Nachdenklich lief Lisa durch ihr neues Zuhause. Vielleicht konnte sie mit der richtigen Deko etwas Herzlichkeit in das sonst so kalte Penthaus bringen. „Mein Mädchen, ich war einkaufen", betrat David die Wohnung laut rufend. „Ich habe die Zutaten für ein wirklich leckeres Abendessen mitgebracht. Was hältst du davon, uns etwas Leckeres zu kochen?" Lisa riss sich aus ihren Gedanken und ging zu David. „Hey, schön, dass du so schnell wieder hier bist. Ich koche uns gerne etwas. Hilfst du mir? Wir haben so lange nicht mehr gemeinsam gekocht." – „Nee, mach mal alleine. Im Fernsehen kommt Golf, das würde ich gerne sehen", lehnte David das Angebot ab. „Morgen vielleicht, okay?" – „Oh… okay", zwang Lisa sich zu lächeln.

Enttäuscht von Davids Verhalten griff Lisa nach den Einkaufstüten. Mal sehen, was David gekauft hatte und was sie daraus schönes zaubern konnte. Salat, na das war ja noch einfach. Kartoffeln, das ging auch noch – schälen, kochen oder braten, je nach dem, was David noch besorgt hatte. Lisa zog ein unförmiges in Papier eingeschlagenes Etwas aus der Tüte. Was das wohl war? Sie machte sich daran, es zu öffnen. „Oh nein", stammelte Lisa, nachdem ein glubschäugiger Fisch zum Vorschein kam. David wusste genau, dass sie nichts mehr hasste, als Fisch zu zubereiten, der noch nicht ausgenommen war. Es kam ihr dann immer so vor, als würde das Tier sie noch ansehen. Sie wusste genau, dass das albern war, aber sie hatte dann immer Hemmungen. David wusste das ganz genau und in Tasmanien hatte er den Fisch immer für sie ausgenommen. Lisa seufze. Ach ja, Tasmanien. David hatte sich in der kurzen Zeit, die sie jetzt wieder in Berlin waren, sehr verändert. Sie konnte nicht sagen, woran das lag. An der Schwangerschaft vielleicht? Nein, eher nicht. David freute sich wahnsinnig auf das Kind. Daran, dass sie Bruno Kerima überschrieben hatte? Das wohl eher. Es hatte ihn getroffen, dass sie das getan hatte. Wieso hatte sie auch nicht mit ihm darüber gesprochen? Sie war auch ein Schaf. Deshalb hatte sie keinen Streit provoziert, als David einfach so das Penthaus gemietet hatte. Er hatte ja nur getan, was sie auch getan hatte und so schlecht war die neue Wohnung ja auch nicht. Lisa betrachtete angeekelt den Fisch. Dieser schien sie anzusehen und einen Augenblick war Lisa sich sicher, er hätte sein Maul bewegt. Mit einem Mal spürte sie, wie Übelkeit in ihr aufstieg. Hektisch rannte sie ins Bad.

„Alles in Ordnung mit dir?", wollte David wissen, als Lisa erschöpft aus dem Badezimmer kam. Er machte sich nicht einmal die Mühe, vom Fernseher aufzusehen. „Morgenübelkeit nennt man das wohl", zuckte Lisa mit den Schultern. „Um die Uhrzeit?" – „Das Baby weiß nicht, wie spät es ist. David… ähm… der Fisch, den du besorgt hast… der ist nicht ausgenommen." – „Und?", fragte der Angesprochene. „Dann nimmst du ihn eben aus. Du erwartest doch jetzt nicht, dass ich das mache? Ich sehe mir diese Sendung hier an."

„Das Essen war köstlich, mein Mädchen", lobte David das Mahl, das seine Frau ihm trotz des Horrors, den sie vor dem Ausnehmen des Fisches hatte, zubereitet hatte. „Danke", lächelte Lisa gequält. „Du hast sehr wenig gegessen", stellte David fest. „Dabei ist das jetzt so wichtig – wegen der Schwangerschaft." – „Ich weiß. Ich war einfach nicht hungrig." – „Was hältst du davon, wenn du das Geschirr in den Spüler räumst und ich uns einen Drink mache – alkoholfrei für dich natürlich", schlug David vor. „Gerne", nahm Lisa das Angebot an. Insgeheim wünschte sie sich aber, David würde sich um den Abwasch kümmern.

Lisa war gerade dabei, den letzten Teller im Geschirrspüler zu verstauen, als plötzlich die ersten Takte von „Bolero" an ihr Ohr drangen. Ehe sie sich versah, hatte David auch schon seine Arme um ihre Taille geschlungen. Erschrocken ließ sie den Teller fallen, der auch gleich in tausend Stücke versprang. „Lass liegen", raunte David ihr zu. Von seiner Leidenschaft getrieben, wanderten seine Hände über Lisas Körper, zogen sie fester an sich, seine Lippen waren mit ihrer Halsbeuge beschäftigt. „David", seufzte Lisa. „David, bitte", flehte Lisa, als ihr Ehemann sie umdrehte und gegen die Wand drückte. „Lass uns wenigstens ins Schlafzimmer gehen." David jedoch hörte nicht. Er hob seine Frau ein wenig an, so dass sie auf seiner Hüfte zu sitzen kam.

Starr vor Angst krallte Lisa sich an David fest. Sie hatte ihr Gesicht an seiner Schulter vergraben und hoffte so, seine Stöße besser abfangen zu können. So kannte sie ihren Mann gar nicht. Er tat ihr weh und merkte es nicht einmal. Plötzlich hielt David inne. Keuchend griff er nach Lisas Gesicht und zwang sie, ihn anzusehen. „Was ist?", wollte er wissen. „Gefällt dir das nicht?" Es lag etwas in Davids Augen, das Lisa Angst machte, das dafür sorgte, dass sie sich nicht traute, einfach „nein" zu sagen. Stattdessen zwang sie sich zu einem lächeln. Als David sich zufrieden mit ihrer Reaktion wieder in Bewegung setzte, begann Lisa so zu stöhnen, wie Yvonne es ihr vor vielen Monaten gezeigt hatte.