Nuka

Mutter hatte ihm gesagt, dass er nicht nach draußen gehen sollte, aber seine Neugier siegte. Er wollte wissen, wo Papa hingegangen war. Er trottete das erste Mal seit Tagen aus der Höhle und blickte sich neugierig um. Etwas Rotes und heißes schimmerte über den Felsen. Seine Mutter hatte es Feuer genannt. Er schnüffelte in der Luft. Etwas Ekliges und dickes füllte seine Lungen. Rauch. Er hustete es weg und setzte den Weg fort, den sein Vater genommen hatte. Als er die Spitze erreicht hatte stoppte er verwirrt. Ein großer, gelber Löwe, den Nuka noch nie vorher gesehen hatte attackierte seinen Vater. Warum war er so gemein zu Papa? Was hatte er getan, damit der gelbe Löwe wütend auf ihn war? Nuka sah, wie sein Vater den anderen so stark schlug, dass er hart auf dem Rücken landete. Das war genauso, wie die Spiele, die er immer mit seinen Freunden spielte. Nuka sah fasziniert zu, wie sein Vater über mehr Feuer sprang, um auf dem gelben Löwen zu landen. Nuka feuerte ihn an, als er durch die Luft flog. Aber die Freude verwandelte sich in Verwirrung, als der gelbe Löwe in Papas Bauch trat und ihn über den Rand sandte. Mutter hatte ihn nie das tun lassen. Der gelbe Löwe sah zu, wie der andere mit einem Jaulen des Schreckens über dem Rand verschwand. Sekunden verstrichen, dann drehte sich der Fremde von Nukas Vater weg und begann von dort wegzulaufen, ein heimliches Lächeln auf dem Gesicht. Nuka spürte irgendwie Angst in sich aufsteigen, als sich der neue Löwe seinem Versteck näherte. Nuka flitzte schnell weg, nicht darauf achtend, ob er gesehen wurde oder nicht. Er musste jetzt einfach nur zu seiner Mutter zurück! Er rutschte zurück in seine Höhle und fand seine Mutter, die dort auf ihn gewartet hatte.

„Nuka, was um Himmels Willen hast du gemacht? Der ganze Platz brennt!" Zira schlug beunruhigt mit ihrem Schwanz.

„Mama, der große, gelbe Löwe hat gerade Papa vom Felsen geschubst!", sagte Nuka mit weit aufgerissenen Augen. Ziras Augen verkleinerten sich gefährlich.

„Er hat was getan?! Zeig mir wo der Löwe ist!", knurrte sie in Nukas Gesicht. Er nickte, ein wenig zu ängstlich um seine Mutter anzusehen. Nuka rannte zurück zu der Stelle, wo er den Löwen zuletzt gesehen hatte, nur um ihn leer vorzufinden. Nuka schnüffelte hoffnungsvoll herum, aber alles, was er riechen konnte war der graue Rauch des Feuers. Er drehte sich um und sah seine Mutter in die Richtung rennen, aus der sie gerade gekommen waren. Sie musste ihn gesehen haben, dachte Nuka, als er sie weggehen sah. Er wollte ihr schon folgen, als ein Schrei von der steinigen Klippenwand zurückgeworfen wurde. Das war Papa! Nuka rannte zum Rand und sah nach unten. Fast dreißig Hyänen drängten sich um etwas braunes, bissen und rissen daran. Aber… das war doch hundertprozentig Papas Stimme gewesen, die er gehört hatte… wo war er? Eine kleine Lücke im Kampf erlaubte es Nuka einen kurzen Blick auf eine seidige, schwarze Mähne zu erhaschen. Nukas Augen weiteten sich vor Angst. Das dort unten war Papa. Aber… sie taten ihm weh!

„Papa?", schrie Nuka nach unten zu der Masse aus sich bewegendem Fell. Scar konnte die Schreie seines Sohnes über das Bellen und Knurren nicht hören. Nuka begann den Felsvorsprung herunter zu klettern, in seinem Kopf tobte ein Wirbelwind der Gefühle. Was sollte er tun? Sollte er nach unten gehen? Sollte er mit Mutter gehen? Bevor er sich entscheiden konnte explodierte weißes Licht in seinem Blickfeld. Das Geräusch von einer Million Felsen, die über Nuka fielen und zerbrachen, schlug ihn mit purer Gewalt zurück. Die Wand aus Geräuschen und Licht brüllte in Nukas Ohren, zehnmal lauter als alles, was er je in seinem Leben gefühlte hatte. Sein Kopf fühlte sich an, als wäre er kurz davor zu explodieren. Dann blieb einfach alles stehen. Kein Geräusch, keine Bewegung, nur er und die abklingende weiße Sicht. Nuka stolperte rückwärts, versuchte der Blindheit zu entfliehen und fühlte, wie der Felsen unter seinen Pfoten bröckelte und nachgab. Mit einem kurzen Schrei fiel er. Nuka konnte nicht sehen, wohin er fiel; seine Sicht war immer noch weiß und er sah den Felsen erst als es zu spät war. Nuka fühlte einen scharfen Schmerz an seinem Hinterkopf, bevor die Welt um ihn herum schwarz wurde.


Das erste, was Nuka wahrnahm war das dumpfe Pochen in seinem Hinterkopf. Owww, was ist passiert? Erinnerungen fluteten in Nukas Gedanken zurück wie ein Hurrikan aus Informationen. Wo ist Papa! Nuka schlug die Augen auf. Er hatte schon erwartet blind zu sein, dass er, wenn er seine Augen öffnete sie leer sein würden, aber eigentlich musste er nur das grelle Licht des sterbenden Feuers wegblinzeln, das in seinen Augen brannte. Er passte langsam seine Augen an und wünschte dann, dass er es nicht getan hätte. Was er sah ließ sein Herz stehen bleiben. Schwarze, verkohlte Gestalten übersäten den Boden. Der Geruch von verbranntem Fleisch füllte Nukas Lungen. Die verglühende Kohle um ihn sandte Hitze aus und Regen bespritzte sein Fell. Schwarze Flüsse aus Ruß rannten aus jeder verbrannten Spalte im Boden und hefteten sich an Nukas Pelz, wie Kleber. Der ganze Platz stank nach Tod. Der widerliche Gestank von verbranntem Fleisch war genug, um Nuka sich schwach und angeekelt zu fühlen. Aber nichts davon ließ sein Herz endgültig stehen bleiben.

Eine Gestalt, viel zu groß, um nur eine Hyäne zu sein lag ungefähr drei Schwanzlängen von ihm entfernt. Die geschwärzte Masse glomm immer noch, obwohl es regnete. Nuka lief langsam darauf zu und versuchte sich zu sagen, dass er es sich nur einbildete. Er schwebte zitternd über das Ding. Nein, nicht einmal er könnte sich so etwas vorstellen. Schwarzes Haar. Bekanntes schwarzes, seidiges Haar. Haar, das er besser kannte, als sein eigenes, das von der knusprigen Gestalt abstand. Ungefähr dort, wo der Kopf sein könnte. Nuka kämpfte gegen den Dran an, das zu tun, daran zu riechen. Durch das Brennen und Streben stach etwas heraus. Der Geruch seines Vaters.

Nukas Körper wurde kalt. Die Welt schien sich zu verdunkeln. So stark, dass alles, was Nuka sehen konnte die verglühenden Asche und die Shilouette vom Körper seines Vaters davor war. Da war kein Geräusch; alles wurde vom Blut, das in seinen Ohren rauschte überdeckt. Nein… das konnte nicht passieren. Wie um ihm zu beweisen, dass es echt war, streckte Nuka eine Pfote aus, um den geschwärzten Körper zu berühren. Die Stelle, die er berührte gab nach, verwandelte sich in schwarzen Staub, der sich an sein Fell klammerte. Ein grauenerregender Schrei erfüllte die Luft um ihn. Nuka sprang wegen dem Geräusch. Nach ein paar langen Sekunden wurde Nuka klar, dass die Schreie von ihm kamen. Sein Herz fühlte sich an, als würde es von denselben Zähnen und Krallen auseinander gerissen werden, die die Hyänen gegen seinen Vater verwendet hatten. Er konnte sie fast sehen, wie sie seine Seele zerrissen, sie verschlangen und dann ausspuckten. Sein Vater war tot. Sein Vater war Zentimeter von ihm entfernt verbrannt. Nuka fühlte etwas Nasses, das über sein Gesicht lief. Er musste hier weg. Jetzt.

Alle bewussten Gedanken hatten Nuka verlassen, als er zurückstolperte und verzweifelt versuchte von dem-dem-DING wegzukommen. Er schrie, als er über etwas Hartes stolperte. Mit einem dumpfen Geräusch landete er auf einem anderen Ding und fiel genau genommen durch es. Das schwarze Ding knackte unter Nuka, fiel in sich zusammen und bedeckte Nuka mit Stücken von hartem, schwarzem Fleisch. Scharfe Knochen aus dem Brustkorb in dem er jetzt saß bohrten sich in seine Flanke. Nuka schrie und kletterte aus dem Brustkorb der Hyäne. Nuka zitterte, als er nach unten in das schwarze Gesicht der toten Hyäne sah. Obwohl er auf das vom Feuer böse zugerichtete Biest hinuntersah fühlte Nuka, wie sich etwas in seinem Kopf veränderte. Die Hyäne, alle diese Hyänen, sie… sie… hatten das verdient. Sie waren gemein und rücksichtslos und grausam gewesen, nicht nur zu ihm, aber zu seiner Mutter auch. Sei hatten die Löwen angegriffen, ihr Zuhause zerstört und seinen Vater verraten. Diese Kreaturen hatten seinen Vater angegriffen und getötet.

Eine eigenartige Schwärze begann sich in Nukas hintersten Gedanken auszubreiten. Es klammerte sich an die Ränder seiner Gedanken, seiner Ideen und jedem seiner Atemzüge. Diese klebrige Schwärze fühlte sich fremd und fehl am Platz in Nukas Gehirn an, bis jetzt. Ein krankes Vergnügen stieg davon auf. Was auch immer dieses Ding war, dort war kein Schmerz, kein Leid, nur dieses seltsame Gefühl von unerklärbarer Güte. Diese Hyänen verdienten es zu sterben. Er sah zu der Leiche seines Vaters zurück und fühlte, wie seine Lippen zitterten. Jeder, der dich verraten hat, verdient es zu sterben, Vater. Ein schwaches Jaulen durchbrach die Stille, die über Nuka gelegen hatte. Seine Ohren stellten sich auch, als er das Geräusch wieder hörte.

Nuka ließ seine Pfoten ihn zum Geräusch bringen. Er folgte dem Jammern, bis er auf die Quelle traf. Auf dem Boden unter ihm war eine Hyäne. Eine schluchzende, braune Kreatur, die versuchte auf ihre Beine zu kommen. Seine Beine wackelten, als er versuchte zu stehen, begannen zu schwanken und brachen dann mit einem Jaulen zusammen. Nuka sah mit Verachtung auf den Köter herunter. Mehr Dunkelheit begann sich an seine Gedanken zu heften. Das Ding sah nach oben und entdeckte ihn.

„Oh, dem Himmel sei Dank, du bist nur ein Junges. Hey, hilfst du mir hier mal Kumpel?", sagte die Hyäne erleichtert. Nuka erkannte die Stimme des Hundes.

„Ich kenne dich", sagte er leer und gefühllos.

„Hey, ich glaube, dass ich dich hier schon mal gesehen hab'. Bist du nicht Scars Kind?", fragte die Hyäne.

„SAG NICHT SEINEN NAMEN, KÖTER!", knurrte Nuka die Kreatur an. „Du bist es nicht wert seinen Namen zu sagen, Banzai!"

„Hey, hey, beruhig dich Kleiner. Wir sind hier alle Freunde, richtig?" Banzai begann von Nuka zurückzuschrecken.

„Ist es das, was du meinem Vater gesagt hast? Dass er dein Freund war? Hast du das gesagt bevor oder nachdem du ihn getötet hattest?" Nuka spie die erbärmlichen Entschuldigungen für das Tier aus, als er näher und näher auf ihn zuging.

„G-G-G-Getötet? I-Ich weiß nicht wovon du sprichst", log die Hyäne. Das war der schwächste Versuch zu lügen, den Nuka jemals in seinem ganzen Leben gehört hatte und er war fast ein Jugendlicher. Nuka hatte genug gesehen um zu wissen, dass der einzige Grund, warum sein Vater besiegt worden war, weil er zuviel gesagt hatte. Anstatt zu kämpfen hatte er versucht zu täuschen und sich irgendwie daraus zu winden. Nicht Nuka. Nuka fuhr seine Krallen aus und wartete auf den richtigen Moment.

„Ich verspreche dir Kleiner, dass ich nichts mit irgendetwas davon zu tun hatte. Ich war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Bitte glaube mir Kleiner, ich will dir nichts tun, wirklich überhaupt nichts, äh, wenn du mir nur helfen würdest-" Banzai würde nie seine Verteidigung beenden. Die Sekunde in der die Kehle der Hyäne ungeschützt war musste Nuka zuschlagen. Mit einem Jaulen schlug Nuka seine Krallen tief in das weiche Gewebe vom Nacken des Hundes. Banzai heulte vor Schmerzen und Überraschung auf, als Nuka begann seine Krallen über jeden Flecken Fell, den er finden konnte zu kratzen. Nuka schmeckte warmes, salziges Blut, das in seinem Mund lief, als er fester zubiss. Nuka fühlte eine kräftige Pfote, die in seine Seite traf. Die Wucht davon war fast so stark, um Nuka nach hinten zu schleudern. Mit einem Knurren biss er wieder zu und fühlte wie seine Zähne Banzais Luftröhre trafen. Der Schrei der Hyäne verwandelte sich schnell in ein Gurgeln, als das Blut und Leben au seinem Körper floss. Doch das war nicht genug für den harten Nuka. Sich durch die klebrige Dunkelheit führen lassend, schlug Nuka eine Kralle tief in die Brust der sterbenden Kreatur. Der braune Hund jaulte vor Schmerzen, als er sie tiefer drückte. Blut schoss aus dem Loch in der Brust des Hundes heraus und bedeckte Nuka.

„Das… bringt… deinen Vater… auch… nicht… zurück… Kind…", keuchte Banzai. Ein dunkles Vergnügen erfüllte Nuka, als er sich nach vorne beugte und in das Ohr des wertlosen Köters flüsterte.

„Ich tue das nicht nur für ihn… Ich tue das für mich." Nuka drehte seine Kralle tiefer in das Herz der Kreatur. Es jaulte schwach vor Schmerzen und dann hatte es nicht länger die Kraft um das weiter zu machen. Es begann einfach leise zu weinen, als sein Leben verebbte. Nuka war nicht glücklich. Die Kreatur hatte noch nicht genug gelitten für das, was es getan hatte; es verdiente nichts weniger, als den qualvollsten Tod, den man sich nur vorstellen kann. Aber es war zu spät. Banzai bewegte sich nicht länger, sein Weinen hatte aufgehört. Er war tot.

Nuka starrte nach unten auf den Körper. Er wusste nicht, was er fühlen sollte. Er hatte gerade jemanden getötet. Sicher, die Hyäne war ein mordgieriger Köter gewesen, aber als er ihn getötet hatte… war Nuka doch auch zu einem Mörder geworden? Die seltsame Dunkelheit breitete sich wieder über seinen Gedanken aus. Nein. Er war kein Mörder. Er hatte eine große Gerechtigkeit bewirkt. Nicht nur für ihn, sondern auch für alle Löwen. Er hatte einen großen Fehler wieder gut gemacht, nicht gemordet.

Nukas Lippen kräuselten sich nach hinten, als ihm ein kleines Lachen entschlüpfte. Er erlaubte dem Wahnsinn herauszukommen, anstatt ihn auflauern zu lassen. Er ließ es ihn führen, ihn verzehren, die Kontrolle über ihn ergreifen. Ein Stück glühender Asche war in Banzais schlaffen Fell gelandet. Mit einem kleinen Funken begann der wertlose Körper zu brennen, wie ein toter Hund. Der Wahnsinn sagte Nuka, dass er lachen sollte. Also tat Nuka das.

Ein hysterisches Lachen begann aus Nuka auszubrechen. Er hatte das getan! Das Feuer verfärbte den Leichnam schwarz und hart, wie die anderen Körper, die um Nuka herum lagen. Er lachte sie aus. Die Zeit hatte aufgehört zu existieren. Er hätte dort nur für Sekunden gestanden haben können oder vielleicht auch für Stunden, als er Stimmen hörte. Der Wahnsinn wollte es ignorieren und weiter über Nuka bestimmen. Er hätte es vielleicht so passieren lassen, wenn er nicht die Stimme als die seiner Mutter erkannt hätte.

„Scar? Nuka? Wo seid ihr?", hallte die besorgte Stimme seiner Mutter über die kargen Felsen. Nuka drängte die Dunkelheit, den Wahnsinn, weit zurück in die Ecke seiner Gedanken. Plötzlich fühlte er sich ängstlich. Ohne den Wahnsinn fühlte er sich plötzlich allein und unbedeutend. Ihm wurde schmerzlich bewusst, dass diese dunkle, klebrige Masse an seinem Fell wie Schlamm an ihm hing, nur dass es rot war. Seine Mutter war gekommen, nur um ihren Sohn zu finden, bedeckt mit Blut, über einem toten Körper stehend.

„Nuka, Gott sei dank. Ich hatte schon überall nach dir gesucht! Hast du deinen Vater irgendwo gesehen… Nuka? Was zur Hölle ist mit dir passiert?!" Nukas Mutter eilte zu ihm und begann fieberhaft an ihm zu schnüffeln, ob er eine Wunde habe.

„Mir geht es gut Mutter… das ist nicht mein Blut." Nuka blinzelte in ihr verwirrtes Gesicht.

„Also was ist dann…" Erst jetzt bemerkte sie die verkohlten Überreste von dem Verräter.

„Oh mein… Was zur… Du weißt es. Ich werde dich später danach fragen. Wo ist Sca… Ich meine, dein Vater. Hast du ihn bis jetzt irgendwo gesehen? Ich habe gesucht und gesucht, aber ihn nicht gefunden." Zira hörte auf ihrem Sohn ins Gesicht zu sehen. Nuka bemerkte, dass er ausdruckslos seine Mutter ansah. Er wusste nicht mehr, was die richtige Reaktion war, wie er sich verhalten sollte. Sollte er weinen oder schreien? Oder war das auch richtig? Langsam ließ er seinen Blick zu dem schwarzen Chaos hinter ihr wandern. Seine Mutter folgte seinem Blick. Für ein paar Sekunden standen sie einfach nur komplett still da. Zira starrte verständnislos auf das Ding, das einmal ihr Gefährte gewesen war, als würde es nicht existieren. Dann war die Stille beendet.

„Nein… NEIN!" Ziras Stimme wurde lauter, als sie auf den geschwärzten Leichnam zurannte. Nuka folgte ihr langsam im Schneckentempo.

„Scar bitte nicht, bitte! Das bist du nicht, bitte, das bist du nicht! Oh Gott, nein Scar!", schluchzte Nukas Mutter wieder und wieder. Nuka musste seine Augen schließen; die Szene war zu schwer für ihn, um sie mit anzusehen. Er hasste es Mutter weinen zu sehen. Abermals öffnete sich wieder dieser schwarze Kern in ihm. Wie konnte es dieser schwarze Dreck wagen seine Mutter zum weinen zu bringen?

„Dafür wirst du bezahlen!", knurrte Zira. Ihre roten Augen waren fast wie ein Spiegel, der zeigte, was in Nukas Innerem vorging.

„Meinst du die Hyänen?", knurrte Nuka.

„Nein." Sie zitterte. Ein triumphiertes Gebrüll schallte über den Himmel, so laut wie der Blitz vorher. Nuka blickte nach oben und sah eine goldene Figur von einem Löwen, die sich oben auf dem Gipfel vom Königsfelsen niedergelassen hatte.

„Ich meine… ihn… Simba." Ziras Gesicht war eine Maske aus purem Hass, als sie den goldenen Löwen anstarrte. Simba? Das musste der Löwe sein, der seinen Vater über den Rand geschubst hatte. Nuka blickte wieder zurück zur Figur, gerade rechtzeitig, um den Chor der Löwinnen zu hören, die ihn unterstützten.

„Ich werde ihn dafür dran bekommen! Ich schwöre, ich werde ihn töten! Ich verspreche dir Scar, dass ich ihn leiden lassen werde." Sie vergrub ihr Gesicht in der verkohlten Leiche. Nuka schmiegte sich an die Seite seiner Mutter, um sie ein wenig zu trösten. Wenn es wirklich dieser Simba Löwe war, der Mutter aufgeregt hatte, dann musste es wirklich seine Schuld gewesen sein, dass sein Vater gestorben war und nicht nur die der Hyänen. Nun, wenn Mutter ihn leiden lassen wollte, dann würde er ihr helfen. Er würde seiner Mutter immer helfen. Nuka fühlte sich seltsam, irgendwie innerlich leer. Es war, als würde ihm jetzt physisch ein Teil von ihm fehlen. Der alte Nuka war verschwunden, aber was hatte ihn ersetzt?


Die zwei Löwen trauerten lange in die Nacht hinein, bis sie von den anderen gefunden wurden. Nuka folgte ihnen ohne zu fragen, warum sie Zira vom vermeintlichen Körper wegschaffen mussten. Beide verbrachten die Nacht geschockt, keiner von beiden wusste, dass all das nutzlos war. Weil das was sie gesehen hatten nicht Scars Körper gewesen war. Es war nicht einmal ein Löwe gewesen. Ihre beiden Augen waren zu vernebelt von der Trauer, um zu realisieren, dass es zwei Hyänen Skelette waren, die an der Spitze zusammengeschmolzen waren. Beide mit Scars Haar in ihren Mündern.


Mein Besonderer Dank gilt pokedoom97, die die Autorin dieser Geschichte ist und mir erlaubt hat diese zu übersetzten.