Scar
Scar stürmte aus der Höhle heraus um Zira in Ruhe ihr Junges stillen zu lassen. Dieses Wetter war verdammt wichtig! Einer von den Hyänen, Banzai, wartete schon am Fuße des Felsens auf ihn.
„Grüße, Chef", sagte er laut.
„Was ist denn nun schon wieder Banzai?", fragte Scar ungeduldig.
„Eine von den Löwinnen will dich sprechen", sagte Banzai mit einem höhnischen Unterton in seiner Stimme.
„Schick sie her", seufzte Scar. Banzai trabte weg und ärgerte sich lauthals über diejenige, die auf ihn wartete. Scar wünschte sich nur einen Tag, nur einen, an dem niemand die Welt von ihm verlangte und seine Nerven an den Rand des Abgrunds trieb. Als er auf Banzai wartete schweifte sein Blick über das Königreich – sein Königreich. Die ganze Verwüstung des Landes war widerlich. Jedes Mal, wenn er sich sein Land ansah, wuchs sein Hass für diese braunen Köter mehr und mehr. Aber er konnte den anderen nichts erzählen, aber Zira, na ja, er konnte ihr nicht alles erzählen. An dem Tag, als die Hyänen hier ankamen waren sie hundert und nahmen alles. Da waren einfach zu viele von ihnen. Wenn Scar versucht hätte ihnen zu sagen, dass sie verschwinden sollen, wäre er viel zu überfordert gewesen und vielleicht sogar getötet worden.
Banzai kam zurück und eine Löwin folgte ihm. Scar brauchte ein paar Sekunden, um sie zu erkennen. Sarafina stand vor ihm, das Fell hing ihr schlaff am Körper, Knochen zeichneten sich unter ihrer Haut ab und ihre Augen waren trüb und leblos. Sie war kaum noch die Löwin, die sie sein sollte.
„Scar." Sie verneigte ihren Kopf.
„Sarafina", antwortete er und starrte immer noch auf ihren skeletartigen Körper.
„Ich dachte du solltest wissen, dass… nun ja… es geht um Nala", sagte sie weich.
„Nala?", fragte Scar verwirrt. Was hatte sie jetzt schon wieder gemacht?
„Ja, also… Nala ist schon seit fast einer Woche verschwunden. Sie sagte uns, dass sie hinter dem Geweihten Land jagen geht, aber… sie ist bis jetzt nicht zurückgekehrt." Sie senkte den Kopf.
„Habt ihr Gruppen losgeschickt, um sie zu suchen?", fragte Scar.
„Ja, aber wir haben keine Spur von ihr gefunden", antwortete Sarafina. Scars Schwanz schnippte. Nun ja, was erwartest du jetzt von mir, dass ich tue?
„Vielleicht ist sie jetzt eine Einzelgängerin und hat uns verlassen, so wie es auch ein paar Tiere gemacht haben", legte Scar ihr Nahe. Er wusste, was er sagte war schroff, aber ehrlich, was könnte er tun, was nicht schon getan war?
„Nein, das würde sie nicht tun… nicht, ohne es mir zu sagen… Ich weiß, dass sie irgendwo da draußen ist, ich weiß nur nicht wo. Gibt es irgendetwas, das du tun kannst?", bettelte sie verzweifelt.
„Ich werde Zazu auf eine Streife schicken um zu sehen, ob er etwas findet. Etwas anderes, was ich tun kann ist den Löwen zu sagen, dass sie ihre Augen offen halten sollen. Ich werde es ihnen später sagen", sagte Scar. Sie starrte ihn ein paar Sekunden an bevor sie ihren Kopf verneigte.
„Danke Scar." Sie drehte sich um und ging weg, aber nicht bevor Scar einen Blick auf ihr Gesicht erhaschte. Scar kannte diesen Blick. Es war der wenn-Mufasa-hier-wäre-wäre-alles-besser-Blick. Scar musste ein Knurren unterdrücken als er in seine Höhle lief. Er brauchte jetzt Ruhe, mehr als sonst, weil er sich sicher war sonst umzuknicken. Er war gerade dabei den Eingang der Höhle zu betreten, als er das Kichern einer Hyäne von drinnen hörte.
„Oh, was denn nun schon wieder?", murmelte Scar, als er die Höhle betrat. Die beiden Hyänen, Shenzi und Ed, kicherten als sie Zazu mit ihren harten Pfoten hin und her stießen.
„Shenzi, was ist das?", fragte Scar und fühlte sich plötzlich alt und müde.
„Dieses Federhirn hat mich direkt in mein verdammtes Auge gepickt, Eds Nase gekratzt und eins von den Welpen attackiert", knurrte sie den Vogel an.
„Nun vielleicht wenn ihr Fellbälle nicht auf mir herumgekaut hättet, hätte ich nicht auf solch drastische Maßnahmen zurückgreifen müssen", sagte Zazu wichtigtuerisch. Scar seufzte gereizt.
„Ich versuche hier eine artübergreifende Harmonie zu schaffen und hier laut herumzuschreien, Zazu, hilft mir dabei sicherlich nicht… legt ihn zurück in den Rippenkäfig." Scar wies mit seinem Kopf zum gegenüberliegenden Skelett in der Ecke der Höhle.
„Aber gerne", sagte Shenzi und schnappte mit ihren Pfoten nach dem Nashornvogel. Er kreischte und schlug hektisch mit den Flügeln. Shenzi zupfte ihn am Schwanz aus der Luft und warf ihn in den Rippenkäfig. Ed schob den Stein über das Loch, so dass er nicht mehr heraus konnte und lachte dümmlich.
„Ihre Majestät, ich wurde wie ein Objekt auf diese Weise benutzt! Ich bin kein Kauspielzeug!" Zazu klopfte sich den Staub von seinen Federn.
„Nun, vielleicht hätte ich das tun müssen, wenn du getan hättest was ich gesagt habe", knurrte Scar.
„Das wäre niemals passiert, wenn Mufasa noch hier wäre", murmelte Zazu. Scars Geduldsfaden riss.
„Was hast du gesagt?", knurrte er den Vogel an.
„I-I-Ich habe nichts gesagt, Hoheit. I-I-Ich würde niemals daran denken etwas über-" Scar schnitt ihm das Wort ab.
„Ich dachte, dass ich dir gesagt hatte nicht in meiner Gegenwart über meinen Bruder zu reden. Ich bin der König. Verstehst du das? ICH BIN DER KÖNIG!" Der wütende Scar brüllte diese Worte und Zazu wich im Käfig vor ihm zurück.
„Ja Hoheit, sie sind der König…" Er ging unter dem eisigen Blicken von Scar weg. Scar drehte sich weg und stürmte aus seiner Höhle, dicht gefolgt von den beiden Hyänen. Mein Gott, warum konnten sie nicht jemand anderen nerven? Sie folgten ihm bis zum Fuß des Hügels.
„Was wollt ihr denn jetzt?", schrie er sie fast an.
„Scar wo ist das Essen? Wir haben schon seit Tagen nichts gegessen. Die Löwinnen haben nichts mitgebracht und wir sind am verhungern!", erklärte Shenzi. Selbst mit dem Zorn fühlte Scar den überwältigenden Schmerz des Hungers, den er versucht hatte für gefühlte Tage zu ignorieren. Das glaubte er jetzt zumindest. Wann immer es etwas zu Essen gab hatte er das meiste von seinem Anteil Nuka und Zira gegeben. Aber die Löwinnen hatten schon seit einigen Tagen kein Essen mehr gebracht. Das war unakzeptabel!
„Ich kümmere mich darum." Scar lief an dem flachen Stein herum und versuchte die Löwen zusammenzurufen. Er sah nach unten auf den Boden unter sich. Hunderte von Hyänen lagen träge herum und kauten auf alten Knochen, schon längst verstorbener Tiere herum. In der Mitte von all dem befand sich eine kleine Gruppe von Löwinnen, die die braunen Hunde wütend anstarrten.
„SARABI!", rief Scar quer über das Feld. Die Hyänen traten beiseite und erlaubten der alten Löwin vorbeizulaufen. Sarabi schritt auf Scar zu, den Kopf voller Würde erhoben, selbst als die Hyänen nach ihren Fersen schnappten.
„Ja Scar?", fragte sie cool.
„Wo sind deine Löwinnen? Sie bringen keine Beute mehr nach Hause!" Scar begann auf und ab zu laufen. Sarabi schritt auf Scar zu, den Kopf voller Stolz erhoben.
„Scar, es gibt keine Beute. Die Herden sind weitergezogen", sagte sie immer noch in diesem stolzen Ton, als wäre sie zu stolz um ihn richtig anzusehen. Scar starrte sie an, als sie sich ein Stück bewegte.
„Nein, ihr gebt euch nicht genug Mühe!", beschuldigte er sie. Sarabi sah in schließlich mit ihren orangenen Augen an.
„Es ist vorbei. Es ist nichts mehr übrig", erklärte Sarabi ihm, als würde sie zu einem verwirrten Jungen sprechen. „Uns bleibt nur eine Wahl, wir müssen den Königsfelsen verlassen." Scar kannte die Wahrheit ihrer Worte, aber das machte ihn noch wütender. Sie würden nicht das Geweihte Land verlassen. Nicht so schnell, nachdem er sein Ziel erreicht hatte!
„Wir gehen nirgendwo hin!", schrie er und sah sie mit seinem eisigen Blick an.
„Dann hast du uns zum Tode verurteilt!", sagte sie scharf. Er wusste das, aber die Art wie sie es sagte, machte es nur noch schlimmer. Scars Zorn wuchs.
„So sei es dann!", knurrte er sie zurück an.
„Das kannst du nicht machen." Sarabi starrte ihn mit Ungläubigkeit in ihrem alternden Gesicht an.
„Ich bin der König. Ich kann machen, was immer ich will!" Scars Wut erreichte ihren Höhepunkt.
„Wärst du nur ein halb so guter König, wie Mufsas es war –", fauchte Sarabi. Scars Wut kochte über. Mit seiner massigen braunen Pfote schlug er nach der Löwin.
„ICH BIN ZEHNMAL SO GUT, WIE MUFASA ES WAR!" Seine Pfote traf sie. Scars Schlag war so stark, dass sie mehrere Schwanzlängen entfernt auf dem harten Steinboden aufschlug. Plötzlich zerschnitt ein Blitz den Himmel und in dem elektrischen Licht stand ein Löwe. Goldenes Fell lief über seine kräftigen Muskeln, eine rote Mähne umrahmte sein Gesicht, das einem sofort den Tod versprach. Der riesige Löwe sprang von dem Felsvorsprung und landete neben der gestürzten Löwin. Es… es kann nicht sein!
„Mufasa?"
Mein Besonderer Dank gilt pokedoom97, die die Autorin dieser Geschichte ist und mir erlaubt hat diese zu übersetzten.
Über ein paar kleine Reviews würde ich mich freuen ;-)
LG
SevMine
