Kapitel 16
New3 (New Live, New School, New Friends)
Nessie streckte mir mit strahlenden Augen die Hände entgegen, in ihnen glitzerten silberne Tränen. „Jake." schluchzte sie leise und stürzte sich Sekunden später in meine Arme. Ich genoss das Gefühl ihrer Nähe und sog ihren wundervollen, blumigen Duft in mich auf. Ich zog sie näher an mich und vergrub meinen Kopf in ihren Haaren. Nessie schien das nicht im Geringsten zu stören, im Gegenteil, sie klammerte sich an mich und lies einen zufriedenen Seufzer verlauten. Ganz so als wolle sie diesen Moment niemals vergessen.
Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, als uns ein leises Hüsteln auseinander fahren lies. Ich wandte mich um und blickte in Edwards Gesicht, dieser hatte ein schelmisches Grinsen um den Mund. „Wie ich sehe ist meine Überraschung gut angekommen." Nessie sah ihren Vater erschrocken an und riss die Augen auf. „Das war deine Idee?"
Er lachte glucksend. „Eventuell." Nessie zögerte noch einen Moment und flog dann voller Inbrunst in der Arme ihres Vaters. „Danke, danke, danke, danke….." brabbelte sie unablässig in sein Ohr und wenn er noch am Leben gewesen wäre hätte sie ihn wohl erwürgt. Edward begann zu lachen und drehte sich mit seiner Tochter im Kreis. Ich verdrehte die Augen, das war ja schlimmer als im Film. „Vielleicht sollten wir reingehen. Ich hab Hunger, einen Jetlag und außerdem würde ich gern mein neues Zimmer sehen." Nessie schien nun vollends geschockt und warf die Hände vor den Mund. „Du ziehst hier ein?" fragte sie ungläubig. „Nicht nur das", erwiderte ich lachend. „Ich habe sogar vor, mit dir die Schule zu besuchen."
Ich hörte einen erstickten Begeisterungsschrei und schon hing sie mir wieder um den Hals. Edward lachte schallend über das, uns beiden vollkommen unbekannte Bild und bat mich schließlich ihn in mein neues Zuhause zu folgen. Er führte mich zum Gästezimmer und ich setzte Nessie vor der Tür ab. Allein diese lies schon auf einen Luxus schließen, der meinen gewöhnlichen Geldbeutel überschritt. Die Tür bestand auf Walnussholz und war mit kleinen Verzierungen versehen, welche sich wie eine Rosenranke die Tür hoch rankten. Nessie nickte mir ermunternd zu und ich öffnete erwartungsvoll die Tür, vor mir öffnete sich ein großer heller Raum. In der Mitte thronte ein großes Himmelbett mit freundlich rot-gelben Himmel und Bezügen. Links von diesen öffnete sich eine weitläufige Fensterfront, in die ein ziemlich großer Erker eingebaut war. Dessen Fläche wurde von einer Arbeitsecke, einem gemütlich anmutenden Sofa, einer riesigen Hi-Fi Anlage und einen Fernseher beschlagnahmt. Nessie nahm mich an der Hand und führte mich zu den anderen beiden Türen, auf der rechten Seite des Zimmers. „Was ist das?" fragte ich unsicher. Nessie lachte schallend und deutete auf die Tür die ihr am nächsten war. „Das ist dein Bad."
Nun war es an mir erschrocken die Augen aufzureißen. „Ich hab ein eigenes Bad?" Edward lachte. „Natürlich, glaubst du ich will, dass es in meinem nach Hund stinkt?" Ich zog erbost eine Augenbraue hoch und steckte ihm die Zunge raus. Hauptsache er konnte sich amüsieren. „Guck es dir an." ermunterte er mich mit einer Geste. Ich zuckte mit den Schultern und öffnete besagte Tür. Das Bad war mit cremefarbenden Fliesen versehen, es gab eine Dusche und eine große Badewanne. Direkt neben dem Eingang war ein Waschbecken und neben diesen das Klo. Kurzum, das Bad war toll und sehr schön, ab weitaus teuerer ausgestattet als nötig.
Edward lachte bei diesen Gedanken. „Schon möglich aber Bella mag es so." Ich verdrehte die Augen. „Frauen!"
Nessie blickte mich erbost an. „Was hast du denn gegen Frauen?" „Nichts, aber manchmal können sie einen auf die Nerven gehen." „Das tun Männer auch." Ich schnitt ihr das Wort ab, bevor sich aus diesem Gespräch wieder eine ausgewachsene Kabbelei entwickelte. „Ist doch jetzt auch völlig egal. Wo sind meine Sachen?" Ich wandte mich fragend zu Edward um. „Im Abstellraum, warte ich hohl sie dir." Nessie blickte ihren Vater verwundert hinterher. „Deine Sachen waren die ganze Zeit hier?" Ich lachte schallend. „Klar, was glaubst du denn warum ich kein Gepäck habe."
„Was ist hinter der anderen Tür?" fragte ich mit einer bösen Vorahnung. „Dein Kleiderschrank." antwortete sie als wäre es das normalste der Welt.
Edward traf kurze Zeit später mit meinen Sachen ein, ich begann sie in meinen Kleiderschrank einzuräumen (Begehbar! Ich meine können die ihr Geld nicht für was Sinnvolleres ausgeben!) und wie nicht anderes erwartet, sah die wenige unversehrte Kleidung, die ich besaß, in diesem wirklich mickrig aus. Nessie war einen prüfenden Blick in meinen Schrank und schien dies genauso zu sehen. „Jake wir müssen unbedingt einkaufen. Am besten mit Lexi das wird toll." Ich zog eine Augenbraue hoch. „Lexi?" „Na Alexis." „Achso."
Ich griff gerade nach meinen CDs um sie in den CD Halter im Erker zu platzieren als mein Magen zu Knurren begann. Wie gerufen erschien Bella in der Tür. „Jake, schön das du da bist. Hast du den Flug gut überstanden?" Ich nickte leicht und nahm sie in den Arm, mein Magen kündigte Protest an. Bella lachte. „Weißt du was? Ich mache dir und Nessie erstmal etwas Schönes zum Essen, danach reden wir weiter." „Das ist die erste tolle Idee des Tages." meinte ich grinsend und wandte mich wieder meinen CDs zu. „Was hast du alles mit?" fragte Nessie hinter mir mit großen Augen. „Nun ja, alle Green Day Alben, Foxborow Hot Tops, Billy Talent…und noch einiges mehr." „Foxborow Hot Tops?" Ich nickte leicht. „Das ist ein Projekt von Billie & Co (Green Day)." Nessie musterte mich entsetzt. „Und wieso weiß ich davon nichts?" Ich lachte schallend. „Weil du nicht gefragt hast." Nessie schnaubte und rauschte aus dem Zimmer. „Blödmann."
Ich lachte immer noch als Edward das Zimmer betrat. „Was gibt es großer Meister?" Er lachte über seine Betitelung und legte mir einen Stapel Bücher aufs Bett. Ich riss entsetzt die Augen auf. „Um Gottes Willen, was ist das?" „Deine Schulbücher." antwortete er schlicht. Ich gab ein würgendes Geräusch von mir. „Kannst du mir noch mal sagen, warum ich das mache?" „Aus demselben Grund, der dich auch dazu gebracht hat, die Nächte durchzumachen um dein und Bellas Motorrad fertig zu basteln." Ich nickte verstehend. „Danke jetzt weiß ich es wieder." Stöhnend sank ich auf mein Bett und griff nach einem Buch, es war Geschichte.
„Warum müssen sich Männer eigentlich immer so aufopfern um eine Frau zu bekommen, Ed?" Er verzog missbilligend das Gesicht, denn er haste es Spitznamen zu bekommen und antwortet mit einem Seufzen. „Weil es mittlerweile Gesetzlich untersagt ist der Frau einfach einen Klapps auf den Kopf zu geben und sie in die nächste Höhle zu schleifen." Ich kicherte, tolle Ansicht. „Und ein Prankenhieb zählt da wohl auch mit rein oder?" „Ich denke schon." „So ein Mist aber auch!"
Ich blickte ihn an, sah seine mühsam beherrschte Miene und brach mit ihm in ein schallendes Gelächter aus.
Es gab ein unsicheres Klopfen und besagte Frau öffnete die Tür leicht. „Ist bei euch alles OK?" Ich sah Edward an und nickte mit einem breiten Grinsen. „Uns ging es nie besser." Nessie machte in unsicheres Gesicht und zuckte anschließend mit der Schulter. „Wie auch immer, Mom sagt das Essen ist fertig, ihr sollte kommen." Edward blickte sie pikiert an. „Du erwartest, dass ich dem Wolf beim Essen zuschaue?" Ich schnaubte. Nessie grinste. „Ich nicht, aber Mom." Edward gab sich mit einem Seufzen geschlagen und wir machten uns auf den Weg zur Küche.
Eine gute Stunde später kam ich mit vollen Magen und frisch geduscht aus meinen Bad. Eins musste man ihnen lassen, dieser Luxus hatte irgendwie schon was für sich. Ich schlüpfte gerade in meinen Schlafanzug (ein paar schwarze Boxershorts und ein schwarzes T-Shirt) als es an der Tür klopfte. Nessie blickte unsicher in mein Zimmer. „Kann ich rein kommen?" Ich lachte. „Bist du das nicht schon?" Nessie errötete, als sie registrierte, dass sie schon den halben Weg zu mir gelaufen war. „Wie kann ich dir behilflich sein?" Nessies Farbton wurde soweit es möglich war noch um einiges röter. „Darf ich bei dir schlafen?" fragte sie so leise das selbst mein übermenschliches Gehör es kaum vernahm. Ich blickte sie verwundert an. „Sicher." Seit wann war das ein Grund rot zu werden? Nessie schlief fast regelmäßig bei mir, es hatte sich nichts verändert, oder doch?
Bevor ich mir diese Frage wirklich ernsthaft stellen konnte saß Nessie auch schon auf meinem Bett. „Ich dachte ich könnte dir ein wenig über deine neue Schule erzählen." Ich nickte und machte es mir neben ihr bequem. „Klar schieß los." Sie atmete tief ein.
„Wie ich dir schon gesagt habe laufen an der Schule fast nur Schnösel herum. Keiner von ihnen hat wirklich Interesse am Unterricht, denn bei den meiste ist es egal, was für einen Abschluss sie haben. Sie bekommen so oder so eine Führungsposition in der Firma ihres Vaters und die guten Noten kann man sich zur Not ja doch noch erkaufen. Bei den Lehrern ist dies nicht anders, sie wissen das sich keiner für ihren Unterricht interessiert, also rattern sie einfach ihren Text runter uns kassieren ihren Monatsgehalt." Ich zog eine Augenbraue hoch. „Hört sich ja toll an." Sie grinste breit. „Aber immerhin kannst du dich auf Collin, Josh und Lexi freuen. Die sind echt toll, ich bin sicher ihr werdet euch super verstehen." „Hört sich schon besser an. Bekomme ich dann einfach ein paar Kurse zugeteilt oder wie?" Nessie zuckte mit den Schultern. „Da musst du Dad fragen, aber ich bin mir sicher, dass er dafür gesorgt hat, dass wir besonders viele Fächer zusammen haben." Ich nickte leicht, das wäre nur typisch Edward, der Ich - habe - alles - unter - Kontrolle -Typ. „Wann müssen wir morgen Aufstehen?" Nessie sah mich gequält an. „So bei um halb sieben denk ich." Ich verzog ebenfalls das Gesicht, wir waren halt beide totale Morgenmuffel. „Dann lass und lieber schlafen, wir haben ja noch genug Zeit um uns zu unterhalten." Nessie nickte seufzend und wir krochen unter die riesige kuschelige Bettdecke. Mein bronzehaariger Engel schmiegte sich wohlig seufzend an mich und zum zweiten Mal an diesem Tage kam ich mir vor wie im Himmel.
„Nessie, Jake! Ihr müsste jetzt wirklich aufstehen! Es ist kurz vor sieben!" Ich gähnte, streckte mich ausgiebig und merkte zum ersten Mal, wie nervig Bellas glockenhelle Stimme doch sein konnte. Nessie neben mir sah genauso verschlafen aus wie ich und musterte mich genervt. „Wenn ihr nicht gleich aufsteht habt ihr keine Zeit zum Frühstücken mehr!" Ich sah Bella, welche sich vor meinem Bett aufgebaut hatte, entsetzt an. „Das ist nicht dein Ernst!" keuchte ich und hechtete ins Bad. Nessie und ihre Mutter sahen mir lachend nach.
Als ich das Bad verlassen hatte war Nessie weg, sie war wahrscheinlich in ihr eigenes Zimmer verschwunden. Der Duft von Pfannkuchen wehte durch das Haus und brachte mich dazu mich schneller anzuziehen. Ich schlüpfte ohne groß darüber nachzudenken in eine blue Jeans und zog des Weiteren ein blaues T-Shirt in Spinnennetzoptik darüber. Mit meiner schwarzen Lederjacke sollte es dann zumindest nicht mehr so aussehen, als bekäme ich gleich einen Hitzekoller.
Auch wenn das gegebener maßen zutraf.
Ich schlitterte fast in die Küche, in welcher mich Bella, Nessie und Edward schon erwarteten. Letzterer blickte von seiner Zeitung hoch als er mich sah. „Guten Morgen auch, gut geschlafen?" „Zumindest so gut, dass wir fast verschlafen hätten." konterte ich und nahm neben Nessie Platz. Diese schob mir einen großen Teller Pfannkuchen zu, welcher fast genauso schnell verschwand wie er mich erreicht hatte. Nessie grinste über meine Essgewohnheiten, während Bella missbilligend mit der Zunge schnalzte. Sie hatte eindeutig zu viel Zeit mit Rosalie verbracht. „Du solltest mit Nessie fahren, bis dein Auto nachkommt." Ich nickte. „Aber wäre es nicht sowieso Quatsch mit mehreren Autos zu fahren?" „Stimmt auch wieder." erwiderte Edward, schon wieder total in seine Zeitung vertieft. „Ihr solltet los." kam es nun von Bella und so verschwanden Nessie und ich in die große Garage. Dort steuerte sie auf einen Camaro zu. „Cooles Auto." „Ich weiß!" antwortete sie grinsend und öffnete mir die Beifahrertür. „Ist das nicht eigentlich mein Job?" „Schon möglich, aber ich bin der Fahrer oder? Also muss ich dir auch die Tür öffnen."
Wir fuhren langsam durch die Stadt und ich lies meinen Blick über Dublin streifen. „Deine Klamotten sehen cool aus." kam es plötzlich von Nessie. Ich blickte sie verwirrt an. „Danke."
Sie errötete als sie meinen Blick bemerkte. „Nun ja, du trägst sonst immer nur diese zerrissene Kleidung, weil du dich ja jeden Moment in einen Wolf verwandeln könntest, das ist das erste Mal das ich dich in ordentlicher Alltagskleidung sehe." erklärte sie schnell. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. „Noch mal danke."
Ein paar Minuten später fuhren wir in die Einfahrt der Schule. Vor mir erhob sich ein riesiges Backsteingebäude, welches schon fast nach Reichtum stank. Ich rümpfte die Nase und stieg mit Nessie aus dem Auto. „Jetzt weiß ich was du meintest." Ein einziger Blick genügte um jedes einzelne ihrer Worte in der Realität vor mir zu sehen.
Warum noch mal besuchte ich diese Schule?
Langsam griff ich hinter mich und nahm meinen braunen Rucksack aus dem Auto. Ich fühlte mich als wäre ich auf dem Schlachtfeld. Jeder Blick, jedes Flüstern welches in meiner Richtung wehte sorgte dafür, dass sich meine Nackenhaare sträubten. Ich erkannte, dass mich Edward noch aus
einem anderen Grund hier her geschickt hatte, es war ein gerade zu perfekter Ort, um zu lernen mein Temperament zu zügeln.
„Nessie?"
Die fragende Stimme eines Jungen lies mich aufschrecken, schnell wandte ich mich um und taxierte ihn mit Blicken. Gott, ich musste wirklich lernen mich zu beherrschen.
Der Fremde zuckte kurz zurück und musterte mich unsicher. Er hatte kurze blonde Haare und seine Hautfarbe sah im Vergleich mit der meinen fast grau aus. Ein kurzes Anzeichen von Erkennen spiegelte sich in seinen Augen wieder. Ich kannte ihn nicht, oder doch?
„Jake, das ist Collin. Collin das ist Jacob Black, mein bester Freund." Collin zuckte kurz zusammen. Ja genau Blondie, ich bin ihr bester Freund! Ich schluckte schwer und versuchte das Tier in mir zu zügeln. Er war nur ihr Freund, nicht anders als Quil oder Embry.
Collin kam unsicher auf mich zu. „Freut mich dich kennen zu lernen." meinte er wenig überzeugend und reichte mir unsicher seine Hand. Ich ergriff sie und hatte schwer damit zu kämpfen sie nicht zu zerquetschen.
Doch auch er machte keine anstallten meine Hand los zu lassen, wir taxierten uns schweigend bis Nessie seufzend dazwischen trat. „Jungs, wenn wir nicht zu spät zum Unterricht kommen wollen sollten wir vielleicht das Sekretariat aufsuchen und Jakes Stundenplan besorgen." Wir nickten gleichzeitig und ließen von einander ab. Schweigend liefen wir hinter Nessie her. Sie erzählte uns irgendetwas von der Schule. Keine von uns beiden hörte ihr zu.
„Du kommst auch aus Washington?" fragte Collin kühl. Ich nickte leicht. „Wie lange kennst ihr euch schon?" fragte er weiter. „Ich kennen Nessie praktisch seit ihrer Geburt." antwortete ich nicht minder kühl.
Falsch, ich kenne sie seit dem ersten Moment ihres Lebens. Sie ist mein Leben!
„Wir sind da." „Wie alt bist du?" Kam es gleichzeitig von Nessie und Collin. Ich blickte sie an und seufzte. Hoffentlich lief das mit Josh besser.
Kurze Zeit später hielt ich meinen Stundenplan in den Händen. Ich hatte Mathe und Geschichte mit Nessie. Sowie Biologie, war das Schicksal?
Englisch hatte ich mit Alexis, welche ich noch nicht kannte und Sport mit Josh und Collin, das würde sicher lustig werden.
Ich schlurfte mit Nessie und Collin zu Mathe und wurde vom Lehrer gebeten mich kurz vorzustellen. Ich seufzte laut und hob die Hand. „Hi Leute. Ich bin der Neue, ihr könnte mich aber auch gerne Jacob Black nennen. Mein Spitzname ist Jake und weitere Information könnt ihr euch dann bei Interesse bei mir persönlich abholen."
Nachdem ich meine Rede gehalten hatte schlurfte ich gelangweilt zu einem freien Platz und lies mich darauf sinken.
Das Mädchen, welches neben mir saß, beugte sich neugierig zu mir hinüber. Sie entsprach dem perfekten Modeklischee: lange blonde Haare, Wespentaille, perfekt manikürte Fingernägel, Ausschnitt bis zum Mittelmeer….soll ich das fortsetzen? Und um das alles noch abschreckender zu machen trug sie doch tatsächlich eine Kette mit ihren Namen drauf. Ich meine geht's noch?
„Darf ich auf dein Angebot zurückkommen?" „Welches genau?" fragte ich ohne viel Interesse. Sie kicherte Mädchenhaft. „Na das mit den weiteren Informationen." Ich Seufzte und ergab mich meinem Schicksal. „Klar schieß los, Britany." Sie schenkte mir ein strahlendes Lächeln und kreiste mit ihrem Zeigefinger über den Tisch. „Was treibst du denn für Sport, das du so tolle Muskeln bekommst?" Ich musste mich beherrschen nicht in Gelächter auszubrechen, stattdessen verlies ein beherrschtes Hüsteln meinen Mund. „Ich spiele…Baseball."
Manchmal, eigentlich ganz selten, genau genommen, überhaupt nicht.
„Oh." Sie bekam leuchtende Augen. „Du spielst bestimmt grandios!" „Mhm…" Ich warf einen Blick auf Nessie welche mich mitleidig ansah und stellte mich darauf ein, ab diesem Tag jede Mathestunde noch mehr zu hassen als sonst schon.
Zwei Mathestunden, eine Geschichts- und zwei Wirtschaftsstunden später, wurde ich schließlich gnädig in die Mittagspause entlassen. Sehr zu meinen entsetzen hatte ich mich als Frauenmagnet heraus gestellt. Ich war Exotisch, das machte mich anziehend, erklärte mir Collin später. Welcher sich anscheinend über mein Elend mit den Frauen, mit meiner Anwesenheit abgefunden hatte. In fast jeder Stunde hatte ich ein anderes blondes, mit Nameskettchen versehendes Exemplar neben mir und wenn mir die Kettchen nicht versichert hätten das es verschiedenen Personen waren, hätte ich es nicht geglaubt.
Wir betraten gerade die Cafeteria als ein weiteres dieser blonden Wesen auf uns zukam. Laut Nameskette Britany. Ich entsann mich, sie war meine Mathematik Bekanntschaft. Sie strahlte mich an und schien Collin und Nessie erst gar nicht zu beachten. „Hallo Jake." säuselte sie und klimperte übertrieben mit ihren Wimpern. „Ich dachte du hättest vielleicht Lust mir und meinen Freundinnen Gesellschaft zu leisten. Ich meine du bist noch neu und kennst bestimmt noch nicht die richtigen Leute." fügte sie mit falschen Lächeln hinzu und schickte Nessie und Collin einen verachtenden Blick. Ich zog meine Augenbraue hoch, war das ihr Ernst?
Offensichtlich.
Ich schenkte ihr mein strahlendes Lächeln. Sie blinzelte mich benommen an. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, zumindest das hatte ich bei Eddie gelernt, nun besaß ich auch ein dazzling smile.
„Das ist wirklich nett Britany, aber in anbetracht dessen das ich durchaus schon Freunde besitze und ich definitiv nicht in deiner Gehaltsklasse lebe, ist es vielleicht vorteilhafter, wenn wir unsere gemeinsame Zeit auf die Mathematikstunde beschränken. Es würde mir schrecklich leid tun deinem so sauber erarbeiteten Image zu schaden, deshalb denke ich es wäre besser wenn sich unsere Weg hier trennen." Ich schenkte ihr ein weiteres strahlendes Lächeln und folgte einer glucksenden Nessie und einem breit grinsenden Collin zu ihren Angestammten Tisch.
Dort saßen, wie ich vermutet, Josh und Alexis. Anscheinend schrecklich in einander verliebt. Dieser Josh nuckelte doch tatsächlich an ihrem Hals. Für einen Moment schrillten sämtliche Alarmglocken in mir, doch ich konnte das Blut durch seinen Körper rauschen hören. Ich beugte mich zu Nessie herunter. „Bist du sicher, dass der Junge nicht über fünf Ecken mit euch verwandt ist?" Nessie sah mich an und brach in schallendes Gelächter aus, während Collin und verwirrt musterte. Als wir am Tisch ankamen lies Nessie geräuschvoll ihr Tablett auf den Tisch plumpsen und hatte sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit des Pärchens.
Josh schien Collin ganz ähnlich zu sein, dieselben Klamotten, derselbe Blick, nur das seine Haare braun waren, kurzum, derselbe Typ Mensch. Er musterte mich verwirrt. „Das ist Jacob Black." stellte Collin klar. „Er ist Nessies bester Freund und kommt wie sie aus Washington, sie kennen sich schon ewig." Seine Erklärung hatte den säuerlichen Unterton der Eifersucht noch nicht ganz verloren, aber immerhin schien er mich nicht mehr zu hassen. Josh nickte mir freundlich zu und reichte mir die Hand. „Das ist Alexis Brown." Fuhr Collin fort und deutete auf das Mädchen in Joshs Armen. Diese hatte lange wellige braune Haare, die ihm tief in die großen Augen hingen. Sie erinnerte mich an einen dieser kleinen süßen Hunde die dich immer ganz lieb anschauen wenn sie was von dir wollen.
Doch im Moment sah sie mich eher so an als hätte sie gerade ein Wunder gesehen.
Nein, bitte sie nicht auch noch!
Unsicher nahm ich ihr gegenüber Platz und tat so als würde ich ihren bohrenden Blick nicht bemerken. Doch sehr zu meinem Leidwesen bemerkte ihn ihr Freund. „Lexi alles O.K. mit dir?" fragte er besorgt. Die Angesprochene nickte hektisch, nahm allerdings nicht eine Sekunde die Augen von mir. Das war beängstigend.
„Du kennst Nessie schon lange?" fragte sie plötzlich. Ich sah sie an und nickte leicht. „Seid ihr gute Freunde?" Ich wollte ein Lächeln verhindern, doch ich schaffte es nicht, was verheerende Auswirkungen hatte. Lexi lief knallrot an und schien Probleme zu haben zu Atmen.
Gott wo war ich hier? So etwas passierte doch sonst nur Edward!
Sie sah mich zerknirscht an. „Tut mir leid, aber ich habe noch nie einen Jungen wie dich gesehen."
Ich nickte leicht. „Das kann ich mir vorstellen." Unerfreulicher Weise folgte jeder am Tisch gespannt unserem Gespräch. „Versteh dass nicht falsch, ich liebe Josh, er ist toll, aber…" Sie zögerte und Josh verkrampfte neben ihr. „Ich meine du bist einfach so…WOW…du siehst unglaublich aus. Du hast ein Gesicht wie ein Schauspieler und einfach einen perfekten Körper. Als Model würdest du bestimmt unglaublich viel verdienen…und…und…tut mir leid." schloss sie und lies den Kopf hängen. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. „Ich bin dir nicht böse, Alexis. Ich meine wie könnte ich so einen Mädchen wie dir böse sein wenn sie sagt sie findet mich WOW. Solange wir beide wissen das nicht mehr dahinter steckt, sehe ich da gar kein Problem. Du liebst Josh und ich weiß das, es gibt keinen Grund, sich dafür zu entschuldigen." Sie sah mich mit großen Augen an und schien wirklich erleichtert. „Danke." Ich zwinkerte ihr zu und beschäftigte mich mit meinen Essen, während sie versuchte das ganze Josh besser zu erklären. Collin murmelte etwas wie: „Ein bisschen Konkurrenz tut ihm ganz gut." und Nessie schien vollkommen verdutzt.
„Schon was Neues von Ryan gehört?" fragte Collin plötzlich. Ich erstarrte Augenblicklich und lies dummerweise meine Gabel mit einem lauten Klirren auf den Teller fallen. Nessie sah mich unsicher an und schüttelte dann mit dem Kopf. „Ich muss mich jetzt sowieso erstmal um Jake kümmern." meinte sie grinsend. Ich blickte sie missbilligend an. „Darf ich dich daran erinnern liebe Dame, dass du hier von uns das Baby bist?" Lexi und Collin lachten schallend, während Nessie beleidigt das Gesicht verzog. „Ich bin kein Baby Jacob Black!" murrte sie wütend. „Ach nein?" harkte ich grinsend nach und begann durch ihre Haare zu wuscheln. Sie lies einen erstickten Schrei ertönen. „Jake bist du total bescheuert!"
Sie begann nach mir zu schlagen doch ich fing ihre Hände schon in der Luft ab. Alexis lachte glucksend. „Ihr seid wie ein altes Ehepaar!" Nessie lies augenblicklich von mir ab. „So ein Quatsch, Jake und ich sind nur Freunde." „Ja genau, nur Freunde." flüsterte ich leise und bis mir auf meine Lippe. Der Schmerz der durch diese simplen Worte ausgelöst wurde war überwältigend.
„Jake hat übrigens mit dir Englisch Lexi." kam es plötzlich von Collin. Diese sah vollkommen entzückt aus. „Ernsthaft? Ist ja toll! Dann lass uns doch gleich losgehen. Ich meine die Pause ist eh bald vorbei." Sie sprang auf und reichte mir die Hand. „Komm ich zeig dir den Weg."
Ich erhob mich seufzend und wollte ihr gerade folgen als mich Josh am Ärmel packte. Er sah mich ernst an. „Bitte tu nichts Unüberlegtes ja?" Ich schenkte ihm ein Lächeln. „Niemals, Ehrenwort."
Ich hatte Mühe überhaupt hinter der überraschend schnellen Alexis hinterher zu kommen. Plötzlich blieb sie stehen und sah mich strahlend an. Wir standen vollkommen allein irgendwo in einem Korridor. Irgendwie unheimlich. Ich ahnte schlimmes.
„Du bist in Nessie verliebt oder?" Ich sah sie entsetzt an, woher?
„Es stand dir aufs Gesicht geschrieben, Jake. Ihr seid so ein süßes Paar und ich bin sicher sie liebt dich auch, doch sie ist nicht bereit es sich einzugestehen, sie will am alten festhalten. Weißt du der nur Freunde Status ist einfach viel sicherer." Sie sah mich mit einem breiten Grinsen an. „Ich helfe dir, unter einer Bedingung!" Ich schluckte. „Und die währe?" „Nessie sagte, wir müssen mit dir
Shoppen gehen, weil du zu wenige Klamotten hättest. Wenn es soweit ist will ich dich in Boxershorts sehen!"
Ich musterte sie geschockt, so wirkte dieses kleine zierliche Mädchen gar nicht. Sie erinnerte mich in diesem Moment schrecklich an Alice.
