Jill starrte auf ihre Uhr am Autoradio.
Donnerstag, 08.08.2013, 19:08 Uhr.
Sie war schon ein paar Minuten zu spät dran, jedoch parkte die Blondine bereits auf dem Parkplatz des Hotels in dem ihr Ehemann abgestiegen war. Schwer seufzte sie, bemühte sich ruhig zu bleiben, war sie doch seit seinem Wiederauftauchen ziemlich durch den Wind. Über sechs Monate kein Lebenszeichen von ihm und dann plötzlich, stand er wieder vor ihr.
Noch immer war es ein Schock.
Ihre Kolleginnen hatten das ebenfalls bemerkt, da Jill in den letzten beiden Tagen mehr schlecht als recht durch ihren Arbeitsalltag gestolpert war.
Sie wusste nicht, wieso sie einem Treffen zugestimmt hatte, konnte sich allerdings denken, das Claire nicht ohne Grund mit ihr gesprochen hatte und wohl auch auf Geheiß ihres Bruders hin ein solchen Treffen vorgeschlagen hatte und ja, irgendwie hatte ihre Schwägerin recht gehabt. Nach langem Überreden, hatte Jill zugestimmt und als Chris dann kurz darauf wieder anrief, hatten sie dieses Treffen abgemacht, obgleich ihre eigene Begeisterung sich gänzlich im Rahmen hielt.
Ein klärenden Gespräch musste allerdings dennoch über kurz oder lang stattfinden, sie waren schließlich noch immer verheiratet und hatten ein gemeinsames Kind.
Jill gab auch zu, das, so wütend sie noch immer war, ein Teil von ihr nun doch zu gerne Chris´ Erklärungsversuche hören wollte, während ein anderer Teil, einfach nicht aufhören konnte an ihn zu denken. Sie hielt im Innern noch immer fest an den gemeinsamen Jahren, beruflich und privat und sie wollte einfach wissen, was so schief gelaufen war, was Chris zu seinem Verschwinden veranlasst hatte.
Noch einmal blickte sie auf die Uhr. Zehn nach sieben. Innerlich nickte Jill, dann gab sie sich einen Ruck und verließ den Wagen…
,,Jill!…" Chris lächelte erleichtert und bat sie in sein Zimmer, ,,…ich bin froh, das du hier bist…Komm rein."
Sie tat es und sie sah sich um. Ein gemütliches, sauberes, allerdings nicht allzu großes Zimmer, in dem man durchaus für ein paar Tage leben konnte. Ein Bett, ein Schrank, ein kleiner Tisch, ein Fernseher in der Ecke, doch nicht für einen Daueraufenthalt gedacht.
,,Ich hatte befürchtet, das du nicht kommst…" gestand er kleinlaut, reumütig, als er die Tür hinter ihr schloss.
,,Ich war kurz davor, aber…du kennst den Stau in der Rush Hour…" gab Jill trocken zurück, als sie in der Mitte des Raumes stehen blieb.
Chris nickte und kam zu ihr. Er betrachtete sie und ja, sie sah gut aus. Der knielange Jeansrock und das blaue Top schmeichelten ihr.
,,Wo hast du Eric gelassen?" fragte er, war schon etwas enttäuscht darüber, seinen Sohn nicht sehen zu können, dennoch wusste er, das bei einer Aussprache zwischen ihm und seiner, immer noch, Ehefrau, es besser war, wenn sie beide allein und ungestört waren.
,,Ich hab ihn nach Feierabend vom Kindergarten abgeholt und zu deiner Schwester gebracht. Sie wird auf ihn aufpassen, bis ich ihn später wieder abhole."
Chris nickte: ,,Möchtest du was zu trinken oder so?"
,,Nein, ist alles okay…" sie sah ihn an und bemerkte, das sein T-Shirt, sowie die Jeans neu waren. Klar, er hatte bisher noch keines seiner Kleidungsstücke von ihr verlangt, also hatte er sich sicherlich neue zugelegt, um nicht ständig in Uniform gekleidet zu sein und ja, Jill hatte noch sämtliche Sachen von Chris in ihrem Haus. Ihr wurde erst jetzt bewusst, das sie alles so gelassen hatte, alles war noch an seinem Platz, so als wenn er niemals verschwunden wäre, selbst die Unordnung in seinem Hobbykellerraum.
,,Setz dich doch, ich kann dir auch was zu essen…"
,,Chris!…" Jill stellte ihre Handtasche auf den kleinen Tisch, ehe sie sich wieder zu ihm umdrehte, ,,…Ich bin nicht zum gemeinsamen Nachmittagspicknick hier."
Er schwieg, blickte unter sich.
,,Du wolltest mich sehen. Du hast deine Schwester genötigt mich zu einem Treffen mit dir zu überreden und ihr und meiner Nichte zu liebe habe ich das auch getan, also…ich bin hier! Spuck aus, was du zu sagen hast!" demonstrativ verschränkte sie die Arme vor der Brust.
Chris bemerkte noch immer, das sie wütend war.
Er verstand sie. Sie hatte sich schon immer wütend gegeben, oder verärgert, um im Grunde genommen zu überspielen, das sie schlichtweg einfach nur verletzt war.
Jill musterte ihn und schüttelte den Kopf. Sie konnte noch immer nicht fassen, das er wieder hier war.
,,Es gibt einiges, was ich dir sagen muss, über die Mission im Dezember letzten Jahres und…"
,,Ich will nichts über Edonia wissen…" unterbrach Jill ihn strickt, blickte in seine Augen, ,,…Das ist mir alles egal, Chris!…Nenn mich egoistisch wenn du willst, aber ich habe die Schnauze gestrichen voll davon!…Ich habe dir gesagt, dich angefleht, das du diese Mission nicht annehmen sollst. Ich habe bis zu deiner Abreise gebetet, das du doch noch zurück trittst, doch du hast es nicht getan…und dann war alles anders…"
,,Jill, ich…niemand konnte wissen, das es auf diese Weise eskalieren würde, das wir, mein Team in diese Falle tappen würde…"
,,Du kannst froh sein, das du nicht infiziert wurdest!" patzte sie dazwischen.
,,…Schatz, ich konnte doch nicht einfach so zusehen…" entgegnete er, versuchte ihr zu erklären, versuchte sie zu besänftigen, ,,…Dieser C-Virus ist viel gefährlicher, als die anderen, gegen den besitzen sogar du und unser Sohn keine Antikörper, ich konnte nicht zulassen, das sich das weltweit verbreitet. Ihr wäret in Gefahr gewesen…"
,,Wir sind immer in Gefahr!…" sie regte sich auf, versuchte auch nicht das zurück zu halten, ,,…Es wird nicht aufhören, niemals, aber deshalb musst du nicht immer wieder den Helden spielen!"
,,Das will ich doch gar nicht…" hielt er dagegen, ,,…Ich bin kein Held, ich bin einfach nur jemand, der seine Pflichten nicht ignorieren kann, das globale Chaos war zu groß, die Bedrohung war zu groß, versteh das doch. Ich konnte nicht zulassen, das euch etwas passiert!"
Jill atmete aus: ,,Und was hat es dir gebracht, deiner Pflicht nach zu kommen?…Du hast deine Einheit verloren, deine Erinnerungen und dann deine Familie auch noch…" verletzt hielt Jill mit aller Macht ihre Tränen zurück, ,,…Sag mir, war es das wert? Ich weiß, wie es dir ging, ich war selbst einst Soldat, ich habe gegen Bioterrorismus gekämpft, bis es mein Leben zerstört hat…für dich…." sie schluckte, drängte unschöne Erinnerungen zurück, ,,…Ich weiß das es gefährlich war, wir haben über den C-Virus in dnen Nachrichten gehört, aber Chris, ich hätte lieber nur ein paar Monate mit dir gehabt, als den Rest meines Lebens allein zu verbringen…Du hättest nicht gehen dürfen…" sie sah unter sich.
Chris näherte sich ihr. Er bereute einmal mehr, jetzt wo er ihre Tränen sah und schloss die Augen. ,,…Ich dachte nicht, das es so kommt…Die Mission lief okay, bis zu der Falle von Carla Radames, die Ada Wong zum verwechseln ähnlich war. Ich wollte nicht, das es so weit kommt, wirklich!…" er schwieg, blieb dich vor ihr stehen, ,,…Es tut mir alles so unendlich leid, mein Schatz…"
,,…Ich bin zu dir gekommen…" entgegnete Jill und schniefte leise, ,,…Ich habe tagelang, wochenlang an deinem Krankenbett gesessen, darauf gewartet, gebetet, das du wieder aufwachst, ich hätte Jahre darauf gewartet und ich war so glücklich, als ich wieder in deine Augen sehen durfte…Mit deiner Amnesie hätte ich leben können, ich hätte dir schon geholfen dich zu erinnern…" erst jetzt blickte sie wieder hoch in seine Augen, ,,…Warum hast du uns verlassen? Ich habe dir doch erklärt wer ich bin, wer deine Familie ist…Warum? Ohne Lebwohl…Waren wir dir egal?"
Sanft hob er eine Hand, wischte ihr die Nässe von der Wange und war überrascht, das sie dies zuließ. ,,Ich weiß es nicht…" Ehrlichkeit lag in seinem Blick. Er wusste es bis heute noch nicht. ,,…Ich war verloren, Jill. Diese Leere in mir…wenn man sich an nichts erinnern kann, von einer Schuld verfolgt wird, die man nicht mehr kennt, von der man nichts mehr weiß. Ich habe niemanden mehr erkannt, ich war mir fremd, ihr wart mir fremd, mein ganzes Leben…und…ich musste für mich sein, versuchen herauszufinden, was gewesen war. Ich musste mich selbst erst wieder finden."
,,Du hast nicht einmal angerufen. Niemand konnte dich finden!"
,,…Ich glaube…ich wollte nicht gefunden werden. Ich glaube, deshalb bin ich untergetaucht, habe mich nicht gemeldet, als ich herausfand, das Chris Redfield gesucht wurde." Chris senkte den Kopf.
,,Wir wussten bis vor zwei Monaten nicht, das du überhaupt noch lebst und dann muss ich von der BSAA erfahren, das sie dich nach China geschickt haben…" Jill schüttelte den Kopf, ,,…Warum hast du mich nicht angerufen? Es tut so weh, das ich dir nicht genug bin, das du lieber in den Krieg ziehst, als nach hause zu kommen!"
,,Das stimmt nicht…du bist mehr als genug für mich…Du bist alles!…Ich liebe dich doch."
Sie schniefte abermals: ,,Da hast du aber eine komische Art das zu zeigen…" Dann drehte sie sich zur Seite, ihr Blick verlor sich im Nichts, während sie sich langsam zum Fenster bewegte, sie blickte hinaus, sah das belebte Arlington, den Straßenverkehr, die Menschen.
Ruhe kehrte ein.
Chris sah ihr zu, ging dann langsam zum Bett, setzte sich und atmete durch. Er erzählte er weiter: ,,…Erst in China, als ich mit all dem Terror wieder konfrontiert wurde, erinnerte ich mich, erst dort gelang es mir wieder und…Ich war so voller Hass…" er sprach langsam, jedes Detail lebte in seinen Gedanken wieder auf, jedes Gefecht, jeder Kamerad, jede Sekunde, ,,…Ich habe nicht auf die Anderen gehört, ich war blind vor Wut, um diese Frau aufzuhalten…ich habe mich gegen Leon, meinen besten Freund gestellt und ich machte weiter…Piers riet mir, drängte mich, klar zu denken, vernünftig zu sein, doch ich konnte nicht…und dann, als ich es eingesehen hatte, haben wir versagt…"
,,Ich weiß…" sagte Jill leise, ,,…Ich habe von der Rakete mit den Vieren gehört. Es ging durch alle Nahrichten." Chris und Piers hatten nicht verhindern können, das eine Rakete genau über Tatchi explodiert und die Vieren so freigesetzt hatte. Leon war zu der Zeit dort gewesen, doch er war gerade noch so davon gekommen.
Chris blickte kurz auf, in ihre Augen, dann sah er wieder unter sich. ,,…Es gab so viele Tote…so viel unnötige Opfer…doch ich habe die Sache wenigstens etwas bereinigt, wenigstens einen kleinen Teil wieder gut gemacht…" sprach er weiter, ,,…Ich konnte die Menschen dort nicht retten, aber ich habe jemandem gerettet, der im Stande ist der gesamten Menschheit zu helfen…Jack Muller."
Jill blieb still. Ihr sagte der Name rein gar nichts.
,,…Er ist der…" Chris brauchte, um die Worte auszusprechen. Er sah zu seiner Frau, die noch immer ihm den Rücken zugewandt hatte und er wusste, dass das kommende, vieles wieder aufreißen würde. Dennoch musste Jill es erfahren, sie sollte alles wissen, es durfte zwischen ihm und ihr keine Geheimnisse geben. Schwer schluckte der Agent, räusperte sich und sprach es dann aus: ,,Dieser Mann, er…Er ist der Sohn von…Albert Wesker."
Die Blondine erstarrte augenblicklich. Ihre Augen lösten sich von der Welt da draußen, sie hob den Kopf und gläubig, drehte ihn zu Chris.
Hatte die das richtig gehört? Richtig verstanden? Albert Wesker, ihr Erzfeind, Feind der Menschheit und ihr eigener persönlicher Teufel, hat einen Sohn?
,,Was?…" Jill trat langsam wieder näher. Sie wollte, konnte nicht begreifen. Unweigerlich erinnerte sie sich an ihre eigene Hölle, ihre drei Jahre zurück.
…Da draußen gibt es einen zweiten Albert Wesker?…
Grauen zeichnete sich in ihren Augen ab.
Chris nickte: ,,Ja…aber seine Identität, seine Abstammung wird streng geheim gehalten. Das ist alles Top Secret, genau genommen, dürfte ich es dir nicht mal sagen, aber du musst alles wissen, Jill. Ich will nichts vor dir verbergen."
Jills Knie wurden weich. Sie setzte sich neben Chris aufs Bett und konnte nicht leugnen, das ihr der Gedanke an einen Abkömmling ihres Peinigers ganz und gar nicht gefiel.
Sie bekam Angst.
Wenn Wesker einen Sohn hatte, würde dieser seinen Vater rächen wollen?
,,Was will er?…Ist er hinter Eric her?" Eine dicke Gänsehaut prasselte über ihren Rücken. Sie dachte unweigerlich an die Entführung ihres Kindes zurück.
Chris drehet sich zu ihr, verstand ihre Körperhaltung, verstand ihre Furcht, doch schüttelte den Kopf. ,,Nein, ich glaube nicht, das er überhaupt von dir oder unserem Sohn weiß…er will gar nichts. Er wusste bis vor kurzem noch nicht einmal, wer sein Vater ist und das dieser so…bedeutend war. Jack ist ein gewöhnlicher Söldner aus ärmlichen Kreisen, doch hat er einzigartige Antikörper gegen den C-Virus."
,,Antikörper? Dann ist er wie ich?" Jill glaubte Chris. Egal was er getan hatte, er würde ihr niemals ins Gesicht Lügen. Wenn Chris also ihr versicherte, das Jack `harmlos´ war, dann war er es auch, obwohl die Blondine sich eingestehen musste, das sie diese Nachricht wie einen Vorschlaghammer getroffen hatte.
Wieder schüttelte Chris den Kopf: ,,Nein, er ist nicht wie du. Er wurde so geboren, er hat das Blut seines Vaters…er ist eher…wie Eric. Völlig normal und doch etwas besonderes…wir wissen beide um die Erschaffung und die Versuchsreihe der Wesker-Kinder."
Jill nickte. Ja, Wesker war selbst einst Laborratte gewesen, unter Spencers Führung und trotzdem war es irgendwie verdreht. Es war einfach nicht richtig, es widerte sie an.
,,…Sherry Birkin hat ihm zur Flucht verholfen…du erinnerst dich an sie?"
Jill nickte nur. Sie hatte Sherry niemals persönlich getroffen, aber Claire hatte ihr von dem Mädchen das sie und Leon aus Raccoon City gerettet hatten erzählt. Einzig William Birkin, Sherrys Vater war ihr damals mehrere Male im Raccoon City Police Department zusammen mit Chief Brian Irons über den Weg gelaufen. Die beiden und Anette Birkin, Sherrys Mutter waren alle damals mit der Stadt untergegangen.
,,Sie ist jetzt Agentin der Regierung…" erzählte Chris weiter, ,,…ähnlich wie Leon und ich traf die beiden erst in Edonia, dann in China. Neo-Umbrella war hinter ihnen her. Die wollten seine Antikörper um das Virus resistent zu machen."
,,Neo-Umbrella?" ungläubig blickte Jill ihren Ehemann an. Sie glaubte kaum, was sie da hörte.
,,Ja, es em…ist schwer zu erklären…" entgegnete er, ,,…Diese Frau, Carla Radames, einst Forscherin, ist der Kopf dieser Organisation gewesen, sie wurde von Simmons zu Versuchen mit dem C-Virus missbraucht, es hat ihr äußeres verändert, damit sie eben so aussah wie Ada und..."
,,Simmons? Derek Simmons?" Jill glaubte kaum, was sie da hörte, immerhin war dieser Politiker ein hohes Tier in Washington D.C., enger Freund des Präsidenten und für die nationale Sicherheit verantwortlich gewesen.
Chris nickte: ,,Er steckte hinter all dem. Der Präsident wollte der Öffentlichkeit die ganze Wahrheit über Raccoon City sagen, jede Einzelheit, die Beweise die beim Untergang vernichtet wurden. Simmons hat das verhindert, in dem er die Viren in Tall Oaks frei gesetzt und den Präsidenten damit getötet hatte."
Jill blickte zur Seite. Seit sie nicht mehr bei der BSAA war, bleiben ihr Details verborgen, allerdings fragte sie sich jetzt, ob das gut war, denn einfach alles hörte sich jetzt viel schlimmer an als früher.
Hatte sie geglaubt, das die Verschwörung des ehemaligen Vorsitzenden der BSAA O´Brian und dem Präsidenten der Federal Bioterrorism Commisson um Terragrigia, die Terroristenbande Veltro und die Queen Zenobia mit ihren beiden Schwesternschiffen wäre fatal gewesen, wurde es einfach nur noch abstruser und sie eines besseren belehrt.
Sie konnte es einfach nicht fassen, Derek Simmons, der Mann der für die Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung verantwortlich war, hatte das alles eingefädelt, war Schuld daran, das tausende Amerikaner und tausende Chinesen für nichts und wieder nichts gestorben waren, für ein paar geheime Virenversuche in dunklen Kellern. Wohin sollte das alles noch führen? Diese Welt war einfach nur noch Abschaum, verrottet und verdorben.
,,Sorry…" sagte sie, musste die Nachrichten sinken lassen, ,,…Das ist em…ganz anders, als es in den Nachrichten rüber kommt."
Chris nickte innerlich: ,,Sicher, aber die Schadensbegrenzung läuft bereits und…ich will, das du das alles weißt, was ich auch weiß."
Verwundert blickte sie ihn an: ,,Und woher weißt du es?"
,,Von Leon…er hat es mit gesagt, er war beim Präsidenten, als der Angriff passierte und er hat mich nach unserem Zusammentreffen in China auch auf die Suche nach diesem Jack geschickt."
Jill wusste, dass Leon und Adam, der Präsident der vereinigten Staaten von Amerika, enge Freunde waren. ,,Es muss schlimm für Leon gewesen sein…"
Auch Chris nickte, dann kehrte einen Augenblick gänzlich Ruhe ein, ehe sie sich erneut an ihn wandte und fragte: ,,Jetzt forscht die BSAA mittels der Blutproben von diesem…Jack also an einem weiteren Impfstoff, so wie bei mir?"
Chris nickte: ,,Ja, die BSAA arbeitet mit der Regierung zusammen. Rebecca mischt da auch bei mit, zumindest wurde sie angefragt. Der Impfstoff, der durch deine Antikörper gewonnen wurde, schützt leider in kleinster Weise vor dem C-Virus…du hättest dir diese Mutationen ansehen müssen, so was habe ich noch niemals zuvor gesehen…" er schluckte, verdrängte den Anblick seiner Kameraden in diesen Kokons, damals in Edonia. Er hatte Finn, den ängstlichen, schüchternen und unsicheren Neuen, wirklich gemocht.
,,Es tut mir leid, Chris…"
Er blickte auf. In ihren Augen erkannte er, das sie wusste, was ihm gerade durch den Kopf gegangen war und es wärmte ihn im Innern.
,,Es waren gute Männer…" er nickte einmal mehr und schloss die Augen, ,,…Ich verstehe nicht, warum sie sterben mussten. Wir hatten doch nichts mit dieser Frau zu tun. Wir dachten, sie wäre eine unschuldige Überlebende. Wir wollten ihr helfen." Es wärmte ihn noch mehr, als er die Hand seiner Frau auf seinem Rücken spürte.
,,Du hast überlebt, du hast dazu beigetragen, diesen Jack zu retten und sicherlich können viele Menschen gerettet werden, sobald ein Impfstoff entwickelt ist. Du hast das Andenken an deine Kameraden in Ehre gehalten." Jill erkannte, das Chris wohl noch immer daran zu nagen hatte.
Noch einmal nickte er, nachdenklich, seine Kiefer mahlten aufeinander.
,,Wo ist Jack jetzt?" wollte sie nach einigen Momenten wissen.
Ein schlichtes Zucken mit den Schultern bekam sie von ihm als Antwort.
,,Weskers Sohn…" begann die Blondine von neuem, fand es beinahe komisch, ,,…Der Mann, der mir all das angetan hat…Unglaublich, das sich eine Frau freiwillig mit dem Mistkerl eingelassen hat…" sie schloss angewidert die Augen.
,,Ist wohl alles Schicksal, Jill…" entgegnete Chris, drehte den Kopf zu ihr, ,,…Wesker war nicht immer das Monster, als das wir ihn kannten. Er mag wohl schon immer nicht `normal´ gewesen sein, doch auch er war einst ein unschuldiges Kind, ein Teenager, dann ein junger, unwissender Erwachsener, der trotz allem noch vor seiner Mutation in den Arklays, vor seiner Gier nach Macht gefallen am anderen Geschlecht gefunden hatte, die Mutter seines Sohnes vielleicht sogar geliebt hatte, das ist nur natürlich, aber das werden wir wahrscheinlich nie genau erfahren…" er schluckte kurz, als er seinen nächsten Gedanken aussprach, ,,…Ironie…Wollte der Vater die Welt zerstören, ist es sein Sohn, der sie vielleicht retten wird, so hat es Piers zu mir gesagt, kurz vor dem Ende...Ich habe Jack gegenüber gestanden. Er sieht Wesker sehr ähnlich, jedoch denke ich, nein, ich weiß, das er im Wesen grundverschieden ist…Weißt du, Jill…als ich ihm gesagt habe, das ich es war, der seinen Vater damals…" Chris seufzte, ,,…Jack hielt mir eine Pistole an den Kopf und ich musste an meinen Sohn denken. Was wird Eric von mir halten in zwanzig, dreißig Jahren?…Jack hat seinen Vater kaum gekannt, ihn womöglich noch niemals gesehen und doch war er zornig auf mich gewesen…" er sah ihr in die Augen, ,,…Ich möchte, das mein Sohn eines Tages stolz auf mich ist, das er mich ansieht, wie ich meinen Vater angesehen habe und mich niemals so verabscheuend ansieht, wie Jack mich angeblickt hat."
Jill verstand ihn: ,,…Dann willst du weiter machen, damit dein Sohn eines Tages stolz auf dich ist? Dein Leben aufs Spiel setzen…Okay, es ist deins." Sie stand auf, wollte ihre Tasche holen, wollte gehen.
,,Hey…" Chris sprang ebenfalls auf, griff ihr ans Handgelenk, ,,…Was hast du vor?"
,,Ich gehe, was sonst?…" Sie sah in seinen Augen, das er ihre Reaktion nicht nachvollziehen konnte und wurde deutlicher, ,,…Chris, du hast mir gesagt, was geschehen war, du hast mir Einzelheiten gegeben und ich muss zugeben, das ich völlig überrascht und schockiert bin, obwohl ich keinem Politiker blind vertrauen würde…allerdings dachte ich, unser Gespräch ist damit beendet…Um ehrlich zu sein, möchte ich auch nach hause, es war nicht unbedingt ein leichter Tag." Über einen anderen, dunklen Punkt wollte sie eigentlich nicht reden. Den Verlust im November.
,,Nein, Jill, bitte…Ich möchte über uns reden."
,,Über uns?…" sie entzog sich seiner Berührung, ,,…Ein `uns´ gibt es schon lange nicht mehr. Es ist vorbei…"
Betrübt blickte Chris zu Boden.
,,Ich bitte dich, was hast du denn erwartet?…" wollte Jill wissen, ,,…Das du nach über sechs Monaten aus dem Nichts zurück kommst, mir deine Sünden beichtest, mir streng geheime Informationen gibst, ich dir einfach so verzeihe und alles in Ordnung ist? Auch wenn du in deinem Loch gefangen warst, in das du dich selbst gebracht hast, ging das Leben hier weiter…"
,,…Ich weiß von deinen Depressionen…" viel Chris ihr einfach so ins Wort und kassierte einen irritierten, fast erschrockenen Blick von seiner Frau. Er konnte in ihren Augen sehen, das es ihr unangenehm war, doch sprach er weiter, ,,…Claire hat es mir erzählt."
Kurz sah Jill zur Seite uns seufzte innerlich, er wusste also das sie krank war. Sie war noch mehr überrascht als zuvor, dennoch war es ihr egal und so nickte sie leicht: ,,Ja…Es war hart, sehr hart…aber ich habe gelernt damit umzugehen, das ich dich verloren habe."
,,Nein…" Chris schüttelte den Kopf, ,,…Sag das nicht, bitte…" er griff an ihr Kinn, drehte ihren Kopf zu sich und blickte ihr in die Augen, ,,…Schatz, ich…"
,,Nenn mich nicht so!" fauchte sie dazwischen, schubste seine Hand von sich.
,,…Jill, ich…" er respektierte es, er fühlte ihre steigende Wut, ,,…Ich war nicht bei mir, ich weiß, ich habe dir sehr weh getan, ich habe dich im Stich gelassen und ich werde es mir selbst niemals vergeben, das ich dich vergessen habe, aber…ich will es wieder gut machen. China…hat mich wach gerüttelt. Piers hat sein Leben für mich gegeben und mir bewusst werden lassen, was ich habe…hatte…das es sich lohnt für etwas zu kämpfen, für dich zu kämpfen…Die letzten Monate im dunkeln, ohne Erinnerungen…das ist kein Leben. Was soll ich da draußen, wofür soll ich kämpfen, wenn ich nichts habe, was mich am Leben hält? Piers gab mir die Antwort, er hat mich an dich erinnert. Er war mein Partner. Er hat ein sehr großes Opfer gebracht, weil er wollte, das ich überlebe, genau wie du damals."
Jill schluckte bitter, sie hatte vom Tod von Piers Nivans erfahren und sie bedauerte es ihn nur flüchtig, fast überhaupt nicht, gekannt zu haben: ,,Ja…auch ich war einst dein Partner und glaube mir, ich würde jeder Zeit wieder von einer Klippe springen, wenn ich dich damit schützen könne, aber das von damals ist vorbei, ich habe diesem Leben vor Jahren den Rücken gekehrt…und allem anderen auch. Ich will nichts mehr davon wissen, ich will in Ruhe leben und meinen Sohn groß ziehen…Mag sein, das es wirklich egoistisch von mir ist, aber dein Leben dort ist nichts mehr für mich!"
,,Das muss es auch nicht. Mir ist es viel lieber, dich zuhause in Sicherheit zu wissen und ich wollte…" begann er zögerlich, doch gab sich einen Ruck es auszusprechen, sonst würde er noch stundenlang um den heißen Brei reden, ,,…ich möchte dich zurück haben. Dich und meinen Sohn."
,,Deinen Sohn?…Er hat dich ja kaum erkannt."
,,Ich will nicht einer dieser Väter sein, der seine Familie verlassen hat und ich möchte Eric nicht zu einem Sohn machen, der deswegen einen Hass auf seinen Vater hat."
Sie nickte schwer, schniefte, konnte seinen Worten einfach nicht glauben: ,,Bis du das nächste Mal die Welt retten musst, weil dein Pflichtbewusstsein sich nicht unterdrücken lässt und du dich immer nur um andere kümmerst…Dein Sohn wird stolz auf dich sein, keine Frage, aber dafür wird er auf dich verzichten müssen. Du wirst nicht da sein, um ihn aufwachsen zu sehen, weil du immerzu im Felde kämpfen wirst…Du bist ein Kampfsoldat, ein verdammt guter und das ist nun mal in dir drin, Chris, du kannst es nicht leugnen..."
,,Nein, ich habe…"
,,Ich pack das nicht noch mal!…" Jill blickte ihm fest in die Augen, legte sich eine Hand an die Brust, die sich fest um ihre Lungen schnürte, ,,…glaub mir, das ist eine gute Eigenschaft von dir, das du dich nicht nur um dich selbst kümmerst, sondern auch wahr nimmst, was um dich herum in der Welt geschieht, das du versuchst diese sicherer für alle zu machen und bei Gott ja, die Menschheit könnte noch mehr Leute wie dich gut gebrauchen, aber du kannst es eben auch nicht abstellen. Ich kann nicht zuhause sitzen und dabei zusehen, wie du hinaus in den Krieg ziehst, das ich beten und hoffen muss, das du heil zurück kommst! Du kannst nicht nur umkommen, du kannst dich auch Infizieren, du…" sie brach ab, als sie bemerkte zu viel zu reden und schüttelte den Kopf, ,,…ach vergiss es." Sie wollte an ihm vorbei, sie wollte es beenden, doch er hielt sie auf.
,,Nein, warte…" Chris griff ihre Schulter, ,,…Du hast recht, das was du sagst, was du fühlst, ist so selbstsüchtig und egoistisch von dir wie von mir…Ich habe quittiert…"
,,Ja, sicher…das hast du schon mal gemacht."
,,Ich weiß du kannst mir nicht glauben, das verstehe ich, doch ich weiß, das ich die Wahrheit spreche…" Chris schluckte, ,,…Und ja, ich bleibe bei der BSAA, denn dort gehöre ich hin, aber ich kämpfe nicht mehr an der Front. Es ist endlich vorbei, für mich. Jetzt habe auch ich endlich meinen Platz gefunden."
Jill hielt seinem Blick stand und schluckte, wenn sie ihm doch nur glauben könnte, wenn er ihr den niederdrückenden Schmerz doch nur damit nehmen könnte, der sie noch immer quälte: ,,Lass mich gehen, Chris…"
,,Jill bitte…wirf nicht alles weg, was wir…"
,,Du bist der Einzige, der alles weg geworfen hat!…" fuhr sie ihm wütend übers Wort, ,,…Du hast dir nicht helfen lassen mit deinem offensichtlichen Trauma, das du in Edonia erlitten hast! Amnesie hin oder her."
,,Jill…"
,,Nein, Chris!…" unterbrach sie strickt, blickte ihm erneut in die Augen, ,,…Es ist zu spät. Es war schon vor deiner Mission zu spät…" Sie wollte den Punkt nicht ansprechen, aber ihr blieb keine andere Wahl. Es musste einfach raus.
Betrübt und traurig senkte er den Kopf. Er wusste, auf was sie anspielte. Das Ereignis, das überhaupt erst dazu geführt hatte, das er wieder in die Offensive gewechselt hatte.
,,Es tut mir leid…" ein Flüstern kam von seinen Lippen, ,,…Ich hätte mit dir reden sollen, nachdem wir das Baby…" er brach ab, konnte es noch immer nicht aussprechen.
Jill nickte: ,,Das hättest du tun müssen, doch du hast dich in deine Arbeit gestürzt, du hast mich links liegen lassen…Hast du geglaubt, nur du hast dieses Kind verloren? Was glaubst du, wie es mir gegangen ist? Es war mein Körper, der es getötet hat und ich hätte dich so sehr gebraucht!"
Chris schluckte schwer, nickte innerlich. Sein Verhalten damals war wohl der eigentliche Grund, weshalb Jill noch immer so verletzt war. Er hatte sie mit dem Verlust allein gelassen, nicht wahr genommen, wie ihr zumute war. Er hatte sie ignoriert und ja, er hatte sie auf jede erdenkliche Weise im Stich gelassen.
,,Ich kann nicht einfach da weiter machen, wo wir damals aufgehört haben."
,,Jill…" er schüttelte den Kopf, hob ihn, um ihr wieder in die Augen zu sehen.
,,…Gott, verstehst du nicht, Chris, du hast mir das Herz gebrochen!…" ihr Blick wurde wässrig, ,,…Weißt du…damals, was ich dir bei unserer Hochzeit gesagt habe, was wir einander versprochen haben, ich habe das wirklich ernst gemeint. Ich dachte, du wärst immer an meiner Seite, ich wollte wirklich mit dir alt werden…und dann war alles so kalt und kaputt zwischen uns. Ich habe dich nicht erreichen können, du hast dich ja auf nichts anderes mehr fixiert, als auf deine gottverdammte Mission und…ich habe geglaubt, du liebst mich nicht mehr…"
,,Das ist nicht wahr, Jill ich liebe dich mehr, als du es dir vorstellen kannst und…"
,,…warum hast du es dann gemacht? Du bist nach der Fehlgeburt einfach gegangen, obwohl du wusstest, das du mir damit weh tust…" sie schluckte schwer, schniefte einmal mehr und hatte jetzt wirklich Mühe, ihr Weinen zurück zu halten, flüchteten doch schon zwei Tränen über ihre Wangen, ,,…Ich weiß, das ich dich enttäuscht habe, das ich nicht fähig war, unserem Kind das Leben zu schenken, aber ich hätte niemals gedacht, das du mich deswegen verurteilst, nach allem, was hinter uns liegt."
,,Was?…" perplex sah er sie an. Glaubte Jill etwa, er gäbe ihr die Schuld an dem Verlust des Kindes? ,,,…Nein!…" beherzt griff er an ihre Schulter, schüttelte den Kopf und legte seine freie Hand an ihre Wange, ,,…ich habe dir nie…" er schluckte, tat es einfach. Chris kam vor, schloss seine Frau sehnsüchtig in die Arme, drückte sie sanft an seine Brust, ,,…Jill, es war nicht deine Schuld! Niemand konnte es beeinflussen…" er erinnerte sich ebenfalls, schmerzlich zurück. Keiner der Ärzte hatte ihnen sagen können, wieso es damals zu dieser Fehlgeburt gekommen war. Tröstend hielt er sie ganz fest: ,,…Du hast mich noch nie enttäuscht…ich war es! Es war mein Fehler gewesen, zu gehen. Ich habe so viel falsch gemacht, ich habe dich enttäuscht…" Er war darauf gefasst, das sie ihn von sich stoßen würde, genoss er dennoch den Augenblick, ihre Nähe.
Jill kniff die Augen zusammen, kaum das sie seine Arme um ihren Rücken spürte. Ihre Tränen wollten nicht aufhören zu fließen. Irgendetwas in ihrer Brust zerriss gerade aufs Neue, als sie gleichfalls ihre Arme an seine Seite legte, sich an ihn drückte.
Oh, wie sehnte sie sich nach ihm, wie sehnte sie sich nach seinen Armen, seiner Wärme. Bei ihm war die ewige Käte endlich verschwunden. Oh, niemals sollte er sie loslassen.
Sie liebte ihn und ein Teil von ihr wollte einfach nur alles vergessen, neu Anfangen, doch der andere Teil hatte Angst davor erneut verletzt zu werden. Sie hatte nie gedacht, das Christopher Redfield ihr so etwas antun würde und doch hatte er es getan. Er war gegangen, dann hatte er sie vergessen, seinen Sohn und sein Leben. Jill war noch immer erschrocken und erschüttert darüber, sah ein, das sie nur geglaubt hatte darüber weg zu sein, war der Schmerz heute doch noch genauso stark wie damals.
Oh, wie genoss sie es von ihm gehalten zu werden, sie fühlte unendliche Geborgenheit.
,,…Ich habe…" begann sie weinend, ,,…Ich habe so lange nach dir gesucht, dort in Edonia, so lange…ich konnte dich nicht finden…Weißt du wie sich das angefühlt hat?…" Sie hielt ihn, verinnerlichte noch einmal, das er hier war, das er lebte und das es ihm wieder gut ging.
Chris biss sich auf die Unterlippe. Er war so mit sich selbst beschäftigt gewesen, das er einfach nicht nachgedacht hatte, als er verschwand. Er erkannte einmal mehr, was für ein Vollidiot er war, das sein Verhalten in und nach Edonia feige und schwach war, ganz gleich ob er an posttraumatischer Amnesie litt oder nicht. Er hätte sich gleich seinen Problemen stellen müssen, hätte der blonden Frau an seinem Krankenbett gleich vertrauen sollen, die sich um ihn gekümmert hatte.
,,…Ich dachte…ich würde sterben…" Jill zitterte, als sie sich langsam von ihm löste und sich wünsche, das diese Umarmung ewig halten würde. Es wärmte sie, löschte die eisig kalten, ätzenden Flammen in ihrem Innern. ,,…Warum hast du mir all das nur angetan? Nach allem, was wir durchgemacht haben?…Machte es dir Spaß auf mir und meinen Gefühlen herum zu trampeln? Du weißt, das ich ohne dich nicht Leben kann…Ich kann dich einfach nicht verstehen und mir ist, als würde ich dich jetzt kaum noch kennen."
Ihr Schluchzen rührte ihn, er hasste sich, verfluchte sich einmal mehr, denn er erkante, das immer nur er es war, der ihr weh tat.
,,Du kennst mich, Jill…ich bin der selbe…" er schniefte selbst, blickte ihr in die Augen, ,,…Gott, ich wollte dir das nicht antun, es war alles meine eigene Dummheit, ich habe nicht gesehen, das ich dir so weh tun würde…und ja, ich war egoistisch, ich hätte mit dir reden sollen, ich hätte auch für dich da sein müssen. Ich habe so viele Fehler gemacht, ich weiß nicht, wie ich es wieder gut machen kann, was ich tun kann, das du mir verzeihst, aber ich würde alles dafür tun, egal wie lange es auch dauert…Ich liebe dich doch!"
Jill hob eine Hand, legte sie an seine Wange: ,,Ich habe dich so sehr vermisst!" Nicht einmal ließ sie von seinen Augen ab.
Ja, sie hatte geglaubt er wäre tot, in seinem damaligen labilen Zustand war ein Suizid schließlich nicht ausgeschlossen und Tag für Tag hatte sie erwartet die schlimmste aller Nachrichten zu bekommen, doch die Unwissenheit all die Monate war noch weitaus schlimmer gewesen.
Chris blickte auf ihre Hand an seiner Wange, nahm diese in seine und er sah, das Jill noch immer ihren Ehering trug. Sie hatte wohl noch nicht ganz aufgegeben.
Jill folgte seinem Blick, dann sah sie ihm zu wie er die Silberkette um seinen Hals hervor zog, an dem auch sein Ehering hing. Er hatte ihn behalten, all die Zeit. Er hatte doch an etwas fest gehalten, auch wenn er nicht gewusst hatte an was.
Lange Sekunden, sahen beide einander an. Er sah den Schmerz in ihren Augen, hob seine Hand und strich ihr langsam das Haar hinters Ohr, während er mit der anderen Hand ihren Rücken fester umfasste, sie sanft zu sich zog.
Jill schüttelte kaum merklich den Kopf, wollte ihn aufhalten, da sie wusste, was er im begriff war zu tun: ,,Chris, ich…" Dann war es zu spät. Er hatte schon begonnen sie zu küssen…
…Sein Hemd lag am Boden, daneben ihr Shirt.
Wie das passiert war, konnte keiner der beiden erklären, doch das Verlangen, das über Chris und Jill herein gebrochen war, ließ sich nicht mehr aufhalten. Der Kuss gewann in rasender Geschwindigkeit an Intensität und Verlangen.
Ihre beiden Lippenpaare suchten, berührten einander, wie Drogensüchtige. Begehrend und fordernd.
Jills Finger öffneten in Windeseile seinen Gürtel, als Chris sie mit Leichtigkeit auf das Hotelbett drückte, seine Hand unter ihren Rock und nach oben schob, ihren Slip erfasste.
Ihre beiden Herzen schlugen heftig, es kribbelte in ihren Bäuchen, Erregung und Sehnsucht breitete sich in den Körpern der beiden aus.
Sie wollten es…
Jill wollte Sex mit ihm und Chris wollte Sex mit ihr.
Jetzt.
Schnell hatten sie sich der restlichen Kleidung gegenseitig entledigt, hatten ihre Küsse und ihre Berührungen nur noch inniger vertieft.
Heiße Luft erfüllte den Raum, gefolgt von einem wohltuenden aufstöhnen, als Chris sich über sie legte, mit einem kräftigen Stoß tief in Jill eindrang.
Sie hielt ihn verzweifelt, schlag die Beine um seinen Rücken und verschloss nur einmal mehr seine Lippen mit ihren.
Die Einsamkeit und Kälte, die Jill im Inneren seit seinem Verschwinden gespürt hatte, verflog augenblicklich in seinen Armen. Sie spürte seine Nähe, seine Leidenschaft und Wärme, sie spürte Chris in allem und Sehnsucht steuerte ihr tun.
Chris ging es nicht anders.
Wie sehr hatte er sie vermisst, sie sehr liebte er sie.
Seine Hand streichelte ihren Körper, während er immer wieder in sie eindrang. Seine Lippen küssten ihren Hals, ihr Dekollté, nur noch hauchzart waren die kleinen Narben zu sehen, die davon zeugten, dass diese grausame Apparatur einmal an Jill angeschlossen war. Es war ihm egal. Sie war perfekt für ihn und einfach nur wunderschön.
Lange hatte er sie nicht mehr kosten dürfen, zu lange. Was auch immer es war, das sei beide nun überkommen hatte, sie wussten, das eine lange Nacht vor ihnen liegen würde…
Carlos hatte gerade das Badezimmer verlassen, kam zu seiner Frau in die Küche und streckte den Kopf m die Ecke: ,,Kann ich dir noch etwas helfen, Schatz?"
Rebecca, die gerade die letzten Teller des Abendessens in die Spülmaschine geräumt und diese angeschaltet hatte, wischte noch mit einem Tuch über den Küchentisch. Sie lächelte zu ihm und schüttelte den Kopf: ,,Nein, ist alles okay."
Ja, sie war glücklich mit ihm. Nie hätte sie gedacht, das Carlos Oliveira ihr Typ Mann wäre. Doch so war es und Rebecca war froh und zufrieden mit ihrem neuen Leben als verheiratete Frau. Jill hatte damals recht behalten, als sie zu ihr sagte, das ein Leben zu zweit viel erfüllender und besser wäre, als alle Jahrzehnte allein zu verbringen.
,,Soll ich den Film schon mal anschalten, oder musst du wieder irgendwelche Berichte durchgehen?" wollte Carlos derweil wissen.
,,Nein, mach nur, ich komme mit…" antwortete Rebecca und folgte ihrem Ehemann ins Wohnzimmer ihrer kleinen Eigentumswohnung, ,,…aber eins sage ich dir, wir gucken nur den einen, morgen früh muss ich pünktlich sein."
,,Ja, ja Frau Doktor…" er lachte, schaltete den Film ein und nahm dann neben ihr auf dem gemütlichen, weißen Sofa platz. Er wusste, wie sehr Rebecca ihre Arbeit liebte und er wusste, das eine große Aufgabe vor ihr liegen würde. Schon einmal hatte sie einen Impfstoff entwickelt, drum hatte man sie für die neue Forschungsreihe empfohlen und verlangt. Ab morgen würde die junge Ärztin nicht mehr nur noch die medizinische Abteilung der BSAA Leiten, sondern auch nebenbei wieder an einem Impfstoff forschen. Diesmal gegen das C-Virus.
,,Bist du aufgeregt?" fragte er dann.
Sie schüttelte den Kopf: ,,Nein…ich bin lediglich gespannt. Bei Jill wusste ich damals, wer der Spender war, in diesem Fall hier weiß ich es nicht. Ich weiß noch überhaupt gar nicht, was mich morgen erwartet, aber ich mache das beste draus und wenn es meine Fähigkeiten erlauben, werde ich auch erfolgreich sein."
,,Das wirst du, Süße…" er legte einen Arm um sie, küsste ihre Schläfe, ,,…ganz egal, wie lange es dauert."
Die Brünette lächelte und beide sahen sich den Anfang des Filmes an. Sie mochte es immer wieder aufs Neue, wie Carlos ihr zusprach, wie er ihre Zweifel vertreib und wie er strickt und starr hinter ihr stand. Er identifizierte sich mit allem, was sie tat und sie tat es ihm gleich. Da er allerdings nun nicht mehr als Söldner unterwegs war, sondern Barry seine Kontakte hat spielen lassen, arbeitete Carlos Oliveira als Cop der Washingtoner Polizei. Nie hatte Rebecca geglaubt, es würde ihm gefallen, hatte er die Stelle doch nur wegen ihr angenommen, da sie sich ein jedes Mal, wenn er als Söldner unterwegs war, Sorgen gemacht hatte, doch Carlos war glücklich.
Er hatte in ihr seinen Platz gefunden, den Kampf, den er seit seiner Jugend in Honduras gehegt hatte, niedergelegt.
Es war nicht lange ruhig zwischen den beiden, da ergriff Rebecca erneut das Wort: ,,Ach, as habe ich dir noch gar nicht erzählt." Sie wandte den Blick vom Fernseher ab, sah zu ihm.
Seine Agen trafen ihre und er fragte sie im Geiste.
,,…Jill hat mich heute Mittag angerufen…" begann Rebecca und Carlos wurde sichtlich hellhörig, ,,…Sie trifft sich jetzt doch mit Chris."
,,Echt?"
Sie nickte: ,,Ja und ich finde es ehrlich gesagt auch besser, immerhin müssen die beiden mal miteinander reden. Ein Weg muss gefunden werden."
Carlos seufzte nicht wirklich begeistert, dann sagte er, urplötzlich wütend auf den Mann, von dem er geglaubt hatte er wäre sein Freund geworden: ,,…Also wenn mich jemand nach meiner Meinung fragt, soll Jill diesen Mistkerl in die Wüste jagen!"
,,Carlos!" ermahnte Rebecca.
,,Ist doch so!"
Sie schluckte und schüttelte kaum merklich den Kopf: ,,Die beiden haben ein gemeinsames Kind, das ist nicht so einfach."
,,Aber sicher ist es das…" entgegnete er, ,,…Mein alter Herr hat sich damals auch verpisst, wir haben ihn nie wieder gesehen und ich bin auch gut damit zurecht gekommen."
Rebecca legte den Kopf schief: ,,Das war etwas anderes, dein Vater hat seine Frau und seine Kinder geschlagen!"
Betrübt blickte er unter sich.
Ja, es war wahr. Sein Vater hatte die Familie verlassen, als er selbst knapp elf Jahre gewesen war, doch sein alter Herr war ein Drecksack gewesen. Wie oft hatte Carlos, als ältester von sechs Geschwistern seine verzweifelt weinende Mutter aufbauen müssen, die von ihrem Gatten windelweich geprügelt worden war. Nicht selten hatte auch er den ein oder anderen Hieb oder Tritt abbekommen und das war schließlich auch der Grund, wieso er ein Söldner wurde. Friss oder du wirst gefressen. Carlos wollte nie wieder auf sich herum trampeln lassen und das hatte er geschafft. Er wurde der beste Kämpfer seines Jahrgangs, der beste Schütze und damals gleich zum Anführer gewählt.
,,Na waten wir es einfach ab…" murmelte er, vertrieb seine Erinnerungen, ,,…aber mir braucht dieser Kerl nicht wieder unter die Nase zu kommen."
,,Sag so was nicht…"
,,Ich meine es ernst, Rebecca…" Carlos war sauer, ,,…Chris hat sie einfach nicht verdient und das werde ich ihm auch bei Gelegenheit sagen, wenn meine Faust auf sein Jochbein trifft."
Rebecca drehte den Kopf weg und stieß Luft aus ihren Lungen: ,,Warum sagst du so was? Du hörst dich ja fast eifersüchtig an!…" sie löste die Umarmung, richtete sich auf und sah ihn direkt an, ,,…Man könnte glatt meinen du hast noch immer Gefühle für Jill!"
,,Ach, Becca…" Carlos wank ab.
,,Doch!…" fiel sie ihm ins Wort, ,,…Ich weiß, das du sie mal geliebt hast und vielleicht ist das doch nicht so vorbei, wie ich dachte, immerhin ist sie deine Chica und nicht ich!"
Carlos drehte sich zu ihr, legte seine Wand an die Wange: ,,Schatz, das ist doch nur ein Spitzname, ich liebe dich, schon vergessen?"
Schmollend hielt sie seinem Blick stand, seine Aussage reichte ihr nicht.
,,Mein Gott, ja ich mag Jill noch immer…aber ich habe es akzeptiert, das sie diesen Idioten geheiratet hat und seitdem ich dich kenne, ist sie für mich nur noch wie eine kleine Schwester. Ich will sie beschützen, das hat dir doch noch nie etwas ausgemacht. Verstehst du das denn nicht?"
Besänftigt nahm sie seine Hand in ihre, hielt diese und nickte leicht: ,,Doch…Ich weiß, das euch beide viel verbindet, damals in Raccoon…" sie sah unter sich, wusste, das er die Wahrheit sprach, wusste jedoch auch, das er sie liebte und ihr niemals weh tun würde. Sie blickte ihm wieder in die Augen und nickte.
,,Na siehst du…" zärtlich hauchte er ihr seinen Kuss auf die Lippen, schmunzelte, ,,…Außerdem: ich habe dich geheiratet Misses Oliveira…und niemand anderes kann deinen Platz an meiner Seite annehmen, selbst Chica nicht."
Jetzt lächelte Rebecca verlegen, war doch alles gut zwischen den beiden. Sie streckte sich selbst und küsste ihren Ehemann zurück…
