Glücklich stand Lisa einige Wochen später vor einem Berg von Karton, den der Transporteur des Einrichtungshauses in ihrem Schlafzimmer hinterlassen hatte. Ein Schrank und eine Kommode – zum Selbstaufbauen. Das würde ganz sicher ein Heidenspaß. Lisa kicherte – eine giftgrüne Kommode und ein quittegelber Schrank, so etwas hatte es in ihrem schicken Penthaus nicht gegeben. Eigentlich passte gar nichts in ihrer Wohnung zusammen. Um ihre Ersparnisse nicht komplett aufzubrauchen, hatte sie nach und nach Möbel im Sonderangebot gekauft. Jetzt hatte sie endlich etwas gefunden, um ihr Schlafzimmer komplett zu machen.
„So ein Mist", hörte Rokko die Stimme seiner Nachbarin, als er von der Arbeit kam. „Alles in Ordnung bei dir?", klopfte er an die Tür. „Ja-a", erschall Lisas Stimme genervt. Kurze Zeit später erschien sie in der Tür. „Ich baue nur gerade einen Schrank auf und der will nicht so wie ich." – „Aha", grinste Rokko. „Soll ich dir schnell helfen? Zu zweit geht das ganz sicher besser. Einer hält, der andere schraubt. Du wirst sehen, im Nullkommanichts steht dein Schrank."
„Siehst du, ging ganz fix. Der Schrank gefällt mir. Hat eine schöne Farbe", bewunderte Rokko Lisas neuestes Möbelstück. „Und was kommt an diese Wand?", deutete er auf eine völlig leere Ecke des Zimmers. „Ich weiß noch nicht", erklärte Lisa ihm. „Ich finde ja, das schreit nach einem ausladenden Gemälde – irgendwas ganz Realistisches, damit es im krassen Gegensatz zu deinen Möbeln steht." Rokko breitete die Arme aus, um anzudeuten, was er meinte. „Nicht!", entfuhr es Lisa. Sofort hockte sie sich neben ihren Schrank in die Ecke, die Arme über den Kopf gelegt. „Alles in Ordnung mit dir?", wollte Rokko besorgt wissen. Er ging neben Lisa in die Hocke und betrachtete sie. Hilflos zitterte sie, erste Tränen bahnten sich ihren Weg. „Was hat er nur mit dir angestellt?", seufzte Rokko. „Bitte geh", schluchzte Lisa. „Lass mich alleine, bitte." – „Sag mir doch, was los ist. Dann kann ich dir vielleicht helfen", bat Rokko sie. „Geh doch endlich", steigerte Lisas Schluchzen sich in hemmungsloses Weinen. „Okay, gut, ich gehe. Du weißt, wo du mich findest, wenn irgendetwas ist."
