„Mein Mädchen lebt nicht mehr?" Schockiert sank David auf einen der Stühle. „Sie ist doch hier im Krankenhaus. Wieso haben Sie ihr nicht geholfen?" Der in den Plan eingeweihte Arzt setzte einen betretenen Gesichtsausdruck auf. „In ihrem Fall kam jede Hilfe zu spät. Wir haben die Blutung übersehen. Als wir es gemerkt haben, hatte sie bereits zu viel Blut verloren, um noch etwas tun zu können." – „Kann ich sie ein letztes Mal sehen?", wollte David wissen. Der Arzt warf den ebenfalls eingeweihten Plenskes einen hilflosen Blick zu. Bernd, der sich sehr zusammenreißen musste, um Jürgens Plan nicht auffliegen zu lassen – zu groß war seine Wut auf David – räusperte sich. „Nein, kannst du nicht. Lisas Leichnam… ist bereits auf dem Weg ins Krematorium. Nach alter Familientradition wird sie so schnell wie möglich eingeäschert." – „Und das beschließt ihr mal eben so, ja?", wurde David aufbrausend. „Ihr seid noch jung, ihr habt euch sicher nie darüber unterhalten, was einmal werden soll, wenn einer von euch beiden stirbt. Darum haben wir dir das abgenommen", bemühte Bernd sich sichtlich, ruhig zu bleiben. „Wir lassen dich wissen, wann sie beigesetzt wird." Mit einem einzigen Blick gab Bernd seiner Frau zu verstehen, dass er sofort gehen wollte, um nicht doch noch eine unbemerkte Äußerung zu machen. Er warf einen schnellen Blick auf die Uhr. Die Zeit müsste gereicht haben, damit Bruno ein paar von Lisas persönlichen Dingen aus dem Penthaus holen konnte.
„Jetzt wird alles gut", versicherte Bruno indes seiner Schwester. Gemeinsam saßen sie in Bernds altem Auto. „Jürgen hat dir einen neuen Ausweis besorgt. Okay, Führerschein und Zeugnisse sind damit erstmal hin. Du wirst nicht gleich eine neue Arbeit finden, aber ich schicke dir regelmäßig Geld. Es wird dir an nichts fehlen." Hilflos redete Bruno immer weiter, weil Lisa auf nichts zu reagieren schien. „Das ist nett", seufzte sie letztlich. „Aber das will ich nicht. Ich will nicht wieder in einer Abhängigkeit sein." – „Gut, dann sieh es als Leihgabe – bis zu Fuß gefasst hast." – „Wohin geht es eigentlich?" – „Nach Pinneberg. Das ist soweit weg von Berlin, da läuft dir David sicher nie über den Weg." – „Und wenn er mich sucht?" – „Er glaubt, du seist tot. Wir ziehen die Nummer mit dem Begräbnis durch, es wird eine Todesanzeige geben, das ganze Programm. Er wird dich nicht suchen…"
