Wie ein Tier im Käfig lief David durch seine Wohnung. Jemand hatte ihm seine Frau genommen. Einfach so. Sie war einfach so weg. Das konnte doch einfach nicht sein. Er hatte sie am Abend vor ihrem Tod doch noch gesehen und da ging es ihr doch gut – von der Jammerei um Kowalskis Balg einmal abgesehen… David ging ins Schlafzimmer. Lisas Bettseite war ordentlich gemacht – so als würde er sie jede Minute zurück erwarten. Ihr Schrank sah genauso aus, da war er sich sicher. Er öffnete das Möbelstück. Ihr Hochzeitskleid, ihre seltsamen Hosenanzüge… halt… da fehlte einer, der violette Anzug fehlte. Den hatte Lisa ewig nicht angehabt. Damit hatte er sie ja nicht auf die Straßen gehen lassen können, so unmöglich wie der war. David zog ein Schubfach mit Unterwäsche auf. Die schicken Dessous, die er Lisa geschenkt hatte, waren alle noch da, aber ihre Bauerntrampel-Buchsen, die waren weg. Er drehte sich um und stürmte auf ihren Nachttisch zu. Der war unberührt… nahezu. Es fehlt der Kristall. Dieses komische, hässliche Ding, das sie manchmal gegen die Sonne hielt. „Darin kann ich meine Liebe zu dir sehen", hatte sie ihm einmal erklärt. Irgendetwas stimmte nicht, da merkte er genau. Er griff zum Telefon. „Hallo Bernd, David hier. Ich… sag mal, habt ihr Lisas Ehering? Ich hätte gerne eine Erinnerung, weißt du. Mit eingeäschert… Der war aus Gold, das verbrennt nicht. Und die Kette? Sie trug doch die Kette, die ich ihr zum 25. Geburtstag geschenkt habe… Ach so, miteingeäschert, natürlich. Wie blöd von mir. Ja, trotzdem, Danke. Ich wollte wirklich nicht stören." Wutentbrannt warf David das schnurlose Telefon auf den Boden, wo es sofort zersplitterte. Da stimmte doch irgendetwas nicht. Die Plenskes, die sonst so an ihrer Tochter hingen, hatten kaum Trauer gezeigt, sich nicht um ihn, den geliebten Schwiegersohn gekümmert und auch das jetzt klang wie eine fadenscheinige Ausrede. Gleich morgen würde er einen Privatdetektiv beauftragen, der ihm den endgültigen Beweis über Lisas Verbleib bringen sollte.