Braun gebrannt und selbstbewusst wie immer lief David durch den Berliner Flughafen. Nichts hatte ihn in Tasmanien halten können, als er von Lisas Schwangerschaft erfahren hatte. Ihre Bitte, er möge zu ihr kommen, hatte nur ihr Übriges getan. Vermutlich wäre er auch ohne sie nach Berlin gekommen. Es ging ja immerhin um Lisa und den gemeinsamen Nachwuchs! Beide mussten doch jetzt beschützt werden und das von ihm! Lisa hatte ihn so oft gerettet, seit er sie kannte. Jetzt war es an ihm, ihr in diesem Zustand genau die Unterstützung zukommen zu lassen, die er von ihr erfahren hatte. „Nach Göberitz!", verlangte David, nachdem er in einem Taxi Platz genommen hatte. „Dis wird aber nicht billich", erklärte der Fahrer ihm. „Das ist mir egal. Meine Frau ist in Göberitz", erklärte David. „Meine schwangere Frau ist in Göberitz", verbesserte er sich dann. „Es wird eine Überraschung. Ich habe ihr noch nicht gesagt, dass ich so schnell einen Flieger gekriegt habe. Ich bin ja schon so aufgeregt. Ich meine, ich werde Vater. Wie genial ist bitte das?!" – „Ähm, das ist der Lauf der Natur, mein junger Freund", lachte der Taxifahrer. „Nach Göberitz zur Angetrauten also. Na dann, auf geht's."
„Lisa!", sprang David überschwänglich aus dem Taxi. „David!", freute diese sich. Sofort ließ sie ihre Harke fallen und rannte auf ihren Mann zu. „Wieso bist du schon hier? Bist du Superman und selbst geflogen oder wie?", lachte sie. „Hast du etwa im Vorgarten deiner Eltern gearbeitet?", wollte David entsetzt wissen. „In deinem Zustand?" – „David, ich bin schwanger, nicht totsterbenskrank", schmunzelte Lisa. „Trotzdem… du rührst ihr keinen Finger mehr. Auf dem Boden herumkriechen, dich bücken, der ganze Schmutz. Nein, kommt gar nicht in Frage." – „Aber ich habe meiner Mama versprochen, dass…" – „Deine Mutter lässt das einfach so zu?" Davids Tonfall wurde immer entsetzter. „Ja, ich meine… schwanger, David, ich bin schwanger. Ich kann doch nicht die nächsten neun Monate nichts tun." – „Oh doch, das wirst du. Wenn der Vorgarten unbedingt gemacht werden muss, dann mache ich das, aber du legst dich in die Hollywood-Schaukel mit einer Decke und einem guten Buch und entspannst." Ohne Widerworte zu dulden, ging David zurück zum Taxi, in dem ja immer noch sein Seesack lag. „So", verkündete er, als er das schwere Gepäckstück zu Lisa herübergetragen hatte. „Den bringe ich dann mal in dein Zimmer, okay?" – „Wir bleiben also hier und gehen nicht in die Villa?", fragte Lisa, die eigentlich damit gerechnet hatte, dass David sich gegen einen Aufenthalt in Göberitz sträuben würde. Du passt da einfach nicht hin, hatte er ihr auf ihrer Segeltour so oft gesagt. Du bist so ganz anders als die Leute da. „Wieso nicht? Du willst doch hierbleiben, das weiß ich doch und irgendwer muss doch den Vorgarten machen", grinste David breit.
