„Lisa, um Himmels Willen, was ist dir denn da passiert?", bestürmte Jürgen seine beste Freundin einige Tage später. „Das war ein Unfall. David hat…" – „Er schlägt dich!", schrie Jürgen förmlich. „Du hörst nicht zu. Es war ein Unfall. Ich stand zu dicht bei ihm und er hat sich zu schnell umgedreht." – „Aha", gab Jürgen sich scheinbar mit dieser Begründung zufrieden. „Du würdest mir doch sagen, wenn etwas Ernstes wäre, oder?" – „Oh ja, es ist sehr ernst: Ich liebe David, ich bin mit ihm verheiratet und bald werde ich die Mutter seines Kindes", lachte Lisa den Kioskbesitzer an. „Und du bist mit seiner Faust zusammengestoßen." – „Das war ein Unfall", wiederholte Lisa eindringlich. „Du weißt nicht zufällig, warum David mich hierher bestellt hat?", wechselte sie dann das Thema. „Nein, aber wenn das mit deiner Wange kein Unfall war, dann trifft er hier jemanden, der ihm…" – „Es WAR ein Unfall", bestätigte Lisa langsam genervt.

„Pünktlich wie ein Uhrwerk, das ist mein Mädchen", freute David sich, als er den Kiosk betrat und seine Frau auch sogleich erspähte. „Dann können wir ja gleich los." – „Wohin denn, David?", wollte Lisa wissen. „Das ist eine Überraschung", grinste David sie an. „Wenn ich dir das jetzt verrate, dann ist die ja hin. Das geht ja mal gar nicht. Komm, mein Wagen steht draußen." Fürsorglich legte David seinen Arm um Lisas Schultern. Unter Jürgens kritischem Blick führte er sie nach draußen.

„Und, was sagst du?", strahlte David seine Frau an. „Das ist doch eine tolle Wohnung, oder? Der Boden ist echter Marmor. Zwei Bäder, Dachterrasse, voll möbliert." Wortlos betrachtete Lisa das Edel-Penthaus, in das David sie gebracht hatte. „Es ist… schön", druckste sie dann leise herum. „Aber nicht unser Stil, oder? Ich meine, eine Nummer kleiner würde es auch tun. Echter Marmor, David? Wir werden in ein paar Monaten ein Kleinkind haben, das krabbeln will. Hältst du echten Marmor da für angemessen?" – „Es gefällt dir also nicht", schlussfolgerte David gereizt. „Doch, aber… nun ja… das ist mehr dein Stil… der Stil deines alten Ichs als meiner." – „Soll ich etwa so ein olles, verdrecktes Loft für meine Familie mieten – so wie Kowalski?" Lisa zuckte merklich zusammen. „Was hat den Rokko damit zu tun?", fragte sie verdattert. „War ein Schuss ins Blaue… Wenn dir das hier nicht gefällt, gefällt dir ja wohl sein Stil besser." Davids Tonfall war ungewohnt aggressiv und machte Lisa, wenn sie ehrlich war, ein wenig Angst. „Ich finde die Wohnung sehr schön", lenkte sie sanft ein. „Wunderbar", triumphierte David. „Ich habe sie nämlich schon gemietet. Wir können sofort einziehen. Dann müssen wir nicht mehr bei deinen Eltern sein, keine Rücksicht mehr nehmen und so. Das wird uns auch guttun." – „Du hast die Wohnung schon gemietet? Ohne auf meine Reaktion zu warten? Was ist mit dem Mietvertrag? Ich muss doch mit unterschreiben, oder?" – „Ach, mein Mädchen, mach dir nichts viele Gedanken. Wenn ich unterschreibe, reicht das völlig."