potter auftaucht."
Harry hatte gegrinst, doch es verwandelte sich bei der Erwähnung seines Namens in eine finstere Miene. Ginny stieß ihm den Ellenbogen in die Rippen.
„Ein Quidditch- Spieler, hmm? Jemand wie Oliver Wood?", fragte Fred und hob triumphierend eine Augenbraue.
Iris senkte einen Augenblick den Blick, bevor sie die Achseln zuckte. „Oliver ist Geschichte. Ich würde jemanden... Aktuelleren vorschlagen", sagte sie mit blitzenden Augen.
„Das könnte funktionieren", murmelte Fred, der seinen Kampf mit Iris vergessen hatte und gedankenverloren sein Kinn rieb.
„Natürlich würde es das", erwiderte Iris und wedelte mit der Hand durch die Luft. „Ein slytherin- mäßiger Scherz."
„Du bist eine gerissene Frau, Iris Parkinson", sagte Fred mit einem breiten Lächeln. „Ich kann daran arbeiten. Komm, wir müssen mit George reden. Er ist das Gehirn der Operation – ich bin der Mann für den Witz."
„Das sehe ich." Iris feixte. Sie ließ zu, dass Fred ihre Hand nahm und sie zu der Ecke hinüberzog, wo George und Shannon saßen. George schien überhaupt nicht erfreut über die Unterbrechung.
Es gab einen Augenblick erschütterter Stille, bevor Ron sich zu Harry, Ginny und Hermine umdrehte, die Augen weit aufgerissen. „Sie haben geflirtet? Sie haben sich vor uns allen schöne Augen gemacht."
„Oh, gut beobachtet", versetzte Ginny kichernd.
Hermine lächelte und tätschelte Ron auf den Arm. „Zumindest hast du es diesmal bemerkt, Ron. Du machst Fortschritte."
„Aber... aber... sie ist eine Slytherin", platzte Ron hervor. Seine Augen schweiften zwischen den Mädchen hin und her.
„Naja, der Sprechende Hut hat immer gesagt, dass die Häuser sich vereinen müssen", entgegnete Hermine, die kaum das Lachen zurückhalten konnte.
„Es war nicht so körperlich gemeint", erwiderte Ron hitzig.
„Du meinst übertragen", verbesserte Hermine automatisch.
„Ja genau!", rief Ron, worauf Hermine und Ginny in schallendes Gelächter ausbrachen. Sie sanken auf die Couch, sich gegenseitig stützend, während sie kicherten.
„Total verrückt geworden", sagte Ron. Er schüttelte den Kopf und ging zum Butterbier.
Harry ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Er bemerkte, dass Draco und Dudley in einer Ecke saßen und die anderen im Zimmer mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck beobachteten, den Harry nicht in Worte fassen konnte.
Als Draco Harrys Aufmerksamkeit bemerkte, setzte er sich gerader auf, während die vertraute, eingebildete Miene auf sein Gesicht zurückkehrte. „Was schaust du so, Narbenkopf?", fragte er.
Harry verdrehte die Augen und ignorierte die Stichelei.
„Nenn ihn nicht so", keifte Ginny und stellte sich neben ihn. Ihre Augen blitzten hitzig. Anscheinend nahm sie mehr Anstoß an der Bezeichnung als er.
„Würdest du den Titel lieber für dich haben?", fragte Malfoy feixend. „Partnerlook. Ist das nicht erbärmlich süß?"
Instinktiv schoss Ginnys Hand an ihre Stirn, wo ihr rotes Mal zu sehen war.
„Das reicht, Malfoy", blaffte Harry, der rot sah, und ging einen Schritt auf den Blondschopf zu. „Das ist ihre Party und du wirst es ihr nicht verderben."
„Mach dir nicht in die Hosen, Potter. Ich werde die Heimkehr deiner Freundin schon nicht ruinieren", sagte Draco und nahm einen Schluck von seinem Butterbier, während er ein sorgsames Auge auf Harrys Zauberstab hielt.
„Hey, Ginny. Schön zu sehen, dass sie dich endlich entlassen haben", sagte Dudley, der um Draco herumlugte, um Ginny anzulächeln.
Zuvor war Harry belustigt über Dudleys Schwärmerei für Ginny gewesen, sogar doppelt, da sein langsamer Cousin Ginnys Kühle ihm gegenüber noch nicht bemerkt hatte. Aber im Augenblick war er nicht in der Stimmung dafür. Er knirschte mit den Zähnen.
„Dudley", begrüßte Ginny kühl.
„Geht es dir besser?", fragte Dudley.
„Wenn es dich so unglücklich macht, bei uns zu sein, Malfoy, warum gehst du dann nicht einfach? Und zwar dauerhaft", sagte Ron, der sich einen Weg zwischen Harry und Ginny durchbahnte und sich mit verschränkten Armen vor Draco stellte. „Ich meine, keiner wird sich dafür einsetzten, dich hier zu behalten."
Ein unbeschreibbarer Ausdruck flackerte in Dracos Augen auf, bevor ein höhnisches Lächeln seine Lippen umspielte. „Ich würde nichts lieber tun als aus dieser Tür zu treten, Wiesel, aber wieder einmal warte ich darauf, dass Potter es gebacken kriegt und es beendet."
„Also wartest du im Grunde darauf, dass Harry dir den Arsch rettet – schon wieder – und fühlst dich frustriert, dass er es nicht nach deinem Zeitplan tut?", fragte Ron, die Augen verdrehend.
Malfoys Gesicht färbte sich rot. „Ich warte darauf zu sehen, was passiert", erwiderte er mit finsterem Blick.
„Nein", sagte Ron und schüttelte den Kopf. Ein langsames Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Ich denke, du glaubst daran, dass Harry gewinnen wird, du willst es nur nicht zugeben. Es ist genau wie in Azkaban – als die Dementoren hinter dir her waren. Trotz deines ganzen Getues hast du dich an Harry geklammert, damit er dich rausbringt."
„Dementoren?", fragte Dudley, während sein Kopf von einer Seite zur anderen schwang. „Ich habe diese Dementoren gesehen. Sie sind auch hinter mir her gewesen – als ich bei ihm war. Vielleicht lockt er sie an."
Er richtete seinen Finger auf Harrys Brust und schaute beifallheischend zu Draco. Harry beobachtete sie beide unbewegt.
Er war zutiefst schockiert von Dracos Antwort.
„Vergiss die Dementoren", sagte der Blondschopf und sah Dudley finster an. Er wich Harrys Blick aus, lächelte Ron aber höhnisch an. „Ich will nicht über Azkaban sprechen."
„Warum? Habe ich da einen empfindlichen Nerv getroffen?", fragte Ron kriegslustig.
„Beruhige dich, Ron", sagte Harry, wissend, dass Dracos Erinnerungen von dieser Expedition nicht besser sein konnten als seine eigenen. „Lass uns nicht Ginnys Party verderben."
Dracos Augen zeigten kurz Überraschung, bevor er sich umdrehte und zu Pansy fortstolzierte, die gerade die Treppe herunterkam und die versammelten Weasley anfunkelte.
„Ich hole etwas zu essen", murmelte Ron und bewegte sich auf den Essenstisch zu.
„Kommst du mit?", fragte Ginny und zog an Harrys Hand.
„Gleich", sagte Harry und starrte Dudley an, der ohne Dracos Gesellschaft verloren wirkte. „Einen Moment noch."
Ginny sah Dudley wachsam an, bevor sie nickte und sich zu Ron und Hermine an den Essenstisch gesellte.
„Dudley", sagte Harry und nickte ihm zu. Er war nicht sicher, weshalb er sich überhaupt mit seinem Cousin auseinandersetzte. Es war mehr als wahrscheinlich, dass Dudley einen Streit vom Zaun brechen würde, doch die Neugierde, wie Dudley mit seinem Unterricht zurechtkam, war zu stark.
„Ich höre, die Professoren haben dir etwas magischen Unterricht erteilt", sagte Harry steif. Das Wort „magisch", kam ihm nur schwer über die Lippen. Im Ligusterweg hätte es als verdorbene Sprache gegolten.
„Ja", erwiderte Dudley, der seinerseits Harry wachsam beäugte. „Sie haben mir Sachen gezeigt."
„Gut", machte Harry. Er wusste nicht, was er sagen sollte. In all seinen Jahren im Ligusterweg hatte er noch nie eine zivilisierte Unterhaltung mit Dudley geführt.
„Sie haben mir Zeugs über dich erzählt", fuhr Dudley stirnrunzelnd fort. „Keiner von ihnen will auch nur ein Wort gegen dich hören. Es treibt Draco in den Wahnsinn, Mann", sagte Dudley. Seine Augen schweiften durch den Raum zu Draco.
Harrys Herz schwoll vor Zuneigung, als er hörte, dass seine Professoren auf seiner Seite standen. Das war in der Grundschule ganz sicher nicht vorgekommen.
„Tja, glaub nicht alles, was du hörst", erwiderte er und hob die Schultern.
„Was ist mit dir und Draco und den Dementoren passiert?", wollte Dudley wissen.
„Ein paar von ihnen haben uns angegriffen – genauso wie sie es bei dir und mir getan haben", erwiderte Harry unbehaglich. „Dementoren sind schreckliche Kreaturen."
„Ja", stimmte Dudley schaudernd zu.
„Was hast du gesehen?", erkundigte Harry sich. Er hatte es sich schon immer gefragt – was Dudley Dursley sah, wenn die Dementoren zu nah kamen.
Dudley sah zu Boden und scharrte mit dem Fuß. „Deinen Schrank", sagte er kaum hörbar.
„Wie bitte?", fragte Harry erstaunt.
„Ich habe deinen Schrank gesehen", sagte Dudley etwas lauter. Er wich seinem Blick aus. „Nur, dass ich drinnen war... und meine Eltern haben Sachen gesagt. Was macht das schon für einen Unterschied? Was siehst du?"
Harry trat überrascht zurück. Dudley fürchtete, dass seine Eltern sich gegen ihn wenden und ihn so behandeln würden, wie sie es immer mit Harry getan hatten. Plötzlich spürte er eine Woge von Sympathie für seinen Cousin. „Ich höre auch meine Eltern", antwortete Harry leise. Er wollte nicht mehr sagen.
„Hören alle ihre Eltern?", wollte Dudley verwirrt wissen.
Harry schüttelte den Kopf. „Nicht, wenn man Glück hat", flüsterte er. „Aber ich wette, Draco tut es auch."
„Professor McGonagall hat mir gesagt, dass deine Eltern nicht bei einem Autounfall gestorben sind", sagte Dudley und starrte ihn unverwandt an.
„Nein", erwiderte Harry. Hagrid hatte dasselbe gesagt, als er Harry von den Dursleys aufgesammelt hatte, doch er vermutete, dass Dudley etwas abgelenkt gewesen war von dem Schweineschwanz, den Hagrid ihm verpasst hatte.
„Sie sagte, dass sie von demselben Psychopath umgebracht worden sind, der jetzt dich töten will, und dass er auch dich damals versucht hat zu töten", fuhr Dudley fort. Seine Augen verengten sich, als sein Blick auf Harrys Narbe fiel, als würde er gerade erst seine Bedeutung realisieren.
Harry wusste, was Dudley erwartete, deshalb nickte er lediglich.
„Du machst dir große Feinde", sagte Dudley, offensichtlich beeindruckt.
Harry konnte sich nicht mehr zusammenreißen. Er warf seinen Kopf zurück und lachte. Vielleicht war es die gewaltige Untertreibung oder einfach weil er tatsächlich eine Unterhaltung über magische Dinge mit Dudley führte. Vielleicht war es auch Dudleys offensichtlicher Respekt dafür, dass jemand Harry wirklich so hassen konnte, aber plötzlich kam es Harry ungeheuer komisch vor.
Tränen stiegen in seine Augenwinkel, während Dudley ihn wieder so ansah, wie er es immer zu tun pflegte – als wäre Harry eine instabile Zeitbombe, die dem Explodieren nahe war. Das fand Harry noch komischer und er musste sich am Tisch festhalten. Dudley nickte vorsichtig und hastete davon.
„Alles in Ordnung?", erkundigte sich Ginny, die an seiner Seite erschien.
Endlich ging Harrys Lachanfall in kleine Gluckser über. „Es könnte nicht besser sein", erwiderte und küsste sie auf den Scheitel. „Komm. Lass uns etwas zu essen holen."
Resigniert trottete Harry den Korridor entlang, in der Hoffnung, einen Happen in der Küche aufzutreiben, bevor er sich in sein warmes Bett flüchtete. Er war todmüde und fühlte sich, als könne er gleich im Stehen einschlafen. Jedes Mal, wenn seine Augen zusammenfielen, fuhr er wieder hoch und immer wieder stieß seine Schulter gegen die Wand, während er vorwärtstappte. Der Trainingstag war anstrengend gewesen. Kingsley Shacklebolt hatte ihn gedrillt und Harrys Muskeln beschwerten sich lauthals über die Misshandlung.
Nun da Ginny sich von ihren Verletzungen erholt hatte, fühlte Harry sich bereit, Voldemort entgegenzutreten. Er wusste mit dem Vergehen jedes Tages, dass er es vor sich hin schob, doch er war noch nicht bereit, sich zu verabschieden. Er wusste, dass Ron, Hermine und Ginny bis zum Ende an seiner Seite stehen wollten, doch er zögerte, es zuzulassen. Was, wenn Voldemort einen fatalen Angriff startete, bevor Harry ihn mit durch den Schleier ziehen konnte? Voldemort würde sich dann umdrehen und auf der Stelle Harrys Freunde töten. Harry wollte ihnen wenigstens eine Chance geben, sich in ein Versteck zu flüchten, falls sein Plan scheitern sollte.
Aber was, wenn Voldemort nicht von selbst im Ministerium auftauchte, nachdem Harry die geistige Verbindung aufgebaut hatte? Sein Plan war es, dass Voldemort ihn allein in der Mysteriumsabteilung sah, doch das garantierte nicht, dass er so reagierte, wie Harry es wollte. Wenn er andere Todesser mitbrachte, würde Harry die Hilfe seiner Freunde brauchen, ihm die Todesser vom Leib zu halten, während er mit ihrem Anführer kämpfte. Harry war unangenehm bewusst, dass Voldemort plante, ihn gefangen zu nehmen und nicht zu töten. Voldemort wollte ihn gefangen halten, sicher weggeschlossen. Er schauderte bei dem Gedanken – der Tod wäre gnädiger als dieses Schicksal.
Außerdem war da noch die einfach Wahrheit, die er sich nicht zugestehen wollte – dass er Angst hatte, allein zu sterben.
Er fuhr sich mit einer Hand durchs Haar und seufzte müde. Ob er sich nun bereit fühlte oder nicht, es war an der Zeit. Er musste dem ganzen ein Ende setzen. Die Menschen, die im Schloss festsaßen, mussten in ihre Leben zurückkehren. Diese Dunkelheit musste aufgehoben werden. Er war froh, dass er und Dudley sich in diesen letzten Tagen tatsächlich miteinander verstanden hatten. Da er wusste, dass Dudley fürchtete, seine Eltern würden ihn genauso behandeln wie Harry, vermied er es, in Anwesenheit von Tante Petunia oder Onkel Vernon mit Dudley zu sprechen. Außer Sichtweite jedoch tauschten wie ab und zu ein paar Nettigkeiten aus.
Selbst mit Draco gelang ihm eine Handvoll höflicher Worte. Vielleicht war das das erste Zeichen einer verkehrten Welt. Dennoch fühlte es sich gut an, alles in Ordnung gebracht zu haben, bevor er seiner Pflicht nachkommen musste. Er hatte seine Brief an Hedwig gegeben und sie angewiesen, sie auszutragen, nachdem er fort war. Da er wusste, wie unzuverlässig Errol im Alter geworden war, hatte er Hedwig aufgetragen, danach bei Mrs. Weasley zu bleiben. Sie hatte sich immer um ihn gekümmert, mit Sicherheit würde sie auch für Hedwig sorgen.
„Hey! Worüber denkst du nach?", fragte Ginny, die neben ihm auftauchte.
Harry fuhr zusammen und tastete blind nach seinem Zauberstab.
„Du siehst aus, als wärst du in einer anderen Welt. Ich hoffe, es ist eine schöne Welt", sagte sie und ließ ihre Hand in seine gleiten. Ihr Hinken schien an diesem Abend besonders ausgeprägt, deshalb verlangsamte er seine Schritte.
„Sorry", sagte er. „Langer Tag. Ich bin auf dem Weg zur Küche, um mir etwas zu stibitzen. Willst du dich mir anschließen?"
„Nein! Du kannst nicht in die Küche", entgegnete Ginny und schüttelte den Kopf. „Ich habe sowieso eine bessere Idee."
„Warum kann ich nicht in die Küche?", wollte Harry wissen, verärgert, als sein Magen knurrte. „Was meinst du damit, du hast eine bessere Idee?"
Ginny zog an seiner Hand, bis er sich in eine andere Richtung ziehen ließ. „Ron und Hermine haben ein Date dort", sagte sie schlicht.
„Ein Date?", fragte Harry mit erhobener Augenbraue.
„Ja. Hermine und ich haben entschieden, dass es zu lange her ist, da wir das letzte Mal die Gelegenheit hatten, etwas Zeit mit unserem Freund zu verbringen. Also haben wir uns jede einen Ort ausgesucht und unseren Abend geplant", erwiderte sie. „Natürlich hatte ich nicht geplant, dass diese Auroren dich so lange aufhalten, dass du beinahe unser Date verpasst hättest."
Plötzlich fühlte Harry sich nicht mehr ganz so müde oder verstimmt. „Und Hermine hat sich die Küche ausgesucht?", fragte er.
„Fällt dir ein Ort ein, den Ron romantischer finden würde?", entgegnete Ginny trocken.
„Auch wieder wahr", sagte er lachend. „Also? Wohin gehen wir?"
„Nach oben", antwortete Ginny, während sie die Treppen hochstiegen.
„Darauf bin ich schon selbst gekommen, Ginny", sagte Harry.
„Dann hör auf zu reden und geh einfach weiter", erwiderte sie bestimmt.
Harry ließ sich den ganzen Weg hoch in den siebten Stock ziehen. Ginny hielt nicht an, bis sie den Raum der Wünsche erreichten. Nachdem sie dreimal auf und ab gelaufen war, öffnete sie die Tür, worauf der weiße, sandige Strand aus Harrys Traum zum Vorschein kam. Er erstreckte sich in die Ferne, als würden sie einen vollkommen anderen Ort betreten.
„Ginny!", keuchte er.
„Gefällt es dir?", fragte Ginny, die auf ihren Fußballen wippte.
„Und wie", sagte er, während er versuchte, alles in sich aufzunehmen. „Es ist perfekt."
„Zieh deine Schuhe aus", wies Ginny an. Sie schlüpfte aus ihren eigenen und ließ sie am Eingang zurück.
Harry folgte ihrem Beispiel und ließ den Sand durch seine Zehen rieseln. Er war weich und warm und fühlte sich herrlich an. Harry lächelte glücklich, als Ginny seine Hand nahm und ihn zu einem kleinen Lagerfeuer an dem dunkler werdenden Strand führte. Bei der Erinnerung an seinen Traum, warf er einen Blick über die Schulter und war erfreut, zwei Paar Fußspuren zu sehen – seine größer als ihre – die den Sand zierten.
Die Sonne ging langsam über diesem verborgenen Hogwarts- Strand unter und Harry genoss das Farbenspiel, das über das Wasser tanzte. Ginny spieß zwei Würste auf Holzstöcke und reichte einen an Harry weiter.
Er setzte sich und begann, sein Abendessen auf dem offenen Feuer zu grillen Er und Ginny verspeisten Würstchen, toasteten Marshmallows und lachten einander jedes Mal an, wenn sie es geschafft hatten, ihr Essen in Brand zu setzen. Nachdem sie aufgegessen hatte, krempelten sie ihre Jeans bis zu den Knien hoch und wateten in das Wasser, sich gegenseitig nass spritzend.
Es dauerte nicht lange, bis Ginny außer Atem war. Besorgt verlangsamte Harry seine Schritte und wartete darauf, dass ihre Atemzüge gleichmäßiger wurden.
„Ich vermute, in Zukunft wird es für mich keinen professionellen Quidditch geben", stellte Ginny fest. „Mit diesem Humpeln und dem schweren Atmen bezweifle ich, dass ich auf irgendeiner Talentliste zu finden sein werde."
„Es wird nicht für immer sein", entgegnete Harry bestürzt. „Dein Atmen ist in letzter Zeit sehr viel besser geworden. Jetzt ist es nur, weil wir gerannt sind."
Ginny kicherte. „Es war nur ein Scherz, Harry. Ich habe sowieso noch nie an eine professionelle Quidditch- Karriere gedacht. Ich liebe nur das Spielen. Du bist das Naturtalent – vielleicht solltest du es in Erwägung ziehen."
Harry rümpfte die Nase. „Und die ganze Zeit diese Interviews durchstehen? Nein, danke."
Ginny schnaubte. „Ich denke, du wirst sie sowieso die ganze Zeit durchstehen müssen, Harry. Solltest dich langsam daran gewöhnen."
Harry lächelte, als ihm bewusst wurde, dass er für einen Augenblick so tun konnte, als wären Ginnys Pläne tatsächlich möglich. Er liebte es, dass sie ihm dieses Gefühl geben konnte.
„Was willst du nach dem Krieg tun – wenn du mit der Schule fertig bist?", fragte Harry neugierig.
„Du meinst, außer mit dir Babys zu machen?", entgegnete sie mit funkelnden Augen.
Harry spürte, wie sein Gesicht sich rot färbte, als hätte er den ganzen Tag in der prallen Sonne verbracht. „Äh..."
Ginny lachte laut und schob ihn wieder auf das Wasser zu. „Ich weiß nicht. Definitiv nichts, das einen Schreibtisch beinhaltet", erwiderte sie.
„Wie wär's mit Aurorin? Oder vielleicht Fluchbrecher wie Bill?", schlug Harry vor.
„Fluchbrechen klingt lustig, aber es ist Drecksarbeit mit vielen Goblin- Regeln. Ich denke nicht, dass es mir gefallen würde. Aurorin wäre eine Option oder Heilerin für die Unfallstation", sagte sie nachdenklich.
„Was machen die denn?", wollte Harry stirnrunzelnd wissen.
„Sie bereinigen größtenteils Apparierunfälle, aber prinzipiell retten sie Hexen und Zauberer, die sich in Schwierigkeiten gebracht haben, und machen rückgängig, was auch immer sie für einen Unsinn angestellt haben", erklärte sie.
„Ich kann mir dich in so einer Arbeit gut vorstellen", sagte Harry.
„Ich könnte sie retten und Hermine könnte sie aufpäppeln – wir würden ein gutes Team abgeben", überlegte Ginny lachend.
„Meinst du, Hermine will Heilerin werden?", fragte Harry.
„Ich denke, der Beruf würde zu ihr passen, und sie hat mit Sicherheit ein Interesse dafür entwickelt, seit sie verletzt worden ist", antwortete Ginny. „Und du und Ron, ihr werdet die Auroren."
„Ja", sagte Harry leise. Wieder stiegen Zweifel in ihm auf, dass er Teil ihres Traumes sein würde.
Nachdem die Sonne untergegangen war und der Mond hell über das Wasser schien, kehrten sie zu ihrem Lagerfeuer zurück und setzten sich auf eine Decke, um den krachenden Wellen zu lauschen.
„Gefällt dir unser Date, Mr. Potter?", fragte Ginny. Sie kuschelte sich an Harrys Seite und legte ihren Kopf auf seine Schulter.
„Das ist unser Bestes bisher", erwiderte Harry und zog sie an sich.
„Oh, ich weiß nicht. Wenn ich mich recht entsinne, war mein Geburtstag ziemlich schön. Du hast sogar mit mir getanzt", sagte sie glucksend.
„Deshalb ist es dieses Mal besser", entgegnete Harry. Er drückte seine Finger in ihre Seite und kitzelte sie, bis sie um Gnade bettelte.
„Ich liebe dich, Ginny", sagte er glücklich, ließ sich auf den Rücken fallen und breitete die Arme weit aus.
Etwas verstimmt darüber, den „Kitzelkampf" verloren zu haben, blickte Ginny ihn einen Augenblick lang an, bevor ihre Züge sanfter wurden. „Ich liebe dich auch, Harry", flüsterte sie.
Nicht länger müde war Harry sich jeder Stelle bewusst, an der ihr Körper seinen berührte. Seine Haut brannte, während Blut in seinen Venen pumpte. Er rollte sich auf die Seite und fuhr ihr leicht mit einem Finger am Gesicht entlang.
Ginny schnappte leise nach Luft und beugte ihr Gesicht zu ihm. Er lehnte sich vor und nahm ihre Lippen mit seinen gefangen. Seine Zunge fuhr über ihre Unterlippe und bat um Einlass. Ihr Mund öffnete sich unter seinem und lud ihn ein, den Kuss zu vertiefen. Sie strich mit ihren Fingern durch sein Haar und zog seinen Kopf näher.
Ihre Finger fühlten sich wie Federn an, während sie sanft an seinem Gesicht hinunter über seine Schultern fuhren. Ihre Leidenschaft baute sich schnell auf und Harry wusste, dass er nahe dran war, seine Kontrolle zu verlieren. Seine hormongesteuerte Teenager- Seite war versucht, alle Vorsicht in den Wind zu schlagen und dem Begehren seines Körpers nachzugeben, doch der kleine Teil geistiger Klarheit, der selbst seine aufgewühlten Hormone im Zaum halten konnte, war der Gedanke, dass Voldemort nicht auch noch diesen Moment kontrollieren sollte.
Er hatte jeden anderen Teil von Harrys Leben beeinflusst und heimgesucht. Wenn Harry endlich diesen letzten Schritt mit Ginny vollzog, war er entschlossen, es nur um ihrer selbst willen geschehen zu lassen – trotz der Tatsache, dass sein Körper lautstark gegen die Zurückhaltung protestierte. Zur Hölle, die erwartungsvolle Vorfreude allein war genug, in ihm den Willen hervorzurufen, zu ihr zurückzukehren ... auf welche Weise auch immer.
Der Mond schien hell über ihnen, die sanfte Brise zerzauste ihr Haar und Sand klebte an ihrer Haut und nassen Kleidung, doch sie beide bemerkten nichts davon. Ihre ganze Aufmerksamkeit war aufeinander gerichtet, während sie sich küssten, bis sie zu ihren Schlafsälen zurückkehren mussten.
Für den Rest der Woche trafen Harry und Ginny sich noch einige Male an ihrem Strand. Ein paar Mal hatten sie sogar Ron und Hermine mitgenommen, damit sie das Ferien- Gefühl teilen konnten. Harry hatte entschieden, dass er am folgenden Wochenende seine Pläne in die Tat umsetzen würde, doch vorher würde er noch eine spaßerfüllte Woche mit seinen Freunden verbringen. Er hoffte, ihnen zumindest gute Erinnerungen an ihn zu hinterlassen, nachdem er fort war.
Eines Abends nach dem Abendessen bestand Ginny darauf, einen Teil der Schulaufgaben nachzuholen, die sie vernachlässigt hatte, während sie sich am Strand vergnügt hatten. Ron und Hermine waren zusammen verschwunden, so dass Harry beschloss, zu Hagrids Hütte hinunterzugehen und seinem alten Freund einen Besuch abzustatten. Hagrid war nach Professor Dumbledores Tod nie mehr derselbe gewesen und Harry hoffte, dass er seine Überschwänglichkeit wiedergewinnen würde, sobald der Krieg vorüber war.
Während er den Pfad entlanglief und all das neue Frühlingswachstum bewunderte, bemerkte er das kurze Aufblitzen von etwas Silbernem am Rand des Waldes. Neugier stieg in ihm auf. Er zückte seinen Zauberstab und wandte sich wachsam zum Wald. Er hatte ihn gerade erst betreten, als er wieder den Blitz sah und realisierte, wer es war.
„Was machst du hier draußen, Pansy?", rief er. Er hielt an und packte seinen Zauberstab. Er würde sich nicht von dem Slytherin- Mädchen in den Wald führen lassen.
Pansy fuhr herum. Die Kapuze ihres silbernen Umhangs fiel von ihrem Kopf herunter. Harry war erschüttert zu sehen, dass sie weinte. Sie hatte dicke schwarze Streifen unter ihren Augen und machte sich nicht die Mühe, sie abzuwischen, als sie Harry sah. Weinende Mädchen verschafften ihm immer ein unbehagliches Gefühl und plötzlich fühlte er sich hilflos.
„Pansy", sagte er und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. „Äh... alles in Ordnung?"
„Nein", antwortete sie schniefend. „Hast du Draco gesehen?"
„Draco?", fragte Harry verblüfft. Erst jetzt realisierte er, dass der Blonde an diesem Abend nicht in der Großen Halle gewesen war. Nun, da er darüber nachdachte, fiel ihm auf, dass er auch Dudley nicht gesehen hatte.
„Er wollte sich mit mir zum Abendessen treffen, war aber nicht da", sagte Pansy. Sie drehte sich um und starrte in die Bäume. Sie ging wieder auf sie zu, doch Harry bewegte sich nicht von der Stelle.
„Dudley war auch nicht da. Vielleicht sind sie in ein Kartenspiel vertieft oder so", sagte Harry. „Warum glaubst du, dass er im Wald sein sollte?"
Pansy erstarrte, immer noch abgewandt. „Du könntest Recht haben", sagte sie hastig. „Er hat in letzter Zeit viel Zeit mit diesem Schlammblut- Trottel verbracht."
Harry wusste, dass Pansy Dracos Neigung zu Draco nicht teilte. Immer wieder wirkte sie verärgert, wenn sie die beiden Blondschöpfe zusammen fand. Natürlich schien sie die neue Zuneigung ihrer Schwester zu Fred zu verabscheuen. Pansy hatte nicht den Eindruck erweckt, dass sie sich aus irgendeinem von ihnen etwas machte.
Als hätte sie realisiert, dass sie gerade Harrys Cousin beleidigt hatte, drehte sie sich um und schaute ihn vorsichtig an.
„Äh... ich meine..."
Harry blickte sie finster an. Er war sicher, dass sie etwas zu verbergen versuchte. „Du hast meine Frage nicht beantwortet. Warum meinst du, er könnte im Wald sein, wenn er sich nicht mit dir zum Abendessen getroffen hat?"
Pansy biss sich auf die Lippe, anscheinend mit sich ringend. „Warum sollte ich es dir sagen?", verlangte sie, als hätte sie endlich entschieden, dass Trotz ihr bester Ausweg war. Ihre Augen schweiften immer wieder zu den Bäumen, als würde sie in Erwägung ziehen davonzulaufen.
„Weil ich der einzige hier bin, der dir helfen könnte", erwiderte Harry im Wissen, dass keiner der Weasleys mit Draco warm geworden war.
Pansys Gesicht fiel zusammen und sie rang die Hände. Harry fand, dass sie das Melodram etwas zu weit trieb, behielt es aber für sich.
„Draco hat sich in letzter Zeit ein bisschen verzweifelt gefühlt", jammerte sie. Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen und schniefte. „Ich fürchte, er hat etwas Leichtsinniges getan."
„Was meinst du mit leichtsinnig?", wollte Harry wissen, während sein Herz einen Satz tat.
Pansy wischte sich ihre Nase am Handrücken ab. „Er hat sich seit dieser dummen Willkommensparty für die Weaslette komisch benommen. Er redet immer wieder von seinem Vater und seinen Möglichkeiten. Ich muss ihn finden", stöhnte sie.
„Was ist mit seinen Möglichkeiten?", fragte Harry.
„Um Merlins Willen, willst du jetzt endlich mit den Fragen aufhören und mir helfen, ihn zu suchen? Er kann nicht weit sein", sagte Pansy. „Komm schon. Ich habe noch nicht da drüben nachgesehen", sagte sie und deutete tiefer in den Wald.
„Ich gehe nirgendwo mit dir hin, Pansy, bis du mir genau erzählst, was vor sich geht", beharrte Harry und verschränkte die Arme vor der Brust.
Pansy schimpfte empört los: „Oh, was für ein Held du doch bist! Du solltest lieber hoffen, dass ihm nichts passiert ist, weil es deine Schuld ist, falls er in Schwierigkeiten stecken sollte."
„Wie kommst du darauf, dass es diesmal meine Schuld ist?", fragte Harry genervt.
„Du bist derjenige, der dieser Sache ein Ende setzen soll, richtig? Draco sitzt fest, bis du es endlich gebacken kriegst, und er ist zu stolz, um sich zurückzulehnen und lange Zeit nichts zu tun", sagte Pansy mit finsterer Miene.
„Ist nicht meine Schuld, wenn er ein Idiot ist", murmelte Harry und blickte zum dunkel werdenden Himmel empor. Wenn Malfoy wirklich in den Wald gewandert war, würde es bald dunkel sein. Harry behagte es nicht, allein in der Nacht durch den Wald zu gehen, geschweige denn mit Malfoy oder wem auch immer er dort über dem Weg laufen würde.
„Er ist kein Idiot", widersprach Pansy wutschäumend. „Er hat mehr Gehirnzellen in seinem kleinen Finger, als du jemals für dich erhoffen könntest."
Harry verdrehte die Augen. „Pansy, es wird dunkel. Wenn er wirklich dort draußen ist, werden wir Hilfe brauchen. Lass uns wieder reingehen und ihn suchen, bevor wir in Panik ausbrechen."
„Bis dahin könnte es zu spät sein", rief sie mit schriller Stimme.
„Ich weiß, dass im Turm etwas ist, das uns verraten wird, ob er im Schloss ist oder nicht. Es ist besser, als blind zu suchen", sagte Harry. Er wandte sich um in der Hoffnung, dass sie ihm folgen würde. Er wollte sie wirklich nicht hier draußen alleinlassen.
„Keine Bewegung, Potter", keifte sie.
Etwas in ihrer Stimme ließ ihn innehalten und über die Schulter blicken. Sie hatte ihren Zauberstab gezogen und ihn auf seinen Rücken gerichtet. Er wusste, dass sie schlecht im Duellieren war und es nicht geschafft hatte, in ihrer ZAGs genug Punkte zu bekommen, um im letzten Jahr am Verteidigungsunterricht teilnehmen zu können. Dennoch wollte er es nicht drauf ankommen lassen. Langsam herumdrehend, beobachtete er sie genau, während sie nach vorn trat.
„Versuch nichts Dummes, Potter. Ich scheue mich nicht davor, den hier zu benutzen", sagte sie und wedelte mit den Zauberstab in der Luft.
Harry hielt seinen Blick auf den Zauberstab gerichtet, während er sich bemühte, bei ihrer übertriebenen Selbstsicherheit nicht laut aufzuschnauben.
„Alle denken, ich kann meinen Zauberstab in einem Duell nicht halten", sagte Pansy. „Aber ich habe dich gekriegt, nicht wahr?"
„Ja, du hast mich tatsächlich gekriegt, Pansy", sagte Harry und ließ langsam seinen Fuß nach vorn gleiten. „Was hast du vor?"
„Du wirst mit mir kommen", antwortete sie und zielte wieder mit ihrem Zauberstab auf ihn.
Harry bemerkte, dass er leicht in ihren behandschuhten Händen zitterte. Vage wunderte er sich, warum sie so warm gekleidet war. Die Nachtluft war nicht so kühl. „Wohin gehen wir?", wollte er in einem neutralen Tonfall wissen.
Pansys Blick flog auf die Bäume zu, um nach einer Lücke zum Durchtreten zu suchen. In diesem Augenblick der Ablenkung zog Harry blitzartig seinen Zauberstab.
„Expelliarmus", rief er. Pansys Zauberstab flog in einem geschmeidigen Bogen durch die Luft und landete in seine ausgestreckte Hand.
Das letzte, das Harry geschockt sah, war Pansys feixendes, triumphiertes Gesicht, bevor er den vertrauten Ruck hinter seinem Bauchnabel spürte. Sein Magen sank vor Furcht, während der Portschlüssel ihn forttrug.
