„Soll ich mit reinkommen?", wollte Rokko von Lisa wissen. Gemeinsam standen sie vor dem Gerichtssaal, in dem die Verhandlung gegen David geführt werden sollte. „Nein. Ich möchte nicht, dass du die Einzelheiten hörst, okay?" – „Okay. Darf ich hier auf dich warten?" – „Bitte", erwiderte Lisa. „Dann wünsche ich dir ganz viel Kraft für die Verhandlung", umarmte Rokko seine Freundin kurz.

Die Verhandlung zog sich in Rokkos Augen ewig hin. Er saß vor dem Gerichtssaal, in dem Lisa gerade ihre Aussage machte und dachte an die vergangenen Monate. Wer hätte geglaubt, dass er und Lisa nach all dem, was passiert war, seit sie sich kannten, doch noch zusammenfinden würden? Sicher, sie hatten noch viel Arbeit vor sich – Traumabewältigung, aber das würden sie ganz sicher schaffen, da war Rokko sich ganz sicher.

„Rokko!", strahlte Lisa, als sie aus dem Verhandlungsraum herauskam. „Ist es vorbei?" – „Ja, ist es." – „Und, wie fühlst du dich?" – „Erleichtert. Es ist alles gesagt, er kriegt seine Strafe. Ich kann wieder unter meinem Namen leben. Das heißt, ich habe meine Zeugnisse wieder, kann mir endlich eine Stelle suchen." – „Du bist ja ein Workaholic par excellence", schmunzelte Rokko. „Wenn das dein einziges Problem ist…" – „Das ist es nicht, aber… aber es ist schön. Ich bin wieder Lisa Plenske – mit allen, was dazugehört." – „Das freut mich", strahlte Rokko. „Er wird nicht ewig im Gefängnis sein", flüsterte Lisa dann plötzlich. „Er kriegt eine Therapie, die ihm hoffentlich hilft. Er darf sich mir nie wieder nähern." – „Das ist gut. Vor allem das mit der Therapie, die wird er brauchen", sprach Rokko ebenso leise wie Lisa. „Bist du wütend? Findest du das Strafmaß zu gering?", wollte er wissen. „Ich weiß es nicht. Er tut mir irgendwie leid. Nicht auf die Helfer-Syndrom-Weise, sondern auf die ‚wie konnte das alles nur passieren'-Weise, verstehst du? Nein, sicher nicht. Ich kapiere es ja auch nicht. Lass uns gehen", ergriff Lisa Rokkos Hand. „Ich hätte Lust auf ein Eis." – „Dann lass uns Eis essen gehen", grinste Rokko sie an.