Er hatte es erwartet.

Schwer ließ sich Chris auf das Bett seines Hotelzimmers sinken, seufzte und sein Blick verlor sich in der Leere des Raumes.

Heute morgen erst, war er wieder hier in Arlington angekommen, hatte sich ein Zimmer genommen, mit dem Gedanken gespielt sie endlich und erst mal anzurufen, doch sich umentschieden. Er hatte Jill sehen wollen, er hatte seinen Sohn sehen wollen. So lange hatte er sich nicht erinnern können, so lange war er krank gewesen, doch jetzt hatte er sein Leben, seine Erinnerungen wieder zurück.

Er hatte sich das Wiedersehen in etwa genauso vorgestellt und war noch positiv überrascht gewesen, das Jill ihn nicht sofort vor die Tür gesetzt hatte.

Chris war klar, das er sie völlig überrumpelt hatte und deshalb war er gegangen.

Er wollte ihr Zeit geben.

Er musste ihr auch Zeit geben.

Vielleicht, wenn sie verinnerlicht hatte, das er wieder da war, würde sie sich fangen. Dann konnte er vielleicht mit ihr reden und dann konnte es vielleicht doch wieder gut werden. Er hatte ihr vieles zu erklären.

Die letzten Wochen hatten ihm die Augen geöffnet. Endlich.

Er hatte sich wie ein Idiot verhalten und ja, er war vor den Ereignissen von vor einem knappen Jahr davon gelaufen, hatte sich nicht damit auseinander gesetzt.

Erst Piers und die Anderen haben seinen besoffenen Arsch aus dieser Bar gehievt, ihn nach China geschleppt, ihn wieder zum Captain ernannt, denn zur BSAA gehörte er nun mal wirklich hin.

Die Ereignisse um den dortigen Virusausbruch waren verheerend gewesen. Er konnte nur bedingt einen Teil der Schuld von sich laden, die er seit Edonia, seit dem Tod seines Teams, mit sich trug und doch hatte er eingesehen, das er das hatte tun müssen, um sich selbst wieder zu finden. E war seinen Kameraden dankbar, besonders Piers.

Doch wie sollte er Jill das alles erklären? Würde sie es verstehen? Wollte sie überhaupt verstehen?

Für sie war er, trotz seiner Erkrankung, einfach verschwunden, er hatte sie ihrer Meinung nach verlassen.

Chris verfluchte sich.

Er verfluchte sich und seinen elenden Sturkopf.

Was hatte er angerichtet, sie einfach so allein zu lassen? Was hatte er nur gedacht, als er einfach so verschwunden war? Sie war zu ihm gekommen, hatte Wochenlang an seinem Krankenbett gesessen, gewartet, das er zu sich kam und wie dankte er es ihr?

Er hätte das nicht tun dürfen. Ob er in seinem verwirrten Zustand damals sich dessen bewusst war oder nicht, war unwichtig.

Schwer und gedankenverloren seufzte der Agent, ließ seinen Blick aus dem Fenster in die abendliche Spätsommerluft wehen. Er konnte sich sein Verhalten ja selbst nicht erklären. Vielleicht war es einfach nur eine Reaktion auf die Amnesie?

Nicht nur.

Chris sah einmal mehr und wie so oft in den letzten Wochen des Nachdenkens ein, das er feige gewesen war. Er war vor etwas davon gelaufen, schon damals im November, kurz vor der Mission im Dezember und den aufkommenden Gerüchten um den C-Virus.

Er war nicht für Jill da gewesen als sie das Baby verloren hatte, war sie doch genauso verletzt und voller Trauer gewesen wie er.

Es war ihr beider Wunschkind, doch das Glück und die Freude über Jills zweite Schwangerschaft hielt nicht lange an. Sie hatte das Kind in der dreizehnten Woche verloren, war selbst nur knapp mit dem Leben davon gekommen gewesen und dann war es irgendwie kalt zwischen den beiden geworden. Sie hatten nicht miteinander reden können, über diesen einen Punkt, dieses eine verheerende Ereignis. Sie gingen sich aus dem Weg.

Er spürte seit geraumer Zeit, das auch diese Wunde noch nicht verheilt war und er wusste, das es seiner Frau genauso gehen musste.

Chris hatte sich damals direkt in seine Arbeit gestürzt, war nur deswegen, um sich nicht mit seinem Verlust und seiner Trauer auseinander setzen zu müssen, wieder ins Feld gezogen, in den Außendienst, in den Krieg. Er war geflüchtet und es hatte ihn niemand mehr halten können.

- …,,Du kannst das nicht machen, Chris!"

,,…Jill, ich muss! Dieser Virus ist gefährlich, es gibt nichts auf der Welt, das diesen C-Virus aufhalten kann, noch nicht mal der Impfstoff, der aus deinen Antikörpern gewonnen wurde. Ich muss gehen, du weißt ich kann nicht einfach weg sehen und bei einer solchen Bedrohung die Füße still halten."

,,Hast du vergessen, das du nie wieder ins Feld ziehen wollest? Haben wir nicht schon genug durchgemacht?" Unverständlich hatte seine Frau ihn angeblickt, ihn angefleht, hier zu bleiben.

,,Das ist Nebensache, wenn ich damit Informationen über den Virus bekomme. Verstehst du nicht, dadurch kann die Welt etwas sicherer gemacht werden…für dich, für unseren Sohn. Ich lasse diese Gefahr nicht größer werden, ich will nicht riskieren, das es zur Katastrophe kommt. Du und Eric, ihr sollt in Sicherheit leben können."

,,…Und du verlangst von mir, das ich hier zuhause bleibe?"

,,Jemand muss sich um Eric kümmern…Ich werde nicht lange weg sein!…" er hatte ihr eine Hand an die Wange gelegt.

,,Es ist kurz vor Weihnachten, Chris…Dein Sohn wird nicht verstehen, wenn du nicht da bist. Er will dich bei sich haben und ich will das auch…"

,,Jill, wenn das schief geht, dieser Virus sich ausbreitete und kein Gegenmittel gefunden wird, wird es zur globalen Pandemie kommen und das weißt du genauso gut wie ich! Dann wird nirgendwo mehr Weihnachten gefeiert. Neo Umbrella muss aufgehalten werden…Es ist meine Pflicht!"… -

Er hatte nicht auf ihr Flehen gehört, zu hause zu bleiben, was lediglich bedeutete, das sie ihn brauchte. Er hatte nur an sich gedacht, hatte den Drang gespürt zu gehen, die Welt sicherer zu machen und er war sich heute sicher, das es in all seiner Verdrängung einen riesigen Fehler begangen hatte. Dumm war er gewesen.

Chris bereute.

Er hätte nicht einfach wieder in die Offensive wechseln sollen, er hätte an seinem Leben mit Jill festhalten sollen. Er hätte auch nicht einfach aus dem Krankenhaus verschwinden dürfen, ganz gleich, wie verloren er sich ohne Erinnerungen vorgekommen war. Chris hatte seine Familie vergessen, Claire, seine Jill und seinen Sohn und das konnte er sich kaum selbst verzeihen.

Es wäre ein reines Wunder nötig, damit Jill ihm verzeihen würde, wenn sie es denn überhaupt konnte.

Doch er wollte überhaupt nicht daran denken aufzugeben.

So schwer er sich auch Vorwürfe machte, er wollte alles dran setzten, das es wieder gut werden würde. Chris wollte seine Familie zurückbekommen. Diesmal endgültig…


,,Weißt du…" begann Claire sauer, nachdem sie ihren verschollenen Bruder in ihre Wohnung gelassen hatte, ,,…ich sollte mich tierisch über deinen Abgang aufregen, du weißt, das ich dazu neige zu explodieren, aber in anbetracht meiner Situation und für die Gesundheit meiner Tochter entscheide ich mich dazu, meinen Ärger einfach mal zur Seite zu drücken und mit dir zu reden, da ich einfach nur froh bin, das du wieder weiß wer du bist und wieder weißt, wo dein Platz ist."

,,Danke, Claire…" gab Chris knapp von sich und folgte ihr durch den kurzen Flur, vorbei am Wohnzimmer und dann in die Küche.

Er hatte an diesem Tag vorher schon bei ihr angerufen und natürlich war Claire aus allen Wolken gefallen seine Stimme zu hören, hatte sie doch schon von Rebecca gestern erfahren, das er wieder aufgetaucht war.

Chris blieb vor ihr stehen. Seine Augen musterten seine kleine Schwester nicht wenig überrascht, ihr Babybauch war deutlich zu erkennen. Er hatte bis gerade vorhin überhaupt nicht geahnt Onkel zu werden. ,,…Woww…" er kam nicht um ein sanftes Lächeln hin, ,,…Du siehst wirklich gut aus….Wie weit bist du?"
,,Sechs Monate…Die Kleine ist Anfang Dezember fällig."

,,Eine Nichte?"

Claire blickte ihrem Bruder in die Augen, schwieg.

,,…Matt ist ein Glückspilz…" sprach Chris weiter, erkannte, das Claire noch immer `nur´ ihren Verlobungsring trug, ,,…Ihr seit noch nicht verheiratet?"

,,Nein…" entgegnete sie, ,,…Glaub nicht, das wir auf dich gewartet hätten. Ich hätte mir einfach Barry als meinen Brautführer ausgesucht. Ich wollte nur nicht in einem Umstandskleid heiraten, denn ich möchte immer noch in Mutters Kleid heiraten. Wir verschieben es wohl auf nächstes Frühjahr oder so."

,,Dann kann ich meine Pflicht doch noch wahr nehmen…"

,,Ach ja?…" Claire sprach ironisch, Sarkasmus spielte mit, ,,…Du hast nicht vor, wieder einfach mal so zu verschwinden?" Ja, auch sie war sauer auf ihn und das nicht zu knapp.

Betrübt blickte Chris unter sich und seufzte, er hatte immer gewusst, das Claire sehr an ihrer Familie gehangen hatte, besonders an ihm, sonst war ja außer den weit entfernten Großtanten und die mittlerweile ebenfalls verstorbenen Großeltern niemand mehr da.

Er seufzte kurz und schüttelte den Kopf: ,,Nein…Claire, ich gehe nicht wieder weg, hör zu, ich weiß ich hab Mist gebaut, aber…"

,,Mist?…" fiel sie ihrem Bruder ins Wort, lachte beinahe, ,,…Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts, Chris…Hast du auch nur die leiseste Ahnung, was du den Menschen die dich lieben angetan hast?…Ich hab schon meine Eltern verloren, warum jetzt dich? Warum hast du das nur gemacht?"

,,Es tut mir leid…" begann er, ,,…Ich muss mich bei so vielen entschuldigen. Nenn mich verrückt, wenn du so willst, bei mir waren nach der Mission im Dezember einfach die Sicherungen durchgebrannt. Ich habe meine Erinnerungen verloren, musste Antworten finden, die ihr mir nicht geben konntet. Was Jill mir damals im Krankenhaus erzählt hat über euch alle…das kam mir alles so fremd vor, verstehst du das nicht?"
,,Also ein Selbstfindungstrip? Chris, es war uns allen klar, das du ein Trauma erlitten hast, das deine Amnesie dir praktisch ans Bein gepinkelt hat, aber warum in Gottes Namen hast du nicht abgewartet und bist mit deiner Frau nach hause gekommen? Man hätte dir sicher helfen können, auch wenn du uns nicht wieder erkannt hast, musst du doch gemerkt haben, das Jill es gut mit dir meinte…"

,,Das stimmt. Ich spürte, das sie mich liebte…"

,,Warum hast du dich dann nicht gemeldet? Ich kann ja verstehen, das Amnesiepatienten neben sich stehen und wohl völlig im dunkeln tappten, was dazu führt, das sie nicht wissen, was Sache ist, aber Chris…weg zu gehen, zu flüchten, vor einer Therapie, die dir helfen konnte, flüchten vor deiner Familie…das war sicher nicht der richtige Weg….Die BSAA hat eine Fahndung nach dir laufen gehabt! Hast d das nicht mitbekommen?…" unverständlich blickte Claire ihren Bruder an, ,,…Weißt du eigentlich, was wir durchgemacht haben? Was…ich…was Jill durchgemacht hat?"

Erneut senkte er den Blick. Die Tränen seiner Frau am gestrigen Tag quälten ihn noch immer. Wie ein Messer das in seiner Brust steckte schmerzte ihn seine Tat.

,,Sie hat es mir nicht gesagt…Sie hat mich weg geschickt."

,,Aus guten Grund…" entgegnete Claire, ,,…Dein Auftauchen muss sie getroffen haben wie eine Abrissbirne ein Gebäude. Jetzt, wo es ihr endlich wieder besser ging."

,,Wie…" Chris blickte verwirrt auf, fürchtete sich fast danach zu fragen, ,,…Wie ging es ihr?" Er hatte, als er am Morgen zuerst Barry und dann Rebecca angerufen hatte, neben etlichen Vorhaltungen seiner Freunde auch erfahren, das Jill wohl alles andere als gut drauf gewesen war.
Claire seufzte und drehte sich zum Küchenblock um. Sie hörte ihn näher kommen, als sie sich daran machte Töpfe, eine Pfanne und Zutaten für das Abendessen zurecht zu legen. Sie hatte das Thema nicht ansprechen wollen, doch es war ihr eben rausgerutscht, also konnte sie es ihm auch gleich sagen: ,,…Ich bin sicher, du kannst es dir selbst ausmalen. Wie ging es dir denn damals, nach ihrem verschwinden? Nachdem sie mit Wesker aus dem Fenster gestürzt und für tot erklärt worden war?…Die Rollen waren jetzt einfach nur vertauscht…" Claire schluckte und vertrieb die unschönen Erinnerungen an ihre Schwägerin, ,,…Sie hat nicht geschlafen, sie hat nicht gegessen, sie hat überhaupt nichts gemacht, nachdem sie am Boden zerstört aus Edonia zurück gekehrt war. Jill hat nur aufgegeben selbst nach dir zu suchen und ist in die Staaten zurück gekommen, weil wir alle sie daran erinnert haben, das da ein kleiner Junge bei ihr zuhause sitzt, der, wo er seinen Vater schon verloren hat, seine Mutter umso mehr brauch!…" Claire begann die Karotten auf ihrer Arbeitsplatte zu schälen. Chris stellte sich neben sie, griff selbst ein Messer und half ihr, er schnitt die Paprika in Scheiben.

,,…Dieses Kind hat ihr geholfen, Chris. Glaub mir, sie war schwer melancholisch, wurde depressiv, sie hätte sich verloren, denn sie war kurz davor aus Trauer einzugehen und nur die Tatsache, das sie nicht alleine war, euren Sohn bei sich hatte, hat sie weiter machen lassen. Sie hatte allmählich gelernt alleine klar zu kommen. Dich zu vergessen, auch wenn ich glaube, das ein Teil von ihr dich niemals vergessen hätte."

Chris gefror das Blut in den Adern: ,,Depressionen?"

,,Natürlich…" entgegnete die Brünette, ,,…glaubst du ihre ohnehin angeschlagene Psyche, die sie nach Afrika schon gepeinigt hatte, hätte sie verschont? Jill konnte einfach nicht mit deinem Verlust umgehen. Auch wenn es nicht immer danach aussieht, sie braucht dich wie die Luft zum atmen."

,,Aber ihr geht es doch jetzt wieder besser?…Oder?" er gab zu, das er sich nicht wenige Sorgen machte.

Claire hielt inne, drehte den Kopf zu ihm: ,,Ein wenig, Rebecca sagte, sie hat die Dosis der Antidepressiver zurück gefahren…doch ich weiß nicht, wie es jetzt in ihr aussieht, wo du wieder zurück gekommen bist. Rebecca meinte auch, das selbst die kleinste Kleinigkeit dazu führen kann, das sie erneut aus der Bahn geworfen wird. Nimm es wie du willst, Chris, aber Jill ist und war seit Afrika niemals wirklich gesund, sie wird es auch nie wieder sein und…damals, die Sache mit dir, dein Aufbruch nach Edonia, deine Verletzung im Einsatz und dann dein Verschwinden, das hat alles schlimmer gemacht."

,,Wie kann ich es wieder gut machen, Claire?…" fragte Chris. Es berührte ihn, das alles zu erfahren, ,,…Die ganze Scheiße in China hat mich aufgeweckt, mich aus meinem Sog gezogen und ich brauche die beiden. Es gibt so viel, was ich ihr sagen muss, dann wird sie mich vielleicht verstehen…"

,,An deiner Stelle würde ich nichts von ihr verlangen…" hielt Claire dagegen und kippte die Karotten in eine Pfanne, die sie aus einem der Küchenschränke nahm und auf die Herdplatte stellte.

,,Was soll ich machen, Claire? Die Zwei fehlen mir, unendlich. Ich habe Fehler gemacht, ja, ich hätte mich melden sollen, euch mich erklären sollen…ach, ich war einfach nur feige und blind, als ich aus dem Krankenhaus verschwunden war und…ich würde alles tun, das sie mir wieder verzeiht."

,,Ruf sie einfach an…Geh nicht hin, das irritiert sie nur."

,,Ich habe mittlerweile schon angerufen, aber sie hat direkt aufgelegt, sagte, ich solle sie in Ruhe lassen…" Chris sah seiner Schwester zu, wie diese auch die Paprika in die Pfanne kippte, das Öl hinzu gab und sprach weiter: ,,…Kannst du vielleicht mit ihr reden? Sie ist deine beste Freundin, auf dich hört sie sicher."
,,Ich soll also Jill dazu drängen, mit dir zu reden? Glaubst du nicht, dass, wenn sie das Bedürfnis dazu hat, sie sich selbst bei dir meldet?"

,,Das wird sie nicht, ich kenne ihren Sturkopf…" Chris seufzte, ,,…Bitte, Claire, ich möchte endlich nach hause…Ich möchte wenigstens eine Chance haben alles zu bereinigen, was ich kaputt gemacht habe."

Claire blickte ihrem Bruder in die Augen, sah dann unter sich: ,,Du wirfst dir das wirklich vor, nicht wahr? Du bereust es?"

Er nickte: ,,Ja. Du kennst mich, ich stehe zu meinem Wort. Ich war ein Idiot, habe nicht gesehen, was ich hatte. Ich sage nicht, das ich nicht die Mission hätte annehmen sollen, denn dieser neuartige Virus ist verdammt gefährlich, aber ich sage, das ich nach der Sache einfach nicht hätte so egoistisch sein sollen...Ich hätte auf mein Innerstes hören sollen, das mir tief drinnen geraten hat, bei Jill zu bleiben."

Claire nickte leicht, schniefte, da ihr selbst Tränen kamen: ,,Weißt du…Jill ist nicht die Einzige, die dich verloren hat…Ich habe dich vermisst, Chris…"

Chris sah die Tränen seiner Schwester, erkannte einmal mehr, das er auch ihr weh getan hatte und zog sie sachte in seine Umarmung: ,,Komm her…" er hielt sie, strich ihr übers Haar, ,,…Es tut mir so leid, Claire…Ich liebe dich doch, Schwesterchen…es tut mir leid."

Die Brünette hielt sich an ihrem Bruder fest und nickte: ,,Ich bin so froh, das du lebst!…Ich bin so froh, das du endlich wieder du selbst bist…und ich bin so froh, das ich dich zurückbekommen habe."

Chris nickte.

Noch einmal schniefte Claire, löste sich dann von ihm und wischte sich die Tränen weg: ,,Weißt du…es wird sicher dauern, bis dein Verhalten vergessen ist, aber ich kenne dich. Du bist mein Bruder, ich weiß, wie sehr du das alles bereust…" sie schluckte, ,,…Im Grunde geht es mich nichts an, was zwischen dir und Jill ist, du musst das alleine gerade biegen, darum werde ich mich versuchen raus zu halten, aber ich werde mit ihr reden."

,,Danke, Claire."

Sie nickte ebenfalls.

Ja, Claire wusste, wie sehr ihr Bruder seine kleine Familie liebte und ob er nun einen Fehler oder hundert begangen hatte, er gehörte immer noch zur Familie. Also würde sie ihn nicht verachten oder ins Exil schicken, sie würde es akzeptieren, so mal sie wusste, das er sein Fehlverhalten selbst eingesehen hatte, sich selbst in seinem Innern wohl am härtesten bestrafte. Sie würde ihm helfen, wie es sich für Geschwister gehörte.

,,Matt kommt gleich von der Arbeit…" begann Claire dann, ,,…möchtest du bleiben? Mit uns zu Abend essen?"

Chris blickte ihr in die Augen und nickte dankbar. Das seine Schwester ihm vergab, tat ihm gut. Es linderte seinen Schmerz ein wenig…